
Windfarbene Pferde – die faszinierende Welt des Silver-Gens
Wer einmal einem windfarbenen Pferd begegnet ist, vergisst diesen Anblick meist nicht mehr. Der dunkle Körper, die silberne oder cremefarbene Mähne und der oft fast metallische Glanz des Fells verleihen diesen Pferden eine außergewöhnliche Ausstrahlung. Viele wirken wie aus einem Fantasyfilm oder einem alten Gemälde entsprungen. Kein Wunder also, dass immer wieder die Frage gestellt wird: Was ist das eigentlich für eine Farbe?
Genau genommen ist Windfarbe gar keine einzelne Pferdefarbe, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Farbvarianten, die alle auf derselben genetischen Besonderheit beruhen – dem Silver-Gen. Besonders bekannt ist der Begriff in der Islandpferdezucht. Dort wird traditionell von windfarbenen Pferden gesprochen. International begegnet man dagegen fast ausschließlich den Bezeichnungen Silver, Silver Dapple, Silver Black oder Silver Bay. Gemeint ist jedoch immer dieselbe genetische Grundlage.
Das Silver-Gen – warum manche Pferde plötzlich silberne Mähnen bekommen
Jedes Pferd kommt zunächst mit einer genetischen Grundfarbe zur Welt. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um Rappe, Brauner oder Fuchs. Erst anschließend verändern verschiedene Gene diese Grundfarben. Eines davon ist das Silver-Gen.
Das Besondere daran ist, dass es ausschließlich auf schwarzes Pigment wirkt. Rotes Pigment bleibt vollständig unverändert. Genau deshalb entstehen aus derselben Mutation völlig unterschiedliche Pferde.
Ist das Pferd genetisch ein Rappe, wird das schwarze Fell aufgehellt. Aus dem tiefschwarzen Pferd entsteht ein Silver Black – also ein rappwindfarbenes Pferd.
Besitzt das Pferd dagegen eine braune Grundfarbe, verändert das Silver-Gen nur die schwarzen Bereiche. Mähne, Schweif und Beine werden deutlich heller, während der Körper meist braun bleibt. Diese Variante wird als Silver Bay oder braunwindfarben bezeichnet.
Noch spannender wird es beim Fuchs. Auch ein Fuchs kann das Silver-Gen besitzen und an seine Nachkommen weitergeben. Da Füchse jedoch kein schwarzes Pigment im Fell bilden, bleibt das Gen äußerlich vollkommen unsichtbar. Solche Pferde sehen völlig normal aus und überraschen ihre Besitzer manchmal erst viele Jahre später mit einem windfarbenen Fohlen.
Windfarben bedeutet nicht automatisch schwarz
Viele Menschen glauben, ein windfarbenes Pferd müsse immer einen fast schwarzen Körper besitzen. Tatsächlich gibt es aber verschiedene Erscheinungsformen.
Am bekanntesten ist sicherlich der rappwindfarbene Typ, international Silver Black genannt. Diese Pferde besitzen einen Körper, der je nach Jahreszeit und individueller Genetik fast schwarz, graphitgrau, rauchfarben oder dunkel schokoladenbraun wirken kann. Besonders auffällig ist die helle Mähne, die von silbergrau bis nahezu weiß reicht.
Ebenso faszinierend ist jedoch der braunwindfarbene Typ, der international Silver Bay heißt. Hier bleibt der Körper in warmen Braun- oder Kastanientönen erhalten, während Mähne, Schweif und die schwarzen Bereiche der Beine deutlich aufgehellt werden. Gerade diese Pferde wirken oft besonders edel, weil der Kontrast zwischen dem warmen Braun und dem hellen Langhaar sehr harmonisch erscheint.
Zwischen diesen beiden Grundformen gibt es unzählige Übergänge. Manche Silver-Pferde sehen fast schwarz aus, andere wirken eher wie dunkle Schokoladenpferde. Wieder andere besitzen eine deutliche Apfelung oder einen silbrigen Schimmer im Fell. Genau diese Vielfalt macht den besonderen Reiz der Windfarben aus.

Warum werden windfarbene Pferde so häufig mit Kohfüchsen verwechselt?
Wer sich nur auf die Fellfarbe verlässt, kann erstaunlich schnell danebenliegen.
Ein sehr dunkler Kohlfuchs besitzt ebenfalls eine helle Mähne und einen dunklen Körper. Auf Fotos sehen manche Tiere einem Silver Black oder Silver Bay verblüffend ähnlich.
Genetisch könnten beide Pferde allerdings kaum unterschiedlicher sein.
Der Kohlfuchs besitzt überhaupt kein schwarzes Pigment. Sein scheinbar schwarzes Fell besteht in Wirklichkeit aus sehr stark pigmentiertem Rot. Die helle Mähne entsteht durch eine sogenannte Flaxen- oder Lichtmähne.
Beim windfarbenen Pferd sieht die Sache genau umgekehrt aus. Hier liegt ursprünglich schwarzes Pigment vor, das erst durch das Silver-Gen aufgehellt wird.
Gerade deshalb reicht das bloße Auge oft nicht aus. Selbst erfahrene Pferdezüchter lassen Grenzfälle heute häufig genetisch untersuchen, statt sich ausschließlich auf die Fellfarbe zu verlassen.
Windfarbe verändert sich im Laufe des Lebens
Ein weiterer Grund, warum diese Pferde manchmal so schwer zu bestimmen sind, liegt in ihrer Entwicklung.
Viele Silver-Fohlen werden deutlich heller geboren, als sie später aussehen. Mit jedem Fellwechsel verändert sich die Farbe ein wenig. Manche Tiere dunkeln mit den Jahren nach, andere verlieren einen Teil ihres auffälligen Kontrastes zwischen Körper und Mähne. Auch Winterfell, Sommerfell und Sonneneinstrahlung beeinflussen den Farbeindruck erheblich.
Deshalb wirken ein und dasselbe Pferd im Frühjahr, Hochsommer und Winter manchmal fast wie drei verschiedene Tiere.
Windfarben gibt es in vielen Pferderassen
Obwohl viele Reiter Windfarbe sofort mit Islandpferden verbinden, kommt das Silver-Gen in zahlreichen weiteren Rassen vor. Manche Populationen besitzen es schon seit Jahrhunderten, bei anderen tritt es nur gelegentlich auf.
Dazu gehören unter anderem:
- Morgan Horses
- Islandpferde
- Rocky Mountain Horses
- Kentucky Mountain Saddle Horses
- Missouri Foxtrotter
- Tennessee Walking Horses
- American Saddlebreds
- American Miniature Horses
- Shetlandponys
- American Shetland Ponys
- Welsh Ponys
- Finnpferde
- Estnische Pferde
- Nordlandponys
- Comtois
- Ardenner
- Irish Cobs
- einzelne Quarter Horses
Besonders bekannt wurde das Silver-Gen beim Rocky Mountain Horse. Dort gehört die dunkle Schokoladenfarbe mit der hellen Mähne fast schon zum Markenzeichen der Rasse. Beim Morgan Horse war die Farbe dagegen lange Zeit nahezu vergessen, bis moderne Gentests alte Zuchtlinien wieder nachvollziehbar machten.
Es gibt noch viele weitere Silver-Farbvarianten
Die meisten Pferdefreunde kennen lediglich Silver Black und Silver Bay. Tatsächlich kann das Silver-Gen aber mit zahlreichen anderen Farbgenen kombiniert werden.
Trifft Silver beispielsweise auf das Cream-Gen, entstehen Farben wie Silver Buckskin oder Silver Smoky Black. Zusammen mit dem Dun-Gen entsteht Silver Dun, bei Tobiano-Schecken spricht man von Silver Tobiano und auch Kombinationen mit Champagne oder Roan sind dokumentiert.
Dadurch wird schnell klar, dass Windfarbe keine einzelne Fellfarbe ist, sondern eine ganze Farbwelt. Je nachdem, welche weiteren Gene ein Pferd besitzt, entstehen immer neue Varianten, von denen manche ausgesprochen selten sind.
Die Schattenseite der Windfarbe
So beeindruckend das Silver-Gen aussieht, ganz ohne Nachteile ist es leider nicht.
Seit einigen Jahren weiß man, dass dieselbe Mutation, die für die schöne Fellfarbe verantwortlich ist, auch mit einer erblichen Augenveränderung zusammenhängt. Diese Erkrankung trägt den Namen Multiple Congenital Ocular Anomalies, kurz MCOA.
Pferde mit einer einzigen Silver-Kopie bleiben häufig völlig unauffällig oder zeigen lediglich kleine Veränderungen am Auge, die im Alltag kaum bemerkt werden. Tiere mit zwei Silver-Kopien besitzen dagegen ein deutlich höheres Risiko für stärkere Augenveränderungen.
Deshalb gehört heute zu einer verantwortungsvollen Silver-Zucht nicht nur ein Gentest auf die Fellfarbe, sondern auch eine durchdachte Anpaarung. Seriöse Züchter achten darauf, das Risiko homozygoter Nachkommen möglichst gering zu halten.
Warum DNA-Tests heute so wichtig sind
Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden viele Silver-Pferde schlicht falsch eingetragen. Manche galten als Dunkelfüchse, andere als Braune oder Rappen.
Heute lässt sich das deutlich einfacher klären. Moderne Gentests zeigen zuverlässig, ob ein Pferd das Silver-Gen besitzt und ob es eine oder zwei Kopien trägt.
Gerade für Züchter ist dieses Wissen von großer Bedeutung. Aber auch Käufer profitieren davon, denn viele außergewöhnliche Fellfarben lassen sich anhand des bloßen Aussehens nicht sicher bestimmen.
Fazit
Windfarbene Pferde gehören zweifellos zu den faszinierendsten Erscheinungen der Pferdewelt. Ihre silberne Mähne, die außergewöhnlichen Brauntöne und die enorme Vielfalt machen sie zu echten Blickfängen. Gleichzeitig zeigt gerade das Silver-Gen, wie eng Schönheit und Genetik miteinander verbunden sind.
Windfarbe ist keine einzelne Fellfarbe, sondern eine ganze Gruppe genetisch verwandter Farbvarianten. Ob Silver Black, Silver Bay oder eine der vielen seltenen Kombinationen – alle gehen auf dieselbe Mutation zurück, die ausschließlich schwarzes Pigment verändert. Wer sich mit Pferdefarben beschäftigt, stößt deshalb früher oder später unweigerlich auf diese außergewöhnliche Genetik.
Häufige Fragen zu windfarbenen Pferden
Ist Windfarbe eine eigene Pferdefarbe?
Nein. Windfarbe ist ein Sammelbegriff für mehrere Fellfarben, die alle durch das Silver-Gen entstehen.
Ist Windfarbe dasselbe wie Silver?
Ja. International wird fast ausschließlich der Begriff Silver verwendet. Windfarbe ist die traditionelle deutschsprachige Bezeichnung, die vor allem aus der Islandpferdezucht bekannt ist.
Gibt es nur schwarze windfarbene Pferde?
Nein. Neben dem rappwindfarbenen Silver Black gibt es auch braunwindfarbene Pferde, international Silver Bay genannt. Darüber hinaus existieren zahlreiche weitere Kombinationen mit anderen Farbgenen.
Können Füchse windfarben sein?
Ein Fuchs kann das Silver-Gen tragen, zeigt die Windfarbe jedoch nicht, weil ihm schwarzes Pigment im Fell fehlt.
Welche Pferderasse besitzt besonders viele windfarbene Pferde?
Besonders bekannt sind Rocky Mountain Horses, Islandpferde und einige Morgan-Linien. Das Silver-Gen kommt jedoch in vielen weiteren Pferderassen vor.
Kann man Windfarbe genetisch testen?
Ja. Ein DNA-Test weist das Silver-Gen zuverlässig nach und zeigt außerdem, ob das Pferd eine oder zwei Kopien besitzt.
Sind windfarbene Pferde selten?
Ja. In den meisten Pferderassen gehören sie zu den selteneren Farbvarianten. Je nach Rasse kann die Häufigkeit jedoch deutlich unterschiedlich sein.
Ist Windfarbe gesundheitlich problematisch?
Die Fellfarbe selbst ist harmlos. Das Silver-Gen steht jedoch mit dem MCOA-Syndrom in Zusammenhang, einer erblichen Veränderung der Augen. Deshalb spielt eine verantwortungsvolle Zucht eine wichtige Rolle.