
Die einfache Schlangenlinie reiten: Linie, Umstellen und Umsitzen Schritt für Schritt
Die einfache Schlangelinie ist eine Übung aus dem englischen Reiten, wird schon mit Reitanfängern geübt und ist Bestandteil der E und A Dressur.
Voraussetzung ist schon ein ganz guter Reitsitz und ein Grundverständnis zu Zügelhilfen und Schenkelhilfen. Es gehört zur Gruppe der Hufschlagfiguren. Falls Du noch nicht ganz genau weißt, was das so bedeutet lese hier noch Ganze Bahn und Hufschlag. Unter digitalen Downloads findest Du ein pdf zum sofortigen herunterladen
Die einfache Schlangenlinie sieht von außen leicht aus: Du verlässt nach der Ecke den Hufschlag, reitest einen Bogen in die Bahn und kommst vor der nächsten Ecke wieder an der Bande an. Im Sattel verlangt sie allerdings einiges. Dein Pferd soll der Linie folgen, sich zweimal sauber umstellen lassen und dabei weder schneller werden noch über eine Schulter ausweichen. Gerade deshalb ist die Figur eine gute Übung für die E Dressur.

So verläuft die einfache Schlangenlinie
Gemeint ist die einfache Schlangenlinie an der langen Seite. Reitest du beispielsweise von F über B nach M, verlässt du bei F den Hufschlag. Auf Höhe von B liegt der höchste Punkt deines Bogens ungefähr fünf Meter von der Bande entfernt. Bei M erreichst du wieder den Hufschlag und reitest anschließend die Ecke aus.
Stell dir eine weiche, gleichmäßige Linie vor. Bei B entsteht keine Spitze und du wendest dort nicht plötzlich um. Du bist an dieser Stelle lediglich am weitesten von der Bande entfernt. Von dort führt dich die zweite Hälfte des Bogens ruhig zurück.
Wann wendest du bei F ab?
„Wende ab, wenn dein Knie am Buchstaben ist“ kann im Unterricht eine brauchbare Orientierung sein. Als starre Regel taugt es nicht: Entscheidend ist, wann die Schulter deines Pferdes die neue Linie beginnt. Wenn du erst bei F anfängst, über deine Hilfen nachzudenken, wird das Abwenden meist zu spät.
Reite die Ecke vor F zunächst ordentlich aus. Schau danach auf die geplante Linie und bereite dein Pferd mit einer kurzen halben Parade vor. Dein innerer Schenkel hält es aktiv und unterstützt die Biegung, der äußere Zügel begrenzt die Schulter, und der äußere Schenkel verhindert, dass die Hinterhand ausweicht. Die innere Hand bittet nur um eine leichte Stellung. Sie zieht das Pferd nicht von der Bande weg.

Was ist bei der Schlangenlinie innen und außen?
Das ist der Punkt, an dem die Figur für viele Reiter verwirrend wird. Innen bezeichnet die Seite der jeweiligen Biegung. Es bedeutet nicht während der gesamten Schlangenlinie automatisch „zur Bahnmitte hin“.
Nehmen wir die Linie F–B–M auf der linken Hand. Vor F und beim ersten Abwenden ist dein Pferd links gestellt und gebogen: links ist innen, rechts ist außen. Für den mittleren Teil der Schlangenlinie ändert sich die Biegung nach rechts. Jetzt ist rechts innen und links außen. Bevor du bei M an die Bande zurückkommst, stellst du wieder nach links um. Danach reitest du auf der linken Hand weiter.
Du wechselst mit dieser Figur also nicht dauerhaft die Hand. Innerhalb der Figur wechselst du aber zweimal Stellung und Biegung. Die FN beschreibt genau dieses Stellen, Biegen und Umstellen als Wert der einfachen Schlangenlinie.
Das erste Umstellen Schritt für Schritt
Nach F reitest du zunächst noch kurz in der bisherigen linken Biegung. Sobald die Linie in den nach rechts gebogenen Mittelteil übergeht, bereitest du das Umstellen vor. Das geschieht vor B, nicht erst am höchsten Punkt des Bogens.
Zuerst reitest du mit beiden Schenkeln weiter vorwärts und gibst eine kurze halbe Parade. Dabei hältst du dein Pferd für einen Moment besser im Gleichgewicht. Du bremst es nicht mit der Hand aus. Sobald es reagiert, gibst du mit der Hand wieder weich nach, ohne die Zügelverbindung aufzugeben.
Dann richtest du dein Pferd für einen kurzen Moment gerade. Erst wenn die alte linke Stellung aufgehoben ist, bittest du um die neue Stellung nach rechts. Dein rechter Schenkel wird zum neuen inneren Schenkel am Gurt. Er erhält das Vorwärts und unterstützt die Biegung. Der linke Schenkel liegt als äußerer, verwahrender Schenkel etwas zurück. Der rechte Zügel zeigt die neue Stellung an; der linke Zügel begrenzt die äußere Schulter.
Danach lässt du dein Pferd durch den Bogen gehen. Die halbe Parade ist längst beendet. Dauerhaft mit dem Bein zu drücken und gleichzeitig vorne festzuhalten würde die Bewegung blockieren. Die FN fasst den Ablauf einer halben Parade treffend als Treiben, kurzes Abfangen und anschließendes Nachgeben auf.
Wann stellst du vor M wieder zurück?
Beginne das zweite Umstellen bevor du den Hufschlag erreichst. Bereite dein Pferd erneut mit einer kurzen halben Parade vor, richte es einen Moment gerade und tausche dann die Aufgaben der Hilfen zurück: links wird wieder innen, rechts außen. So kannst du bei M auf der linken Hand ankommen und die folgende Ecke ordentlich reiten.
Wartest du, bis die Pferdenase schon an der Bande ist, muss dein Pferd Stellung, Biegung und Ecke auf einmal bewältigen. Häufig wird daraus ein enger Knick statt einer fließenden Linie.

Wo musst du im Leichttraben umsitzen?
Im Leichttraben sitzt du bei dieser Figur zweimal um: einmal beim Umstellen für den mittleren Bogen und ein zweites Mal beim Zurückstellen vor M.
Auf der linken Hand ist zunächst das rechte Vorderbein außen. Wenn du für den mittleren Bogen nach rechts umstellst, wird das linke Vorderbein zum äußeren Vorderbein. Für diesen Fußwechsel bleibst du einen Trabtakt zusätzlich sitzen und trabst anschließend auf dem anderen Fuß leicht. Vor M wechselst du beim Zurückstellen nach links genauso zurück.
Das Umsitzen gehört jeweils zur Änderung der Biegung. Versuche trotzdem nicht, Hand, Beine und Sitz mit einem einzigen Ruck umzuschalten. Bereite dein Pferd vor, richte es kurz gerade und wechsle dann ruhig die Hilfen und den Leichttrabfuß. Eine Beschreibung der Figur bestätigt sowohl die beiden Umstellmomente als auch das zweimalige Umsitzen.
Die einfache Schlangenlinie im Galopp
Im Galopp gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten. Du kannst im ursprünglichen Galopp bleiben und den mittleren Bogen im Außengalopp reiten. Dann findet kein Galoppwechsel statt. Oder du wechselst den Galopp passend zur neuen Biegung und vor der Rückkehr zum Hufschlag ein zweites Mal zurück. Beides setzt ein ausbalanciertes, gut vorbereitetes Pferd und einen sicheren Reiter voraus.
Möchtest du dabei einfache Galoppwechsel reiten, parierst du jeweils direkt vom Galopp zum Schritt durch, reitest einige klare Schritte und galoppierst auf der neuen Seite wieder an. Ein Wechsel über Trab ist eine mögliche Vorübung, aber kein einfacher Galoppwechsel. Die FN beschreibt für den einfachen Wechsel eine kurze Schrittphase zwischen den beiden Galopps; bereits der direkte Übergang vom Galopp zum Schritt ist anspruchsvoll.
Auf der Linie F–B–M läge der erste Wechsel dort, wo du nach dem Abwenden die neue Biegung für den mittleren Teil vorbereitest. Der zweite läge vor M, wenn du wieder zur ursprünglichen Biegung zurückkehrst. Bei B wird nicht automatisch gewechselt. Dort liegt nur der höchste Punkt des Bogens. Werden die beiden Wechsel auf der langen Seite hektisch oder der Schritt verliert seinen Takt, ist die Übung für diesen Moment zu schwer. Dann arbeitest du besser zunächst an den einzelnen Übergängen auf einer großzügigeren Linie.
Häufige Fehler und ihre Lösung
Du wendest zu spät ab. Dadurch fehlt dir am Ende der Platz. Plane den Bogen schon in der Ecke vor F und bereite die Hilfen vor dem Wechselpunkt vor.
Bei B entsteht ein Knick. Schau früh entlang der zweiten Hälfte deiner Linie. B ist der höchste Punkt eines runden Bogens, kein Punkt für eine abrupte Wendung.
Das Pferd wird nur am Zügel umgestellt. Sein Hals zeigt dann zwar in die neue Richtung, die Schulter oder Hinterhand folgt aber nicht. Richte es zuerst gerade und kombiniere den neuen inneren Schenkel mit einer klaren äußeren Begrenzung.
Das Pferd eilt zur Bande zurück. Reite den Bogen zunächst flacher und bleibe in einem Tempo, in dem dein Pferd sein Gleichgewicht halten kann. Eine ruhige, kleinere Schlangenlinie ist wertvoller als ein erzwungener Fünf-Meter-Bogen.
Du sitzt nur einmal um. Sprich dir beim Üben die Biegungen vor: „links – rechts – links“. Beide Wechsel der Biegung verlangen im Leichttraben auch einen Wechsel des Fußes.
So übst du die Schlangenlinie mit einem Anfänger oder einem jungen Pferd
Beginne im Schritt. Dort hast du Zeit, die Stellen zum Umstellen zu erkennen und zu fühlen, ob dein Pferd nach dem Geraderichten tatsächlich die neue Biegung annimmt. Reite anfangs einen flachen Bogen. Bleiben Takt, Richtung und Balance erhalten, kannst du ihn nach und nach vergrößern, bis du auf Höhe B oder E ungefähr fünf Meter von der Bande entfernt bist.
Markierungen am Anfang und am höchsten Punkt des Bogens können deinen Blick führen. Sie sollen dich jedoch nicht dazu verleiten, das Pferd mit Gewalt zu einer bestimmten Stelle zu lenken. Im Trab übst du zunächst die Linienführung und das ruhige Umstellen. Danach nimmst du das zweimalige Umsitzen bewusst hinzu.
Eine gute einfache Schlangenlinie erkennst du nicht allein daran, dass du den richtigen Abstand zur Bande triffst. Sie gelingt, wenn du dein Pferd zweimal neu ausrichten kannst und es dabei im Takt, in Balance und auf einer fließenden Linie bleibt.





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