Westernreiten

Reitanfänger beim Westernreiten

Westernreiten: Was diese Reitweise ausmacht, woher sie kommt und wie du sie lernst

Ein Reiter sitzt tief und ruhig im Sattel, der Zügel hängt locker durch, das Pferd geht in einem gemächlichen, weich zu sitzenden Trab und wartet auf das kleinste Signal. Dieses Bild haben die meisten im Kopf, wenn sie an Westernreiten denken. Dazu Cowboyhut, Fransenjacke, Lagerfeuer und weites Land bis zum Horizont. Ein Teil davon stimmt. Der andere Teil verdeckt, wie viel Können und wie viel Ausbildung hinter dieser scheinbar so entspannten Reitweise stecken. Westernreiten ist eine Impulsreitweise, die aus der täglichen Arbeit am Rind entstanden ist. Alles daran hat einen praktischen Grund: der schwere Sattel, die freie Zügelhand, die selbstständigen Pferde. Dieser Text zeigt dir, was das Westernreiten wirklich ausmacht, wie es aus Spanien über Mexiko in den amerikanischen Westen und schließlich nach Deutschland kam, welche Disziplinen es gibt und wo du selbst damit anfangen kannst.

Was das Westernreiten im Kern ausmacht

Der größte Unterschied zur klassischen englischen Reitweise liegt in der Art, wie Reiter und Pferd miteinander reden. Beim englischen Reiten steht das Pferd in ständiger Anlehnung, der Reiter hat dauerhaft leichten Kontakt zum Pferdemaul, die Schenkel liegen an, das Gewicht arbeitet permanent mit. Beim Westernreiten läuft das Pferd am durchhängenden Zügel und trägt sich dabei selbst. Der Reiter sitzt die meiste Zeit ruhig und passiv, schwingt mit der Bewegung mit und greift erst dann ein, wenn er etwas verändern möchte. Solange das Pferd gleichmäßig und aufmerksam vorangeht, gibt der Reiter kein Signal.

Ein gut ausgebildetes Westernpferd reagiert auf feinste Hilfen aus Gewicht, Schenkel und Zügel. Gelenkt wird einhändig, meist mit der linken Hand. Diese Technik heißt Neck Reining: Der Zügel wird sanft an den Hals gelegt, und das Pferd weicht von diesem Kontakt weg. Wer nach rechts abbiegen möchte, legt den Zügel an die linke Halsseite. Der praktische Hintergrund ist naheliegend. Ein Cowboy brauchte die zweite Hand für das Lasso, für ein Gatter oder für die Arbeit am Rind. Ein Pferd, das sich mit einer Hand und mit dem Gewicht dirigieren lässt, war für ihn schlicht die Voraussetzung, überhaupt arbeiten zu können.

Aus dieser Herkunft folgt das oberste Ausbildungsziel: die vollständige Durchlässigkeit des Pferdes. Das Pferd soll willig auf jede Gewichts- und Schenkelhilfe eingehen, ohne zu blockieren, und dabei ruhig und mitdenkend bleiben. Amerikanische Cowboys sprechen vom Cow Sense, dem Gespür des Pferdes für das Rind, das eigenständig eine Bewegung mitgeht, ohne dass der Reiter sie einzeln ansagen muss. Genau diese Eigenständigkeit macht ein Westernpferd wertvoll und verlangt gleichzeitig eine lange, geduldige Ausbildung. Was am Ende leicht und beiläufig aussieht, ist das Ergebnis vieler Trainingsstunden.

Sattel, Zäumung und Ausrüstung beim Westernreiten

Am auffälligsten ist der Westernsattel. Er hat eine tiefe, bequeme Sitzmulde, einen hohen hinteren Rand und breite Steigbügel aus Holz oder Leder. Vorne sitzt das Sattelhorn, an dem früher das Lasso befestigt wurde, wenn ein Rind vom Pferd aus eingefangen und gehalten werden musste. Der Sattel liegt mit einer großen Fläche auf dem Pferderücken und verteilt so das Gewicht des Reiters breit. Das machte lange Arbeitstage von vielen Stunden für Pferd und Mensch erträglicher. Dieser Komfort hat allerdings ein Gewicht: Ein Westernsattel bringt oft mehr als zehn Kilogramm auf die Waage und ist damit deutlich schwerer als ein englischer Sattel. Für den Pferderücken ist er also nicht automatisch die schonendere Wahl, auch wenn die große Auflagefläche das Gewicht gut verteilt.

Bei der Zäumung gibt es mehrere Stufen, die sich am Ausbildungsstand des Pferdes orientieren. Junge Pferde beginnen häufig mit einer gebisslosen Zäumung, dem Bosal, einem Nasenband aus geflochtener Rohhaut, das auf die Hackamore-Reiterei der kalifornischen Vaqueros zurückgeht. Auch eine wassertrensenähnliche Zäumung, im Western Snaffle genannt, kommt in der Grundausbildung zum Einsatz und wird zweihändig geritten. Das fertig ausgebildete Pferd geht schließlich einhändig auf Westernkandare. Der California Style setzt eher auf die feine Hackamore-Tradition, der Texas Style eher auf die gebrauchsorientierte Kandarenreiterei. Die Zügel sind entweder geteilt, die sogenannten Split Reins, oder zu einem geschlossenen Zügel mit einem herabhängenden Ende, der Romal-Zäumung, verbunden.

Zur Ausrüstung gehört noch mehr, das aus der Arbeit stammt. Chaps schützen die Beine vor Dornen und Wetter, der breitkrempige Hut hält Sonne und Regen ab, und die typischen Stiefel mit glattem Absatz sitzen sicher im Steigbügel. Vieles davon ist heute Stilelement und Tradition, hatte aber ursprünglich einen ganz konkreten Nutzen auf der Weide.

Die drei Gangarten Walk, Jog und Lope

Das Westernpferd bewegt sich in drei Grundgangarten, die eigene Namen tragen und sich in der Ausführung von den englischen Gangarten unterscheiden. Der Walk ist der ruhige, gleichmäßige Schritt. Der Jog entspricht einem gemächlichen, sehr weich zu sitzenden Trab. Der Reiter bleibt dabei ruhig im Sattel sitzen und steht nicht auf, wie es beim englischen Leichttraben üblich ist. Genau das empfinden viele Einsteiger als angenehm, weil das mühsame Aussitzen oder Leichttraben entfällt und der Rhythmus schnell ins Gefühl geht. Der Lope schließlich ist ein langsamer, runder Galopp mit weichem Bewegungsablauf.

Das Ideal ist ein Pferd, das sein Tempo eigenständig hält. Gibt der Reiter einmal den Impuls zum Jog, soll das Pferd dieses Tempo über eine lange Strecke von allein beibehalten, ohne dass ständig nachgetrieben oder korrigiert werden muss. Diese Selbstständigkeit ist ein Kernstück der Reitweise und der Grund, warum ein sauber ausgebildetes Westernpferd im Gelände so ausdauernd und angenehm zu reiten ist.

Woher das Westernreiten stammt

Die Wurzeln liegen nicht in Texas oder Montana, sondern in Spanien. Als die spanischen Konquistadoren im 16. Jahrhundert nach Amerika kamen, brachten sie Pferde und Rinder mit, die es dort bis dahin nicht gab. In Mexiko entstand daraus eine großflächige Viehzucht, und spanische Fachleute bildeten Einheimische zu berittenen Rinderhirten aus. Diese Hirten hießen Vaqueros, abgeleitet vom spanischen Wort für Kuh. Sie sind die Vorläufer der nordamerikanischen Cowboys und der südamerikanischen Gauchos.

Die Vaqueros brachten eine reiche Reitkultur mit. Ihre Vorfahren hatten in Spanien Kriegs- und Stierkampfpferde ausgebildet, zu deren Können enge Wendungen und versammelte Lektionen gehörten. Aus dieser hohen Reitkunst wurde in Amerika alles herausgezogen, was sich für die Arbeit am Rind gebrauchen ließ. Enge Drehungen, schnelle Stopps, blitzartige Richtungswechsel: Was für das Einfangen und Sortieren von Rindern nötig war, blieb erhalten und wurde verfeinert.

Besonders prägend war Kalifornien. Die spanische Kolonie lebte über eineinhalb Jahrhunderte weitgehend abgeschottet vom Weltgeschehen. Die mitgebrachten Pferde vermehrten sich frei und bildeten die Grundlage der wilden Mustangherden. Nur die besten Tiere wurden ausgewählt und zugeritten. Aus den spanischen Sätteln und Gebissen entwickelten sich hier die kalifornischen Westernsättel und die Kunst der gebisslosen Hackamore-Reiterei. So entstanden über Generationen zwei Ausprägungen, die bis heute nachwirken: der feinere kalifornische Stil und der eher gebrauchsorientierte texanische Stil.

Ihre bekannte Blütezeit erlebte die Reitweise im 19. Jahrhundert, als sich die Rinderzucht von den Südweststaaten bis in die Rocky Mountains ausbreitete und riesige Herden über weite Strecken nach Norden getrieben wurden. Diese Cattle Drives verlangten Pferden und Reitern alles ab. Der Sattel war für den Cowboy Arbeitsplatz, Sitzgelegenheit und manchmal Schlafunterlage in einem. Mit der Modernisierung der Landwirtschaft ging die Zahl der Cowboys zurück, und die Reitweise verlor an Bedeutung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie wieder in Schwung, diesmal als Sport und Freizeitbeschäftigung. Von dort trat sie ihren Weg nach Europa an.

Wie das Westernreiten nach Deutschland kam

In Deutschland ist das Westernreiten eine vergleichsweise junge Reitweise, die sich erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wirklich etabliert hat. Ein früher Schritt war die Gründung der Deutschen Quarter Horse Association, kurz DQHA, im Jahr 1975. Sie gilt als der erste Westernpferdeverband des Landes und kümmerte sich zunächst vor allem um die Zucht der amerikanischen Quarter Horses. Damit war eine Grundlage gelegt, denn ohne geeignete Pferde bleibt eine Reitweise reine Theorie.

Kurz darauf formierte sich der Verband, der das Westernreiten in Deutschland bis heute prägt. Am 20. August 1977 wurde in einem Frankfurter Hotel eine Dachorganisation für das Westernreiten aus der Taufe gehoben, aus der die Erste Westernreiter Union Deutschland hervorging, allgemein als EWU bekannt. Als offizielles Gründungsjahr gilt 1978. Seit 1993 ist die EWU auf Bundesebene freier Anschlussverband der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, also der FN, die den gesamten deutschen Pferdesport dachartig zusammenfasst. Damit war das Westernreiten als eigenständige, sportliche Reitweise anerkannt und nicht länger eine exotische Randerscheinung.

Die EWU ist heute der größte Westernreitsportverband in Deutschland und Europa. Sie gliedert sich in fünfzehn Landesverbände, die über das ganze Bundesgebiet verteilt Turniere, Kurse und Prüfungen organisieren. Bemerkenswert ist ihre Offenheit: Anders als in vielen klassischen Zuchtrichtungen sind bei EWU-Turnieren Pferde aller Rassen und sogar Vierbeiner ohne Abstammungsnachweis startberechtigt. Der Verband vereint Breitensport und Leistungssport gleichrangig unter einem Dach, vom ersten Playday für Einsteiger bis zur Deutschen Meisterschaft.

Neben der EWU gibt es weitere wichtige Organisationen. Die National Reining Horse Association Germany, gegründet 1987, hat sich ganz auf eine einzige Disziplin spezialisiert, das Reining. Mit ihren Mitgliedern aus Deutschland und mehreren Nachbarländern hat sie sich zum zweitgrößten Reiningverband der Welt entwickelt und richtet jedes Jahr eine große Zahl an Turnieren aus. Diese Spezialisierung zeigt, wie ernsthaft und sportlich das Westernreiten inzwischen betrieben wird.

Interessant ist auch die Geschichte im Osten Deutschlands. Dort verbreitete sich das Westernreiten erst nach der Wende richtig, obwohl es schon vorher vereinzelt Begeisterte gab, die heimlich Kontakt zur EWU in der damaligen Bundesrepublik aufnahmen. In Sachsen fand das erste Westernreitturnier im August 1992 statt. Weil Ausrüstung anfangs kaum zu bekommen war, wurden Sättel selbst gebaut und Schäferhüte kurzerhand zu Westernhüten umfunktioniert. Diese Aufbruchstimmung sagt viel darüber aus, wie stark die Faszination für diese Reitweise war und ist. Menschen suchten einen anderen, ruhigeren Weg mit dem Partner Pferd und fanden ihn im Westernreiten.

Die Disziplinen im Überblick

Wer das Westernreiten für gemütliches Spazierenreiten am losen Zügel hält, unterschätzt seine sportliche Tiefe. Es gibt eine ganze Reihe von Turnierdisziplinen, die jeweils andere Fähigkeiten von Pferd und Reiter verlangen. Die EWU führt in ihrem Turniersport unter anderem Trail, Western Horsemanship, Western Pleasure, Ranch Riding, Western Riding, Showmanship at Halter, Reining, Working Cowhorse und die anspruchsvolle Kombinationsprüfung Superhorse.

Die bekannteste und oft als Königsdisziplin bezeichnete Prüfung ist das Reining. Der Name kommt von den Zügeln, den Reins, und meint eine Art Westerndressur. Das Pferd zeigt in einer festgelegten, auswendig gerittenen Aufgabe, dem Pattern, seine ganze Athletik. Dazu gehören schnelle Drehungen auf der Stelle, die Spins, das spektakuläre Anhalten aus vollem Galopp mit langem Rutschen, der Sliding Stop, gesprungene Richtungswechsel, die Roll Backs, große und kleine Zirkel mit Tempowechseln, fliegende Galoppwechsel und das Rückwärtsrichten. Für den Sliding Stop tragen die Pferde spezielle Gleiteisen, und auch der Boden muss dafür geeignet sein. Reining ist seit April 2000 als offizielle Disziplin des internationalen Reitsportverbandes anerkannt und war Bestandteil der Weltreiterspiele. Eine besonders publikumswirksame Variante ist die Freestyle Reining, bei der das Pattern zu selbst gewählter Musik geritten wird, oft in passendem Kostüm, vergleichbar mit einer Kür in der Dressur, nur meist freier und lockerer.

Western Pleasure ist eine Prüfung, die in der Gruppe geritten wird. Ein Richter lässt die Teilnehmer die Grundgangarten Walk, Jog und Lope zeigen und auch rückwärtsrichten. Bewertet wird, wie ruhig, gleichmäßig und angenehm das Pferd geht. Beim Trail bewältigt das Paar einen Parcours mit Hindernissen, die der Arbeit im Gelände nachempfunden sind: Gatter öffnen und schließen, über Stangen steigen, über eine Brücke gehen, rückwärts durch enge Gassen. Western Horsemanship stellt die Sitz- und Hilfengebung des Reiters in den Mittelpunkt, ähnlich wie eine Prüfung der reiterlichen Feinheit. Ranch Riding und Western Riding zeigen den flüssigen Bewegungsablauf und saubere Galoppwechsel im Sinne der ursprünglichen Arbeitsreiterei.

Ein besonders altes Herzstück ist die Arbeit am Rind. Beim Cutting trennt das Pferd ein einzelnes Rind aus der Herde und hält es mit blitzschnellen Reaktionen davon ab, zurückzukehren. Beim Working Cowhorse kommt zur dressurmäßigen Arbeit die direkte Auseinandersetzung mit dem Rind hinzu. Hier zeigt sich der Cow Sense am deutlichsten, das eigenständige Mitdenken des Pferdes. Daneben gibt es die schnellen Geschicklichkeitsdisziplinen, oft als Gymkhana zusammengefasst. Beim Barrel Racing umrundet das Pferd in einem Kleeblattmuster drei Tonnen auf Zeit, beim Pole Bending schlängelt es sich im Renntempo durch eine Reihe von Stangen. Diese Disziplinen sind schnell, packend und bei Zuschauern beliebt.

Damit Einsteiger und Profis nicht durcheinander an den Start gehen, arbeitet die EWU mit Leistungsklassen von LK 5 bis LK 1. Die LK 5 ist die unterste Klasse und vor allem für Freizeitreiter gedacht, hier ist noch nicht einmal eine Mitgliedschaft nötig. Die LK 4 ist die Einsteigerklasse, und mit wachsendem Können und über Turniererfolge oder Reitabzeichen steigt man Stufe für Stufe bis zur höchsten Klasse LK 1 auf. So findet vom ersten Versuch bis zur Meisterschaft jeder ein passendes Turnier.

Welche Pferde sich fürs Westernreiten eignen

Drei amerikanische Rassen prägen das Bild des Westernreitens. Das Quarter Horse ist das klassische Cowpony, ruhig im Kopf, wendig, kräftig in der Hinterhand und mit einem angeborenen Gespür für das Rind. Sein Name kommt von seiner Schnelligkeit über die Viertelmeile. Das Paint Horse unterscheidet sich vom Quarter Horse im Wesentlichen durch seine auffällige Scheckung und teilt mit ihm die Herkunft und die Eignung. Das Appaloosa fällt durch seine getupfte Fellzeichnung auf und ist ebenfalls ein gelassenes, arbeitswilliges Pferd. Diese drei Rassen sind über Generationen gezielt auf die Anforderungen der Reitweise gezüchtet worden und bringen körperliche wie charakterliche Vorteile mit.

Trotzdem ist das Westernreiten offen wie kaum eine andere Reitweise. Weil es auf Charakter, Ausbildung und das Verhältnis zwischen Pferd und Reiter ankommt, sind grundsätzlich alle Rassen willkommen. Auf EWU-Turnieren sieht man neben den amerikanischen Rassen auch Haflinger, Freiberger, Fjordpferde, Isländer, Araber und viele Mischlinge. Ein gelassenes, arbeitswilliges Pferd mit gutem Rücken und williger Hinterhand kann das Westernreiten lernen, unabhängig von seiner Abstammung. Wichtig sind Talent, Ausbildung und Vertrauen. Wer also bereits ein Pferd hat, muss für den Einstieg nicht zwingend ein Quarter Horse kaufen.

Ist Westernreiten leichter oder schwerer als englisches Reiten?

Diese Frage stellen sich fast alle, die zwischen den beiden Reitweisen schwanken, und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, wovon man spricht. Die allerersten Schritte fallen im Westernreiten vielen Einsteigern tatsächlich leichter. Der tiefe Sattel mit der ausgeprägten Sitzmulde und dem hohen hinteren Rand gibt viel Halt und Sicherheit, gerade in schnelleren Wendungen. Der Jog lässt sich bequem aussitzen, das mühsame Leichttraben entfällt, und die Suche nach Gleichgewicht und Rhythmus, die englische Anfänger im Trab oft eine Weile beschäftigt, spielt hier eine kleinere Rolle. Dazu kommt, dass gute Westernschulpferde ausgesprochen ruhig und gut erzogen sind und ihren Reiter durch ihre Selbstständigkeit im Sattel halten. Für den ersten Ausritt oder die erste Reitstunde ist das ein echter Vorteil.

Sobald es aber um sauberes, richtiges Reiten geht, gleicht sich der Aufwand an. Beide Reitweisen verlangen einen ausbalancierten, unabhängigen Sitz, ohne den nichts funktioniert. Der Unterschied liegt in der Art der Einwirkung. Der englische Reiter arbeitet ständig, hält Anlehnung, gibt fortlaufend Hilfen und formt das Pferd aktiv. Der Westernreiter muss lernen, im richtigen Moment fast unsichtbar einzuwirken und dazwischen konsequent nichts zu tun, damit das Pferd seine Selbstständigkeit behält. Diese Feinheit und dieses Timing sind für sich genommen anspruchsvoll. Vieles, was am Ende leicht und beiläufig aussieht, ist das Ergebnis einer langen, konsequenten Ausbildung von Pferd und Reiter.

Man kann es so zusammenfassen: Der Einstieg ins Westernreiten ist für viele sanfter, weil Sattel, Gangarten und Schulpferd Sicherheit geben. Der Weg zum wirklich guten Reiten ist in beiden Reitweisen gleich weit und verlangt Geduld, Übung und ein gutes Auge. Wer die eine Reitweise beherrscht, hat es beim Wechsel zur anderen etwas leichter, weil der ausbalancierte Sitz die gemeinsame Grundlage bildet. Am Ende entscheidet weniger der Schwierigkeitsgrad als die eigene Vorliebe. Wer die ruhige, partnerschaftliche Art mit viel Eigenverantwortung des Pferdes und eine Prise Weite und Gelassenheit sucht, fühlt sich im Westernsattel wohl. Wer die formvollendete, kontrollierte Feinarbeit der klassischen Reitweise mag, bleibt eher beim englischen Reiten.

Wo und wie du Westernreiten lernst

Der beste Weg führt in eine Reitschule oder einen Reitstall mit Westernschwerpunkt und einem qualifizierten Westerntrainer. Dort lernst du von Anfang an die richtige Sitzhaltung, die Hilfengebung mit Gewicht, Schenkel und Zügel, das einhändige Neck Reining und den Umgang mit der Ausrüstung. Ein guter Trainer baut die Ausbildung auf denselben Grundpfeilern auf, die auch die klassische Reiterei kennt: gleichmäßiger Takt in allen Gangarten, Losgelassenheit des Pferdes, williges Annehmen der Hilfen und eine aktive, tragende Hinterhand. Auf diesem Fundament entstehen die Manöver, die Stopps, Wendungen und Figuren.

Als organisatorischer Anlaufpunkt lohnt sich der Blick auf die EWU und ihre fünfzehn Landesverbände. Sie bieten deutschlandweit Reitkurse bei verschiedenen Trainern, Trainingscamps und Cowboy Camps an und veranstalten Turniere für jede Könnensstufe. Ein sinnvoller roter Faden für die eigene Ausbildung sind die Abzeichen. Es gibt Motivationsabzeichen für den Anfang und darauf aufbauende Reitabzeichen, die deinen Ausbildungsstand belegen und gleichzeitig die Tür zu höheren Leistungsklassen im Turniersport öffnen. Wer das Reining vertiefen möchte, findet bei der NRHA Germany spezielle Kurse, Camps und eine gezielte Jugendförderung.

Zum Ausprobieren eignen sich Schnupperkurse und Reiterferien mit Westernschwerpunkt besonders gut. Dort reitest du auf gut ausgebildeten, gelassenen Schulpferden und bekommst ein Gefühl dafür, ob dir die Reitweise liegt, bevor du dich langfristig festlegst. Viele Höfe stellen individuell auf Alter und Erfahrung abgestimmte Programme zusammen, sodass auch ungeübte Reiter sicher starten können. Plane von Beginn an genug Zeit ein. Ein eingespieltes Team aus Pferd und Reiter entsteht nicht in ein paar Stunden, sondern über Wochen und Monate gemeinsamer Arbeit. Genau in dieser ruhigen, aufeinander eingehenden Entwicklung liegt für viele der besondere Reiz.

Für wen sich das Westernreiten eignet

Das Westernreiten passt zu Menschen, die eine ruhige, partnerschaftliche Reitweise suchen und Freude daran haben, ein Pferd mitdenken zu lassen, statt es ständig zu dirigieren. Es eignet sich für Freizeitreiter, die entspannt und sicher durchs Gelände wollen, ebenso wie für sportlich ehrgeizige Reiter, die sich im Reining, im Trail oder in der Rinderarbeit messen möchten. Der sichere Sattel und die gelassenen Pferde machen es zu einem freundlichen Einstieg für Anfänger, während die Tiefe der Disziplinen auch über viele Jahre neue Ziele bereithält.

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Ich bin Daniela

Reitlehrerin FN und Therapeutische Reitlehrerin und absoluter Fan von Fjordpferden