
Haflinger Pferde – tolle Freizeitpartner
Kaum eine andere Pferderasse erkennst du so sicher auf den ersten Blick wie den Haflinger: ein goldenes bis fuchsrotes Fell, dazu die hell leuchtende, fast weiße Mähne, die im Galopp über die Almwiese weht. Hinter diesem vertrauten Bild steckt jedoch weit mehr als ein hübsches Freizeitpony. Der Haflinger ist eine der jüngsten und zugleich am strengsten gezüchteten Pferderassen Europas, ein echtes Gebirgspferd mit orientalischem Adel, und er hat eine Geschichte, die von den Bergbauern Südtirols über die Kavallerie der Habsburger bis in ein Genlabor in der Lombardei reicht, in dem das erste geklonte Pferd der Welt geboren wurde.
Haflinger im Steckbrief
Ursprung: Südtirol, rund um das Dorf Hafling oberhalb von Meran; erste gezielte Zucht in Schluderns im Vinschgau.
Ursprungsland (rechtlich): Italien (seit 1997 durch die EU festgelegt); wichtigste Zuchtgebiete heute in Südtirol, Österreich und Deutschland.
Stammvater: Hengst 249 Folie, geboren 1874.
Typ: Kleinpferd bzw. kräftiges Gebirgspferd.
Stockmaß: Meist 138 bis 150 cm, vereinzelt weltweit bis etwa 155 cm.
Gewicht: Etwa 400 bis 600 kg.
Farbe: Ausschließlich Fuchs – vom hellen Lichtfuchs bis zum dunklen Kohlfuchs – mit hellem, meist weißem Langhaar.
Charakter: Nervenstark, gutmütig, intelligent, arbeitsfreudig und menschenbezogen.
Verwendung: Freizeit, Dressur, Springen, Fahren, Voltigieren, Wanderreiten, Westernreiten, Therapiepferd sowie früher Trag- und Zugpferd.
Lebenserwartung: Etwa 25 bis 30 Jahre, häufig auch älter.
Besonderheit: Geschlossenes Zuchtbuch; jeder reinrassige Haflinger geht in der väterlichen Linie auf den Stammhengst 249 Folie zurück.

Auf dieser Seite bekommst du ein vollständiges Porträt der Rasse: von der Entstehung in den Südtiroler Bergen über die sieben Hengstlinien, die Farbgenetik und den Charakter bis zu Gesundheitsthemen, die viele Ratgeber verschweigen, und ein paar Geschichten, die selbst manche Haflinger-Besitzer noch nie gehört haben.Herkunft
Ein Bergpferd aus der Not geboren
Die Heimat des Haflingers liegt in den Bergen Südtirols, zwischen Etschtal und Sarntal, in einer Landschaft aus kargen Hochweiden, steilen Saumpfaden und kleinen Höfen. Seinen Namen verdankt er dem Dörfchen Hafling oberhalb von Meran, das auf Italienisch Avelengo heißt. Daher stammt auch die zweite, ältere Rassebezeichnung Aveligneser, die dir gelegentlich in Zuchtpapieren begegnet.
Auf 1.500 bis 2.000 Metern Höhe brauchten die Bergbauern kein großes, schweres Pferd. So ein Tier hätte man auf wenigen Hektar Steilfläche gar nicht durchfüttern können. Gefragt war ein kleines, leichtfüßiges, absolut trittsicheres Pferd, das mit wenig Futter auskam, im Winter ein dichtes Fell schob und trotzdem kräftig genug war, Heu, Holz und Waren über schmale Pfade ins Tal zu tragen. Über Generationen sorgten Höhe, Wetter und knappe Fütterung für eine natürliche Auslese. Wer nicht gesund, robust und genügsam war, überlebte diese Bedingungen nicht. Genau diese Härte steckt bis heute in der Rasse.
Anders als viele Pferdebücher behaupten, ist der Haflinger übrigens kein Nachkomme schwerer Kaltblüter. Südlich der Alpen gab es kaum bedeutende Kaltblutzucht, und für die kleinen Bergwirtschaften wäre ein Koloss auch völlig unpraktisch gewesen. Der Urhaflinger war ein kleines, leichtes, warmblütiges Gebirgspferd. Die abschüssige, leicht gespaltene Kruppe, die viele fälschlich als Kaltbluterbe deuten, ist schlicht Ausdruck seiner kräftigen Zugvergangenheit.

Woher kam das Bergpferd? Theorien zum Ursprung
Wie so oft bei alten Landrassen verliert sich die Frühgeschichte im Dunkeln. Kleine, robuste Gebirgspferde sind im Alpenraum seit dem Mittelalter belegt, und über ihre genaue Herkunft gibt es mehrere Erklärungsversuche. Eine verbreitete These sieht orientalische Wurzeln: Über Handels- und Heerwege könnten leichte Ostpferde ihr Blut in den lokalen Bestand gebracht haben, was das feine, oft leicht konkave Profil vieler Haflinger erklären würde. Andere Forscher betonen die einheimischen Gebirgsschläge des Vinschgaus und des Sarntals als Basis. Sicher belegbar ist erst der Bestand des 19. Jahrhunderts, aus dem heraus sich die Rasse dann planvoll formte. Die romantische Vorstellung, der Haflinger stamme direkt von versprengten Pferden untergegangener Reiterheere ab, ist reizvoll, aber nicht belegt.
Fest steht dagegen die Namensherkunft. Die Rasse trägt den Namen des Dorfes Hafling, das auf einem sonnigen Mittelgebirgsrücken zwischen Bozen und Meran liegt. Dieser karge Höhenzug mit seiner schütteren Vegetation gilt als eine Wiege des Schlags, weil er genau jenen anspruchslosen, kleinen und zähen Pferdetyp hervorbrachte, aus dem später der Haflinger wurde. Der Geburtsort des Stammvaters Folie liegt allerdings weiter westlich in Schluderns, weshalb Vinschgau und Hafling beide zu Recht als Ursprungsorte gelten.
Der halborientalische Funke: El Bedavi XXII
Der entscheidende Moment kam mit einem orientalischen Hengst. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts förderte die Habsburger Monarchie die Pferdezucht in den Bergregionen. Das Militär brauchte trittsichere Tragtiere für den Gebirgskrieg, und die armen Bergbauern sollten sich einen Nebenverdienst aufbauen können. Aus dem k.u.k. Staatsgestüt Radautz in der Bukowina kam der halborientalische Hengst El Bedavi XXII, ein Urenkel des Arabers El Bedavi, in den Süden der Monarchie.
1874 wurde im Stall des Pferdezüchters Josef Folie in Schluderns im Obervinschgau ein Hengstfohlen geboren. Sein Vater war jener El Bedavi XXII, seine Mutter eine kräftige einheimische Landstute des Südtiroler Landschlags. Das Fohlen bekam nach seinem Züchter den Namen 249 Folie. Von seiner Mutter erbte es die goldene Fuchsfarbe, den festen Körper und die Härte des Gebirgspferdes, vom Vater den Adel, die lange, schräge Schulter und das ausdrucksvolle Temperament des Orientalen. Zeitgenossen beschrieben ihn als tief bemuskeltes Pferd mit arabischer Vornehmheit. Man nannte ihn gern ein Muskelpaket mit Araberadel, eine seltene Mischung aus Bergpferd und Reitpferd.
Dass diese eine Anpaarung eine ganze Weltrasse begründen würde, konnte damals niemand ahnen. Folie erwies sich als überragender Vererber. Alle heute anerkannten reinrassigen Haflinger lassen sich väterlicherseits auf ihn zurückführen. Kaum eine andere Rasse der Welt hat einen so klaren, dokumentierten Ursprung in einem einzigen Tier.
Vom Bauernpferd zur anerkannten Rasse
1898 wurden der Name Haflinger und die Rasse offiziell durch das österreichische Ackerbauministerium anerkannt und registriert. 1904 gründete sich die erste Züchtergenossenschaft. Damit begann die planvolle Zucht, die den bunten Bestand an Bergpferden nach und nach in eine einheitliche Rasse verwandelte.
Das 20. Jahrhundert war für den Haflinger dann eine Kette von Umbrüchen. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Südtirol an Italien, das Ursprungsgebiet der Rasse lag nun jenseits der neuen Grenze. Italien musste Deckhengste in Österreich kaufen, während der Weltwirtschaftskrise wurden über 350 Stuten nach Österreich und Deutschland verkauft, was die Südtiroler Zucht empfindlich schwächte. 1938 gab es im Süden nur noch knapp 170 reingezogene Haflingerstuten. Im Zweiten Weltkrieg hatte die Wehrmacht großen Bedarf an Tragtieren für die Gebirgstruppen und kaufte fast alle verfügbaren Haflinger auf. In dieser Zeit entstand auch die deutsche Haflingerzucht, die zunächst in Bayern für die Gebirgsjäger aufgebaut wurde.
Die Nähe zum Militär zieht sich durch die gesamte Frühgeschichte. Schon die Förderung der Zucht durch die Habsburger diente auch dem Bedarf an Tragtieren, die Munition, Verpflegung und Ausrüstung dorthin brachten, wo Räder und schwere Zugpferde versagten. In der Kavallerie der Doppelmonarchie waren zwar edle Shagya-Araber als Offizierspferde beliebt, doch für den harten Dienst im Hochgebirge war das kleine, genügsame und trittsichere Bergpferd unersetzlich. Diese Rolle als militärisches Saum- und Tragtier prägte die Selektion über Jahrzehnte und festigte genau die Eigenschaften, die den Haflinger heute auszeichnen.
Nach dem Krieg hätte die Mechanisierung der Landwirtschaft das Ende vieler Arbeitspferderassen bedeuten können. Beim Haflinger geschah das Gegenteil. Er wandelte sich vom Trag- und Zugtier zum Freizeit- und Sportpferd und eroberte damit ein völlig neues Publikum. Heute wird der weltweite Bestand auf mehrere hunderttausend Tiere in über 70 Ländern geschätzt, betreut von der 1976 gegründeten Welt-Haflinger-Vereinigung mit Sitz in Bozen, die die internationalen Zuchtregeln und die großen Schauen koordiniert. Unter dieser Dachorganisation arbeiten Mitgliedsverbände aus über zwanzig Ländern zusammen, von Australien über Nordamerika bis Europa.
Damit gehört der Haflinger heute zu den beliebtesten Kleinpferderassen überhaupt. In Deutschland stellte er über Jahre die stärkste Population aller Ponyrassen. Diese Beliebtheit hat mehrere Gründe: das unverwechselbare Aussehen, das freundliche Wesen, die Vielseitigkeit und die Tatsache, dass ein Haflinger für viele Menschen die ideale Größe zwischen Pony und großem Reitpferd trifft. Aus einem Notbehelf armer Bergbauern ist so ein Weltbürger geworden.Zucht
Ein Stammvater und sieben Linien
Weil die gesamte Rasse auf Folie zurückgeht, ist die Haflingerzucht auf der Vaterseite streng in sogenannte Hengstlinien gegliedert. Aus den direkten Nachkommen Folies bildeten sich sieben klassische Linien heraus, benannt nach besonders prägenden Liniengründern. Der Anfangsbuchstabe des Namens kennzeichnet die Linie und wird traditionell an die Nachzucht weitergegeben.
Diese Namensregel ist ein hübsches Detail, an dem du die Herkunft eines Haflingers oft schon am Namen ablesen kannst: Hengstfohlen erhalten in der Regel einen Namen, der mit dem Buchstaben ihrer Linie beginnt, Stutfohlen dagegen einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben ihrer Mutter. In Italien wiederum bekommen Stutfohlen einen Namen nach einem für das jeweilige Geburtsjahr festgelegten Buchstaben. So trägt jedes Tier seine Abstammung ein Stück weit im Namen.
A
Anselmo
Gegründet um 1926. Heute eine der wichtigsten und am weitesten verbreiteten Linien. Beinahe wäre sie ausgestorben: Anselmo wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit 21 Jahren noch einmal in die Zucht geholt, um die Linie zu retten.
B
Bolzano
Geht über wenige Generationen sehr direkt auf Folie zurück. Wichtiger Vertreter der frühen, kräftigen Bergpferdetypen.
M
Massimo
Eine der Linien, die dem klassischen Wirtschafts- und Freizeitpferd sein Fundament gaben und bis heute solide vertreten sind.
N
Nibbio
Große, einflussreiche Linie. Innerhalb von ihr gilt der Hengst Hofrat als Begründer einer eigenen Unterlinie, die manche Zuchtstatistiken sogar als H-Linie führen.
S
Stelvio
Gegründet 1923, zahlenmäßig die kleinste Linie und zeitweise vom Aussterben bedroht. In Italien am stärksten erhalten, Österreich arbeitet aktiv an ihrer Wiederbelebung.
ST
Student
Gegründet 1927. Viele Hengste, aber regional ungleich verteilt. Außerhalb Österreichs vor allem in Deutschland und den USA vertreten.
W
Willi
Gegründet 1921. In der Frühzeit durch Fremdblut bedroht, hält sich heute stark in den Niederlanden, Kanada und den USA, mit kleinerem Bestand in Österreich.
7
Ein sehr enges Fundament
Weil der Genpool der Gründertiere klein war und in der Frühzeit teils bewusst ingezüchtet wurde, ist der Haflinger extrem typfest. Deshalb erkennst du ihn so leicht, aber deshalb muss die Zucht auch sorgsam mit Vielfalt umgehen.
Dieses enge Fundament ist Segen und Herausforderung zugleich. Der kleine Ursprungsbestand und die harte Bergumwelt haben einen ungewöhnlich einheitlichen Typ geschaffen, den du weltweit wiedererkennst. Zugleich achten die Verbände heute genau auf den Erhalt seltener Linien wie Stelvio, damit die genetische Breite nicht weiter schrumpft.Erscheinungsbild
Aussehen und Rassestandard
Der moderne Haflinger ist ein mittelgroßes, kräftiges und dennoch elegantes Kleinpferd von harmonischem Bau. Das Zuchtziel verlangt ein Pferd mit korrektem, gesundem Fundament und deutlichen Reitpferdepoints, also den Merkmalen eines guten Reitpferds im kleinen Format. Der Kopf ist trocken und ausdrucksvoll, mit großen, freundlichen Augen und oft leicht konkavem, an den Araber erinnerndem Profil. Der Hals ist gut aufgesetzt, die Schulter lang und schräg, der Rücken tragfähig, die Kruppe rund bis leicht abschüssig und häufig gespalten.
Beim Stockmaß gibt es regionale Unterschiede. In Deutschland und Österreich sieht das Zuchtziel meist rund 138 bis 150 cm vor, weltweit werden vereinzelt Tiere bis etwa 155 cm gemessen. Damit bewegt sich der Haflinger im oberen Ponybereich, ist aber kräftig genug, auch erwachsene Reiter zu tragen. Das Gewicht liegt je nach Typ und Kondition zwischen etwa 400 und 600 kg.
Sein Gang ist taktrein, raumgreifend und trotzdem angenehm zu sitzen, mit gutem Schub aus der Hinterhand. Dazu kommt die legendäre Trittsicherheit: Ein Haflinger findet auf rutschigem, steilem und unwegsamem Gelände seinen Weg, wo andere Pferde längst nervös würden. Im Gebirge ist kopfloses Davonrennen lebensgefährlich, deshalb hat die Rasse über Generationen gelernt, in schwierigen Situationen eher ruhig stehen zu bleiben als in Panik zu geraten. Diese Nervenstärke ist buchstäblich in den Bergen entstanden.
Das Fundament ist trocken und hart. Die Beine sind eher kurz, kräftig und korrekt gestellt, die Gelenke stabil, die Hufe klein, fest und von guter Hornqualität. Genau diese festen Hufe erlaubten es den Bergpferden über Generationen, auf steinigem Grund oft ganz ohne Beschlag zu arbeiten. Viele Haflinger laufen bis heute barhuf oder brauchen nur einen leichten Schutz. Der Rumpf ist tief und gut gerippt, die Brust breit, was Platz für Herz und Lunge schafft und die berühmte Ausdauer erklärt.
Auffällig ist auch der Jahreszeitenwechsel im Fell. Als ursprüngliches Gebirgspferd schiebt der Haflinger im Winter ein sehr dichtes, wärmendes Haarkleid und kann bei passender Haltung problemlos draußen leben. Im Sommerfell glänzt das goldene Deckhaar dann in der Sonne, während Mähne und Schweif hell bleiben. Diese üppige, oft leicht gewellte helle Mähne ist Pflegesache und für viele Besitzer ein kleines Ritual, das zur Faszination der Rasse gehört.
Immer ein Fuchs: von Lichtfuchs bis Kohlfuchs
Das auffälligste Merkmal ist die Farbe. Ein Haflinger ist ausnahmslos ein Fuchs, also einfarbig rot bis golden im Körper, kombiniert mit hellem, seidigem Langhaar in Mähne und Schweif, im Idealfall reinweiß. Diese Kombination ist so charakteristisch, dass selbst Menschen ohne Pferdeerfahrung einen Haflinger sofort benennen können. Innerhalb der Fuchsfarbe gibt es aber eine erstaunliche Bandbreite von Schattierungen.
LichtfuchsHellfuchsGoldfuchsDunkelfuchsKohlfuchs
Alle diese Tiere sind reinrassige Haflinger. Der Körper reicht vom fast semmelblonden Lichtfuchs über den begehrten Goldfuchs bis zum tief rotbraunen Kohlfuchs, das Langhaar bleibt hell. Ein ganz heller Fuchs kann auf den ersten Blick fast wie ein Falbe wirken, verrät sich aber durch das typische helle Langhaar.
Erwünscht ist eine klare, einheitliche Grundfarbe. Ein Kopfabzeichen wie Stern oder Blesse ist erlaubt, eine durchgehende Laterne dagegen unerwünscht. Weiße Abzeichen an den Beinen und Stichelhaare im Fell gelten als Fehler. Auch ein zu heller Bauch oder eine gescheckte, geblümte Zeichnung passen nicht zum Standard. Interessant: Der Stammvater Folie trug einen dunklen Aalstrich über den Rücken, ein Erbe seiner Mutter, das man bei manchen Nachkommen noch andeutungsweise findet.Genetik
Warum ein Haflinger immer ein Fuchs ist
Dass jeder Haflinger ein Fuchs ist, ist keine Züchterlaune, sondern reine Genetik. Die Fuchsfarbe wird durch die sogenannte Extension-Genstelle bestimmt. Fuchs ist rezessiv, das entsprechende Allel wird mit e bezeichnet. Ein Pferd ist nur dann ein Fuchs, wenn es die Kombination e/e trägt, also von Vater und Mutter je eine Fuchs-Anlage geerbt hat. Ein reinerbiger Fuchs kann rein farblich betrachtet fast nur wieder Füchse zeugen.
Weil in der reinen Haflingerzucht seit Jahrzehnten ausschließlich Fuchs mit Fuchs verpaart wird, ist die Rasse an dieser Genstelle praktisch vollständig e/e und damit fixiert. Ein schwarzes oder braunes Fohlen kann rein rechnerisch gar nicht mehr fallen. Die unterschiedlichen Fuchstöne vom Licht- bis zum Kohlfuchs entstehen durch weitere modifizierende Erbanlagen, die die Intensität des roten Pigments steuern. Das helle Langhaar wiederum wird als flaxen bezeichnet und tritt bei Füchsen verstärkt auf. Diese saubere genetische Grundlage ist der Grund, warum die goldene Optik über die ganze Welt hinweg so verblüffend konstant bleibt.Wesen
Charakter: charakterstark statt bequem
Im Interieur, also im Wesen, liegt der eigentliche Grund für den weltweiten Erfolg der Rasse. Der Haflinger gilt als ausgeglichen, nervenstark, gutmütig und ausgesprochen menschenbezogen. Er baut bei guter Aufzucht eine enge Bindung zu seinem Menschen auf und bleibt auch in ungewohnten Situationen erstaunlich gelassen. Dazu kommt eine hohe Leistungsbereitschaft und Ausdauer, ein Erbe aus der Zeit als Arbeits- und Tragpferd.
Oft liest man, Haflinger seien stur. Diese Zuschreibung wird der Rasse nicht gerecht. Der Haflinger wurde über Generationen darauf gezüchtet, in gefährlichem Gelände eigenständige Entscheidungen zu treffen, statt blind zu gehorchen. Ein Bergpferd, das jeden Befehl kritiklos ausführt, stürzt im Zweifel den Abhang hinunter. Was manche als Dickköpfigkeit auslegen, ist in Wahrheit ein waches, mitdenkendes Wesen. Ein Haflinger fragt sich gern, ob eine Aufgabe sinnvoll ist, bevor er sie ausführt. Wer ihm faire, klare Regeln und eine Aufgabe gibt, die er versteht, bekommt einen zuverlässigen, mutigen und lernfreudigen Partner. Wer ihn nur über Druck bearbeitet, erntet Widerstand.
Was beim Haflinger als Sturheit gilt, ist meist Intelligenz, die sich nicht überreden lässt.
Diese Kombination aus Ruhe, Kraft im handlichen Format und Freundlichkeit macht ihn zum idealen Familien- und Anfängerpferd. Gleichzeitig fordert sein wacher Verstand erfahrene Reiter durchaus, weil er anspruchsvolle Lektionen schnell erfasst und schnell durchschaut, ob sein Gegenüber weiß, was es tut. Langeweile und stures Wiederholen mag er nicht. Abwechslung, Geländearbeit und echte Aufgaben dagegen sehr.
Für die Ausbildung heißt das: Der Haflinger belohnt Geduld, Konsequenz und ein gutes Gespür für seine Motivation. Er lernt schnell und behält Gelerntes lange, im Guten wie im Weniger-Guten. Ein Pferd, das sich einmal angewöhnt hat, mit seinem Menschen zu verhandeln, tut das gern wieder. Deshalb sind ruhige, klare und faire Regeln so wertvoll. Positive Bestärkung, Abwechslung und ein Reiter, der weiß, was er will, holen das Beste aus ihm heraus. Härte und ständiger Druck dagegen machen ihn nicht williger, sondern nur misstrauisch. Wer diese Sprache spricht, bekommt ein Pferd, das mit Freude bei der Sache ist und sich auch von unerwarteten Situationen kaum erschüttern lässt.Verwendung
Das Universalpferd unter den Kleinpferden
Kaum eine Rasse deckt so viele Einsatzgebiete ab wie der Haflinger. Vom robusten Saumpferd hat er sich zu einem echten Allrounder entwickelt, der sich seinen individuellen Anlagen entsprechend in fast jeder Disziplin wohlfühlt. Ein guter Überblick über sein Können:
- Freizeit- und Wanderreiten: sein Kerngebiet. Trittsicher, ausdauernd und ruhig, ideal für Ausritte, Trekking und mehrtägige Wanderritte, auch in schwierigem Gelände.
- Dressur: mit taktreinen Gängen und guter Rittigkeit bis in mittlere und gehobene Klassen konkurrenzfähig, besonders bei Pony- und Kleinpferdeprüfungen.
- Springen: geschickt, mutig und vorsichtig, für den Freizeit- und Turniersport im Ponybereich gut geeignet.
- Fahren: eine echte Stärke. Kräftig, zuverlässig und gelassen im Verkehr, gefragt als Einzel-, Zweispänner und im Vierergespann.
- Voltigieren: durch Ruhe, Rückenbreite und Taktsicherheit fast ein Idealtyp für den Voltigiersport.
- Westernreiten: wendig und nervenstark, zunehmend auch in Western-Disziplinen erfolgreich.
- Distanzreiten und Skijöring: Ausdauer und Härte zahlen sich hier ebenso aus wie beim ungewöhnlichen Skijöring, bei dem das Pferd Skifahrer zieht.
- Therapiepferd: Gutmütigkeit, Geduld und die passende Größe machen den Haflinger zu einem der beliebtesten Pferde für Hippotherapie und heilpädagogisches Reiten.
- Arbeit im Gelände: als Tragtier zur Versorgung entlegener Almhütten und in der schonenden Waldarbeit ist er bis heute im Einsatz.
Wie breit das Spektrum wirklich ist, zeigt das Haflinger-Europachampionat, das alle drei Jahre ausgetragen wird. Dort messen sich die besten Sporthaflinger Europas in Dressur, Springen, Fahren, Vielseitigkeit und zahlreichen Westerndisziplinen. Ein weiterer traditionsreicher Höhepunkt ist das Haflinger-Galopprennen, das jedes Jahr zu Ostern auf der Rennbahn in Meran stattfindet und beweist, dass die goldenen Bergpferde auch Tempo und Ausdauer mitbringen.
Trotz aller sportlichen Karriere hat der Haflinger seine ursprüngliche Rolle nie ganz verloren. In alpinen Regionen versorgt er noch heute als Tragtier abgelegene Almhütten, und in der bodenschonenden Waldarbeit rückt er Stämme dort, wo schwere Maschinen den Boden zerstören würden. Dazu kommt seine feste Rolle im Brauchtum: Bei Umzügen, Hochzeiten und Festen ziehen geschmückte Haflingergespanne die Kutschen, und die großen Gestütsparaden mit ihren galoppierenden Herden sind längst eigene Publikumsmagnete geworden. Vom Arbeitstier zum Sportler und Botschafter seiner Heimat hat diese Rasse eine seltene Bandbreite bewahrt.Reinzucht
Geschlossenes Zuchtbuch, 1,56 Prozent und der Edelbluthaflinger
Ein Thema sorgt in der Haflingerwelt bis heute für lebhafte Diskussionen: die Reinheit der Rasse. Als in der Nachkriegszeit sportlichere, größere Reitpferde gefragt waren, kreuzten manche Züchter erneut arabisches Vollblut ein, um mehr Adel und Bewegung zu bekommen. Die Ursprungsverbände in Südtirol und Österreich lehnten diesen Weg ab. Sie wollten den ursprünglichen, robusten Haflingertyp bewahren und legten deshalb eine strenge Obergrenze für fremdes Blut fest.
Genau nachgerechnet
Ein reinrassiger Haflinger darf maximal 1,56 Prozent zusätzliches Araberblut tragen, bezogen auf sechs Generationen. Diese krumme Zahl ist keine willkürliche Erfindung, sondern reine Mathematik: Ein einzelner arabischer Vorfahr in der sechsten Generation steuert genau ein Vierundsechzigstel bei, und 1 geteilt durch 64 ergibt 1,5625 Prozent. Die Regel erlaubt also im Kern gerade noch das Erbe eines einzigen Arabers, sechs Generationen zurück, und nicht mehr.
Auf der Vaterseite ist die Zucht noch strenger. Seit der Schließung des Zuchtbuchs, in Nordtirol bereits 1920, darf nach dem Hengst Folie kein Fremdblut mehr zugeführt werden. Reinrassige Haflinger sind daher heute über zwanzig Generationen und mehr durchgezogen. In manchen Verbänden wurde der ursprüngliche Araberanteil rechnerisch sogar auf null gesetzt. Ganz sauber 0,00 Prozent wird ein Haflinger dennoch nie erreichen, weil der halborientalische Folie am Anfang der Rasse steht.
Wenn mehr Araberblut fließt: der Edelbluthaflinger
Tiere, die über der 1,56-Prozent-Grenze liegen, gelten nicht mehr als reinrassige Haflinger. Nachdem 1997 Italien von der EU offiziell als Ursprungsland der Rasse festgeschrieben wurde, einigten sich die Verbände 2003 auf einen klaren Weg. In Deutschland werden veredelte Haflinger mit mehr als 1,56 und bis zu 25 Prozent Araberblut seit 2006 beziehungsweise 2008 in einem eigenen Zuchtbuch als Edelbluthaflinger geführt.
Der Edelbluthaflinger ist damit eine eigene, junge Rasse. Er ist etwas größer, feiner und sportlicher als der klassische Haflinger, mit einem Stockmaß von etwa 142 bis 152 cm, und wurde gezielt als elegantes Reit- und Freizeitpferd herausgezüchtet. Optisch bleibt er ein Fuchs mit hellem Langhaar, wirkt aber insgesamt filigraner. Wichtig zu wissen: Ein einmal als Edelbluthaflinger eingetragenes Pferd und seine Nachkommen werden nie wieder zu reinen Haflingern. Das reine Zuchtbuch bleibt geschlossen.
Rekordort
Das größte Gestüt einer durchgezüchteten Haflinger- und Edelbluthaflingerherde steht nicht in Südtirol, sondern in Thüringen. Das Haflingergestüt Meura im Thüringer Wald hält je nach Saison mehrere hundert Tiere, die in großen Herden auf den Bergwiesen leben und ihre Fohlen im natürlichen Herdenverband zur Welt bringen. Sogar Stutenmilch wird dort gewonnen und weiterverarbeitet. Die berühmten Gestütsparaden, bei denen Dutzende Haflinger mit wehenden Mähnen gemeinsam über den Platz stürmen, locken jedes Jahr Tausende Besucher an.
Zuchtwesen
Körung, Leistungsprüfung und das Edelweiß-Brandzeichen
Hinter der einheitlichen Qualität der Rasse steckt ein ausgefeiltes Zuchtwesen, das viele Freizeitreiter gar nicht kennen. Ein Haflinger wird nicht einfach so zum Zuchttier. Ob ein junges Pferd überhaupt in die Zucht darf, entscheiden strenge Auswahlverfahren, die auf Gesundheit, Typ, Bewegung und Leistung achten.
Wie ein Hengst zur Zucht zugelassen wird
Bei den Hengsten steht am Anfang die Körung. Dabei beurteilt eine Kommission das Exterieur, also den Körperbau, sowie die Bewegung und den Gesamteindruck. Nur Hengste, die genügend Punkte erreichen und dem Zuchtziel entsprechen, werden gekört und ins Hengstbuch I eingetragen. Danach folgt die Hengstleistungsprüfung, in der Rittigkeit, Charakter, Fahranlagen und teils die Springveranlagung geprüft werden. Erst wer beides besteht, darf reinrassige Nachkommen zeugen. Bei den Stuten gibt es die Stutenleistungsprüfung und die Eintragung ins Stutbuch, gestaffelt nach Qualität in verschiedene Abteilungen. Dieses konsequente Prüfen über Generationen ist der eigentliche Grund, warum der moderne Haflinger sowohl seinen typischen Charme behalten als auch seine Reiteigenschaften stark verbessern konnte.
Bemerkenswert ist, wie flexibel die Rasse dabei blieb. Der Haflinger hat im Lauf eines Jahrhunderts gleich mehrere Zuchtziele durchlaufen, vom Tragtier über das bäuerliche Wirtschaftspferd bis zum modernen Freizeit- und Sportpartner. Dass dieser Wandel in relativ kurzer Zeit gelang, ohne die Identität der Rasse zu verlieren, spricht für die genetische Vielschichtigkeit, die schon in Folie angelegt war.
Das Edelweiß mit dem H
Viele Haflinger tragen ein Brandzeichen auf dem hinteren Oberschenkel, das zu den bekanntesten der Pferdewelt gehört. Das klassische Original ist ein stilisiertes Edelweiß mit einem H in der Mitte, das Stuten nach erfolgter Eintragung ins Stutbuch erhielten. Fohlen bekamen häufig ein H mit einem regionalen Landeskennbuchstaben. Weil verschiedene Länder und Verbände eigene Varianten verwendeten, findest du heute unterschiedliche Zeichen, vom Edelweiß über sternförmige Umrandungen bis zu regionalen Ponybränden. Inzwischen ist der Heißbrand vielerorts durch den elektronischen Mikrochip abgelöst oder ergänzt worden, doch das Edelweiß bleibt ein starkes Symbol der Rasse. Ein Brandzeichen allein sagt übrigens nichts über den Wert eines Pferdes aus. Entscheidend sind die Abstammungspapiere und die tatsächliche Qualität des Tieres.
Detail am Rande
Bei stark arabisierten Tieren schreiben manche Zuchtordnungen eine besondere Kennzeichnung vor. Ein X vor der Zuchtbuchbezeichnung markiert einen erhöhten Araberanteil, und der genaue Prozentsatz wird auf drei Nachkommastellen hinter dem Pferdenamen ausgewiesen. So lässt sich die Blutführung eines Haflingers bis ins Detail nachvollziehen, ein Grad an Transparenz, den nur wenige Rassen bieten.
Gesundheit
Gesundheit und ein oft verschwiegenes Risiko
Der Haflinger gilt zu Recht als robuste, langlebige und wenig krankheitsanfällige Rasse. Viele Tiere werden 25 bis 30 Jahre alt, manche deutlich älter, und bleiben bis ins hohe Alter rittig. Diese Härte ist das Erbe der kargen Bergheimat. Genau daraus ergeben sich aber auch zwei Themen, die in oberflächlichen Ratgebern gern untergehen und die du als Halter kennen solltest.
Der leichtfuttrige Stoffwechsel
Ein Haflinger ist so genügsam, dass er auf einer üppigen Weide schnell verfettet. Ein Pferd, das über Generationen mit kargem Bergfutter zurechtkommen musste, ist auf saftigem Grün und energiereichem Kraftfutter regelrecht überversorgt. Übergewicht ist bei der Rasse ein reales Problem und kann zu Stoffwechselerkrankungen und im schlimmsten Fall zu Hufrehe führen, einer schmerzhaften Entzündung der Huflederhaut. Als grober Anhaltspunkt braucht ein Haflinger etwa acht Kilogramm Heu am Tag, angepasst an Arbeit und Kondition. Eine bedarfsgerechte, eher magere Fütterung, viel Bewegung und der kritische Blick auf Weidezeiten sind für dieses leichtfuttrige Pferd wichtiger als für viele andere Rassen.
Erblich, aber testbar
Okulares Plattenepithelkarzinom. Der Haflinger hat als eine der wenigen Rassen eine nachgewiesene erbliche Anfälligkeit für einen bösartigen Tumor am Auge, das okulare Plattenepithelkarzinom. Es befällt Lider, Bindehaut und Hornhaut und kann unbehandelt bis zum Verlust des Auges führen. Als genetische Ursache wurde eine Punktmutation im Gen DDB2 identifiziert, das normalerweise hilft, durch UV-Licht geschädigte DNA zu reparieren. Das Risiko-Allel, in der Fachliteratur DDB2-R genannt, wird rezessiv vererbt: Erst Tiere, die es doppelt tragen, haben ein stark erhöhtes Erkrankungsrisiko, verstärkt durch die helle Haut und viel Sonne. Die gute Nachricht: Der Status lässt sich über eine einfache Haarprobe im Labor bestimmen, meist für rund 50 Euro. Wer ein Risikotier kennt, kann die Augen regelmäßig kontrollieren lassen und in der Zucht gezielt gegensteuern. Früh erkannt, lässt sich der Tumor oft gut behandeln.
Daneben ist der Haflinger, wie viele helle Pferde, etwas anfälliger für sonnenbedingte Hautprobleme und, wie alle Pferde, für equine Sarkoide, die häufigsten Hauttumoren beim Pferd. Insgesamt bleibt er aber ein gesundes, unkompliziertes Pferd. Wichtig sind eine trockene, saubere und luftige Unterbringung, viel freie Bewegung, artgerechte Haltung möglichst in der Herde und eine konsequent an seinen sparsamen Stoffwechsel angepasste Fütterung. Dann hast du sehr lange Freude an ihm.Alltag
Haltung und Fütterung im Alltag
So unkompliziert der Haflinger ist, ein paar Dinge solltest du bei der täglichen Haltung beachten, gerade weil er so genügsam und robust gebaut ist. Vieles ergibt sich direkt aus seiner Herkunft als Bergpferd.
Bewegung und Herde
Der Haflinger ist ein Herdentier durch und durch und fühlt sich in Gesellschaft anderer Pferde am wohlsten. Eine Haltung mit viel freier Bewegung, etwa im Offenstall oder in der Aktivstall-Gruppe, kommt seinem Naturell entgegen und hilft zugleich, überschüssige Energie und Kalorien abzubauen. Bewegung ist bei dieser Rasse nicht nur Beschäftigung, sondern echte Gesundheitsvorsorge, weil sie Gewicht und Stoffwechsel im Griff hält. Wichtig ist ein trockener, sauberer und gut belüfteter Unterstand, in dem sich das Pferd bei jedem Wetter zurückziehen kann.
Fütterung für ein leichtfuttriges Pferd
Die größte Gefahr für einen Haflinger ist gut gemeintes Futter. Weil sein Körper darauf ausgelegt ist, aus wenig viel zu machen, reicht ihm meist deutlich weniger, als man einem Pferd seiner Größe zutrauen würde. Die Basis bildet gutes Raufutter, also Heu von passender Qualität, ergänzt um Wasser und einen an den Bedarf angepassten Mineralstoffausgleich. Kraftfutter braucht ein Freizeithaflinger in normaler Arbeit oft gar nicht oder nur in kleinen Mengen. Besondere Vorsicht ist bei jungem, energiereichem Weidegras im Frühjahr geboten. Begrenzte Weidezeiten, ein Fressbremskorb oder eine abgesteckte Magerweide können hier viel Ärger ersparen. Ein gesunder Haflinger sollte weder Rippen zeigen noch Fettpolster am Mähnenkamm, an der Kruppe oder hinter der Schulter ansetzen. Der prüfende Blick auf die Kondition gehört bei dieser Rasse einfach dazu.
Fell, Hufe und Pflege
Das dichte Winterfell macht den Haflinger wetterfest, kann bei Sport im Winter aber auch zum Thema werden, weil das Pferd unter dem Sattel schnell schwitzt und lange zum Trocknen braucht. Manche Besitzer scheren deshalb im Winter, was dann eine Decke nötig macht. Die üppige helle Mähne und der Schweif wollen regelmäßig gepflegt werden, damit sie nicht verfilzen. Die festen Hufe sind ein Geschenk der Bergheimat, brauchen aber trotzdem die regelmäßige Kontrolle und Bearbeitung durch die Hufpflege. Ein gesunder, gut gehaltener Haflinger stellt an all das keine übertriebenen Ansprüche, er dankt eine artgerechte Haltung mit Gesundheit und langer Lebensfreude.Kaufberatung
Einen Haflinger kaufen: worauf du achten solltest
Wenn du mit dem Gedanken spielst, einen Haflinger zu kaufen, lohnt sich ein genauer Blick, denn der Markt ist groß und die Qualität sehr unterschiedlich. Der Preis hängt stark von Ausbildungsstand, Abstammung, Alter und sportlichen Erfolgen ab. Ein junges, unausgebildetes Fohlen liegt in einer ganz anderen Preisklasse als ein fertig gerittenes Turnierpferd oder ein gekörter Hengst aus erfolgreicher Linie. Statt auf ein Schnäppchen zu schielen, achtest du besser auf Substanz.
- Papiere prüfen. Lass dir die Abstammungsurkunde zeigen. Sie verrät die Linie, den Araberanteil und ob es sich um einen reinrassigen Haflinger oder einen Edelbluthaflinger handelt.
- Auf die Kondition achten. Gerade bei dieser leichtfuttrigen Rasse ist ein bereits verfettetes Pferd ein Warnzeichen, das auf jahrelange Überfütterung und mögliche Stoffwechselprobleme hindeuten kann.
- Ankaufsuntersuchung. Eine tierärztliche Ankaufsuntersuchung ist bei jedem Pferdekauf sinnvoll. Sie deckt gesundheitliche Risiken auf, bevor sie dich teuer zu stehen kommen.
- An den Gentest denken. Weil die Rasse erblich anfällig für das okulare Plattenepithelkarzinom ist, kann ein DDB2-Gentest per Haarprobe Klarheit über das Risiko schaffen, besonders wenn du später selbst züchten möchtest.
- Charakter und Eignung. Überlege ehrlich, was du vorhast. Ein ruhiger, gut ausgebildeter Freizeitpartner passt zu anderen Menschen als ein junges, temperamentvolles Nachwuchspferd. Der Haflinger ist vielseitig, aber jedes Tier hat seinen eigenen Kopf.
Nimm dir Zeit, besuche das Pferd mehrmals, probiere es in Ruhe aus und lass dich von erfahrenen Menschen begleiten. Ein Haflinger begleitet dich bei guter Haltung oft zwei bis drei Jahrzehnte. Diese Entscheidung darf in Ruhe reifen.Kurioses
Geschichten, die kaum eine Rasseseite erzählt
Zum Schluss ein paar Fakten, die den Haflinger vom bloßen Freizeitpony abheben und zeigen, wie tief diese Rasse in Kultur, Technik und sogar Wissenschaft verwurzelt ist.
Wissenschaftsgeschichte
Das erste geklonte Pferd der Welt war ein Haflinger. Am 28. Mai 2003 kam im Labor für Reproduktionstechnologie im norditalienischen Cremona ein Stutfohlen namens Prometea zur Welt, benannt nach dem Titanen Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte. Es war das erste geklonte Pferd überhaupt, erschaffen vom Team um Professor Cesare Galli. Das Besondere geht noch weiter: Prometea wurde aus einer Hautzelle ihrer eigenen Mutter geklont und dann von genau dieser Mutter ausgetragen. Mutter und Fohlen waren also genetisch identische Zwillinge, und erstmals hat ein Säugetier seinen eigenen Klon geboren. Von 841 rekonstruierten Embryonen führte am Ende nur einer zu einer lebenden Geburt. 2008 brachte Prometea selbst ein gesundes Fohlen zur Welt und bewies damit, dass geklonte Tiere ganz normal Nachwuchs bekommen können.
Technikgeschichte
Ein Geländewagen trägt seinen Namen. Der Steyr-Puch Haflinger, gebaut von 1959 bis 1974, ist ein kleiner, extrem geländegängiger Allradwagen aus Österreich. Er wurde bewusst nach der Pferderasse benannt, weil er wie sein Namensgeber klein, leicht und im steilsten Gebirge trittsicher sein sollte. Rund 16.600 Stück liefen vom Band und wurden in über 100 Länder exportiert, unter anderem an die Heere Österreichs und der Schweiz. Konstruiert hat ihn Erich Ledwinka, Sohn des legendären Tatra-Chefkonstrukteurs. Selbst Queen Elizabeth II. wurde 1969 bei einem Österreichbesuch an Bord eines solchen Haflingers fotografiert. Der Wagen konnte von vier kräftigen Menschen angehoben werden und trotzdem eine halbe Tonne Last tragen, ganz wie das Bergpferd, dem er nachempfunden ist.
- Die Haflingerstraße. In Südtirol verbindet eine eigene touristische Route historisch bedeutsame Orte der Haflingerzucht, von Bruneck über die Seiser Alm, Jenesien, Hafling und Meran bis nach Schluderns, dem Geburtsort der Rasse.
- Ein eigenes Museum. In Jenesien bei Bozen widmet sich ein Haflingermuseum ganz der Geschichte und Bedeutung der Rasse und ihrer engen Verbindung zum bäuerlichen Alpenleben.
- Prominente Fans. Zu den bekanntesten Haflingerzüchtern zählt Norbert Rier, der Sänger der Kastelruther Spatzen.
- Eine Weltrasse aus einem Dorf. Von einem einzigen Fohlen aus Schluderns hat es der Haflinger in über 70 Länder auf mehreren Kontinenten geschafft, von den Alpen über Nordamerika bis Australien.
Einordnung
Der Haflinger im Vergleich zu ähnlichen Rassen
Wer nach einem robusten, gutmütigen Kleinpferd sucht, stößt schnell auf mehrere Rassen mit ähnlichem Ruf. Ein kurzer Vergleich hilft, den Haflinger richtig einzuordnen.
Der Noriker stammt aus demselben Alpenraum, ist aber ein echtes Kaltblut: deutlich größer, schwerer und kräftiger, ein klassisches Zugpferd. Er kommt zudem in vielen Farben vor, darunter auffällige Tiger- und Schecktöne. Interessant ist, dass Noriker und Haflinger die erbliche Anfälligkeit für das Augenkarzinom teilen, weshalb beide Rassen gemeinsam in Forschungsprogrammen dazu untersucht werden. Wer ein handliches Reitpferd sucht, ist beim Haflinger richtig, wer ein starkes Zugpferd braucht, eher beim Noriker.
Das norwegische Fjordpferd besetzt eine ähnliche Nische als robustes, freundliches Familienpony, sieht aber ganz anders aus. Es ist ein Falbe in erdigen Tönen mit dunklem Aalstrich und einer typisch zweifarbigen, aufrecht stehenden Stehmähne, während der Haflinger ein Fuchs mit langer, hell hängender Mähne ist. Beide gelten als nervenstark und anfängerfreundlich.
Britische Rassen wie das Welsh Pony und der Welsh Cob sind sportlicher und feiner im Typ, kommen in vielen Farben vor und wirken oft temperamentvoller. Der Edelbluthaflinger schließlich ist der nächste Verwandte des Haflingers und lässt sich als seine elegantere, etwas größere Sportvariante beschreiben, mit demselben goldenen Erscheinungsbild, aber höherem Araberanteil. Der klassische Haflinger bleibt unter all diesen Rassen der unverwechselbare goldene Allrounder aus den Südtiroler Bergen.Häufige Fragen
Kurz beantwortet
Ist der Haflinger ein Pony oder ein Pferd?
Nach dem Stockmaß zählt der Haflinger zu den Kleinpferden und liegt meist im oberen Ponybereich, also unter oder um 148 cm. Vom Typ her ist er ein kräftiges Gebirgspony mit ausgeprägten Reitpferdeeigenschaften. In Ponyprüfungen wird er entsprechend eingestuft, kann aber problemlos auch Erwachsene tragen. Wie viel Gewicht kann ein Haflinger tragen?
Als grobe Faustregel gilt für Pferde ein Reitergewicht von etwa 15 bis 20 Prozent des Körpergewichts inklusive Sattel. Bei einem 500 bis 600 kg schweren, gut trainierten und gesunden Haflinger sind das rund 90 bis 120 kg. Entscheidend sind aber immer der individuelle Bau, das Alter, der Trainingszustand und die Rückengesundheit des einzelnen Pferdes. Warum ist jeder Haflinger ein Fuchs?
Weil die Rasse an der zuständigen Genstelle vollständig auf die Fuchsanlage festgelegt ist. Fuchs ist rezessiv und wird nur ausgeprägt, wenn ein Pferd die Anlage doppelt trägt. Da seit Jahrzehnten ausschließlich Fuchs mit Fuchs verpaart wird, fallen praktisch nur noch Füchse, von hell bis dunkel, immer mit hellem Langhaar. Wie alt wird ein Haflinger?
Haflinger sind sehr langlebig. 25 bis 30 Jahre sind normal, bei guter Haltung und tierärztlicher Betreuung werden viele Tiere noch älter und bleiben lange reitbar. Was ist der Unterschied zwischen Haflinger und Edelbluthaflinger?
Der reinrassige Haflinger trägt maximal 1,56 Prozent Araberblut und entspricht dem ursprünglichen, robusten Typ. Der Edelbluthaflinger ist eine eigene, jüngere Rasse mit gezielt höherem Araberanteil, meist etwas größer, feiner und sportlicher, aber ebenfalls Fuchs mit hellem Langhaar. Eignet sich ein Haflinger für Anfänger und Kinder?
Ja, sehr gut. Nervenstärke, Gutmütigkeit, die handliche Größe und die enge Bindung zum Menschen machen ihn zu einem beliebten Familien- und Anfängerpferd. Sein waches, mitdenkendes Wesen braucht allerdings klare, faire Führung, sonst nutzt ein cleverer Haflinger Lücken gern aus. Sind Haflinger und Aveligneser dasselbe?
Ja. Aveligneser ist die ältere, vor allem in Italien gebräuchliche Bezeichnung, abgeleitet vom italienischen Namen des Dorfes Hafling, also Avelengo. Gemeint ist dieselbe Rasse. Kann man mit einem Haflinger auf Turnieren starten?
Durchaus. Haflinger und Edelbluthaflinger sind auf Turnieren in Dressur, Springen und im Fahrsport unterwegs, vor allem in Pony- und Kleinpferdeprüfungen. Es gibt sogar eigene Championate wie das Haflinger-Europachampionat, bei dem sich die besten Sporthaflinger in mehreren Disziplinen messen. Was kostet ein Haflinger?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht, weil der Preis stark schwankt. Entscheidend sind Alter, Ausbildungsstand, Abstammung, Gesundheit und sportliche Erfolge. Ein rohes Jungpferd ist deutlich günstiger als ein fertig ausgebildeter, erfahrener Freizeit- oder Turnierpartner. Rechne neben dem Kaufpreis unbedingt die laufenden Kosten für Unterbringung, Futter, Hufpflege, Tierarzt und Ausrüstung ein, die über die Jahre den größeren Posten ausmachen. Warum wirken manche Haflinger fast wie Falben?
Ein sehr heller Lichtfuchs kann auf den ersten Blick an einen Falben erinnern. Der Unterschied liegt im Langhaar und in der Genetik: Der Haflinger ist immer ein reinerbiger Fuchs, sein helles Langhaar entsteht nicht durch das Falbgen, sondern durch die typische Aufhellung der Fuchsfarbe. Ein echter Falbe hätte zudem einen deutlichen Aalstrich und meist dunkleres Langhaar.
Auf einen Blick
Das Wichtigste zum Haflinger
- Entstanden in den Bergen Südtirols, benannt nach dem Dorf Hafling, offiziell anerkannt 1898.
- Alle reinrassigen Haflinger gehen väterlich auf einen einzigen Hengst zurück: 249 Folie, geboren 1874.
- Sieben Hengstlinien, ein streng geschlossenes Zuchtbuch und höchstens 1,56 Prozent Araberblut sichern den einheitlichen Typ.
- Immer ein Fuchs mit hellem Langhaar, mittelgroß, kräftig, außergewöhnlich trittsicher und nervenstark.
- Ein echtes Universalpferd: Freizeit, Dressur, Springen, Fahren, Voltigieren, Western, Therapie.
- Robust und langlebig, aber leichtfuttrig, mit erblichem Risiko für ein okulares Plattenepithelkarzinom, das sich per Gentest abklären lässt.
- Kulturell tief verankert: erstes geklontes Pferd der Welt, ein nach ihm benannter Geländewagen und ein eigenes Museum.
Vom Tragtier der Bergbauern zum goldenen Allrounder für die ganze Familie: Der Haflinger vereint die Härte des Gebirgspferds mit dem Adel des Orientalen und einem Wesen, das ihn zu einem der beliebtesten Kleinpferde der Welt gemacht hat. Wer ihn versteht, bekommt keinen sturen Dickkopf, sondern einen klugen, mutigen und treuen Partner.