
Silver Black beim Pferd: Der genetische Rappe mit silberner Mähne
Ein beinahe schwarzes Pferd mit heller, silbergrauer oder cremefarbener Mähne wirkt auf den ersten Blick wie ein besonders dunkler Kohlfuchs. Genau deshalb werden Silver-Black-Pferde bis heute häufig falsch bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich bei ihnen jedoch nicht um Füchse, sondern um genetisch schwarze Pferde, deren schwarzes Pigment durch das sogenannte Silver-Gen aufgehellt wird.
Im Deutschen werden dafür Bezeichnungen wie Rappsilber, Silber, Windfarbe oder windfarben verwendet. International ist meistens von Silver Black oder Silver Dapple die Rede. Beim Rocky Mountain Horse wird dieselbe Farbe traditionell häufig als Chocolate bezeichnet.
Das Ergebnis ist eine der ungewöhnlichsten Pferdefarben überhaupt: Der Körper kann fast schwarz, schiefergrau, rauchfarben oder dunkel schokoladenbraun erscheinen, während Mähne und Schweif deutlich heller sind. Manche Silver Blacks besitzen beinahe weißes Langhaar, andere eine eher graue, beige oder silbrig schimmernde Mähne.
Was ist ein Silver-Black-Pferd?
Ein Silver Black ist genetisch ein Rappe. Es besitzt also die Anlagen für eine schwarze Grundfarbe. Vereinfacht dargestellt lautet die Farbgenetik eines klassischen Silver Black:
E_ aa Z_
Das große E bedeutet, dass das Pferd schwarzes Pigment bilden kann. Die Kombination aa sorgt dafür, dass dieses schwarze Pigment nicht nur an den Beinen, an Mähne und Schweif erscheint, sondern über den gesamten Körper verteilt ist. Das Z steht für die Silver-Mutation.
Ohne das Silver-Gen wäre dieses Pferd ein gewöhnlicher Rappe. Erst durch Silver wird das schwarze Pigment verändert. Verantwortlich ist eine Mutation im PMEL-Gen, das früher häufig als PMEL17 bezeichnet wurde. Dieses Gen spielt bei der Bildung und Einlagerung des dunklen Pigments Eumelanin eine Rolle. Die Silver-Mutation wird dominant vererbt. Bereits eine einzige Kopie genügt deshalb, damit die Aufhellung bei einem schwarzbasierten Pferd sichtbar werden kann. (Veterinary Genetics Laboratory)
Warum ist die Mähne so viel heller als der Körper?
Das Silver-Gen wirkt nicht auf alle Haare gleich stark. Besonders auffällig ist die Aufhellung meistens im Langhaar. Mähne und Schweif können silbergrau, cremefarben, strohfarben oder fast weiß erscheinen. Der Körper bleibt häufig wesentlich dunkler.
Das schwarze Körperfell wird je nach Pferd nur leicht oder sehr deutlich verändert. Manche Silver Blacks sehen noch immer fast wie Rappen aus. Bei anderen wird der Körper dunkelbraun oder schokoladenfarben. Häufig entstehen zusätzlich rundliche, hellere Fellzeichnungen, die der Farbe den englischen Namen Silver Dapple gegeben haben. Das Wort „dapple“ bezeichnet dabei die sichtbare Apfelung und nicht ein zusätzliches Scheckungsgen.
Wie deutlich der Kontrast ausfällt, hängt nicht allein davon ab, ob das Silver-Gen vorhanden ist. Auch die übrige Farbgenetik, das Alter, die Jahreszeit und individuelle Unterschiede spielen eine Rolle. Bei manchen Pferden nimmt der deutliche Gegensatz zwischen dunklem Körper und heller Mähne mit zunehmendem Alter ab. Gerade bei Morgan Horses wurde beschrieben, dass Silver-Pferde im Laufe ihres Lebens dunkler und farblich weniger kontrastreich wirken können.

Silver Black oder Kohlfuchs?
Die häufigste Verwechslung besteht zwischen Silver Black und einem sehr dunklen Fuchs mit heller Mähne. Ein solcher Fuchs wird je nach Farbton als Dunkelfuchs, Kohlfuchs oder Leberfuchs bezeichnet. Besonders Schwarzwälder Kaltblüter können mit ihrem sehr dunklen Körper und dem hellen Langhaar auf den ersten Blick wie Silver Blacks aussehen.
Genetisch haben beide Farben jedoch einen völlig anderen Ursprung.
Der Kohlfuchs ist ein rotbasiertes Pferd. Er besitzt die genetische Kombination ee und kann deshalb im Fell kein schwarzes Eumelanin ausbilden. Sein dunkles Körperfell besteht aus sehr stark pigmentiertem rotem bis braunem Pigment. Selbst wenn es beinahe schwarz erscheint, bleibt es genetisch ein Fuchs. Die helle Mähne wird bei solchen Pferden als Flaxen- oder Lichtmähne bezeichnet.
Der Silver Black ist dagegen ein genetisch schwarzes Pferd. Seine helle Mähne entsteht nicht durch den Flaxen-Effekt des Fuchses, sondern durch die Aufhellung schwarzen Pigments.
In der Praxis kann die Unterscheidung schwierig sein. Ein Kohlfuchs zeigt meistens warme, rötliche oder mahagonifarbene Nuancen. Ein Silver Black wirkt häufig kühler, rauchiger, graphitfarben oder schokoladenbraun. Das ist allerdings nur eine optische Orientierung. Lichtverhältnisse, Winterfell und Bildbearbeitung können den Eindruck erheblich verfälschen.
Auch die Beine liefern nicht immer eine eindeutige Antwort. Bei einem Silver Black können sie sehr dunkel bleiben, aber ebenfalls aufgehellt sein. Ein Gentest ist deshalb die einzige wirklich sichere Methode, um einen Grenzfall zu bestimmen.
Warum kann ein Fuchs das Silver-Gen tragen?
Das Silver-Gen hellt ausschließlich schwarzes Pigment auf. Ein Fuchs bildet im Fell jedoch kein schwarzes Pigment. Trägt ein Fuchs das Silver-Gen, bleibt es äußerlich deshalb unsichtbar.
Ein solcher Fuchs kann Silver dennoch an seine Nachkommen weitergeben. Wird er mit einem Pferd verpaart, das eine schwarze Grundfarbe vererbt, kann ein sichtbares Silver-Fohlen entstehen. Genau dieser Umstand führte in der Vergangenheit dazu, dass Silver-Linien nur schwer nachvollziehbar waren. Manche Füchse trugen das Gen über mehrere Generationen weiter, ohne selbst ungewöhnlich auszusehen.
Beim Morgan Horse wird der 1916 geborene Fuchshengst Dan als wichtiger früher Träger des Silver-Gens beschrieben. Da er selbst Fuchs war, zeigte er die Farbe nicht. Erst über seine Nachkommen wurde die genetische Besonderheit sichtbar. Historische Silver Morgans wurden häufig fälschlich als Füchse oder Dunkelfüchse registriert, weil die Farbgenetik damals noch nicht verstanden wurde.
Ist Silver Black dasselbe wie Silver Bay?
Nein. Silver Black und Silver Bay werden durch dasselbe Aufhellungsgen verursacht, besitzen aber unterschiedliche Grundfarben.
Beim Silver Black liegt eine schwarze Grundfarbe vor. Das schwarze Pigment ist über den gesamten Körper verteilt und wird durch Silver aufgehellt.
Ein Silver Bay ist genetisch ein Brauner. Bei einem Braunen wird das schwarze Pigment durch das Agouti-Gen normalerweise auf Mähne, Schweif und Beine begrenzt. Silver hellt genau diese schwarzen Bereiche auf. Der Körper kann weiterhin rötlich oder braun erscheinen, während Mähne, Schweif und Beine aufgehellt werden.
Dadurch kann ein Silver Bay sehr unterschiedlich aussehen. Manche Pferde zeigen einen warmbraunen Körper und nahezu weißes Langhaar. Andere wirken eher schokoladenfarben. Auch hier ist die genetische Bestimmung zuverlässiger als eine Einschätzung nach Fotos.
Weitere Kombinationen sind ebenfalls möglich. Silver kann zusammen mit Dun, Cream, Roan oder Scheckungsgenen auftreten. Dadurch entstehen unter anderem Silver Dun, Silver Buckskin oder Silver Dapple Tobiano. Diese Kombinationen sind spektakulär, farblich aber nicht immer leicht einzuordnen.
Wie sehen Silver-Black-Fohlen aus?
Silver-Black-Fohlen sind häufig wesentlich heller als erwachsene Pferde. Ihr Fohlenfell kann beige, taupefarben, grau oder hell schokoladenbraun wirken. Typisch können sehr helle Wimpern und ein deutlich aufgehelltes Langhaar sein.
Mit dem Fellwechsel verändert sich die Farbe oft erheblich. Manche Fohlen werden zunehmend dunkler, während andere ihre starke Apfelung und den deutlichen Kontrast zwischen Körper und Mähne behalten. Aus dem Aussehen eines wenige Wochen alten Fohlens lässt sich deshalb nicht zuverlässig ableiten, wie es als erwachsenes Pferd aussehen wird.
Gerade beim Morgan Horse wurden Silver-Fohlen früher häufig als Füchse eingetragen, weil das helle Fohlenfell und die spätere Verdunkelung falsch interpretiert wurden. Auch heute kann ein Gentest sinnvoll sein, wenn die Farbe für Zucht, Registrierung oder Kaufentscheidung eine Rolle spielt.
In welchen Pferderassen kommt Silver vor?
Das Silver-Gen gehört nicht zu einer einzigen Pferderasse. Es kommt in verschiedenen europäischen und amerikanischen Populationen vor. Besonders bekannt ist es bei Rassen, bei denen die dunkle Schokoladenfarbe mit hellem Langhaar über längere Zeit gezielt erhalten oder bevorzugt wurde.
Dokumentiert ist Silver unter anderem bei:
- Rocky Mountain Horses
- Kentucky Mountain Saddle Horses
- Morgan Horses
- Missouri Fox Trottern
- Tennessee Walking Horses
- American Saddlebreds
- American Miniature Horses
- Shetlandponys
- Islandpferden
- Welsh Ponys
- Nordlandponys
- Finnpferden
- Estnischen Pferden
- Schwedischen Warmblütern
- Comtois
- Ardennern
- Irish Cobs beziehungsweise Tinkern
- einzelnen American Quarter Horses
Die Aufzählung bedeutet allerdings nicht, dass Silver in all diesen Rassen gleich häufig ist. Bei Rocky Mountain Horses ist die als Chocolate bezeichnete Silver-Farbe sehr bekannt und in der Population vergleichsweise verbreitet. Beim Morgan Horse ist sie dagegen selten. In anderen Rassen existieren lediglich einzelne Linien oder wenige nachgewiesene Tiere. (Wikipedia)
Stammt Silver Black ursprünglich vom Morgan Horse?
Nein. Das Morgan Horse ist nicht die Ursprungsrasse des Silver-Gens. Die Verbindung ist vermutlich deshalb so bekannt, weil die Farbe innerhalb bestimmter Morgan-Linien ausführlich dokumentiert wurde und engagierte Züchter die historischen Abstammungen rekonstruiert haben.
Beim Morgan Horse galt Silver lange als ausgestorben oder gar nicht vorhanden. Erst durch moderne Gentests und die Aufarbeitung alter Zuchtunterlagen wurde deutlich, dass manche vermeintlichen Füchse in Wahrheit schwarzbasierte Silver-Pferde gewesen waren oder das Gen unsichtbar trugen.
Eine wichtige Rolle spielte dabei die Erforschung der Nachkommen von Dan, aber auch von Stuten wie Orcland Youlenda. Diese war als Fuchs registriert worden, gab Silver jedoch an Nachkommen weiter. Einige historische Silver-Linien verschwanden später, während andere erhalten werden konnten. (Morgan Horse)
Besonders eng wird Silver heute mit dem Rocky Mountain Horse verbunden. Dort gehört die dunkle Chocolate-Farbe mit heller Mähne praktisch zum klassischen Erscheinungsbild der Rasse. Die moderne Rocky-Mountain-Horse-Zucht geht maßgeblich auf den Hengst Old Tobe und dessen Nachkommen zurück. Allerdings sollte nicht jedes Pferd, das historisch als „chocolate“ bezeichnet wurde, ohne Gentest automatisch als genetischer Silver Black eingeordnet werden, denn Farbbezeichnungen wurden früher oft nach dem äußeren Erscheinungsbild vergeben.
Bekannte Silver-Black-Hengste und Zuchtlinien
Bei seltenen Farben kursieren im Internet viele Hengstnamen, die sich kaum überprüfen lassen. Manche Tiere werden als „Silver Dapple“ beworben, ohne dass ein Gentestergebnis, eine Zuchtbuchanerkennung oder eine aktuelle Deckerlaubnis veröffentlicht wird. Deshalb ist es sinnvoll, zwischen einem genetisch bestätigten Silver-Hengst und einem tatsächlich verfügbaren, anerkannten Deckhengst zu unterscheiden.
Ein gut dokumentiertes Beispiel aus den USA ist der Morgan-Hengst KDA Infinity Silver, genannt Brisby. Er wird von seiner Zuchtstätte als homozygot für Silver und homozygot für Schwarz mit dem Genotyp EE aa ZZ angegeben. Damit vererbt er nach Angaben des Gestüts an jedes Fohlen mindestens eine Kopie des Silver-Gens. Gerade bei einem homozygoten Silver-Hengst muss jedoch die MCOA-Problematik besonders sorgfältig berücksichtigt werden. (KDA Morgan Horses)
Ebenfalls aus den USA stammt der schwarze Silver-Dapple-Morgan Schaenzer’s Silver Eagle. Nach Angaben der Sunrise Ranch hat er Nachkommen in den USA, Europa und Australien. Er gehört damit zu den Silver-Morgan-Hengsten, deren Einfluss über Nordamerika hinausreicht. (Sunrise Ranch)
Ein weiterer genetisch und zuchthistorisch interessanter Morgan ist Unconventional. Der 2006 geborene Hengst war ein bestätigter Bay Silver und wurde in Veröffentlichungen des amerikanischen Morgan-Verbandes als wichtiger Vertreter der seltenen Silver-Farbe beschrieben. Er war außerdem eines der Pferde, die im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Identifizierung des Silver-Gens untersucht wurden. (Morgan Horse)
In Europa ist der Morgan-Hengst Coulee Bend Talisman ein bemerkenswertes Beispiel. Er wird als Bay Dun Silver beschrieben und befand sich zumindest zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Vereinigten Königreich. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Silver Black, sondern um eine seltene Kombination aus brauner Grundfarbe, Dun und Silver. Er zeigt jedoch sehr anschaulich, wie das Silver-Gen mit weiteren Verdünnungsgenen zusammenwirken kann. (Morgan Horse)
In Spanien wird der Hengst Xiao J von der Yeguada Las Cumbres als Silver Black vorgestellt. Das Gestüt wirbt mit der Zucht von Silver- und Champagne-Pferden. Öffentlich auffindbare Angaben belegen seine Präsentation als Zuchthengst, reichen aber nicht aus, um hier eine aktuelle Zuchtbuchanerkennung, einen vollständigen Genotyp oder die derzeitige Verfügbarkeit von Frisch- oder Gefriersamen verbindlich zu bestätigen. (Instagram)
Bei den Drum Horses ist RDR Shirefox Revel als Silver-Black-Hengst in der Hengstliste der International Drum Horse Association aufgeführt. Dort wird er als Foundation Drum Horse mit Standort in Montana genannt. (Drum Horse Association)
Für Deutschland lässt sich derzeit kein allgemein bekannter, genetisch bestätigter Silver-Black-Hengst nennen, der zugleich eindeutig als aktuell verfügbarer und regulär anerkannter Deckhengst dokumentiert ist. Zwar finden sich Verkaufsanzeigen und private Hinweise auf Silver-Dapple-Hengste, doch das genügt nicht, um daraus eine seriöse Deckhengstempfehlung abzuleiten.
Wer in Deutschland gezielt mit Silver züchten möchte, muss deshalb häufig im europäischen Ausland oder über internationalen Samenversand suchen. Vor jeder Zuchtentscheidung sollten der vollständige Farbgenotyp, der MCOA-Status, die Zuchtbuchzulassung, die Abstammung und mögliche weitere Erbkrankheiten geprüft werden. Die Farbe allein ist kein ausreichendes Zuchtziel.
Silver und die Augenkrankheit MCOA
Die wichtigste gesundheitliche Besonderheit des Silver-Gens ist seine Verbindung zum MCOA-Syndrom. Die Abkürzung steht für Multiple Congenital Ocular Anomalies, also mehrere angeborene Fehlbildungen des Auges.
Es handelt sich nicht um eine zufällige Begleiterkrankung, die lediglich bei manchen Silver-Pferden häufiger vorkommt. Die genetische Variante, die die Silver-Farbe verursacht, ist direkt mit den Veränderungen am Auge verbunden. Die Ausprägung hängt wesentlich davon ab, ob das Pferd eine oder zwei Kopien der Mutation besitzt. (Veterinary Genetics Laboratory)
Heterozygote Pferde mit dem Genotyp Z/N besitzen eine Silver-Kopie. Bei ihnen werden häufig Zysten beziehungsweise flüssigkeitsgefüllte Bläschen im Bereich der Iris oder des Ziliarkörpers gefunden. Viele dieser Pferde zeigen im Alltag keine erkennbaren Sehprobleme. Die Veränderungen können so unauffällig sein, dass sie erst bei einer gezielten augenärztlichen Untersuchung entdeckt werden.
Homozygote Pferde mit dem Genotyp Z/Z tragen zwei Silver-Kopien. Bei ihnen können die Veränderungen deutlich schwerwiegender sein. Beschrieben sind unter anderem Fehlbildungen der Iris, ungewöhnlich große oder vorgewölbte Hornhäute, eingeschränkte Pupillenreaktionen, Katarakte, Netzhautveränderungen und Kurzsichtigkeit. Die Schwere kann von Pferd zu Pferd variieren. (Veterinary Genetics Laboratory)
MCOA bedeutet nicht automatisch, dass jedes Silver-Pferd blind oder im Alltag stark beeinträchtigt ist. Gerade heterozygote Tiere können völlig unauffällig erscheinen. Trotzdem darf das Problem züchterisch nicht verharmlost werden.
Darf man zwei Silver-Pferde miteinander verpaaren?
Genetisch ist eine solche Verpaarung möglich, züchterisch aber problematisch.
Werden zwei heterozygote Silver-Pferde miteinander verpaart, besteht statistisch bei jedem Fohlen eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent für Z/Z, also für zwei Silver-Kopien. Weitere 50 Prozent der Fohlen sind voraussichtlich heterozygot Silver, während 25 Prozent kein Silver erben.
Da homozygote Silver-Pferde ein deutlich erhöhtes Risiko für schwerere MCOA-Veränderungen besitzen, sollte eine solche Paarung vermieden werden. Sinnvoller ist es, ein Silver-Pferd mit einem genetisch als N/N getesteten Partner zu verpaaren. Dann können zwar heterozygote Silver-Fohlen entstehen, aber keine homozygoten Z/Z-Fohlen. (Veterinary Genetics Laboratory)
Bei einem homozygoten Silver-Hengst wird jedes Fohlen mindestens eine Silver-Kopie erhalten. Wird er mit einer Silver-Stute verpaart, können wiederum homozygote Nachkommen entstehen. Gerade bei Hengsten, die offensiv mit einer garantierten Silver-Vererbung beworben werden, muss deshalb genau hingesehen werden.
Kann man Silver und MCOA testen lassen?
Ja. Das Silver-Gen kann über einen DNA-Test nachgewiesen werden. Dafür werden je nach Labor Haarwurzeln oder eine Blutprobe eingesandt. Das Ergebnis zeigt, ob das Pferd kein Silver trägt, heterozygot oder homozygot ist.
Ein solcher Test ist besonders sinnvoll, wenn ein Pferd farblich nicht eindeutig zu bestimmen ist, wenn Füchse aus Silver-Linien zur Zucht eingesetzt werden oder wenn zwei möglicherweise betroffene Pferde miteinander verpaart werden sollen.
Der Gentest ersetzt allerdings keine augenärztliche Untersuchung. Er zeigt die genetische Anlage, nicht den konkreten Zustand der Augen. Ein Silver-Pferd, das gekauft oder zur Zucht eingesetzt werden soll, kann zusätzlich von einem auf Pferde spezialisierten Tieraugenarzt untersucht werden.
Sind Silver-Black-Pferde selten?
Global betrachtet ist Silver selten, innerhalb einzelner Rassen kann die Farbe jedoch vergleichsweise häufig sein. Ein Chocolate Rocky Mountain Horse ist deshalb nicht annähernd so ungewöhnlich wie ein Silver Morgan oder ein Silver Warmblut.
Seltenheit ist außerdem kein Qualitätsmerkmal. Ein Pferd wird nicht wertvoller, gesünder oder züchterisch besser, nur weil es eine außergewöhnliche Farbe besitzt. Bei Verkaufsanzeigen sollte man besonders vorsichtig sein, wenn der Preis fast ausschließlich mit Begriffen wie „seltene Traumfarbe“, „garantierter Farbvererber“ oder „absolutes Unikat“ begründet wird.
Entscheidend bleiben Exterieur, Gesundheit, Charakter, Leistungsfähigkeit, Abstammung und eine verantwortungsvolle Anpaarung. Eine besondere Farbe kann reizvoll sein, sollte aber nie zum einzigen Zuchtziel werden.
FAQ zu Silver Black
Ist Silver Black eine eigene Pferderasse?
Nein. Silver Black ist eine Fellfarbe und keine Pferderasse. Sie kann bei verschiedenen Rassen auftreten, sofern das Silver-Gen in deren Population vorhanden ist.
Ist ein Silver Black ein Rappe?
Ja. Ein klassischer Silver Black besitzt eine schwarze Grundfarbe. Ohne das Silver-Gen wäre das Pferd äußerlich ein Rappe.
Kann ein Silver Black fast braun aussehen?
Ja. Das Silver-Gen kann das schwarze Körperfell so verändern, dass es dunkelbraun, schokoladenfarben oder rauchgrau erscheint. Deshalb ist der Name Silver Black für Laien manchmal irritierend.
Ist ein dunkles Pferd mit heller Mähne immer Silver Black?
Nein. Es kann auch ein Kohlfuchs oder Dunkelfuchs mit Flaxenmähne sein. Besonders Schwarzwälder Kaltblüter zeigen häufig einen sehr dunklen Fuchston mit hellem Langhaar, ohne selbst sichtbare Silver-Pferde zu sein.
Kann ein Fuchs Silver tragen?
Ja. Da Silver nur schwarzes Pigment aufhellt, ist das Gen beim Fuchs äußerlich unsichtbar. Der Fuchs kann es dennoch an seine Nachkommen weitergeben.
Kann ein Friese Silver Black sein?
Ein reinrassiger, korrekt eingetragener Friese sollte kein Silver-Gen besitzen. Bei als „Silver Frisians“ angebotenen Pferden handelt es sich häufig um Friesenmischlinge oder sogenannte Friesian Sport Horses. Ein silbernes Friesen-Kreuzungspferd ist daher möglich, ein klassischer reinrassiger Friese mit Silver wäre dagegen äußerst erklärungsbedürftig.
Ist Silver dasselbe wie das Cream-Gen?
Nein. Silver und Cream sind unterschiedliche Gene. Silver wirkt auf schwarzes Pigment. Eine einzelne Cream-Kopie hellt vor allem rotes Pigment auf und erzeugt Farben wie Palomino oder Buckskin. Mehrere Verdünnungsgene können jedoch gemeinsam in einem Pferd vorkommen.
Sind alle Silver-Pferde krank?
Nein. Viele Silver-Pferde wirken gesund und zeigen keine offensichtliche Einschränkung. Die Silver-Mutation ist jedoch mit angeborenen Augenveränderungen verbunden. Heterozygote Pferde zeigen meist mildere Veränderungen, während homozygote Tiere stärker betroffen sein können.
Verändert sich Silver Black im Alter?
Ja. Farbe und Kontrast können sich mit dem Alter verändern. Manche Pferde werden dunkler, andere verlieren einen Teil ihrer sichtbaren Apfelung. Auch Sommer- und Winterfell können sehr unterschiedlich aussehen.
Wie erkennt man Silver Black sicher?
Die zuverlässigste Methode ist ein Gentest. Eine Beurteilung allein nach Bildern oder Fellfarbe kann selbst erfahrene Pferdeleute täuschen.
Fazit: Eine spektakuläre Farbe mit züchterischer Verantwortung
Silver Black sieht aus wie ein dunkler Rappe mit silberner Traum-Mähne. Genetisch steckt dahinter tatsächlich ein schwarzbasiertes Pferd, dessen schwarzes Pigment durch eine dominante Mutation im PMEL-Gen aufgehellt wird.
Gerade die Verwechslung mit dem Kohlfuchs macht die Farbe so spannend. Beide können beinahe schwarz wirken und sehr helles Langhaar besitzen, genetisch könnten sie jedoch kaum unterschiedlicher sein. Der Kohlfuchs ist rotbasiert, der Silver Black schwarzbasiert.
So faszinierend die Farbe ist, sie besitzt auch eine problematische Seite. Das Silver-Gen ist direkt mit angeborenen Veränderungen der Augen verbunden. Besonders die Verpaarung zweier Silver-Träger muss deshalb kritisch betrachtet werden.
Silver Black ist damit weit mehr als eine seltene Modefarbe. Es ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie eng außergewöhnliches Aussehen, Farbgenetik und gesundheitliche Verantwortung in der Pferdezucht miteinander verbunden sind.