
Rappen – schwarze Pferde
Es gibt diesen einen Moment. Du stehst zum ersten Mal ganz nah neben einem pechschwarzen Pferd, das Fell glänzt in der Sonne fast blau, die dunklen Augen sehen dich an, und plötzlich verstehst du, warum Generationen von Pferdemädchen genau von diesem einen Pferd geträumt haben. Ein Rappe ist viel mehr als eine Fellfarbe. Er ist eine Sehnsucht, ein Versprechen von Freiheit und Abenteuer, und er zieht sich als schwarzer Held durch unsere schönsten Bücher und Filme. In diesem Beitrag erfährst du, was einen Rappen genau ausmacht, warum ein Pferd überhaupt schwarz wird, welche Rassen typisch schwarz sind und welche berühmten Rappen die Herzen ganzer Generationen erobert haben.

Was ist ein Rappe?
Ein Rappe ist ein durch und durch schwarzes Pferd. Nicht nur das Fell am Körper, auch Mähne, Schweif und die Haut sind schwarz. Erlaubt sind höchstens kleine weiße Abzeichen, eine Blesse oder ein Stern am Kopf, vielleicht eine weiße Fessel. Ansonsten herrscht tiefes, sattes Schwarz vom Ohr bis zum Huf.
Von einem sehr dunklen Braunen lässt sich der Rappe an einer bestimmten Stelle ganz gut unterscheiden. Der Braune behält trotz dunklem Körper meist einen bräunlichen oder rötlichen Schimmer, vor allem am Maul, um die Nüstern und rund um die Augen. Bei einem echten Rappen bleibt auch dort alles schwarz. Genau diese hellen Partien am Maul sind der beste Hinweis, dass du in Wahrheit einen sehr dunklen Braunen, den sogenannten Schwarzbraunen, vor dir hast und nicht den echten Rappen.
Ein hübsches Detail am Rande: Viele Rappfohlen kommen gar nicht tiefschwarz zur Welt. Sie sehen oft eher mausgrau oder rußig aus. Erst wenn das weiche Fohlenfell ausfällt und das erste richtige Fell nachwächst, zeigt sich das satte Schwarz, das den Rappen später ausmacht.
Warum wird ein Pferd überhaupt schwarz?
Ob ein Pferd schwarz, braun oder fuchsfarben wird, entscheidet sich an zwei Stellen im Erbgut. Man kann sich das wie zwei kleine Schalter vorstellen.
Der erste Schalter legt fest, ob das Pferd überhaupt schwarzes Farbpigment bilden kann. Steht er auf Rot, kann das Pferd kein Schwarz bilden und wird ein Fuchs, also rotbraun mit oft hellerer Mähne. Steht er auf Schwarz, kommt der zweite Schalter ins Spiel. Dieser entscheidet, ob das Schwarz über den ganzen Körper verteilt wird oder nur auf Mähne, Schweif und die unteren Beine begrenzt bleibt. Bleibt das Schwarz auf diese Spitzen beschränkt, entsteht ein Brauner mit schwarzen Beinen und schwarzer Mähne. Verteilt es sich über den ganzen Körper, steht ein Rappe vor dir.
Fachleute schreiben das mit Buchstaben auf. Der Rappe trägt mindestens ein großes E, damit er schwarzes Pigment bilden kann, dazu zweimal ein kleines a, damit sich das Schwarz über den ganzen Körper legt. Diese Kombination aus E und aa ist sozusagen das Rezept für ein schwarzes Pferd.
Daraus ergibt sich eine überraschende Folge. Zwei schwarze Elternpferde bekommen nicht zwangsläufig ein schwarzes Fohlen. Tragen beide heimlich die Anlage für Rot in sich, kann ihr Fohlen ein leuchtender Fuchs werden. Schwarz ist bei Pferden also nicht so verlässlich vererbbar, wie man auf den ersten Blick vermuten würde.
Sommerrappe, Winterrappe und Glanzrappe
Nicht jedes Schwarz bleibt über das Jahr gleich. Wer im Sommer über die Koppel schaut, sieht manche Rappen mit einem rötlichen oder rostbraunen Schimmer im Fell, besonders an Flanken und Kruppe. Sonne, Regen und Schweiß bleichen die schwarze Grundfarbe mit der Zeit aus. Solche Pferde nennt man Sommerrappen oder mit dem englischen Fachbegriff fading black, also verblassendes Schwarz. Im dichten Winterfell kehrt das tiefe Schwarz dann oft zurück. Für Pferde, die vor allem im Winter am schwärzesten wirken, hörst du auch den Gegenbegriff Winterrappe.
Andere Rappen behalten das ganze Jahr über ihr sattes, teils bläulich glänzendes Schwarz. Für sie gibt es eigene Namen, Glanzrappe oder Blaurappe. Wenn du also im Hochsommer ein leicht rostiges schwarzes Pferd siehst, hat ihm einfach die Sonne ein bisschen Farbe geklaut. Ein deckengeschützter Rappe im Sommer bleibt dagegen länger tiefschwarz, weil ihm die direkte Sonne fehlt.

Welche Pferderassen sind typische Rappen?
Rappen kommen in fast jeder Pferderasse vor, vom großen Warmblut bis zum kleinen Pony. Bei einigen Rassen ist Schwarz aber die typische oder sogar die im Zuchtstandard vorgeschriebene Farbe.
Der bekannteste schwarze Star ist der Friese aus den Niederlanden. Ein kräftiges Barockpferd mit üppiger, wallender Mähne, langem Behang an den Beinen und enormer Ausstrahlung. Friesen sind fast immer schwarz, weiße Abzeichen sind bei ihnen sogar unerwünscht. Wenn Menschen von ihrem Traumrappen sprechen, haben sie sehr oft genau dieses Bild vor Augen.
Daneben gibt es weitere Rassen, die fast durchgehend schwarz sind. Der Merens aus den französischen Pyrenäen ist ein robustes, komplett schwarzes Bergpferd. Das englische Fell Pony und das eng verwandte Dales Pony tragen ihr dichtes schwarzes Fell durch raues Wetter und steiniges Gelände. Der italienische Murgese zeigt oft ein schwarzes, manchmal ins Bläuliche spielendes Fell. Auch beim dänischen Frederiksborger und einigen alten Landschlägen ist Schwarz weit verbreitet.
Weil Schwarz aber in so vielen Rassen auftaucht, kann dir ein Rappe genauso gut als englisches Vollblut, als spanischer Andalusier oder als kleines robustes Reitpony begegnen. Die Farbe allein sagt dir also noch nicht, welche Rasse vor dir steht.
Blitz, der schwarze Hengst
Wer als Kind Pferdebücher verschlungen hat, kennt den berühmtesten schwarzen Hengst von allen: Blitz. Der amerikanische Autor Walter Farley schrieb die erste Geschichte über den wilden Araberrappen bereits 1941. Darin sieht der Junge Alec, wie in einem arabischen Hafen ein wunderschöner schwarzer Hengst an Bord eines Schiffs gebracht wird. Nach einem Schiffbruch stranden die beiden gemeinsam auf einer einsamen Insel, wo sich zwischen Junge und Pferd langsam ein tiefes Vertrauen aufbaut. Später wird Blitz zu einem legendären Rennpferd, und aus dem einen Buch wurde eine ganze Reihe, die Generationen von Pferdefans begleitet hat.
1979 kam die Verfilmung Der schwarze Hengst ins Kino. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie sehr mich dieser Film als Kind gepackt hat, dieses schwarze Pferd am einsamen Strand, wie aus einem Traum. Damals gab es kein Internet, in dem man mal eben nachschauen konnte. Es gab nur das Buch, den Film und die eigene Sehnsucht nach diesem einen wilden, schönen Pferd, das nur einem einzigen Menschen vertraut.
Black Beauty, die Stimme eines Pferdes
Älter und ernster, aber genauso unvergessen ist Black Beauty. Die englische Autorin Anna Sewell veröffentlichte den Roman 1877, und er machte damals etwas völlig Neues: Das schwarze Pferd erzählt seine eigene Lebensgeschichte selbst, in der Ich-Form, als Autobiografie eines Pferdes.
Black Beauty wächst behütet auf einem Gutshof auf und wird zu einem gut erzogenen Reit- und Kutschpferd. Dann muss sein Besitzer ihn verkaufen, und das Pferd gerät nach und nach in immer härtere Hände. Es leidet unter falscher Behandlung, unter quälenden Aufsatzzügeln und rücksichtslosen Menschen, bis es als abgearbeitetes Droschkenpferd in London fast zusammenbricht. Erst am Ende wendet sich sein Schicksal, als es seinen früheren, liebevollen Stallburschen wiederfindet.
Anna Sewell schrieb das Buch, um Menschen zum Nachdenken über den Umgang mit Pferden zu bewegen. Sie starb schon 1878, kurz nach der Veröffentlichung, und erlebte den Welterfolg nicht mehr. Bis heute wurden über fünfzig Millionen Exemplare verkauft. Black Beauty gilt als das große Vorbild aller modernen Pferdegeschichten und rührt auch nach fast 150 Jahren noch Leser zu Tränen.
Ostwind, der Rappe einer ganzen Generation
Fast jedes Kind kennt heute Ostwind, den schwierigen schwarzen Hengst aus den gleichnamigen Filmen und Büchern. Die rebellische Mika muss ihre Sommerferien bei ihrer strengen Großmutter auf einem Reiterhof verbringen und entdeckt dort den wilden Rappen Ostwind, der als unreitbar gilt und für einen schweren Reitunfall verantwortlich gemacht wird.
Zwischen dem Mädchen und dem Pferd entsteht eine besondere, fast magische Verbindung. Mika spürt, dass Ostwind nicht bösartig ist, sondern ängstlich und einsam, und heimlich beginnt sie, mit ihm zu arbeiten. Am Ende beweist sie allen, dass in dem schwierigen schwarzen Hengst ein außergewöhnliches Talent steckt. Der erste Kinofilm kam 2013 heraus und wurde zu einem riesigen Erfolg, dem mehrere Fortsetzungen folgten. Für viele junge Pferdefans von heute ist Ostwind das, was Blitz für ihre Eltern war.
Totilas, der teuerste Rappe der Welt
Rappen gibt es nicht nur in Geschichten. Der wohl berühmteste echte Rapphengst der letzten Jahrzehnte heißt Totilas, liebevoll Toto genannt. Der 2000 in den Niederlanden geborene KWPN-Hengst begeisterte unter seinem Reiter Edward Gal ein Millionenpublikum weit über den Reitsport hinaus.
2009 und 2010 tanzte Totilas durch die Dressurvierecke, als gäbe es keine Schwerkraft. Sein spektakulärer Trab und seine perfekte Piaffe stellten alles in den Schatten. Das Paar stellte mehrere Weltrekorde auf, gewann dreifach Gold bei den Weltreiterspielen 2010 und war das erste Pferd der Geschichte, das in einer Dressurprüfung die Marke von 90 Prozent übersprang. Die Presse feierte den lackschwarzen Hengst als Jahrhundertpferd.
2010 folgte die Nachricht, die weltweit Schlagzeilen machte: Totilas wurde für einen Rekordpreis von über zehn Millionen Euro nach Deutschland verkauft, an Paul Schockemöhle und Ann-Kathrin Linsenhoff. Fortan ritt ihn Matthias Alexander Rath. An die alten Erfolge konnte das Paar nicht mehr recht anknüpfen, es folgten gesundheitliche Rückschläge, und 2015 endete die Sportkarriere. Danach wurde Totilas nur noch in der Zucht eingesetzt, wo seine Nachkommen bis heute erfolgreich sind. Am 14. Dezember 2020 starb der Ausnahmehengst mit 20 Jahren an den Folgen einer schweren Kolik. Sein früher, intensiver Einsatz brachte ihm zu Lebzeiten auch Kritik von Tierschützern ein. Als bekanntestes Dressurpferd der Welt bleibt er trotzdem unvergessen.
Bukephalos, das schwarze Pferd Alexanders des Großen
Der vielleicht älteste berühmte Rappe der Geschichte lebte vor über zweitausend Jahren. Bukephalos war das Pferd von Alexander dem Großen und gilt in den alten Überlieferungen als schwarzer Hengst mit einem hellen Stern auf der Stirn.
Die Legende erzählt, dass niemand den wilden Hengst bändigen konnte. Der junge Alexander erkannte als Einziger, warum: Das Pferd fürchtete sich vor seinem eigenen Schatten. Also drehte er Bukephalos zur Sonne, sodass der Schatten hinter das Tier fiel, und beruhigte es. Von da an trug Bukephalos ihn durch fast alle seine Feldzüge bis nach Indien. Als das Pferd dort starb, soll Alexander ihm zu Ehren eine ganze Stadt gegründet und nach ihm benannt haben. Kaum eine Geschichte zeigt schöner, wie eng die Verbindung zwischen Mensch und schwarzem Pferd schon in der Antike gedacht wurde.

Weitere berühmte Rappen
Die Liste der schwarzen Filmhelden ist lang. Der treue Fury war der Star einer beliebten Fernsehserie und der Traum vieler Kinder. Tornado, das kluge Pferd von Zorro, brachte seinen maskierten Reiter durch jedes Abenteuer. Iltschi, der Rappe von Winnetou, gehört für viele bis heute untrennbar zu den Karl-May-Geschichten. Selbst wenn es finster werden soll, greifen Geschichten gern zum Rappen, man denke an die unheimlichen schwarzen Pferde der Ringgeister in Herr der Ringe.
Was all diese Pferde gemeinsam haben? Sie stehen für Freiheit, für Stärke und für eine Freundschaft, die man sich erst verdienen muss. Auf der Leinwand wie im echten Turniersport bekommt das schwarze Pferd fast immer die Hauptrolle.
Warum uns Rappen so faszinieren
Woher kommt diese besondere Anziehung? Schwarze Pferde sind seltener als braune oder fuchsfarbene, und was selten ist, fällt auf. Dazu kommt die Wirkung der Farbe selbst. Ein glänzend schwarzes Fell wirkt edel und ein bisschen unnahbar, so als müsste man sich das Vertrauen dieses Pferdes erst verdienen. Genau dieses Gefühl steckt in fast jeder Rappengeschichte, vom wilden Blitz über den geschundenen Black Beauty bis zum stolzen Totilas.
Vielleicht liegt darin der eigentliche Kern. Ein Rappe ist ein Versprechen. Das Versprechen von Freiheit und von einer Freundschaft, die auf Vertrauen gewachsen ist. Wenn du gerade zum ersten Mal neben einem schwarzen Pferd gestanden hast und spürst, dass da mehr ist als nur eine Fellfarbe, dann geht es dir wie unzähligen Pferdemenschen vor dir. Genau dieses Gefühl haben Generationen an ihre Kinder weitergegeben, und es wird auch die nächste noch verzaubern.

Vererbt ein Rappe immer Schwarz?
Hier steckt ein weit verbreiteter Irrtum. Viele glauben, ein reinerbig schwarzes Pferd bekomme automatisch schwarze Fohlen. Reinerbig schwarz, von Fachleuten mit zwei großen E geschrieben, bedeutet in Wahrheit nur eines: Dieses Pferd kann kein Fuchsfohlen zeugen, weil es die Anlage für Rot nicht weitergibt.
Ob das Fohlen am Ende wirklich schwarz wird, hängt trotzdem vom zweiten Schalter ab, den das andere Elternteil mitbringt. Steuert der Partner ein Agouti-Allel bei, das das Schwarz auf die Spitzen zurückdrängt, wird aus dem Fohlen ein Brauner, obwohl ein Elternteil ein Rappe war. Ein schwarzes Pferd garantiert dir also nie ein schwarzes Fohlen. Es schließt nur den Fuchs sicher aus. Auch andersherum kann es überraschen: Tragen zwei Rappen beide heimlich die Anlage für Rot, kann ihr Fohlen ein leuchtender Fuchs werden.
Kohlrappe, Glanzrappe, Blaurappe: die Schattierungen des Schwarz
Schwarz ist nicht gleich Schwarz. Pferdeleute unterscheiden mehrere Spielarten. Der Glanzrappe trägt ein tiefes, glänzendes Schwarz, das in der Sonne oft einen bläulichen Schimmer bekommt. Genau dieser bläuliche Ton gibt dem Blaurappen seinen Namen. Solche Pferde behalten ihr sattes Schwarz meist das ganze Jahr über.
Der Kohlrappe dagegen hat ein eher mattes, tiefdunkles Fell, das dadurch besonders schwarz wirkt, fast wie Kohle ohne jeden Glanz. Interessanterweise bleicht gerade der Kohlrappe im Sommer oft leichter aus als der glänzende Glanzrappe. Wie tief und wie stabil das Schwarz eines Pferdes ist, liegt also zu einem großen Teil schon in seinen Genen.
Der Leuchtrappe: ein Rappe mit verstecktem Gen
Eine besonders spannende Spielart ist der Leuchtrappe, im Englischen Smoky Black genannt. Dabei handelt es sich um einen Rappen, der zusätzlich ein einzelnes Cream-Gen trägt. Dieses Aufhellungsgen wirkt auf schwarzes Fell aber nur sehr schwach, weshalb ein Leuchtrappe meist genauso schwarz aussieht wie ein normaler Rappe. Oft lässt er sich nur durch einen Gentest sicher erkennen.
Für die Zucht ist dieses versteckte Gen wichtig. Ein Leuchtrappe kann nämlich plötzlich ein aufgehelltes Fohlen bekommen, etwa einen goldenen Palomino oder einen Braunisabell, weil er sein Cream-Gen weitergibt. So kann bei zwei scheinbar schwarzen Eltern ein überraschend helles Fohlen fallen. Wer die Farbe seines Nachwuchses planen möchte, kommt deshalb um einen Gentest kaum herum.
Ist eine Mausfalbe auch ein Rappe? Schwarz als Basisfarbe
Das Schwarz des Rappen ist die Grundlage für eine ganze Reihe weiterer Farben. Fachleute sprechen von schwarzbasierten Farben. Kommt zum schwarzen Grundfell ein Aufhellungs- oder Weißgen dazu, entsteht daraus eine eigene Farbe mit eigenem Namen, auch wenn im Kern ein Rappe steckt.
Die Mausfalbe, im Englischen Grullo, entsteht, wenn das Dun-Gen auf ein schwarzes Grundfell wirkt. Das Ergebnis ist ein mausgraues Pferd mit dunklem Aalstrich über dem Rücken. Der Blauschimmel entsteht, wenn weiße Haare gleichmäßig ins schwarze Fell eingestreut sind, was dem Pferd einen bläulich grauen Schimmer verleiht, während der Kopf oft dunkel bleibt. Der Silberrappe oder Schokorappe wiederum trägt das Silbergen, das sein Schwarz zu einem schokoladigen Braun aufhellt und ihm eine hellere, silbrige Mähne schenkt. Diese Variante siehst du oft bei Isländern und Shetlandponys.
All diese Pferde tragen genetisch ein schwarzes Grundfell, gelten optisch aber nicht als Rappe. Ein echter Rappe ist eben ein schwarzes Pferd ohne solche zusätzlichen Aufhellungs- oder Schimmelgene. Genau deshalb ist die Mausfalbe kein Rappe, auch wenn tief in ihren Genen das Schwarz steckt.
So bleibt der Rappe tiefschwarz
Viele Besitzer eines Sommerrappen wünschen sich, dass ihr Pferd das ganze Jahr über tiefschwarz bleibt. Der größte Feind des satten Schwarz ist dabei die Sonne, deren UV-Strahlung das Fell mit der Zeit ausbleicht. Dazu tragen auch Schweiß und häufiges Waschen bei.
Um das Ausbleichen zu bremsen, greifen Pferdeleute zu verschiedenen Mitteln. Manche stellen ihr Pferd tagsüber in den Schatten oder auf die Nachtweide und lassen es der Mittagssonne entgehen. Andere nutzen leichte Ekzemer- oder UV-Schutzdecken, wie es in manchen niederländischen Friesenställen üblich ist. Beim Putzen helfen milde Shampoos, Pflegeöle und spezielle Glanzsprays, das Fell geschmeidig und dunkel zu halten. Manche setzen zusätzlich auf ein Sonnenschutzspray fürs Fell.
Beliebt ist außerdem die Fütterung von Kupfer, Zink und Paprikapulver, weil diese Stoffe die Bildung des schwarzen Pigments unterstützen sollen. Hier ist ein ehrliches Wort wichtig: Ein leichtes, jährlich wiederkehrendes Ausbleichen im Sommer ist völlig normal und meist einfach der Sonne geschuldet, nicht einem Mangel. Wenn dein Rappe allerdings plötzlich viel stärker verblasst als in den Vorjahren, kann ein Blick auf die Mineralstoffversorgung sinnvoll sein. Ein Blutbild und ein Gespräch mit dem Tierarzt geben dir dann Sicherheit, bevor du wild Zusatzfutter kombinierst.
Sind Rappen wirklich sensibler oder schwieriger?
Hin und wieder liest man, schwarze Pferde hätten ein besonders sensibles oder schwieriges Wesen. Das ist ein Mythos. Die Fellfarbe entsteht, wie du oben gesehen hast, durch zwei kleine Schalter, die allein über das Pigment bestimmen. Mit dem Charakter, dem Temperament oder der Nervenstärke eines Pferdes haben diese Schalter nichts zu tun.
Ob ein Pferd sensibel, mutig, verschmust oder aufgeweckt ist, hängt von der Rasse, von der Aufzucht, von seinen Erfahrungen und vom Umgang der Menschen ab, nicht von der Farbe seines Fells. Ein Rappe kann ein Fels in der Brandung sein, ein Fuchs kann ein Sensibelchen sein. Wer einem schwarzen Pferd von vornherein ein schwieriges Gemüt unterstellt, tut ihm unrecht.
Der Rappe in Mythologie und Symbolik
Kaum eine Fellfarbe ist so stark mit Bedeutung aufgeladen wie das Schwarz. Über Jahrtausende hat der Mensch dem schwarzen Pferd besondere Kräfte und Bedeutungen zugeschrieben, oft mit einer geheimnisvollen, manchmal düsteren Note.
In der Antike zog ein Gespann schwarzer Pferde den Wagen des Totengottes Hades durch die Unterwelt. Dieses Bild wirkt bis heute nach, denn vielerorts wird der Leichenwagen traditionell von Rappen gezogen. In der christlichen Bildwelt reitet einer der apokalyptischen Reiter auf einem schwarzen Pferd. Der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, deutete das schwarze Pferd als Sinnbild für den Todestrieb, während das weiße Pferd für die Lebenskraft stand.
Nicht immer ist die Bedeutung düster. Im Mittelalter galt der schwarze Hengst des Ritters als Zeichen von Macht, Würde und einer gewissen Unnahbarkeit. In unzähligen Sagen und Märchen steht das wilde schwarze Pferd für Freiheit und Stärke, für ein Wesen, das sich nicht so leicht zähmen lässt und dessen Vertrauen man sich erst verdienen muss. Genau diese Mischung aus Anmut und Geheimnis macht den Rappen bis heute so faszinierend.

Schwarze Pferderassen – vom tiefschwarzen Friesen bis zum seltenen Rappen unter Arabern
Schwarze Pferde besitzen eine Wirkung, die sich kaum von ihrer Farbe trennen lässt. Ein glänzender Rappe erscheint kraftvoller, geheimnisvoller und manchmal beinahe unwirklich. Besonders eindrucksvoll wirkt die Farbe bei Pferden mit viel Langhaar, einem ausdrucksvollen Kopf oder einer deutlich aufgerichteten Haltung. Deshalb werden Friesen, schwarze Andalusier und schwarze Araber in Filmen, Shows und auf Fotografien besonders gern eingesetzt.
Allerdings ist nicht jedes dunkel aussehende Pferd tatsächlich ein Rappe. Dunkelbraune Pferde können bei ungünstigem Licht fast schwarz wirken, tragen aber meist braune oder rötliche Bereiche an Maul, Flanken und Beinen. Auch sogenannte Sommerrappen verlieren während der warmen Monate einen Teil ihrer tiefschwarzen Farbe und wirken dann braun, rötlich oder ausgebleicht. Ein echter Rappe besitzt dagegen genetisch eine schwarze Grundfarbe ohne das Agouti-Gen, das die schwarzen Pigmente auf Beine, Mähne und Schweif begrenzen und dadurch einen Braunen entstehen lassen würde.
Unter den Pferderassen gibt es nur wenige, bei denen Schwarz nahezu untrennbar zum typischen Erscheinungsbild gehört. Bei anderen Rassen ist die Farbe zwar erlaubt, aber selten. Gerade dort kann ein schwarzes Pferd einen ganz besonderen Reiz entfalten.
Der Friese – die bekannteste schwarze Pferderasse
Keine andere Pferderasse wird so eindeutig mit der Farbe Schwarz verbunden wie der Friese. Der moderne Friese ist fast ausschließlich als Rappe zu sehen. Sein tiefschwarzes Fell, die lange Mähne, der üppige Schweif und der Behang an den Beinen haben das Bild des majestätischen schwarzen Pferdes entscheidend geprägt.
Friesen stammen aus der niederländischen Provinz Friesland. Ihre Geschichte reicht weit zurück und verbindet Elemente des kräftigen europäischen Arbeitspferdes mit dem eleganteren Typ iberischer Pferde. Im Laufe der Zuchtgeschichte wurden Friesen als Reitpferde, Kutschpferde, landwirtschaftliche Arbeitspferde und schließlich als repräsentative Freizeit- und Showpferde eingesetzt.
Zum typischen Friesen gehört nicht nur die Farbe. Charakteristisch sind außerdem der hoch angesetzte Hals, die dichte Mähne, der ausdrucksstarke Kopf und die häufig deutlich akzentuierte Knieaktion. Weiße Abzeichen sind in der Zucht unerwünscht und nur sehr eingeschränkt zulässig. Selbst kleine Abzeichen können bei der Beurteilung eines Zuchtpferdes eine Rolle spielen.
Nicht jeder Friese bleibt das ganze Jahr über tiefschwarz. Manche Tiere bleichen im Sommer sichtbar aus und bekommen einen bräunlichen oder kupferfarbenen Schimmer. Andere behalten auch bei intensiver Sonneneinstrahlung ein fast blauschwarzes Fell. Diese besonders farbstabilen Friesen werden häufig als Glanzrappen bezeichnet, obwohl dieser Begriff keine eigenständige genetische Farbe beschreibt.
Dass der Friese heute wie der Inbegriff des schwarzen Pferdes wirkt, ist das Ergebnis einer konsequenten Zuchtauswahl. Historisch kamen bei der Rasse auch andere Farben vor. Durch die starke Konzentration auf schwarze Pferde sind diese Farbanlagen inzwischen jedoch weitgehend aus der sichtbaren Population verschwunden.
Hier kannst Du mehr lesen über Friesen
Alles über das schwarze Friesenpferd
Das Mérenspferd – der schwarze Bergbewohner aus den Pyrenäen
Das Mérenspferd, häufig auch Mérens oder Ariège-Pferd genannt, ist eine ursprüngliche französische Gebirgspferderasse. Es stammt aus dem Département Ariège in den Pyrenäen, nahe der Grenze zu Andorra und Spanien. Sein schwarzes Fell gehört ebenso zum Rassebild wie sein kompakter Körperbau und seine große Trittsicherheit.
Im Gegensatz zum imposanten Friesen wirkt das Mérenspferd bodenständiger und ursprünglicher. Es besitzt einen kräftigen, eher gedrungenen Körper, stabile Gliedmaßen und harte Hufe. Die üppige Mähne unterstreicht dennoch die besondere Wirkung der schwarzen Farbe. Viele Mérenspferde erinnern optisch an kräftige schwarze Ponys, werden je nach Größe und Typ jedoch als Kleinpferde oder Pferde eingeordnet.
Die Rasse entwickelte sich unter anspruchsvollen Bedingungen. Mérenspferde verbrachten traditionell einen großen Teil des Jahres auf Bergweiden und mussten mit unebenem Gelände, wechselhaftem Wetter und eher karger Nahrung zurechtkommen. Noch heute werden Herden während des Sommers teilweise auf hoch gelegene Weideflächen gebracht.
Die schwarze Farbe verleiht dem Mérens etwas Sagenhaftes. Zwischen grünen Berghängen, Felsen und Nebel wirkt ein Mérenspferd beinahe wie ein Pferd aus einer alten Pyrenäenlegende. Tatsächlich wird die Herkunft der Rasse gern mit prähistorischen Pferdedarstellungen aus der Region in Verbindung gebracht. Eine direkte Abstammung von steinzeitlichen Pferden lässt sich daraus allerdings nicht beweisen.
Heute wird das Mérenspferd als Freizeit-, Wanderreit- und Fahrpferd geschätzt. Seine Stärke liegt weniger in spektakulären Bewegungen als in Ausdauer, Nervenstärke und Verlässlichkeit. Damit verkörpert es eine ganz andere Form des schwarzen Pferdes: nicht höfisch und repräsentativ, sondern robust, genügsam und eng mit seiner Berglandschaft verbunden.
Der Murgese – Italiens schwarzes Barockpferd
Der Murgese stammt aus Apulien im Süden Italiens, insbesondere aus dem Gebiet der Murge. Die Rasse ist außerhalb Italiens noch vergleichsweise wenig bekannt, obwohl sie optisch einiges zu bieten hat. Der typische Murgese ist ein kräftiger Rappe mit dichtem, häufig besonders glänzendem Fell.
Neben Schwarz kommt bei der Rasse auch eine dunkle stichelhaarige Färbung vor, die als Eisenschimmel oder Blauschimmel beschrieben wird. Der klare, möglichst abzeichenlose Rappe gilt jedoch als besonders charakteristisch. Weiße Abzeichen sind nicht erwünscht.
Der Murgese verbindet einen stabilen, tragfähigen Körper mit dem Ausdruck eines barocken Reitpferdes. Sein Kopf kann gerade oder leicht konvex profiliert sein, der Hals ist kräftig und der Rumpf kompakt. Die Hufe gelten als ausgesprochen hart – eine wichtige Eigenschaft in der steinigen Landschaft Apuliens.
In der Entstehung des Murgese spielten vermutlich einheimische süditalienische Pferde und Pferde iberischer Herkunft eine Rolle. Dadurch besitzt er eine gewisse Ähnlichkeit mit kräftigen Andalusiern oder alten europäischen Kavalleriepferden. Dennoch ist er keine italienische Kopie des Friesen oder PRE, sondern eine eigenständige Rasse, die über lange Zeit an ihre regionale Umgebung angepasst wurde.
Heute werden Murgese als Freizeit-, Gelände-, Fahr- und Reitpferde eingesetzt. Auch für klassische Arbeit und höhere Lektionen können geeignete Vertreter interessant sein. Ihr schwarzes Fell wirkt dabei weniger verspielt als beim Friesen. Ein Murgese vermittelt eher den Eindruck eines kräftigen, ernsthaften und belastbaren Reitpferdes.
Das Fell Pony – schwarzes Arbeitspferd im Ponyformat
Das Fell Pony stammt aus den rauen Landschaften Nordenglands, vor allem aus Cumbria und dem Lake District. Obwohl auch Braune, Dunkelbraune und Schimmel vorkommen, ist Schwarz heute die vorherrschende und bekannteste Farbe der Rasse.
Mit seiner langen Mähne, dem dichten Schweif und dem Behang an den Beinen kann ein schwarzes Fell Pony auf den ersten Blick an einen kleinen Friesen erinnern. Diese Ähnlichkeit sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Fell Pony eine britische Mountain-and-Moorland-Rasse mit einer eigenen Geschichte ist.
Fell Ponys wurden als vielseitige Arbeitstiere eingesetzt. Sie transportierten unter anderem Wolle, Schiefer und Erze durch unwegsames Gelände. Dafür benötigten sie Kraft, Ausdauer, sichere Bewegungen und die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen ruhig weiterzuarbeiten.
Ein Fell Pony darf höchstens etwa 142 Zentimeter groß werden. Es soll kräftig, aber nicht schwerfällig wirken. Die Bewegungen sind energisch und raumgreifend, ohne die stark betonte Aktion eines modernen Friesen. Kleine weiße Abzeichen können vorkommen, größere Abzeichen sind jedoch unerwünscht.
Das schwarze Fell Pony ist damit gewissermaßen das praktische Gegenstück zum schwarzen Showpferd. Es besitzt zwar reichlich Mähne und einen eindrucksvollen Auftritt, wurde aber nicht für den großen Auftritt gezüchtet, sondern für die tägliche Arbeit in einer anspruchsvollen Landschaft.
Das Dales Pony – kräftiger schwarzer Lastenträger aus Nordengland
Das Dales Pony ist eng mit dem Fell Pony verwandt, wirkt aber meist noch kräftiger und substanzvoller. Seine Heimat liegt in den nordenglischen Dales. Schwarz ist bei der Rasse besonders häufig, daneben kommen Dunkelbraune, Braune, Schimmel und in sehr kleiner Zahl weitere zugelassene Farben vor.
Historisch war das Dales Pony ein ausgesprochen leistungsfähiges Packpferd. Es transportierte unter anderem Blei aus den Bergbaugebieten Nordenglands und musste dabei schwere Lasten über weite Strecken bewegen. Neben Kraft waren Ausdauer, Härte und ein sicherer Tritt entscheidend.
Ein typisches schwarzes Dales Pony besitzt einen kräftigen Hals, einen tiefen Rumpf, stabile Gliedmaßen und viel Langhaar. Trotz seiner Substanz soll es sich aktiv und energisch bewegen. Gute Dales Ponys zeigen einen überraschend dynamischen Trab und eignen sich sowohl zum Reiten als auch zum Fahren.
Gerade die schwarze Farbe unterstreicht den traditionellen Arbeitspferdetyp. Während ein schwarzer Araber fein und beinahe zerbrechlich wirken kann, strahlt ein Dales Pony Ruhe, Kraft und Bodenständigkeit aus.
Der schwarze Altkladruber – ein Pferd für Hof und Zeremonie
Der Kladruber gehört zu den ältesten planmäßig gezüchteten Pferderassen Europas. Er stammt aus dem heutigen Tschechien und wurde ursprünglich als repräsentatives Kutsch- und Zeremonienpferd für den habsburgischen Kaiserhof gezüchtet.
Innerhalb der Rasse entwickelten sich zwei bekannte Farbschläge: die Schimmel des Nationalgestüts Kladruby nad Labem und die schwarzen Kladruber, deren Zucht besonders mit dem Gestüt Slatiňany verbunden ist. Die schwarzen Kladruber wurden traditionell unter anderem für kirchliche Würdenträger und feierliche Anlässe eingesetzt.
Ein schwarzer Kladruber besitzt eine vollkommen andere Silhouette als ein Friese. Typisch sind der lange, kräftige Körper, der hoch angesetzte Hals und das deutlich konvexe Kopfprofil. Die Rasse soll würdevoll, ausdauernd und für die Arbeit vor der Kutsche geeignet sein.
Gerade bei feierlichen und historischen Gespannen entfaltet die schwarze Farbe ihre volle Wirkung. Mehrere möglichst gleich aussehende Rappen vor einer traditionellen Kutsche ergeben ein geschlossenes, repräsentatives Bild. Das Schwarz des Altkladrubers ist daher nicht nur eine attraktive Fellfarbe, sondern Teil einer jahrhundertealten höfischen Inszenierung.
Schwarze Percherons – Rappen unter französischen Kaltblütern
Der Percheron stammt aus der französischen Landschaft Le Perche. Die Rasse ist vor allem in Schwarz und Schimmel bekannt, wobei sich die bevorzugten Farben regional unterscheiden können. In Frankreich sind traditionell viele Schimmel zu sehen, während schwarze Percherons insbesondere in Nordamerika große Popularität besitzen.
Ein schwarzer Percheron beeindruckt durch seine Verbindung aus Masse und Eleganz. Gute Vertreter sollen trotz ihres kräftigen Körpers nicht plump wirken. Sie besitzen vergleichsweise trockene Gliedmaßen, einen ausdrucksvollen Kopf und häufig erstaunlich freie Bewegungen.
Percherons wurden sowohl für landwirtschaftliche Arbeiten als auch als Zug- und Kutschpferde eingesetzt. Ihr Ursprung ist nicht vollständig geklärt. Immer wieder werden orientalische Einflüsse diskutiert, wobei sich nicht jede historische Erzählung eindeutig belegen lässt.
Als glänzender Rappe wirkt ein Percheron besonders monumental. Das Schwarz lässt den Körper geschlossen und kraftvoll erscheinen. Deshalb werden schwarze Percherons bis heute gern für große Kutschgespanne, Paraden und repräsentative Auftritte eingesetzt.
Der schwarze PRE – der seltene Andalusier in Schwarz
Beim Pura Raza Española, kurz PRE, denken viele zunächst an einen Schimmel. Tatsächlich prägen weiße oder nahezu weiße Andalusier das öffentliche Bild der Rasse. Die Schimmelfarbe wurde über lange Zeit stark bevorzugt und ist bis heute besonders häufig. Gerade deshalb besitzt ein echter schwarzer PRE eine außergewöhnliche Wirkung.
Ein schwarzer Andalusier trägt denselben stolzen Ausdruck, dieselbe üppige Mähne und dieselbe kompakte, barocke Silhouette wie seine hellen Rassevertreter. Durch das schwarze Fell verändert sich jedoch seine gesamte Erscheinung. Der gebogene Hals wirkt markanter, die Muskulatur tritt stärker hervor und die Bewegungen erscheinen unter Lichteinfall beinahe dramatisch.
Auf einem andalusischen Hof, zwischen weiß gekalkten Mauern, staubigem Boden und greller Sonne, zieht ein schwarzer PRE den Blick unweigerlich auf sich. Während ein Schimmel mit dem hellen Licht zu verschmelzen scheint, steht der Rappe wie eine dunkle Silhouette davor. Besonders bei Hengsten verstärkt die Farbe den Eindruck von Stolz, Kraft und Präsenz.
Schwarz ist beim PRE eine anerkannte Farbe, aber erheblich seltener als Schimmel und Brauntöne. Die Seltenheit hängt unter anderem mit der historischen Farbauswahl zusammen. Über Generationen wurden bestimmte Farben stärker genutzt als andere. Moderne Gentests ermöglichen es inzwischen, die genetische Grundlage der Fellfarbe genauer zu bestimmen und gezielter mit schwarzen Linien zu züchten.
Bei jungen Pferden ist die spätere Farbe nicht immer sofort eindeutig zu erkennen. Schwarze Fohlen können zunächst mausgrau, stumpfbraun oder rehfarben erscheinen. Erst mit dem Wechsel des Fohlenfells entwickelt sich die dunklere Farbe. Manche Pferde wirken außerdem lange wie sehr dunkle Braune, bevor ihr endgültiger Farbton sicher beurteilt werden kann.
Ein schwarzer PRE ist deshalb nicht nur ein Andalusier in einer anderen Farbe. Er ist eine seltenere Variante eines ohnehin stark ausdrucksorientierten Pferdetyps. Genau diese Verbindung macht ihn für Züchter, Fotografen und Liebhaber barocker Pferde so begehrt.
Schwarze Lusitanos – seltene Rappen aus Portugal
Auch beim portugiesischen Lusitano ist Schwarz erlaubt, gehört aber nicht zu den häufigsten Farben. Schimmel und Braune sind deutlich verbreiteter. Ein schwarzer Lusitano besitzt daher einen ähnlichen Seltenheitswert wie ein schwarzer PRE.
Lusitanos wurden über Jahrhunderte als wendige Reitpferde gezüchtet. Ihre traditionelle Verwendung in der Arbeitsreitweise und im berittenen Stierkampf verlangte Mut, schnelle Reaktionen, Balance und eine enge Zusammenarbeit mit dem Reiter. Der moderne Lusitano wird außerdem in der Dressur, Working Equitation und als anspruchsvolles Freizeitpferd eingesetzt.
Bei einem schwarzen Lusitano trifft die dunkle Farbe auf einen häufig sehr kompakten, aufgerichteten Pferdetyp. Besonders eindrucksvoll wirkt sie bei Pferden mit wenig oder gar keinem Weiß. Ein vollständig schwarzer Lusitano mit langer Mähne und wachem Ausdruck erinnert an die historischen Reitpferde alter Gemälde, ohne dabei so üppig und schwer zu wirken wie ein Friese.
Schwarze Araber – seltene Wüstenpferde mit besonderer Ausstrahlung
Schwarz gehört zu den anerkannten Farben des Arabischen Vollbluts, ist innerhalb der Rasse jedoch vergleichsweise selten. Deutlich häufiger sind Schimmel, Füchse und Braune. Das macht einen echten schwarzen Araber zu einer auffälligen Erscheinung.
Die Farbe verändert den typischen Araberausdruck auf besondere Weise. Der fein modellierte Kopf, die großen dunklen Augen, die weiten Nüstern und der hoch getragene Schweif wirken bei einem Rappen besonders kontrastreich. Ein schwarzer Araber erscheint häufig weniger zart als ein Schimmel, obwohl der Körperbau derselbe sein kann. Das dunkle Fell lässt Konturen, Hals und Schulter deutlicher hervortreten.
Unter den historisch einflussreichen schwarzen Araberhengsten wird häufig Hallany Mistanny genannt. Der 1937 geborene Hengst wurde in den USA gezogen und erlangte sowohl als Schau- als auch als Zuchtpferd Bedeutung. Er steht exemplarisch für eine Zeit, in der schwarze Araber bereits große Aufmerksamkeit erhielten, obwohl die Farbe in vielen traditionellen Linien nur selten auftrat.
Ein weiterer Grund für die Faszination schwarzer Araber liegt in Literatur und Film. Die Vorstellung vom wilden schwarzen Hengst aus der Wüste wurde besonders durch Walter Farleys Romanreihe „The Black Stallion“ geprägt. Das berühmte Pferd Shêtân ist zwar eine literarische Figur, hat aber das Bild des schwarzen Araberhengstes weltweit beeinflusst. Interessanterweise waren nicht alle Pferde, die diesen Hengst später in Verfilmungen darstellten, von Natur aus tiefschwarz.
Um schwarze Araber entwickelte sich zeitweise ein regelrechter Farbkult. Einige Zuchtprogramme warben gezielt mit sogenannten Black Arabians und konzentrierten sich stark auf die Vererbung der schwarzen Farbe. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Farbe allein nichts über die Qualität eines Arabischen Vollbluts aussagt. Typ, Körperbau, Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Charakter bleiben für eine verantwortungsvolle Zucht wesentlich wichtiger.
Gerade in der Sonne zeigt sich außerdem, wie unterschiedlich schwarze Araber aussehen können. Manche bleiben tiefschwarz, andere bleichen stark aus und entwickeln rötliche oder braune Spitzen. Ein genetisch schwarzes Pferd muss daher optisch nicht zu jeder Jahreszeit wie ein lackschwarzer Rappe wirken.
Der schwarze Morgan – ein Stück amerikanische Pferdegeschichte
Das Morgan Horse gehört zu den ältesten amerikanischen Pferderassen. Die Rasse kann in zahlreichen Farben auftreten, darunter auch Schwarz. Rappen sind nicht so selten wie bei Arabern oder PRE, dennoch gelten vollkommen schwarze Morgans mit wenig Weiß als besonders elegant.
Morgan Horses gehen auf den Hengst Figure zurück, der später nach seinem Besitzer als Justin Morgan bekannt wurde. Figure selbst war ein dunkler Brauner und kein schwarzes Pferd. Seine Nachkommen wurden für ihre Kraft, Ausdauer und Vielseitigkeit geschätzt. Morgans arbeiteten auf Farmen, vor Kutschen, unter dem Sattel und beim Militär.
Ein schwarzer Morgan besitzt meist einen kompakten Körper, einen kräftigen Hals und eine deutlich aufgerichtete Haltung. Dadurch kann er je nach Zuchtrichtung entfernt an ein leichteres barockes Pferd erinnern. Anders als beim Friesen ist Schwarz jedoch kein zwingender Bestandteil des Rassebildes, sondern eine attraktive Variante innerhalb eines breiten Farbspektrums.
Schwarze Orlow-Traber – elegante Rappen aus russischer Zucht
Der Orlow-Traber stammt aus Russland und wurde im späten 18. Jahrhundert unter Graf Alexei Orlow entwickelt. Die Rasse ist vor allem für ihren ausdauernden und raumgreifenden Trab bekannt. Schimmel dominieren das heutige Erscheinungsbild, doch auch Rappen und Braune kommen vor.
Ein schwarzer Orlow-Traber wirkt besonders elegant, weil die Farbe den langen Linien des Körpers und die aufgerichtete Haltung unterstreicht. Die Rasse verbindet Substanz mit einem deutlich leichteren, edleren Ausdruck als viele klassische Kutschpferde.
Da schwarze Orlow-Traber gegenüber den verbreiteten Schimmeln seltener auffallen, besitzen sie einen besonderen Wiedererkennungswert. Sie gehören allerdings nicht zu den eigentlichen Schwarzrassen. Die Farbe ist eine mögliche, aber nicht rassetypisch vorgeschriebene Variante.
Schwarze Warmblüter – selten, aber im Sport auffällig
Auch unter Warmblütern gibt es Rappen. Bei einigen deutschen und niederländischen Zuchtverbänden sind schwarze Pferde sogar relativ gut vertreten. Besonders in der Dressurpferdezucht werden dunkle Hengste gern wahrgenommen, weil ein nahezu schwarzes Pferd im Viereck ausgesprochen ausdrucksstark wirkt.
Viele vermeintlich schwarze Warmblüter sind allerdings sehr dunkle Braune. Erst bei genauer Betrachtung zeigen sich braune Bereiche am Maul, in den Flanken oder um die Augen. Ein echter Rappe besitzt diese Aufhellungen nicht.
Berühmte Dressurpferde haben die Beliebtheit dunkler Farben zusätzlich verstärkt. Hengste wie Totilas wurden häufig als schwarz wahrgenommen, waren farblich jedoch sehr dunkle Braune beziehungsweise Dunkelbraune. Das zeigt, wie stark die optische Wirkung von der genetisch korrekten Farbbezeichnung abweichen kann.
Bei Warmblütern ist die Farbe grundsätzlich zweitrangig. Entscheidend sind Abstammung, Gesundheit, Exterieur, Bewegungsqualität und Leistungsvermögen. Dennoch lässt sich kaum bestreiten, dass ein schwarzes Pferd auf einem Turnierplatz schneller ins Auge fällt als ein durchschnittlich gezeichneter Brauner.
Schwarze Kaltblüter – Kraft in ihrer dunkelsten Form
Schwarz kommt außerdem bei verschiedenen Kaltblutrassen vor. Neben dem Percheron können unter anderem schwarze Shire Horses, Clydesdales, Belgische Kaltblüter und andere schwere Pferde auftreten. Je nach Rasse sind jedoch häufig auch Braune, Füchse, Schimmel oder stichelhaarige Farben verbreitet.
Besonders eindrucksvoll sind schwarze Kaltblüter mit wenig Weiß. Die dunkle Farbe lässt ihren massigen Körper noch geschlossener erscheinen. Bei Pferden mit breiten Blesse und weißen Beinen entsteht dagegen ein starker Kontrast, wie er etwa bei manchen Shire Horses zu sehen ist.
Keine dieser Rassen kann pauschal als reine schwarze Pferderasse bezeichnet werden. Dennoch gehören große schwarze Kaltblüter zu den imposantesten Rappen überhaupt. Vor einer historischen Kutsche, bei einer Parade oder in traditionellem Geschirr entfalten sie eine Wirkung, die ein leichteres Reitpferd kaum erreichen kann.
Welche Pferderassen sind wirklich immer schwarz?
Streng genommen sollte mit der Aussage, eine Pferderasse sei „immer schwarz“, vorsichtig umgegangen werden. Beim Friesen ist Schwarz heute das klar vorgeschriebene und nahezu ausschließliche Erscheinungsbild. Auch das Mérenspferd wird als schwarze Rasse geführt. Beim Murgese dominiert der Rappe sehr deutlich, allerdings sind zusätzlich dunkle stichelhaarige beziehungsweise eisenschimmelfarbene Pferde zugelassen.
Fell Ponys und Dales Ponys sind häufig schwarz, dürfen jedoch auch andere Farben besitzen. Percherons kommen sowohl als Rappen als auch als Schimmel vor. Bei PRE, Lusitano und Arabischem Vollblut ist Schwarz lediglich eine von mehreren möglichen und vergleichsweise seltenen Farben.
Die eigentlichen schwarzen Pferderassen bilden daher eine kleine Gruppe. Umso größer ist die Zahl der Rassen, bei denen ein Rappe als seltene oder besonders attraktive Farbvariante auftreten kann.
Warum schwarze Pferde nicht immer tiefschwarz bleiben
Die Farbe eines Rappen kann sich im Jahresverlauf deutlich verändern. Sonnenlicht, Schweiß, Witterung, Fellwechsel und die individuelle Haarstruktur beeinflussen, wie schwarz ein Pferd tatsächlich erscheint.
Ein sogenannter Sommerrappe bleicht während der warmen Monate häufig sichtbar aus. Das Deckhaar kann dann braun, rotbraun oder an den Spitzen fast gelblich wirken. Im Winter wächst wieder ein dunkleres Fell nach. Ein Glanzrappe behält seine tiefschwarze Erscheinung meist wesentlich besser, wobei auch hier Haltung und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.
Ausgeblichenes Fell bedeutet nicht automatisch, dass das Pferd genetisch kein Rappe ist. Ebenso ist ein fast schwarzer Dunkelbrauner genetisch noch lange kein Rappe. Eine verlässliche Unterscheidung kann bei Zweifelsfällen durch einen Farbgentest erfolgen.
Warum schwarze Pferderassen so faszinieren
Die Faszination schwarzer Pferde beruht nicht allein auf ihrer Seltenheit. Schwarz verändert die Wahrnehmung des gesamten Pferdes. Es lässt Konturen klarer erscheinen, verstärkt den Ausdruck heller Abzeichen und gibt langen Mähnen eine beinahe dramatische Wirkung.
Beim Friesen steht die Farbe für barocke Pracht, beim Mérenspferd für Ursprünglichkeit und Widerstandskraft. Der schwarze Murgese erinnert an ein historisches Kriegspferd, während Fell Pony und Dales Pony die Tradition britischer Arbeitspferde verkörpern. Ein schwarzer Kladruber trägt die Würde höfischer Zeremonien, und beim schwarzen Percheron verbindet sich die Farbe mit enormer körperlicher Kraft.
Besonders spannend wird Schwarz jedoch bei Rassen, die normalerweise mit einer anderen Farbe verbunden werden. Ein schwarzer PRE hebt sich deutlich von den allgegenwärtigen Schimmeln Andalusiens ab. Ein schwarzer Araber wirkt wie die lebendig gewordene Figur aus einer alten Wüstenerzählung. Gerade weil solche Pferde nicht dem vertrauten Standardbild ihrer Rasse entsprechen, bleiben sie im Gedächtnis.
Das schönste schwarze Pferd lässt sich deshalb kaum bestimmen. Ein lackschwarzer Friese, ein wilder Mérens auf einer Bergweide und ein feingliedriger schwarzer Araber könnten unterschiedlicher kaum sein. Gemeinsam ist ihnen lediglich die Farbe – und die außergewöhnliche Wirkung, die sie bis heute auf Menschen ausüben.