Das Schwarzwälder Kaltblut

Alles Wissenswerte über das Schwarzwälder Kaltblut

Das Schwarzwälder Kaltblut, auch Schwarzwälder Fuchs, St. Märgener Fuchs oder schlicht Wälderpferd genannt, stammt aus dem südlichen Schwarzwald in Baden-Württemberg. Es ist die kleinste und kompakteste Kaltblutrasse Deutschlands und zugleich die älteste Pferderasse des Landes. Stuten erreichen ein Stockmaß von etwa 148 bis 158 cm, Hengste bis zu 160 cm, bei einem Gewicht von rund 600 bis 800 Kilogramm. Die Lebenserwartung liegt meist bei 18 bis 20 Jahren, oft werden die robusten Tiere aber deutlich älter. Typisch ist die Fuchsfärbung vom dunklen Rotfuchs bis zum tiefen Kohlfuchs, häufig mit einer hell abgesetzten Mähne. Im Charakter gilt die Rasse als gutmütig, ruhig, genügsam und arbeitswillig, was sie zum beliebten Freizeitpferd macht. Als gefährdete Nutztierrasse steht sie bis heute auf der Roten Liste und ist in Baden-Württemberg als Kulturgut anerkannt.

Schwarzwälder sind als Freizeitpferde geeignet

Herkunft und Geschichte des Schwarzwälders

Die Heimat des Schwarzwälder Kaltbluts liegt rund um Orte wie St. Märgen und St. Peter im südlichen Schwarzwald. Schon im Mittelalter hielten die Klöster und Bauernhöfe der Region eigene Pferde, früheste schriftliche Belege reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Über Jahrhunderte entstand so ein Pferd, das genau zu den steilen Hängen, langen Wintern und der harten Waldarbeit dieser Landschaft passte. Eine organisierte Zucht mit Zuchtbüchern und geregelter Hengsthaltung begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Mit der Mechanisierung von Land- und Forstwirtschaft brach die Nachfrage nach Arbeitspferden dann massiv ein, und in den 1970er-Jahren stand die Rasse kurz vor dem Verschwinden. 1973 waren nur noch rund 187 Stuten eingetragen. Erst staatliche Förderprogramme und die Beharrlichkeit einzelner Züchter drehten die Entwicklung wieder um.

Ein Kapitel, ohne das es die Rasse in ihrer heutigen Form kaum noch gäbe, spielt im 19. Jahrhundert. 1880 trat das Körgesetz in Kraft, mit dem der Staat schwerere ausländische Kaltblüter einkreuzen und den leichteren Wäldertyp verdrängen wollte. Die Bauern im Schwarzwald hielten dagegen und deckten ihre Stuten trotz angedrohter Geldstrafen weiter mit einheimischen, nicht zugelassenen Hengsten. Ein beliebter Kniff war der sogenannte schwarze Sprung: Die Stute kam zuerst heimlich zum heimischen Wälderhengst und erst danach zum offiziell vorgeschriebenen Deckhengst. Der Grund war bodenständig, denn die ganz schweren Kaltblüter kamen mit dem steilen Gelände schlecht zurecht. Junge Hengste mussten ihre Zugkraft damals an besonders steilen Wegstücken unter Beweis stellen.

Aussehen und Erscheinungsbild

Der Schwarzwälder Fuchs wirkt kräftig, aber nie schwerfällig. Der Kopf ist kurz, trocken und markant, mit einem ausdrucksvollen, freundlichen Auge. Der Hals sitzt gut auf, die Schulter ist schräg, die Kruppe breit und stark bemuskelt. Das Fundament ist korrekt und trocken mit klaren Gelenken und harten Hufen, die Gänge sind locker und raumgreifend. Weiße Abzeichen sind häufig. Eine Besonderheit ist der Kohlfuchs mit sehr dunklem, fast schwarz wirkendem Deckhaar sowie heller Mähne und hellem Schweif. Genetisch zählen auch diese dunklen Tiere eindeutig zu den Füchsen.

Hinter dem Fuchs steckt mehr Genetik, als man vermutet. Die auffallend helle Mähne entsteht beim klassischen Wälder nicht durch das Silbergen, sondern durch das Flaxen-Gen, das die gleiche Aufhellung des Langhaars auch beim Haflinger bewirkt. Ein weiteres Gen, oft Smutty oder Sooty genannt, dunkelt das Fell ab und lässt aus einem gewöhnlichen Fuchs den fast schwarz wirkenden Kohlfuchs werden. Solche sehr dunklen Pferde mit hellem Langhaar heißen Schweißfuchs und sind genetisch trotzdem eindeutig Füchse. Für Züchter reizvoll: Die endgültige Färbung ist schwer vorherzusagen, viele Fohlen hellen mit ein bis drei Jahren erst auf und dunkeln später wieder nach. Das echte Silbergen taucht dagegen nur bei einem winzigen Bruchteil der Tiere auf und kam vermutlich schon vor Generationen über einen eingekreuzten Ardenner in die Rasse. Historisch war der Bestand deutlich bunter. Um 1900 waren nur etwa vier von zehn Pferden Füchse, daneben gab es viele Braune, dazu Rappen und Schimmel. Heute ist kaum noch ein Prozent andersfarbig, weshalb der Rassestandard vorsieht, diese seltenen Farben bewusst als Kulturgut zu erhalten.

Wesen und Charakter

Das Schwarzwälder Kaltblut gilt als ausgesprochen gutmütig und nervenstark. Es geht ruhig und verlässlich zu Werke, ist aber trotzdem munter und arbeitsfreudig, kein träges Pferd also. Diese Mischung macht es sowohl vor der Kutsche als auch unter dem Sattel beliebt. Genügsamkeit gehört ebenfalls zum Naturell, die Rasse kommt mit kargem Futter und rauem Klima gut zurecht.

Haltung und Fütterung

Durch seine Herkunft aus den Höhenlagen des Schwarzwaldes ist der Fuchs wetterfest. Schnee und Kälte machen ihm wenig aus, ein trockener, sauberer Unterstand genügt bei robuster Außenhaltung. Der Energiebedarf lässt sich in der Regel allein über gutes Raufutter decken, Kraftfutter ist meist nicht nötig und nur bei schwerer Arbeit oder sichtbarem Gewichtsverlust sinnvoll. Weil leichtfuttrige Pferde schnell zu viel ansetzen, sollte das Gewicht regelmäßig kontrolliert werden. Ausreichend Bewegung ist Pflicht, damit das kräftige Pferd dauerhaft gesund bleibt.

Einsatz heute

Vom reinen Arbeitspferd hat sich der Schwarzwälder Fuchs zu einem vielseitigen Partner für die Freizeit entwickelt. Er zieht Kutschen und Schlitten, trägt zuverlässig auf Wanderritten und eignet sich für Bodenarbeit, Dressur und ruhige Reitanfänger. Auch in der therapeutischen Arbeit wird die Rasse wegen ihres ausgeglichenen Wesens geschätzt. In der Forstwirtschaft kommt sie bei der bodenschonenden Holzrückung weiterhin zum Einsatz.

Als Freizeitpferd punktet der Schwarzwälder vor allem mit seinem ruhigen, umgänglichen Wesen, das ihn zu einem geradezu idealen Familienpferd macht, auch für weniger erfahrene oder eher vorsichtige Reiter. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von Kutschfahren und Wanderritten über Bodenarbeit und Dressur bis zur Therapiearbeit. Zugleich erlebt der ursprüngliche Zweck eine kleine Renaissance, denn mit dem wachsenden Interesse an bodenschonender Waldarbeit wird das Holzrücken per Pferd wieder gefragter, und dafür ist der trittsichere, zugstarke Fuchs wie geschaffen.

Gefährdete Rasse

Trotz der Erholung steht das Schwarzwälder Kaltblut bis heute auf der Roten Liste gefährdeter Nutztierrassen. In Baden-Württemberg sind inzwischen wieder über 700 Stuten eingetragen, so viele wie seit den 1950er-Jahren nicht mehr. Um Inzucht zu vermeiden, werden vereinzelt Hengste verwandter Rassen wie Noriker und Freiberger eingekreuzt. Ein echtes Original trägt als Brandzeichen die dreiastige Tanne und ist im Ursprungszuchtbuch beim Pferdezuchtverband Baden-Württemberg eingetragen.

Der Weg zurück gelang durch ein ganzes Bündel gezielter Schritte. Neben der behutsamen Einkreuzung verwandter Bergrassen wie Noriker und Freiberger war vor allem staatliches Geld entscheidend, in Form von Erhaltungsprämien für Zuchtstuten und Aufzuchtprämien für Fohlen. Heute läuft die Zucht in einem festen Erhaltungsprogramm unter dem Dach des Landesministeriums, das Landgestüt Marbach versorgt die Deckstationen mit Hengsten aller noch vorhandenen Linien. Trotz der Erholung bleibt die Lage ernst. Nach den letzten breit erfassten Zahlen bewegt sich der Bestand im niedrigen vierstelligen Bereich bei den Stuten und bei rund neunzig gekörten Hengsten, die Rasse steht weiter auf der Beobachtungsliste der gefährdeten Nutztierrassen.

Ein traditionelles Schwarzwälder Gespann

Hengstlinien und berühmte Stammhengste

Die Zuchtgeschichte hat einen dramatischen Kern. Von ursprünglich neun Hengstlinien überlebten den großen Bestandseinbruch nur zwei. Erhalten blieben die D-Linie, begründet vom Hengst Deutschritter, und die M-Linie, die auf den 1925 geborenen Noriker Milan zurückgeht. Diese beiden Namen sind für die Rasse so etwas wie die Stammväter des ganzen Zuchtbaums. Aus diesem Nadelöhr heraus baute man den Hengstbestand mühsam wieder auf, inzwischen gibt es mit einer neu hinzugekommenen Linie wieder sieben Stämme, die mit den Buchstaben D, F, L, M, R, V und W bezeichnet werden. Das Haupt- und Landgestüt Marbach hält heute rund zwei Dutzend Zuchthengste aus allen Linien vor. Die Beschäler tragen dabei meist den Anfangsbuchstaben ihrer Linie im Namen, etwa Moritz oder Maximus in der M-Linie und Dachsberg oder Domingo in der D-Linie.

Brauchtum und Kultur

Im Hochschwarzwald ist die Rasse bis heute ein kulturelles Aushängeschild, und nirgends zeigt sich das eindrucksvoller als an den großen Festtagen. Herzstück ist St. Märgen, wo bereits 1949 das erste Roßfest gefeiert wurde und das seither alle drei Jahre am zweiten September-Wochenende die halbe Region auf die Beine bringt. Zwei Tage lang dreht sich alles um das Schwarzwälder Kaltblut, mit Zuchtschau, Prämierung und einem großen historischen Festumzug, bei dem rund 150 Pferde in vielen Gruppen durch den Ort ziehen. Die Pferdesegnung gehört seit den Anfängen dazu und gab dem Fest einst seinen Namen.

Der eigentliche Blickfang aber sind die Pferde selbst, von Kopf bis Huf herausgeputzt. Um den Hals tragen die Wälder das Kummet, jenes gepolsterte Zuggeschirr, das im Schwarzwald traditionell als hohes, spitz zulaufendes Spitzkummet gearbeitet wird. Für die Feste wird es blank poliert und mit glänzenden Messingbeschlägen sowie einem runden Messingspiegel verziert, sodass es in der Sonne regelrecht aufblitzt. Solche Kummete werden bis heute von wenigen spezialisierten Schwarzwälder Sattlern in reiner Handarbeit und nach Maß gefertigt, ein Handwerk, das eng mit der Rasse verbunden ist.

Dazu kommt das komplette Festgeschirr aus dunklem Leder und schimmerndem Messing, oft ergänzt durch klingende Schellen und einen aufwendigen Stirn- und Kopfschmuck. Die Mähne wird kunstvoll eingeflochten und mit bunten Bändern, kleinen Rosetten und Blumen durchwirkt, ebenso der Schweif. Gerade beim Schwarzwälder Fuchs mit seinem dunklen Fell und dem hellen, wallenden Langhaar wirkt dieser Kontrast aus glänzendem Messing, leuchtenden Bändern und blonder Mähne besonders festlich. Ob vor der geschmückten Kutsche oder als stolzes Gespann im Umzug, so verkörpern die Pferde ein Stück lebendige Schwarzwälder Tradition, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.