
Grundlagen für Reitanfänger – Alles, was du für einen sicheren und erfolgreichen Start wissen musst
Viele Menschen träumen jahrelang davon, reiten zu lernen. Manche möchten einfach entspannte Ausritte durch den Wald genießen, andere faszinieren sich für Dressur, Springen oder Wanderreiten. Wieder andere haben als Kinder nie die Gelegenheit gehabt und erfüllen sich diesen Wunsch erst mit vierzig, fünfzig oder sogar siebzig Jahren. Tatsächlich ist genau das heute längst keine Seltenheit mehr. Erwachsene gehören inzwischen in vielen Reitschulen zu den größten Gruppen der Neueinsteiger. Reiten kann grundsätzlich jeder lernen – unabhängig vom Alter. Entscheidend ist nicht, wann man beginnt, sondern wie man beginnt.
Genau hier liegt allerdings das Problem vieler Einsteigerseiten. Sie erklären in wenigen Absätzen, welche Kleidung man braucht, erwähnen kurz Schritt, Trab und Galopp und behaupten anschließend, nach einigen Monaten könne man bereits sicher ausreiten. Das greift viel zu kurz. Reiten gehört zu den anspruchsvollsten Sportarten überhaupt. Wer glaubt, dass man einfach aufsteigt und das Pferd den Rest erledigt, wird sehr schnell feststellen, wie komplex die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd tatsächlich ist.
Ein Pferd ist kein Sportgerät. Es ist ein hochsensibles Fluchttier mit einem eigenen Charakter, einer eigenen Stimmung und einer bemerkenswert feinen Wahrnehmung. Schon kleinste Veränderungen deiner Körperspannung, deiner Atmung oder deiner Balance nimmt ein Pferd wahr. Genau deshalb kann gutes Reiten niemals nur aus Technik bestehen. Es beginnt mit Verständnis.
Dieser Ratgeber soll deshalb nicht einfach die Grundlagen des Reitens aufzählen. Er soll dir erklären, warum erfahrene Reiter bestimmte Dinge tun, weshalb manche Anfänger erstaunlich schnell Fortschritte machen und andere trotz vieler Reitstunden immer wieder dieselben Schwierigkeiten haben. Wenn du diese Zusammenhänge verstehst, wirst du dir von Anfang an deutlich leichter tun.
Was bedeutet eigentlich „reiten können“?
Diese Frage beantworten Anfänger und erfahrene Reiter meistens völlig unterschiedlich.
Wer noch nie auf einem Pferd gesessen hat, denkt häufig, reiten zu können bedeute einfach, oben sitzen zu bleiben, lenken zu können und irgendwann auch einmal zu galoppieren.
Ein erfahrener Reiter würde dagegen vermutlich sagen:
Eigentlich beginnt das Reiten erst dann, wenn das Pferd freiwillig auf kleinste Hilfen reagiert, locker unter dem Reiter schwingt und beide sich beinahe lautlos miteinander verständigen können.
Zwischen diesen beiden Vorstellungen liegen oft mehrere Jahre.
Denn gutes Reiten besteht nicht darin, das Pferd irgendwie zu kontrollieren. Es besteht darin, dem Pferd möglichst wenig im Weg zu sein.
Das klingt zunächst paradox.
Schließlich glaubt man als Anfänger, möglichst viele Hilfen geben zu müssen.
In Wahrheit lernen gute Reiter mit jeder Unterrichtsstunde etwas ganz anderes:
Sie lernen, immer weniger zu tun.
Während Anfänger ständig mit den Zügeln korrigieren, die Beine unruhig bewegen oder den Oberkörper unbewusst verspannen, wirken erfahrene Reiter fast bewegungslos. Genau darin liegt ihre Kunst. Sie sitzen im Gleichgewicht, folgen den Bewegungen des Pferdes und setzen ihre Hilfen genau in dem Moment ein, in dem sie benötigt werden.
Wer ihnen zusieht, glaubt oft, das Pferd laufe ganz von allein.
Tatsächlich steckt dahinter jahrelanges Training.
Warum Reiten so viel schwieriger ist als viele andere Sportarten
Kaum eine andere Sportart verlangt gleichzeitig so viele unterschiedliche Fähigkeiten.
Schon in einer einzigen Reitstunde arbeitet dein Gehirn permanent auf mehreren Ebenen.
Du musst dein Gleichgewicht halten.
Du musst gleichzeitig die Bewegungen eines etwa 500 Kilogramm schweren Tieres ausgleichen.
Du musst deine Hände ruhig halten.
Du musst deine Beine unabhängig von den Händen bewegen.
Du musst auf den Reitlehrer hören.
Du musst den Weg in der Reithalle beobachten.
Du musst fühlen, ob das Pferd locker läuft oder sich verspannt.
Und gleichzeitig sollst du entspannt atmen.
Allein diese Aufzählung zeigt bereits, warum viele Anfänger nach ihrer ersten Reitstunde völlig erschöpft sind.
Nicht die körperliche Anstrengung macht müde.
Es ist die enorme Menge neuer Bewegungsabläufe.
Genau deshalb solltest du dich niemals entmutigen lassen, wenn sich anfangs alles gleichzeitig falsch anfühlt.
Das geht praktisch jedem so.
Unser Gehirn muss zunächst völlig neue Bewegungsmuster entwickeln.
Mit jeder Reitstunde werden diese Bewegungen automatischer.
Plötzlich musst du nicht mehr bewusst daran denken, die Fersen tief zu halten oder gerade zu sitzen.
Genau in diesem Moment beginnt das eigentliche Reiten.
Das Pferd denkt völlig anders als wir Menschen
Viele Schwierigkeiten entstehen schon deshalb, weil Menschen die Welt völlig anders wahrnehmen als Pferde.
Wir gehören zu den Raubtieren.
Pferde gehören zu den Fluchttieren.
Für uns bedeutet Neugier häufig:
„Ich schaue mir das einmal genauer an.”
Für ein Pferd bedeutet dieselbe Situation zunächst:
„Ist das gefährlich?”
Diese unterschiedliche Wahrnehmung erklärt einen Großteil des Pferdeverhaltens.
Ein flatternder Regenschirm.
Ein plötzlich aufspringender Vogel.
Eine Mülltonne, die gestern noch nicht dort stand.
Ein raschelnder Busch.
Für uns sind das Kleinigkeiten.
Für ein Pferd könnten sie theoretisch ein Raubtier bedeuten.
Selbst sehr erfahrene Schulpferde behalten diesen Instinkt ihr ganzes Leben.
Deshalb sollte jeder Anfänger verstehen:
Wenn ein Pferd erschrickt, macht es das nicht aus Bosheit.
Es folgt lediglich einem Instinkt, der über Millionen Jahre sein Überleben gesichert hat.
Wer das versteht, reagiert automatisch ruhiger.
Und genau diese Ruhe überträgt sich wiederum auf das Pferd.
Vertrauen entsteht nicht im Sattel
Viele Menschen glauben, die Beziehung zum Pferd beginne mit dem Reiten.
Eigentlich beginnt sie lange vorher.
Schon beim ersten Betreten des Stalls beobachtet das Pferd den Menschen sehr genau.
Bewegst du dich hektisch?
Bist du laut?
Strahlst du Ruhe aus?
Arbeitest du konzentriert?
Pferde lesen Körpersprache unglaublich präzise.
Oft erkennen sie unsere Unsicherheit sogar früher als wir selbst.
Deshalb gehören Putzen, Führen, Satteln und der allgemeine Umgang mit dem Pferd genauso zum Reiten wie das Sitzen im Sattel. Moderne Ausbildungskonzepte legen deshalb großen Wert darauf, dass Anfänger zunächst den sicheren Umgang am Boden lernen und erst anschließend regelmäßig reiten.
Viele erfahrene Reiter sagen sogar:
Man erkennt einen guten Reiter eher am Boden als im Sattel.
Darin steckt erstaunlich viel Wahrheit.
Wer ein Pferd ruhig führen kann, seine Körpersprache versteht und respektvoll mit ihm umgeht, wird später meist auch feinfühliger reiten.
Warum gute Schulpferde unbezahlbar sind
Viele Anfänger wünschen sich möglichst schnell ein temperamentvolles, sportliches Pferd.
Dabei sind gerade ruhige Schulpferde wahre Lehrmeister.
Ein gutes Schulpferd gleicht kleine Fehler aus.
Es erschrickt nicht bei jeder Kleinigkeit.
Es kennt den Unterricht.
Es reagiert berechenbar.
Vor allem aber verzeiht es.
Genau deshalb investieren gute Reitschulen enorme Arbeit in ihre Schulpferde.
Ein erfahrenes Schulpferd hat oft hunderten Reitanfängern das Reiten beigebracht.
Es erkennt Unsicherheit häufig schon beim Aufsteigen.
Es wartet geduldig.
Es reagiert nicht auf jede unbeabsichtigte Bewegung.
Viele dieser Pferde besitzen eine Gelassenheit, die Anfänger überhaupt erst sicher lernen lässt.
Leider sieht man manchmal das Gegenteil.
Schulpferde, die ständig wechselnde Reiter tragen, schlecht ausgebildet oder körperlich überlastet sind.
Solche Pferde können selbst kaum entspannt laufen.
Darunter leiden sowohl Pferd als auch Reitschüler.
Eine gute Reitschule erkennt man deshalb nicht an einer besonders modernen Reithalle.
Sondern daran, wie ausgeglichen, gepflegt und zufrieden ihre Schulpferde wirken.
Die ersten Reitstunden – warum die Longe so wichtig ist
Viele Anfänger möchten möglichst schnell alleine durch die Halle reiten.
Dabei ist die Longe einer der größten Vorteile, die man überhaupt haben kann.
An einer langen Leine kontrolliert der Reitlehrer Richtung und Tempo des Pferdes. Dadurch muss sich der Reitschüler zunächst nicht um das Lenken kümmern und kann seine gesamte Aufmerksamkeit auf den eigenen Sitz richten. Selbst professionelle Reiter nutzen Longenstunden immer wieder, um ihren Sitz zu verbessern.
Wer dagegen sofort frei reitet, versucht gleichzeitig:
- das Pferd zu lenken,
- den richtigen Weg zu finden,
- die Balance zu halten,
- die Hände ruhig zu halten,
- den Sitz zu kontrollieren.
Das ist für Anfänger schlicht zu viel.
An der Longe dagegen kann man sich vollständig auf den eigenen Körper konzentrieren.
Viele Übungen funktionieren sogar mit geschlossenen Augen.
Man spürt plötzlich viel deutlicher, wie sich das Pferd bewegt.
Genau dieses Körpergefühl bildet später die Grundlage für alles Weitere.

Grundlagen für Reitanfänger – Der richtige Sitz, die Hilfengebung und die ersten Gangarten
Der Sitz ist wichtiger als jede Hilfe
Nahezu jeder Anfänger glaubt zunächst, dass gutes Reiten vor allem mit den Zügeln funktioniert. Schließlich sieht man von außen hauptsächlich die Hände des Reiters. Tatsächlich entstehen die wichtigsten Hilfen aber ganz woanders. Sie beginnen tief im Becken, setzen sich über den Rumpf fort und werden erst ganz am Ende durch Beine und Hände ergänzt. Deshalb sagen viele erfahrene Ausbilder einen Satz, den Anfänger anfangs kaum verstehen:
Das Pferd trägt dich – du musst lernen, seine Bewegung nicht zu stören.
Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung.
Wenn ein Mensch zum ersten Mal auf einem Pferd sitzt, versucht er instinktiv, sich festzuhalten. Die Schultern verspannen sich, die Knie klemmen gegen den Sattel, die Hände greifen die Zügel fester und der Rücken wird steif. Aus menschlicher Sicht ist das logisch. Schließlich befindet man sich mehrere Meter über dem Boden auf einem lebenden Tier.
Für das Pferd fühlt sich dieser verspannte Sitz allerdings völlig anders an.
Jede Bewegung des Pferdes wird blockiert. Der Rücken kann nicht mehr frei schwingen, die Schritte werden kürzer und viele Pferde reagieren darauf mit eigener Anspannung. Deshalb beginnt guter Reitunterricht fast nie mit komplizierten Lektionen, sondern mit etwas scheinbar Langweiligem: locker sitzen.
Das klingt einfacher, als es tatsächlich ist.
Denn Lockerheit bedeutet nicht, schlaff im Sattel zu sitzen. Vielmehr geht es um eine stabile Körpermitte bei gleichzeitig beweglichen Hüften, Knien und Sprunggelenken. Der Körper muss die Bewegung des Pferdes aufnehmen können, ohne gegen sie zu arbeiten. Genau deshalb steht in klassischen Reitlehren die Sitzschulung an erster Stelle. Erst wenn Balance und Losgelassenheit vorhanden sind, lassen sich feine Hilfen überhaupt geben.
Die ideale Sitzlinie
Es gibt einen einfachen Merksatz, den fast jeder Reitlehrer verwendet.
Von der Seite betrachtet sollten Ohr, Schulter, Hüfte und Absatz ungefähr auf einer senkrechten Linie liegen.
Diese Linie sorgt dafür, dass dein Körperschwerpunkt genau dort liegt, wo ihn auch das Pferd tragen kann.
Viele Anfänger sitzen dagegen unbewusst im sogenannten Stuhlsitz. Dabei rutschen die Beine weit nach vorne, während der Oberkörper leicht nach hinten kippt. Andere machen genau das Gegenteil und beugen sich ständig nach vorne, weil sie glauben, dadurch sicherer zu sitzen.
Beides verschiebt den Schwerpunkt erheblich.
Das Pferd muss diese Gewichtsverlagerung ständig ausgleichen.
Gerade ältere Schulpferde tun das zwar meist geduldig, angenehm ist es für sie aber nicht.

Deshalb wird ein guter Reitlehrer immer wieder kleine Korrekturen vornehmen.
“Schultern locker.”
“Nicht nach unten schauen.”
“Beine lang werden lassen.”
“Nicht mit den Knien klemmen.”
Für Anfänger wirkt das manchmal wie eine endlose Wiederholung.
Tatsächlich baut jede dieser kleinen Korrekturen den Sitz Stück für Stück auf.
Warum du niemals auf deine Hände schauen solltest
Ein typischer Anfängerfehler besteht darin, ständig die eigenen Hände oder den Pferdehals anzusehen.
Das Problem beginnt allerdings viel weiter oben.
Sobald der Kopf nach unten geht, verändert sich die gesamte Körperhaltung.
Die Schultern fallen nach vorne.
Der Rücken wird rund.
Das Becken kippt.
Die Hände werden unruhig.
Deshalb lautet eine der wichtigsten Regeln überhaupt:
Dorthin schauen, wohin du reiten möchtest.
Nicht auf die Ohren des Pferdes.
Nicht auf den Boden.
Nicht auf die Zügel.
Sondern mehrere Meter voraus.
Interessanterweise verbessert allein dieser kleine Trick oft sofort den gesamten Sitz.
Die Beine geben Halt – aber sie dürfen niemals klemmen
Viele Anfänger glauben, sie müssten sich mit den Knien am Sattel festhalten.
Genau das Gegenteil ist richtig.
Die Knie liegen zwar locker am Sattel an, sie sind aber nicht der eigentliche Haltepunkt.
Die Stabilität entsteht vielmehr durch das lange Bein.
Der Oberschenkel liegt entspannt am Sattel.
Das Knie bleibt beweglich.
Die Wade kann feine Hilfen geben.
Der Absatz sinkt durch das Eigengewicht leicht nach unten.
Dabei geht es nicht darum, die Fersen mit Gewalt möglichst tief zu drücken.
Das führt nur zu Verspannungen.
Viel wichtiger ist ein langes, lockeres Bein.
Man könnte sagen:
Nicht die Ferse wird nach unten gedrückt.
Das Bein fällt nach unten.
Dieser Unterschied klingt klein, verändert aber den gesamten Sitz.
Warum Balance wichtiger ist als Muskelkraft
Viele Menschen glauben vor der ersten Reitstunde, sie müssten besonders kräftig sein.
Natürlich hilft eine gute Fitness.
Entscheidend ist jedoch etwas anderes:
Koordination.
Ein zierlicher Mensch mit gutem Gleichgewicht sitzt häufig deutlich ruhiger als jemand mit sehr viel Muskelkraft.
Denn Reiten bedeutet nicht, sich gegen die Bewegung des Pferdes zu stemmen.
Es bedeutet, sich mit ihr zu bewegen.
Genau deshalb trainieren viele Spitzensportler zusätzlich Yoga, Pilates oder Gymnastik.
Nicht um stärker zu werden.
Sondern beweglicher.
Die Sprache des Pferdes – so funktionieren die Hilfen
Anfänger sprechen oft davon, das Pferd zu steuern.
Das trifft die Sache eigentlich nicht.
Pferde reagieren vielmehr auf eine Kombination verschiedener Signale.
Diese nennt man Hilfen.
Keine einzelne Hilfe wirkt allein.
Erst ihr Zusammenspiel ergibt für das Pferd eine verständliche Botschaft. Zügelhilfen sollten deshalb niemals isoliert eingesetzt werden, sondern immer zusammen mit Gewichts- und Schenkelhilfen.
Die wichtigsten Hilfen sind:
Die Gewichtshilfe
Sie beginnt bereits durch deine Sitzbeinhöcker.
Schon kleine Veränderungen deiner Gewichtsverteilung kann das Pferd wahrnehmen.
Viele erfahrene Reiter können ihr Pferd beinahe allein über den Sitz wenden.
Die Schenkelhilfe
Die Beine treiben das Pferd nicht einfach nur vorwärts.
Sie erhalten den Schwung.
Sie begrenzen.
Sie stellen.
Sie helfen beim Biegen.
Je feiner ein Pferd ausgebildet ist, desto kleiner werden diese Hilfen.
Die Zügelhilfe
Sie dient nicht dazu, das Pferd ständig festzuhalten.
Vielmehr entsteht über die Zügel eine feine Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul.
Gute Reiter ziehen praktisch nie dauerhaft am Zügel.
Sie geben kleine Impulse und lassen anschließend sofort wieder nach.
Genau dieses Nachgeben ist mindestens genauso wichtig wie die eigentliche Hilfe.
Denn nur dadurch versteht das Pferd:
“Genau das war richtig.”
Weniger ist fast immer mehr
Einer der größten Unterschiede zwischen Anfängern und guten Reitern besteht in der Größe ihrer Hilfen.
Ein Anfänger benutzt oft:
- viel Bein,
- viel Hand,
- viel Körperspannung.
Ein erfahrener Reiter versucht genau das Gegenteil.
Er fragt zunächst ganz leise.
Reagiert das Pferd nicht, wird die Hilfe etwas deutlicher.
Sobald das Pferd antwortet, verschwindet der Druck sofort wieder.
Genau dadurch entstehen Pferde, die später auf kleinste Signale reagieren.
Die drei Grundgangarten
Jedes gesunde Pferd besitzt drei natürliche Gangarten.
Schritt.
Trab.
Galopp.
Auf den ersten Blick unterscheiden sie sich lediglich durch ihre Geschwindigkeit.
Tatsächlich verändern sich Rhythmus, Bewegungsablauf und Sitzgefühl vollständig.
Deshalb muss der Reiter jede Gangart praktisch neu lernen.
Der Schritt
Der Schritt ist die langsamste Gangart.
Für Anfänger wirkt er oft harmlos.
Dabei ist gerade der Schritt unglaublich wertvoll.
Hier entwickelt sich das Gefühl für die Bewegungen des Pferdes.
Man spürt deutlich, wie das Becken nach links und rechts mitschwingt.
Viele Longenstunden bestehen deshalb überwiegend aus Schrittarbeit.
Wer hier sauber sitzen lernt, wird später im Trab und Galopp deutlich weniger Schwierigkeiten haben.
Der Trab
Im Trab merken Anfänger meist zum ersten Mal, wie viel Bewegung tatsächlich im Pferd steckt.
Plötzlich wird man regelrecht aus dem Sattel gehoben.
Viele versuchen nun, sich mit den Knien festzuklemmen.
Andere ziehen unbewusst an den Zügeln.
Beides macht das Reiten nur schwieriger.
Deshalb lernen Anfänger zunächst das Leichttraben.
Dabei setzt sich der Reiter im Rhythmus immer wieder leicht aus dem Sattel heraus und federt anschließend weich wieder ein.
Anfangs wirkt dieser Bewegungsablauf nahezu unmöglich.
Nach einigen Wochen läuft er fast automatisch.
Genau deshalb braucht man Geduld.
Koordination entsteht nicht durch Nachdenken.
Sie entsteht durch Wiederholung.
Der Galopp – die Gangart, vor der viele Anfänger den größten Respekt haben
Für viele Menschen ist der erste Galopp ein ganz besonderer Moment. Manche freuen sich wochenlang darauf, andere haben großen Respekt oder sogar Angst. Beides ist völlig normal. Der Galopp fühlt sich deutlich dynamischer an als Schritt oder Trab. Das Pferd beschleunigt, die Bewegung wird größer und für viele Anfänger entsteht zunächst das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.
Interessanterweise empfinden viele Reitschüler den Galopp nach einiger Übung sogar angenehmer als den Trab. Während der Trab den Reiter nach oben aus dem Sattel hebt und ein gutes Rhythmusgefühl verlangt, schwingt der Galopp deutlich fließender. Wer gelernt hat, locker mit der Bewegung mitzugehen, sitzt oft erstaunlich bequem.
Bevor ein Anfänger galoppiert, sollte allerdings eine solide Grundlage vorhanden sein. Der Sitz muss ausreichend stabil sein, das Leichttraben sollte sicher funktionieren und der Reiter sollte sich auch im Schritt und Trab nicht mehr ständig auf die Balance konzentrieren müssen. Deshalb lassen gute Reitlehrer ihre Schüler nicht möglichst früh galoppieren, sondern erst dann, wenn sie körperlich bereit dafür sind.
Gerade in den ersten Galoppstunden findet der Unterricht häufig an der Longe statt. So kann sich der Reitschüler vollständig auf seinen Sitz konzentrieren, während der Reitlehrer Tempo und Richtung übernimmt. Das nimmt viel Unsicherheit und sorgt dafür, dass der Galopp von Anfang an mit einem positiven Erlebnis verbunden wird.
Wichtig ist dabei vor allem eines: Nicht verkrampfen.
Fast jeder Anfänger hält beim ersten Galopp unbewusst die Luft an, zieht die Schultern hoch oder klammert sich mit den Knien am Sattel fest. Genau dadurch wird das Sitzen schwieriger. Wer dagegen ruhig weiteratmet und die Bewegung des Pferdes zulässt, findet meist erstaunlich schnell seinen Rhythmus.
Vor jeder Reitstunde beginnt die eigentliche Arbeit
Viele Menschen verbinden Reiten ausschließlich mit der Zeit im Sattel. Tatsächlich beginnt eine Reitstunde schon lange vorher.
Das Pferd muss aus der Box oder vom Paddock geholt werden. Es wird angebunden, geputzt, die Hufe werden ausgekratzt, anschließend folgen Sattel und Trense. Erst danach beginnt das eigentliche Reiten.
Diese Vorbereitung ist weit mehr als reine Routine.
Beim Putzen überprüfst du gleichzeitig den Gesundheitszustand des Pferdes. Gibt es Schwellungen an den Beinen? Hat das Pferd kleine Verletzungen? Sitzt irgendwo Schmutz, der später unter dem Sattel scheuern könnte? Ist ein Hufeisen locker oder fehlt vielleicht sogar?
Wer sich diese Gewohnheiten von Anfang an aneignet, entwickelt automatisch einen aufmerksameren Blick für das Pferd.
Außerdem stärkt diese gemeinsame Zeit die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Viele Pferde genießen das Putzen sichtbar. Gerade ruhige Bewegungen mit der Bürste wirken auf viele Tiere entspannend und schaffen Vertrauen.
Warum das Putzen weit mehr ist als Fellpflege
Für Anfänger sieht das Putzen häufig nach einer lästigen Pflicht aus. Dabei gehört es zu den wichtigsten Bestandteilen des gesamten Reitsports.
Schmutz, Sand oder kleine Steinchen unter dem Sattel können Druckstellen verursachen. Schon wenige Körnchen reichen aus, um bei längeren Reiteinheiten schmerzhafte Scheuerstellen entstehen zu lassen.
Auch die Hufpflege ist unverzichtbar.
In den Hufen sammeln sich regelmäßig kleine Steine, Erde oder festgetretener Mist. Werden diese nicht entfernt, können Druckstellen oder sogar Entzündungen entstehen. Gleichzeitig lernst du dabei, wie ein gesunder Huf aussieht und worauf du später achten solltest.
Mit der Zeit dauert das Putzen oft nur noch zehn bis fünfzehn Minuten. Anfänger benötigen meist deutlich länger. Das ist überhaupt kein Problem. Sorgfalt ist wesentlich wichtiger als Geschwindigkeit.
Das richtige Aufsteigen
Auch das Aufsteigen will gelernt sein.
Viele Menschen unterschätzen, welche Belastung dabei auf Pferd und Sattel wirkt. Zieht sich der Reiter mit Schwung nach oben oder hängt längere Zeit im Steigbügel, wird der Sattel einseitig nach links gezogen. Auf Dauer belastet das den Pferderücken und kann sogar die Ausrüstung beschädigen.
Deshalb zeigen gute Reitlehrer von Anfang an eine saubere Technik.
Zunächst wird überprüft, ob der Sattelgurt korrekt sitzt. Anschließend werden die Zügel aufgenommen und etwas Mähne mitgefasst. Der linke Fuß kommt in den Steigbügel, dann drückt sich der Reiter kontrolliert nach oben und schwingt das rechte Bein ruhig über die Kruppe. Wichtig ist, dabei weder gegen den Pferderücken zu stoßen noch sich mit voller Kraft auf den linken Steigbügel zu hängen.
Immer mehr Reitschulen verwenden heute Aufstiegshilfen. Das schont den Pferderücken erheblich und erleichtert gleichzeitig dem Reiter das Aufsteigen. Gerade Erwachsene profitieren davon, weil der Bewegungsablauf deutlich kontrollierter gelingt.
Auch das Absteigen sollte ruhig und kontrolliert erfolgen
Am Ende der Reitstunde möchten viele Anfänger möglichst schnell wieder festen Boden unter den Füßen haben. Dabei passieren gerade beim Absteigen viele kleine Fehler.
Wer einfach abspringt oder hastig herunterrutscht, kann das Pferd erschrecken oder sich selbst verletzen.
Stattdessen werden zunächst beide Füße aus den Steigbügeln genommen. Anschließend schwingt das rechte Bein ruhig über den Pferderücken und der Reiter gleitet möglichst nah am Pferd kontrolliert nach unten.
Danach werden die Steigbügel hochgeschlagen und die Zügel korrekt aufgenommen, bevor das Pferd weitergeführt wird.
Nach dem Reiten ist die Arbeit noch nicht beendet
Ist die Reitstunde vorbei, beginnt die Nachsorge.
Der Sattel wird abgenommen, die Trense gelöst und das Pferd erneut geputzt. Besonders an warmen Tagen werden verschwitzte Stellen sorgfältig trockengerieben. Viele Pferde werden anschließend noch einige Minuten im Schritt geführt, damit Atmung und Kreislauf langsam wieder zur Ruhe kommen.
Auch die Ausrüstung braucht Pflege.
Sattel und Trense sollten sauber gehalten werden. Leder bleibt nur dann lange geschmeidig und sicher, wenn es regelmäßig gereinigt und gefettet wird. Gerade in Reitschulen übernehmen diese Arbeiten oft die Mitarbeiter, trotzdem ist es sinnvoll zu verstehen, warum diese Pflege so wichtig ist.
Ein gepflegter Sattel hält viele Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte. Vernachlässigtes Leder dagegen wird spröde, reißt schneller und kann im schlimmsten Fall sogar ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Warum Geduld beim Reiten unverzichtbar ist
Kaum eine Sportart verlangt so viel Geduld wie das Reiten.
Viele Erwachsene vergleichen sich unbewusst mit anderen Reitschülern. Manche lernen das Leichttraben innerhalb weniger Stunden, andere brauchen mehrere Wochen. Einige fühlen sich im Galopp sofort wohl, während andere dafür deutlich länger benötigen.
Das sagt jedoch erstaunlich wenig über die spätere Entwicklung aus.
Reiten verläuft selten geradlinig. Häufig hat man das Gefühl, plötzlich große Fortschritte zu machen. Danach folgt eine Phase, in der scheinbar gar nichts mehr funktioniert. Wenige Wochen später klappt vieles wieder ganz selbstverständlich.
Diese Entwicklung ist völlig normal. Das Gehirn verarbeitet neue Bewegungsmuster oft im Hintergrund. Deshalb lohnt es sich, auch dann dranzubleiben, wenn eine Reitstunde einmal nicht so gut gelaufen ist.
Gerade Erwachsene stellen oft sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Sie möchten möglichst schnell alles richtig machen und ärgern sich über jeden Fehler. Pferde sind jedoch keine Maschinen und Reiten ist kein Sport, den man nach einem festen Zeitplan lernt. Wer sich selbst Zeit gibt und kleine Fortschritte wahrnimmt, entwickelt langfristig meist den besseren Sitz und vor allem mehr Freude am Reiten.
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