Kinsky Pferd

Kinsky Pferd: Das goldene Pferd aus Böhmen

Ein Fohlen, das kein Zuchtbuch haben wollte. Ein Graf, der daraufhin sein eigenes anlegte. Eine Stute, die 1937 unter einer 42-jährigen Gräfin die härteste Steeplechase Europas gewann und damit die deutschen Militärreiter blamierte. Und eine Rasse, die nach 1948 fast lautlos verschwand, weil sie als adeliges Relikt galt.

Das Kinsky Pferd hat eine der ungewöhnlichsten Geschichten der europäischen Pferdezucht. Und es ist heute so selten, dass die Gesamtpopulation weltweit in ein einziges Dorf passen würde.

Dieser Beitrag geht deutlich tiefer als die üblichen Rasseporträts. Du findest hier die tschechischen Zuchtbuchregeln, die Genetik hinter der Goldfarbe, die Stutenfamilien, die ungarische Spur, die aktuellen Deckhengste und die Verbindung zur deutschen Warmblutzucht, in der seit einigen Jahren wieder gezielt goldene Pferde fallen.

Das Kinsky Pferd in Zahlen

Ursprungsland: Böhmen, heute Tschechien
Weitere Namen: Equus Kinsky, kůň Kinský, Chlumetzer, Böhmischer Hunter, zlatý kůň (goldenes Pferd)
Stockmaß: 158 bis 175 cm, im Schnitt 165 bis 170 cm
Zuchtfarben: Isabelle (Palomino) und Braunisabelle beziehungsweise Falbe im Sinne von Buckskin
Weitere Farben: Fuchs, Brauner, Rappe, Schimmel, dazu Cremello, Perlino, Smoky Cream und Smoky Black
Zuchtverband: Svaz chovatelů koní Kinských (SCHKK), Sitz in Hradištko u Sadské
Bestand: rund 1.000 eingetragene Pferde weltweit, davon etwa 300 Zuchtstuten
Deckhengste: je nach Jahr 11 bis gut 20 im Deckeinsatz
Fohlen pro Jahr: etwa 30 bis 50
Anerkennung: 1997 als Farbschlag des Tschechischen Warmbluts, 2005 als eigenständige Rasse

Die drei Wolfszähne: Woher der Name kommt

Die Rasse trägt den Namen einer böhmischen Adelsfamilie, deren Ursprung sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Damals hießen die Vorfahren noch Vchynští z Tetova. In den Grafenstand erhoben wurde die Familie 1628.

Über die Anfänge kursiert in Tschechien eine Geschichte, die sich nicht belegen lässt, aber zum Wappen passt: Eine Jagdgesellschaft unter Führung einer Prinzessin sei von Wölfen angegriffen worden. Ein junger Mann stellte sich den Tieren entgegen und erschlug drei von ihnen. Der König habe ihn dafür geadelt und ihm ein Wappen mit drei Wolfszähnen verliehen. Diese drei Wolfszähne führt die Familie Kinsky bis heute.

Pferde züchteten die Kinskys schon lange, bevor es eine Rasse gab. Auf der Herrschaft Chlumec nad Cidlinou standen Pferde für wirtschaftliche und militärische Zwecke. Zwischen 1721 und 1723 entstand dort das barocke Schloss Karlova Koruna, benannt nach Kaiser Karl VI., der 1723 zum böhmischen König gekrönt wurde. Ab dem 19. Jahrhundert kaufte die Familie englische Vollblüter zu, zunächst für die Rennbahn.

Auffällig war schon damals, dass ein Teil der Fohlen golden fiel. Der Hof Hradištko formuliert es so: Etwa zwei von fünf Pferden trugen die aufgehellte Farbe.

Wie aus einem abgelehnten Fohlen eine Rasse wurde

Die entscheidende Figur ist Oktavian Josef Graf Kinsky, geboren 1813, gestorben 1896. Er war Züchter, Rennreiter und ein Kenner, der als einer der erfolgreichsten Pferdezüchter Europas galt. Kinder hatte er keine.

1832 ließ er in Ostrov bei Chlumec nad Cidlinou ein Gestüt errichten. Von diesem Jahr an führte er Aufzeichnungen über seine Pferde. Bei den Jahreszahlen gehen die Quellen auseinander: Der tschechische Zuchtverband nennt 1832 als Beginn des Gestütbuchs, andere tschechische Darstellungen 1836, die deutsche Wikipedia nennt 1838 als erste Erwähnung des Rassebegriffs. Am plausibelsten ist ein Übergang: erst Aufzeichnungen ab 1832, dann ein förmlich geführtes eigenes Gestütbuch, dann der geschützte Name Equus Kinsky.

Der Anlass für das eigene Zuchtbuch ist überliefert und wird von tschechischer wie deutscher Seite gleich erzählt. Aus Oktavians Vollblutzucht fiel eine isabellfarbene Stute. Der Jockey Club in Wien lehnte die Eintragung ab. Die Begründung: Eine solche Farbe habe es bei einem Vollblut noch nie gegeben, der Vater müsse ein anderer gewesen sein. Diese Unterstellung nahm der Graf nicht hin. Er legte sein eigenes Gestütbuch an.

Die Stute heißt in den meisten Quellen Themby II. Aus ihr fiel, angepaart mit dem Vollbluthengst Prince Djalma, der ebenfalls isabellfarbene Hengst Caesar. Er gilt als Stammvater der Rasse, weil er nicht nur Leistungsbereitschaft und Härte weitergab, sondern sehr zuverlässig auch die gelbe Farbe.

Eine tschechische Fachdarstellung erzählt die Reihenfolge etwas anders: Danach wurde 1839 eine plavá (aufgehellte) Stutfohlen aus den Vollblüteltern Whisker und Themby II geboren, und erst dieses Fohlen brachte Caesar. Für den Kern der Geschichte macht das keinen Unterschied, für die Genauigkeit schon: Ob Themby II selbst die goldene Stute war oder ihre Tochter, ist in den Quellen nicht einheitlich.

Das Zuchtziel war von Anfang an kein Schaupferd. Gesucht war ein hartes Jagdpferd für die Parforcejagd nach englischem Vorbild, später für Hindernisrennen. Die Farbe kam dazu, sie ersetzte die Leistung nicht.

Oktavian Kinsky, die Parforcejagd und die Velká pardubická

Oktavian Kinsky importierte nicht nur englische Pferde, er importierte auch den englischen Reitsport.

1836 organisierte er die erste Parforcejagd in Böhmen nach englischen Regeln. 1846 brachte er das englische Point-to-Point-Rennen ins Land. Und 1874 stand er an der Wiege eines Rennens, das bis heute als eine der schwersten Steeplechases der Welt gilt: der Velká pardubická. Der erste Lauf fand am 5. November 1874 statt, 14 Pferde gingen an den Start.

Die Strecke ist eine Mischung aus natürlichen und künstlichen Hindernissen. Der Taxisgraben trägt in Tschechien bis heute den Beinamen Reitergrab. Es gab sogar einen Jahrgang, 1909, in dem kein einziges Pferd das Ziel erreichte und deshalb kein Sieger ausgerufen wurde.

Nach Oktavians Tod 1896 übernahm sein Neffe Zdenko die Herrschaft Chlumec. Auch er war ein exzellenter Reiter. 1901 belegte er in schon fortgeschrittenem Alter auf Magyarád den vierten Platz in der Velká pardubická.

Die Stutenfamilien: Beim Kinsky Pferd zählen die Mütter

Das ist eine Besonderheit, die in den meisten deutschen Rasseporträts fehlt. Die Abstammung wird beim Kinsky Pferd über die Mutterlinie geführt, nicht über die Hengstlinie. Das Zuchtbuch ist entsprechend aufgebaut, und die Namensgebung folgt derselben Logik: Der Name des Fohlens beginnt mit dem Anfangsbuchstaben der Mutter.

Wer also in einer tschechischen Nennliste einen Namen mit N liest, hat es sehr wahrscheinlich mit der Familie N zu tun.

Historisch geführt wurden die Familien A, B, C, H, J, M, N und O. Erhalten haben sich bis heute Nachkommen der Familien Č, J, H, M, N, O und P. Die wichtigsten:

Familie N, begründet über die halbblütige Stute Nancy. Aus ihr stammt die berühmteste Vertreterin der Rasse, die Velká-pardubická-Siegerin Norma, außerdem Nevěsta, Něva, Nestor und Norbert.

Familie J, begründet über die Halbblutstute Hero I und fortgesetzt über die Stute Jitřenka nach Przedswit III.

Familie Č, begründet über die Stute Čita nach Caesar.

Familie M, begründet über die falbe Stute Jiskra.

Familie O, begründet über die Vollblutstute Queen of Hearts. Aus dieser Familie kam 556 DAF Ondráš, der in Springen wie Dressur bis in die schwerste Klasse lief und siebenmal tschechischer Dressurmeister wurde.

Auf der Vaterseite wurden über die Jahrzehnte immer wieder englische Vollblüter eingesetzt, unter anderem Div, Diadém und Olin.

Fünf Siege in der Velká pardubická

Bis 1948 gehörten die Kinsky Pferde zur Elite der europäischen Hindernispferde. Fünf Sieger der Velká pardubická stammen aus der Chlumecer Zucht:

Magyarád, 1897 und 1900, aus der Verbindung Montbar und Mattina
Sláva, 1899, aus Meteor und Sakuntala
Pohanka, 1931, aus Nedbal und Piacensa
Norma, 1937, aus Delibab und Nepal
Nestor, 1966, aus Div und Nensi

Dazu kamen zahlreiche Platzierungen, unter anderem mit Čigýr, Neklan, Něva, Nevěsta und Norbert.

Nestor ist der letzte Sieger mit Chlumecer Vorfahren. Er gewann 1966 als großer Außenseiter aus einem kleinen Stall, was ihm in Tschechien bis heute einen eigenen Platz in der Rennsportgeschichte sichert. Seine Urgroßmutter Nebraska, geboren im ersten Kriegsjahr 1914, ging auf Magyarád zurück.

Und es gibt noch einen Kinsky-Sieg außerhalb Böhmens: Karel Fürst Kinsky gewann 1883 das Grand National in Liverpool auf der Stute Zoedone. Er ritt selbst.

Norma und Lata Brandisová: Der Sieg von 1937

Diese Geschichte allein trägt ein Buch, und sie hat auch eines bekommen. Richard Askwith hat sie 2019 unter dem Titel Unbreakable aufgeschrieben und dafür in Großbritannien den Preis für die Sportbiografie des Jahres bekommen.

Lata Brandisová, mit vollem Namen Imaculata, lebte von 1895 bis 1981. Sie war eine Verwandte des Hauses Kinsky, in den Quellen mal als Nichte, mal als Großnichte Oktavians und als Cousine Zdenko Radslav Kinskýs bezeichnet. 1927 holte Zdenko Radslav sie nach Orlík, wo er Kinsky Pferde für Pardubice vorbereitete.

Im selben Jahr ging sie als erste Frau in der Geschichte des Rennens an den Start, auf der Stute Nevěsta. Sie stürzte fünfmal, saß jedes Mal wieder auf und kam als Fünfte ins Ziel. Das galt schon als Sensation.

Danach ging es Schritt für Schritt nach vorn. 1930 auf Norbert Vierte, 1931 auf Norbert Dritte. 1933 ritt sie zum ersten Mal Norma und wurde Dritte, 1934 Zweite, 1935 nach einem Sturz Fünfte.

Mitte der 1930er Jahre dominierten deutsche Reiter das Rennen. 1936 nahm Zdenko Radslav Kinský seiner Cousine die Stute weg und setzte den italienischen Jockey Pogliaga darauf. Auch er kam gegen den deutschen Reiter Lengnik nicht an und wurde Vierter.

1937 wollte Kinský die Stute eigentlich nicht mehr riskieren. Norma war zehn Jahre alt, er hatte sich viel von ihren Fohlen versprochen und fürchtete eine Verletzung. Lata überredete ihn, sie weiter zu trainieren, und weil die Stute in ausgezeichneter Form war, ließ er sie ein letztes Mal starten.

Am Start standen eine 42-jährige Reiterin, die seit ihrer Jugend graues Haar hatte, und eine kleine Stute mit heller Mähne. Norma gewann. Lata Brandisová ist bis heute die einzige Frau, die die Velká pardubická gewonnen hat.

In einem Interview kurz nach dem Rennen, von dem nur noch das Transkript existiert, wurde sie gefragt, ob es schwer gewesen sei. Ihre Antwort lief darauf hinaus, dass es für sie nicht schwer gewesen sei: Sie habe großes Vertrauen in die Pferde aus Chlumec, und ihr Vetter Graf Kinský sei ein großer Trainer.

Der Sieg fiel in eine politisch aufgeladene Zeit. Wenige Wochen zuvor war Tomáš Masaryk gestorben, und im Feld standen Reiter, die für das nationalsozialistische Deutschland antraten. Dass eine Tschechin auf einem tschechischen Pferd gewann, machte Lata Brandisová über Nacht zur Nationalheldin.

1948: Enteignung und ein fast lautloser Untergang

Schon der Zweite Weltkrieg brachte die Zucht in Bedrängnis. Die Herrschaft Chlumec stand unter deutscher Zwangsverwaltung. Aus den Erinnerungen von Dr. Radslav Kinský stammt eine Episode, die zeigt, wie mit Requirierungen umgegangen wurde: Bei einer Musterung las ein deutscher Major das Wort Geschlecht auf dem Formular und sah dem Hengst Čibuk daraufhin an den Kopf. Der Stallmeister ließ ihn dabei und dachte sich seinen Teil. Der Hengst wurde als Wallach registriert und blieb dadurch im Bestand. Pferde wurden außerdem nachts zwischen Chlumec und dem Tiergarten Obora verschoben, weil dieser zu einem anderen Bezirk gehörte und damit anderen Abgabepflichten unterlag.

1947 gab es noch einmal einen großen Moment: In der Sommer-Steeplechase in Pardubice trugen alle drei siegreichen Pferde die rotweißen Farben der Kinskys.

1948 enteigneten die Kommunisten den gesamten Besitz. Das Gestüt Ostrov wurde Volkseigener Betrieb, die verbliebenen Pferde kamen in die staatlichen Gestüte Kladruby und Slatiňany. Radslav Kinský konnte mit wenigen Pferden bis 1953 in Chlumec bleiben, dann war auch das vorbei.

Der eigentliche Schaden entstand danach und schleichend. Die Zucht wurde in das allgemeine Warmblut eingegliedert. Zwischen 1970 und 1980 hörte die Farbe Isabelle auf, ein Selektionskriterium zu sein. Damit stand die Perspektive, überhaupt noch Pferde mit den Eigenschaften der Chlumecer Goldfüchse zu ziehen, ernsthaft in Frage. Ein Teil der Stuten war inzwischen Eigentum landwirtschaftlicher Betriebe. Dass die Linien nicht ganz verloren gingen, ist einigen wenigen Menschen zu verdanken, in tschechischen Darstellungen werden vor allem MVDr. Sixta, Herr Frynta, Herr Souček und das Ehepaar Půlpán genannt.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war das Kinsky Pferd praktisch vollständig im Tschechischen Warmblut aufgegangen.

Die Rettung nach 1989

Nach der Samtenen Revolution begann eine Suche, die eher an Archivarbeit als an Pferdezucht erinnert. Eine Gruppe von Enthusiasten spürte Nachkommen der Chlumecer Pferde auf und kaufte sie den Restitutionsberechtigten ab.

Den größten Einfluss auf die Wiederbelebung hatte ab 1991 das Ehepaar Petr und Libuše Půlpán, das 1989 die Herde in Ostrov übernahm. An der Entstehung der Marke Equus Kinsky war MVDr. Norbert Záliš beteiligt, ein früherer Mitarbeiter des Gestüts Chlumec und späterer Direktor des Nationalgestüts Kladruby. Radslav Kinský kehrte 1989 nach Chlumec zurück.

1997 gelang die Anerkennung als eigener Farbschlag beziehungsweise Zuchtrichtung innerhalb des Tschechischen Warmbluts. Am 14. Oktober 2005 erkannte das tschechische Landwirtschaftsministerium den kůň Kinský als eigenständige Rasse an.

Seither läuft ein Regenerationsprogramm mit klaren Regeln. Es gibt ein Hengstbuch und drei Stutbücher: das Hauptzuchtbuch HPK, das Zuchtbuch PK und das Hilfszuchtbuch PPK. Ein Hengst muss beidseitig mindestens vier Generationen nachweisbar abstammen. Und er muss, sofern er kein englischer Vollblüter ist, einen Anteil ursprünglicher Kinsky-Gene von mehr als fünf Prozent haben. Dieser Anteil wird als PGKK abgekürzt und rechnerisch geführt.

Im ersten Jahrzehnt nach der Anerkennung, also 2005 bis 2015, stand dieser Genanteil ganz oben. Aus dem vorhandenen Material wurde ein Stutenstamm ausgewählt, auf dem die Zucht seither aufbaut. Heute wird die Reinzucht bevorzugt, mit dem doppelten Ziel, die ursprünglichen Gene und die Gene für die gelbe Farbe zu halten. Ausdrücklich erwünscht ist dabei, auch Hengste anderer Farben einzusetzen, vorzugsweise Füchse.

Ein Detail, das man sonst nirgends liest: Den Namenszusatz Kinský darf ein Pferd nur führen, wenn es isabellfarben oder falb ist.

Der tschechische Staat hat die Rasse als lebendiges Kulturgut eingestuft. Finanzielle Unterstützung für Haltung, Erhaltung oder Weiterzucht gibt es nach Angaben des Verbands und der tschechischen Wikipedia jedoch nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass gute Pferde ins Ausland verkauft werden, was den kleinen Genpool zusätzlich schmälert.

Die Goldfarbe: Was genetisch dahintersteckt

Die Farbe des Kinsky Pferdes entsteht durch das Cream-Gen. Es ist unvollständig dominant, und genau das erklärt fast alles, was Menschen an dieser Farbe verwirrt.

Ein einzelnes Cream-Gen hellt nur das rote Pigment auf. Auf einem Fuchs entsteht daraus die Isabelle, international Palomino: goldgelbes Fell mit weißer bis cremefarbener Mähne und Schweif. Auf einem Braunen entsteht der Buckskin, im Tschechischen plavák: sandfarbenes Fell mit schwarzer Mähne, schwarzem Schweif und schwarzen Beinen. Auf einem Rappen ist die Wirkung kaum sichtbar, das Ergebnis heißt Smoky Black.

Zwei Cream-Gene hellen auch das schwarze Pigment auf. Dann entstehen die sehr hellen Farben: Cremello aus dem Fuchs, Perlino aus dem Braunen, Smoky Cream aus dem Rappen. Diese Pferde haben rosa Haut und blaue Augen. Alle drei Farben kommen beim Kinsky Pferd vor und sind im Zuchtbuch dokumentiert.

Daraus folgt eine Rechnung, an der viele Farbzuchten scheitern: Aus zwei Isabellen fallen im Durchschnitt 50 Prozent Isabellen, 25 Prozent Füchse und 25 Prozent Cremellos. Eine Isabelle vererbt ihre Farbe also niemals zu hundert Prozent. Ein Cremello dagegen schon, weil er zwei Cream-Gene weitergeben kann.

Wichtig ist die Abgrenzung zum echten Falben. Das deutsche Wort Falbe wird beim Kinsky Pferd im Sinn von Buckskin verwendet, also aufgehellt durch Cream. Der echte Falbe entsteht durch das Dun-Gen und bringt immer Wildzeichnung mit, also Aalstrich, oft Schulterkreuz und Zebrastreifen an den Beinen. Beim Kinsky Pferd ist die Aufhellung eine Cream-Aufhellung, kein Dun. Der metallische Glanz, den viele Kinsky Pferde zeigen, gehört zum Erscheinungsbild und wird in tschechischen wie englischen Quellen ausdrücklich beschrieben.

Der tschechische Zuchtverband hat die Farbgenetik seiner Deckhengste durch die Laboratoř agrogenomiky untersuchen lassen und die Ergebnisse als Handreichung veröffentlicht. Die Hengste wurden dabei in Gruppen eingeteilt, und diese Gruppen lesen sich wie ein Lehrbuch:

Der Hengst 1463 Dubel trägt zwei Cream-Gene. Aus Fuchs- und Braunstuten fallen deshalb bis zu 100 Prozent Isabellen und Falben.

Die Hengste 1603 Przedswit Chamír, 1615 Gin Fizz und 2712 Taarlo Kubišta-2 tragen selbst kein Cream. Gelbe Nachkommen entstehen bei ihnen nur über die Stute. Auf eine Isabelle fallen im Schnitt 50 Prozent Isabellen und 50 Prozent Füchse, auf eine Cremello-Stute nahezu ausschließlich Isabellen.

Die Hengste 718 Mineral, 1465 Drak, 2810 Mistrál, 1159 Sinuhet-K und 1244 Česarion Kinský tragen ein Cream-Gen. Auf eine Isabelle fallen bei ihnen 50 Prozent Isabellen, 25 Prozent Cremellos und 25 Prozent Füchse.

Die Hengste 1245 Sarkon Kinský, 918 Alois und 1602 Asio Zdelovský können auf Isabellenstuten bis zu neun verschiedene Farbergebnisse bringen, weil bei ihnen zusätzlich das Agouti-Gen mitspielt. Für eine genaue Vorhersage müsste der Genotyp der Stute bekannt sein.

Beim Hengst 556 DAF Ondráš hat der Verband sogar die tatsächlich gefallene Nachzucht ausgewertet: 46,6 Prozent Braune, 26,6 Prozent Füchse, 13,3 Prozent Isabellen, dazu je 6,6 Prozent Falben und Rappen.

In der Praxis des Gestüts Hradištko liegt das Verhältnis zwischen goldenen Pferden auf der einen und Füchsen und Braunen auf der anderen Seite bei etwa eins zu eins.

Was die Wissenschaft über den Genpool sagt

Hier wird es unbequem, und deshalb steht es in kaum einem Rasseporträt.

Eine große genetische Untersuchung der in Tschechien registrierten Pferdepopulationen kam zu dem Ergebnis, dass sich das Mährische Warmblut deutlicher vom Tschechischen Warmblut unterscheidet als das Kinsky Pferd. Anders gesagt: Das Kinsky Pferd steht dem Tschechischen Warmblut genetisch näher als jene Rasse, die die alten österreichisch-ungarischen Linien bewahrt hat.

Das deckt sich mit dem, was engagierte Privatzüchter selbst sagen. Der Anteil originaler Kinsky-Genetik in der heutigen Population wird auf etwa 20 Prozent geschätzt. Die 40 Jahre, in denen das Kinsky Pferd im Tschechischen Warmblut aufging, sind genetisch nicht rückgängig zu machen.

Die Zucht arbeitet deshalb nicht an einer Rekonstruktion, sondern an einer Regeneration: mehr ursprüngliche Gene, mehr gelbe Farbe, bei gleichzeitig moderner Sportleistung. Der rechnerisch geführte PGKK-Anteil ist genau dafür das Werkzeug.

Der ungarische Faden

Wer die Abstammungen der alten Kinsky Pferde liest, stolpert ständig über ungarische Namen. Das ist kein Zufall.

Neben englischen Vollblütern wurden in Chlumec von Anfang an ungarische Halbblüter eingesetzt, in deutschen Quellen als Kisberer bezeichnet, dazu später Trakehner, österreichische und tschechische Warmblüter.

Das Gestüt Kisbér war 1853 auf Anordnung Kaiser Franz Josephs I. als militärisches Staatsgestüt gegründet worden, mit dem Ziel, ruhigere und stabilere Reitpferde zu ziehen als das reine Vollblut sie lieferte. Der Grundstock war bunt zusammengesetzt: arabische, tscherkessische, spanische, Piber-, Norfolk-, Percheron- und Mecklenburger Blutlinien. Darauf wurde über sechs bis acht Generationen konsequent mit englischem Vollblut gezüchtet.

Zwei Vollbluthengste machten Kisbér berühmt. Der eine ist Buccaneer, geboren 1857 in England, ab 1865 in Kisbér, gestorben 1887. England versuchte mehrfach, ihn zurückzukaufen, Ungarn gab ihn nicht her. Sein bekanntester Sohn Kisbér gewann 1876 das Epsom Derby und den Grand Prix de Paris und ist bis heute das einzige in Ungarn gezogene Pferd, das das Derby gewann. Der andere ist Cambuscan, Vater der Wunderstute Kincsem, die 54 Rennen bestritt und keines verlor.

Und jetzt die Verbindung nach Böhmen: Der doppelte Velká-pardubická-Sieger Magyarád aus der Kinsky-Zucht war ein Vollbluthengst aus der Hengstlinie Buccaneer, die damals in Mitteleuropa weit verbreitet war. Sein Vater hieß Montbar, ein Name, der auch in der ungarischen Aufzählung der prägenden Kisbérer Linien auftaucht. Schon der Name Magyarád ist ungarisch.

Ebenso der Name von Normas Vater: Delibab, ungarisch délibáb, die Luftspiegelung über der Puszta.

Interessant ist auch die Farbterminologie. Auf Ungarisch heißt der Fuchs sárga, wörtlich gelb. Der Palomino heißt izabellafakó, der Buckskin zsufafakó. Wer ungarische Rassebeschreibungen liest und sárga mit gelb übersetzt, landet also prompt beim falschen Pferd. Die Farbe des Kisbéri félvér wird meist mit sárga und pej angegeben, also Fuchs und Brauner. Die nordamerikanische Zuchtvereinigung der Kisber Felver führt allerdings ausdrücklich auch Palomino und Buckskin unter den zulässigen Farben, das Cream-Gen ist im ungarischen Halbblut also vorhanden.

Der Kisbéri félvér selbst ist heute in einer ganz ähnlichen Lage wie das Kinsky Pferd. Nach unbedachten Kreuzungen ab den 1960er Jahren gingen viele der alten Linien verloren. 1961 wurde der auf 40 Stuten geschrumpfte Bestand nach Dalmand verlegt. 1989 gründete sich der Kisbéri-félvér Lótenyésztő Országos Egyesület mit 60 Gründungsmitgliedern und 260 Zuchtstuten, um zu retten, was übrig war. Weltweit gibt es weniger als 2.000 Tiere.

Zwei Nachbarrassen, zwei fast identische Verlustgeschichten, zwei Rettungsversuche kurz nach 1989. Das ist kein Zufall, sondern dieselbe politische Ursache.

Die englische Spur

Von der anderen Seite kam das Vollblut. Nach Darstellung des britischen Kinsky-Gestüts reiste ein Graf Kinsky bereits 1776 nach Großbritannien, um Vollblüter für die Verbesserung der Kavalleriepferde zu kaufen. Ende des 19. Jahrhunderts holte Oktavian Kinsky weitere englische Vollblüter nach Böhmen.

Die Verbindung blieb bestehen. Karel Fürst Kinsky gewann 1883 das Grand National auf Zoedone. Und im Jahr 2000 ging die Stute Johanka Kinská als goldenes Schmuckstück zum 100. Geburtstag der Queen Mum in den königlichen Stall.

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich in Großbritannien eine kleine Szene gebildet. Die aus Tschechien stammende Züchterin Kamilla Bauer-Lewis baute in Kent bei Sevenoaks ein Kinsky-Gestüt auf. Im Züchterverzeichnis des tschechischen Verbands stehen für England außerdem Equus Kinsky London, das Hillbrook Stud mit dem Hengst By Design, vormals Hakim, aus Mineral, ParaMount Equistran mit Heimdals Hamlet aus Husar týnský sowie Solaris Sport Horses mit McJonnas, ebenfalls aus Mineral.

Wo Kinsky Pferde heute stehen

Der Schwerpunkt liegt weiter in Tschechien. Die größte Konzentration steht im Hřebčín Equus Kinsky in Hradištko u Sadské, wo auch der Verband seinen Sitz hat. Ein weiterer größerer Bestand steht bei Ing. Leopold Jelínek in Rosice bei Brno. Dazu kommen zahlreiche kleine und mittlere Züchter im ganzen Land, unter anderem Stáj Ostrov, JS Przechwozd, Chov sport Zdelov, Dvůr Krutěnice, Farma Olimberk und Stáj Nuget.

Außerhalb Tschechiens führt der Verband Züchter in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, England und den USA.

In Deutschland sind das der Altmarkhof in Diesdorf, Ortsteil Abbendorf, mit den Hengsten Wolkenwind, Quantar MD, Quasi Gold und Rhomboid, das Gestüt Falkenhorst mit Nuget aus Husar týnský und Blonder Hans, vormals Atom, sowie Kinskypferde vom Fohlenberg mit Wolkenwind und Sarkon Kinský. Jana Jungingerová in Bayern war die erste Züchterin in Deutschland mit einer eigenen Kinsky-Züchternummer. Ihre Herde lebt ganzjährig im Offenstall und auf der Weide.

In Dänemark steht bei Crownhorse der Hengst Crown’s Tosti aus Husar týnský, in den Niederlanden bei Kinsky Stable der Hengst Baron aus Burbon.

Die Deckhengste der Saison 2026

Der tschechische Verband veröffentlicht jedes Jahr die Liste der Hengste, die für die Decksaison ausgewählt wurden. Für 2026 stehen darauf rund zwei Dutzend Namen. Für eine Rasse mit etwa 300 Zuchtstuten ist das eine schmale, aber nicht bedrohliche Basis.

Im Natursprung oder mit Frischsamen im Einsatz sind unter anderem:

Nathan, Brauner, geboren 2017, 170 cm, im Hengstbuch der Kinsky Pferde und des Tschechischen Warmbluts. Sein Vater Aloube Z war ein internationales Grand-Prix-Springpferd unter Thomas Frühmann und stammt direkt aus der Linie des legendären Alme. Seine Mutter Noelly gehört zur alten Familie N, aus der auch Norma stammt. Nathan erhielt 2020 nach einem 70-Tage-Test seine Zuchtzulassung im Tschechischen Warmblut und 2021 nach den Leistungsprüfungen die Zulassung im Kinsky-Zuchtbuch. Er steht bei Petr Půlpán in Hradištko.

Asio Zdelovský, Česarion Kinský, Gasper, Mistrál, Pigment Kinský, Sarkon Kinský, Dominátor Kinský, Aristo Z, Quasi Gold, Deus MC Kinský, Arnde Gothia-M, Locke, McKinsky, Caesar Z, Sorbon, Nikolaj Čepeřský und Lotar Yellow Man F.

Nur über Tiefgefriersperma verfügbar sind Drak, Mineral, Firestone, Dubel und Quantar MD. Bei diesen Hengsten läuft die Zucht also aus konserviertem Material weiter, was für eine kleine Population ein sehr wichtiges Instrument ist.

Bemerkenswert für deutsche Leser: Drei dieser Hengste stehen in Deutschland. Quaside MD steht auf der Hengststation Rohmann, McKinsky bei Tanja Heckmeier, und das Tiefgefriersperma von Quantar MD kommt vom Altmarkhof.

Wer heute ein Kinsky Fohlen ziehen möchte, muss also nicht zwingend nach Tschechien fahren.

Exterieur: Wie ein Kinsky Pferd gebaut ist

Der Zuchtstandard beschreibt ein edles Sportpferd mittleren Rahmens, eher kurz-rechteckig als lang, korrekt und harmonisch gebaut, angemessen kräftig im Knochen und mit trockenem Fundament.

Der Kopf ist trocken und edel, mit ausdrucksvollem Auge und weichem, elastischem Maul. Der Hals ist mittellang, gut bemuskelt, mittelhoch angesetzt und leicht geschwungen. Der Widerrist geht fließend in einen festen, mittellangen und dennoch elastischen Rücken über. Die Kruppe ist muskulös und leicht abfallend, der Schweif tief angesetzt. Die Gelenke sind kräftig.

Der Röhrbeinumfang liegt bei Stuten zwischen 19,5 und 21,5 cm, bei Hengsten zwischen 20,5 und 22,0 cm.

Das Fell ist fein, weich und seidig glänzend. Abzeichen kommen vor.

Der Vollblutanteil ist heute etwas geringer als zu Zeiten des Grafen. Das ist kein Rückschritt: Schon die gräflichen Herrschaften fanden die sehr hochblütigen Pferde nicht immer leicht zu reiten.

Ehrlich gesagt werden muss auch: Ältere deutsche Rassebeschreibungen weisen darauf hin, dass ein Teil der Population noch Mängel in den Grundgangarten und im Exterieur zeigt. Bei einer Rasse, die aus einem so schmalen Rest wieder aufgebaut wurde, ist das erwartbar. Die Zucht arbeitet gezielt an mehr Elastizität und besserer Bewegungsmechanik.

Charakter: Was Züchter über das Wesen sagen

Auf das Interieur wurde in dieser Zucht von Anfang an großer Wert gelegt, und das ist bei einem Jagdpferd auch logisch: Ein Pferd, das stundenlang im Feld mit einer Hundemeute unterwegs ist, muss verlässlich sein.

Tschechische Züchter beschreiben Kinsky Pferde als ausgeglichen im Temperament, leicht zu reiten, menschenbezogen und neugierig. Fohlen zeigten schon von Geburt an Freundlichkeit gegenüber Menschen. Eine deutsche Züchterin beschreibt ihre Herde als Pferde, die sich problemlos anfassen lassen und auf alles neugierig sind, was kommt.

Der Verband setzt die Umgänglichkeit ausdrücklich als Zuchtziel: gesucht ist ein Sport- und Freizeitpferd mit ausgezeichnetem Charakter und leichter Rittigkeit. Im Gestüt Hradištko werden Kinsky Pferde häufig für den Unterricht und den Sport von Kindern eingesetzt.

Das ist eine Aussage über die Zuchtrichtung, nicht über jedes einzelne Pferd. Ein Kinsky Pferd ist ein Warmblut mit hohem Vollblutanteil, kein Ponytyp, und bringt entsprechend Blut und Bewegungsdrang mit.

Wofür sich das Kinsky Pferd heute eignet

Ursprünglich war es ein Parforcejagdpferd, danach ein Hindernisrennpferd. Beides erklärt, was heute noch drinsteckt: Galoppiervermögen, Ausdauer, Härte, Springvermögen und Übersicht im Gelände.

Der tschechische Verband nennt als Einsatzbereiche Dressur, Vielseitigkeit, Rennen, Springen, Parforcejagd und Polo. Dazu kommen Fahren und Freizeitreiten.

Sportlich haben einzelne Vertreter durchaus geliefert. DAF Ondráš lief Springen und Dressur bis zur schwersten Klasse und wurde mehrfach tschechischer Dressurmeister. Polemik, im Zuchtbuch als Almhirt Kinský geführt, war ein guter Springer. Der falbe Wallach Grand Kinský holte mehrere Titel in Westerndisziplinen.

Die Parforcejagd wird auf dem Stammgestüt bis heute gepflegt. Der Kreis schließt sich also da, wo er begonnen hat.

Passt ein Kinsky Pferd als Freizeitpferd?

Diese Frage ist bei einer so seltenen Rasse berechtigt, denn wer ein Kinsky Pferd kauft, kauft nicht nur ein Reitpferd, sondern auch ein Stück Verantwortung für einen sehr kleinen Genpool.

Dafür spricht: Das Zuchtziel nennt ausdrücklich auch den Rekreationsreiter. Die Pferde sind menschenbezogen, im Gelände sicher und ausdauernd, und sie sind so gebaut, dass ein erwachsener Reiter gut auf ihnen sitzt. Die Größe zwischen 158 und 175 cm bedient eine breite Spanne. Für Wanderreiten, Jagdreiten und vielseitige Freizeitarbeit bringen sie genau die Eigenschaften mit, für die sie 180 Jahre lang gezüchtet wurden.

Dagegen spricht nichts Grundsätzliches, aber es gibt Punkte, die vor dem Kauf geklärt sein sollten. Der Vollblutanteil bedeutet Bewegungsbedarf und ein Pferd, das Aufgaben braucht. Ein Kinsky Pferd, das dreimal die Woche eine halbe Stunde in der Halle geht, wird nicht glücklich. Und die Verfügbarkeit ist begrenzt: Wer ein bestimmtes Alter, Geschlecht und eine bestimmte Farbe sucht, wartet unter Umständen lange oder fährt weit.

Wenn Dir die Farbe wichtig ist, solltest Du wissen, dass sie nicht garantiert ist. Ein knappes Verhältnis von eins zu eins zwischen goldenen und normalfarbigen Fohlen bedeutet: Rund die Hälfte der Kinsky Pferde ist Fuchs, Brauner oder Rappe. Diese Pferde sind genauso Kinsky Pferde. Sie dürfen nur den Namenszusatz Kinský nicht führen.

Ein Kinsky Pferd kaufen

In Tschechien werden Kinsky Pferde meist im Alter von etwa drei Jahren verkauft, also angeritten oder kurz davor.

Angeboten werden sie über die Züchter selbst, über die Rubrik Kůň Kinský – nabídka auf der Verbandsseite sowie auf den großen Pferdemärkten, wo Kinsky Pferd eine eigene Rassekategorie ist. Auch in Deutschland stehen regelmäßig einzelne Tiere zum Verkauf, meist direkt bei den wenigen Züchtern.

Worauf Du achten solltest:

Papiere und Zuchtbuchzugehörigkeit. Es gibt Pferde mit Kinsky-Papieren und Pferde, die lediglich Kinsky-Blut in der Mutterlinie führen. Beides ist legitim, aber es ist nicht dasselbe.

Der PGKK-Anteil. Er ist für die Zucht relevant und sagt etwas darüber aus, wie viel ursprüngliche Kinsky-Genetik im Pferd steckt.

Der Farbgenotyp, falls Du später züchten möchtest. Ein Gentest kostet wenig und beantwortet die Frage, ob ein goldenes Pferd ein oder zwei Cream-Gene trägt, endgültig. Optisch lässt sich das nicht sicher unterscheiden, denn eine dunkle Isabelle kann aussehen wie ein Fuchs mit hellem Langhaar.

Der Transport. Tschechien ist EU-Inland, ein Import ist deshalb unkompliziert und deutlich günstiger als bei Rassen von anderen Kontinenten. Equidenpass, Gesundheitszeugnis und ein Transportunternehmen mit Erfahrung im grenzüberschreitenden Pferdetransport reichen aus.

Der Palomino-Faden in der deutschen Warmblutzucht

Hier wird es für deutsche Züchter und Leser besonders interessant, denn seit einigen Jahren fallen auch in der deutschen Warmblutzucht wieder goldene Pferde. Und ein guter Teil dieser Farbe führt zurück nach Böhmen.

Das prominenteste Beispiel ist DSP Quasi Gold MD, geboren 2009, ein dunkler Palomino von 172 cm. Sein Vater ist der Stempelhengst Quaterback, seine Mutter die Elitestute Numees von Nuget aus Mascarpone. Und Nuget ist ein Kinsky Hengst, der in Deutschland auf dem Gestüt Falkenhorst stand. Die Mutterlinie von Quasi Gold MD führt brandenburgische, hannoversche, oldenburgische, Kinsky- und tschechische Wurzeln zusammen, dazu Vollblut und Trakehner.

Quasi Gold MD wurde Prämienhengst bei der süddeutschen Körung. Der brandenburgische Zuchtleiter Dr. Ingo Nörenberg sagte damals sinngemäß, man habe zwar schon viele spektakuläre Quaterback-Söhne bei deutschen Körungen gesehen, aber noch nie einen mit dieser Farbe, diesen Linien und diesen Bewegungen. Sportlich war er in allen drei Teildisziplinen erfolgreich, wurde süddeutscher Champion der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde, war Finalist beim Bundeschampionat und ist bis in die schwere Klasse Dressur gelaufen. Er hat über 50 Nachkommen und mehrere gekörte Söhne gestellt.

Einer davon ist Qaside MD, geboren 2013, 170 cm, und der ist genetisch besonders spannend: Er ist ein Cremello mit dem Profil ee AA CrCr, also ein Fuchs mit zwei Cream-Genen. Das bedeutet, dass jedes seiner Fohlen mindestens ein Cream-Gen erbt. Aus jeder Fuchsstute fällt eine Isabelle, aus jeder braunen oder schwarzen Stute ein Falbe oder eine Isabelle. Er wurde als erster und bislang einziger Cremello in Deutschland auf einer Reitpferdekörung gekört und war Prämienhengst. Als Fohlen bekam er bei einer Fohlenschau eine 10,0 für die Bewegung. Heute steht er auf der Hengststation Rohmann in Marl und taucht damit gleichzeitig auf der tschechischen Kinsky-Hengstliste auf.

Ein zweiter Faden führt über den Hengst Florin Gold. Sein Vater Burbon von Alkazar war ein goldisabellfarbener Stempelhengst des Kinsky-Gestüts in Chlumec, seine Mutter Fleur eine Trakehnerin nach Tümmler, die S-Dressur ging. Florin Gold ist gekört und leistungsgeprüft, hat rund 87 Prozent Voll- und Trakehner Edelblut und trägt das Cream-Gen.

Dass die Kinsky-Herkunft in dieser Nische tatsächlich der Regelfall ist, zeigt eine Formulierung des Niedersächsischen Landgestüts Celle. Dort steht seit 2025 der schwedische Palominohengst Zafferano im Frischsameneinsatz, ein Sohn des Zaladin MI aus einer Bernstein-Mutter, der Siege in der Intermediaire I und Platzierungen im Grand Prix vorweisen kann und 2016 seinen 50-Tage-Test mit 8,4 in der Dressur und 8,0 im Springen absolvierte. Celle betont ausdrücklich, dass seine Farbe über die schwedischen Hengste Pompe, Regulator und Bernstein kommt, aus einem vollständigen schwedischen Pedigree, ohne einen Tropfen Kinsky- oder Ponyblut, wie es bei aufgehellten Pferden sonst üblich sei.

Diese Abgrenzung ist verräterisch. Sie sagt im Umkehrschluss: Wenn ein Warmblut in Deutschland golden ist, kommt die Farbe in aller Regel entweder aus dem Pony oder aus dem Kinsky Pferd.

Daneben gibt es Hengste wie Kuriosus, einen im Prämienlot gekörten Palomino-Warmblüter mit Springabstammung.

Für das Kinsky Pferd ist diese Entwicklung zweischneidig. Einerseits sorgt sie dafür, dass die Rasse überhaupt Aufmerksamkeit bekommt und Hengste einen Markt haben. Andererseits fließen ihre Gene damit in eine Zucht ab, die nicht die Kinsky-Zucht ist. Genau das ist der Ausverkauf, den tschechische Züchter beklagen.

Was das Kinsky Pferd von anderen goldenen Pferden unterscheidet

Golden schimmernde Pferde gibt es mehrere, und sie werden regelmäßig verwechselt.

Der Haflinger ist kein Palomino. Seine helle Mähne kommt vom Flaxen-Faktor auf Fuchsbasis, nicht vom Cream-Gen. Häufig kommt Pangaré dazu, das Bauch, Nüstern, Augenumgebung und Beininnenseiten aufhellt und dem Pferd einen falbähnlichen Eindruck gibt.

Der Achal-Tekkiner glänzt metallisch, aber aus einem völlig anderen Grund: Seine Haarstruktur bricht das Licht. Das ist keine Farbe, sondern Optik.

Palomino-Quarter-Horses und die amerikanischen Palomino-Register sind Farbzuchten. Dort steht die Farbe im Zentrum, die Rassezugehörigkeit ist offen.

Das Kinsky Pferd ist anders gelagert. Es ist eine Rasse mit eigenem Zuchtbuch, eigener Leistungsprüfung, geführten Stutenfamilien und einem staatlich anerkannten Zuchtprogramm, bei der die Farbe eines von mehreren Zuchtzielen ist und die Leistung nie ersetzt hat. Genau deshalb formulieren tschechische Quellen den Unterschied so deutlich: Anders als bei schnell zusammengestellten Farbzuchten wurde hier mit großer Sorgfalt über fast zwei Jahrhunderte gezüchtet.

Häufige Fragen zum Kinsky Pferd

Wie viele Kinsky Pferde gibt es noch?

Weltweit sind rund 1.000 Pferde eingetragen, darunter etwa 300 Zuchtstuten und je nach Jahr 11 bis rund 20 gekörte Deckhengste. Pro Jahr fallen etwa 30 bis 50 Fohlen.

Ist das Kinsky Pferd vom Aussterben bedroht?

Die Population gilt als gefährdet. Tschechien führt die Rasse als Kulturgut, zahlt nach Angaben des Zuchtverbands aber keine Erhaltungsprämien. Der Bestand ist stabil, aber klein, und der Anteil ursprünglicher Kinsky-Genetik liegt bei rund 20 Prozent.

Sind alle Kinsky Pferde golden?

Nein. Im Gestüt Hradištko fallen goldene und normalfarbige Fohlen etwa im Verhältnis eins zu eins. Fuchs, Brauner, Rappe und Schimmel kommen vor. Nur isabellfarbene und falbe Pferde dürfen den Namenszusatz Kinský führen.

Was ist der Unterschied zwischen Isabelle und Falbe beim Kinsky Pferd?

Isabelle, international Palomino, ist ein Fuchs mit einem Cream-Gen: goldenes Fell, weißes bis cremefarbenes Langhaar. Falbe im Sinne von Buckskin ist ein Brauner mit einem Cream-Gen: sandfarbenes Fell, schwarzes Langhaar, schwarze Beine.

Wie groß wird ein Kinsky Pferd?

Zwischen 158 und 175 cm, üblich sind 165 bis 170 cm.

Wofür wurde das Kinsky Pferd gezüchtet?

Zuerst für die Parforcejagd nach englischem Vorbild, dann für Hindernisrennen. Heute wird es in Dressur, Springen, Vielseitigkeit, im Fahrsport, im Polo, bei Jagden und als Freizeitpferd geritten.

Wer war Lata Brandisová?

Eine mit den Kinskys verwandte Gräfin, die 1937 im Alter von 42 Jahren auf der Kinsky Stute Norma die Velká pardubická gewann. Sie ist bis heute die einzige Frau, die dieses Rennen gewonnen hat. Richard Askwith hat ihre Geschichte 2019 unter dem Titel Unbreakable veröffentlicht.

Kann man ein Kinsky Pferd in Deutschland kaufen?

Ja. In Deutschland sind mehrere Züchter beim tschechischen Verband gelistet, und einzelne Pferde werden regelmäßig angeboten. Drei Deckhengste der Saison 2026 stehen in Deutschland. Der Import aus Tschechien ist EU-Inlandstransport und entsprechend unkompliziert.

Warum heißt das Kinsky Pferd auch Böhmischer Hunter?

I Weil es als Jagdpferd für die Parforcejagd nach englischem Vorbild gezüchtet wurde. Hunter ist der englische Begriff für genau diesen Pferdetyp. Weitere Namen sind Equus Kinsky, Chlumetzer und zlatý kůň, das goldene Pferd.

Heute steckt das Kinsky Pferd auch in vielen Warmblutpalominos