
Gangpferdereiten: Tölt, Pass, Walk, Foxtrott und die besonderen Gänge der Gangpferde
Gangpferdereiten beginnt dort, wo die klassische Einteilung in Schritt, Trab und Galopp nicht mehr ausreicht. Gangpferde besitzen zusätzlich eine oder mehrere genetisch verankerte Bewegungsformen, die sich hinsichtlich Fußfolge, Takt, Tempo und Bewegungsgefühl deutlich voneinander unterscheiden können. Der bekannteste Spezialgang ist der Tölt des Islandpferdes. Doch daneben gibt es Rennpass, Walk, Rack, Foxtrott, Paso Llano, Paso Corto und verschiedene Formen der brasilianischen Marcha.
Für den Reiter haben diese Gangarten einen entscheidenden Vorteil: Viele von ihnen besitzen keine ausgeprägte Schwebephase. Der Pferderücken bewegt sich deshalb weniger stark auf und ab als im Trab. Statt des typischen Aufwerfens im Zweitakt entsteht ein fließendes, rollendes oder beinahe gleitendes Reitgefühl. Ein gut ausgebildetes Gangpferd kann deshalb auch über längere Strecken ausgesprochen bequem sein.
Ganz so einfach wie „Gangpferde sind bequem“ ist es allerdings nicht. Ein taktklarer, ausbalancierter Tölt fühlt sich wunderbar an. Ein verspannter, passiger oder auf der Vorhand laufender Viertakt kann dagegen unruhig, hart und für das Pferd körperlich belastend sein. Auch beim Gangpferdereiten entstehen gute Gänge erst durch korrekte Ausbildung, Gleichgewicht, Kraft und eine Reitweise, die das Pferd nicht lediglich in irgendeine schnelle Fußfolge treibt.
Was ist ein Gangpferd?
Als Gangpferde werden Pferde bezeichnet, die neben Schritt, Trab und Galopp weitere natürliche Gangarten zeigen können. Die Fähigkeit dazu ist grundsätzlich angeboren. Sie kann durch Ausbildung gefördert, verbessert oder leider auch verfälscht werden, aber sie lässt sich einem genetisch nicht entsprechend veranlagten Pferd nicht einfach anerziehen.
Manche Gangpferde verfügen über vier Gänge, andere über fünf oder noch mehr klar unterscheidbare Gangvarianten. Beim Islandpferd spricht man beispielsweise vom Viergänger, wenn es Schritt, Trab, Galopp und Tölt zeigt. Ein Fünfgänger besitzt zusätzlich die Veranlagung zum Rennpass. Der internationale Islandpferdeverband FEIF führt entsprechend Viergangprüfungen mit Schritt, Trab, Galopp und Tölt sowie Fünfgangprüfungen, in denen zusätzlich Rennpass gezeigt wird.
Bei anderen Rassen tragen vergleichbare Bewegungsformen andere Namen. Der Running Walk des Tennessee Walking Horse ist kein bloß umbenannter Tölt. Ebenso ist der Foxtrott des Missouri Fox Trotters keine Variante des normalen Trabes. Entscheidend sind die genaue Fußfolge, die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Hufschlägen und die Frage, ob die Bewegung eher lateral oder diagonal geprägt ist.
Lateral bedeutet, dass die Bewegungen der gleichseitigen Beine stärker miteinander verbunden sind. Beim Pass bewegen sich beispielsweise Vorder- und Hinterbein derselben Seite nahezu gleichzeitig.
Diagonal bedeutet, dass ein Vorderbein und das gegenüberliegende Hinterbein ein Bewegungspaar bilden. Der klassische Trab ist eine diagonale Gangart.
Zwischen diesen eindeutigen Grundformen liegen zahlreiche Viertaktgänge, bei denen die Beinpaare zeitlich voneinander getrennt werden. Genau hier beginnt die große und zunächst etwas verwirrende Welt der Gangpferde.
Weshalb sind viele Spezialgänge so bequem?
Im Trab fußen die diagonalen Beinpaare gleichzeitig auf. Zwischen den beiden Stützphasen liegt eine Schwebephase, in der sich kein Huf am Boden befindet. Dadurch wird der Pferderücken deutlicher angehoben und abgesenkt. Der Reiter muss diese Bewegung durch Leichttraben oder Mitschwingen im Aussitzen ausgleichen.
Die meisten typischen Gangpferdegänge sind dagegen Viertaktgänge ohne Schwebephase. Die vier Hufe setzen nacheinander auf, während mindestens ein Huf den Boden berührt. Die Bewegung wird dadurch gleichmäßiger über den gesamten Bewegungszyklus verteilt. Das Pferd erzeugt weniger vertikalen Schwung, und der Reiter wird nicht bei jedem Tritt aus dem Sattel gehoben.
Bequem bedeutet jedoch nicht automatisch biomechanisch korrekt. Ein Pferd kann in einem schnellen Viertakt mit hochgetragenem Kopf, festgehaltenem Rücken und weit nach hinten herausgestellter Hinterhand laufen. Für den Reiter mag sich das zunächst immer noch ruhiger als Trab anfühlen, für das Pferd ist es deshalb noch lange keine gute Bewegung.
Gutes Gangpferdereiten zielt darauf, Takt und natürliche Gangveranlagung mit Tragkraft, Losgelassenheit und Gleichgewicht zu verbinden.
Tölt: der bekannteste Spezialgang
Tölt ist ein Viertakt ohne Schwebephase. Die Hufe fußen einzeln und in gleichmäßiger Reihenfolge auf:
links hinten – links vorne – rechts hinten – rechts vorne
Während des Bewegungsablaufs wechseln sich Einbein- und Zweibeinstützen ab. In den Zweibeinstützen steht das Pferd abwechselnd auf einem diagonalen und einem gleichseitigen Beinpaar. Zu jedem Zeitpunkt befinden sich ein oder zwei Hufe am Boden. Der reine Tölt besitzt vier gleichmäßig voneinander getrennte Hufschläge.
Ein hochwertiger Tölt wirkt fließend, elastisch und selbstverständlich. Das Pferd bewegt sich mit aktiver Hinterhand, schwingendem Rücken und freier Schulter. Der Reiter sitzt ruhig, ohne im Rhythmus aufgeworfen zu werden. Tölt kann grundsätzlich in sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten geritten werden – vom langsamen Arbeitstempo bis zu einem erheblichen Tempo auf der Ovalbahn.
Das macht ihn besonders vielseitig. Im Gelände ermöglicht er ein zügiges Vorankommen, ohne dass der Reiter dauerhaft leichttraben muss. Im Sport werden Takt, Tempo, Form, Bewegungsqualität und die Harmonie zwischen Pferd und Reiter bewertet.
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Schritt für Schritt zum perfekten Tölt

Töltfehler: passig, trabig oder taktverschoben
Tölt liegt bewegungsphysiologisch zwischen Trab und Pass. Deshalb kann sich sein Takt in beide Richtungen verschieben.
Beim trabigen Tölt treten die diagonalen Zweibeinstützen stärker hervor. Die Hufschläge nähern sich paarweise an, und der Reiter spürt mehr vertikale Bewegung. Das Pferd ist häufig noch nicht ausreichend im Gleichgewicht, fällt aus dem Tölt in Richtung Trab oder hält sich im Rücken fest.
Beim passigen Tölt bewegen sich die gleichseitigen Beine zeitlich zu eng zusammen. Der Rhythmus klingt nicht mehr gleichmäßig wie vier klar getrennte Schläge, sondern eher paarweise. Die Bewegung kann sich für den Reiter schaukelnd anfühlen.
Daneben gibt es zahlreiche Zwischenformen. Der Ausdruck „Viertakt“ allein sagt daher noch wenig über die Qualität eines Ganges aus. Entscheidend sind gleichmäßige Abstände zwischen den Hufschlägen, Losgelassenheit und eine Körperhaltung, in der das Pferd seinen Rücken tatsächlich benutzen kann.
Rennpass: der fünfte Gang des Islandpferdes
Rennpass ist ein schneller Zweitakt mit Schwebephase. Dabei bewegen sich die gleichseitigen Beinpaare nahezu gleichzeitig:
links hinten und links vorne – Schwebephase – rechts hinten und rechts vorne
Im Unterschied zum Tölt besitzt der Rennpass also keine gleichmäßig aufeinanderfolgenden vier Hufschläge. Er ist lateral, schnell und ausgesprochen kraftvoll. Gute Passpferde scheinen in gestreckter Haltung dicht über dem Boden dahinzufliegen. Daher wird im Englischen häufig die Bezeichnung Flying Pace verwendet.
Rennpass wird beim Islandpferd nicht langsam über längere Strecken geritten, sondern in hohem Tempo auf gerader Strecke gezeigt. Langsamer Pass gilt beim Islandpferd nicht als erwünschter Spezialgang, sondern meist als Taktfehler. Nicht jedes Islandpferd besitzt eine ausreichend ausgeprägte Passveranlagung. Viergänger zeigen keinen Rennpass, während Fünfgänger genetisch über alle fünf Gangarten verfügen. (IPZV)
Auf Turnieren gibt es neben Fünfgangprüfungen spezielle Passrennen und Passprüfungen. Der Rennpass stellt hohe Anforderungen an Gleichgewicht, Kraft, Reaktionsvermögen und Ausbildung. Das Pferd muss aus einer kontrollierten Vorbereitung sicher in den Pass wechseln, ihn über die verlangte Strecke halten und anschließend wieder ruhig zurückgenommen werden.
Das Islandpferd: Viergänger und Fünfgänger
Das Islandpferd ist in Deutschland das mit Abstand bekannteste Gangpferd. Seine Grundgangarten sind Schritt, Trab und Galopp. Hinzu kommen Tölt und bei entsprechender Veranlagung Rennpass. Tölt und Pass sind angeboren und können bereits bei Fohlen beobachtet werden. (IPZV)
Ein Viergänger zeigt Schritt, Trab, Galopp und Tölt. Bei einem guten Viergänger lassen sich die einzelnen Gangarten meist deutlich voneinander trennen. Er besitzt häufig einen klaren Trab und einen gut regulierbaren Tölt.
Ein Fünfgänger besitzt zusätzlich Rennpass. Bei ihm können die Übergänge zwischen Trab, Tölt und Pass anspruchsvoller zu sortieren sein. Manche Fünfgänger bieten von sich aus viele verschiedene Taktmischungen an und benötigen einen Reiter, der fein unterscheiden kann, welche Gangart das Pferd gerade tatsächlich zeigt.
Dabei ist weder der Viergänger noch der Fünfgänger grundsätzlich das bessere Islandpferd. Für viele Freizeitreiter ist ein klar getrenntes, einfach zu reitendes Viergangpferd ideal. Wer sich für den Gangpferdesport und besonders für Passprüfungen begeistert, wird dagegen gezielt nach einem talentierten Fünfgänger suchen.
Der töltende Traber
Der töltende Traber zeigt, dass Tölt keineswegs allein zum Islandpferd gehört. Der Töltende Traber ist eine in Deutschland entwickelte Gangpferderasse, die überwiegend auf dem American Standardbred basiert. In geringerem Umfang flossen auch französische Traber und Orlow-Traber ein. (IGV e.V.)
Traber wurden über viele Generationen auf hohe Geschwindigkeit und große Trittsicherheit im Trab selektiert. Innerhalb der Traberpopulation kommen jedoch auch ausgeprägte Anlagen zu lateralen Gangarten, Pass und verschiedenen Viertaktformen vor. Was bei einem ehemaligen Renntraber unter dem Sattel manchmal vorschnell als Taktproblem betrachtet wird, kann tatsächlich eine natürliche Gangveranlagung sein.
Beim Töltenden Traber wird diese Fähigkeit gezielt erhalten und züchterisch gefestigt. Neben Schritt, Trab und Galopp soll er einen taktklaren, raumgreifenden Tölt zeigen. Einzelne Pferde verfügen zusätzlich über Passveranlagung und können damit als Fünfgänger bezeichnet werden.
Optisch unterscheidet sich der töltende Traber deutlich vom kompakten Islandpferd. Er ist ein größeres, langbeiniges und sportliches Pferd mit raumgreifender Bewegung. Sein Tölt kann entsprechend viel Raum gewinnen und ein beachtliches Tempo erreichen. Die Rasse eignet sich besonders für Freizeit-, Gelände-, Wander- und Gangpferdereiter, die ein größeres und ausdauerndes Pferd bevorzugen.
Allerdings töltet nicht jeder ehemalige Renntraber automatisch sicher unter dem Reiter. Manche zeigen nur Übergangsformen, einen gebrochenen Trab, Walk oder Passverschiebungen. Die vorhandene Gangveranlagung muss erkannt und fachgerecht ausgebildet werden.
Der Aegidienberger
Der Aegidienberger ist eine deutsche Gangpferderasse, die aus der Kreuzung von Islandpferd und Paso Peruano, dem heutigen Peruanischen Paso, entstand. Ziel war ein größeres Gangpferd, das den bequemen Tölt und die Robustheit des Islandpferdes mit Größe, Eleganz und Gangqualität des peruanischen Pferdes verbindet.
Aegidienberger verfügen gewöhnlich über Schritt, Trab, Galopp und Tölt. Bei entsprechender Veranlagung kann zusätzlich Rennpass auftreten. Bei ihnen treffen zwei unterschiedliche Gangpferdetraditionen aufeinander: der nordische Tölt und die lateralen Viertaktgänge südamerikanischer Pferde.
Der Tölt des Aegidienbergers soll taktklar, raumgreifend und bequem sein. Durch seine größere Körpergröße eignet sich die Rasse auch für Reiter, die sich auf einem Islandpferd zu groß oder zu schwer fühlen. Gleichzeitig bleibt der Aegidienberger meist kompakter als viele amerikanische Gangpferderassen.
Er ist in Deutschland vergleichsweise selten, gehört für eine umfassende Seite über Gangpferdereiten aber unbedingt dazu. Schließlich wurde diese Rasse ausdrücklich für hiesige Reiter, klimatische Bedingungen und die Nutzung als vielseitiges Freizeitgangpferd entwickelt.
Tennessee Walking Horse: Flat Walk und Running Walk
Das Tennessee Walking Horse stammt aus den USA und ist vor allem für seinen Running Walk bekannt. Der amerikanische Zuchtverband unterscheidet drei typische Gänge der Rasse: Flat Foot Walk, Running Walk und Canter. Viele Pferde zeigen darüber hinaus Varianten wie Rack, Stepping Pace, Foxtrott oder Single-Foot. (TWHBEA)
Flat Foot Walk
Der Flat Foot Walk ist ein schreitender Viertakt mit deutlichem Übertritt der Hinterhufe. Jeder Huf setzt einzeln auf. Der Gang ist energischer und raumgreifender als ein gewöhnlicher, gemächlicher Schritt. Das Pferd bewegt sich mit ausgeprägtem Kopfnicken im Rhythmus seiner Schritte.
Dieses Kopfnicken ist beim Tennessee Walking Horse grundsätzlich Teil der natürlichen Bewegung. Es darf nicht mit einem unruhig getragenen oder durch reiterliche Einwirkung hin- und herbewegten Kopf verwechselt werden.
Running Walk
Der Running Walk folgt grundsätzlich derselben Fußfolge wie der Flat Walk, wird aber mit höherem Tempo und größerem Raumgriff ausgeführt. Die Hinterhufe treten deutlich über die Spur der Vorderhufe hinaus. Trotz der Geschwindigkeit bleibt der reine Viertakt erhalten, sodass der Gang für den Reiter sehr ruhig zu sitzen ist.
Ein guter Running Walk wirkt gleitend und kraftvoll. Das Pferd zieht mit der Vorhand nach vorne und schiebt mit der Hinterhand nach. Es soll sich dabei nicht in einen Pass oder Trab verschieben. Der Zuchtverband beschreibt ihn als natürliche, ererbte und für die Rasse charakteristische Gangart. (TWHBEA)
Der Canter des Tennessee Walking Horse
Auch der Galopp der Rasse besitzt einen eigenen traditionellen Namen. Der besonders weiche, schaukelnde Galopp wird häufig als Rocking Chair Canter bezeichnet – als Schaukelstuhlgalopp. Dabei soll das Pferd rund, ruhig und mit deutlich aufwärts gerichteter Bewegung galoppieren.
Das Tennessee Walking Horse ist nicht nur ein Showpferd. Besonders flach beschlagene, natürlich ausgebildete Pferde werden als Freizeit-, Gelände- und Wanderreitpferde genutzt. Gerade bei dieser Rasse muss allerdings deutlich zwischen pferdegerechtem Gangpferdereiten und künstlich übersteigerten Showmethoden unterschieden werden. Spektakuläre Aktion ist nicht automatisch gute Gangqualität.
Paso Fino: Classic Fino, Paso Corto und Paso Largo
Der Paso Fino stammt aus der karibischen und südamerikanischen Pferdezucht, insbesondere aus Kolumbien und Puerto Rico. Sein Spezialgang ist ein gleichmäßiger lateraler Viertakt. Die vier Hufe setzen in schneller Folge einzeln auf, während die Bewegung für den Reiter ausgesprochen ruhig bleibt.
Der Paso Fino zeigt seine charakteristische Gangart in drei Tempostufen.

Classic Fino
Der Classic Fino ist stark versammelt und besitzt extrem schnelle, kurze Fußfolgen bei nur geringem Raumgewinn. Das Pferd scheint beinahe auf der Stelle zu tanzen. Die Hufschläge bleiben dabei klar, gleichmäßig und voneinander getrennt.
Classic Fino ist vor allem eine hoch spezialisierte Turniergangart. Sie verlangt eine besondere natürliche Begabung, viel Versammlungsfähigkeit und eine schnelle Koordination der Beine. Nicht jeder Paso Fino erreicht diese Form in hoher Qualität.
Paso Corto
Der Paso Corto ist das mittlere, praktische Arbeitstempo. Er gewinnt deutlich mehr Raum als der Classic Fino und entspricht am ehesten dem Gang, der beim entspannten Reiten und auf längeren Strecken verwendet wird.
Der Reiter sitzt nahezu erschütterungsfrei, während das Pferd energisch und gleichmäßig vorwärtsgeht. Für viele Freizeitreiter ist der Corto der wichtigste Gang des Paso Fino.
Paso Largo
Der Paso Largo ist die schnelle Variante. Das Pferd verlängert seine Schritte und erhöht das Tempo, ohne den gleichmäßigen Viertakt zu verlieren. Ein guter Largo bleibt ausbalanciert und klar. Er darf nicht in Pass oder Galopp auseinanderfallen.
Die drei Bezeichnungen beschreiben somit keine völlig verschiedenen Fußfolgen, sondern unterschiedliche Ausprägungen und Geschwindigkeiten desselben rassetypischen Viertaktes. Offizielle Prüfungen unterscheiden entsprechend Classic Fino, Paso Corto und Paso Largo. (USEF)
Peruanischer Paso: Paso Llano und Sobreandando
Der Peruanische Paso, früher häufig Paso Peruano genannt, darf nicht mit dem Paso Fino verwechselt werden. Beide Rassen besitzen iberische Wurzeln und bequeme Viertaktgänge, haben sich jedoch in unterschiedlichen Regionen und Zuchttraditionen entwickelt.
Der bevorzugte Spezialgang des Peruanischen Pasos ist der Paso Llano. Dabei handelt es sich um einen gleichmäßigen lateralen Viertakt. Die Hufe setzen in der Reihenfolge links hinten, links vorne, rechts hinten und rechts vorne auf. Die zeitlichen Abstände zwischen den vier Hufschlägen sind möglichst gleichmäßig. (napha.net)
Paso Llano
Paso Llano bedeutet sinngemäß gleichmäßiger oder ebener Schritt. Der Gang ist fließend, raumgreifend und über lange Strecken bequem. Die Bewegung verläuft vor allem nach vorne und vergleichsweise wenig nach oben.
Charakteristisch ist außerdem der Termino. Dabei führt das Pferd die Vorderbeine in einer nach außen schwingenden Bewegung. Diese Aktion erinnert optisch ein wenig an die Armbewegung eines Schwimmers. Der Termino gehört zur rassetypischen Bewegung, darf jedoch nicht mit unkontrolliertem Schleudern der Beine verwechselt werden.
Sobreandando
Der Sobreandando ist ebenfalls ein lateraler Viertakt, liegt rhythmisch jedoch näher am Pass. Die gleichseitigen Hufschläge rücken zeitlich etwas enger zusammen. Dadurch entsteht keine vollkommen gleichmäßige Folge von vier identischen Abständen, sondern eine leicht gruppierte Rhythmik.
Der Sobreandando kann schneller als der Paso Llano sein. Je stärker sich die gleichseitigen Beinpaare annähern, desto deutlicher wird die Passverschiebung. In der peruanischen Gangtradition ist diese Gangart anerkannt, während ein vergleichbarer Rhythmus beim Islandpferd als passiger Tölt beurteilt werden könnte. Daran zeigt sich, dass Gangqualität immer innerhalb der jeweiligen Rasse und ihres Zuchtziels bewertet werden muss.
Missouri Fox Trotter und der Foxtrott
Der Missouri Fox Trotter wurde in den USA als ausdauerndes und bequemes Reitpferd für lange Strecken und schwieriges Gelände gezüchtet. Sein namensgebender Spezialgang ist der Foxtrott.
Der Foxtrott ist ein gebrochener diagonaler Gang. Die diagonalen Beinpaare bewegen sich in derselben Reihenfolge wie im Trab, fußen jedoch nicht gleichzeitig auf. Der Vorderhuf setzt einen kurzen Moment vor dem diagonal gegenüberliegenden Hinterhuf auf. Dadurch wird aus dem Zweitakt des Trabes ein Viertakt ohne dessen deutliche Schwebephase. (mfthba.com)
Vereinfacht wird der Foxtrott häufig so beschrieben: Das Pferd geht mit den Vorderbeinen Schritt und trabt mit den Hinterbeinen. Biomechanisch ist diese Formulierung nicht ganz vollständig, vermittelt aber einen guten optischen Eindruck.
Der Foxtrott besitzt eine stärkere diagonale Prägung als der Tölt. Ein guter Missouri Fox Trotter bewegt sich dabei flach, rhythmisch und sicher. Die Hinterhufe gleiten häufig über oder in die Nähe der Spuren der Vorderhufe. Für den Reiter entsteht ein leichtes Vorwärtsgleiten statt des Aufwerfens im Trab.
Neben dem Foxtrott zeigen Missouri Fox Trotter einen raumgreifenden Flat Foot Walk und Galopp. Einige Pferde bieten weitere Viertaktvarianten an, doch der gebrochene diagonale Foxtrott bleibt das zentrale Merkmal der Rasse.
American Saddlebred: Slow Gait und Rack
Das American Saddlebred ist ein elegantes amerikanisches Reit- und Showpferd. Neben dreigängigen Pferden gibt es sogenannte Five-Gaited Saddlebreds. Diese zeigen zusätzlich zu Schritt, Trab und Galopp den Slow Gait und den Rack.
Der Slow Gait ist ein langsamer, stark kontrollierter Viertakt mit deutlicher Versammlung. Je nach Ausprägung kann er eher in Richtung Stepping Pace tendieren. Das Pferd hebt die Beine betont an und setzt die Hufe zeitlich voneinander getrennt auf.
Der Rack ist ein schneller lateraler Viertakt. Die vier Hufe fußen einzeln und in möglichst gleichmäßigen Abständen. Im Gegensatz zum stark versammelten Classic Fino gewinnt das Pferd im Rack deutlich Raum und Geschwindigkeit. Dabei befindet sich häufig nur ein Huf zurzeit am Boden, weshalb solche Gänge auch als Single-Foot-Gänge bezeichnet werden.
Slow Gait und Rack werden gelegentlich vereinfacht als langsamer und schneller Tölt bezeichnet. Die Bewegungsfamilie ist tatsächlich verwandt, doch Ausbildung, Haltung, Aktion und rassetypische Ausführung unterscheiden sich deutlich. Auch der IPZV beschreibt Slow Gait und Rack zur verständlichen Einordnung als entsprechende langsame und schnelle Viertaktgänge des Saddlebreds. (IPZV)
Mangalarga Marchador: Marcha Batida und Marcha Picada
Der Mangalarga Marchador stammt aus Brasilien und gehört weltweit zu den zahlenmäßig bedeutenden Gangpferderassen. In Deutschland ist er weniger verbreitet, aber keineswegs nur eine exotische Randerscheinung.
Seine Spezialbewegung wird als Marcha bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Familie von Viertaktgängen mit wechselnden Zwei- und Dreibeinstützen. Je nachdem, ob diagonale oder laterale Stützphasen stärker ausgeprägt sind, werden unterschiedliche Formen unterschieden.
Marcha Batida
Die Marcha Batida ist stärker diagonal geprägt. Die diagonalen Beinpaare bewegen sich zeitlich näher zusammen, fußen aber nicht vollkommen gleichzeitig wie im Trab. Die Gangart bleibt dadurch ein gebrochener Viertakt und ist für den Reiter ruhiger als ein normaler Trab.
Optisch wirkt die Marcha Batida sportlich, raumgreifend und energisch. Sie kann entfernt an einen sehr gleichmäßigen, flachen Foxtrott erinnern, besitzt jedoch eine eigene Abfolge von Stützphasen.
Marcha Picada
Die Marcha Picada ist stärker lateral geprägt. Die Bewegungen der gleichseitigen Beine liegen zeitlich näher beieinander. Sie fühlt sich häufig noch ruhiger und gleitender an als die diagonalere Marcha Batida.
Zwischen beiden Formen liegt die Marcha de Centro, bei der diagonale und laterale Anteile annähernd ausgeglichen sind. Die Einteilung richtet sich danach, wie lange das Pferd in lateralen, diagonalen oder dreibeinigen Stützphasen verbleibt. (Marchadores del Uruguay)
Weitere bekannte Gangpferde
Neben den großen und in Europa bekannteren Rassen gibt es besonders in Nordamerika mehrere Mountain-Horse-Rassen. Dazu gehören das Rocky Mountain Horse und das Kentucky Mountain Saddle Horse. Sie zeigen meist einen natürlichen, gleichmäßigen Viertakt, der je nach Verband als Single-Foot, Amble oder Rack bezeichnet wird.
Auch beim Standardbred, bei einzelnen Morgans, Saddlebreds und anderen amerikanischen Rassen treten Pass, Rack, Running Walk oder weitere Viertaktgänge auf. Nicht jedes Pferd einer solchen Rasse ist automatisch ein ausgeprägtes Gangpferd. Umgekehrt können auch einzelne Pferde aus Populationen mit historischen Gangpferdeeinflüssen unerwartet zusätzliche Gänge zeigen.
Entscheidend ist nicht allein die Rassebezeichnung, sondern die individuelle Gangveranlagung und die Qualität, mit der das Pferd seine Gänge unter dem Reiter ausführen kann.
Sind alle Viertaktgänge Tölt?
Im deutschsprachigen Raum wird beinahe jeder schnelle, bequem zu sitzende Viertakt gern als Tölt bezeichnet. Fachlich ist das zu ungenau.
Tölt, Running Walk, Rack, Foxtrott, Paso Llano und Marcha sind zwar miteinander verwandt, unterscheiden sich aber in wesentlichen Punkten:
- Der Tölt besitzt einen gleichmäßigen lateralen Viertakt mit wechselnden Ein- und Zweibeinstützen.
- Der Running Walk basiert auf einer beschleunigten schreitenden Bewegung mit starkem Übertritt.
- Der Rack ist ein schneller, gleichmäßiger Viertakt mit ausgeprägten Einbeinstützen.
- Der Foxtrott ist ein gebrochener diagonaler Gang.
- Der Paso Llano ist ein lateraler Viertakt mit der für den Peruanischen Paso typischen Vorderbeinbewegung.
- Die Marcha enthält je nach Variante unterschiedlich starke diagonale und laterale Anteile sowie charakteristische Dreibeinstützen.
- Der Rennpass ist dagegen kein Viertakt, sondern ein lateraler Zweitakt mit Schwebephase.
Für den Reiter können sich mehrere dieser Gangarten ähnlich bequem anfühlen. Aus Sicht der Bewegungslehre sind sie dennoch nicht identisch.
Wie fühlt sich Gangpferdereiten an?
Das Reitgefühl hängt stark von Rasse, Gangart, Tempo und Qualität der Bewegung ab. Tölt kann sich federnd, fließend oder leicht rollend anfühlen. Im Running Walk entsteht häufig der Eindruck eines weit ausgreifenden Gleitens. Der Foxtrott vermittelt eine sanfte Bewegung von hinten nach vorne. Ein schneller Rack kann sich erstaunlich ruhig anfühlen, obwohl sich die Beine des Pferdes in hoher Frequenz bewegen.
Für Reiter, die bisher ausschließlich dreigängige Pferde kennen, ist anfangs oft schwer zu erkennen, welcher Gang gerade gezeigt wird. Man spürt zwar, dass das Pferd nicht richtig trabt, kann aber noch nicht unterscheiden, ob es sich um Tölt, Pass, einen gebrochenen Trab oder einen unsauberen Übergang handelt.
Deshalb gehört beim Gangpferdereiten das Hören beinahe ebenso sehr dazu wie das Fühlen. Ein gleichmäßiger Viertakt klingt wie vier klar getrennte, regelmäßig wiederkehrende Schläge. Verschieben sich die Abstände, wird der Gang trabig oder passig. Mit zunehmender Erfahrung lernt der Reiter, solche Veränderungen bereits nach wenigen Tritten zu erkennen.
Ist Gangpferdereiten leichter als gewöhnliches Reiten?
Ein gut ausgebildetes Gangpferd kann ausgesprochen angenehm und unkompliziert zu reiten sein. Der Reiter muss im Tölt oder Walk nicht leichttraben, und viele Pferde sind sichere, ausdauernde Geländepartner.
Die Ausbildung eines Gangpferdes ist jedoch keineswegs einfacher. Zu den drei Grundgangarten kommen zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten. Das Pferd kann zwischen den Gängen wechseln, sie miteinander vermischen oder bei mangelndem Gleichgewicht in einen unerwünschten Takt fallen. Der Reiter muss nicht nur Tempo und Richtung kontrollieren, sondern auch erkennen, welche Fußfolge unter ihm stattfindet.
Besonders Pferde mit viel Gangveranlagung benötigen eine sorgfältige gymnastizierende Arbeit. Sie müssen lernen, Trab, Tölt, Galopp und gegebenenfalls Pass körperlich sauber voneinander zu trennen. Ein Gang darf nicht dadurch erzeugt werden, dass das Pferd verspannt, im Rücken festgehalten oder in einer künstlichen Haltung schnell gemacht wird.
Gangpferdereiten ist mehr als bequemes Vorwärtskommen
Die Faszination des Gangpferdereitens liegt nicht allein im komfortablen Sitzgefühl. Ein Gangpferd besitzt ein ungewöhnlich großes Bewegungsrepertoire. Zwischen Schritt, Trab, Tölt, Pass, Walk, Foxtrott oder Marcha liegen feinste Unterschiede, die der Reiter fühlen, beeinflussen und mit der Zeit immer genauer verstehen lernt.
Der Isländer hat Tölt und Rennpass in Deutschland bekannt gemacht. Der töltende Traber zeigt, wie viel Gangveranlagung auch in europäischen Rennpferdelinien steckt. Tennessee Walking Horse und Missouri Fox Trotter stehen für die amerikanische Tradition bequemer Reise- und Arbeitspferde. Paso Fino und Peruanischer Paso verbinden ihre besonderen Viertaktgänge mit südamerikanischer Reitkultur, während der Mangalarga Marchador seine ganz eigene Familie der Marcha-Gänge mitbringt.
So unterschiedlich diese Pferde aussehen und sich bewegen: Sie wurden über viele Generationen dafür gezüchtet, Menschen sicher, ausdauernd und möglichst angenehm über weite Strecken zu tragen. Genau darin liegt bis heute der gemeinsame Kern des Gangpferdereitens.
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