
Alles über Falben
Du stehst vor einem sandfarbenen Pferd mit einem dunklen Strich über dem Rücken und fragst dich sofort: echter Falbe oder nur so gefärbt? Genau an dieser Stelle trennt sich Halbwissen von echtem Verständnis. Im Stallalltag nennen viele Reiter jedes helle Pferd mit dunkler Mähne einen Falben. Hinter der echten Falbe steht aber eine ganz bestimmte Anlage, und eine ganze Reihe anderer Farben spielt dir eine Falbe nur vor. Dieser Beitrag ordnet die Farbe sauber ein: woran du eine echte Falbe erkennst, welche Wildzeichnung dazugehört, was im einzelnen Haar passiert, welche Farbschläge es gibt, welche Farben dich täuschen und welche Rassen die Falbe von Natur aus tragen.
Woran du eine echte Falbe erkennst
Eine echte Falbe hat immer zwei Dinge zugleich: ein aufgehelltes Körperfell und eine deutliche Wildzeichnung. Das Körperfell wirkt gedämpft, sandfarben, gelblich, mausgrau oder blass rötlich, je nach Grundfarbe darunter. Ein durchgefärbtes Pferd derselben Grundfarbe leuchtet dagegen satt und kräftig. Diese matte, wie verwaschene Wirkung des Körpers ist der erste Hinweis.
Der zweite Hinweis liegt an den sogenannten Punkten. Das Falbgen hellt den Rumpf auf und lässt die Randbereiche dunkel: die Beine, den Kopf, die Mähne, den Schweif und den Aalstrich. Genau diese Kombination aus hellem Körper und dunklen Punkten macht die Falbe aus.
Der dritte Hinweis steckt tiefer und ist der zuverlässigste von allen. Das Falbgen verändert allein das Fell. Haut und Augen bleiben unberührt und damit dunkel. Sobald ein Pferd rosa gesprenkelte Haut oder helle Augen zeigt, arbeitet ein anderes Aufhellergen. Wer diese drei Punkte prüft, erkennt eine Falbe schon von Weitem und liegt fast immer richtig.
Die Wildzeichnung im Detail
Die Wildzeichnung, im Englischen primitive markings genannt, ist das Herzstück der Falbe. Sie besteht aus dunklen Streifen und Schattierungen, die schärfer und dunkler sind als das umgebende Fell. Kein einzelnes Pferd trägt alle diese Zeichen gleich stark, doch je mehr davon zusammenkommen, desto sicherer steht eine echte Falbe vor dir.
Der Aalstrich ist das wichtigste Zeichen und bei praktisch jeder Falbe vorhanden. Er läuft als scharfer, durchgehender Streifen vom Widerrist über den ganzen Rücken bis zum Schweifansatz. Im Englischen heißt er auch lineback. Entscheidend ist, dass er sich in Mähne und Schweif fortsetzt und deren Kern dunkel färbt.
Die zweifarbige Mähne folgt direkt daraus. Der dunkle Kern des Aalstrichs zieht durch die Mähne, während an den Rändern hellere Deckhaare stehen. Diese hellen Grannenhaare rahmen den dunklen Kern und werden im Englischen frosting oder guard hairs genannt, das Ergebnis heißt anschaulich sandwich mane. Beim Fjordpferd wird die Mähne zur Bürste geschnitten, damit dieser helle Rand über dem dunklen Kern besonders schön hervortritt. Ein einfarbig schwarzes oder einfarbig helles Langhaar spricht gegen eine echte Falbe.
Die Zebrastreifen an den Beinen sind waagerechte dunkle Streifen an Unterarm, Knie, Sprunggelenk und Röhre. Sie sind oft blass und manchmal nur bei bestimmtem Lichteinfall zu sehen, gehören aber zu den häufigeren Zeichen.
Das Schulterkreuz zieht als dunkler Querbalken über Widerrist und Schulter, quer zum Aalstrich. Es erinnert an ein liegendes Kreuz und ist bei ursprünglichen Rassen wie dem Dülmener häufig kräftig ausgeprägt.
Die Gesichtsmaske ist eine dunklere Partie im Gesicht, oft in Form eines umgekehrten V, das zwischen den Augen beginnt und über die untere Gesichtshälfte zieht. Besonders bei Mausfalben wirkt der Kopf dadurch wie maskiert.
Die Spinnwebzeichnung, im Englischen cobwebbing oder spiderwebbing, besteht aus feinen, ringförmig oder strahlenförmig angeordneten Linien auf der Stirn. Sie ist die seltenste der Zeichnungen und am ehesten bei Grullos zu finden.
Die Ohrzeichnung zeigt sich als dunkle Ohrspitzen, dunkle Ränder und feine Querstreifen auf der Rückseite der Ohren. Manche Falben tragen sogar helle bis weiße Ohrspitzen.
Dazu kommen seltenere Zeichen. Ein Nackenschatten liegt als dunkler Fleck in der Halsgrube. Die Bider-Zeichnung ist ein dunkler Fleck oder ein spinnwebartiges Feld auf dem Schulterblatt und tritt fast nur bei sehr ursprünglichen Rassen auf. Die Fischgrätenzeichnung besteht aus feinen senkrechten Strichen beiderseits des Aalstrichs, wie an einer Gräte. Ganz selten laufen sogar senkrechte Körperstreifen über den Rumpf, ähnlich wie bei einem Zebra.

Das Falbgen: was im einzelnen Haar passiert
Die Farbe entsteht am sogenannten Dun-Locus, dem Gen TBX3 auf dem Pferdechromosom 8. Das Falbgen trägt das Kürzel D und vererbt sich dominant. Eine einzige Kopie reicht also, damit ein Pferd falb wird.
Spannend wird der Blick durchs Mikroskop. Ein Pferdehaar hat einen leicht ovalen Querschnitt und liegt mit seiner flachen Seite zur Haut. Bei einer Falbe ist das TBX3-Gen nur auf einer Seite des Haarbalgs aktiv, nämlich auf der Seite, die vom Körper weg nach außen zeigt. Dadurch lagert sich Farbpigment allein auf dieser Außenseite ab, während die Innenseite hell bleibt. Von Weitem summieren sich diese halb gefärbten Haare zu einem aufgehellten Gesamteindruck. In den Zonen der Wildzeichnung, also in Aalstrich, Mähne, Kopf und Beinen, bleibt das Haar rundherum voll gefärbt und damit satt dunkel. Diesen Weg hat ein internationales Forscherteam um Freyja Imsland aufgeklärt und 2016 in Nature Genetics veröffentlicht. Seither gilt als gesichert, dass die Falbe die ursprüngliche Wildfarbe des Pferdes ist, ein Tarnkleid für das offene Grasland.
Wie alt diese Farbe ist, zeigt uralte DNA. In den Knochen eines Pferdes, das vor rund 43.000 Jahren lebte, also lange vor jeder Zähmung, ließ sich das Falbgen bereits nachweisen. Manche Höhlenmalereien der Steinzeit zeigen Pferde in genau dieser sandfarbenen Tönung mit dunklem Rückenstrich. Das mongolische Przewalski-Pferd, das letzte echte Wildpferd, trägt die Falbe bis heute.
D, nd1 und nd2: die drei Varianten und warum das für die Zucht zählt
Am selben Locus sitzen drei Varianten, und wer sie kennt, versteht viele Missverständnisse.
Die Variante D erzeugt die volle Aufhellung samt Wildzeichnung. Das ist die echte Falbe.
Die Variante nd1, non-dun 1, hellt das Fell nur wenig oder gar nicht auf, bringt aber häufig eine schwache Wildzeichnung mit, etwa einen zarten Rückenstrich. Ein solches Pferd sieht kräftig gefärbt aus und trägt trotzdem einen Strich über dem Rücken. Genau hier entsteht die häufigste Verwechslung überhaupt. Diese Variante ist uralt und stammt aus der Zeit vor der Zähmung.
Die Variante nd2, non-dun 2, lässt Fell und Wildzeichnung weitgehend verschwinden. Sie entstand erst nach der Zähmung und ist die Variante, die die meisten heutigen Hauspferde tragen. Der Mensch hat über die Jahrtausende bunte, satt gefärbte Pferde bevorzugt und die Tarnfarbe damit fast verdrängt.
In der Rangfolge setzt sich D gegen nd1 und nd2 durch, nd1 wiederum gegen nd2. Für die Zucht folgt daraus einiges. Eine reinerbige Falbe mit zwei D-Kopien gibt die Falbe an jedes Fohlen weiter, egal welche Farbe der Partner mitbringt. Eine Falbe mit nur einer D-Kopie vererbt die Farbe im Schnitt an die Hälfte der Nachkommen. Decken zwei sichtbare Falben, die beide zusätzlich eine Nicht-Falb-Variante mittragen, kann sogar ein durchgefärbtes Fohlen fallen. Wer sicher planen will, lässt am TBX3-Locus testen, etwa bei Laboren wie der Veterinary Genetics Laboratory der Universität Davis. Der Test zeigt auch, ob eine Falbe reinerbig ist.
Ein Sonderfall führt Züchter gern in die Irre. Manche durchgefärbten Fohlen kommen mit einem Rückenstrich und blassen Beinstreifen zur Welt, die nach dem Fohlenfellwechsel wieder verschwinden. Besonders spätere Schimmel zeigen das. Solche Fohlen werden dann fälschlich als Falbe eingetragen, obwohl allein das Fohlenfell diese Streifen trug.

Die Farbschläge der Falbe
Welchen Ton eine Falbe zeigt, hängt von der Grundfarbe darunter ab. Das Falbgen legt sich wie ein Aufheller über Braun, Fuchs oder Rappe und färbt auch den Aalstrich in der jeweiligen Grundfarbe. Im englischsprachigen Raum, vor allem in der amerikanischen Farbregisterzucht, sind für die einzelnen Tönungen viele anschauliche Namen gebräuchlich. Die meisten davon beschreiben Helligkeitsstufen ein und derselben Genetik, einige benennen zusätzlich ein zweites Aufhellergen. Sie taugen als Nachschlagewerk, ersetzen aber keinen Gentest.
Braunfalbe (Bay Dun, Zebra Dun)
Grundlage ist ein Brauner. Der Körper wirkt sandfarben bis hell goldbraun, Mähne, Schweif, Beine und Aalstrich sind schwarz. Das ist der Klassiker, oft einfach nur Falbe genannt, und die häufigste Farbe beim Fjordpferd. Im Amerikanischen heißt jede braunbasierte Falbe Zebra Dun.
Innerhalb dieser Gruppe beschreiben mehrere Namen die Helligkeit. Ein Peanut Butter Dun ist ein helles, gelbliches Braun, erdnussbutterfarben. Ein Dusty Dun hat eine hell gräuliche Grundtönung, wobei der Kopf hier vergleichsweise hell bleibt. Ein Coyote Dun trägt zusätzlich das sogenannte Sooty-Gen, das dunkle Rußhaare über den Rücken und die Oberseite streut und die Falbe dadurch dunkler und rauchiger wirken lässt.
Kommt beim Braunfalben ein Cremegen dazu, entsteht ein Dunskin, also eine Falbe auf Buckskin-Grundlage. Solche Pferde werden deutlich heller. Ein Golden Dun ist ein hellgelbes Braun mit einem Cremegen, ein Silvery Dun ein ganz blasser Brauner, ebenfalls mit einem Cremegen. Beide sind also Spielarten des Dunskins.
Rotfalbe oder Fuchsfalbe (Red Dun)
Grundlage ist ein Fuchs, ein Pferd ganz ohne schwarzes Pigment. Der Körper leuchtet blass rötlich bis semmelfarben, und Mähne, Schweif und Aalstrich zeigen sich in einem kräftigeren Rotbraun. Selbst die Beine bleiben rötlich statt schwarz. Häufig ist das Langhaar etwas heller als der Körper.
Auch hier staffeln die englischen Namen die Helligkeit. Ein Muddy Dun ist ein dunkler Fuchs mit Falbgen. Der klassische Red Dun beruht auf einem normalfarbenen Fuchs. Ein Claybank Dun ist fuchsbasiert, trägt aber einen deutlich gelblichen Ton, ein klassischer Westernbegriff. Ein Orange Dun ist ein hellerer Fuchs mit meist noch etwas hellerem Langhaar, und ein Apricot Dun ist die blasseste Stufe, ein ganz zarter Fuchs, dessen Langhaar fast immer heller als der Körper ausfällt.
Mausfalbe oder Graufalbe (Grullo, Blue Dun, Mouse Dun)
Grundlage ist ein Rappe. Der Körper erscheint grau bis graubraun, oft mit einem bläulichen oder aschigen Schimmer. Kopf, Beine, Mähne, Schweif und Aalstrich bleiben tiefschwarz. Im Spanischen und Amerikanischen heißt diese Falbe Grullo, für Stuten auch Grulla. Sie kommt der Färbung des ausgestorbenen Tarpans am nächsten und ist die typische Farbe des Konik.
Bei den Helligkeitsstufen taucht ein Slate Grullo als helles, schiefergraues Tier auf. Ein Olive Dun schimmert grau mit einem gelblichen Anflug. Ein Lobo Dun ist ein Grullo mit zusätzlicher Sooty-Rußzeichnung und wirkt dadurch dunkler und wolfsfarben, worauf der Name anspielt. Der Begriff Silvery Grullo steht für ein sehr helles Fell und wird auch für Rappen mit zwei Cremegenen gebraucht, also für die hellsten rappbasierten Falben.
Helle Falben mit Cremegen
Trifft das Falbgen zusätzlich auf ein oder zwei Cremegene, entstehen die hellsten Töne, bei denen die Wildzeichnung immer schwerer zu sehen ist.
Ein Palomino mit Falbgen zeigt einen Rückenstrich und heißt im Englischen darum Linebacked Palomino, genetisch auch Dunalino genannt. Ein Buckskin mit Falbgen ist der bereits genannte Dunskin. Kommen zwei Cremegene zusammen, etwa bei einem Cremello oder Perlino, spricht man von Cream Dun oder White Dun. Bei diesen sehr hellen Doppelaufhellungen verblassen Körperfarbe und Zeichnung so stark, dass sich die Falbe oft nur noch über einen Gentest sicher nachweisen lässt.
Grundsätzlich lässt sich das Falbgen mit fast jeder weiteren Farbe verbinden, also auch mit dem Silbergen, mit Stichelhaar, mit Scheckung oder Tigerung. Beim Fjordpferd sind die wichtigsten Farbschläge sogar über feste Zuchtcodes geregelt, etwa 045 für Braunfalb, 330 für Graufalb, 088 für Fuchsfalb und eigene Codes für die selteneren cremeaufgehellten Gelb- und Weißfalben.
Farben, die falb aussehen, aber anders entstehen
Das ist der Punkt, an dem die meisten Beschreibungen im Netz ungenau werden. Mehrere Gene erzeugen einen falbähnlichen Eindruck, arbeiten aber unabhängig vom Falbgen. Wer die Unterschiede kennt, ordnet ein Pferd sicher ein.
Der falsche Aalstrich ist die häufigste Falle. Auch ein voll durchgefärbtes Pferd kann einen dunklen Strich über dem Rücken tragen. Bei Trägern der nd1-Variante stammt er aus der alten Wildzeichnungs-Anlage, ganz ohne Aufhellung. In anderen Fällen entsteht er durch Gegenschattierung oder durch das Sooty-Rußgen. Der Körper bleibt dabei kräftig gefärbt und die Mähne einfarbig. Beides zeigt dir, dass hier eine andere Ursache am Werk ist.
Buckskin und erdfarbene Pferde entstehen durch das Cremegen auf braunem Grund. Ein Buckskin wird goldgelb bis semmelfarben und sieht auf den ersten Blick aus wie ein Braunfalbe. Der Unterschied steckt in der Mähne. Sie bleibt beim Buckskin einfarbig schwarz, ohne den hell gerahmten Kern der Falbe, und die volle Wildzeichnung mit Zebrastreifen fehlt meist. In Deutschland wurden Buckskin und Falbe früher oft in einen Topf geworfen, und selbst in manchen Registern trennen sich beide Farben erst spät sauber. Genetisch sind es zwei verschiedene Gene mit zwei verschiedenen Wirkungen.
Champagne hellt das Fell ähnlich auf, verrät sich aber über Haut und Augen. Champagnepferde haben rosa, im Alter dunkel gesprenkelte Haut, oft helle Augen und ein einfarbig schokoladenbraunes Langhaar. Weil die Falbe Haut und Augen dunkel lässt, ist die gesprenkelte Haut ein sicheres Unterscheidungszeichen.
Pearl erzeugt eine gleichmäßig helle Mähne im selben Ton wie der Körper, sodass der dunkle Kern der echten Falbe ausbleibt. Das Silbergen wiederum hellt allein schwarzes Pigment auf und macht aus einem Rappen ein schokoladenfarbenes Pferd mit heller, oft fast weißer Mähne. So ein Silberrappe erinnert an einen Grullo oder Rotfalben, ihm fehlen aber Aalstrich und Beinstreifen.
Das Pangaré-Gen erzeugt das helle Maul und die aufgehellten Partien an Bauch und Flanken. Es wirkt urig und wild, arbeitet aber unabhängig vom Falbgen. Das Exmoor-Pony trägt Pangaré und sieht dadurch ursprünglich aus, ohne eine Falbe zu sein.
Zur verlässlichen Prüfung fasst du alles zusammen: Eine echte Falbe zeigt die zweifarbige Mähne mit hell gerahmtem Kern, einen Aalstrich, der bis in den Schweif durchläuft, Beinstreifen sowie dunkle Haut und dunkle Augen. Bleiben mehrere dieser Punkte aus, steckt ein anderes Gen dahinter. Letzte Sicherheit gibt der Gentest.
Rassen, die von Natur aus falb sind
Przewalski-Pferd
Das Przewalski-Pferd, in der Mongolei Takhi genannt, ist der lebende Bezugspunkt für die Falbe. Es zeigt durchgehend die braunfalbe Wildfärbung mit Aalstrich, heller Unterseite, Mehlmaul und kurzer Stehmähne ohne Schopf. Fachlich gilt es als eigene Wildform mit 66 Chromosomen, zwei mehr als das Hauspferd mit 64. In freier Wildbahn galt es zeitweise als ausgestorben, die letzte gesicherte Sichtung stammt aus dem Jahr 1969 aus der Wüste Gobi. Alle heute lebenden Tiere gehen auf eine kleine Zahl von etwa vierzehn Gründertieren zurück, die zwischen 1910 und 1960 gefangen wurden. Seit den 1990er-Jahren läuft die Auswilderung, unter anderem im Hustai-Nationalpark in der Mongolei seit 1992, in Takhin Tal und sogar in der Sperrzone von Tschernobyl, wo 1998 einunddreißig Tiere ausgesetzt wurden und sich seither eine freie Herde hält. 2020 kam mit dem Fohlen Kurt sogar ein geklontes Przewalski-Pferd zur Welt, um seltenes Erbgut zu sichern. Wer wissen will, wie die ursprüngliche Falbe aussieht, schaut auf dieses Pferd.
Fjordpferd
Das norwegische Fjordpferd ist immer falb, und die Zucht unterscheidet fünf Farbschläge. Am häufigsten ist die Braunfalbe, gefolgt von der Graufalbe mit rund zehn Prozent der Population, dazu die selteneren Rot-, Hell- und Gelbfalben. Typisch ist die zur Bürste geschnittene Stehmähne, deren dunkler Kern über dem hellen Rand besonders schön zur Geltung kommt, dazu das Mehlmaul und feine Beinstreifen. Die Rasse geht auf die Pferde der Wikinger zurück und zählt zu den ältesten Reinzuchten Europas. Stammvater der modernen Zucht ist der Hengst Njal, auf ihn führen die wichtigen Hengstlinien Bergfast, Hakon Jarl und Øjarblakken zurück. Mit einem Stockmaß zwischen 135 und 150 Zentimetern, ruhigem Wesen und einem sparsamen Stoffwechsel ist das Fjordpferd heute ein sehr beliebtes Familien- und Freizeitpferd, das sich ebenso gut vor der Kutsche wie in der Reittherapie und im Kinderunterricht bewährt.
Sorraia
Das Sorraia aus Portugal steht der ursprünglichen iberischen Wildform sehr nahe. Es tritt fast ausschließlich als Mausfalbe oder Braunfalbe auf, mit kräftigem Aalstrich, Schulterkreuz und deutlichen Beinstreifen. In den 1920er-Jahren bewahrte der Zoologe Ruy d’Andrade eine Handvoll dieser Pferde vor dem Verschwinden, und der gesamte heutige Bestand geht auf diese kleine Gruppe zurück. Die Rasse bleibt hochgradig gefährdet und wird in kleinen Erhaltungszuchten weitergeführt. Ihr Erbe reicht bis nach Amerika, denn Teile der spanischstämmigen Mustangs zeigen den Sorraia-Typ.
Dülmener Wildpferd
Das Dülmener ist die einzige bodenständige Wildpferderasse Deutschlands. Eine Herde von rund 300 bis 400 Tieren lebt halbwild im Merfelder Bruch bei Dülmen in Westfalen. Diesen Bestand sicherte Herzog Alfred von Croy um 1850, als die letzten frei lebenden Pferde der Region verschwanden, indem er die verbliebenen Tiere in einem geschützten Areal zusammenfasste. Das Zuchtziel ist die Falbe, meist als Maus- oder Gelbfalbe mit Wildzeichnung. Um diese Farbe zu festigen, deckten über Jahrzehnte graufalbe Konikhengste die Herde, unter ihnen der einflussreiche Hengst Nougat. Seit 1994 steht die Rasse auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen. Jedes Jahr am letzten Samstag im Mai findet der Wildpferdefang statt, ein großes Volksfest, bei dem die Hengstjährlinge aus der Herde gelöst und anschließend versteigert werden. Ein großer Teil der westfälischen Reitponyzucht wurzelt in diesen Pferden. Als Freizeit-, Therapie- und Fahrpferd ist der Dülmener heute geschätzt.
Konik
Der Konik stammt aus Polen und geht auf die Rückzüchtungsversuche zum ausgestorbenen Tarpan zurück. Fast jeder Konik ist mausfalb, mit Aalstrich, Beinstreifen und dem typischen aschgrauen Schimmer. Wegen seiner Robustheit und Genügsamkeit wird die Rasse europaweit in der Landschaftspflege eingesetzt, wo sie ganzjährig im Freien große Naturflächen offen hält, etwa in weiten Feuchtgebieten der Niederlande und Englands.
Tarpan und Heck-Pferd
Der Tarpan war das europäische Wildpferd und starb Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts aus, das letzte Tier verendete 1909 in Gefangenschaft. Seine mausfalbe Färbung lebt in mehreren Rückzüchtungen weiter. In den 1930er-Jahren versuchten die Brüder Heck, aus ursprünglichen Ponyrassen ein tarpanähnliches Pferd zu formen, das heutige Heck-Pferd, das ebenso wie der Konik meist mausfalb erscheint. Beide Rassen zeigen, wie eng die Falbe mit der Vorstellung vom wilden Urpferd verbunden ist.
Rassen, in denen Falben vorkommen
Neben den durchgehend falben Rassen gibt es viele, bei denen die Falbe als eine Farbe unter mehreren auftritt.
Kiger-Mustang und die amerikanischen Wildpferde
Kaum eine Rasse hat die Falbe so berühmt gemacht wie der Kiger-Mustang. Das Vorbild für den Titelhelden des Zeichentrickfilms Spirit war ein Kiger-Hengst namens Donner, der heute im Schutzzentrum Return to Freedom lebt und vom Gründungshengst Steens Kiger abstammt. Entdeckt wurde diese Population 1977, als die amerikanische Landbehörde bei einem Wildpferdefang in Oregon eine auffallend einheitliche Gruppe mit spanischem Blut und starker Falbfärbung fand und sie in einem eigenen Schutzgebiet am Kiger Gorge zusammenzog. Die meisten Kiger sind Braunfalben oder Grullos mit voller Wildzeichnung und stehen im Typ dem Sorraia nahe. Auch andere amerikanische Wildpferdeherden sind für ihre Falben bekannt, etwa die Pryor Mountains in Montana und das Sand Wash Basin in Colorado.
American Quarter Horse und Paint Horse
In den westlichen Rassen sitzt das Falbgen besonders dicht. Beim Quarter Horse und beim Paint Horse sind Grullos und Braunfalben, dort oft zebra dun genannt, gern gesehen und in den Arbeits- und Reininglinien verbreitet. Ein Grullo-Quarter gilt vielen als besonders edel.
Deutsches Reitpony und weitere Ponyrassen
Das Deutsche Reitpony wird in allen Farben gezogen, und die Falbe kommt regelmäßig vor, auch als Erbe seiner Dülmener- und Konik-Wurzeln. Bei Connemara-Pony, Highland-Pony und Islandpferd gehört die Falbe fest zum Farbrepertoire, beim Highland-Pony sind Maus- und Gelbfalben sogar sehr typisch.
Andalusier und PRE
Beim Andalusier und dem spanischen PRE ist die echte Falbe selten, die Rasse ist überwiegend schimmelfarben. Wichtig für die richtige Einordnung: Viele goldgelbe Iberer sind in Wahrheit Buckskins, tragen ihre helle Farbe also über das Cremegen und gehören damit in die Reihe der falbähnlichen Farben.
Achal-Tekkiner
Der Achal-Tekkiner ist der eleganteste Grenzfall. Sein goldener, metallisch schimmernder Glanz sieht falb aus, entsteht aber über das Cremegen und über die besonders feine Haarstruktur der Rasse. Er ist damit das schönste Beispiel für ein Pferd, das falb wirkt und die helle Farbe genetisch doch anders löst.
Ist die Falbe eine gesunde Farbe?
Ja, und das ist ein angenehmer Nebeneffekt. Das Falbgen verändert allein die Verteilung des Farbstoffs im Haar und lässt Haut, Augen und Gesundheit unberührt. Es ist mit keiner bekannten Erbkrankheit verbunden, anders als einzelne andere Farbanlagen, die in bestimmten Kombinationen Probleme mitbringen können. Die Falbe ist also die ursprüngliche, gesunde Wildfarbe, und viele der falben Rassen zählen zugleich zu den robustesten und langlebigsten überhaupt. Robustheit und Falbe hängen zwar nicht ursächlich zusammen, treffen aber bei den alten Landrassen oft im selben Pferd aufeinander.
Ein letzter Blick auf die Mähne
Wenn du bei deinem eigenen Pferd sicher sein willst, teile die Mähne mit den Fingern und schau auf den Ansatz. Rahmen helle Deckhaare einen dunklen Kern, läuft der Aalstrich bis in den Schweif und zeigen die Beine feine Streifen, dann steht eine echte Falbe vor dir, dazu mit dunkler Haut und dunklen Augen. Bleibt das Bild uneindeutig, schafft der Gentest am TBX3-Locus Klarheit. Die Falbe ist die älteste Farbe des Pferdes, jene, die das Wildpferd bis heute trägt, und dieses Stück gelebte Urgeschichte macht sie so viel spannender als eine bloße Fellnuance.
