Irish Coffee – der Schecke, der nach drei Jahren Pause zurückkam
Manche Sportpferdekarrieren verlaufen ziemlich geradlinig. Jungpferdeprüfungen, erste internationale Starts, höhere Klassen und irgendwann der Große Preis. Bei Irish Coffee sieht die Geschichte etwas anders aus. Der auffällige Scheckwallach war bereits international erfolgreich, verschwand dann für rund drei Jahre praktisch von der internationalen Bildfläche und tauchte 2026 wieder auf.
Wenige Wochen später gewann er einen internationalen Großen Preis über 1,50 Meter.
Und schon allein deshalb lohnt es sich, diesen ungewöhnlichen Schecken etwas genauer anzusehen.
Ein Schecke mit erstklassiger Springpferdeabstammung
Irish Coffee wurde am 10. März 2013 geboren und ist ein beim niederländischen KWPN eingetragener Wallach. Bei der FEI trägt er die Nummer 106NJ13 und wird weiterhin als aktives Springpferd geführt.
Sein Vater ist kein Geringerer als Diamant de Semilly, einer der bedeutendsten Springpferdevererber der vergangenen Jahrzehnte. Seine Mutter Eyecatcher stammt von Sir Shutterfly.
Damit steckt hinter der auffälligen Scheckzeichnung ein ausgesprochen klassisch anmutendes internationales Springpedigree.
Auch seine Farbe wird in den Ergebnisdaten nicht einfach als braun oder dunkelbraun geführt. Andere Turnierdatenbanken bezeichnen ihn ausdrücklich als Piebald Bay, also Braunschecke.
Irish Coffee ist damit genau die Sorte Pferd, die zwischen den überwiegend braunen, dunkelbraunen, fuchsfarbenen und Schimmeln eines internationalen Springens sofort ins Auge fällt.
Aber seine Farbe ist längst nicht das Interessanteste an ihm.
Schon vor seiner Pause im internationalen Sport
Irish Coffee wurde zunächst unter anderem von dem chilenischen Springreiter Rodrigo Covarrubias vorgestellt. Später übernahm der Italiener Michol Del Signore den Wallach und ritt ihn über einen Zeitraum von fast drei Jahren.
Irish Coffee hatte also durchaus internationale Erfahrung und war kein unbekanntes Nachwuchspferd mehr.
Dann wurde es allerdings auffallend ruhig um ihn.
Etwa drei Jahre lang verschwand der Wallach weitgehend aus dem internationalen Turniergeschehen.
Bei einem Pferd dieses Alters ist eine derart lange Unterbrechung bemerkenswert. Und natürlich stellt sich sofort die Frage, was passiert war.
Dazu sollte man allerdings nicht mehr behaupten, als sich tatsächlich belegen lässt. Die verfügbaren Quellen bestätigen die lange Turnierpause, liefern aber keine verlässliche Erklärung dafür. Über Verletzungen oder gesundheitliche Probleme zu spekulieren wäre deshalb unseriös.
Fest steht lediglich: Irish Coffee war weg.
Und 2026 kam er wieder.
Ein kurzes Comeback mit Edwina Tops-Alexander
Im Frühjahr 2026 tauchte Irish Coffee plötzlich wieder im internationalen Sport auf.
Und dabei saß zunächst eine ausgesprochen prominente Reiterin im Sattel: Edwina Tops-Alexander.
Die australische Olympiareiterin stellte ihn bei zwei Prüfungen in Kronenberg vor. Die gemeinsame Zeit blieb allerdings kurz.
Anschließend wechselte Irish Coffee zu dem französischen Springreiter Robinson Maupiler.
Und damit nahm die Geschichte ziemlich schnell Fahrt auf.
Le Touquet, Kessel und dann der große Sieg
Maupiler und Irish Coffee brauchten erstaunlich wenig Zeit, um zueinanderzufinden.
Im Mai starteten sie zunächst beim CSI3* in Le Touquet. In einer Prüfung über 1,45 Meter mit Stechen blieben sie zweimal fehlerfrei und belegten den achten Platz.
Ende Mai folgte das CSI3* im niederländischen Kessel, wo Irish Coffee ebenfalls über 1,45 Meter eingesetzt wurde.
Es waren im Grunde nur einige wenige internationale Turniere, um das neue Paar zusammenzubringen.
Dann kam Le Pin-au-Haras.
Sieg im CSI3*-Grand-Prix über 1,50 Meter
Am 21. Juni 2026 gingen 47 Pferde im Großen Preis des CSI3* von Le Pin-au-Haras in der Normandie an den Start.
Der Parcours über 1,50 Meter war offensichtlich kein Spaziergang. Lediglich fünf Paare schafften eine fehlerfreie Runde.
Robinson Maupiler und Irish Coffee gehörten dazu.
Im Stechen blieb der Scheckwallach erneut ohne Fehler und kam nach 36,55 Sekunden ins Ziel.
Das reichte zum Sieg.
Und zwar denkbar knapp: Théo Ogorzaly und Goya Batilly benötigten 36,84 Sekunden. Die amerikanische Spitzenreiterin Laura Kraut wurde mit Kaylee in 37,13 Sekunden Dritte.
Irish Coffee gewann damit den mit 60.000 Euro dotierten CSI3*-Grand-Prix und erhielt 15.000 Euro Preisgeld.
Nach einer rund dreijährigen Abwesenheit vom internationalen Turniersport hatte der inzwischen 13-jährige Scheckwallach innerhalb weniger Wochen wieder den Weg bis zum Sieg in einem 1,50-Meter-Grand-Prix geschafft.
Das ist schon eine bemerkenswerte Geschichte.
Irish Coffee bestätigt seine Form
Noch interessanter wurde es einige Wochen später.
Im Juli gingen Maupiler und Irish Coffee beim CSI4 in Valkenswaard* an den Start.
Am 10. Juli trat das Paar in einer 1,50-Meter-Prüfung an. Irish Coffee blieb fehlerfrei und belegte Platz zehn.
Einen Tag später starteten sie erneut über 1,50 Meter.
Damit war spätestens klar: Der Sieg von Le Pin-au-Haras war nicht einfach ein einmaliges Aufflackern nach der langen Pause. Irish Coffee war tatsächlich wieder auf internationalem 1,50-Meter-Niveau angekommen.
Die FEI weist für ihn inzwischen mehr als 120 internationale Starts und mehrere Siege aus.
Das eigentlich Faszinierende an Irish Coffee
Natürlich fällt Irish Coffee zuerst wegen seiner Farbe auf.
Ein großer Braunschecke zwischen den klassischen Warmblütern zieht automatisch die Blicke auf sich. Genau deshalb eignen sich Pferde wie Irish Coffee auch wunderbar, um mit einem alten Vorurteil aufzuräumen.
Denn Schecken wurden in der europäischen Warmblutzucht lange Zeit eher als Besonderheit betrachtet. Farbe und ernsthafter Leistungssport wurden keineswegs selbstverständlich miteinander verbunden.
Irish Coffee ist das ziemlich egal.
Sein Vater ist Diamant de Semilly. Sein Muttervater ist Sir Shutterfly. Er springt internationale 1,50-Meter-Prüfungen und gewinnt einen CSI3*-Grand-Prix gegen starke Konkurrenz.
Das Fell ist bunt.
Das Pedigree und die sportliche Leistung sind lupenreines Springpferd.
Und seine Geschichte ist möglicherweise noch nicht zu Ende
Irish Coffee ist inzwischen 13 Jahre alt. Für ein internationales Springpferd bedeutet das keineswegs zwangsläufig das Ende seiner Karriere.
Viel spannender ist deshalb die Frage, wie es nach seinem außergewöhnlichen Comeback weitergeht.
Im Sommer 2026 ist er jedenfalls wieder dort angekommen, wo ihn nach drei Jahren ohne internationale Turnierauftritte vermutlich kaum jemand erwartet hätte: mitten im internationalen Springsport über 1,50 Meter.
Und vielleicht ist genau das der schönste Teil seiner Geschichte.
Irish Coffee beweist nicht nur, dass ein Schecke ganz selbstverständlich im gehobenen Springsport bestehen kann.
Er zeigt auch, dass eine ungewöhnliche Sportpferdekarriere manchmal noch einmal richtig interessant wird, wenn man eigentlich längst gedacht hatte, die Geschichte sei vorbei.
Woher kommt Irish Coffees Scheckfarbe?
Bei Irish Coffee lohnt sich ein Blick weit über Vater und Muttervater hinaus. Denn seine auffällige Scheckzeichnung ist keineswegs zufällig entstanden. Sie lässt sich über seine Mutterlinie bis zu einem der berühmtesten Scheckhengste der europäischen Warmblutzucht zurückverfolgen: Samber.
Irish Coffees Vater ist der französische Spitzenvererber Diamant de Semilly. Seine Mutter Eyecatcher stammt von Sir Shutterfly, einem Vollbruder des legendären Springpferdes Shutterfly.
Für die Scheckfarbe müssen wir jedoch auf der Mutterseite noch eine Generation weitergehen.
Eyecatchers Mutter heißt See the Phantom. Die gescheckte KWPN-Stute wurde 1999 geboren und stammt von dem französischen Springhengst Narcos II aus der Stute Imago.
Und genau dort wird es für die Geschichte der Scheckenzucht interessant.
Imago ist eine Tochter von Samber.
Damit lautet die direkte Mutterlinie:
Irish Coffee – Eyecatcher – See the Phantom – Imago – Samber.
Irish Coffee ist also tatsächlich ein Nachkomme jenes Hengstes, der die moderne Warmblut-Scheckenzucht entscheidend geprägt hat.
Samber wurde 1976 geboren und war selbst ein ungewöhnliches Pferd für seine Zeit. Der KWPN-Hengst verband seine auffällige Scheckzeichnung mit sportlicher Leistungsfähigkeit und wurde anschließend zu einem der wichtigsten Ausgangspunkte für leistungsorientierte Warmblutschecken in Europa.
Bei Irish Coffee sieht man sehr schön, was anschließend über mehrere Generationen passiert ist. Auf die Samber-Tochter Imago folgte mit Narcos II ein bedeutender französischer Springpferdevererber. In der nächsten Generation kam Sir Shutterfly hinzu und schließlich wurde Eyecatcher mit Diamant de Semilly angepaart.
Über Generationen wurde die alte Scheckenlinie also immer wieder mit hochkarätigem Springblut kombiniert.
Das Ergebnis steht heute in internationalen Parcours über 1,50 Meter.
Und Irish Coffee ist innerhalb seiner Familie keineswegs der einzige Schecke. Seine Mutter Eyecatcher brachte beispielsweise auch den gescheckten Hengst Photobook Z von Plot Blue. In der Familie wurde die Scheckzeichnung somit über mehrere Generationen weitergegeben.
Gerade deshalb ist Irish Coffee züchterisch so interessant: Hinter seiner Farbe steckt keine moderne Modezucht. Seine Scheckzeichnung führt über seine Urgroßmutter Imago direkt zurück zu Samber und damit tief hinein in die Geschichte der europäischen Warmblutscheckenzucht.
