Pferdezubehör im Sommer

Pferdezubehör im Sommer – welche Ausrüstung wirklich sinnvoll ist

Mit den ersten warmen Tagen verändert sich nicht nur das Verhalten unserer Pferde, sondern auch die Anforderungen an ihre Haltung und Pflege. Plötzlich spielen Fliegen, Bremsen und Mücken eine große Rolle, die Sonneneinstrahlung nimmt deutlich zu und an heißen Tagen geraten manche Pferde bereits bei leichter Arbeit ins Schwitzen. Gleichzeitig fressen viele Pferde wieder mehrere Stunden auf der Weide, stehen länger in der Sonne oder verbringen ihre Zeit im Offenstall. All das führt dazu, dass einige Ausrüstungsgegenstände jetzt deutlich wichtiger werden als im Winter.

Genau in dieser Zeit füllen sich jedoch auch die Regale der Reitsportgeschäfte mit unzähligen Sommerneuheiten. Kühlprodukte, Insektenschutz, Spezialdecken, Elektrolyte, Sonnenschutz, Pflegeprodukte und viele weitere Artikel vermitteln schnell den Eindruck, dass ein Pferd ohne umfangreiche Sommerausstattung kaum gut durch die warme Jahreszeit kommt.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht.

Natürlich gibt es Zubehör, das vielen Pferden den Sommer tatsächlich erleichtert und in manchen Situationen sogar unverzichtbar sein kann. Gleichzeitig werden aber jedes Jahr Produkte gekauft, die für das eigene Pferd überhaupt keinen praktischen Nutzen haben. Was bei einem empfindlichen Ekzemer sinnvoll ist, wäre für ein robustes Freizeitpferd möglicherweise völlig überflüssig. Ein Pferd, das täglich mehrere Stunden intensiv trainiert wird, stellt außerdem ganz andere Anforderungen als ein Rentner, der entspannt auf der Weide steht.

Genau deshalb lohnt es sich, vor jedem Kauf zunächst die Bedürfnisse des eigenen Pferdes zu betrachten. Alter, Gesundheitszustand, Haltungsform, Fellfarbe, Arbeitsbelastung und selbst die regionale Insektenbelastung spielen dabei eine deutlich größere Rolle als aktuelle Trends oder besonders auffällige Werbeversprechen.

Aus meiner Erfahrung zeigt sich der tatsächliche Nutzen von Pferdezubehör erst im täglichen Einsatz. Im Schulbetrieb einer Reitschule werden Fliegenmasken, Halfter, Schabracken oder Pflegeprodukte über viele Stunden und von unterschiedlichen Reitern genutzt. Dabei merkt man sehr schnell, welche Ausrüstung wirklich durchdacht ist, angenehm für das Pferd sitzt und auch nach vielen Einsätzen zuverlässig funktioniert. Genauso fällt aber auch auf, welche Produkte zwar interessant klingen, in der Praxis jedoch kaum verwendet werden oder nach kurzer Zeit wieder in der Sattelkammer verschwinden.

In diesem Ratgeber geht es deshalb nicht darum, möglichst viele Sommerprodukte vorzustellen. Viel wichtiger ist die Frage, welche Ausrüstung deinem Pferd tatsächlich einen Nutzen bringt, worauf du beim Kauf achten solltest und in welchen Situationen bestimmte Produkte sinnvoll oder eben auch völlig entbehrlich sind. So kannst du dein Geld gezielt dort investieren, wo es dem Wohlbefinden und der Gesundheit deines Pferdes wirklich zugutekommt.

Fliegenschutz, eines der wichtigsten Sommerprodukte für viele Pferde

Wenn es ein Zubehör gibt, das im Sommer für viele Pferde tatsächlich einen großen Unterschied macht, dann ist es ein durchdachter Fliegenschutz. Kaum steigen die Temperaturen dauerhaft an, erscheinen Fliegen, Bremsen, Kriebelmücken und andere stechende Insekten. Während manche Pferde erstaunlich gelassen bleiben, reagieren andere ausgesprochen empfindlich. Sie schlagen ständig mit dem Schweif, schütteln den Kopf, laufen unruhig über die Weide oder versuchen den Insekten in den Offenstall oder unter Bäume auszuweichen. Bei einigen Tieren kann der Insektenstress sogar so stark werden, dass sie kaum noch entspannt grasen oder während des Reitens ständig abgelenkt sind.

Dabei benötigt längst nicht jedes Pferd die gleiche Ausstattung. Entscheidend ist immer, wie empfindlich das einzelne Tier reagiert und unter welchen Bedingungen es gehalten wird. Ein Pferd auf einer windigen Koppel hat häufig deutlich weniger Probleme als ein Pferd auf einer feuchten Weide in der Nähe von Gewässern, wo sich Mücken und Bremsen besonders stark vermehren. Auch Sommerekzem, helle Hautpartien oder frühere Augenentzündungen können den Bedarf an zusätzlichem Schutz deutlich erhöhen.

Gerade deshalb sollte Fliegenschutz immer individuell ausgewählt werden. Nicht jedes Pferd braucht automatisch eine Fliegendecke oder eine Fliegenmaske. Manche Tiere kommen mit einem guten Fliegenspray hervorragend zurecht, andere profitieren vor allem von einer passenden Maske mit Ohrenschutz oder einer Ekzemerdecke. Wieder andere benötigen nahezu gar keine zusätzliche Ausrüstung.

Ein häufiger Fehler besteht darin, mehrere Produkte gleichzeitig zu kaufen, ohne zunächst zu beobachten, worunter das eigene Pferd tatsächlich leidet. Wer sein Pferd aufmerksam beobachtet, erkennt meist schnell, ob vor allem die Augen betroffen sind, die Ohren ständig von Insekten belästigt werden oder ob der gesamte Körper geschützt werden sollte. Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, welches Zubehör wirklich gebraucht wird.

Auf den nächsten Seiten schauen wir uns deshalb die einzelnen Möglichkeiten des Fliegenschutzes ausführlich an. Du erfährst unter anderem, wann eine Fliegenmaske sinnvoll ist, für welche Pferde sich Fliegendecken lohnen, wie gut Fliegensprays tatsächlich wirken und worauf du beim Kauf achten solltest. Denn ein guter Fliegenschutz bedeutet nicht möglichst viel Ausrüstung, sondern die passende Lösung für genau das Pferd, das vor dir steht.

Nicht jeder Schutz gegen Insekten funktioniert auf die gleiche Weise. Während Fliegenmasken vor allem Augen und Ohren schützen und Fliegendecken den Körper vor stechenden Insekten abschirmen, können Fliegensprays den Schutz sinnvoll ergänzen. Sie eignen sich besonders für Pferde, die nur kurze Zeit auf die Weide kommen oder vor dem Ausritt zusätzlichen Schutz gegen Fliegen und Bremsen benötigen. Allerdings unterscheiden sich die Produkte teilweise erheblich in ihrer Wirkdauer und Zusammensetzung. Manche enthalten überwiegend natürliche ätherische Öle, andere setzen auf synthetische Wirkstoffe mit einer längeren Schutzwirkung. Welches Fliegenspray für dein Pferd geeignet ist und worauf du bei der Anwendung achten solltest, erfährst du auf der verlinkten Themenseite.

Bei Pferden mit Sommerekzem reicht ein gewöhnlicher Fliegenschutz dagegen oft nicht mehr aus. Hier geht es nicht nur darum, einzelne Insekten fernzuhalten, sondern die Auslöser der allergischen Reaktion möglichst konsequent vom Pferd fernzuhalten. Spezielle Ekzemerdecken bedecken deshalb einen deutlich größeren Teil des Körpers und sitzen wesentlich enger als klassische Fliegendecken. Sie können den Juckreiz zwar nicht heilen, vielen betroffenen Pferden aber den Sommer erheblich erleichtern. Welche Eigenschaften eine gute Ekzemerdecke mitbringen sollte und wann sie sinnvoll eingesetzt wird, erklären wir ausführlich auf einer eigenen Ratgeberseite.

Ein Thema, das häufig unterschätzt wird, sind Bremsen. Anders als gewöhnliche Fliegen stechen sie schmerzhaft und lassen sich von vielen herkömmlichen Fliegensprays nur kurzfristig abschrecken. Gerade an warmen, schwülen Tagen können Bremsen Pferde erheblich stressen und selbst ruhige Tiere unruhig oder schreckhaft machen. Deshalb lohnt es sich, die Weidezeiten an besonders belasteten Tagen anzupassen und den Weidebereich möglichst attraktiv für Bremsen zu vermeiden. Ergänzend können spezielle Bremsensprays oder Bremsenfallen in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Sie ersetzen jedoch keine durchdachte Weideplanung und keinen passenden Insektenschutz.

Zum Sommer gehören außerdem zahlreiche Produkte, die zwar häufig beworben werden, deren Nutzen jedoch stark vom einzelnen Pferd abhängt. Nicht jedes Tier benötigt eine Fliegendecke, ein starkes Insektenschutzmittel oder umfangreiche Zusatzprodukte. Entscheidend ist immer die individuelle Belastung. Wer sein Pferd aufmerksam beobachtet und seine Ausrüstung gezielt auswählt, kommt oft mit deutlich weniger Zubehör aus, als viele Werbeanzeigen vermuten lassen.

Elektrolyte und Salz – wann sie im Sommer wirklich sinnvoll sind

Sobald die Temperaturen steigen, tauchen überall Empfehlungen für Elektrolyte, Mineralfutter oder spezielle Sommerergänzungen auf. Tatsächlich können Elektrolyte für manche Pferde sehr sinnvoll sein. Gleichzeitig gehören sie aber auch zu den Produkten, die häufig vorschnell gekauft werden, obwohl das eigene Pferd sie gar nicht benötigt.

Ob ein Pferd Elektrolyte braucht, hängt in erster Linie davon ab, wie viel es tatsächlich schwitzt. Ein Freizeitpferd, das gemütlich eine Stunde im Gelände unterwegs ist und anschließend ausreichend Wasser zur Verfügung hat, kommt häufig problemlos ohne zusätzliche Elektrolyte aus. Anders sieht es bei Turnierpferden, Distanzpferden oder Pferden aus, die an heißen Sommertagen intensiv trainiert werden. Durch starkes Schwitzen verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch wichtige Mineralstoffe wie Natrium, Kalium und Chlorid. Diese Verluste können in bestimmten Situationen sinnvoll ausgeglichen werden.

Als Grundversorgung reicht vielen Pferden jedoch bereits ein hochwertiger Salzleckstein aus, der jederzeit frei zur Verfügung steht. Pferde regulieren ihre Salzaufnahme erstaunlich gut und nehmen häufig genau die Menge auf, die ihr Körper benötigt. Natürlich gibt es Ausnahmen, doch nicht jedes Pferd braucht automatisch Elektrolytpasten oder spezielle Ergänzungsfuttermittel.

Entscheidend ist deshalb nicht die Außentemperatur allein, sondern die tatsächliche Belastung des Pferdes. Ein älteres Pferd, das den Tag entspannt auf der Weide verbringt, stellt ganz andere Anforderungen als ein Sportpferd nach einem anstrengenden Geländetraining oder einem Turniereinsatz.

Kühlprodukte für Pferde, sinnvoll oder oft überschätzt?

Kaum steigen die Temperaturen, gehören Kühlgele, Kühlsprays, Kühlgamaschen und spezielle Kühlbandagen zu den am häufigsten beworbenen Sommerprodukten für Pferde. Sie versprechen eine schnelle Erholung nach dem Training, sollen beanspruchte Sehnen entlasten oder die Regeneration beschleunigen. Tatsächlich können Kühlprodukte in bestimmten Situationen sinnvoll sein, sie sind jedoch längst nicht für jedes Pferd nach jedem Ausritt notwendig.

Nach intensiver Belastung, an sehr heißen Tagen oder bei einzelnen Verletzungen kann kontrolliertes Kühlen helfen, die Körpertemperatur in bestimmten Bereichen zu senken oder Schwellungen vorzubeugen. Viele Pferde profitieren nach anspruchsvollen Trainingseinheiten auch von kaltem Wasser an den Beinen. Das ist oft ebenso wirksam wie teure Spezialprodukte und gehört seit Jahrzehnten zur bewährten Stallroutine.

Kühlgele und Kühlsprays unterscheiden sich teilweise deutlich in ihrer Zusammensetzung. Einige erzeugen lediglich einen kühlenden Effekt auf der Haut, andere enthalten zusätzliche pflegende oder durchblutungsfördernde Inhaltsstoffe. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass solche Produkte keine tierärztliche Behandlung ersetzen und auch keine Verletzungen verhindern können. Sie sind eine unterstützende Maßnahme, aber kein Wundermittel.

Auch Kühlgamaschen erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie lassen sich einfach anlegen und sorgen über einen gewissen Zeitraum für eine gleichmäßige Kühlung. Vor allem im Sportpferdebereich werden sie regelmäßig eingesetzt. Für viele Freizeitpferde sind sie dagegen eher eine optionale Ergänzung als eine notwendige Anschaffung. Wer nur gelegentlich ausreitet oder moderat trainiert, wird sie häufig deutlich seltener benötigen als die Werbung vermuten lässt.

Ob Kühlprodukte für dein Pferd sinnvoll sind, hängt deshalb immer von der Art der Belastung, dem Gesundheitszustand und dem individuellen Trainingspensum ab. Auf den entsprechenden Unterseiten gehen wir ausführlich darauf ein, welche Kühlmethoden es gibt, wann sie sinnvoll eingesetzt werden und welche Fehler beim Kühlen vermieden werden sollten.