Fellwechsel beim Pferd

Fellwechsel beim Pferd: Welche Bürsten helfen und was jetzt ins Futter gehört

Die Haare hängen in der Bürste, auf der Jacke und spätestens nach dem Putzen auch im Gesicht. Während dein Pferd erstaunlich unbeeindruckt danebensteht, fragst du dich, wie aus einem einzigen Tier täglich solche Fellberge herauskommen können.

Der Fellwechsel beim Pferd gehört zum natürlichen Jahresrhythmus. Mit einer passenden Fellpflege und einer ausgewogenen Fütterung kannst du dein Pferd dabei unterstützen. Allerdings muss längst nicht jedes Pferd zusätzliches Futter bekommen – und kräftigeres Bürsten macht den Fellwechsel auch nicht schneller.

Wann beginnt der Fellwechsel beim Pferd?

Den entscheidenden Anstoß gibt die veränderte Tageslänge. Der Körper stellt sich über hormonelle Signale auf die kommende Jahreszeit ein. Deshalb beginnt die Umstellung bereits, bevor wir Menschen beim Blick aufs Thermometer an Frühling oder Herbst denken. Auch die Temperatur beeinflusst die Fellentwicklung, sie ist aber nicht der einzige Taktgeber.

Im Frühjahr fällt besonders viel auf: Das dichte Winterfell löst sich und macht dem kürzeren Sommerfell Platz. Im Spätsommer und Herbst wird das Sommerfell durch ein zunehmend dichteres Winterfell ersetzt. Dieser Wechsel wirkt oft weniger spektakulär, obwohl im Körper ebenfalls einiges passiert.

Wie lange das dauert, unterscheidet sich von Pferd zu Pferd. Rasse, Alter, Haltung und Gesundheitszustand spielen mit hinein. Ein plüschiges Pony und ein kurzhaariges Warmblut müssen deshalb nicht gleichzeitig fertig sein.

Pferd im Fellwechsel richtig bürsten

Beim Putzen geht es darum, lose Haare und Schmutz zu entfernen, ohne die Haut zu reizen oder noch festsitzendes Fell herauszuziehen. Du musst also nicht so lange weiterarbeiten, bis kein einziges Haar mehr in der Bürste landet. An manchen Tagen könntest du sonst vermutlich im Stall übernachten.

Beginne mit wenig Druck und achte darauf, wie dein Pferd reagiert. Ein entspanntes Pferd bleibt meist ruhig stehen oder genießt die Pflege sichtbar. Weicht es aus, legt die Ohren an oder spannt den Rücken an, solltest du Druck, Werkzeug und die betreffende Körperstelle überprüfen. Auch ungewohnte Berührungsempfindlichkeit verdient Aufmerksamkeit.

Für die tägliche Pflege ist diese Reihenfolge praktisch:

  1. Das Pferd kurz ansehen und abtasten. Gibt es Scheuerstellen, Krusten, Verletzungen oder empfindliche Bereiche?
  2. Groben Schmutz schonend lösen. Eingetrockneten Schlamm nicht mitsamt den Haaren von der Haut reißen.
  3. Lose Haare mit einem passenden Striegel entfernen. Auf gut bemuskelten Körperpartien kannst du mit einem weichen Gummistriegel vorsichtig kreisend arbeiten.
  4. Mit einer Bürste in Wuchsrichtung nacharbeiten. Damit entfernst du gelöste Haare und Staub.
  5. Sattel- und Gurtlage besonders sorgfältig kontrollieren. Dort sollten vor dem Reiten keine Schmutzkrusten oder verklebten Haare zurückbleiben.

An Kopf, Beinen und knöchernen Stellen brauchst du deutlich weichere Werkzeuge als an Hals und Hinterhand. Wunde oder entzündete Haut wird nicht kräftig gestriegelt.

Welche Bürsten eignen sich beim Fellwechsel?

Du brauchst keine halbe Putzzeugabteilung. Eine kleine Auswahl, die zur Haut und zum Fell deines Pferdes passt, ist im Alltag meist hilfreicher.

Bürste oder Werkzeug

Wofür es sich eignet

Darauf solltest du achten

Weicher Gummistriegel

Lose Haare und Schmutz an gut bemuskelten Körperpartien lösen

Mit wenig Druck beginnen; empfindliche und knöcherne Stellen aussparen

Noppenhandschuh

Sanfte Pflege und vorsichtiges Abstreichen loser Haare

Auch weiche Noppen können bei starkem Druck unangenehm werden

Fellwechselstein aus Bimsstein

Lose Haare auf größeren Körperflächen aufnehmen

Sanft in Wuchsrichtung führen; nicht auf gereizter Haut verwenden

Fellwechselklinge oder Metallbügel

Größere Mengen bereits lockeren Fells entfernen

Nur behutsam und nach Herstelleranleitung einsetzen; Kopf, Beine und Knochenvorsprünge aussparen

Wurzelbürste

Gröberen Schmutz und zuvor gelöste Haare ausbürsten

Die Borstenhärte muss zum Pferd passen

Weiche Kardätsche oder Kopfbürste

Staub entfernen und empfindliche Bereiche pflegen

Regelmäßig reinigen, damit du Schmutz nicht wieder verteilst

Als Grundausstattung sind ein weicher Gummistriegel und eine passende Kardätsche eine gute Wahl. Bei dichtem Fell kann ein zusätzliches Fellwechselwerkzeug die Arbeit erleichtern. Ein empfindliches Pferd kommt möglicherweise mit einem weichen Handschuh besser zurecht.

Besonders bei Werkzeugen mit Metallzähnen oder scharfen Kanten lohnt sich Zurückhaltung. Eine beeindruckende Menge Haare beweist noch nicht, dass das Werkzeug gut arbeitet: Es sollte lose Haare aufnehmen, ohne gesunde Haare abzubrechen oder die Haut zu zerkratzen.

Wie oft sollte man im Fellwechsel putzen?

Lieber regelmäßig und angenehm als selten und mit großem Kraftaufwand. Wenn dein Pferd stark haart, können kurze tägliche Pflegeeinheiten sinnvoll sein. Wie lange du putzt, hängt von Verschmutzung, Fellmenge und der Geduld deines Pferdes ab.

Vor dem Reiten müssen vor allem die Auflageflächen von Sattel, Gurt und Trense sauber sein. Bei eingedeckten Pferden gehört außerdem ein täglicher Blick unter die Decke dazu: Scheuerstellen und Hautveränderungen bleiben sonst leicht unbemerkt.

Häufiges Waschen ist für einen normalen Fellwechsel nicht erforderlich. Gerade bei kühlem Wetter solltest du dich fragen, ob Wasser und Shampoo wirklich nötig sind und ob das Pferd anschließend vollständig trocknen kann.

Was kann man beim Fellwechsel ins Futter geben?

Neue Haare entstehen aus Nährstoffen. Dafür braucht das Pferd unter anderem ausreichend hochwertiges Eiweiß sowie eine bedarfsgerechte Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Daraus folgt aber nicht, dass jedes Pferd im Fellwechsel automatisch eine zusätzliche Kur benötigt.

Der erste Blick gehört der bisherigen Ration: Bekommt das Pferd ausreichend geeignetes Raufutter? Passt die Versorgung zu seinem Gewicht, Alter und seiner Arbeit? Deckt das verwendete Mineral- oder Mischfutter den Bedarf in der tatsächlich gefütterten Menge?

Mineralfutter: Versorgung prüfen, Zusätze nicht stapeln

Ein zur Grundration passendes Mineralfutter kann Versorgungslücken schließen. Bekommt das Pferd bereits ein ausreichend mineralisiertes Futter in der vorgesehenen Menge, ist ein weiteres Produkt möglicherweise überflüssig.

Zink und Kupfer gehören zu den notwendigen Spurenelementen. Einfach vorsorglich hoch dosiertes Zink hinzuzugeben, ist trotzdem keine gute Idee: Hohe Zinkmengen können die Kupferversorgung beeinträchtigen. Auch Selen sollte gezielt eingesetzt werden, weil zwischen ausreichender Versorgung und schädlicher Überversorgung vergleichsweise wenig Spielraum liegt. Eine Heuanalyse und eine Rationsberechnung sind bei Unsicherheit hilfreicher als mehrere Ergänzungsfuttermittel nebeneinander. (extension.umn.edu)

Leinöl oder Leinsamen: mögliche Ergänzung, kein Pflichtprogramm

Leinöl liefert Fett und die Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure. Es kann als Bestandteil einer passenden Ration infrage kommen, ist aber kein Mittel, das den Fellwechsel zuverlässig beschleunigt. Außerdem liefert Öl zusätzliche Energie – bei einem ohnehin rundlichen Pferd ein wichtiger Punkt. (ker.com)

Wenn du Leinsamen füttern möchtest, wähle ein für Pferde geeignetes Produkt und halte dich an dessen Zubereitungs- und Fütterungshinweise. Neue Futtermittel werden schrittweise eingeführt.

Braucht das Pferd jetzt mehr Kraftfutter?

Nicht allein deshalb, weil Haare ausfallen. Ob mehr Energie oder zusätzliches hochwertiges Eiweiß nötig ist, hängt von der gesamten Versorgung ab. Ein leichtfuttriges Freizeitpony braucht etwas anderes als ein älteres, schwerfuttriges Pferd im Training.

Kontrolliere deshalb regelmäßig den Ernährungszustand mit den Händen. Unter dichtem Winterfell lässt sich ein Gewichtsverlust leicht übersehen. Die Fütterung sollte sich am tatsächlichen Bedarf orientieren.

Sollte man das Pferd im Herbst schon scheren?

Der Fellwechsel allein ist kein Grund zum Scheren. Entscheidend ist, ob das Fell im Alltag zum Problem wird. Schwitzt dein Pferd bei seiner üblichen Arbeit stark und trocknet anschließend nur sehr langsam, kann eine angepasste Teilschur sinnvoll sein. Ein wenig gearbeitetes Pferd, das mit seinem Winterfell gut zurechtkommt, muss dagegen nicht vorsorglich geschoren werden.

Ein festes Datum hilft bei der Entscheidung wenig. Arbeitsumfang, Felldichte, Witterung und Haltung müssen zusammenpassen. Nach einer Schur braucht das Pferd einen entsprechend angepassten Wetterschutz; auch der Energiebedarf kann steigen. Welche Schur sich für welches Pferd eignet und was danach zu beachten ist, verdient einen eigenen Beitrag. (extension.umn.edu)

Wann ist der Fellwechsel nicht mehr unauffällig?

Viele lose Haare sind zunächst normal. Kahle, entzündete oder nässende Stellen gehören dagegen nicht zu einem gewöhnlichen Fellwechsel. Auch starker Juckreiz, deutliche Schuppenbildung oder schmerzhafte Haut sollten tierärztlich abgeklärt werden.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen ältere Pferde, die ihr Winterfell im Frühjahr ungewöhnlich spät oder nur unvollständig verlieren. Dahinter kann unter anderem PPID stecken, häufig noch als Equines Cushing bezeichnet. Ein verzögerter Fellwechsel allein stellt keine Diagnose dar, ist aber ein sinnvoller Anlass für eine Untersuchung – besonders zusammen mit Muskelschwund, auffälligem Schwitzen oder wiederkehrenden Hufproblemen. (pmc.ncbi.nlm.nih.gov)

Auch deutliche Mattigkeit, schlechter Appetit oder Gewichtsverlust sollten nicht einfach mit „Das ist eben der Fellwechsel“ erklärt werden.

Muss man den Fellwechsel beschleunigen?

Ein gesundes Pferd braucht dafür normalerweise kein besonderes Programm. Du kannst ihm die Zeit angenehmer machen, indem du lose Haare sanft entfernst, die Haut kontrollierst und seine Fütterung passend zusammenstellst.

Ob du die richtige Bürste gewählt hast, merkst du deshalb nicht nur am Haarberg vor deinen Füßen. Dein Pferd sollte die Pflege gut vertragen, und die Haut darunter sollte gesund bleiben. Dass deine Jacke anschließend trotzdem aussieht wie ein zweites Pony, lässt sich leider nur begrenzt verhindern.

Kommentar verfassen

Ich bin Daniela

Reitlehrerin FN und Therapeutische Reitlehrerin und absoluter Fan von Fjordpferden