
Kaum ein Pony vereint so viel Charme, Kraft und Sportsgeist in einem einzigen Körper wie das Connemara. Es ist die einzige Ponyrasse, die Irland als eigene Landrasse hervorgebracht hat, geformt von rauem Atlantikwind, kargem Moorland und der Not einfacher Bauern. Heraus kam ein Ganzkörperkünstler: trittsicher, sprunggewaltig, klug und von einem Wesen, das Kinder wie Erwachsene gleichermaßen trägt. Dieser Beitrag nimmt dich mit von den keltischen Ursprüngen bis in den heutigen Turniersport und zeigt dir, warum das Connemara zu Recht als eines der besten Freizeit- und Sportponys der Welt gilt.
Steckbrief Connemara-Pony
HerkunftConnemara, County Galway, Westirland Stockmaßca. 128 bis 148 cm (Rassestandard), Übermaß-Ponys sind verbreitet Farbenüberwiegend Schimmel und Falbe (Dun), dazu Braune, Rappen, Palominos, selten Füchse und Roans Typkompaktes, gut proportioniertes Reitpony mit viel Tiefe und starkem Fundament Charaktergutmütig, intelligent, arbeitswillig, nervenstark, vielseitig Lebenserwartungoft 30 bis 40 Jahre VerwendungSpringen, Vielseitigkeit, Dressur, Fahren, Freizeit, ideales erstes Großpony Besonderheitberühmte Springvererber, rassetypische Huferkrankung HWSD, EU-weit als gefährdet eingestuft
Herkunft: ein Pony aus Mythos, Meer und Moor
Die Ursprünge des Connemaras verlieren sich im Nebel der irischen Geschichte, und genau das macht seinen Reiz aus. Sicher ist: Die karge Landschaft im Westen der Grafschaft Galway, westlich des Lough Corrib und direkt am Atlantik, hat die Rasse geformt. Wer hier überleben wollte, musste hart, genügsam und trittsicher sein. Das gilt für die Menschen wie für ihre Ponys.
Der gängigste Erklärungsstrang beginnt vor rund 2.500 Jahren mit den Kelten, die dun-farbene Ponys nach Irland brachten und sie vor ihre Streitwagen spannten. Funde, die auf Wagenrennen der Eisenzeit bei Loughrea hindeuten, stützen diese Spur. Später kamen über die Wikinger nordische Ponys hinzu, deren Blut bis heute in vielen irischen und britischen Rassen nachweisbar ist.
Am schönsten erzählt sich die Legende von der Spanischen Armada: 1588 zerschellten Schiffe der geschlagenen Flotte an der Westküste Irlands, und die an Bord befindlichen andalusischen Pferde sollen an Land geschwommen sein und sich mit den wilden Landponys vermischt haben. Historisch wahrscheinlicher ist allerdings die nüchternere Variante: Über Jahrhunderte bestanden rege Handelsbeziehungen zwischen der irischen Westküste und der iberischen Halbinsel, über die immer wieder spanisches und arabisches Blut in den Ponybestand floss. Belegt ist zudem, dass Gutsbesitzer im 18. Jahrhundert gezielt Araberhengste einsetzten, um ihren Ponys mehr Härte und Ausdauer zu geben. Diese iberisch-orientalische Veredelung erklärt, warum man das Connemara bis heute gern das kleine Andalusier nennt.
Vom Aussterben bedroht: die Rettung einer Landrasse
So robust die Rasse war, ihre Existenz stand einmal auf der Kippe. Die große Hungersnot des 19. Jahrhunderts traf Connemara besonders hart. Menschen starben oder wanderten zu Tausenden aus, große Güter gingen bankrott, und mit den Gutsherren verschwanden auch die veredelnden Import-Hengste. Die planlose Einkreuzung fremder Rassen tat ihr Übriges: Ein reinrassiges Connemara drohte im allgemeinen Ponybrei zu verschwinden, zumal es noch nicht einmal ein eigenes Zuchtbuch gab.
Zur Jahrhundertwende schuf ein staatlicher Congested Districts Board erste Programme, um die Landwirtschaft und Tierzucht im Westen zu verbessern. Zum Wortführer der Rasse wurde Michael J. O’Malley, dessen berühmte O’Malley-Letters die Öffentlichkeit wachrüttelten. 1911 gründete sich in Clifden ein erstes Connemara Pony Committee, doch der Durchbruch kam erst am 12. Dezember 1923 mit der Connemara Pony Breeders‘ Society (CPBS). Ihr erklärtes Ziel: Erhalt und Verbesserung der Rasse. 1926 erschien das erste Zuchtbuch mit 93 Stuten und 9 Hengsten. Bei den ersten Körungen wurde streng ausgewählt, von rund 50 vorgestellten Hengsten bestanden nur sechs.

Der Rassestandard: kompakt, tief, geländegängig
Die CPBS in Irland legt den Standard fest, der auch von der British Connemara Pony Society übernommen wird. Beschrieben wird ein kompakter, gut ausbalancierter Reittyp mit Tiefe, Substanz und viel Herzraum, auf kurzen Beinen stehend und dabei raumgreifend im Gang. Kurz gesagt: ein kleines Pferd mit großer Bewegung.
Exterieur im Detail
Kopfmittellanger, ausdrucksvoller Ponykopf mit breiter Stirn, großen freundlichen Augen und feinen Ponyohren Halsgut aufgesetzt, kein überbauter Kamm, nicht zu tief angesetzt, gute Ganaschenfreiheit Körpertiefe, gut gewölbte Rippe, schräge Schulter, rechteckiges Format, kräftige Hinterhand Fundamentkurze, trockene Röhren, gutes Knochenvolumen, sehr harte Hufe Bewegungtrittsicher, elastisch, mit ausgreifender Grundbewegung
Das Stockmaß liegt im Standard bei etwa 128 bis 148 cm, wobei Ponys mit leichtem Übermaß in der Praxis geschätzt werden. Sie machen das Connemara oft zum idealen ersten Großpony, das ein Kind lange begleitet und danach auch einen leichten Erwachsenen noch sicher trägt.
Farben: von Falbe bis Blauäugigem Creme
Die Farbpalette ist eine echte Besonderheit dieser Rasse. Am häufigsten sind Schimmel, viele Connemaras werden dunkel geboren und grauen im Lauf der Jahre aus. Direkt danach folgt die für die Rasse so typische Falbe (englisch Dun oder Buckskin) mit Aalstrich und oft zebraartiger Beinzeichnung, die die alte, ursprüngliche Wildfarbe widerspiegelt.
Häufige Farben
Schimmel und Falbe dominieren, dazu Braune und dunkle Braune sowie Rappen.
Seltenere Farben
Palomino, Roan (Stichelhaar) und vereinzelt Füchse sind zugelassen.
Cremello-Varianten
Es gibt dunkeläugige und blauäugige Cremes, letztere als Blue Eyed Cream bekannt.
Nicht zugelassen
Schecken (piebald und skewbald) sind für die Reinzucht nicht eintragungsfähig.
Die fünf Zuchtlinien und ihre Stammväter
Wer sich mit Connemara-Zucht beschäftigt, kommt an den fünf klassischen Hengstlinien nicht vorbei. Zur besseren Übersicht hat die CPBS ihnen je eine Farbe zugeordnet. Nur drei dieser Linien lassen sich lückenlos bis zu den Gründungshengsten des ersten Zuchtbuchs zurückverfolgen, die beiden jüngeren entstanden durch bewusst eingekreuztes Fremdblut zur Erweiterung des Genpools.
Blue Line begründet von Cannon Ball (Nr. 1) und seinem Sohn Rebel (Nr. 7). Cannon Ball, geboren 1904, war der allererste eingetragene Hengst der Rasse und eine Legende: Er gewann das Farmers Race in Oughterard sechzehn Jahre in Folge. Sein Besitzer Henri Toole fuhr mit ihm regelmäßig über 90 Kilometer zum Markt und deckte unterwegs die Stuten der Bauern.
Red Line begründet von Connemara Boy (Nr. 9), einem der neun Gründungshengste von 1926.
Green Line entstanden mit der Eintragung von Mountain Lad im Jahr 1938.
Purple Line geht auf Carna Dun zurück, den Halbblutsohn des eingekreuzten Vollbluthengstes Little Heaven. In den 1940er-Jahren nutzte die CPBS zudem irische Draught-Hengste, allen voran May Boy, um den Genpool zu stärken.
Orange Line begründet von Clonkeehan Auratum, einem 1954 erworbenen Falbhengst nach dem Araber Naseel aus einer Connemara-Stute, eingetragen 1958.
Auf der Stutenseite spricht man nicht von Linien, sondern von Stutenfamilien, da sich die weiblichen Abstammungen über die Generationen stärker verzweigen. Jedes Pony lässt sich über seine Mutterlinie zu einer Gründungsstute zurückverfolgen.
Legenden im Parcours: berühmte Connemaras
Das Connemara ist klein, springt aber riesig. Diese Rasse hat Sportgeschichte geschrieben, oft gegen deutlich größere Warmblüter.
- The Nugget übersprang 1935 in Olympia (London) im Alter von 22 Jahren 2,18 Meter, gewann über 300 internationale Preise und mehr als 4.500 Pfund Preisgeld, damals ein Vermögen.
- Little Squire siegte 1939 im Madison Square Garden in New York und meisterte mit nur rund 137 cm Stockmaß Hindernisse von über zwei Metern. Die US-Presse nannte ihn das kleinste Pferd mit dem größten Herzen.
- Dundrum unter Tommy Wade wurde als Springpferd des Jahrhunderts gefeiert. Er stellte beim Horse of the Year Show in Wembley einen Mächtigkeitsrekord von 2,18 Metern auf und gewann 1961 fünf Hauptprüfungen bei der Dublin Horse Show. Viele Connemara-Verbände weltweit halten ihn für das beste Connemara aller Zeiten.
- Stroller, ein Halbblut-Connemara mit rund 145 cm, war das einzige Pony, das je bei Olympischen Spielen antrat. Unter Marion Coakes holte er 1968 in Mexiko-Stadt die Einzel-Silbermedaille im Springen und lieferte eine der nur zwei fehlerfreien Runden des gesamten Turniers.
- Erin Go Bragh zählte als Vielseitigkeitshengst zu den einflussreichsten Sportpferden des 20. Jahrhunderts.
- Seldom Seen bewies unter Lendon Gray, dass ein Connemara-Kreuzung selbst in der internationalen Grand-Prix-Dressur ganz vorn mithalten kann.
Auch in der Warmblutzucht hinterließ die Rasse Spuren. Aus Kreuzungen mit dem englischen Vollblut gingen weltbekannte Springpferde hervor, und selbst dem legendären Schimmel Milton wird von Zuchtseite Connemara-Blut in der Mutterlinie zugeschrieben.
Charakter: der Grund, warum man sich verliebt
Technik und Sprungkraft beeindrucken, das Wesen aber macht das Connemara zum Herzenspony. Über kaum eine Rasse wird das gute Gemüt so einhellig gelobt. Connemaras gelten als freundlich, ehrlich, klug und vertrauensvoll, mit einem ausgeglichenen Nervenkostüm und einer echten Freude an der Arbeit. Genau diese Mischung, geformt aus harter Umwelt und enger Bindung an den Menschen, macht sie so umgänglich im Handling und verlässlich unter dem Sattel.
Ihre Intelligenz will beschäftigt werden. Ein Connemara, das eine Aufgabe versteht, arbeitet mit Hingabe mit. Langeweile hingegen quittiert es gern mit eigenen Ideen. Wer klar, fair und abwechslungsreich arbeitet, bekommt einen Partner, der mitdenkt statt nur zu funktionieren.
Gesundheit: robust, aber mit einem genetischen Thema
Grundsätzlich ist das Connemara eine sehr gesunde, langlebige Rasse; 30 bis 40 Lebensjahre sind keine Seltenheit. Als typischer Leichtfutterverwerter aus kargem Land neigt es allerdings zu Übergewicht, und wie viele nordische Ponyrassen sollte es vor zu üppigem Futter und den damit verbundenen Risiken wie Hufrehe und Stoffwechselentgleisungen geschützt werden.
HWSD: die rassetypische Huferkrankung
Das wichtigste gesundheitliche Thema der Rasse ist die Hoof Wall Separation Disease (HWSD). Dabei bricht und splittert die äußere Hufwand, während der Kronrand normal aussieht. Erste Anzeichen zeigen sich meist im ersten Lebenshalbjahr, schwere Fälle führen zu erheblichen Lahmheiten bis hin zur Rehe.
Ursache ist eine Mutation im Gen SERPINB11, die autosomal-rezessiv vererbt wird. Das heißt: Nur Ponys mit zwei Kopien der Mutation erkranken. Träger mit nur einer Kopie sind selbst völlig gesund und haben normales Hufhorn, können das Gen aber weitergeben. Erst wenn zwei Träger miteinander verpaart werden, besteht ein Erkrankungsrisiko von 25 Prozent pro Fohlen. Rund 15 Prozent der Connemaras gelten als Träger.
Ein günstiger Gentest schafft Klarheit. Die irische CPBS testet Fohlen und angehende Zuchthengste seit 2016 verpflichtend, in Deutschland gilt der Pflichttest seit 2018. Für Käufer heißt das: Der Trägerstatus allein ist kein Ausschlusskriterium, ein Pony mit zwei Genkopien sollte man dagegen nicht kaufen. Eine entsprechende Klausel im Kaufvertrag oder ein Test vorab gibt Sicherheit.
Gefährdet und geschützt zugleich
So beliebt die Rasse international ist, unter EU-Recht gilt das Connemara als gefährdete Rasse. Genau deshalb ist die Arbeit der Zuchtverbände so wichtig. Die konsequente Körung nach Standard, die Pflege der Linien und Stutenfamilien sowie die Öffnung des Genpools durch kontrolliertes Fremdblut haben die Rasse einst gerettet und sichern sie bis heute. Ein Höhepunkt des Zuchtjahres ist die jährliche Clifden Connemara Pony Show in Irland, die seit den 1920er-Jahren stattfindet und Züchter aus aller Welt zusammenbringt.
Verwendung heute: der vielseitige Allrounder
Wo das Connemara früher Torf, Seetang und Kartoffeln schleppte, den Pflug zog und die Familie zur Kirche brachte, ist es heute vor allem eines: ein außergewöhnlich vielseitiges Sport- und Freizeitpony. Kaum eine Disziplin, in der es nicht zu Hause ist.
- Springen und Vielseitigkeit: das Paradefeld der Rasse, dank Sprungkraft, Mut und Trittsicherheit im Gelände.
- Dressur: die raumgreifende, elastische Bewegung macht Connemaras auch auf dem Viereck erfolgreich.
- Fahren: die alte Arbeitsveranlagung lebt im Fahrsport weiter.
- Zucht kleiner Hunter und Sportpferde: als Vollblut-Kreuzung eine begehrte Basis für Springtalente.
- Freizeit und Familie: nervenstark, geländesicher und geduldig, ideal für Wanderritte und den Ponyalltag.
Für wen eignet sich das Connemara als Freizeitpferd?
Selten passt ein Pony auf so viele Reiter. Für Kinder ist das gutmütige, ehrliche Wesen ein Glücksfall, und ein leicht übergroßes Connemara wächst oft über Jahre mit. Leichte bis mittelschwere Erwachsene finden in ihm ein vollwertiges kleines Reitpferd, das auf dem Platz genauso mitgeht wie auf dem langen Wanderritt. Wer ein trittsicheres, kluges und unkompliziertes Pony für vielseitigen Freizeiteinsatz sucht, trifft mit dieser Rasse fast immer eine gute Wahl. Wichtig sind lediglich ein sinnvolles Fütterungsmanagement wegen der Neigung zum Leichtfutterverwerter und der Blick auf den HWSD-Status beim Kauf.
Zucht in Deutschland
Die ersten Connemaras kamen in den 1960er-Jahren nach Deutschland. 1972 gründeten Freunde und Züchter die Connemara-Pony Interessengemeinschaft e.V. (Sitz in Boppard), die die Rasse hierzulande verbreitet und seither Zucht- und Leistungsschauen bis auf Bundes- und internationaler Ebene ausrichtet. Die deutsche Zucht ist heute gut vernetzt mit den Verbänden in Irland, Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark, Frankreich und darüber hinaus. Der verpflichtende HWSD-Test seit 2018 sorgt dafür, dass die legendär harten Connemara-Hufe auch künftig ihrem Ruf gerecht werden.
Auf einen Blick
Das Connemara ist Irlands einzige eigene Ponyrasse, geformt von Atlantik und Moor, gerettet durch engagierte Züchter und heute weltweit als vielseitiges Sport- und Freizeitpony geschätzt. Es verbindet die Härte eines Naturponys mit der Sprungkraft eines Sportpferds und einem Wesen, das Kinder wie Erwachsene trägt. Wer die berühmten fünf Zuchtlinien kennt, den HWSD-Status im Blick behält und das gute Futterverwerten im Zaum hält, bekommt einen Partner fürs halbe Leben. Nicht umsonst nennt man das kleine Kraftpaket aus Galway gern das kleine Andalusier.
Recherchiert unter anderem nach Angaben der Connemara Pony Breeders‘ Society (Irland), der British Connemara Pony Society, des Irish Horse Board, der Connemara-Pony IG e.V. und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).