Die Zügelhaltung

Bei dieser Reiterin ist die Zügelhaltung schon fast perfekt. Der Daum sollte ein kleines Dach bilden und nicht flach oben drauf gelegt

Zügel richtig halten: Greiftechnik, Handhaltung und typische Fehler

Die richtige Zügelhaltung beim englischen Reiten sieht auf den ersten Blick erstaunlich unspektakulär aus. Beide Hände stehen ruhig über dem Widerrist, die Finger sind geschlossen und die Zügel verlaufen möglichst geradlinig zum Pferdemaul. In der Praxis steckt jedoch eine Menge Feinarbeit darin. Schon ein flach liegender Daumen, eine geöffnete Faust oder ein nach innen geknicktes Handgelenk verändert die Verbindung zum Pferd.

Dabei geht es zunächst noch gar nicht um Zügelhilfen. Bevor ein Reiter mit den Zügeln sinnvoll einwirken kann, muss er lernen, sie sicher zu greifen, in einer passenden Länge zu halten und die Hände unabhängig vom eigenen Gleichgewicht zu tragen.

Diese Reiterin hält die Hände verdeckt und sollte sie schön aufrecht tragen

Wie hält man die Zügel richtig?

Beim Reiten mit Trensenzügeln wird in jeder Hand ein Zügel gehalten. Der linke Zügel gehört in die linke Hand, der rechte in die rechte. Die Zügel dürfen dabei nicht verdreht sein.

Das Zügelende gehört nach links unter dem Zügel.

Am einfachsten lässt sich die richtige Greiftechnik erlernen, wenn die Zügel zunächst locker auf dem Pferdehals liegen. Der Reiter greift den jeweiligen Zügel von oben.

Anschließend läuft der Zügel von unten zwischen kleinem Finger und Ringfinger in die Hand hinein, quer durch die leicht geschlossene Handfläche und über den Zeigefinger wieder aus der Hand heraus.

Der Daumen liegt von oben auf dem Zügel und hält ihn auf dem Zeigefinger fest. Er wird nicht flach auf die Faust gedrückt, sondern bildet ein kleines Dach. Diese dachförmige Daumenhaltung ist wichtig, weil ein flach aufgelegter oder nach innen gepresster Daumen leicht zu einer verkrampften Hand und einem festen Unterarm führt.

Nachdem der Zügel richtig eingelegt wurde, schließen sich die übrigen Finger locker darum. Besonders der kleine Finger darf nicht abgespreizt bleiben. Die Faust wird geschlossen, aber nicht zusammengepresst. Der Reiter hält den Zügel also sicher, ohne ihn mit unnötiger Muskelkraft festzuklammern.

Die häufig verwendete Vorstellung, in jeder Hand vorsichtig einen kleinen Vogel zu halten, beschreibt die nötige Spannung recht gut: Die Hand ist so weit geschlossen, dass nichts entwischt, aber nicht so fest, dass sie hart und unbeweglich wird.

So sieht es am Anfang oft aus, nicht verzweifeln. Man vergisst es als Reitanfänger so oft, wie der Zügel verlaufen soll und das ergibt dann Zügelsalat

Die richtige Stellung der Zügelfäuste

Die Fäuste werden aufrecht getragen. Von oben betrachtet sind die Fingernägel sichtbar, während die Handflächen einander zugewandt sind. Die kleinen Finger liegen etwas näher zusammen als die Daumen. Dadurch stehen die Hände nicht vollkommen parallel, sondern sind ganz leicht nach innen gedreht.

Diese Stellung entsteht nicht dadurch, dass der Reiter die Handgelenke gewaltsam dreht. Sie ergibt sich aus locker herabhängenden Oberarmen, angewinkelten Ellenbogen und gerade weitergeführten Unterarmen.

Die Handgelenke bleiben dabei möglichst gerade. Sie dürfen weder nach innen noch nach außen abknicken. Ebenso ungünstig ist es, die Hände nach unten hängen zu lassen oder die Knöchel waagerecht zu drehen. Solche „verdeckten Fäuste“ machen den Unterarm fest und erschweren eine gleichmäßige Zügelhaltung.

Als zuverlässige Kontrolle gilt die gerade Linie vom Ellenbogen über den Unterarm, die Hand und den Zügel bis zum Pferdemaul. Diese Linie sollte sowohl von der Seite als auch von oben betrachtet weitgehend erhalten bleiben. Da Pferde und Reiter sehr unterschiedliche Körperproportionen haben, ist sie genauer als jede starre Zentimeterangabe.

Hier sie man auch eine verdrehte Hand, dass ist aber wie hier kein großer Fehler, weil die Hand schön nachgiebig und weich wird

Wie hoch sollen die Hände getragen werden?

Als Grundposition werden die Hände ungefähr eine Handbreit über dem Widerrist getragen. Sie schweben dort frei und werden nicht auf dem Pferdehals, dem Mähnenkamm oder dem Sattel abgelegt.

Auch zwischen beiden Händen liegt etwa eine Handbreit Abstand. Die linke Hand bleibt links vom Mähnenkamm, die rechte Hand rechts davon. Die Hände werden nicht über dem Widerrist zusammengeschoben und nicht seitlich weit auseinandergetragen.

Die Angabe „eine Handbreit über dem Widerrist und eine Handbreit auseinander“ ist eine hilfreiche Ausgangsposition, aber kein unveränderliches Maß. Entscheidend bleibt die gerade Verbindung zwischen Ellenbogen, Hand und Pferdemaul. Bei einem sehr kleinen Pony, einem Pferd mit hoch angesetztem Hals oder einem Reiter mit besonders langen Armen kann die passende Handposition etwas anders aussehen.

Die Hände sollten außerdem auf annähernd gleicher Höhe getragen werden. Eine dauerhaft höhere oder weiter zurückgenommene Hand führt zu einer ungleichmäßigen Zügellänge. Häufig versucht der Reiter dann unbewusst, eine schiefe Körperhaltung mit den Händen auszugleichen.

Wohin gehören die Ellenbogen?

Die Oberarme hängen locker am Oberkörper herab. Die Ellenbogen werden weder fest an die Rippen gepresst noch seitlich abgespreizt. Sie sind leicht angewinkelt und dürfen die Bewegungen des Pferdes elastisch begleiten.

Wer die Ellenbogen nach außen stellt, dreht meistens gleichzeitig die Fäuste nach innen und bringt die Daumen zueinander. Dadurch geht die aufrechte Handhaltung verloren. Werden die Ellenbogen dagegen starr hinter den Körper gezogen, landen die Hände schnell im Schoß und die Zügel werden rückwärts gehalten.

Eine korrekte Zügelhaltung beginnt deshalb nicht erst in den Fingern. Verspannte Schultern, hochgezogene Arme und festgestellte Ellenbogen setzen sich bis in die Hände fort. Die Finger können nur fein geschlossen bleiben, wenn Schulter, Oberarm und Ellenbogen beweglich sind.

Wie lang müssen die Zügel sein?

Die richtige Zügellänge lässt sich nicht allein daran erkennen, wie viel Leder zwischen Hand und Schnalle übrig bleibt. Entscheidend ist, ob der Reiter die Hände in der vorgesehenen Grundposition tragen kann, ohne sie zum Pferdemaul vorschieben oder zum eigenen Körper zurückziehen zu müssen.

Bei passend aufgenommenen Zügeln entsteht eine gleichmäßige Verbindung vom Gebiss zur Hand. Die Zügel hängen nicht durch, werden aber auch nicht straff wie zwei gespannte Drähte. Die Hände bleiben vor dem Körper über dem Widerrist, die Ellenbogen sind locker angewinkelt und die gerade Linie zum Pferdemaul bleibt erhalten.

Die benötigte Zügellänge verändert sich mit der Haltung des Pferdes. Streckt es seinen Hals vorwärts-abwärts, braucht es mehr Zügellänge. Trägt es Hals und Kopf höher, ist eine andere Länge erforderlich. Deshalb kann eine einmal eingestellte Zügellänge nicht während der gesamten Reitstunde unverändert bleiben.

Woran erkennt man zu lange Zügel?

Zu lange Zügel erkennt man nicht nur daran, dass sie deutlich durchhängen. Häufig versucht der Reiter, die fehlende Verbindung auszugleichen, indem er die Hände immer weiter nach hinten nimmt.

Typische Anzeichen sind Hände im Schoß oder dicht vor dem Bauch, weit nach hinten gezogene Ellenbogen und nach hinten gekippte Fäuste. Der Reiter muss die Arme zurücknehmen, bevor er den Zügel überhaupt fühlen kann. Dadurch geht die korrekte Grundhaltung verloren.

Auch wenn die Hände bei jeder kleinen Korrektur weit nach hinten wandern müssen, sind die Zügel wahrscheinlich zu lang. Besonders Anfänger lassen die Zügel oft nach und nach durch die Finger gleiten. Die Hände stehen zunächst richtig, wenige Minuten später befinden sie sich jedoch wieder dicht am Sattel.

Zu lange Zügel werden nicht dadurch verkürzt, dass beide Hände einfach nach hinten gezogen werden. Stattdessen muss der Reiter kontrolliert nachfassen und anschließend mit den Händen wieder in die normale Position zurückkehren.

Woran erkennt man zu kurze Zügel?

Sind die Zügel zu kurz, werden die Arme häufig nach vorn gestreckt. Die Ellenbogen verlieren ihre natürliche Winkelung und rutschen vor den Oberkörper. Manche Reiter beugen zusätzlich den Oberkörper nach vorn, weil sie dem Pferd nur so noch etwas Raum geben können.

Weitere Hinweise sind hochgezogene oder starre Hände, festgehaltene Schultern und eine ständig gespannte Verbindung, die sich kaum noch an die Bewegung des Pferdes anpassen kann. Der Reiter hat keinen Spielraum mehr, die Hände vorzugeben, ohne die Zügel vollständig aus der Hand gleiten zu lassen.

Ein sehr kurzer Zügel ist nicht automatisch ein korrekt aufgenommener Zügel. Die passende Länge ermöglicht eine ruhige Handposition. Sie zwingt den Reiter weder zum Ziehen noch zum Vorstrecken der Arme.

So lernen Anfänger die richtige Zügelhaltung

Anfänger sollten die Greiftechnik zunächst im Stand üben. Das Pferd wird dabei von einer erfahrenen Person gehalten. Solange der Reiter noch gleichzeitig das Gleichgewicht suchen, die Füße sortieren und das Pferd lenken muss, geraten die Hände schnell durcheinander.

Zunächst werden beide Zügel von oben aufgenommen und auf Verdrehungen kontrolliert. Danach wird jeder Zügel zwischen kleinem Finger und Ringfinger eingelegt, durch die Hand geführt und unter dem dachförmig aufgelegten Daumen fixiert. Erst dann werden die Finger locker geschlossen und die Fäuste aufgestellt.

Anschließend lässt sich die Grundposition kontrollieren:

  • Die Daumen liegen oben und bilden ein kleines Dach.
  • Die Zügel laufen zwischen kleinem Finger und Ringfinger in die Hand.
  • Alle Finger sind locker geschlossen.
  • Die kleinen Finger liegen etwas näher zusammen als die Daumen.
  • Die Handgelenke sind gerade.
  • Beide Hände befinden sich ungefähr eine Handbreit über dem Widerrist.
  • Zwischen den Händen liegt etwa eine Handbreit Abstand.
  • Jede Hand bleibt auf ihrer Seite des Mähnenkamms.
  • Ellenbogen, Unterarm, Hand und Zügel bilden eine möglichst gerade Linie zum Pferdemaul.

Erst wenn diese Haltung im Stand sicher gelingt, sollte sie im Schritt überprüft werden. Sinnvoll sind außerdem Unterrichtseinheiten an der Longe, in denen der Anfänger zeitweise ohne Zügel reitet. Solange die Hände noch zum Festhalten oder Ausbalancieren gebraucht werden, kann keine ruhige und unabhängige Zügelhaltung entstehen.

Die häufigsten Fehler bei der Zügelhaltung

Offene Finger

Bei offenen Händen kann der Zügel unbemerkt durch die Finger rutschen. Die Zügellänge verändert sich ständig und der Reiter muss immer wieder nachfassen. Außerdem fehlt der sichere, aber elastische Abschluss der Hand.

Die Lösung besteht nicht darin, kräftiger zuzupacken. Meist reicht es, Ringfinger und kleinen Finger bewusst locker zu schließen und den Zügel zuverlässig mit dem Daumen zu fixieren.

Flach aufgelegte Daumen

Liegt der Daumen flach und fest auf der Faust, spannt sich häufig der gesamte Unterarm an. Der Daumen sollte wie ein kleines Dach auf dem Zügel stehen. Seine Aufgabe ist es, den Zügel am Durchrutschen zu hindern, nicht die ganze Hand zusammenzupressen.

Verdeckte Fäuste

Bei verdeckten Fäusten zeigen die Knöchel nach oben und die Daumen zueinander. Die Hände liegen beinahe waagerecht. Dadurch knicken die Handgelenke ab und die Unterarme werden fest.

Zur Korrektur werden die Fäuste aufgerichtet, bis die Fingernägel von oben sichtbar sind und die kleinen Finger wieder etwas näher beieinanderliegen als die Daumen.

Abgespreizte kleine Finger

Ein abgespreizter kleiner Finger sieht manchmal elegant aus, gehört aber nicht zur korrekten Zügelhaltung. Da der Zügel zwischen kleinem Finger und Ringfinger in die Hand läuft, muss auch der kleine Finger locker geschlossen sein. Sonst wird der Zügel nicht sauber geführt.

Zu fest geschlossene Hände

Eine geschlossene Faust ist nicht dasselbe wie eine harte Faust. Werden die Finger krampfhaft zusammengedrückt, versteifen sich Handgelenk, Unterarm und schließlich die Schulter. Die Hand soll den Zügel halten, nicht zerquetschen.

Nach innen geknickte Handgelenke

Knickt der Reiter die Hände nach innen, stehen die Daumen häufig dicht beieinander, während die kleinen Finger nach außen zeigen. Damit ist die gewünschte Stellung genau umgekehrt. Die Korrektur erfolgt aus dem Unterarm heraus: Hände aufrichten, Handgelenke gerade lassen und die kleinen Finger leicht zueinander ausrichten.

Hände auf dem Widerrist ablegen

Abgelegte Hände wirken zwar ruhig, sind aber nicht unabhängig. Sie werden von der Bewegung des Pferdehalses mitgenommen und können ihr nicht elastisch folgen. Die Hände müssen frei über dem Widerrist getragen werden.

Hände zu weit auseinander tragen

Weit auseinanderstehende Hände entstehen häufig beim Versuch, das Pferd mit den Zügeln zu lenken. Dabei gehen die gerade Linie zum Pferdemaul und die gleichmäßige Handposition verloren. Als Ausgangsstellung genügt ungefähr eine Handbreit Abstand.

Beide Hände über den Mähnenkamm schieben

Jede Hand bleibt grundsätzlich auf ihrer Seite des Pferdehalses. Wird eine Hand über den Mähnenkamm gezogen, verändert sich die Richtung des betreffenden Zügels deutlich. Dieser Fehler fällt besonders beim Reiten von Wendungen auf, obwohl es für die reine Handhaltung keinen Grund gibt, eine Hand auf die andere Halsseite zu bewegen.

Hände im Schoß

Hände dicht an Bauch, Hüfte oder Sattel sind meist ein Zeichen für zu lange Zügel oder rückwärts arbeitende Arme. Nach dem korrekten Nachfassen gehören die Hände wieder nach vorn über den Widerrist.

Mit den Zügeln festhalten

Der schwerwiegendste Fehler besteht darin, die Zügel als Haltegriffe zu benutzen. Wer bei jedem Gleichgewichtsverlust an den Zügeln zieht, kann keine verlässliche Hand entwickeln. In diesem Fall muss zuerst der unabhängige Sitz verbessert werden – notfalls vorübergehend an der Longe und ohne Zügel.

Sicherheit beim Halten der Zügel

Zügel dürfen niemals um die Hand, einzelne Finger oder das Handgelenk gewickelt werden. Auch ein vermeintlich ruhiges Pferd kann plötzlich stolpern, scheuen oder den Kopf hochreißen. Ein um die Hand geschlungener Zügel kann sich dann festziehen und schwere Verletzungen verursachen.

Die überschüssige Zügelschlaufe wird ebenfalls nicht fest umklammert oder verknotet. Sie liegt geordnet und so, dass sie weder herabfällt noch zwischen Ausrüstungsteile gerät. Vor dem Aufsteigen sollte außerdem kontrolliert werden, ob beide Zügel korrekt verschnallt, unbeschädigt und nicht verdreht sind.

Eine gute Zügelhaltung ist ruhig, aber niemals starr

Die korrekte Zügelhaltung ist keine eingefrorene Pose. Die Hände werden zwar geordnet und ruhig getragen, bleiben aber Teil eines beweglichen Körpers. Schultern, Ellenbogen, Handgelenke und Finger müssen entspannt genug sein, um den Bewegungen des Pferdes folgen zu können.

Für den Anfang helfen klare äußere Merkmale: Zügel zwischen kleinem Finger und Ringfinger, Daumen als Dach, geschlossene Finger, aufrechte Fäuste, gerade Handgelenke sowie Hände ungefähr eine Handbreit über dem Widerrist und eine Handbreit auseinander. Ob die Haltung wirklich passt, zeigt jedoch vor allem die Linie vom Ellenbogen bis zum Pferdemaul.

Sobald der Reiter die Hände nicht mehr zum Festhalten braucht und die Zügellänge erhalten kann, ohne ständig nachzugreifen, wird aus einer äußerlich korrekten Handhaltung allmählich eine sichere Reiterhand.

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Ich bin Daniela

Reitlehrerin FN und Therapeutische Reitlehrerin und absoluter Fan von Fjordpferden