Reiten lernen

Reiten lernen ist zunächst gar nicht so einfach, wie es aussieht

Reiten lernen – der Einstieg in den Reitsport

Reiten gehört zu den ältesten Sportarten der Welt und begeistert bis heute Millionen Menschen. Dabei geht es längst nicht nur darum, auf einem Pferd zu sitzen oder möglichst schnell über Felder zu galoppieren. Reiten bedeutet, mit einem sensiblen Fluchttier zu kommunizieren, Vertrauen aufzubauen und sich gemeinsam als Team zu bewegen. Genau diese besondere Verbindung macht den Reitsport für viele Menschen so faszinierend.

Wer Reiten lernen möchte, stellt sich oft ähnliche Fragen: Ist Reiten schwer? Wie sitzt man richtig im Sattel? Wie lenkt man ein Pferd überhaupt? Und was braucht man für die ersten Reitstunden? Tatsächlich sind die Grundlagen einfacher, als viele glauben – gleichzeitig gehört Reiten zu den anspruchsvollsten Sportarten überhaupt. Denn nicht Kraft entscheidet darüber, ob ein Pferd die Hilfen versteht, sondern Balance, Gefühl und ein guter Sitz.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie Reiten funktioniert, welche Grundlagen jeder Reiter kennen sollte und warum Geduld dabei wichtiger ist als Talent.


Was ist Reiten eigentlich?

Reiten ist die kontrollierte Fortbewegung auf dem Rücken eines Pferdes. Doch diese Beschreibung greift eigentlich viel zu kurz. Ein Pferd ist kein Sportgerät, sondern ein eigenständig denkendes Lebewesen mit einem ausgeprägten Fluchtinstinkt. Deshalb besteht gutes Reiten nicht darin, ein Pferd mit Kraft zu kontrollieren, sondern ihm möglichst feine Signale zu geben, die es versteht und gerne umsetzt.

Diese Verständigung erfolgt über die sogenannten Reiterhilfen. Dazu gehören der Sitz, das Gewicht, die Beine, die Hände und auch die Stimme. Ein gut ausgebildetes Pferd reagiert oft schon auf minimale Gewichtsverlagerungen oder einen leicht veränderten Schenkeldruck. Von außen wirkt das beinahe unsichtbar, tatsächlich steckt dahinter aber jahrelanges Training – sowohl beim Pferd als auch beim Reiter.

Genau deshalb sagen erfahrene Reiter oft: Man lernt nie aus. Selbst Olympiasieger arbeiten täglich an ihrem Sitz und ihrer Hilfengebung.


Wie bewegt sich ein Pferd unter dem Reiter?

Bevor man selbst reitet, lohnt sich ein Blick auf die natürlichen Bewegungen des Pferdes. Jede Gangart fühlt sich anders an und verlangt vom Reiter eine andere Bewegung.

Der Schritt ist die langsamste Gangart. Das Pferd bewegt sich gleichmäßig vorwärts und der Reiter schwingt locker mit der Bewegung des Rückens mit. Für Anfänger ist der Schritt ideal, um zunächst ein Gefühl für das Pferd zu entwickeln.

Der Trab ist deutlich dynamischer. Dabei entstehen leichte Auf- und Abbewegungen, weshalb Reiter schon früh das sogenannte Leichttraben lernen. Dadurch wird die Bewegung für Pferd und Reiter angenehmer.

Der Galopp wirkt oft spektakulär, ist für viele Anfänger aber überraschend bequem. Trotzdem wird er erst geritten, wenn Sitz und Gleichgewicht ausreichend entwickelt sind.

Alle drei Gangarten fühlen sich völlig unterschiedlich an. Genau deshalb dauert es eine Weile, bis der Körper automatisch richtig mitarbeitet.


Wie sitzt man richtig auf einem Pferd?

Ein guter Sitz ist die wichtigste Grundlage des Reitens. Er entscheidet darüber, ob das Pferd die Hilfen überhaupt verstehen kann.

Dabei geht es keineswegs darum, möglichst steif oder geschniegelt im Sattel zu sitzen. Im Gegenteil: Ein guter Reiter wirkt locker, entspannt und bewegt sich harmonisch mit dem Pferd.

Der Oberkörper bleibt aufrecht, ohne ins Hohlkreuz zu fallen. Die Schultern sind entspannt und der Blick richtet sich nach vorne, nicht auf den Pferdehals. Die Arme hängen locker am Körper, während die Hände ruhig über dem Widerrist getragen werden.

Auch die Beine übernehmen eine wichtige Aufgabe. Sie liegen ruhig am Pferd an, ohne dauerhaft zu drücken. Die Fersen sinken leicht nach unten, wodurch das Bein stabiler wird und der Reiter mehr Halt findet.

Viele Anfänger versuchen unbewusst, sich mit den Knien oder den Händen festzuhalten. Genau das führt jedoch dazu, dass der Sitz unsicher wird. Ziel ist vielmehr, das Gleichgewicht über den eigenen Körper zu halten und die Bewegungen des Pferdes locker aufzunehmen.


Wie lenkt man ein Pferd?

Wer noch nie geritten ist, glaubt oft, dass Pferde hauptsächlich über die Zügel gelenkt werden. Tatsächlich sind die Zügel nur ein kleiner Teil der Kommunikation.

Der wichtigste Helfer des Reiters ist sein Sitz. Schon kleine Gewichtsverlagerungen geben dem Pferd Hinweise, wohin es sich bewegen soll. Unterstützt werden diese Signale durch die Schenkel, die dem Pferd Richtung und Vorwärtsbewegung vermitteln.

Die Zügel dienen dagegen vor allem der feinen Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul. Sie sollen niemals zum Ziehen oder Festhalten benutzt werden. Gute Reiter lenken deshalb mit ihrem ganzen Körper – die Hände ergänzen lediglich die übrigen Hilfen.

Gerade diese feine Kommunikation macht den Reitsport so besonders. Je besser Pferd und Reiter miteinander harmonieren, desto kleiner werden die Hilfen.


Ist Reiten schwer?

Viele Einsteiger unterschätzen den Reitsport. Von außen sieht es oft so aus, als müsse man sich lediglich auf den Pferderücken setzen und mitreiten. Tatsächlich fordert Reiten den gesamten Körper.

Gleichgewicht, Beweglichkeit, Koordination und Körperspannung arbeiten ständig zusammen. Gleichzeitig muss der Reiter beobachten, wohin das Pferd läuft, die Umgebung im Blick behalten und passende Hilfen geben.

Deshalb fühlen sich die ersten Reitstunden oft ungewohnt an. Das ist völlig normal. Der Körper muss zunächst lernen, sich den Bewegungen des Pferdes anzupassen. Mit jeder Reitstunde werden diese Abläufe jedoch selbstverständlicher.

Reiten ist also durchaus anspruchsvoll – aber keineswegs zu schwer. Wer regelmäßig Unterricht nimmt und Geduld mitbringt, macht meist schneller Fortschritte, als er selbst erwartet hätte.


Was braucht man zum Reiten?

Für die ersten Reitstunden ist keine teure Ausrüstung notwendig. Die meisten Reitschulen stellen einen Reithelm zur Verfügung und auch das Pferd gehört selbstverständlich zum Unterricht.

Für den Anfang reichen feste Schuhe mit einem kleinen Absatz, eine bequeme lange Hose und wetterangepasste Kleidung. Erst wenn das Reiten zu einem regelmäßigen Hobby wird, lohnt sich die Anschaffung einer gut sitzenden Reithose, eigener Reitstiefel oder Stiefeletten sowie Reithandschuhe.

Wichtiger als die Kleidung ist ohnehin eine gute Reitschule mit ruhigen Schulpferden und qualifiziertem Unterricht.


Typische Fehler beim Reiten lernen

Fast jeder Reitanfänger macht ähnliche Erfahrungen. Viele schauen ständig nach unten auf das Pferd, ziehen unbewusst an den Zügeln oder verspannen Schultern und Arme. Andere möchten jede Bewegung des Pferdes kontrollieren und vergessen dabei, locker mitzugehen.

Diese Fehler gehören ganz normal zum Lernprozess. Ein guter Reitlehrer erkennt sie früh und hilft dabei, eine entspannte Sitzposition zu entwickeln. Mit zunehmender Erfahrung verschwinden viele dieser Unsicherheiten von selbst.

Gerade deshalb sollte niemand erwarten, nach wenigen Reitstunden bereits perfekt zu sitzen. Reiten ist ein Sport, bei dem kleine Fortschritte langfristig den größten Unterschied machen.


Was lernt man in der ersten Reitstunde?

Die erste Reitstunde beginnt meist nicht im Sattel, sondern am Pferd. Viele Reitschulen erklären zunächst den sicheren Umgang mit dem Pferd, zeigen das richtige Führen und beantworten Fragen zur Ausrüstung.

Erst anschließend geht es ans Aufsteigen. Die ersten Minuten verbringt man meist im Schritt, um sich an die Bewegungen des Pferdes zu gewöhnen. Je nach Unterrichtsform folgen erste Lenkübungen oder kurze Trabsequenzen, häufig noch an der Longe, damit sich der Anfänger ganz auf seinen Sitz konzentrieren kann.

Niemand muss nach der ersten Stunde bereits alles beherrschen. Ziel ist vielmehr, ein Gefühl für das Pferd zu entwickeln und Vertrauen aufzubauen.


Warum Reiten so faszinierend ist

Kaum eine andere Sportart verbindet Bewegung, Natur und den Umgang mit Tieren so intensiv wie das Reiten. Jede Reitstunde ist anders, denn jedes Pferd besitzt seinen eigenen Charakter. Mal fordert es den Reiter etwas mehr, mal trägt es ihn mit beeindruckender Gelassenheit durch die Bahn.

Mit der Zeit entsteht daraus eine Partnerschaft, bei der Mensch und Pferd immer besser aufeinander abgestimmt sind. Genau dieses Zusammenspiel macht für viele Reiter den größten Reiz aus. Reiten bedeutet deshalb weit mehr, als nur eine Technik zu erlernen – es ist die Kunst, sich auf ein anderes Lebewesen einzulassen und gemeinsam als Team zu wachsen.

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