
Gescheckte Pferde: Pinto, Paint Horse, Rappschecken, Fuchsschecken und die faszinierende Genetik der Scheckung
Was sind gescheckte Pferde?
Es gibt Pferde, die wirken elegant, andere kraftvoll, wieder andere beeindrucken durch ihre außergewöhnliche Ausstrahlung. Gescheckte Pferde schaffen etwas, das nur wenige Fellfarben erreichen: Sie ziehen den Blick bereits aus großer Entfernung auf sich. Die kontrastreichen weißen und farbigen Flächen verleihen jedem einzelnen Tier ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Kein Schecke gleicht dem anderen. Selbst Vollgeschwister besitzen meist völlig unterschiedliche Zeichnungen, sodass jedes Pferd beinahe wie ein kleines Kunstwerk der Natur wirkt.
Dabei ist die Bezeichnung „Schecke“ zunächst wesentlich einfacher, als viele Reiter vermuten. Gemeint ist ein Pferd, dessen Fell aus größeren weißen und farbigen Bereichen besteht. Die weißen Flächen entstehen nicht zufällig und auch nicht durch eine spätere Aufhellung des Fells, sondern sind genetisch festgelegt. Unter ihnen befindet sich normalerweise rosa Haut, während die farbigen Bereiche dunkel pigmentiert sind. Genau dieses Zusammenspiel aus Pigment und fehlendem Pigment erzeugt die auffälligen Muster, die gescheckte Pferde seit Jahrhunderten so beliebt machen.
Ob auf der Weide, im Dressurviereck, vor der Kutsche oder beim Westernreiten – Schecken gibt es heute in nahezu allen Reitweisen. Während manche Menschen vor allem schwarz-weiß gefleckte Pferde faszinierend finden, bevorzugen andere rot-weiße Fuchsschecken oder elegante Braunschecken. Auch goldene Palominoschecken oder Falbschecken sind möglich. Die eigentliche Scheckung ist nämlich nur ein zusätzlicher „Anstrich“, der sich über nahezu jede Grundfarbe legen kann.
Gerade deshalb entstehen rund um gescheckte Pferde immer wieder Missverständnisse. Viele Reiter sprechen von einem Pinto, obwohl sie eigentlich nur ein geschecktes Pferd meinen. Andere glauben, ein Paint Horse sei einfach ein besonders schöner Pinto. Wieder andere halten den Pinto für eine eigenständige Pferderasse oder gehen davon aus, dass alle Schecken dieselbe Genetik besitzen. Tatsächlich steckt hinter den weißen Flecken jedoch ein erstaunlich komplexes Zusammenspiel verschiedener Gene, die sich teilweise völlig unterschiedlich vererben.
Wer sich näher mit Schecken beschäftigt, stößt deshalb zwangsläufig auf Begriffe wie Tobiano, Overo, Tovero oder Sabino. Hinzu kommen genetische Besonderheiten, die für Züchter von großer Bedeutung sind. Manche Scheckmuster lassen sich problemlos miteinander verpaaren, bei anderen sind Gentests heute praktisch unverzichtbar, um gesundheitliche Risiken für die Fohlen auszuschließen.
Dieser Beitrag erklärt deshalb nicht nur, welche Arten von Schecken es gibt, sondern auch, wodurch sich Pinto und Paint Horse unterscheiden, wie Rappschecken oder Fuchsschecken entstehen und weshalb zwei äußerlich sehr ähnliche Pferde genetisch vollkommen unterschiedlich sein können.
Schecke ist nicht gleich Schecke
Wer zum ersten Mal bewusst auf gescheckte Pferde achtet, stellt schnell fest, dass ihre Zeichnungen erstaunlich unterschiedlich aussehen können. Manche Tiere besitzen große, klar abgegrenzte weiße Flächen, die sich wie breite Bahnen über Rücken und Flanken ziehen. Andere wirken, als hätte jemand weiße Farbe unregelmäßig über den Körper gespritzt. Wieder andere zeigen lediglich einige größere weiße Partien an Bauch oder Hals, während der übrige Körper fast vollständig dunkel bleibt.
Lange Zeit glaubte man, es handele sich dabei lediglich um unterschiedliche Ausprägungen derselben Fellfarbe. Inzwischen weiß man jedoch, dass hinter den verschiedenen Zeichnungen unterschiedliche genetische Mechanismen stehen. Zwei Pferde können auf den ersten Blick nahezu identisch aussehen und dennoch völlig verschiedene Gene tragen. Umgekehrt können Geschwister mit derselben genetischen Grundlage sehr unterschiedlich gezeichnet sein.
Genau deshalb reicht es heute nicht mehr aus, ein Pferd lediglich als „Schecke“ zu bezeichnen. Wer sich ernsthaft mit Zucht oder Genetik beschäftigt, unterscheidet zwischen mehreren eigenständigen Scheckmustern. Die wichtigsten sind Tobiano, Frame Overo, Splashed White und Sabino. Darüber hinaus existieren zahlreiche weitere Weißzeichnungsgene sowie Kombinationen mehrerer Muster, die gemeinsam wieder ganz neue Erscheinungsbilder hervorbringen.
Für den normalen Freizeitreiter spielt diese Unterscheidung oft keine große Rolle. Wer jedoch ein geschecktes Pferd kaufen möchte oder sogar eine Zucht plant, sollte wissen, welche genetische Grundlage hinter der Fellzeichnung steckt. Besonders beim Frame Overo gibt es einen entscheidenden Unterschied zu anderen Scheckmustern, denn hier können bestimmte Anpaarungen zu einer schweren Erbkrankheit führen. Moderne DNA-Tests ermöglichen es heute, dieses Risiko zuverlässig auszuschließen.
Die sichtbare Zeichnung erzählt also nur einen Teil der Geschichte. Sie verrät nicht automatisch, welches Scheckgen tatsächlich vorhanden ist und schon gar nicht, welche Gene das Pferd an seine Nachkommen weitergeben wird.
Welche Pferde gelten überhaupt als Schecken?
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden alle Pferde mit größeren weißen und farbigen Flächen als Schecken bezeichnet. Diese Definition ist für den Alltag durchaus sinnvoll, denn sie beschreibt das auffällige Erscheinungsbild sehr gut. Aus genetischer Sicht ist sie allerdings etwas zu ungenau.
Nicht jedes gefleckte Pferd gehört automatisch zu den klassischen Plattenschecken. Besonders häufig werden beispielsweise Appaloosas oder Knabstrupper mit Schecken verwechselt. Beide besitzen ebenfalls auffällige Flecken oder großflächige Zeichnungen, ihre Muster beruhen jedoch auf einer völlig anderen genetischen Grundlage, dem sogenannten Leopard-Komplex. Deshalb werden Tigerschecken in der Pferdezucht als eigene Gruppe betrachtet und nicht zu den klassischen Plattenschecken gezählt.
Auch Schimmel sorgen immer wieder für Verwirrung. Ein junges Schimmelfohlen kann zunächst dunkel geboren werden und im Laufe der Jahre nahezu vollständig weiß werden. Obwohl ein älterer Schimmel äußerlich manchmal einem sehr hellen Schecken ähnelt, unterscheiden sich beide Farben grundlegend. Beim Schimmel hellt das Fell mit zunehmendem Alter auf, während die Haut unter den Haaren meist dunkel bleibt. Beim echten Schecken dagegen entstehen die weißen Bereiche bereits während der Embryonalentwicklung. Dort fehlen die Pigmentzellen vollständig, weshalb sich unter den weißen Fellpartien rosa Haut befindet.
Ebenso gehören große Kopfabzeichen oder hohe weiße Beine allein noch nicht zu den eigentlichen Scheckungen. Viele einfarbige Pferde besitzen auffällige Blessen oder weiße Strümpfe, ohne genetisch ein Schecke zu sein. Erst wenn größere weiße Körperflächen hinzukommen, spricht man von einer echten Plattenscheckung.
Damit wird auch deutlich, weshalb sich Schecken nicht über eine einzige Fellzeichnung definieren lassen. Entscheidend ist nicht nur das Aussehen, sondern vor allem die genetische Ursache der weißen Flächen.
Pinto – Pferderasse oder nur eine Farbe?
Kaum ein Begriff sorgt in der Pferdewelt für so viele Missverständnisse wie der Pinto. Wer im Internet nach einer „Pferderasse Pinto“ sucht, findet oft völlig unterschiedliche Antworten. Manche Webseiten behaupten kategorisch, Pinto sei überhaupt keine Rasse. Andere sprechen wiederum ganz selbstverständlich von der Rasse Pinto. Beide Aussagen enthalten einen wahren Kern, greifen für sich allein aber zu kurz.
Ursprünglich bezeichnet das Wort Pinto zunächst nichts anderes als ein geschecktes Pferd. Der Begriff stammt aus dem Spanischen und bedeutet sinngemäß „bemalt“ oder „gefleckt“. Gemeint war also ursprünglich ausschließlich die auffällige Fellzeichnung und nicht ein bestimmter Pferdetyp.
Ein Pinto konnte daher schon immer ganz unterschiedliche Vorfahren besitzen. Es gab elegante Warmblüter, kräftige Kaltblüter, Ponys, Araber oder Barockpferde mit Scheckzeichnung. Körperbau, Größe, Charakter und Einsatzgebiet konnten völlig unterschiedlich sein. Gemeinsam hatten diese Pferde lediglich ihre auffällige Fellfarbe.
Im Laufe der Zeit entstanden jedoch verschiedene Zuchtverbände, die sich gezielt auf gescheckte Pferde spezialisierten. Vor allem in Europa wurden eigene Pinto-Zuchtbücher aufgebaut. Dort spielt die Scheckzeichnung zwar weiterhin eine zentrale Rolle, gleichzeitig werden aber auch Exterieur, Gesundheit, Abstammung und Nutzung berücksichtigt. Aus diesem Grund führen einige Zuchtverbände den Pinto heute formal tatsächlich als eigene Zuchtpopulation beziehungsweise als Pferderasse.
Für den normalen Pferdebesitzer lässt sich der Unterschied recht einfach zusammenfassen: Die Bezeichnung Pinto beschreibt in erster Linie ein geschecktes Pferd beziehungsweise eine Farbzucht. Gleichzeitig existieren Zuchtverbände, die unter dem Namen Pinto organisierte Zuchtprogramme führen. Deshalb ist weder die Aussage „Pinto ist immer eine Rasse“ noch „Pinto ist niemals eine Rasse“ vollständig richtig. Beide Sichtweisen betrachten lediglich unterschiedliche Ebenen desselben Begriffs.
Wer lediglich ein wunderschön geschecktes Freizeitpferd besitzt, muss also keineswegs automatisch einen eingetragenen Pinto haben. Umgekehrt kann ein offiziell registrierter Pinto durchaus deutlich mehr sein als nur ein beliebiges Pferd mit weißen Flecken.

Tobiano – der klassische Schecke
Wer an ein geschecktes Pferd denkt, hat meist unbewusst einen Tobiano vor Augen. Dieses Scheckmuster ist in Europa besonders weit verbreitet und prägt das Erscheinungsbild vieler Pintos, Tinker, Lewitzer, Barockpintos und zahlreicher anderer gescheckter Pferde. Die großen, harmonisch wirkenden weißen Flächen verleihen Tobianos häufig ein ausgesprochen elegantes Erscheinungsbild, weshalb diese Zeichnung seit Jahrhunderten gezielt weitergezüchtet wird.
Typisch für einen Tobiano ist, dass die weißen Bereiche häufig über die Rückenlinie hinweg verlaufen. Während sich die farbigen Partien oft wie größere Inseln über Hals, Brust oder Flanken verteilen, ziehen die weißen Flächen von einer Körperseite auf die andere. Besonders auffällig sind außerdem die Beine. Viele Tobianos besitzen vier überwiegend weiße Beine oder zumindest sehr hoch reichende weiße Abzeichen. Der Kopf dagegen bleibt häufig deutlich dunkler und zeigt oft nur die klassischen Abzeichen wie Stern, Schnippe oder Blesse. Natürlich gibt es zahlreiche Ausnahmen, denn kein Tobiano gleicht exakt dem anderen.
Verantwortlich für dieses Erscheinungsbild ist eine genetische Veränderung am sogenannten KIT-Gen, das eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Pigmentzellen spielt. Das Tobiano-Gen wird dominant vererbt. Bereits eine einzige Kopie reicht grundsätzlich aus, damit das Pferd gescheckt aussieht. Gleichzeitig können Tobianos entweder mischerbig oder reinerbig sein. Dieser Unterschied ist für die Zucht ausgesprochen interessant, denn ein reinerbiger Tobiano vererbt seine Tobiano-Anlage an sämtliche Nachkommen. Wird ein solcher Hengst mit einer einfarbigen Stute angepaart, werden alle Fohlen genetisch Tobianos sein, auch wenn ihre spätere Zeichnung unterschiedlich stark ausfallen kann.
Gerade dieser Punkt sorgt immer wieder für Verwirrung. Viele Züchter vermuten, besonders stark gescheckte Pferde seien automatisch reinerbig. Tatsächlich lässt sich der Genotyp aber nicht zuverlässig an der Fellzeichnung erkennen. Ein Pferd mit riesigen weißen Flächen kann genetisch mischerbig sein, während ein vergleichsweise dunkel gezeichneter Tobiano durchaus zwei Tobiano-Gene besitzt. Erst ein DNA-Test bringt hier endgültige Sicherheit.
Overo – mehr als nur ein einziges Scheckmuster
Während Tobiano vergleichsweise eindeutig definiert ist, wird der Begriff Overo häufig missverstanden. Viele Reiter gehen davon aus, dass Overo ein einzelnes Scheckmuster beschreibt. Tatsächlich handelt es sich jedoch eher um einen Sammelbegriff für mehrere genetisch unterschiedliche Weißzeichnungen.
Historisch wurden Pferde als Overos bezeichnet, wenn ihre weißen Flächen überwiegend an den Körperseiten lagen und die Rückenlinie meist dunkel blieb. Häufig zeigten diese Pferde einen auffällig weißen Kopf, unregelmäßig begrenzte Flecken und deutlich weniger Weiß an den Beinen als typische Tobianos. Diese rein optische Beschreibung funktioniert jedoch nur eingeschränkt, denn verschiedene Gene können ein sehr ähnliches Erscheinungsbild erzeugen.
Heute unterscheidet die Genetik deshalb mehrere eigenständige Overo-Formen. Besonders bekannt sind Frame Overo, Splashed White und verschiedene Sabino-Varianten. Früher wurden sie oft gemeinsam unter dem Begriff Overo zusammengefasst, obwohl ihre genetische Grundlage völlig unterschiedlich ist.
Genau deshalb sollte man sich bei der Zucht niemals allein auf das Aussehen verlassen. Zwei Pferde können äußerlich beide wie klassische Overos wirken und dennoch völlig verschiedene Gene tragen. Umgekehrt kann ein Pferd genetisch Frame Overo sein, obwohl seine Zeichnung auf den ersten Blick kaum darauf schließen lässt.
Frame Overo – der genetisch wichtigste Overo
Unter den verschiedenen Overo-Varianten besitzt das Frame Overo die größte Bedeutung für verantwortungsvolle Züchter. Das liegt nicht daran, dass diese Pferde besonders schön oder besonders selten wären, sondern an einer genetischen Besonderheit, die weltweit intensiv erforscht wurde.
Der Name Frame beschreibt das typische Erscheinungsbild vieler dieser Pferde recht treffend. Die farbigen Bereiche wirken oft wie ein Rahmen, der die weißen Körperpartien umschließt. Die Rückenlinie bleibt häufig dunkel, während sich die weißen Flächen seitlich über Brustkorb, Bauch oder Hals ausbreiten. Auch großflächige Kopfzeichnungen und blaue Augen kommen vergleichsweise häufig vor.
Allerdings existieren ebenso Pferde, die das Frame-Gen tragen und nur minimale weiße Abzeichen besitzen. Manche wirken beinahe einfarbig und verraten ihre genetische Ausstattung erst durch einen DNA-Test oder durch ihre Nachkommen. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung für die Zucht.
Das verantwortliche Gen befindet sich im EDNRB-Gen. Pferde mit einer Kopie dieses Gens sind in der Regel völlig gesund und zeigen je nach Ausprägung eine mehr oder weniger deutliche Frame-Zeichnung. Problematisch wird es jedoch, wenn zwei Träger miteinander verpaart werden. Erbt ein Fohlen von beiden Eltern die entsprechende Genvariante, entsteht das sogenannte Overo Lethal White Syndrome, eine schwere angeborene Darmerkrankung, die kurz nach der Geburt zum Tod des Fohlens führt.
Zum Glück lässt sich dieses Risiko heute vollständig vermeiden. Ein einfacher Gentest zeigt zuverlässig, ob ein Pferd Träger der Frame-Variante ist. Werden ausschließlich getestete Tiere sinnvoll miteinander kombiniert, entstehen keine betroffenen Fohlen. Verantwortungsvolle Züchter lassen ihre Zuchttiere deshalb längst genetisch untersuchen und verlassen sich nicht mehr ausschließlich auf das äußere Erscheinungsbild.
Splashed White – als wäre das Pferd in weiße Farbe getaucht worden
Das Splashed-White-Muster gehört zu den faszinierendsten Formen der Scheckung. Viele dieser Pferde sehen tatsächlich so aus, als wären sie mit den Beinen zuerst in einen Eimer weißer Farbe gestiegen. Die weißen Bereiche beginnen häufig an den Hufen und ziehen sich gleichmäßig nach oben. Gleichzeitig zeigen viele Splashed-White-Pferde einen sehr weißen Kopf, breite Blessen und auffallend häufig blaue Augen.
Im Gegensatz zum Tobiano verlaufen die Übergänge oft ausgesprochen sauber und klar. Die weißen Bereiche wirken weniger zufällig verteilt und erinnern eher an eine gleichmäßige Farbgrenze.
Auch Splashed White wird nicht durch ein einziges Gen verursacht. Heute kennt man mehrere unterschiedliche genetische Varianten, die teilweise verschiedene Gene betreffen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Wanderung der Pigmentzellen während der Embryonalentwicklung beeinflussen und dadurch die typischen weißen Bereiche entstehen lassen.
Ein Thema wird in diesem Zusammenhang häufig diskutiert: die angeborene Taubheit. Tatsächlich kann sie bei bestimmten Splashed-White-Linien häufiger auftreten als bei einfarbigen Pferden. Ursache ist nicht die weiße Fellfarbe selbst, sondern der enge Zusammenhang zwischen Pigmentzellen und bestimmten Strukturen des Innenohrs. Dennoch gilt auch hier: Ein blauäugiges oder stark weißes Pferd ist keineswegs automatisch taub. Die allermeisten Splashed-White-Pferde hören völlig normal.
Sabino – von großen Abzeichen bis fast vollständig weiß
Sabino gehört zu den variabelsten Weißzeichnungen überhaupt. Manche Sabinos fallen zunächst kaum auf. Sie besitzen lediglich sehr hohe weiße Beine, eine breite Blesse und einige weiße Flecken am Bauch. Andere wirken bereits deutlich gescheckt, während wieder andere fast vollständig weiß erscheinen.
Charakteristisch sind häufig unregelmäßige, leicht ausgefranste Ränder der weißen Bereiche. Anders als beim Tobiano wirken die Übergänge oft weniger glatt und erinnern stellenweise an feine Pinselstriche oder kleine Ausläufer in das farbige Fell.
Lange Zeit bezeichneten Züchter praktisch jedes Pferd mit solchen Merkmalen als Sabino. Erst die moderne Genetik zeigte, dass sich hinter diesem Erscheinungsbild mehrere unterschiedliche genetische Ursachen verbergen können. Besonders gut untersucht ist Sabino 1, das ebenfalls auf Veränderungen im KIT-Gen beruht. Darüber hinaus existieren weitere sabinoähnliche Muster, deren genetische Grundlage bis heute noch nicht vollständig entschlüsselt ist.
Gerade deshalb ist Vorsicht geboten, wenn Verkäufer oder Züchter ein Pferd allein aufgrund seines Aussehens als Sabino bezeichnen. Nicht jede sabinoähnliche Zeichnung wird tatsächlich durch das Sabino-1-Gen verursacht.
Tovero – wenn sich mehrere Scheckmuster begegnen
Die Natur hält sich nur selten an unsere Schubladen. Viele Pferde tragen nicht nur eine einzige Scheckanlage, sondern mehrere verschiedene Gene gleichzeitig. Treffen beispielsweise Tobiano und Frame Overo oder Tobiano und Splashed White zusammen, entsteht häufig das Erscheinungsbild, das als Tovero bezeichnet wird.
Toveros besitzen oft besonders spektakuläre Zeichnungen. Große weiße Flächen verbinden sich mit auffälligen Kopfzeichnungen, blauen Augen oder ungewöhnlich geformten Flecken. Manche Tiere sind fast vollständig weiß und zeigen nur noch einzelne dunkle Inseln an Brust, Flanke oder Ohren. Andere wirken auf den ersten Blick wie typische Tobianos und verraten ihre zusätzliche genetische Ausstattung erst durch einen Gentest.
Gerade für die Zucht ist diese Mehrfachkombination von großer Bedeutung. Ein Tobiano kann gleichzeitig Träger der Frame-Overo-Variante sein, ohne dass dies allein anhand seiner Fellzeichnung sicher erkennbar wäre. Deshalb ersetzen selbst jahrzehntelange Erfahrung und ein geschultes Auge keinen DNA-Test, wenn gezielt mit Farben gezüchtet werden soll.
Die moderne Farbgenetik hat das Verständnis gescheckter Pferde in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Während früher nahezu ausschließlich nach dem Aussehen unterschieden wurde, ermöglichen genetische Untersuchungen heute einen wesentlich präziseren Blick auf die tatsächlichen Erbanlagen. Genau dieses Wissen macht eine verantwortungsvolle Zucht nicht nur erfolgreicher, sondern vor allem deutlich sicherer.
Über Schecken in der Sportpferdezucht kannst Du hier lesen:

Die Genetik gescheckter Pferde einfach erklärt
Wer sich zum ersten Mal mit der Farbgenetik von Pferden beschäftigt, stößt schnell auf eine ganze Reihe kompliziert klingender Begriffe. Dominant, rezessiv, homozygot, heterozygot, Allel oder Genotyp wirken zunächst wie Fachsprache aus einem Biologiestudium. Tatsächlich steckt dahinter jedoch ein recht einfaches Prinzip. Hat man die Grundlagen einmal verstanden, lassen sich viele Fragen rund um gescheckte Pferde erstaunlich gut beantworten.
Zunächst ist wichtig zu wissen, dass jedes Pferd von jedem Gen zwei Kopien besitzt. Eine stammt von der Mutter, die andere vom Vater. Diese beiden Genvarianten bestimmen gemeinsam, welche Merkmale das Pferd später zeigt und welche Eigenschaften es wiederum an seine eigenen Fohlen weitergeben kann.
Man kann sich das wie zwei Baupläne vorstellen, die gemeinsam gelesen werden. Manche Genvarianten setzen sich bereits durch, wenn nur eine einzige Kopie vorhanden ist. Andere werden erst sichtbar, wenn beide Genkopien identisch sind. Genau daraus ergeben sich die Begriffe dominant und rezessiv.
Die meisten klassischen Scheckmuster gehören zu den dominanten Anlagen. Das bedeutet, dass bereits eine einzige Kopie genügt, damit ein Pferd gescheckt aussieht. Gleichzeitig kann ein Pferd trotzdem zwei verschiedene genetische Zustände besitzen. Es kann die betreffende Scheckanlage nur einmal oder zweimal tragen. Dieser Unterschied ist äußerlich meist kaum zu erkennen, für die Zucht dagegen von enormer Bedeutung.

Homozygot oder heterozygot – was bedeutet das eigentlich?
In Zuchtanzeigen liest man häufig Begriffe wie homozygoter Tobiano, reinerbig gescheckt oder heterozygoter Pinto. Für viele Pferdebesitzer klingt das zunächst kompliziert, tatsächlich beschreibt es aber lediglich die beiden Genkopien eines Pferdes.
Besitzt ein Pferd zwei identische Varianten eines Gens, spricht man von homozygot oder reinerbig. Sind beide Varianten unterschiedlich, lautet der Fachbegriff heterozygot beziehungsweise mischerbig.
Nehmen wir als Beispiel das Tobiano-Gen.
Ein heterozygoter Tobiano besitzt eine Tobiano-Anlage und eine normale Variante. Bei jeder Trächtigkeit wird zufällig eine dieser beiden Varianten an das Fohlen weitergegeben. Statistisch erhält deshalb etwa jedes zweite Fohlen die Tobiano-Anlage.
Ein homozygoter Tobiano besitzt dagegen zwei Tobiano-Anlagen. Ganz gleich, welche der beiden Genkopien an das Fohlen weitergegeben wird – sie enthält immer das Tobiano-Gen. Deshalb werden sämtliche Nachkommen genetisch Tobianos sein.
Viele Käufer glauben, ein reinerbiger Tobiano müsse automatisch besonders viele weiße Flecken besitzen. Genau das stimmt jedoch nicht. Die Menge des Weißes verrät nichts darüber, ob ein Pferd homozygot oder heterozygot ist. Manche nahezu weißen Pferde tragen das Tobiano-Gen nur einmal, während andere mit vergleichsweise wenig Weiß genetisch reinerbig sind.
Wer sicher wissen möchte, ob ein Pferd homozygot ist, kommt deshalb an einem DNA-Test nicht vorbei.
Wie wird ein Tobiano vererbt?
Das Tobiano-Muster gehört zu den am einfachsten zu verstehenden Farbgenen des Pferdes. Es wird dominant vererbt. Bereits eine einzige Genkopie reicht grundsätzlich aus, damit das Pferd als Tobiano erscheint.
Für die Praxis ergeben sich daraus drei typische Situationen.
Ein heterozygoter Tobiano wird mit einem einfarbigen Pferd angepaart
Diese Kombination ist vermutlich die häufigste in der Pferdezucht. Der Tobiano besitzt eine Tobiano-Anlage und eine normale Genkopie. Das einfarbige Pferd trägt keine Tobiano-Anlage.
Statistisch erhält die Hälfte der Fohlen das Tobiano-Gen, während die andere Hälfte einfarbig bleibt.
Ganz wichtig ist dabei das Wort statistisch. Es handelt sich nicht um einen Wechselrhythmus. Ein Züchter kann durchaus vier gescheckte Fohlen hintereinander erhalten oder vier einfarbige. Erst bei sehr vielen Nachkommen nähert sich das Ergebnis den erwarteten fünfzig Prozent an.
Ein homozygoter Tobiano wird mit einem einfarbigen Pferd angepaart
Hier verändert sich die Situation grundlegend.
Da der Tobiano ausschließlich Tobiano-Gene weitergeben kann, erhält jedes Fohlen automatisch diese Anlage.
Alle Nachkommen werden deshalb Tobianos sein.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Fohlen gleich aussehen. Manche entwickeln große weiße Flächen, andere deutlich kleinere Zeichnungen. Die Lage und Größe der Flecken wird von weiteren genetischen Faktoren beeinflusst und lässt sich nicht exakt vorhersagen.
Zwei heterozygote Tobianos werden miteinander verpaart
Diese Kombination führt häufig zu Missverständnissen.
Viele Menschen erwarten automatisch ausschließlich gescheckte Nachkommen. Tatsächlich erhält statistisch etwa ein Viertel der Fohlen überhaupt keine Tobiano-Anlage.
Etwa die Hälfte wird heterozygot und ungefähr ein Viertel homozygot.
Damit entstehen insgesamt ungefähr drei Viertel Tobianos und ein Viertel einfarbige Pferde.
Für den einzelnen Züchter bleibt jedoch jedes Fohlen ein neuer Zufall. Auch hier gibt es keine Garantie für eine bestimmte Reihenfolge.
Warum sieht jedes Scheckfohlen anders aus?
Kaum ein anderes Merkmal ist so individuell wie die Zeichnung eines Schecken. Selbst eine gezielte Anpaarung zweier bewährter Zuchttiere bringt niemals identische Fohlen hervor.
Der Grund liegt in der Embryonalentwicklung.
Während sich der Embryo entwickelt, wandern Pigmentzellen aus ihrem Ursprungsgebiet in die spätere Haut. Die verschiedenen Scheckgene beeinflussen diesen Vorgang. Welche Bereiche schließlich Pigmentzellen erhalten und welche weiß bleiben, entsteht während dieser Entwicklung und lässt sich nicht millimetergenau steuern.
Deshalb gleicht die Zeichnung eines Schecken eher einer Schneeflocke als einem Bauplan. Zwar gibt das jeweilige Scheckgen die grundsätzliche Richtung vor, die endgültige Verteilung der weißen Flächen ist jedoch immer individuell.
Selbst geklonte Tiere könnten deshalb theoretisch unterschiedliche Zeichnungen entwickeln.
Kann ein einfarbiges Pferd ein geschecktes Fohlen bekommen?
Diese Frage gehört zu den häufigsten überhaupt und lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten.
Ist das einfarbige Pferd genetisch tatsächlich frei von einer dominanten Scheckanlage und wird mit einem ebenfalls genetisch freien Partner verpaart, entstehen keine klassischen Tobianos oder Frame-Overos.
Anders sieht es aus, wenn der gescheckte Elternteil eine dominante Scheckanlage besitzt.
Ein heterozygoter Tobiano vererbt seine Anlage statistisch an die Hälfte seiner Nachkommen.
Ein homozygoter Tobiano sogar an alle.
Außerdem gibt es Scheckmuster, die äußerlich kaum auffallen können. Manche Frame-Overos oder Splashed-White-Pferde besitzen lediglich eine auffällige Blesse oder ungewöhnlich hohe weiße Beine. Solche Tiere werden gelegentlich für einfarbig gehalten, obwohl sie genetisch eine Scheckanlage tragen.
Deshalb können scheinbar völlig überraschend deutlich gescheckte Fohlen geboren werden.
Heute lassen sich solche Überraschungen durch DNA-Tests weitgehend vermeiden.
Warum ist Frame Overo genetisch etwas völlig anderes?
Auf den ersten Blick könnte man meinen, Frame Overo funktioniere genauso wie Tobiano. Schließlich genügt auch hier bereits eine Genkopie, damit ein Pferd gescheckt sein kann.
Der entscheidende Unterschied zeigt sich jedoch bei der Homozygotie.
Während ein homozygoter Tobiano vollkommen gesund lebt und seine Zeichnung an alle Nachkommen weitergibt, ist eine doppelte Frame-Overo-Anlage nicht lebensfähig.
Erbt ein Fohlen die Frame-Variante von beiden Eltern, entwickelt sich das sogenannte Lethal White Foal Syndrome.
Die Fohlen werden meist fast vollständig weiß geboren und wirken zunächst gesund. Kurz nach der Geburt treten jedoch schwere Koliken auf. Ursache ist eine Fehlentwicklung des Darmnervensystems. Der Darm kann seinen Inhalt nicht transportieren. Ohne funktionierende Darmbewegung ist ein Überleben nicht möglich.
Diese Erkrankung hat nichts mit der weißen Fellfarbe an sich zu tun. Verantwortlich ist dieselbe genetische Veränderung, die sowohl die Pigmentzellen als auch bestimmte Nervenzellen beeinflusst.
Gerade deshalb gilt heute eine einfache Regel:
Zwei nachgewiesene Frame-Overo-Träger sollten niemals miteinander verpaart werden.
Ein Gentest macht diese Anpaarungen überflüssig und verhindert zuverlässig, dass betroffene Fohlen entstehen.
Gentests haben die Farbzucht grundlegend verändert
Noch vor wenigen Jahrzehnten mussten sich Züchter vollständig auf ihre Erfahrung verlassen. Man verglich die Fellzeichnungen der Eltern, betrachtete frühere Nachkommen und hoffte, daraus Rückschlüsse auf die genetische Ausstattung ziehen zu können.
Heute sieht die Situation völlig anders aus.
Moderne Labore können zahlreiche Farb- und Weißzeichnungsgene direkt nachweisen. Dazu gehören unter anderem Tobiano, Frame Overo, Sabino 1, verschiedene Splashed-White-Varianten sowie zahlreiche Grundfarben und Aufhellungsgene.
Dadurch lässt sich nicht nur das Risiko bestimmter Erbkrankheiten deutlich reduzieren. Auch Farbprognosen werden wesentlich zuverlässiger.
Dennoch sollte man die Möglichkeiten der Genetik nicht überschätzen. Ein DNA-Test kann zwar verraten, welche Gene ein Pferd besitzt. Er kann jedoch niemals exakt vorhersagen, wie die Zeichnung des nächsten Fohlens aussehen wird. Die Größe der Flecken, ihre Form und ihre genaue Lage bleiben auch heute noch eines der spannendsten kleinen Wunder der Pferdezucht.

Rappschecke, Fuchsschecke und Braunschecke – die Grundfarbe macht den Unterschied
Viele Pferdefreunde sprechen von einem Rappschecken oder Fuchsschecken, als handle es sich um eigenständige Scheckmuster. Tatsächlich beschreiben diese Begriffe jedoch zunächst die Grundfarbe des Pferdes. Die eigentliche Scheckzeichnung kommt gewissermaßen noch hinzu.
Ein Rappschecke ist genetisch zunächst ein Rappe. Seine farbigen Fellbereiche sind tiefschwarz, während die weißen Flächen durch eines der verschiedenen Scheckgene entstehen. Gerade bei kräftig schwarzen Pferden wirkt der Kontrast besonders eindrucksvoll, weshalb Rappschecken auf Körungen, Hengstschauen oder Dressurturnieren oft eine enorme Ausstrahlung besitzen. Vor allem Friesenkreuzungen, Barockpintos und manche Warmblüter zeigen diese elegante Farbkombination.
Ein Fuchsschecke besitzt dagegen eine rote Grundfarbe. Je nach genetischer Ausstattung reicht diese von hellem Goldfuchs bis zum dunklen Kohlfuchs. Zusammen mit den weißen Platten entsteht eine warme, lebendige Farbwirkung, die besonders bei Westernpferden, Pintos oder Freizeitpferden sehr beliebt ist.
Am häufigsten trifft man allerdings den Braunschecken. Da Braun ohnehin die häufigste Grundfarbe beim Pferd ist, überrascht das kaum. Die schwarzen Beine, die dunkle Mähne und der braune Körper bilden zusammen mit den weißen Flächen ein ausgesprochen harmonisches Gesamtbild.
Im Grunde kann nahezu jede Pferdefarbe mit einer Scheckzeichnung kombiniert werden. Neben den klassischen Rapp-, Braun- und Fuchsschecken gibt es deshalb auch Falbschecken, Buckskinschecken, Palominoschecken, Smoky-Black-Schecken oder sogar Perlino- und Cremelloschecken. Je mehr Aufhellungsgene zusätzlich vorhanden sind, desto außergewöhnlicher wirkt später die Fellfarbe.
Sind gescheckte Pferde anfälliger für Krankheiten?
Allein die Scheckzeichnung macht ein Pferd weder robuster noch kränker. Ein gesunder Tobiano ist körperlich genauso leistungsfähig wie ein einfarbiges Pferd derselben Rasse. Ob ein Pferd später gesund bleibt, hängt wesentlich stärker von seiner Zucht, seinem Exterieur, seiner Haltung, Fütterung und seinem Management ab als von der Fellfarbe.
Trotzdem gibt es einige genetische Besonderheiten, die verantwortungsvolle Züchter kennen sollten.
Die wichtigste betrifft das bereits erwähnte Frame-Overo-Gen. Werden zwei Träger miteinander verpaart, kann das Lethal White Foal Syndrome auftreten. Dieses Risiko lässt sich heute durch einen Gentest vollständig vermeiden und stellt deshalb bei seriösen Züchtern kaum noch ein Problem dar.
Bei bestimmten Splashed-White-Varianten tritt außerdem etwas häufiger angeborene Taubheit auf. Auch hier gilt jedoch: Die überwiegende Mehrheit aller gescheckten Pferde hört völlig normal. Ein blaues Auge oder viel Weiß bedeutet keineswegs automatisch eine Hörstörung.
Eine praktische Besonderheit betrifft die Haut. Unter weißen Fellbereichen befindet sich meist rosa Haut. Diese reagiert empfindlicher auf intensive Sonneneinstrahlung als dunkle Haut. Besonders Pferde mit großen weißen Bereichen an Nase oder Maul profitieren im Sommer häufig von Schattenplätzen oder einem geeigneten Sonnenschutz.
Abgesehen von diesen Besonderheiten gelten Schecken jedoch nicht als grundsätzlich krankheitsanfälliger als einfarbige Pferde.
Sind Pintos und Paint Horses besonders ruhig?
Diese Behauptung hält sich seit Jahrzehnten hartnäckig. Tatsächlich lässt sich der Charakter eines Pferdes jedoch nicht aus seiner Fellfarbe ableiten.
Ein Pinto kann vom ruhigen Freizeitpony bis zum temperamentvollen Sportpferd praktisch alles sein. Schließlich stammen Pintos aus ganz unterschiedlichen Zuchtpopulationen. Entsprechend unterschiedlich fallen Temperament, Bewegungsqualität und Arbeitsbereitschaft aus.
Beim American Paint Horse sieht die Situation etwas anders aus. Hier handelt es sich um eine klar definierte Rasse, die eng mit Quarter Horses verwandt ist. Viele Paint Horses gelten deshalb als nervenstark, menschenbezogen und ausgesprochen vielseitig. Diese Eigenschaften beruhen jedoch auf der jahrzehntelangen Auswahl geeigneter Zuchttiere und nicht auf der Scheckzeichnung selbst.
Die Farbe macht also keinen Charakter. Entscheidend sind Rasse, Abstammung, Aufzucht, Ausbildung und natürlich die Persönlichkeit des einzelnen Pferdes.
Häufige Irrtümer über gescheckte Pferde
Rund um Schecken kursieren erstaunlich viele Mythen. Manche stammen aus einer Zeit, in der über Pferdegenetik noch kaum etwas bekannt war, andere entstehen bis heute durch ungenaue Formulierungen im Internet.
Einer der häufigsten Irrtümer lautet, Pinto sei grundsätzlich eine eigenständige Pferderasse. Tatsächlich beschreibt Pinto zunächst die Scheckzeichnung beziehungsweise eine Farbzucht. Gleichzeitig existieren heute Zuchtverbände mit eigenen Pinto-Zuchtbüchern. Beide Aussagen sind also nur dann richtig, wenn man den jeweiligen Zusammenhang berücksichtigt.
Ebenso falsch ist die Annahme, jedes gescheckte Pferd sei automatisch ein Paint Horse. Das American Paint Horse ist eine klar definierte amerikanische Pferderasse mit festgelegter Abstammung. Ein gescheckter Tinker, Warmblüter oder Lewitzer bleibt selbstverständlich seine jeweilige Rasse, auch wenn er äußerlich einem Paint ähnelt.
Oft wird außerdem behauptet, ein reinerbiger Tobiano sei immer besonders weiß. Dafür gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Beleg. Die Ausprägung der Zeichnung lässt keine zuverlässigen Rückschlüsse auf Homozygotie oder Heterozygotie zu. Sicherheit bringt ausschließlich ein Gentest.
Schließlich glauben viele Pferdehalter, zwei gescheckte Pferde würden zwangsläufig wieder gescheckte Fohlen bekommen. Auch das stimmt nicht. Ob ein Fohlen gescheckt wird, hängt von den jeweiligen Genen beider Eltern ab. Während ein homozygoter Tobiano seine Scheckanlage an alle Nachkommen weitergibt, entstehen bei anderen Anpaarungen durchaus auch einfarbige Fohlen.
Fazit
Gescheckte Pferde faszinieren seit Jahrhunderten durch ihre außergewöhnliche Fellzeichnung. Hinter den weißen und farbigen Flächen steckt jedoch weit mehr als nur eine schöne Farbe. Moderne genetische Untersuchungen zeigen, dass verschiedene Scheckmuster auf unterschiedlichen Genen beruhen und sich zum Teil völlig verschieden vererben.
Wer Begriffe wie Tobiano, Overo, Splashed White oder Sabino kennt, versteht schnell, warum zwei äußerlich ähnliche Pferde genetisch sehr unterschiedlich sein können. Ebenso wird deutlich, weshalb ein Pinto nicht automatisch ein Paint Horse ist und warum verantwortungsvolle Züchter heute auf DNA-Tests setzen, anstatt sich allein auf das Erscheinungsbild zu verlassen.
Für Pferdebesitzer spielt die Genetik vor allem dann eine Rolle, wenn sie selbst züchten möchten. Wer dagegen einfach die Schönheit eines gescheckten Pferdes genießt, darf sich darüber freuen, dass jede Zeichnung einzigartig ist. Kein Schecke gleicht einem anderen. Genau diese Individualität macht den besonderen Reiz dieser faszinierenden Pferde bis heute aus.
Häufige Fragen zu gescheckten Pferden
Ist ein Pinto eine Pferderasse?
Diese Frage sorgt immer wieder für Verwirrung. Ursprünglich bezeichnet der Begriff Pinto ein geschecktes Pferd beziehungsweise eine Farbzucht und nicht eine klassische Pferderasse. Inzwischen führen jedoch einige Zuchtverbände eigene Pinto-Zuchtbücher, sodass der Begriff dort auch für eine organisierte Zuchtpopulation verwendet wird. Umgangssprachlich ist mit einem Pinto meist einfach ein geschecktes Pferd gemeint.
Was ist der Unterschied zwischen einem Pinto und einem Paint Horse?
Ein Pinto beschreibt in erster Linie die Fellfarbe beziehungsweise die Scheckzeichnung. Das American Paint Horse ist dagegen eine eigenständige amerikanische Pferderasse mit einer klar definierten Abstammung und einem eigenen Zuchtbuch. Viele Paint Horses sind gescheckt, aber längst nicht jedes gescheckte Pferd ist ein Paint Horse.
Was ist ein Rappschecke?
Ein Rappschecke besitzt eine schwarze Grundfarbe, über der sich eine Scheckzeichnung aus weißen Fellflächen befindet. Die schwarzen Bereiche entstehen durch die Grundfarbe Rappe, während die weißen Flächen auf einem oder mehreren Scheckgenen beruhen.
Was ist ein Fuchsschecke?
Ein Fuchsschecke ist ein Pferd mit roter Grundfarbe und einer zusätzlichen Scheckzeichnung. Je nach genetischer Veranlagung kann die Fellfarbe von hellem Goldfuchs bis zu dunklem Kohlfuchs reichen.
Welche Pferderassen gibt es als Schecken?
Gescheckte Pferde kommen in zahlreichen Rassen vor. Dazu gehören beispielsweise American Paint Horses, Pintos, Tinker, Lewitzer, Deutsches Reitpony, Shetlandponys, Warmblüter, Islandpferde sowie viele weitere Pferde- und Ponyrassen. Die Scheckung ist also keine eigene Rasse, sondern eine Fellzeichnung, die in vielen Populationen vorkommt.
Können zwei einfarbige Pferde ein geschecktes Fohlen bekommen?
Bei den klassischen dominanten Scheckgenen ist das normalerweise nicht möglich, wenn beide Eltern genetisch frei von diesen Anlagen sind. Allerdings gibt es sehr schwach ausgeprägte Weißzeichnungsgene, die äußerlich kaum auffallen. In solchen Fällen kann ein Gentest für Klarheit sorgen.
Vererbt ein reinerbiger Tobiano immer gescheckte Fohlen?
Ja. Ein genetisch reinerbiger Tobiano gibt die Tobiano-Anlage an jedes einzelne Fohlen weiter. Wie groß die weißen Flächen später ausfallen, lässt sich dadurch allerdings nicht vorhersagen.
Kann man erkennen, ob ein Tobiano reinerbig ist?
Nein. Die Größe oder Anzahl der weißen Flecken erlaubt keine zuverlässige Aussage über den Genotyp. Sowohl homozygote als auch heterozygote Tobianos können wenig oder sehr viel Weiß besitzen. Sicherheit bringt nur ein DNA-Test.
Warum haben manche Schecken blaue Augen?
Blaue Augen treten besonders häufig bei Splashed White und einigen Overo-Varianten auf. Sie entstehen durch fehlende Pigmentzellen in der Iris. Die Augenfarbe allein sagt jedoch nichts über die Sehfähigkeit oder die Gesundheit des Pferdes aus.
Sind gescheckte Pferde häufiger taub?
Nicht grundsätzlich. Bei bestimmten Splashed-White-Varianten kommt angeborene Taubheit etwas häufiger vor. Die überwiegende Mehrheit aller gescheckten Pferde hört jedoch völlig normal.
Was ist das Lethal White Foal Syndrome?
Dabei handelt es sich um eine schwere Erbkrankheit, die entstehen kann, wenn zwei Träger des Frame-Overo-Gens miteinander verpaart werden. Betroffene Fohlen werden meist fast vollständig weiß geboren und besitzen eine schwere Fehlentwicklung des Darmnervensystems. Verantwortungsvolle Züchter vermeiden solche Anpaarungen heute durch DNA-Tests.
Sind gescheckte Pferde empfindlicher gegenüber Sonnenlicht?
Unter den weißen Fellbereichen befindet sich meist rosa Haut, die weniger Pigment enthält und deshalb empfindlicher auf intensive Sonneneinstrahlung reagieren kann. Besonders an der Nase kann bei manchen Pferden ein Sonnenschutz sinnvoll sein.
Gibt es auch Braunschecken oder Palominoschecken?
Ja. Grundsätzlich kann nahezu jede Pferdefarbe mit einer Scheckzeichnung kombiniert werden. Neben Rapp-, Braun- und Fuchsschecken gibt es beispielsweise auch Falbschecken, Buckskinschecken, Palominoschecken oder Cremelloschecken.
Sind Schecken ruhiger als einfarbige Pferde?
Nein. Die Fellfarbe hat keinen Einfluss auf den Charakter. Temperament, Lernverhalten und Leistungsbereitschaft hängen von der jeweiligen Rasse, der Abstammung sowie der Ausbildung und Haltung des Pferdes ab.
Warum sieht jeder Schecke anders aus?
Während der Embryonalentwicklung wandern Pigmentzellen in die Haut ein. Die verschiedenen Scheckgene beeinflussen diesen Vorgang, die genaue Verteilung der weißen Flächen entsteht jedoch individuell. Deshalb besitzt jedes gescheckte Pferd eine einzigartige Zeichnung.
Die wichtigsten Begriffe einfach erklärt
Schecke: Ein Pferd mit größeren weißen und farbigen Fellflächen.
Pinto: Ursprünglich die Bezeichnung für ein geschecktes Pferd beziehungsweise eine Farbzucht. Je nach Zuchtverband wird der Begriff heute unterschiedlich verwendet.
Paint Horse: Eine eigenständige amerikanische Pferderasse mit festgelegter Abstammung. Viele Paint Horses sind gescheckt, aber nicht jeder Pinto ist ein Paint Horse.
Tobiano: Das weltweit häufigste Scheckmuster. Typisch sind große weiße Flächen, die häufig über die Rückenlinie verlaufen.
Frame Overo: Ein genetisch eigenständiges Scheckmuster. Zwei Träger sollten nicht miteinander verpaart werden, da sonst das Risiko für das Lethal White Foal Syndrome besteht.
Splashed White: Ein Scheckmuster, bei dem das Pferd aussieht, als wäre es mit den Beinen zuerst in weiße Farbe getaucht worden. Blaue Augen kommen dabei vergleichsweise häufig vor.
Sabino: Eine Weißzeichnung mit oft ausgefransten Rändern und sehr unterschiedlicher Ausprägung.
Tovero: Die Kombination mehrerer Scheckmuster, meist Tobiano mit einer Overo-Variante.
Fazit
Gescheckte Pferde gehören zu den faszinierendsten Farbvarianten überhaupt. Ihre auffälligen weißen und farbigen Fellflächen machen jedes einzelne Tier unverwechselbar und sorgen seit Jahrhunderten für große Begeisterung bei Reitern und Züchtern. Hinter den eindrucksvollen Zeichnungen verbirgt sich jedoch weit mehr als reine Optik. Moderne genetische Untersuchungen zeigen, dass verschiedene Scheckmuster auf unterschiedlichen Genen beruhen und sich zum Teil völlig verschieden vererben.
Wer die Unterschiede zwischen Tobiano, Frame Overo, Splashed White, Sabino oder Tovero kennt, versteht schnell, warum zwei äußerlich sehr ähnliche Pferde genetisch vollkommen unterschiedlich sein können. Ebenso wird deutlich, weshalb ein Pinto nicht automatisch ein Paint Horse ist und warum verantwortungsvolle Züchter heute auf DNA-Tests setzen, statt sich ausschließlich auf das Erscheinungsbild zu verlassen.
Für die meisten Pferdebesitzer bleibt allerdings vor allem eines entscheidend: Kein geschecktes Pferd gleicht dem anderen. Jede Zeichnung entsteht während der Entwicklung des Embryos auf einzigartige Weise und macht aus jedem Schecken ein echtes Unikat. Genau diese Individualität ist es, die den besonderen Reiz gescheckter Pferde bis heute ausmacht und dafür sorgt, dass sie auf der Weide, im Dressurviereck oder im Westernsattel immer wieder alle Blicke auf sich ziehen.