
Isabellfarbene Sportpferde – Wie das Cream-Gen seinen Weg in die moderne Warmblutzucht fand
Wer heute einen goldfarbenen Warmbluthengst wie DSP Quasi Gold MD oder Zafferano sieht, könnte leicht glauben, diese außergewöhnliche Fellfarbe sei irgendwann zufällig in einer deutschen Warmblutlinie entstanden. Tatsächlich verlief die Entwicklung ganz anders. Hinter jedem heutigen Palomino oder Cremello steckt eine lückenlos nachvollziehbare Vererbung des sogenannten Cream-Gens. Dieses Gen springt keine Generationen über und taucht auch nicht plötzlich in einer gewöhnlichen Fuchslinie auf. Jeder goldfarbene Hengst verdankt seine Farbe einem farbigen Vorfahren.
Gerade das macht die Geschichte der isabellfarbenen Sportpferde so spannend. Während Plattenschecken heute fast immer auf die beiden großen Linien von Ico und Samber zurückgehen, entwickelte sich das Cream-Gen auf mehreren europäischen Wegen. Die moderne deutsche Warmblutzucht vereint heute böhmisch-tschechische Warmblutlinien, schwedische Dressurblutlinien und ältere mitteleuropäische Warmblutfamilien zu einer neuen Generation goldfarbener Sportpferde.
Das Cream-Gen – der Ursprung aller Palominos und Cremellos
Die Grundlage aller isabellfarbenen Warmblüter ist das Cream-Gen. Es hellt die Grundfarbe des Pferdes auf und wirkt bereits dann sichtbar, wenn es nur einmal vorhanden ist.
Trägt ein Fuchs eine Cream-Kopie, entsteht ein Palomino beziehungsweise Fuchsisabell. Ein braunes Pferd wird zum Braunisabell (Buckskin), während zwei Cream-Kopien einen Cremello ergeben. Das Gen bleibt über Generationen vollständig erhalten und wird dominant vererbt. Deshalb lässt sich seine Herkunft in jedem Pedigree Schritt für Schritt zurückverfolgen.
Die heutigen goldfarbenen Sportpferde stammen also nicht von gewöhnlichen Füchsen ab, die das Gen unbemerkt getragen hätten. Vielmehr wurden über viele Generationen bewusst farbige Warmblüter mit leistungsstarken Dressur- und Springpferden kombiniert.
Der erste große Ursprung: Die böhmisch-tschechischen Warmblüter
Der wichtigste Ursprung der heutigen deutschen Palomino-Warmblüter liegt in Böhmen und Tschechien.
Dort existierten bereits seit Jahrhunderten goldfarbene Warmblutpferde. Besonders bekannt wurde später das Kinsky-Pferd, eine elegante böhmische Warmblutrasse, die von der Adelsfamilie Kinsky gezüchtet wurde. Diese Pferde waren keine Ponys und auch keine Freizeitpferde, sondern leistungsfähige Reit-, Jagd- und Kavalleriepferde. Die charakteristische goldene Fellfarbe gehörte schon früh zum Zuchtziel.
Aus genau diesen Populationen gelangte das Cream-Gen in verschiedene tschechische Warmblutlinien. Einer der wichtigsten Vertreter war der Palominohengst Nuget, dessen Blut heute in zahlreichen modernen Sportpferden wiederzufinden ist.
Damit stammt die Farbe vieler deutscher Palomino-Warmblüter letztlich aus einer historischen europäischen Warmblutpopulation und nicht aus einer späteren Einkreuzung amerikanischer Palominos oder Ponyrassen.
DSP Quasi Gold MD – der Beginn einer modernen deutschen Leistungslinie
Den eigentlichen Durchbruch schaffte die Farbe jedoch erst mit DSP Quasi Gold MD.
Der 2009 geborene Palomino verbindet eine der erfolgreichsten deutschen Dressurabstammungen mit der alten böhmisch-tschechischen Cream-Linie.
Sein Vater ist der Spitzenvererber Quaterback, dessen Nachkommen weltweit im Dressursport erfolgreich sind. Die goldene Fellfarbe stammt dagegen vollständig von seiner Mutter Numees.
Ihre Abstammung zeigt sehr deutlich, wie das Cream-Gen in die deutsche Sportpferdezucht gelangte:
DSP Quasi Gold MD
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Numees
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Nuget × Mascarpone GF
Nuget war ein tschechischer Palomino-Warmbluthengst. Mascarpone GF gehörte zu den frühen gekörten Cremellohengsten Europas. Beide führten unabhängig voneinander das Cream-Gen und vereinten es mit leistungsorientierter Warmblutgenetik.
Quasi Gold MD erhielt dadurch nicht nur seine auffällige Farbe, sondern zugleich ein hochmodernes Dressurpedigree.
Heute zählt er zu den wenigen goldfarbenen Warmbluthengsten, die sowohl leistungsgeprüft als auch bis zur schweren Klasse erfolgreich vorgestellt wurden und bereits mehrere gekörte Söhne hervorgebracht haben.
Mascarpone GF – einer der ersten Cremellohengste Europas
Während Nuget die böhmisch-tschechische Warmblutlinie repräsentiert, steht Mascarpone GF für einen zweiten wichtigen Entwicklungszweig.
Der großrahmige Cremellohengst gehörte zu den ersten doppelt aufgehellten Warmbluthengsten Europas, die regulär gekört wurden.
Seine Abstammung führte über Mega-Star und Morgengold I, zwei frühe Vertreter der europäischen Cream-Zucht. Bereits damals wurden diese Hengste gezielt mit leistungsstarken Warmblutstuten kombiniert, sodass das Cream-Gen Schritt für Schritt in moderne Sportpferdepedigrees integriert wurde.
Mascarpone GF spielte später als Muttervater von Quasi Gold MD eine entscheidende Rolle. Dadurch vereinigten sich erstmals zwei verschiedene Cream-Linien innerhalb eines modernen deutschen Dressurpedigrees.
Qandide – wenn zwei Cream-Linien zusammenkommen
Besonders eindrucksvoll lässt sich diese Entwicklung an Qandide beobachten.
Der Cremellohengst ist ein Sohn von DSP Quasi Gold MD und trägt deshalb bereits väterlicherseits eine Cream-Kopie.
Seine Mutter Florencia Gold war ebenfalls Palomino. Sie stammt von Floriscount, einem der bekanntesten deutschen Dressurvererber, während die Farbe wiederum aus der mütterlichen Warmblutlinie stammt.
Dadurch erhielt Qandide zwei Cream-Kopien und wurde Cremello.
Seine Abstammung zeigt beispielhaft, wie heute gezüchtet wird:
Auf der einen Seite stehen Quaterback und Floriscount als international etablierte Dressurvererber.
Auf der anderen Seite bleiben die alten böhmisch-tschechischen Cream-Linien erhalten.
Das Ergebnis ist kein Farbpferd mit zufällig guten Vorfahren, sondern ein modernes Dressurpferd, dessen Farbe seit mehreren Generationen gezielt in leistungsorientierte Warmblutlinien integriert wurde.
Qaside MD setzt die Linie fort
Auch Qaside MD gehört bereits zur zweiten Generation dieser Entwicklung.
Als weiterer Cremello-Sohn von DSP Quasi Gold MD führt er dieselbe genetische Grundlage weiter. Seine Mutter bringt zusätzlich Vollblutanteile in das Pedigree ein und verstärkt damit die sportliche Modernität der Linie.
Während Quasi Gold MD den Grundstein legte, zeigen Hengste wie Qandide und Qaside MD, dass inzwischen eine eigenständige deutsche Warmblutfamilie mit Cream-Gen entstanden ist. Die Farbe ist längst nicht mehr nur eine Besonderheit, sondern wird innerhalb leistungsgeprüfter Dressurabstammungen weitergegeben.

Die schwedische Warmblutlinie – ein zweiter Weg des Cream-Gens
Während DSP Quasi Gold MD die böhmisch-tschechische Linie repräsentiert, entwickelte sich in Schweden eine völlig eigenständige Warmblutfamilie mit goldfarbener Fellfarbe. Ihr bekanntester Vertreter ist heute der Palominohengst Zafferano.
Seine Abstammung unterscheidet sich deutlich von der deutschen Quasi-Gold-Linie. Hier stammt das Cream-Gen nicht aus den böhmischen Warmblütern, sondern aus einer alten schwedischen Dressurfamilie.
Der Vater Zaladin MI brachte modernes Dressurblut mit, während die eigentliche Farbvererbung über die Mutterlinie erfolgte.
Der Stammbaum lässt sich vereinfacht so darstellen:
Zafferano
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Baby Doll
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Bernstein
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Bristol Cream
Bristol Cream gilt als eine der bedeutendsten frühen Trägerinnen des Cream-Gens innerhalb des Schwedischen Warmbluts. Über ihren Sohn Bernstein blieb die Farbe über Jahrzehnte erhalten und wurde mit den leistungsstärksten schwedischen Dressurfamilien kombiniert.
Dadurch entstand eine Warmblutlinie, die sich völlig unabhängig von den böhmisch-tschechischen Goldpferden entwickelte.
Heute gehört Zafferano zu den wenigen goldfarbenen Hengsten, die sowohl für den Hannoveraner Verband als auch für Oldenburg anerkannt sind. Seine Hengstleistungsprüfung absolvierte er mit einer gewichteten Endnote von 8,4. Damit gehört auch er zu den leistungsgeprüften Warmbluthengsten, bei denen die sportliche Qualität deutlich im Vordergrund steht.
Weissgold GF – der Beginn einer deutschen Cream-Familie
Parallel zu den Linien von Quasi Gold MD und Zafferano entwickelte sich in Deutschland eine weitere Familie um Weissgold GF.
Der Cremellohengst wurde 2004 geboren und gehört zu den frühen doppelt aufgehellten Warmbluthengsten, die regulär gekört und leistungsgeprüft wurden.
Sein Pedigree zeigt sehr schön, wie sich das Cream-Gen Schritt für Schritt mit deutscher Dressur- und Springpferdezucht verband.
Die väterliche Linie lautet:
Weissgold GF
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Win the Gold GF
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White Magic
White Magic selbst war noch ein normalfarbiger Hannoveraner mit Weltmeyer-Blut. Die Farbe stammt deshalb auch hier wieder aus der Mutterlinie.
Win the Gold erhielt das Cream-Gen über seine Mutter Lavendel, deren Mutter Blue Eyed Angel bereits einer älteren mitteleuropäischen Warmblutfamilie entstammte.
Auch hier zeigt sich das gleiche Prinzip wie bei Quasi Gold MD.
Nicht der bekannte deutsche Warmbluthengst brachte die Farbe mit.
Die Farbe kam aus einer bereits bestehenden europäischen Cream-Familie und wurde anschließend mit leistungsstarken Warmblutlinien kombiniert.
Weissgold GF absolvierte eine vollständige Hengstleistungsprüfung und wurde anschließend erfolgreich in der Zucht eingesetzt. Besonders bedeutend war er als Vater weiterer gekörter Hengste.
Wonderstar – moderne Dressurgenetik in Gold
Zu den interessantesten Söhnen von Weissgold GF gehört Wonderstar.
Der Palominohengst stammt aus einer De-Niro-Tochter und verbindet damit eine der erfolgreichsten deutschen Dressurlinien mit der älteren Cream-Familie von Weissgold GF.
Allein diese Abstammung zeigt, wie sehr sich die Zucht verändert hat.
Früher wurden goldfarbene Pferde überwiegend untereinander angepaart, um die Farbe zu erhalten.
Heute nutzen Züchter gezielt Spitzenvererber wie De Niro, Floriscount oder Quaterback und ergänzen diese lediglich um das Cream-Gen.
Dadurch rückt die Fellfarbe immer stärker in den Hintergrund.
Entscheidend sind inzwischen Exterieur, Grundgangarten, Rittigkeit und Leistungsbereitschaft.
Die goldene Farbe wird eher als zusätzlicher Bonus betrachtet.
Creme de la Creme – ein vielseitiger Cremellohengst
Ein weiterer gekörter Warmbluthengst ist Creme de la Creme.
Der etwa 1,70 Meter große Cremello stammt aus einer ungarischen Warmblutfamilie und wurde in Deutschland gekört.
Er wurde unter anderem im Springen bis Klasse L vorgestellt und zusätzlich im Gelände und im Fahrsport eingesetzt.
Seine Bedeutung liegt weniger in internationalen Sporterfolgen als vielmehr darin, dass auch diese Linie zeigt, wie vielfältig sich das Cream-Gen inzwischen innerhalb europäischer Warmblutpopulationen verbreitet hat.
Idryss – polnisches Warmblut mit Cream-Gen
Auch Idryss gehört zu den heute in Deutschland eingesetzten Cremellohengsten.
Er stammt aus dem Polnischen Warmblut und verbindet ältere osteuropäische Warmblutlinien mit modernen Reitpferdepedigrees.
Die polnische Warmblutzucht besitzt seit langer Zeit einzelne Cream-Familien, die sich unabhängig von den deutschen Linien entwickelt haben.
Mit Idryss gelangte eine weitere dieser Familien in die deutsche Warmblutzucht.
Seine sportliche Bedeutung ist bislang zwar geringer als die von Quasi Gold MD oder Zafferano, genetisch erweitert er jedoch die Vielfalt der verfügbaren Cream-Linien erheblich.
Warum sich das Cream-Gen heute so schnell verbreitet
Das Cream-Gen besitzt für Züchter einen entscheidenden Vorteil.
Es wird dominant vererbt.
Bereits ein Palominohengst kann ungefähr die Hälfte seiner Fohlen in einer aufgehellten Farbe erzeugen, wenn die Stute keine Cream-Anlage besitzt.
Ein Cremellohengst geht sogar noch einen Schritt weiter.
Da er zwei Cream-Kopien besitzt, vererbt er das Gen an jedes einzelne Fohlen.
Dadurch entstehen – abhängig von der Grundfarbe der Stute – Palominos, Braunisabellen oder Smoky Blacks.
Genau deshalb gewinnen Cremellohengste wie Qandide, Qaside MD oder Idryss für viele Züchter zunehmend an Bedeutung.
Sie ermöglichen eine gezielte Farbzucht, ohne dass auf moderne Warmblutabstammungen verzichtet werden muss.
Die Entwicklung der letzten zwanzig Jahre
Noch vor zwanzig Jahren waren goldfarbene Warmblüter eine absolute Ausnahme.
Viele stammten aus kleinen Sonderfarbenzuchten, deren Pedigrees mit den großen deutschen Dressur- und Springlinien nur wenige Berührungspunkte hatten.
Heute hat sich das Bild deutlich verändert.
In den Stammbäumen moderner Palominos und Cremellos finden sich Namen wie Quaterback, Floriscount, De Niro, Weltmeyer, Bernstein, Nuget oder weitere etablierte Warmblutvererber.
Dadurch unterscheiden sich diese Pferde genetisch kaum noch von ihren einfarbigen Stallgefährten.
Der eigentliche Unterschied besteht häufig nur noch in einem einzigen Gen – dem Cream-Gen.
Die Zukunft der isabellfarbenen Sportpferde
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt deutlich, dass goldfarbene Warmblüter längst keine exotischen Einzelstücke mehr sind.
Vor allem die Linie um DSP Quasi Gold MD entwickelt sich zunehmend zu einer eigenständigen deutschen Leistungslinie. Mit Qandide und Qaside MD stehen bereits die nächste Generation gekörter Hengste bereit.
Parallel dazu bringt die schwedische Linie um Zafferano neues Dressurblut in die deutsche Zucht, während Hengste wie Wonderstar oder Idryss das genetische Spektrum zusätzlich erweitern.
Noch ist die Population klein. Verglichen mit den klassischen Warmblutvererbern handelt es sich um wenige Hengste und eine überschaubare Zahl von Nachkommen. Dennoch ist eine klare Entwicklung erkennbar.
Das Cream-Gen hat seinen Platz in der modernen Warmblutzucht gefunden.
PEs steht heute nicht mehr für reine Farbzucht, sondern für leistungsgeprüfte Sportpferde mit hochwertigen Abstammungen. Die goldene Fellfarbe ist dabei längst nicht mehr das eigentliche Zuchtziel, sondern das sichtbare Merkmal einer kleinen, aber stetig wachsenden Population moderner Dressur- und Sportpferde, deren Pedigrees sich problemlos mit denen der großen deutschen Warmblutzucht vergleichen lassen.