Schecken in der Warmblutzucht

Plattenschecken in der modernen Warmblutzucht: Die Linien von Ico und Samber

Plattenschecken gehören heute zu den auffälligsten Erscheinungen der modernen Warmblutzucht. Inzwischen gibt es farbige Spring- und Dressurpferde, deren Pedigrees sich kaum noch von denen einfarbiger Sportpferde unterscheiden. Cornet Obolensky, Kannan, Diamant de Semilly, Chacco-Blue, Baloubet du Rouet oder Totilas finden sich heute ebenso in den Abstammungen moderner Schecken wie die alten Farbvererber.

Der Weg dorthin war jedoch lang. Über viele Jahrzehnte wurden Schecken vor allem wegen ihrer Farbe gezüchtet. Ein geschlossenes Netz leistungsstarker Sportlinien existierte kaum. Noch schwieriger war es, einen farbigen Hengst in einem anerkannten Warmblutzuchtverband unterzubringen. Selbst Hengste mit guter Abstammung und überzeugender Eigenleistung wurden häufig zunächst als Farbpferde betrachtet und nicht als ernsthafte Sportpferdevererber.

Zwei Hengste nahmen bei der Veränderung dieser Wahrnehmung eine Schlüsselrolle ein: der 1967 geborene niederländische Rappschecke Ico, in älteren Unterlagen auch unter seinem niederländischen Namen Adeldom geführt, und der 1976 geborene KWPN-Hengst Samber. Beide begründeten keine vollständig geschlossenen Hengstlinien im klassischen Sinne, wie man sie etwa von Cor de la Bryère oder Donnerhall kennt. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, dass sie das dominante Tobiano-Gen dauerhaft mit sportlich brauchbarem Warmblut verbanden.

Dabei entwickelten sich die beiden Familien durchaus unterschiedlich. Die Ico-Linie wurde besonders über Springpferde, Mächtigkeitsspringen und deutsche Pinto-Hunter-Zuchten bekannt. Samber gewann dagegen als vom KWPN anerkannter Hengst internationale Bedeutung und hinterließ sowohl Dressur- als auch Springpferde sowie eine große Zahl gekörter Söhne in verschiedenen Ländern.

Ico: Der frühe Leistungsträger unter den Warmblutschecken

Ico wurde 1967 geboren und war ein Sohn des Trakehners Marco Polo aus der Sonja von Sinaeda. In den Niederlanden wurde er ursprünglich unter dem Namen Adeldom geführt. Später gelangte er nach Deutschland und wurde insbesondere in der hessischen Warmblut- und Scheckenzucht eingesetzt.

Seine Abstammung war für einen Scheckhengst seiner Zeit außergewöhnlich interessant. Sein Vater Marco Polo war kein Farbzuchthengst, sondern ein bedeutender Trakehner, der in der niederländischen Warmblutzucht einen nachhaltigen Einfluss hinterließ. Marco Polo stammte von Poet xx aus der Mirakel von Altan und brachte zahlreiche leistungsstarke Nachkommen. Zu seinen Söhnen gehörten neben Ico unter anderem Irco Polo, Legaat und Topas. Über andere Nachkommen Marco Polos reicht dessen Einfluss bis in die internationale Springpferdezucht.

Ico war somit nicht das Ergebnis einer isolierten Scheckenzucht, sondern stammte aus einer Familie, in der Leistungsbereitschaft, Härte und Springvermögen bereits fest verankert waren. Seine Mutter Sonja war eine Tochter des Groninger Hengstes Sinaeda. Gerade die Verbindung von Sinaeda-Töchtern mit Marco Polo brachte mehrere auffallend springbegabte Pferde hervor.

Ico wurde als gekörter Hengst in das KWPN-Stutbuch aufgenommen und später in Hessen eingesetzt. In Deutschland entwickelte er sich zu einem der wichtigsten frühen Vererber farbiger Warmblutpferde. Seine Bedeutung beruht nicht allein auf der Zahl seiner Nachkommen. Entscheidend war vielmehr, dass mehrere seiner Söhne und Töchter im gehobenen Sport erfolgreich waren oder eigene leistungsstarke Familien begründeten.

Zu seinen bekanntesten direkten Nachkommen zählen:

Nekoma, international erfolgreich im Springsport und in Mächtigkeitsspringen bis 2,30 Meter;

Ilasso, ein gekörter Pinto-Hunter-Hengst, der selbst zahlreiche Nachkommen hinterließ;

Ico Sun, Hannoveraner Hengst und Vater mehrerer Sport- und Zuchtpferde;

Irma la Douce, eine erfolgreiche Sportstute und eine der häufig genannten Leistungsträgerinnen aus der Ico-Nachzucht;

Indra F, eine einflussreiche Zuchtstute und Mutter des gekörten, bis Klasse S erfolgreichen Samico F;

Ico’s Sohn, ein aus einer Absatz-Mutter gezogener deutscher Reitpferdehengst;

Inkognito 10, ein Sohn aus einer Labrador-Mutter;

Feuertanz, ein weiterer in der Zucht eingesetzter Ico-Sohn;

Ilasso, aus einer Lasso-Mutter, der vor allem als Pinto-Hunter-Vererber Bedeutung erlangte;

sowie eine größere Zahl weiterer Sportpferde und Zuchtstuten, die in den damaligen Turnier- und Zuchtdatenbanken häufig nur unvollständig erfasst wurden.

Gerade bei älteren Pferden aus der Ico-Linie ist die Quellenlage schwierig. Viele seiner Nachkommen wurden zu einer Zeit geboren, in der Turnierergebnisse noch nicht lückenlos digital erfasst wurden. Zahlreiche Pferde erscheinen zudem unter abweichenden Sport- und Zuchtnamen. Deshalb darf man eine heutige Datenbankliste nicht mit der tatsächlichen Lebensleistung des Hengstes gleichsetzen.

Nekoma: Der sportlich bedeutendste Sohn des Ico

Der 1981 geborene Rappscheckhengst Nekoma war ohne Zweifel einer der bedeutendsten direkten Ico-Söhne. Seine Mutter Harmonie stammte von Edelmann xx und führte über die zweite Mutter Halla weiteres bewährtes hessisches Leistungsblut.

Nekoma war kein Hengst, der nur aufgrund seiner ungewöhnlichen Farbe bekannt wurde. Er wurde selbst auf hohem Niveau im Springsport eingesetzt. Unter seinem langjährigen Reiter Jürgen Kenn erzielte er Siege und Platzierungen in Großen Preisen und Mächtigkeitsspringen. Bereits siebenjährig qualifizierte er sich für das Hamburger Springderby und soll damit der jüngste Teilnehmer des damaligen Starterfeldes gewesen sein.

Besondere Bekanntheit erlangte er in Mächtigkeitsspringen, bei denen er Hindernisse bis zu einer Höhe von 2,30 Metern bewältigte. Seine Lebensgewinnsumme wurde mit mehr als 100.000 D-Mark angegeben. Pferdedatenbanken führen ihn auf einem Leistungsniveau bis 1,60 Meter. Damit gehört Nekoma zu den wenigen frühen Plattenschecken, deren sportliche Klasse nicht lediglich aus Erzählungen oder Hengstwerbung abgeleitet wird, sondern durch Starts und Erfolge im schweren Springsport belegt ist. (hengststation-hauptmann.at)

Gerade dieser Punkt macht ihn für die Geschichte der Sportscheckenzucht so bedeutend. Während bei vielen farbigen Hengsten der ersten Generation zunächst die Zeichnung im Vordergrund stand, besaß Nekoma eine Eigenleistung, die auch bei einem einfarbigen Hengst bemerkenswert gewesen wäre.

Nekoma als Vererber

Nekoma wurde über viele Jahre züchterisch genutzt. Nach Angaben seiner früheren Hengststation brachte er in Deutschland mindestens neun gekörte Söhne hervor. Für das Jahr 2004 wurden dreizehn im Turniersport registrierte Nachkommen genannt, von denen zwei bereits Erfolge in Klasse S erreicht hatten. Diese Zahlen bilden allerdings nur einen Ausschnitt ab, weil zahlreiche Nachkommen im Ausland standen oder in der Turnierdatenbank nicht vollständig erfasst waren.

Zu den bekannten oder züchterisch eingesetzten Nekoma-Nachkommen zählen unter anderem:

Nebrasco

Nebrasco gehört zu den bekanntesten Hengsten, die Nekoma im Pedigree führen. Er wurde vor allem als Vererber farbiger Sport- und Reitpferde genutzt. Über seine Töchter und Söhne ist Nekoma bis heute in zahlreichen deutschen Sportschecken vertreten.

Nebrasco gewann insbesondere als Muttervater Bedeutung. In verschiedenen modernen Pedigrees erscheint er hinter Dressur- und Springhengsten und verbindet dort die alte Ico-Nekoma-Farbe mit neuerem Warmblutleistungsblut.

Nick

Der gekörte Hengst Nick wird als direkter Nekoma-Sohn geführt und war selbst bis Klasse S im Springen erfolgreich. Über ihn wurde die Ico-Linie in mehreren deutschen Pinto- und Reitpferdezuchten fortgeführt.

Nuts Hats

Der 1992 geborene Nuts Hats wird in den Datenbanken als Nekoma-Sohn geführt. Auch er wurde züchterisch eingesetzt und gehört zu jener Gruppe älterer Nachkommen, über die heute nur noch verstreute Informationen vorhanden sind.

Nakoma 5

Die 2001 geborene Stute Nakoma 5 stammt von Nekoma aus einer Faberge-Mutter. Sie steht beispielhaft für die zahlreichen Nekoma-Töchter, die entweder selbst sportlich eingesetzt oder in der Zucht verwendet wurden.

Neica

Neica, geboren 2001, stammt von Nekoma aus einer Federball-Mutter. Sie verbindet damit die Ico-Linie mit klassischem deutschem Reitpferdeblut.

Never Ending

Die ebenfalls 2001 geborene Never Ending stammt von Nekoma aus einer Feuerglanz-Mutter. Auch sie gehört zur späteren Nachkommenschaft des Hengstes.

Nekito Nekoma

Der 2015 geborene Braunscheckhengst Nekito Nekoma entstand aus einer ungewöhnlichen späten Anpaarung. Seine Mutter La Stella stammt von Samenco I B, einem Samber-Sohn. In seinem Pedigree treffen somit die beiden historischen Hauptlinien der Warmblutscheckenzucht unmittelbar aufeinander: Ico über Nekoma auf der Vaterseite und Samber über Samenco I B auf der Mutterseite.

Nekoma’s Nikola

Der 2016 geborene Nekoma’s Nikola ist ein Vollbruder beziehungsweise eng verwandter Bruder zu Nekito Nekoma und stammt ebenfalls aus der La Stella von Samenco I B. Er wurde in Österreich gekört, als Prämienhengst ausgezeichnet und absolvierte seine Hengstleistungsprüfung mit einer Endnote von 8,28. Beim Freispringen wurde sein Vermögen mit 9,0 bewertet. Außerdem wurde er österreichischer Bundeschampion der Reitpferde.

Züchterisch ist Nekoma’s Nikola besonders interessant, weil er reinerbig für Tobiano ist. Er gibt das Scheckgen daher an sämtliche Nachkommen weiter. Gleichzeitig ist er reinerbig für Schwarz und kann keine Füchse erzeugen. Er ist einer der letzten direkten Söhne des 1981 geborenen Nekoma und damit ein seltener genetischer Brückenschlag von der frühen deutschen Sportscheckenzucht in die Gegenwart. (rimondo.com)

Little Paint: Nekomas Einfluss in der Vielseitigkeit

Nicht nur direkte Söhne und Töchter machten die Linie bekannt. Ein besonders interessantes Beispiel aus der folgenden Generation ist Little Paint. Er war ein Enkel Nekomas und wurde unter dem deutschen Vielseitigkeitsreiter Frank Ostholt eingesetzt.

Little Paint belegte bei den Bundeschampionaten der Geländepferde in Warendorf den dritten Platz und wurde ebenfalls Dritter bei der Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde in Dijon. Damit zeigte die Nekoma-Linie, dass ihr Leistungsvermögen nicht ausschließlich auf das klassische Springen beschränkt war. (hengststation-hauptmann.at)

Gerade Little Paint ist für die Beurteilung der Linie wichtig. Ein einzelner Hengst kann selbst außergewöhnlich springen, ohne diese Fähigkeit sicher weiterzugeben. Wenn jedoch ein Enkel auf Weltmeisterschaftsniveau bei den jungen Vielseitigkeitspferden erfolgreich ist, deutet dies darauf hin, dass die Familie nicht nur Farbe, sondern tatsächlich sportliche Substanz weitergegeben hat.

Nekoma als Vater erfolgreicher S-Springpferde

Nach den überlieferten Stationsangaben standen bereits Anfang der 2000er-Jahre mehrere Nekoma-Nachkommen im schweren Springsport. Zwei seiner damals in Deutschland registrierten Turniernachkommen waren in Klasse S erfolgreich. Hinzu kamen im Ausland eingesetzte Pferde, deren Ergebnisse in den deutschen Statistiken nicht oder nur teilweise erfasst wurden.

In späteren Pedigrees wird Nekoma deshalb nicht lediglich als „Pinto-Hengst“, sondern ausdrücklich als S-erfolgreicher Springhengst oder als Sieger und Platzierter in Mächtigkeitsspringen geführt. Die Bezeichnung ist züchterisch relevant, weil sie ihn von zahlreichen Hengsten trennt, die zwar gekört waren, deren sportliche Eigenleistung jedoch nicht über Basisprüfungen hinausging.

Eine vollständige Liste aller S-erfolgreichen Nekoma-Nachkommen ist aus öffentlich zugänglichen Quellen gegenwärtig kaum seriös zu rekonstruieren. Dafür müssten die historischen FN-Jahrbücher, die alten Hengstverteilungspläne und die einzelnen Lebensgewinnsummen der Nachkommen zusammengeführt werden. Sicher ist jedoch, dass Nekoma selbst international bis 1,60 Meter eingesetzt wurde, neun gekörte Söhne hinterließ und bereits zu Lebzeiten mehrere Nachkommen im schweren Springsport vorweisen konnte. (HorseTelex)

Ilasso: Ein weiterer gekörter Sohn des Ico

Der 1988 geborene Scheckhengst Ilasso war ein direkter Sohn Icos aus der Lurena von Lasso. Er wurde im Zuchtverband für deutsche Pferde eingesetzt und zählt zu den bekannteren Pinto-Hunter-Hengsten seiner Generation.

Ilasso hinterließ mindestens vierzig in der Datenbank erfasste Nachkommen. Dazu gehören unter anderem:

Ilan, geboren 2000, aus einer Landadel-Mutter;

Iron Eagle, geboren 1999, aus einer Goldklang-Mutter;

Ikabana 4, geboren 1997, aus einer Sambuco-B-Mutter;

Iccug von Schleck, geboren 2011, aus einer Disconto-Mutter.

Ilassos Bedeutung lag vor allem in der züchterischen Verbreitung der Ico-Linie. Er wurde weniger durch eine einzelne herausragende Sportkarriere bekannt als durch seine Verwendung in der deutschen Pinto-Hunter-Zucht. Über seine Nachkommen wurde Ico mit Hengsten wie Landadel, Goldklang, Sambuco B und Disconto verbunden. (rimondo.com)

Ico Sun

Der 1987 geborene Hannoveraner Ico Sun stammte von Ico aus der Sabrina von Sarastro xx. Er war mit 167 Zentimetern ein großrahmiger Rappschecke und wurde beim Zuchtverband für deutsche Pferde geführt.

Sportpferdedatenbanken nennen für ihn mehr als hundert Nachkommen. Einzelne Nachkommen waren bis etwa 1,40 Meter im Springsport erfolgreich. Damit erreichte seine Linie zwar nicht die internationale Bekanntheit Nekomas, sie trug jedoch erheblich zur Verbreitung des Ico-Blutes bei.

Zu seinen erfassten Nachkommen gehören:

Undercover 11, geboren 2001, aus einer Fernando-Mutter;

Ico’s Glory, geboren 1996, aus einer Romanow-Mutter;

Pathoe Z, geboren 1997, aus einer Toronto-Mutter;

Iceman 12, geboren 1998, aus einer Samber-Mutter.

Besonders Iceman 12 ist genealogisch interessant, weil bei ihm Ico auf der Vaterseite und Samber auf der Mutterseite zusammengeführt wurden. Solche Kombinationen waren später ein wichtiger Weg, die unterschiedlichen Scheckenfamilien miteinander zu verbinden und zugleich die Wahrscheinlichkeit farbiger Nachkommen zu erhalten. (rimondo.com)

Indra F und die Entstehung von Samico F

Eine der wichtigsten Ico-Töchter für die weitere deutsche Sportscheckenzucht war Indra F. Sie stammte aus der Allegra F und wurde mit Samber angepaart. Aus dieser Verbindung ging der Scheckhengst Samico F hervor.

Samico F wurde Körungssieger und Prämienhengst und war im Sport bis Klasse S erfolgreich. Damit vereinte er die beiden großen frühen Scheckenlinien unmittelbar: Samber als Vater und Ico als Muttervater.

Diese Kombination war züchterisch besonders wertvoll. Samber brachte seine KWPN-Anerkennung, seine Doppelveranlagung und seine internationale Verbreitung ein. Ico steuerte über Indra F die deutsche Spring- und Leistungsfamilie bei. Samico F wurde dadurch zu einem der bedeutendsten deutschen Scheckhengste der nachfolgenden Generation.

Aus der weiteren Zucht mit Samico F entstand unter anderem Saintico. Dessen Mutter Impalla war wiederum eine direkte Ico-Tochter. Saintico führt Ico daher sowohl über die Vater- als auch über die Mutterseite. Gleichzeitig stammt er über Samico F von Samber ab.

Saintico wurde gekört und leistungsgeprüft. Er ist reinerbig für Tobiano und vererbt die Scheckzeichnung deshalb an alle seine Nachkommen. Bei seiner Leistungsprüfung erhielt er unter anderem eine 9,5 für den Charakter und eine 7,5 für die Geländespringanlage. Damit steht er exemplarisch für die gezielte Konsolidierung der alten Farb- und Leistungslinien.

Irma la Douce

Neben den gekörten Söhnen wird in älteren Beschreibungen der Ico-Linie regelmäßig die Stute Irma la Douce genannt. Sie gehörte zu den sportlich bekannten direkten Ico-Nachkommen und trug dazu bei, seinen Ruf als Springpferdevererber zu festigen.

Gerade die Töchter Icos dürfen bei der Betrachtung der Linie nicht unterschätzt werden. Während die Hengste durch Körungen und Deckanzeigen vergleichsweise gut dokumentiert sind, verschwanden viele sportlich erfolgreiche Töchter später aus der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei waren es häufig gerade diese Stuten, die das Ico-Blut als Mutter oder Großmutter in jüngere Sportpferdegenerationen weitergaben.

Warum die Ico-Linie nicht auf Nekoma reduziert werden darf

Nekoma war der bekannteste und sportlich auffälligste Sohn Icos. Trotzdem wäre es falsch, die gesamte Linie auf ihn zu beschränken. Ico hinterließ mehrere züchterisch eingesetzte Söhne, Sportpferde und bedeutende Töchter. Über Indra F führte sein Einfluss zu Samico F und Saintico. Über Ico Sun und Ilasso entstanden weitere Zweige. Über Nekoma erreichte die Familie den schweren Springsport und später auch die Vielseitigkeit.

Die Struktur der Ico-Linie lässt sich deshalb vereinfacht folgendermaßen darstellen:

Ico – Nekoma – gekörte Nekoma-Söhne und S-Springpferde – Little Paint in der Vielseitigkeit

Ico – Indra F – Samico F – Saintico

Ico – Ilasso – Ilan, Iron Eagle, Ikabana und weitere Zuchtnachkommen

Ico – Ico Sun – Undercover 11, Ico’s Glory, Pathoe Z und Iceman 12

Diese Zweige verliefen teilweise getrennt und wurden später wieder mit Samber-Blut, klassischen deutschen Warmblutlinien und modernen internationalen Sporthengsten verbunden.

Samber: Der erste vom KWPN anerkannte farbige Sporthengst

Während Ico vor allem über Deutschland und die Pinto-Hunter-Zucht wirkte, erhielt Samber durch seine Anerkennung beim KWPN eine noch größere internationale Bedeutung.

Samber wurde 1976 in den Niederlanden geboren. Sein Vater war der Vollblüter Pericles xx, seine Mutter Tina D stammte von Ordonnans aus einer Romeo-Mutter. Samber war damit zu fünfzig Prozent Vollblüter und besaß einen für die damalige Scheckenzucht ungewöhnlich hohen Blutanteil.

1979 absolvierte er seine hunderttägige Hengstleistungsprüfung. Für Charakter und Temperament erhielt er die Höchstnote 10. Mit einer Gesamtpunktzahl von 160,2 Punkten erhielt er das A-Zertifikat. Er wurde als farbiger Hengst vom KWPN anerkannt und blieb dort lange der einzige regulär eingetragene Plattenscheckhengst. (Eurodressage)

Samber wurde in der Dressur bis Grand Prix und im Springen bis zur niederländischen Klasse Z ausgebildet. Seine Eigenleistung war damit außergewöhnlich vielseitig. Anders als viele spätere Spezialvererber wurde er nicht ausschließlich als Dressur- oder Springhengst wahrgenommen, sondern als echter Doppelvererber.

Über Jahrzehnte deckte Samber zwischen ungefähr 55 und 180 Stuten pro Saison. Tiefgefriersamen stand von ihm nicht zur Verfügung, weil sich sein Samen nicht zum Einfrieren und nur schlecht zum Kühlen eignete. Seine internationale Verbreitung entstand deshalb vor allem über exportierte Nachkommen und gekörte Söhne. (Eurodressage)

Die wichtigsten gekörten Söhne Sam­bers

Samber hinterließ weltweit zahlreiche gekörte Söhne. Zu den bekanntesten gehören:

Art Deco

Art Deco stammte von Samber aus einer Zorba-Mutter und wurde besonders in Nordamerika zu einem der einflussreichsten farbigen Warmbluthengste. Er wurde im Sport eingesetzt und begründete eine umfangreiche Zuchtfamilie. Viele nordamerikanische Colored Sport Horses führen Art Deco unmittelbar oder über Töchter und Söhne im Pedigree.

Seine Bedeutung lag vor allem darin, dass er Samber-Blut in einer Zeit nach Nordamerika brachte, in der europäische Plattenschecken dort noch selten waren. Art Deco wurde mit Hannoveraner-, Vollblut- und weiteren europäischen Warmblutstuten angepaart. Dadurch entstanden farbige Pferde, die für Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Hunterprüfungen eingesetzt wurden.

Sambertino

Der Hengst Sambertino stammte von Samber aus einer Wellington-Mutter. Wellington war ein erfolgreicher niederländischer Sportpferdevererber und Vater gekörter Hengste sowie internationaler Springpferde.

Sambertino verband deshalb das Tobiano-Gen Sam­bers mit einer bewährten KWPN-Leistungslinie. Er wurde in der britischen und internationalen Warmblutzucht eingesetzt und brachte wiederum gekörte Söhne und erfolgreiche Sportpferde hervor.

Sambesis

Sambesis, ein Sohn Sam­bers aus einer Utrecht-Mutter, gehörte ebenfalls zu seinen bekanntesten gekörten Nachkommen. Über den Muttervater Utrecht führte er weiteres klassisches niederländisches Warmblutblut.

Art Deco, Sambertino und Sambesis werden in zeitgenössischen Berichten ausdrücklich als die bekanntesten gekörten Samber-Söhne genannt. (Eurodressage)

Samico F

Samico F war ein Samber-Sohn aus der Ico-Tochter Indra F. Er wurde in Deutschland Körungssieger und Prämienhengst und erreichte im Springsport die Klasse S.

Er gehört deshalb zu den wichtigsten Bindegliedern zwischen der niederländischen Samber- und der deutschen Ico-Linie. Seine Bedeutung reicht weit über die reine Farbvererbung hinaus. Mit einer sportlich erfolgreichen Eigenleistung und einer Mutter aus der Ico-Familie verkörperte er bereits das spätere Zuchtziel des leistungsorientierten Warmblutschecken.

Samenco I B

Samenco I B, geboren 1988, war ein weiterer züchterisch bedeutender Samber-Sohn. Über seine Töchter und Söhne ist er in zahlreichen österreichischen und deutschen Pinto-Pedigrees vertreten.

Besonders interessant ist seine Tochter La Stella, die mit Nekoma die Hengste Nekito Nekoma und Nekoma’s Nikola brachte. Auch hier wurden die Linien von Samber und Ico gezielt zusammengeführt.

Apollo

Der Hengst Apollo gilt als einer der jüngsten gekörten Söhne Sam­bers. Er wurde geboren, als Samber bereits 29 Jahre alt war. Seine Zuchtkarriere trug dazu bei, direktes Samber-Blut noch weit in die jüngere Sportscheckenzucht zu erhalten. (pintobreeder)

Samber-Nachkommen im internationalen Sport

Samber brachte nicht nur gekörte Hengste hervor. Seine Nachkommen wurden in Dressur, Springen und Vielseitigkeit eingesetzt. Pferdedatenbanken führen mehrere Hundert sportlich registrierte Nachkommen. Ein Teil erreichte internationales Niveau. Die genaue Zahl variiert je nach Datenbank, weil Samber-Nachkommen in zahlreiche Länder exportiert wurden und dort teilweise unter veränderten Namen starteten.

Seine besondere züchterische Leistung bestand darin, dass er nicht ausschließlich Farbe vererbte. Er brachte Pferde mit Rittigkeit, Leistungsbereitschaft und vielseitigem Talent hervor. Seine eigene Ausbildung bis Grand Prix in der Dressur und Z-Springen war dabei mehr als ein Werbeargument. Sie zeigte, dass der Hengst selbst die sportlichen Anforderungen beider Disziplinen bewältigte.

Samber wurde dadurch zu dem Hengst, der dem farbigen Warmblut international erstmals eine gewisse züchterische Legitimation verschaffte. Ico hatte zuvor bereits leistungsfähige Schecken und insbesondere hervorragende Springpferde hervorgebracht. Samber brachte die Farbe anschließend in ein großes, international anerkanntes Warmblutstutbuch und verbreitete sie über gekörte Söhne weltweit.

Zwei Linien, zwei unterschiedliche Vermächtnisse

Ico und Samber werden häufig gemeinsam genannt, obwohl ihre züchterische Wirkung unterschiedlich war.

Ico war der ältere Hengst und der stärkere Springpferdemacher. Seine Linie brachte mit Nekoma einen international erfolgreichen 1,60-Meter-Springer und Mächtigkeitsspezialisten hervor. Nekoma wiederum hinterließ gekörte Hengste, S-erfolgreiche Nachkommen und über Little Paint einen international erfolgreichen Vielseitigkeitsenkel.

Samber verfügte über die größere internationale Plattform. Als anerkannter KWPN-Hengst und leistungsgeprüfter Doppelvererber konnte er sehr viel breiter eingesetzt werden. Seine gekörten Söhne Art Deco, Sambertino, Sambesis, Samico F, Samenco I B und Apollo verbreiteten das Tobiano-Gen in Europa, Nordamerika und weiteren Zuchtgebieten.

Die moderne Warmblutscheckenzucht wäre ohne keinen der beiden Hengste denkbar. Ico bewies besonders eindrucksvoll, dass aus einer Scheckenlinie echte schwere Springpferde hervorgehen können. Samber sorgte dafür, dass farbige Warmblüter in einem international anerkannten Zuchtbuch Fuß fassten und über zahlreiche gekörte Söhne weltweit verbreitet wurden.

Erst in der Verbindung beider Familien entstand jene Basis, auf der spätere Züchter aufbauen konnten. Samico F, Saintico, Nekito Nekoma und Nekoma’s Nikola sind Beispiele für Pferde, in deren Pedigrees die beiden historischen Linien bereits miteinander verschmolzen sind.

Damit begann der Übergang von der reinen Farbzucht zur leistungsorientierten Zucht des modernen Sportschecken.

Die Ico- und Samber-Linien im Jahr 2026

Ico und Samber sind längst Geschichte, doch ihre Gene sind aus der heutigen Warmblutscheckenzucht keineswegs verschwunden. Sie erscheinen inzwischen meist nicht mehr in der ersten oder zweiten Generation, sondern weiter hinten in den Pedigrees. Genau darin zeigt sich, wie weit sich die Zucht seit den Anfängen entwickelt hat. Die alten Farbvererber werden heute mit modernen Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitslinien kombiniert, sodass die Farbe nicht mehr das gesamte Pedigree bestimmt.

Allerdings ist die Population weiterhin klein. Es gibt 2026 nicht plötzlich Dutzende international erfolgreiche Plattenschecken aus den alten Linien. Vielmehr existieren einige aktive oder genetisch verfügbare Hengste, mehrere junge Nachkommen und eine Reihe von Pferden, bei denen Ico- oder Samber-Blut über die Mutterlinie weitergetragen wird. Die historische Linie ist also noch lebendig, aber sie bildet kein großes, geschlossenes Zuchtbuch innerhalb der Warmblutzucht.

Nekoma’s Nikola: ein direkter Nekoma-Sohn in der Gegenwart

Einer der außergewöhnlichsten noch lebenden Vertreter der Ico-Linie ist Nekoma’s Nikola, geboren 2016. Sein Vater ist tatsächlich noch der 1981 geborene Nekoma, der bedeutendste Sportsohn Icos. Seine Mutter La Stella stammt von Samenco I B, einem Sohn Sam­bers. Nekoma’s Nikola führt damit beide historischen Hauptlinien der Warmblutscheckenzucht unmittelbar in seinem Pedigree.

Seine Abstammung lässt sich vereinfacht so darstellen:

Nekoma’s Nikola – Nekoma – Ico

und auf der Mutterseite:

La Stella – Samenco I B – Samber

Nekoma’s Nikola ist damit nicht nur ein entfernter Nachkomme, bei dem Ico und Samber irgendwo in der fünften oder sechsten Generation auftauchen. Er ist ein direkter Nekoma-Sohn und zugleich ein Enkel des Samber-Sohnes Samenco I B.

Der 164 Zentimeter große Rappschecke wurde gekört, als Prämienhengst ausgezeichnet und als Elitehengst geführt. Er absolvierte seine Hengstleistungsprüfung mit einer Gesamtnote von 8,28. Für sein Vermögen im Freispringen erhielt er eine 9,0. Hinzu kamen Siege beziehungsweise Platzierungen bei österreichischen Reitpferdechampionaten. Er wird für Dressur, Springen und Vielseitigkeit geführt. (rimondo.com)

Besonders interessant ist seine genetische Ausstattung. Nekoma’s Nikola ist homozygot für Tobiano. Er besitzt das Tobiano-Allel also doppelt und gibt es an jedes seiner Fohlen weiter. Unabhängig davon, ob die Stute einfarbig oder gescheckt ist, werden seine Nachkommen mindestens eine Anlage für Tobiano erhalten und daher gescheckt sein.

Auch die Schwarzfarbe liegt bei ihm reinerbig vor. Dadurch kann er selbst kein Fuchsallel weitergeben. Abhängig von der Stute können seine Nachkommen Rapp-, Braun- oder entsprechende Scheckvarianten werden, aber keine Füchse.

Züchterisch verkörpert Nekoma’s Nikola ziemlich genau das, was man sich unter dem Erhalt einer historischen Linie vorstellt. Er konserviert nicht nur die Farbe, sondern führt das Blut von Ico, Nekoma, Samber und Samenco I B in ungewöhnlich unmittelbarer Form weiter.

Die ersten Nachkommen von Nekoma’s Nikola

Inzwischen gibt es mehrere junge Nachkommen von Nekoma’s Nikola. Da der Hengst selbst erst 2016 geboren wurde, befinden sich viele davon noch im Fohlen-, Jungpferde- oder Ausbildungsalter. Über ihre spätere sportliche Bedeutung lässt sich daher noch nichts Belastbares sagen.

Zu seinen erfassten Nachkommen gehört der 2023 geborene Pintohengst N. Phönix, dessen Mutter von dem Friesenhengst Beart 411 abstammt. Diese Anpaarung ist eher dem barocken oder vielseitigen Scheckpferdetyp zuzurechnen und weniger der klassischen internationalen Warmblutsportzucht. Sie zeigt aber, wie breit Nekoma’s Nikola bislang eingesetzt wird. (rimondo.com)

Züchterisch interessanter für die moderne Warmblutzucht sind Anpaarungen mit Dressur- und Springpferdestuten. In den aktuellen Daten finden sich unter anderem Nachkommen aus Totilas-, Quaterback- und weiteren modernen Warmblutlinien. Ein Beispiel ist der 2023 geborene Noskar von Nekoma’s Nikola aus einer Totilas-Mutter. Damit trifft die alte Ico-Nekoma-Samber-Farblinie auf eine der prägendsten modernen Dressurabstammungen. (rimondo.com)

Ob daraus einmal ein bedeutender Zucht- oder Sporthengst entsteht, kann 2026 noch niemand seriös beurteilen. Die Pferde sind dafür schlicht zu jung. Doch gerade diese Anpaarungen zeigen, wie sich die Linie verändert: Die Farbe kommt weiterhin aus der historischen Scheckenfamilie, während Bewegungsqualität, Modernität und sportliche Spezialisierung durch aktuelle Warmblutvererber ergänzt werden.

Für 2026 sind weitere Fohlen von Nekoma’s Nikola dokumentiert oder angekündigt. Die Linie wird damit aktiv weitergeführt und ist nicht nur in älteren Pedigrees konserviert.

Nekito Nekoma: der Vollbruder mit derselben historischen Linienkombination

Der 2015 geborene Nekito Nekoma, auch als Nekito von Nekoma geführt, ist ein Vollbruder von Nekoma’s Nikola. Auch er stammt von Nekoma aus der La Stella von Samenco I B.

Damit vereinigt er ebenfalls:

Ico über Nekoma auf der Vaterseite

und

Samber über Samenco I B auf der Mutterseite.

Nekito Nekoma ist als Braunschecke eingetragen und wird mit einer Größe von etwa 165 Zentimetern geführt. Als Einsatzgebiete sind Dressur, Springen und Vielseitigkeit angegeben. In öffentlich zugänglichen Datenbanken wird er als Deckhengst geführt. Eine vergleichbare dokumentierte Hengstleistungsprüfung und züchterische Nutzung wie bei Nekoma’s Nikola ist allerdings bislang nicht in demselben Umfang nachweisbar. (rimondo.com)

Man sollte die Brüder deshalb nicht einfach gleichsetzen. Nekoma’s Nikola ist gegenwärtig der klarer dokumentierte und züchterisch sichtbarere der beiden. Nekito Nekoma bleibt dennoch genealogisch hochinteressant, weil auch er zu den vermutlich letzten direkten Söhnen Nekomas gehört.

Saintico: Ico und Samber doppelt im Pedigree

Ein weiterer noch verfügbarer Vertreter der alten Linien ist der 2007 geborene westfälische Scheckhengst Saintico.

Sein Vater Samico F war ein Sohn Sam­bers aus der Ico-Tochter Indra F. Die Mutter von Saintico, Impalla, war ihrerseits eine direkte Tochter Icos. Saintico führt Ico damit gleich zweimal:

einmal über seine väterliche Großmutter Indra F und einmal unmittelbar als Vater seiner Mutter.

Gleichzeitig führt er Samber über seinen Vater Samico F.

Vereinfacht sieht die Abstammung folgendermaßen aus:

Saintico – Samico F – Samber

Samico F – Indra F – Ico

und

Saintico – Impalla – Ico

Damit ist Saintico besonders eng auf die beiden historischen Scheckenlinien zurückgeführt. Es handelt sich nicht lediglich um einen entfernten Samber- oder Ico-Nachkommen, sondern um eine gezielte Zusammenführung und Verdichtung beider Familien.

Saintico ist gekört und leistungsgeprüft. In seiner Hengstleistungsprüfung erhielt er unter anderem eine 9,5 für den Charakter, eine 8,0 für die Konstitution und eine 7,5 für die Geländespringanlage. Der Hengst wird weiterhin mit einer Decktaxe angeboten und steht über Natursprung beziehungsweise Tiefgefriersamen zur Verfügung. (Saintico)

Auch Saintico ist homozygot für Tobiano. Dadurch erhalten sämtliche Nachkommen das Tobiano-Allel und werden gescheckt geboren. Diese Farbgarantie ist züchterisch interessant, darf aber nicht mit einer Leistungsgarantie verwechselt werden. Die sichere Weitergabe der Farbe sagt zunächst nichts darüber aus, ob ein Fohlen später ein überdurchschnittliches Dressur-, Spring- oder Vielseitigkeitspferd wird.

Saintico besitzt bislang eine vergleichsweise kleine Nachkommenschaft. Rimondo nennt etwa fünfzehn erfasste Nachkommen. Das ist kein Vergleich zu den großen Warmblutvererbern, die teilweise mehrere Tausend Fohlen hinterlassen. Es zeigt jedoch, dass die Linie weiterhin züchterisch genutzt wird. (rimondo.com)

Ein aktuelles Beispiel ist das 2024 geborene westfälische Hengstfohlen So Bunt HDL von Saintico aus einer Belissimo-M-Mutter. Das Fohlen wurde über die Westfälische Online-Auktion angeboten. In seinem Pedigree wird die stark konsolidierte alte Scheckenlinie Sainticos mit dem modernen Dressurpferdevererber Belissimo M verbunden. (onlineauction.westfalenpferde.de)

Solche Nachkommen zeigen, wohin sich dieser Zweig entwickeln könnte. Saintico wird weniger genutzt, um die alte Linie rein zu erhalten, sondern zunehmend als Farbgeber für modern gezogene Warmblutstuten. Dadurch wird der Anteil von Ico und Samber in jeder Generation kleiner, während das dominante Tobiano-Allel erhalten bleiben kann.

Sempatico M: Ico-Blut in der internationalen Scheckenzucht

Zu den international bekanntesten noch lebenden Hengsten mit Ico-Blut gehört Sempatico M, geboren 1999.

Er ist kein Samber-Sohn und auch kein direkter Hengstliniennachkomme Icos. Sein Vater Semper stammt von Sandro, während seine Mutter Indian Dream eine Tochter Icos ist. Sempatico M führt das Ico-Blut also über die Mutterlinie.

Seine Abstammung lautet:

Sempatico M – Semper – Sandro

aus der

Indian Dream – Ico

Diese Kombination ist ein gutes Beispiel dafür, wie die alte Ico-Linie in modernere Warmblutpedigrees überführt wurde. Der Vater Semper brachte klassisches deutsches Sportpferdeblut ein, während die Mutter Indian Dream die Scheckzeichnung und das Ico-Erbe beisteuerte.

Sempatico M wurde in Deutschland lebenslang gekört und später in die USA exportiert. Er ist homozygot für Tobiano und erzeugt daher ausschließlich gescheckte Nachkommen. Aktuelle Datenbanken führen ihn weiterhin als aktiven Zuchthengst. Je nach Datenbank sind mehr als einhundert Nachkommen erfasst, darunter Sportpferde in Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Hunterprüfungen. (SporthorseData)

Sempatico M ist für die heutige Bedeutung Icos besonders wichtig, weil er die Linie außerhalb Europas verbreitet hat. Seine Nachkommen sind vor allem in Nordamerika zu finden. Dort wurde er mit Warmblut-, Vollblut- und Sportpferdestuten verschiedener Zuchtverbände eingesetzt.

Nicht alle diese Nachkommen sind klassische europäische Warmblüter, und nicht jeder ist im internationalen Spitzensport angekommen. Dennoch hat Sempatico M einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, die Ico-Linie in der nordamerikanischen Colored-Warmblood- und Sportpferdezucht zu etablieren.

Samaii: Samber-Blut in der modernen Dressurpferdezucht

Ein bekannter Vertreter der Samber-Linie ist der 2004 geborene Oldenburger Scheckhengst Samaii. Er stammt von Sambertino, einem der bedeutendsten gekörten Söhne Sam­bers, aus einer Brentano-II-Mutter.

Seine Abstammung führt damit über:

Samaii – Sambertino – Samber.

Über Brentano II erhält das Pedigree zugleich einen starken hannoverschen Dressurpferdeeinfluss.

Samaii wurde als Prämienhengst beim ZfdP ausgezeichnet und für die Oldenburger Zucht anerkannt. Er war der erste in Großbritannien gezogene farbige Hengst, der sowohl eine deutsche 30-Tage- als auch eine 70-Tage-Hengstleistungsprüfung absolvierte. (British Hanoverian Horse Society)

Samaii ist vor allem als Dressurvererber bekannt geworden. Seine Nachkommen erhielten zahlreiche Prämierungen in verschiedenen britischen und europäischen Zuchtprogrammen. Zu seinen gekörten Söhnen gehört Sam Bastian, der bei einer dänischen Körung beziehungsweise im DPZV-Kontext hervorgehoben wurde und später in Finnland sportlich eingesetzt wurde. (Brackenspa Stud)

Ein sportlich besonders interessanter Nachkomme ist Seabiscuit RW von Samaii aus einer Grafenstein-Mutter. Er wurde bis Intermediaire I in der Dressur eingesetzt. Damit existiert in der heutigen Samber-Linie zumindest ein dokumentierter Nachkomme, der den schweren beziehungsweise gehobenen Dressursport erreicht hat. (Brackenspa Stud)

Samaii zeigt damit eine andere Entwicklung als Nekoma’s Nikola oder Saintico. Bei ihm ist Samber bereits weiter nach hinten gerückt. Die Farbe stammt weiterhin aus dieser historischen Familie, doch der übrige Stammbaum wurde konsequent mit hannoverschem und oldenburgischem Dressurblut aufgebaut.

Sambertino und seine Nachkommen

Sambertino selbst wurde 1993 geboren und war einer der bekanntesten Samber-Söhne. Seine Mutter Illustra stammte von Wellington, der wiederum international erfolgreiche Springpferde hinterließ. Sambertino verband daher die Scheckzeichnung Sam­bers mit einer leistungsstarken KWPN-Mutterfamilie.

Er absolvierte seine Hengstleistungsprüfung in Neustadt/Dosse und wurde anschließend in den Niederlanden und Großbritannien züchterisch und sportlich eingesetzt. Seine Nachkommen wurden in Dressur, Para-Dressur, Vielseitigkeit und weiteren Sparten vorgestellt. (International Horse Breeders)

Heute lebt sein Einfluss vor allem über Söhne wie Samaii und über seine Töchter weiter. Sambertino selbst steht nicht mehr im Zentrum der aktuellen europäischen Warmblutzucht, doch seine Linie ist eine der wenigen Samber-Familien, die noch regelmäßig in modernen Dressurpedigrees erscheint.

Junge Pferde sind noch keine bewährten Vererber

Bei der Betrachtung aktueller Schecken ist Zurückhaltung wichtig. Ein auffällig gezeichnetes Fohlen aus einer Totilas-, For-Romance-, Belissimo-M- oder Chacco-Blue-Mutter ist noch kein bedeutendes Sportpferd. Auch eine Körung allein beweist nicht, dass ein Hengst später schwere Prüfungen gehen oder erfolgreiche Nachkommen bringen wird.

Viele der heute interessantesten Ico- und Samber-Nachkommen sind schlicht noch zu jung. Ihre Bedeutung liegt momentan vor allem im Pedigree und in der Möglichkeit, die alte Tobiano-Linie mit moderner Warmblutgenetik zu verbinden.

Ob aus diesen Pferden tatsächlich neue Linienbegründer werden, wird sich erst zeigen, wenn mehrere Voraussetzungen zusammenkommen: überzeugende Eigenleistung, Gesundheit, gute Fruchtbarkeit, genügend hochwertige Stuten und vor allem Nachkommen, die selbst im Sport bestehen.

Die moderne Linie läuft häufig über die Stuten

Der aktuelle Einfluss von Ico und Samber lässt sich nicht allein an Deckhengsten ablesen. Ein erheblicher Teil ihrer Bedeutung liegt inzwischen in den Mutterlinien.

Ein Scheckhengst kann aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden, während seine Töchter über Jahrzehnte hinweg weiterzüchten. Wird eine solche Stute mit einem modernen einfarbigen Hengst angepaart, kann das Tobiano-Allel erhalten bleiben. Der daraus entstehende gescheckte Nachkomme trägt dann zwar einen neuen Hengstnamen, gehört genealogisch aber weiterhin zur alten Ico- oder Samber-Familie.

Genau deshalb erscheinen Ico und Samber heute häufig nicht mehr als offensichtliche Namensgeber. Ihre Gene liegen hinter Müttern, Großmüttern oder Urgroßmüttern und werden mit neuen Sportlinien kombiniert.

Besonders gut lässt sich das an Sempatico M erkennen, der Ico über seine Mutter führt, oder an Saintico, bei dem Ico sowohl über die väterliche als auch über die mütterliche Seite auftaucht. Auch die Verbindung von Nekoma mit der Samenco-I-B-Tochter La Stella zeigt, welche zentrale Rolle die Stuten bei der Erhaltung der Linien spielen.

Was 2026 tatsächlich von Ico und Samber geblieben ist

Die alten Linien leben 2026 vor allem über einige klar erkennbare Zweige weiter:

Nekoma’s Nikola und Nekito Nekoma tragen Ico über ihren Vater Nekoma und Samber über ihren Muttervater Samenco I B.

Saintico führt Samber über Samico F und Ico mehrfach über Indra F und Impalla.

Sempatico M trägt Ico über seine Mutter Indian Dream und hat die Linie besonders in Nordamerika verbreitet.

Samaii führt Samber über Sambertino und verbindet die historische Farblinie mit modernem Dressurpferdeblut.

Hinzu kommen junge Nachkommen dieser Hengste, deren sportliche und züchterische Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist.

Damit ist das Erbe von Ico und Samber keineswegs verschwunden. Es hat sich jedoch verändert. Die beiden Hengste stehen heute nur noch selten weit vorne im Pedigree. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, dass sie das Tobiano-Gen in Familien verankert haben, die anschließend mit modernen Warmblutlinien weiterentwickelt werden konnten.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob ein heutiger Schecke ein möglichst hoher Prozentsatz Ico oder Samber ist. Entscheidend ist, ob die alte Farblinie mit genügend sportlicher Qualität, Gesundheit und moderner Warmblutgenetik verbunden wurde.

Genau darin liegt die Zukunft dieser Pferde. Ico und Samber haben die Tür geöffnet. Ihre heutigen Nachkommen müssen nun beweisen, dass sie nicht nur die auffällige Zeichnung, sondern auch die sportliche Substanz über weitere Generationen erhalten können.