Wanderreiten

Wanderritt mit unseren Fjordies

Was ist eigentlich Wanderreiten?

Wanderreiten heißt, mit dem Pferd über mehrere Tage draußen unterwegs zu sein, von morgens bis abends zusammen, oft im Schritt und mit dem klaren Gefühl: Der Weg ist das Ziel. Es ist die ursprünglichste Art, ein Pferd zu nutzen, und für viele die intensivste. Dieser Beitrag führt dich durch alles, was du übers Wanderreiten wissen willst, von der Ausrüstung über Training, Fütterung und Recht bis zur Rittplanung und den ersten eigenen Etappen.

Was Wanderreiten bedeutet

Als Wanderreiten bezeichnet man mehrtägige Ritte zu Pferd, bei denen das Naturerlebnis im Mittelpunkt steht. Du reist langsam, umweltfreundlich und lernst dabei sowohl die Landschaft als auch dein Pferd auf eine Weise kennen, die ein Feierabendausritt selten zulässt. Den ganzen Tag bist du mit deinem Pferd zusammen, und vom Wohlergehen dieses Pferdes hängt es ab, ob du am Abend gut ankommst.

Meist geht es überwiegend im Schritt voran. Manchmal steigt der Reiter ab und läuft ein Stück neben dem Pferd her. Das schont das Tier auf langen Etappen und beugt beim Reiter der einseitigen Belastung durch stundenlanges Sitzen vor. Übernachtet wird unter freiem Himmel, beim Bauern, im Zelt oder auf Höfen, die Platz für Pferd und Reiter bieten, den sogenannten Wanderreitstationen. Das Gepäck reist entweder in Satteltaschen vor und hinter dem Sattel mit oder auf einem mitgeführten Packpferd.

Ein Wanderritt setzt ein ausgebildetes, gehorsames und verkehrssicheres Pferd voraus. Zugleich fördert er die Selbständigkeit des Pferdes, weil ihr gemeinsam echte Aufgaben löst, Wege findet, Hindernisse meistert und aufeinander angewiesen seid.

Wanderreiten, Distanzreiten und Trekkingreiten: die Unterschiede

Diese drei Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, meinen aber sehr verschiedene Dinge.

Beim Wanderreiten stehen Genuss und Naturerlebnis im Vordergrund. Das Tempo ist gemächlich, ein Ritt dauert von einem Tag bis zu mehreren Wochen, und es geht ausdrücklich nicht um Zeit oder Platzierung.

Distanzreiten ist dagegen ein Wettkampfsport. Hier geht es darum, eine festgelegte Strecke in einer Mindestgeschwindigkeit zu bewältigen, von etwa 25 Kilometern bis hin zu 160 Kilometern an einem Tag. Das Pferd muss frisch und gesund ins Ziel kommen, weshalb Tierärzte an mehreren Kontrollen Puls, Atmung, Temperatur und den Allgemeinzustand prüfen. Besonders in der arabischen Welt ist dieser Sport populär, und Araber gelten dort als besonders geeignet.

Das Trekkingreiten liegt sportlich dazwischen. Es kombiniert Ausritt, Wander- und Distanzelemente und wird in Deutschland unter anderem vom Ersten Trekking Club Deutschland gefördert. Verwandt damit ist das Orientierungsreiten, im Wettkampf als TREC bekannt: Wanderreiten in der Natur nach Karte und Kompass, mit einem Orientierungsritt, einer Geländehindernisstrecke und einer Gangartenprüfung.

Wenn du dich also fürs Wanderreiten interessierst, geht es dir um das Erlebnis, nicht um die Stoppuhr.

Die Wurzeln des Wanderreitens

Wanderreiten gilt als die älteste Form der Nutzung des Pferdes durch den Menschen. Über Jahrtausende war das Reisen zu Pferd schlicht Alltag, lange bevor es zur Freizeitbeschäftigung wurde.

Aus der jüngeren Geschichte stammen die großen Pionierritte, die bis heute viele Wanderreiter begeistern. Der Schweizer Aimé Tschiffely ritt von 1925 bis 1928 rund 16.000 Kilometer von Buenos Aires nach New York. Bereits 1912 durchquerte eine Gruppe um George und Charlie Beck alle unteren 48 US-Bundesstaaten. Der Deutsche Günter Wamser ließ sich davon anstecken und startete 1994 zu einem Ritt von Feuerland nach Alaska, über den er in mehreren Etappen berichtete. Solche Weitritte inspirieren bis heute eine internationale Szene von Langstreckenreitern.

Für dich als Einsteiger ist das vor allem eine schöne Erinnerung daran, dass ein Mikroabenteuer direkt vor der eigenen Stalltür beginnen kann. Du musst nicht nach Patagonien, um Wanderreiten zu erleben.

Was ein Wanderreitpferd mitbringen sollte

Ob ein Pferd sich fürs Wanderreiten eignet, entscheidet weniger die Rasse als die Ausbildung und die Verfassung. Genau deshalb widmen wir der Frage, welche Pferderasse besonders passt, einen eigenen Beitrag. Hier geht es um die Eigenschaften, auf die es ankommt.

Ein gutes Wanderreitpferd ist gelassen und nervenstark, trittsicher und verkehrssicher. Es trägt einen kräftigen, eher kurzen Rücken, steht auf gesunden Beinen und hat gute Hufe. Wichtig ist neben der körperlichen auch die mentale Eignung: Ein Pferd, das mit wechselndem Wetter, Wildtieren, raschelndem Laub und ungewohnten Geräuschen entspannt umgeht, hat dir schon die halbe Miete gebracht.

Solche Gelassenheit fällt selten vom Himmel. Pferde, die viel auf weitläufigen Koppeln in abwechslungsreichem Gelände leben, bringen oft gute Voraussetzungen mit, weil sie Balance, Trittsicherheit und Ruhe von klein auf trainieren. Den Rest baust du gezielt auf, vom Boden aus und aus dem Sattel.

Kondition und Training des Pferdes

Ein Wanderreitpferd wird nicht geboren, es wird dazu ausgebildet. Anders als beim wettkampforientierten Distanztraining erarbeitest du dir die Tagesetappen in ruhigem Tempo, überwiegend im Schritt und Trab. Trotzdem braucht es gezieltes Konditionstraining, denn dein Pferd muss lernen, dein Gewicht und das Gepäck stundenlang zu tragen.

Bau die Kondition langsam auf. Beginne mit kurzen Ausritten, überwiegend im Schritt mit etwas Trab, und steigere Dauer und Intensität nach und nach. Eine bewährte Übung ist es, zwei Stunden zu reiten, zwei Stunden Pause zu machen und danach noch einmal zwei Stunden zu reiten. So gewöhnt sich das Pferd an den Rhythmus eines Ritttages. Wer später in die Berge möchte, trainiert Anstiege und harte, geschotterte Wege, weil das flache Heimatgelände darauf kaum vorbereitet.

Damit du die Belastung einschätzen kannst, hilft es, die Ruhewerte deines Pferdes zu kennen, oft als PAT-Werte bezeichnet: Puls etwa 28 bis 40 Schläge pro Minute, Atmung 8 bis 16 Atemzüge pro Minute, Temperatur 37 bis 38 Grad. Als grobe Faustregel gilt ein Pferd als ausreichend fit für einen siebentägigen Wanderritt, wenn es 30 bis 45 Minuten am Stück traben kann, ohne dass der Puls dabei über etwa 72 Schläge steigt, und wenn dieser Wert fünf Minuten nach der Belastung schon wieder deutlich fällt. Ergänze das Konditionstraining um Gelassenheits- und Bodenarbeit, damit dein Pferd im Gelände auch den Kopf behält.

Der Reiter bereitet sich vor

Auf einem Wanderritt sitzt du täglich viele Stunden im Sattel, oft drei bis neun Stunden je nach Etappe. Das fordert auch deine eigene Kondition. Bereite dich mit regelmäßiger Bewegung darauf vor, damit du am zweiten Tag nicht mit Muskelkater kämpfst, während du dich eigentlich an der Landschaft freuen willst.

Zur Vorbereitung gehört mehr als Fitness. Frisch dein Wissen zur Ersten Hilfe auf, für dich und fürs Pferd, übe das Lesen von Karten und den Umgang mit deinem GPS. Wer schon einmal einen mehrtägigen Ritt geplant und durchgeführt hat, weiß, wie viel Sicherheit dieses Vorwissen unterwegs gibt.

Der richtige Sattel

Der Sattel entscheidet über Erfolg oder Frust eines Wanderritts. Ein Wanderreitsattel bietet dir zweierlei: einen bequemen Sitz für viele Stunden und eine breite, lange Auflagefläche, die dein Gewicht gut auf dem Pferderücken verteilt. Dazu ist er leicht gebaut und bringt ausreichend Ringe und Ösen mit, an denen du dein Gepäck sicher befestigst.

Auch ein Westernsattel eignet sich für lange Ritte, weil er bequem sitzt und Gepäck aufnimmt. Spanische Vaquerosättel sind bei Sonnenschein herrlich bequem, ihr Schaffellsitz saugt sich bei Regen allerdings voll und trocknet langsam. Portugiesische Sättel mit hoher vorderer und hinterer Galerie geben viel Sicherheit, das Auf- und Absteigen braucht etwas Übung. Ein klassischer Englisch- oder Sportsattel taugt für lange Wanderritte dagegen nur bedingt: Die Auflagefläche ist klein, es entstehen leichter Druckspitzen, und für Packtaschen fehlen die Befestigungspunkte. Auch baumlose Sättel solltest du für mehrtägige Ritte kritisch sehen, weil sie das Gewicht schlechter verteilen.

Egal für welchen Sattel du dich entscheidest, lass die Passform von einem Fachmann prüfen. Ein schlecht sitzender Sattel oder ein scheuernder Gurt macht Pferd und Reiter spätestens am zweiten Tag das Leben schwer.

Packtaschen und die richtige Bepackung

Zum Verstauen deines Gepäcks stehen dir Vordersatteltaschen, Hintersatteltaschen und ein Mantelsack für den Vorder- oder Hinterzwiesel zur Verfügung. Wähle robuste, wasserfeste Taschen, die dicht schließen und beim Reiten weder flattern noch baumeln.

Entscheidend ist, wie du packst. Alle Packstücke müssen fest mit dem Sattel verbunden sein und sich am Sattelbaum abstützen. Taschen, die nur lose auf der Satteldecke liegen und gegen Wegfliegen gesichert sind, drücken auf die Nieren und schaden dem Pferd. Besonders der Mantelsack darf die Wirbelsäule nicht berühren oder daran reiben, auch nicht über der Satteldecke, sonst wird dein Pferd binnen weniger Tage durch Rückendruck reituntauglich. Verteile das Gewicht möglichst gleichmäßig auf beide Seiten, halte die Ladung leicht und pack empfindliche Dinge zusätzlich in Plastikbeutel, damit sie trocken bleiben.

Und eine Regel gilt immer: Probiere auf einem Wanderritt niemals etwas Neues aus, so verlockend es auch aussieht. Sattel, Taschen und Ausrüstung testest du vorher auf kurzen Touren.

Hufschutz unterwegs

Wie du die Hufe deines Pferdes schützt, hängt vom Pferd und vom Untergrund ab. Es gibt drei gängige Wege.

Hufeisen bieten zuverlässigen Schutz zu jeder Zeit und auf jedem Boden, gleichen Fehlstellungen aus und schützen die Sohle vor Prellungen. Dafür beeinflussen sie die natürliche Hufmechanik. Hufschuhe kommen nur dann zum Einsatz, wenn die Hufe wirklich belastet werden, also auf Schotter, spitzen Steinen oder langen Asphaltstrecken. Gut sitzende Hufschuhe gehen über Stock und Stein und halten selbst im Galopp. Sie müssen aber genau passen, sonst scheuern sie oder gehen verloren. Barhuf reisen viele Pferde bei gesunden Hufen und weichen Wegen problemlos, während Schotter und Asphalt für empfindliche Barhufer zur Belastung werden. Als weitere Möglichkeit gibt es Kunststoffbeschläge.

Für lange Ritte in unbekanntem Gelände nehmen viele Wanderreiter Hufschuhe mit, auch wenn ihr Pferd sonst barhuf oder beschlagen läuft. Denke außerdem an einen Not- oder Krankenschuh und an Panzerband, falls unterwegs ein Eisen verlorengeht. So bleibst du handlungsfähig, egal was passiert.

Die Packliste

Eine durchdachte Packliste erspart dir unterwegs viel Ärger. Für das Pferd gehören dazu ein passender Sattel mit Zubehör, Halfter und Strick, ein Falteimer zum Tränken, ein einfacher Zaum, erprobte und dichte Packtaschen mit Lederriemen zum Befestigen, Bürste und Hufkratzer sowie Insektenschutz. Für den Ernstfall packst du eine kleine Erste-Hilfe-Ausstattung fürs Pferd ein, dazu Elektrolytpaste mit Maulspritze für den Fall von Kreislaufproblemen, Hufnägel, einen Not- oder Krankenschuh und Panzerband für einen verlorenen Beschlag.

Für Reparaturen unterwegs sind Kabelbinder und Panzerband Gold wert. Für dich selbst gehören wetterfeste Kleidung und Regenschutz dazu, eine Erste-Hilfe-Ausstattung, Karte und GPS oder Handy mit Powerbank, ausreichend Verpflegung sowie ein Müllsack und Einmalhandschuhe, um Pferdeäpfel von den Wegen zu räumen. Denke daran, dass zumindest auf mehrtägigen Ritten Wetterumschwünge und kleinere Zwischenfälle dazugehören, und rüste dich entsprechend.

Fütterung und Wasser unterwegs

Ein Pferd trinkt bei moderater Arbeit rund 50 Liter am Tag. Auf einem mehrtägigen Ritt ist die Wasserversorgung deshalb eine deiner wichtigsten Aufgaben. Plane Tränkmöglichkeiten ein und führe einen Falteimer mit.

Raufutter sollte deinem Pferd möglichst frei zur Verfügung stehen, ergänzt um Kraftfutter oder Hafer, das du an die Leistung anpasst. Als grobe Orientierung fütterten erfahrene Wanderreiter auf anspruchsvollen Ritten etwa Hafer und Kraftfutter zu gleichen Teilen zusätzlich zum Raufutter. Stelle die Ration langsam um, nicht von heute auf morgen. Bei Hitze und starkem Schwitzen helfen Elektrolyte, den Verlust auszugleichen. Kleine Knabberzweige, etwa von der Birke, beschäftigen das Pferd in den Pausen und liefern zusätzlich etwas Abwechslung.

Nach jeder Etappe kümmerst du dich zuerst ums Pferd. Spritze die Beine ab, wasche die Sattellage vorsichtig aus, kontrolliere den ganzen Körper auf Druck- und Scheuerstellen und sorge für reichlich Raufutter und einen ruhigen Platz zum Fressen und Ruhen. Am nächsten Morgen prüfst du vor dem Aufsatteln erneut den Gesundheitszustand.

Rittplanung: Etappen, Karten und GPS

Plane deine Etappen realistisch. Eine Reitzeit von drei bis neun Stunden ist üblich, überwiegend im Schritt, und du solltest immer Puffer für Wetter, Umwege oder einen verlorenen Beschlag einrechnen. Lieber eine Etappe zu kurz als Pferd und Reiter überfordert.

Für die Streckenplanung hat sich die Reit- und Wanderkarte auf wanderreitkarte.de bewährt, eine kostenlose topografische Karte auf Basis von OpenStreetMap. Sie zeigt Höhenlinien, die Beschaffenheit der Wege und für Reiter gesperrte Strecken und bringt einen GPX-Editor zur Routenplanung mit. Ergänzend gibt es mit HoofMarker eine Navigation, die speziell reittaugliche Wege bevorzugt. Auf dem Ritt selbst nutzen viele Reiter Apps wie Komoot oder Topo GPS, gern offline, um Akku zu sparen und die Strecke aufzuzeichnen. Zur Kontrolle helfen topografische Karten im Maßstab 1:50.000 zusammen mit einer Satellitenansicht.

Ein wichtiger Hinweis: Kein Kartenwerk zeigt dir zuverlässig, ob ein Weg tatsächlich beritten werden darf und für ein Pferd machbar ist. Deshalb lohnt es sich, fertige Wanderreitrouten zu nutzen und bei den Tourismusverbänden der Region nachzusehen. Viele Gegenden haben den Reittourismus für sich entdeckt und bieten ausgearbeitete Touren samt Stationen an.

Wanderreitstationen und Übernachtung

In vielen Regionen Deutschlands und der Nachbarländer haben sich Netzwerke von Wanderreitstationen gebildet, sodass du von Station zu Station reiten kannst. Diese Höfe und Gasthöfe bieten Unterkunft für dein Pferd, ob Box, Paddock oder Weide, und für dich, oft dazu Routentipps für die Weiterreise.

Zum Finden geeigneter Quartiere helfen Verzeichnisse wie wanderpfer.de mit mehreren hundert eingetragenen Stationen und Rastmöglichkeiten sowie das Tourenportal der VFD, das anerkannte Wanderreitstationen nach eigenen Standards führt. Buche rechtzeitig, denn viele Betriebe haben begrenzte Plätze, und manche Pensionen verlangen einen Mindestaufenthalt. Wo keine klassische Station in der Nähe liegt, helfen manchmal Bauern, befreundete Höfe oder das eigene Zelt weiter.

Orientierung und Wegmarkierungen

Anders als Wanderwege sind Reitwege in Deutschland nicht einheitlich beschildert. Mal weist ein weißes Hufeisen den Weg, im Nationalpark markieren blaue Pfosten die erlaubten Strecken, im Naturpark ein blaues Schild. In Regionen wie dem Münsterland oder der Lüneburger Heide wurden eigene Wanderreitrouten ausgeschildert, ähnlich wie Themenrouten für Wanderer.

Weil die Markierungen so uneinheitlich sind, gehören Karte und Kompass als Rückfallebene in jedes Gepäck, auch wenn du dich unterwegs vor allem auf GPS verlässt. Ein GPS-Track weist dir gerade dort die Richtung, wo mehrere Routen über denselben Weg laufen und die Beschilderung unübersichtlich wird.

Recht: Reiten in der freien Landschaft und im Wald

Wo du reiten darfst, regeln die Bundesländer unterschiedlich. Als grobe Linie gilt: In der freien Landschaft ist das Reiten meist auf öffentlichen und privaten Wegen erlaubt, im Wald oft nur auf ausgewiesenen Reitwegen oder festen Fahrwegen. Querfeldein zu reiten ist grundsätzlich nicht gestattet, und gesperrte Wege sind zu beachten.

In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel brauchst du zum Reiten in der freien Landschaft und im Wald ein gültiges Reitkennzeichen mit jährlicher Reitplakette. Das Kennzeichen besteht aus zwei gelben Tafeln, die du beidseitig gut sichtbar am Zaumzeug anbringst. Die dafür fällige Reitabgabe ist zweckgebunden und fließt in die Anlage und Unterhaltung von Reitwegen. Wer ohne gültiges Kennzeichen reitet, begeht eine Ordnungswidrigkeit. In anderen Bundesländern gelten andere Regeln, teils ganz ohne Plakette.

Sobald du Straßen nutzt, gilt die Straßenverkehrsordnung, weshalb dein Pferd verkehrssicher sein muss. Plane vor einem mehrtägigen Ritt genügend Zeit ein, um die Regeln aller Gebiete zu prüfen, die du durchquerst. In Naturschutzgebieten gelten häufig besondere Vorschriften.

Ausbildung und Wanderreitabzeichen

Wanderreiten sieht einfacher aus, als es ist, und genau deshalb gibt es strukturierte Ausbildungen. Die VFD, die Vereinigung der Freizeitreiter und Fahrer, ist der größte Verband dieser Art mit über 70.000 Mitgliedern. Sie bildet zunächst zum VFD-Wanderreiter aus, darauf aufbauend zum VFD-Wanderrittführer. Der Wanderrittführer setzt mindestens ein Jahr als Wanderreiter voraus und umfasst rund 50 Unterrichtseinheiten samt Übungsritt.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung, kurz FN, bietet parallel das Wanderreitabzeichen in Stufe 1 und 2, den Berittführer, den Wanderreitführer und den Trainer B mit Schwerpunkt Wanderreiten. Daneben gibt es Einrichtungen wie die Deutsche Wanderreiter-Akademie und den Ersten Trekking Club Deutschland. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist für viele dieser Ausbildungen Voraussetzung.

Neben der Ausbildung locken die Leistungsabzeichen. Dafür führst du ein Rittbuch mit, sammelst gerittene Kilometer und lässt sie an den Stationen abstempeln. Am Ende reichst du deinen Streckennachweis ein. Bronze erhältst du ab 60 Kilometern, Silber ab 100 Kilometern und Gold ab 200 Kilometern.

Ein Wanderritt-Tag von morgens bis abends

Ein typischer Tag beginnt mit einem Blick aufs Pferd. Du prüfst den Gesundheitszustand, kontrollierst die Werte und satteltest erst danach. Unterwegs geht es überwiegend im Schritt voran, mit regelmäßigen Pausen, in denen du Gurt und Sattellage kontrollierst.

An steilen Abfahrten steigst du ab und führst dein Pferd ein Stück. Das schont seine Vorhand und gibt deinem eigenen Rücken eine Pause vom langen Sitzen. Zur Mittagsrast suchst du dir einen schattigen Platz, wo dein Pferd fressen und trinken kann. Am Ziel angekommen, versorgst du zuerst das Pferd, bevor du an dich selbst denkst. So bleibt genug Zeit, das eigentliche Ziel des Wanderreitens zu genießen, nämlich die Ruhe und das Miteinander unterwegs.

Sicherheit und typische Probleme

Die meisten Probleme auf Wanderritten lassen sich vorbeugen. Druck- und Scheuerstellen entstehen durch schlecht sitzende Ausrüstung, deshalb zahlen sich eine geprüfte Sattelpassform, saubere Nähte und eine feste, ausbalancierte Bepackung aus. Halte dich an die Regel, unterwegs nichts Neues auszuprobieren, und rechne mit einem verlorenen Beschlag, für den du gerüstet bist.

Kenne die Ruhewerte deines Pferdes, damit du Erschöpfung früh erkennst, und beherrsche die Grundzüge der Ersten Hilfe fürs Pferd. Notiere dir für die durchquerten Regionen Tierärzte, die du im Notfall erreichst. Plane deine Etappen mit Puffer, damit ihr entspannt ankommt, statt an eure Grenzen zu geraten.

Rücksichtsvoll in der Natur

Wanderreiten lebt vom Reiten in und mit der Natur, und das bleibt nur möglich, wenn Reiter sich rücksichtsvoll verhalten. Bleib auf den erlaubten Wegen, nimm Rücksicht auf Wanderer, Radfahrer und Wildtiere und vermeide Flurschäden. Räume Pferdeäpfel von Wegen, dafür hast du Müllsack und Handschuhe dabei, und respektiere Sperrzeiten und Schutzgebiete.

So hinterlässt du in der Fremde einen guten Eindruck und trägst dazu bei, dass Reiter auch morgen noch willkommen sind.

So steigst du ins Wanderreiten ein

Der leichteste Einstieg führt über geführte Wanderritte oder einen Reiturlaub, bei dem du unter fachkundiger Anleitung hineinschnupperst, mit oder ohne eigenes Pferd. So spürst du, ob dir diese Art zu reisen liegt, ohne selbst schon alles planen zu müssen.

Mit dem eigenen Pferd fängst du klein an. Eine Tagestour oder ein Zwei-Tages-Ritt zu einer nahen Wanderreitstation ist ein wunderbares erstes Abenteuer, und manchmal startet es direkt am eigenen Hof. Baue Kondition, Routine und Ausrüstung Schritt für Schritt auf, hol dir über eine Ausbildung das nötige Wissen und steigere dich von dort. Wanderreiten ist grenzenlos, und der erste Ritt ist näher, als du denkst.

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