Ping Pong van de Lentamel – der Schecke im internationalen Spitzensport
Wer behauptet, Schecken seien vor allem hübsche Freizeitpferde und im ganz großen Springsport eher eine Randerscheinung, sollte sich Ping Pong van de Lentamel einmal etwas genauer ansehen. Denn dieser auffällige Braunschecke sieht nicht nur so aus, als hätte jemand zwischen all den braunen und fuchsfarbenen Springpferden ein wenig Farbe ins Starterfeld bringen wollen. Er gehört tatsächlich zur internationalen Spitze.
Ping Pong van de Lentamel wurde am 25. Juni 2015 in Belgien geboren, ist als Belgisches Warmblut beim BWP eingetragen und stammt von Emerald van ’t Ruytershof aus der Lieve Vrouwke van de Lentamel von Toulon. Der Wallach ist rund 1,65 Meter groß und wird bei der FEI bis heute als aktives internationales Springpferd geführt. Seine FEI-ID lautet 107GZ21.
Allein seine Abstammung macht deutlich, dass wir es hier nicht mit einem bunten Zufallsprodukt zu tun haben. Vater Emerald van ’t Ruytershof war selbst international bis 1,60 Meter erfolgreich und gehört inzwischen zu den bedeutenden Springpferdevererbern. Dahinter stehen Diamant de Semilly und Carthago. Auf der Mutterseite kommt mit Toulon ein weiterer international erfolgreicher 1,60-Meter-Hengst hinzu.
Ping Pong sieht also außergewöhnlich aus. Sein Pedigree dagegen liest sich wie das Who’s who der modernen Springpferdezucht.
Die Scheckfarbe kommt aus einer alten Sportpferdelinie
Besonders spannend wird Ping Pongs Geschichte, wenn man seiner Farbe folgt.
Seine Mutter Lieve Vrouwke van de Lentamel ist eine Tochter des Toulon und der gescheckten Stute Vita. Vita wiederum stammt von Limbo ab, einem niederländischen Scheckhengst.
Und über diese Linie führt die Spur tatsächlich zu einem Namen, der in der Geschichte der europäischen Scheckenzucht kaum zu umgehen ist: Samber.
Limbo führte das Scheckgen über seine Abstammung, in der die 1983 geborene Bira auftaucht. Bira war eine Tochter des berühmten KWPN-Scheckhengstes Samber von Pericles xx. Samber war selbst sowohl in Dressur als auch im Springen bis zur schweren Klasse erfolgreich und hatte enormen Einfluss auf die europäische Warmblut-Scheckenzucht.
Damit ist Ping Pong nicht einfach irgendein modernes Springpferd, bei dem zufällig eine ungewöhnliche Farbe aufgetaucht ist. Hinter seiner Zeichnung steckt eine über Jahrzehnte aufgebaute Scheckenfamilie.
Der belgische Züchter Filip Van Hul beschreibt die Geschichte dieser Linie entsprechend als eine Geschichte, die bereits ungefähr 30 Jahre vor Ping Pongs großen Erfolgen begann. Ausgangspunkt seiner eigenen Scheckenzucht war die Stute Vita, aus deren Familie inzwischen mehrere erfolgreiche Springpferde hervorgegangen sind.
Und genau das macht Ping Pong züchterisch so interessant: Hier wurde die Farbe nicht anstelle von Leistung gezüchtet. Die Farbe blieb erhalten, während gleichzeitig konsequent internationale Springpferdevererber eingesetzt wurden.
Auch seine Mutterfamilie kann springen
Dass Ping Pongs Leistung nicht allein von seinem berühmten Vater kommt, zeigt ein Blick auf die Familie.
Seine Mutter Lieve Vrouwke van de Lentamel war selbst bis 1,25 Meter im Sport. Ihre Tochter Vriendinneke van de Lentamel Z von Vigo d’Arsouilles ging bereits bis 1,50 Meter.
Die Großmutter Vita brachte unter anderem Vintage Sologne von Darco hervor, der ebenfalls bis 1,50 Meter sprang. Weitere Pferde aus dieser Familie erreichten 1,40- und 1,45-Meter-Prüfungen.
Das BWP führt Ping Pong innerhalb dieser erfolgreichen Stutenfamilie. Es ist also eine echte Sportpferdefamilie, in der die Scheckzeichnung über Generationen erhalten geblieben ist.
Der Weg in den Sport
Ping Pong wurde nicht als junges Pferd möglichst schnell in hohe Prüfungen gesteckt.
2018 wurde er als Dreijähriger über eine Zangersheide-Auktion verkauft. Seine weitere sportliche Ausbildung übernahm zunächst die deutsche Springreiterin Karin Ernsting. In der internationalen FEI-Datenbank tauchen außerdem Starts mit Kai Schäfer auf.
Karin Ernsting war es vor allem, die Ping Pong in den Sport brachte und ausbildete. Erst im Herbst 2023 kam der damals achtjährige Wallach zu Gerrit Nieberg.
Und Nieberg machte etwas, was bei einem offensichtlich talentierten Pferd manchmal schwerfällt: Er ließ sich Zeit.
Ping Pong sammelte zunächst Erfahrung über 1,35 und 1,45 Meter. Danach folgten 1,50 und 1,55 Meter. Statt den auffälligen Wallach möglichst schnell auf Fünf-Sterne-Niveau zu präsentieren, wurde er schrittweise an die wirklich großen Aufgaben herangeführt.
Das sollte sich auszahlen.
Der Durchbruch mit Gerrit Nieberg
2024 zeigten sich bei der Sunshine Tour im spanischen Vejer de la Frontera bereits deutlich die Möglichkeiten des Paares. Ping Pong und Nieberg konnten dort mehrere Erfolge feiern.
Richtig spektakulär wurde es allerdings 2025.
Beim CHIO Aachen zeigte Ping Pong in den großen Prüfungen, dass er inzwischen auf dem höchsten Niveau angekommen war. Im Rolex Grand Prix von Aachen erreichte das Paar den neunten Platz.
Spätestens dort wurde aus dem auffälligen Schecken ein Pferd, das nicht mehr nur wegen seiner Farbe beachtet wurde.
Im selben Jahr gehörten Nieberg und Ping Pong außerdem zur siegreichen deutschen Mannschaft im EEF-Nationenpreis von Mannheim.
Dann kam Riesenbeck.
Der große Sieg in Riesenbeck
Im September 2025 starteten Gerrit Nieberg und Ping Pong im CSI5*-Grand-Prix der Longines Global Champions Tour in Riesenbeck.
Der Grundparcours ging über 1,60 Meter. Lediglich sechs Paare blieben fehlerfrei und erreichten das Stechen.
Ping Pong gehörte dazu.
Und im Stechen passierte dann etwas, womit selbst Gerrit Nieberg offenbar nicht unbedingt gerechnet hatte. Ping Pong blieb erneut fehlerfrei und kam nach 46,99 Sekunden ins Ziel.
Peder Fredricson und Alcapone des Carmille benötigten 48,17 Sekunden, Harrie Smolders mit Bingo du Parc 48,78 Sekunden.
Damit gewann der Scheckwallach einen CSI5*-Grand-Prix der Global Champions Tour.
Das Bemerkenswerte daran: Riesenbeck war gerade einmal Ping Pongs viertes Fünf-Sterne-Turnier.
Aus dem ungewöhnlich gezeichneten Nachwuchspferd war innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit ein Sieger auf einem der höchsten Niveaus des internationalen Springsports geworden.
Platz vier im Super Grand Prix von Prag
Mit dem Sieg in Riesenbeck qualifizierte sich Ping Pong für den LGCT Super Grand Prix bei den Prague Playoffs im November 2025.
Dort traten 15 Grand-Prix-Sieger der Saison gegeneinander an. Das Preisgeld betrug insgesamt bis zu 1,25 Millionen Euro.
Ping Pong blieb in der ersten Runde fehlerfrei. In der zweiten Runde fiel eine Stange. Trotzdem reichte seine Leistung für Platz vier.
Spätestens damit konnte man den Erfolg von Riesenbeck kaum noch als glücklichen Ausreißer betrachten.
Und dann kam Leipzig
Im Januar 2026 setzte Ping Pong noch einen drauf.
Beim Weltcupturnier Partner Pferd in Leipzig gingen 40 Paare im Longines FEI Jumping World Cup über 1,60 Meter an den Start. Elf erreichten das Stechen.
Gerrit Nieberg und Ping Pong blieben im Grundparcours fehlerfrei.
Auch im Stechen fiel keine Stange.
Mit 44,54 Sekunden wurden die beiden Dritte. Vor ihnen lagen lediglich Steve Guerdat mit Albfuehren’s Iashin Sitte und Simon Delestre mit Gatsby du Tillard.
Ein Scheckwallach auf Rang drei eines Weltcupspringens der Western European League: Viel deutlicher kann ein Pferd kaum demonstrieren, dass Fellfarbe und Leistungsvermögen zwei völlig verschiedene Dinge sind.
Die FEI verzeichnet für Ping Pong mittlerweile mehr als 180 internationale Starts und mehrere internationale Siege.
Was Gerrit Nieberg an Ping Pong besonders schätzte
Interessant sind auch die Aussagen seines Reiters über den Wallach.
Nieberg hob bei Ping Pong vor allem dessen Intelligenz und Gelassenheit hervor. Der Wallach sei ausgesprochen clever und bleibe auch in schwierigen Situationen ruhig.
Das passt erstaunlich gut zu seiner sportlichen Entwicklung. Ping Pong wirkt nicht wie ein Pferd, dessen Karriere über enorme Vorsicht oder spektakuläre Reflexe allein funktioniert. Seine Stärke liegt offenbar auch darin, Situationen zu erfassen und mit zunehmender Erfahrung immer souveräner zu werden.
Vielleicht erklärt das ebenfalls, warum sich der geduldige Aufbau ausgezahlt hat.
2026 endet das Kapitel Gerrit Nieberg
Und ausgerechnet nach dem hervorragenden dritten Platz im Leipziger Weltcup endete die gemeinsame internationale Geschichte von Gerrit Nieberg und Ping Pong.
Im Juli 2026 wurde bekannt, dass der Wallach den Stall Nieberg verlassen hat.
Ping Pong gehört Marina Quasha und wechselte in den Beritt des irischen Springreiters Denis Lynch. Lynch bestätigte Ende Juli, dass der Scheckwallach neu zu seinem Pferdebestand gehört.
Damit beginnt für den inzwischen elfjährigen Ping Pong noch einmal ein völlig neues Kapitel.
Sein letzter internationaler Auftritt mit Gerrit Nieberg bleibt nach bisherigem Stand ausgerechnet der dritte Platz im Weltcup von Leipzig im Januar 2026.
Einer der erfolgreichsten Schecken unserer Zeit
Ping Pong van de Lentamel ist deshalb weit mehr als ein hübscher Exot zwischen braunen Warmblütern.
Er ist ein 1,60-Meter-Pferd, CSI5*-Grand-Prix-Sieger, Weltcupplatzierter und erfolgreicher Teilnehmer eines LGCT Super Grand Prix.
Gleichzeitig trägt er eine Scheckengenetik weiter, deren Geschichte sich über Limbo bis zu Samber zurückverfolgen lässt.
Und vielleicht ist genau das das eigentlich Faszinierende an Ping Pong.
Vor Jahrzehnten waren leistungsgeprüfte Warmblutschecken noch eine kleine Besonderheit. Samber wurde gerade deshalb berühmt, weil er bewies, dass ein Schecke nicht nur auffällig aussehen, sondern auch im anspruchsvollen Sport bestehen konnte.
Mehrere Generationen später springt einer seiner entfernten Nachfahren einen 1,60-Meter-Parcours beim Weltcup fehlerfrei und steht anschließend als Dritter in der Siegerehrung.
Die Farbe ist geblieben.
Der Sport hat sich bis ganz nach oben entwickelt.
