Seitengänge beim Pferd
Ein Pferd, das sauber im Schulterherein an der Bande entlanggeht, sieht aus, als würde es sich mühelos bewegen. Dahinter steckt die genaueste Arbeit, die es im Dressurviereck gibt. Seitengänge sind der Werkzeugkasten, mit dem du dein Pferd gerade richtest, seine Hinterhand zum Tragen bringst und seine Muskulatur beidseitig gleichmäßig aufbaust. Sie sind gleichzeitig die Lektionen, bei denen die meisten Fehler passieren, weil Winkel, Biegung und Tempo alle zur selben Zeit stimmen wollen.
Diese Seite geht jeden Seitengang einzeln durch: was er ist, auf wie vielen Hufschlägen er gegangen wird, welche Hilfen ihn erzeugen, was er im Pferdekörper bewirkt und woran du merkst, dass er noch schief läuft. Dazu kommen die Reihenfolge im Training, die Einordnung in die Dressurklassen, die Arbeit an der Hand und die Frage, wozu ein Freizeitpferd das alles überhaupt braucht.
Was ein Seitengang ist
Bei einem Seitengang bewegt sich das Pferd vorwärts und seitwärts zugleich. Vorhand und Hinterhand laufen dabei auf getrennten Spuren, statt hintereinander auf einer einzigen Linie. Diese Spuren nennt man Hufschläge. Ein Pferd, das geradeaus geht, hinterlässt zwei Hufschläge: die Hinterhufe treten in die Spur der Vorderhufe. Sobald die Hinterhand oder die Vorhand zur Seite verschoben wird, entstehen drei oder vier getrennte Spuren im Sand.
Die Anzahl der Hufschläge ist das erste Erkennungsmerkmal jedes Seitengangs. Beim Schulterherein sind es drei, beim Travers, beim Renvers, beim Schenkelweichen und bei der Traversale sind es vier. Wer von hinten auf ein Pferd im Schulterherein schaut, sieht drei Beinreihen, weil sich der innere Vorderhuf und der äußere Hinterhuf auf einer gemeinsamen Linie bewegen.
Das zweite Merkmal ist die Biegung. Ein echter Seitengang verlangt, dass das Pferd von Genick bis Schweifansatz gleichmäßig gebogen bleibt, während es seitwärts geht. Genau darin liegt der gymnastische Wert. Das Schenkelweichen bildet die Ausnahme, dazu unten mehr.
Das dritte Merkmal ist die Richtung der Biegung im Verhältnis zur Bewegungsrichtung. Das Pferd kann in die Richtung gebogen sein, in die es geht, oder von ihr weg. Aus diesen beiden Möglichkeiten entstehen die zwei Familien der Seitengänge, und aus ihnen leiten sich alle einzelnen Lektionen ab.
Stellung und Biegung, der Unterschied
Stellung heißt: Das Pferd ist im Genick leicht abgewinkelt, du siehst den inneren Nüsternrand und den Rand des inneren Auges. Der Rest des Körpers bleibt dabei gerade. Stellung entsteht ausschließlich im Genick, nicht im Hals.
Biegung heißt: Die gesamte Wirbelsäule folgt einer gleichmäßigen Krümmung, vom Genick über den Hals, den Widerrist, den Rücken bis zur Kruppe. Die Rippen auf der inneren Seite kommen näher zusammen, die äußere Seite wird länger und dehnt sich.
Anatomisch bewegt sich der Brust- und Lendenteil der Pferdewirbelsäule seitlich nur um wenige Grad. Der große Rest der sichtbaren Biegung entsteht aus dem Hals, dem Widerristbereich und daraus, dass das innere Hinterbein weiter nach vorne unter den Körper tritt. Ein Pferd, das sich äußerlich stark biegt, hat deshalb häufig nur den Hals verdreht. Die Kontrolle ist einfach: Bleibt der äußere Zügel gleichmäßig gefüllt und stehen die Ohren waagerecht, arbeitet der Körper mit. Fällt die äußere Schulter nach außen weg und hängt der äußere Zügel durch, biegt sich der Hals allein.
Für jeden Seitengang gilt deshalb: Erst steht die Biegung auf dem Zirkel und in der Ecke, dann kommt das Seitwärts dazu.
Warum Seitengänge dein Pferd gymnastizieren
Jedes Pferd kommt mit einer natürlichen Schiefe zur Welt. Es lässt sich zu einer Seite leichter biegen als zur anderen, es tritt mit einem Hinterbein weiter unter den Schwerpunkt als mit dem anderen, und es sucht an einem Zügel mehr Anlehnung als am anderen. Die häufigste Form: Das Pferd ist rechts hohl, der Rumpf hängt nach links, das rechte Hinterbein tritt an der Last vorbei nach innen, die linke Schulter drängt nach außen.
Ein schiefes Pferd trägt sein Gewicht ungleich. Vorderbeine und Rücken übernehmen mehr, als ihnen guttut, und die Muskulatur baut sich einseitig auf. Seitengänge sind das Mittel, mit dem sich diese Schiefe verringern lässt, weil sie das Pferd zwingen, das schwächere Hinterbein zu belasten und in eine Biegung zu gehen, die es von allein umgeht.
Im Einzelnen wirken sie so:
Das innere Hinterbein tritt weiter unter den Schwerpunkt und nimmt mehr Last auf. Das beugt Hüft-, Knie- und Sprunggelenk stärker, die Hinterhand senkt sich ab, die Vorhand wird frei. Das ist der Weg zur Versammlung.
Die äußere Körperseite dehnt sich in jedem Schritt. Bei einem Pferd, das über Jahre einseitig verspannt gelaufen ist, ist genau diese Dehnung die Arbeit, die den Rücken wieder schwingen lässt.
Die Rumpfträger, also die Muskulatur zwischen Schulterblatt und Brustkorb, arbeiten stärker. Sie heben den Brustkorb zwischen den Schulterblättern an. Ein Pferd, das seinen Brustkorb anhebt, wird vorne leichter und lässt sich sicherer lenken.
Die kleinen Muskeln direkt an der Wirbelsäule, die den Rücken stabilisieren, werden angesprochen. Sie arbeiten bei geradeaus gerittenen Runden kaum mit.
Die Durchlässigkeit wächst. Ein Pferd, das auf einen zart angelegten Schenkel mit der Hinterhand seitwärts antwortet, reagiert auch auf alle anderen Hilfen feiner.
Die Ausbildungsskala ordnet diese Wirkung ein. Takt, Losgelassenheit und Anlehnung stehen vor den Seitengängen, Schwung entsteht gemeinsam mit ihnen, Geraderichten und Versammlung entstehen durch sie. Seitengänge sind also nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin.
Woher die Seitengänge kommen
Die Alten kannten sie noch nicht. Xenophon beschreibt um 360 vor Christus Gewöhnung, Schenkelhilfen und Sprünge, von Schulterherein steht bei ihm nichts. Die Seitwärtsarbeit entsteht in den Reitakademien der Renaissance, zuerst in Neapel bei Federico Grisone und Giovanni Battista Pignatelli, dann in Frankreich bei Antoine de Pluvinel, der Anfang des 17. Jahrhunderts mit Arbeit zwischen den Pilaren und um den Pfahl herum gymnastizierte.
Der entscheidende Schritt fällt in das Jahr 1733. François Robichon de la Guérinière beschreibt in seiner „École de Cavalerie“ das Schulterherein als eigene Lektion und stellt es an den Anfang der gesamten Ausbildung. Er hält es für die Übung, die das Pferd geschmeidig macht, das innere Hinterbein zum Untertreten bringt und die Schultern befreit. Die klassische Reitlehre folgt ihm darin bis heute, die Spanische Hofreitschule ebenso wie die deutschen Richtlinien.
Im 19. Jahrhundert baut Gustav Steinbrecht die Lehre im „Gymnasium des Pferdes“ weiter aus und verknüpft die Seitwärtsarbeit fest mit dem Geraderichten. Von ihm stammt der Satz, der jede Seitengangstunde begleiten sollte: Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade. Genau in dieser Reihenfolge.
Die französischen Begriffe haben sich gehalten. Travers heißt quer, renvers heißt umgekehrt, épaule en dedans heißt Schulter nach innen. Die deutschen Entsprechungen Kruppeherein, Kruppeheraus und Schulterherein meinen dasselbe.
Welche Voraussetzungen dein Pferd mitbringt
Seitengänge setzen einen Grundstock voraus, sonst richten sie mehr Schaden als Nutzen an. Diese Punkte sollten stehen:
Der Takt bleibt in allen drei Grundgangarten gleichmäßig, auch auf gebogenen Linien.
Das Pferd geht losgelassen, kaut, lässt den Rücken schwingen und lässt sich vorwärts-abwärts dehnen.
Die Anlehnung ist gleichmäßig an beiden Zügeln, das Pferd sucht die Hand.
Das Pferd kennt die treibenden Schenkelhilfen und geht auf leichten Schenkeldruck vorwärts.
Zirkel, Volten und korrekt durchgerittene Ecken funktionieren mit sichtbarer Biegung.
Das Pferd lässt sich mit dem einzelnen Schenkel zur Seite schieben, etwa in der Vorhandwendung.
Beim Alter gilt als Anhaltspunkt das fünfte Lebensjahr für die ersten Versuche im Schritt, wobei die körperliche Reife des einzelnen Pferdes zählt und weniger das Geburtsdatum. Das Schenkelweichen im Schritt lässt sich früher einbauen als das Schulterherein im Trab. Bei älteren Pferden mit Verspannungen oder bei Rehabilitationspferden gehört die Frage in die Hand des Tierarztes oder Physiotherapeuten, weil eine gute Seitwärtsarbeit die Gelenke deutlich fordert.
Für dich als Reiter gilt: Du solltest unabhängig sitzen, deine Hand ruhig halten und die Zügel getrennt voneinander einsetzen können. Ein Seitengang, der aus Zügelziehen entsteht, dreht dem Pferd den Hals und schiebt es über die äußere Schulter.
Das Schenkelweichen
Das Schenkelweichen ist die Vorübung zu allem Weiteren. Das Pferd geht vorwärts-seitwärts, es ist im Genick leicht entgegen der Bewegungsrichtung gestellt, der Körper bleibt gerade. Damit ist es der einzige Seitwärtsgang ohne Biegung, und aus genau diesem Grund zählt es in der klassischen Lehre als Gehorsamsübung und nicht als Lektion mit Versammlungswert.
So sieht es aus: vier getrennte Hufschläge, die Bewegungsrichtung schräg vorwärts, ein Winkel von etwa 45 Grad zur Bande oder zur gerittenen Linie. Vorder- und Hinterbeine kreuzen, das innere Bein tritt jeweils vor und über das äußere. Das Pferd bleibt parallel zur Bande, Schultern und Kruppe wandern gleichmäßig zur Seite.
Die Hilfen: Du stellst mit dem inneren Zügel leicht entgegen der Richtung, in die es geht. Der innere Schenkel liegt leicht hinter dem Gurt und schiebt bei jedem Abfußen des inneren Hinterbeins. Der äußere Schenkel liegt verwahrend am Gurt und begrenzt das Seitwärts. Der äußere Zügel begrenzt die Stellung und führt die Schulter, damit das Pferd nicht über die Schulter davonläuft. Dein Gewicht bleibt in der Mitte oder liegt eine Idee auf der Seite, zu der es geht.
Wozu es gut ist: Das Pferd lernt, den seitwärts treibenden Schenkel zu verstehen. Die Beweglichkeit in Schulter und Hüfte wächst. Es taugt als Lösungsübung im Schritt und als Kontrolle, ob die Schenkelhilfen ankommen.
Was dabei häufig schiefgeht: zu viel Stellung, sodass sich der Hals verdreht und das Pferd über die äußere Schulter wegdrückt. Der Winkel wird zu steil, das Vorwärts geht verloren, das Pferd tritt nur noch seitwärts und schiebt sich fest. Die Kruppe eilt voraus, weil der treibende Schenkel zu weit hinten liegt.
Die klassische Reitlehre diskutiert das Schenkelweichen bis heute kontrovers. Wer es zu lange und zu steil reitet, lehrt das Pferd, mit der Hinterhand an der Last vorbei zur Seite auszuweichen, und das ist genau das Gegenteil dessen, was Seitengänge erreichen sollen. In kleinen Mengen als Verständigungsübung im Schritt hat es seinen Platz, als Dauerprogramm im Trab arbeitet es gegen das Geraderichten.
Das Schulterherein
Das Schulterherein ist die wichtigste Lektion der gesamten Seitwärtsarbeit. La Guérinière nannte es die erste und letzte aller Übungen, und dieser Ruf hält sich zu Recht.
So sieht es aus: Das Pferd geht auf dem Hufschlag an der Bande entlang und ist dabei zur Bahnmitte hin gebogen, also entgegen der Bewegungsrichtung. Die Vorhand wird von der Bande weggeführt, die Hinterhand bleibt auf dem Hufschlag. Es entstehen drei Spuren: der äußere Hinterhuf auf einer, der innere Hinterhuf und der äußere Vorderhuf gemeinsam auf der zweiten, der innere Vorderhuf auf der dritten. Der Winkel des Pferdekörpers zur Bande liegt bei etwa 30 Grad.
Die Vorderbeine kreuzen, die Hinterbeine kreuzen nicht. Das innere Hinterbein tritt in Richtung des Schwerpunkts und trägt in diesem Moment mehr Gewicht. Genau dort sitzt der gymnastische Wert.
Die Hilfen: Dein Gewicht liegt auf dem inneren Gesäßknochen, also auf der Seite, zu der das Pferd gebogen ist. Der innere Schenkel liegt am Gurt, erhält die Biegung und treibt das Pferd vorwärts. Der äußere Schenkel liegt eine Handbreit hinter dem Gurt und verwahrt die Hinterhand, damit sie auf dem Hufschlag bleibt. Der innere Zügel stellt und gibt sofort wieder nach. Der äußere Zügel begrenzt die Halsbiegung, hält die äußere Schulter und bestimmt, wie weit die Vorhand hereinkommt. Deine Schultern stehen parallel zu den Schultern des Pferdes, dein Blick geht in Bewegungsrichtung an der Bande entlang.
Der einfachste Einstieg: Reite eine Volte in der Ecke. Im Moment, in dem du die Volte verlässt und das Pferd noch gebogen ist, treibst du mit dem inneren Schenkel und lässt es die ersten drei bis vier Tritte an der Bande entlanggehen, ohne die Biegung aufzugeben. Danach reitest du geradeaus vorwärts. Drei gute Tritte sind mehr wert als eine ganze lange Seite mit verdrehtem Hals.
Wozu es gut ist: Es richtet gerade, weil es die Schulter vor die Hinterhand stellt. Es bringt das innere Hinterbein unter die Last. Es verbessert die Anlehnung an den äußeren Zügel. Es hilft bei Pferden, die über die äußere Schulter ausfallen, weil du die Schulter aktiv führst statt sie zurückzuhalten. Als Vorbereitung dient es fliegenden Wechseln, Traversalen und Pirouetten.
Was dabei häufig schiefgeht: Der Hals ist stärker gebogen als der Körper, der äußere Zügel hängt durch. Der Winkel wird zu groß, das Pferd rutscht in ein Schenkelweichen mit vier Hufschlägen. Das Pferd verliert Takt und Tempo, weil zu viel Zügel und zu wenig Schenkel kommt. Die Kruppe wandert nach außen an die Bande und drückt gegen sie. Der Reiter verdreht seinen eigenen Oberkörper und kippt aus der Mitte.
Die häufigste Korrektur ist die einfachste: mehr vorwärts, weniger Winkel. Ein Schulterherein mit 25 Grad, das taktrein bleibt, arbeitet besser als eines mit 40 Grad, das stockt.
Schulterhinaus und Konterschulterherein
Diese beiden Bezeichnungen meinen die Umkehrung des Schulterhereins und werden in der Praxis oft synonym gebraucht. Das Pferd wird auf dem zweiten Hufschlag oder auf der Viertellinie geritten, die Biegung geht zur Bande hin, die Schultern werden zur Bande geführt.
Der Nutzen liegt darin, dass die Bande als Hilfe wegfällt. Das Pferd kann sich an keiner Wand mehr anlehnen und muss den Winkel allein aus deinen Hilfen halten. Für Pferde, die im Schulterherein an der Bande gern die Kruppe gegen die Wand drücken, ist es die ehrlichere Übung. Der Kontrollpunkt bleibt derselbe: drei Hufschläge, gleichmäßige Biegung, Takt und Tempo unverändert.
Der Travers, das Kruppeherein
So sieht es aus: Das Pferd geht an der Bande entlang, die Vorhand bleibt auf dem Hufschlag, die Kruppe wird zur Bahnmitte hereingeholt. Das Pferd ist in die Bewegungsrichtung gebogen, es schaut also dorthin, wo es hingeht. Es entstehen vier Hufschläge, der Winkel liegt bei etwa 35 Grad. Die Hinterbeine kreuzen, die Vorderbeine bleiben auf ihrer Spur.
Die Hilfen: Dein Gewicht liegt auf dem inneren Gesäßknochen, also in Bewegungsrichtung. Der äußere Schenkel liegt deutlich hinter dem Gurt und schiebt die Hinterhand herein. Der innere Schenkel liegt am Gurt, erhält Biegung und Vorwärts. Der innere Zügel stellt, der äußere Zügel begrenzt und hält die Vorhand auf dem Hufschlag. Deine äußere Hüfte kommt eine Idee vor.
Wozu er gut ist: Der Travers fordert die Hinterhand direkt. Das äußere Hinterbein kreuzt weit vor und unter den Körper, die Beugung in den Hinterhandgelenken nimmt zu. Er bereitet die Traversale vor, weil er dieselbe Biegung und dieselbe Hilfengebung verlangt, nur an der Bande statt auf der Diagonalen. Er verbessert die Beweglichkeit der Hüfte und trainiert das Pferd darauf, dem äußeren Schenkel zuverlässig zu antworten.
Was dabei häufig schiefgeht: Das Pferd wird über die Kruppe geschoben, ohne dass die Vorhand vorangeht, dann fällt das Vorwärts weg. Der Hals ist überbogen, die Schulter fällt zur Bahnmitte, und aus dem Travers wird eine schiefe Bewegung ohne Wert. Der Winkel wird zu groß, das äußere Hinterbein tritt an der Last vorbei statt darunter. Der Reiter sitzt nach außen, weil der Schenkel hinter dem Gurt sein Becken kippt.
Ein Hinweis zur Reihenfolge: Der Travers wirkt verlockend, weil sich die Hinterhand leicht verschieben lässt. Wer ihn vor einem sicheren Schulterherein reitet, bringt seinem Pferd bei, die Hinterhand wegzuschieben, statt sie unterzusetzen. Das Schulterherein kommt zuerst.
Der Renvers, das Kruppeheraus
Der Renvers ist derselbe Bewegungsablauf wie der Travers, nur in umgekehrter Lage zur Bande. Die Hinterhand bleibt auf dem Hufschlag an der Wand, die Vorhand kommt in die Bahn herein, und das Pferd ist zur Bande hin gebogen, also weiterhin in Bewegungsrichtung.
Auch hier vier Hufschläge, dieselbe Biegung in Bewegungsrichtung, derselbe Winkel um 35 Grad. Aus dem Sattel fühlt sich der Renvers schwerer an, weil die gewohnte Orientierung an der Wand fehlt und du die Vorhand aktiv führen musst.
Die Hilfen entsprechen dem Travers, bezogen auf die neue innere Seite. Der Schenkel, der zur Bande zeigt, liegt am Gurt und erhält die Biegung, der andere liegt hinter dem Gurt und hält die Kruppe an der Wand.
Wozu er gut ist: Er kontrolliert, ob der Travers wirklich aus Biegung und Schenkel entsteht oder nur aus der Wandnähe. Er löst die Schulter, weil du sie führen musst, statt sie anzulehnen. Ein sauberer Wechsel von Schulterherein über den Renvers zum Travers auf derselben langen Seite gehört zu den nützlichsten Übungsfolgen, die es gibt: Die Biegung bleibt dieselbe, nur der Winkel und die Lage zur Bande wechseln.
Die Traversale
Die Traversale ist ein Travers auf der Diagonalen. Das Pferd bewegt sich vorwärts-seitwärts quer durch die Bahn, gebogen in die Bewegungsrichtung, und bleibt dabei fast parallel zur langen Seite. Die Vorhand geht eine Idee voran, die Schulter führt, die Hinterhand folgt in derselben Spur.
So sieht es aus: Alle vier Beine kreuzen, wobei Vorder- und Hinterbeine gleichmäßig übertreten. Der Kopf und der Hals bleiben ruhig, das Genick bleibt der höchste Punkt, die Bewegung fließt aus der Hinterhand.
Die Hilfen: Wie beim Travers. Der äußere Schenkel schiebt hinter dem Gurt, der innere hält Biegung und Vorwärts am Gurt, dein Gewicht liegt in Bewegungsrichtung, der äußere Zügel führt die Vorhand und bestimmt das Tempo der seitwärts gerichteten Bewegung.
Der übliche Weg dorthin: Zuerst reitest du eine halbe Traversale von der Mittellinie zur Bande, weil die Bande als Ziel hilft. Danach kommt die ganze Traversale von der Ecke zur gegenüberliegenden Seite. Später folgen Zickzack-Traversalen, bei denen die Richtung nach einer festgelegten Zahl von Tritten oder Sprüngen wechselt.
Die Traversale gibt es im Trab und im Galopp. Die Galopptraversale verlangt sicheren versammelten Galopp und einen zuverlässigen fliegenden Wechsel, sobald sie im Zickzack geritten wird.
Was dabei häufig schiefgeht: Die Hinterhand eilt voraus, das Pferd geht schräg wie ein Krebs statt fast parallel. Die Biegung fällt weg, übrig bleibt ein Schenkelweichen auf der Diagonalen. Das Pferd verliert Schwung, weil die seitwärts gerichtete Bewegung zu steil angesetzt ist. Ein flacherer Weg mit mehr Vorwärts korrigiert fast alle diese Probleme.
Vorhandwendung und Hinterhandwendung
Diese beiden Wendungen zählen zur Seitwärtsarbeit, auch wenn sie auf der Stelle geritten werden.
Bei der Vorhandwendung tritt die Hinterhand um die Vorhand herum. Das innere Vorderbein bleibt annähernd auf der Stelle und tritt im Takt weiter, die Hinterbeine kreuzen. Sie eignet sich, um dem jungen Pferd den seitwärts treibenden Schenkel zu erklären, und sie hilft im Alltag beim Öffnen eines Tors vom Sattel aus. Als gymnastische Übung hat sie wenig Gewicht, weil sie die Hinterhand entlastet statt sie zu belasten.
Bei der Hinterhandwendung, im Schritt auch Kurzkehrtwendung genannt, tritt die Vorhand um die Hinterhand herum. Die Hinterbeine treten im Takt auf kleinem Kreis weiter, die Vorderbeine kreuzen. Sie belastet die Hinterhand und bereitet die Schrittpirouette vor. Wichtig ist, dass die Hinterbeine in Bewegung bleiben und das Pferd in Wendungsrichtung gestellt bleibt.
Die Hilfengebung im Detail
Jeder Seitengang entsteht aus drei Hilfen, die zusammenarbeiten.
Das Gewicht kommt zuerst. Dein Gewicht zeigt dem Pferd, wohin die Bewegung geht. Bei Schulterherein, Travers, Renvers und Traversale sitzt du auf der Seite, zu der das Pferd gebogen ist. Setz dich dafür nicht durch Hüftkippen zur Seite, sondern lass die innere Hüfte in Bewegungsrichtung mitgehen und behalte beide Sitzbeinhöcker im Sattel. Ein Reiter, der sich zur Seite legt, bringt sein Pferd dazu, unter dem Gewicht wegzutreten und den Winkel zu verlieren.
Die Schenkel arbeiten getrennt. Der Schenkel am Gurt erhält Biegung und schickt das Pferd vorwärts. Der Schenkel hinter dem Gurt bestimmt die Lage der Hinterhand, entweder verwahrend wie im Schulterherein oder schiebend wie im Travers. Beide Schenkel liegen ruhig an, sie klopfen oder treten nicht. Ein Schenkel, der dauerhaft drückt, wird ignoriert.
Die Zügel führen und begrenzen. Der innere Zügel stellt und gibt sofort nach, mehr Aufgaben hat er nicht. Der äußere Zügel ist der wichtigere von beiden: Er begrenzt die Halsbiegung, hält die äußere Schulter, führt sie in die gewünschte Spur und bestimmt das Tempo. Wenn ein Seitengang zerfällt, liegt es meist am fehlenden äußeren Zügel.
Der Blick gehört dazu. Du schaust dorthin, wo die Bewegung hinführt, und behältst dabei den Kopf über der Mitte. Ein gesenkter Blick auf den Pferdehals nimmt dir das Gefühl für den Winkel und drückt dich nach vorn.
In welcher Reihenfolge du die Seitengänge lernst
Die Reihenfolge hat einen Grund, sie baut Belastung schrittweise auf.
Zuerst kommt die Vorhandwendung im Schritt, damit das Pferd den einzelnen Schenkel versteht. Dann folgt das Schenkelweichen im Schritt, zunächst von der Mittellinie zur Bande über kurze Strecken. Als drittes kommt das Schulterherein im Schritt, aus der Volte heraus, über drei bis fünf Tritte. Danach das Schulterherein im Trab, ebenfalls in kurzen Abschnitten. Anschließend Renvers und Travers im Trab, wobei das Schulterherein die Grundlage bleibt. Es folgen die halben Traversalen im Trab, danach die ganzen Traversalen. Zuletzt kommt die Arbeit im Galopp, angefangen beim Schulterherein im Galopp und beim Travers im Galopp, dann die Galopptraversale.
Zwischen jeder Stufe steht dieselbe Frage: Bleibt der Takt gleich, bleibt die Anlehnung ruhig, geht das Pferd nach der Lektion locker vorwärts? Solange die Antwort dreimal ja lautet, kannst du weitergehen.
Wie du den Winkel kontrollierst
Im Sattel fehlt dir die Ansicht von außen, deshalb helfen ein paar Kontrollen.
Spuren im Sand: Reite die Lektion auf frisch abgezogenem Boden und schau dir danach die Hufabdrücke an. Drei getrennte Spuren beim Schulterherein, vier beim Travers.
Der Spiegel: Wo einer hängt, gib dir zwei Blicke pro Bahnseite, keine Dauerkontrolle.
Der Boden als Linie: Reite an der Viertellinie entlang und nimm die Bahnbegrenzung als Bezug. Wer die Wand hat, betrügt sich leicht selbst.
Das Video vom Handy: Eine kurze Aufnahme aus der Ecke der Bahn zeigt Winkel und Biegung sicherer als jedes Gefühl.
Ein Helfer am Boden: Die Person stellt sich in die Richtung, in die du reitest, und sagt dir die Zahl der Hufschläge an.
Das Gefühl im Sattel: Beim korrekten Schulterherein spürst du, wie der innere Hinterhuf unter deinem Gesäß nach vorne kommt und der Rücken bei jedem Tritt eine Idee mehr trägt. Beim Travers spürst du das äußere Hinterbein weit unter deinem Sitz durchschwingen.
Häufige Fehler und wie du sie korrigierst
Zu viel Hals, zu wenig Körper. Das Pferd verdreht den Hals, die Schulter fällt nach außen. Korrektur: Nimm den inneren Zügel deutlich zurück, nimm den äußeren Zügel auf, reite die Lektion mit weniger Stellung und dafür mit mehr innerem Schenkel.
Der Winkel wächst, das Vorwärts fällt. Korrektur: Reite drei Tritte Seitengang, dann eine halbe Bahnlänge frisches Vorwärts geradeaus, dann wieder drei Tritte. Der Wechsel hält den Schwung.
Das Tempo wird langsamer. Meist liegt es an zu viel Hand. Korrektur: Erst Tempo herstellen, dann seitwärts. Eine Verstärkung vor dem Seitengang wirkt oft besser als jede Erklärung.
Das Pferd drückt gegen die Bande. Korrektur: Nimm das Schulterherein von der Bande weg auf die zweite Spur oder die Viertellinie.
Die Kruppe eilt voraus. Meist liegt der schiebende Schenkel zu weit hinten. Korrektur: Schenkel eine Handbreit vorsetzen, mehr mit dem Zügel führen, weniger schieben.
Der Reiter verdreht sich. Ein häufiges Bild: Die Schultern des Reiters drehen mehr als die des Pferdes, das Gewicht rutscht nach außen. Korrektur: Schultern parallel zu den Pferdeschultern, beide Sitzbeinhöcker im Sattel, den äußeren Absatz tief.
Zu lange Strecken. Ein Pferd, das eine ganze lange Seite im Travers geht, ohne dafür kräftig genug zu sein, verspannt sich. Korrektur: kurze Abschnitte, viele Pausen, häufige Handwechsel.
Nur die leichte Seite. Fast jeder reitet die weichere Hand länger und besser. Korrektur: Zähl die Tritte pro Hand mit und gib der schwereren Seite eher etwas mehr Zeit im Schritt und weniger Winkel.
Seitengänge im Schritt, Trab und Galopp
Im Schritt lässt sich jeder Seitengang genau erarbeiten, weil du Zeit für jede einzelne Fußfolge hast. Der Schritt hat allerdings keinen Schwung, deshalb verliert er den Takt leicht, wenn die Lektion zu lange dauert. Zwei bis vier Tritte, dann frisch vorwärts.
Im Trab wirken die Seitengänge am stärksten gymnastizierend, weil die diagonale Fußfolge Schwung und Lastaufnahme verbindet. Das Schulterherein im Trab gehört zu den wertvollsten Übungen überhaupt. Ob du dabei leichttrabst oder aussitzt, hängt vom Ausbildungsstand ab: Zu Beginn erleichtert das Leichttraben dem Pferd den Rücken, später gehört das Aussitzen dazu, sobald dein Sitz ruhig bleibt.
Im Galopp verlangen Seitengänge Versammlung. Das Schulterherein im Galopp gerade richtet den Galopp und bereitet fliegende Wechsel vor. Der Travers im Galopp führt zur Pirouette. Die Galopptraversale erfordert einen Galopp, der sich in Sprunghöhe und Sprungweite verstellen lässt.
Seitengänge in Dressurprüfungen
Die Einordnung folgt der Systematik der Aufgabenhefte und kann sich in einzelnen Jahrgängen verschieben. Als Orientierung gilt:
Schenkelweichen erscheint in Aufgaben der Klasse A, meist im Schritt oder Trab von der Mittellinie oder dem zweiten Hufschlag zur Bande.
Schulterherein gehört zur Klasse L, im Trab an der langen Seite.
Travers und Renvers kommen in der Klasse M dazu.
Traversalen im Trab gehören ebenfalls zur Klasse M, Galopptraversalen folgen in M und S.
Zickzack-Traversalen im Galopp mit fester Sprungzahl stehen in der Klasse S und in den internationalen Aufgaben bis zum Grand Prix.
Der Richter schaut bei jedem Seitengang auf dieselben Punkte: gleichbleibender Takt, korrekter Winkel und korrekte Hufschlagzahl, gleichmäßige Biegung über den ganzen Körper, Schwung und Fleiß in der Bewegung, ein ruhiges Genick als höchster Punkt und ein Anfangs- sowie Endpunkt genau an der vorgeschriebenen Stelle.
Seitengänge an der Hand und vom Boden
Die Seitwärtsarbeit funktioniert auch ohne Reitergewicht, und für manche Pferde ist das der bessere Einstieg. Junge Pferde, Pferde nach einer Verletzungspause und Pferde mit Rückenproblemen profitieren davon, die Bewegung erst ohne Last zu lernen.
An der Hand führst du das Pferd mit Kappzaum oder Trense von der Seite. Für das Schulterherein gehst du auf Höhe der Pferdeschulter, stellst das Pferd zu dir und führst die Vorhand mit der Führhand auf die dritte Spur, während eine Gerte oder dein Körper die Hinterhand auf dem Hufschlag hält. Für den Travers stehst du eher auf Höhe des Kopfes und schiebst die Hinterhand mit der Gerte an der Kruppe herein.
Der Vorteil liegt darin, dass du siehst, was du fühlst. Der Winkel, die Biegung und die Fußfolge liegen offen vor dir. Für den eigenen Sitz später ist das Gold wert, weil du weißt, wie die richtige Bewegung aussieht.
Auch an der Longe lassen sich Ansätze davon arbeiten, etwa das Schulterherein auf dem Zirkel mit doppelter Longe. Das setzt Erfahrung mit der Doppellonge voraus.
Wie oft und wie lange Seitengänge sinnvoll sind
Seitwärtsarbeit ist Krafttraining. Sie fordert die Hinterhandgelenke, die Rumpfmuskulatur und den Rücken, und ein Pferd wird davon müde, lange bevor es das zeigt.
Als Anhaltspunkt für ein gesundes, ausgebildetes Pferd: An zwei bis drei Tagen pro Woche Seitengänge, innerhalb einer Einheit verteilt auf mehrere kurze Abschnitte, insgesamt selten mehr als zehn Minuten reine Seitwärtsarbeit. Jeder Abschnitt dauert wenige Tritte, danach folgt frisches Geradeaus.
Für ein Pferd, das gerade damit anfängt, gilt: drei bis fünf Tritte pro Seite, danach Pause am langen Zügel. Zwei gute Ansätze pro Hand reichen für eine Einheit vollkommen aus.
Zeichen, dass es genug war: Der Takt verändert sich, das Pferd wird eilig oder klemmig, es verwirft sich im Genick, es sucht die Hand weniger, es schwitzt am Hals stärker als sonst. In diesem Moment gehst du zurück ins ruhige Vorwärts und beendest die Arbeit.
Seitengänge für das Freizeitpferd
Der Nutzen bleibt derselbe, auch wenn du nie ein Viereck von innen siehst. Ein Pferd, das seitwärts reagiert, lässt sich im Gelände sicherer führen. Du schiebst es an einer schmalen Stelle zur Seite, du öffnest ein Weidetor vom Sattel aus, du bringst die Hinterhand aus einer engen Ecke heraus, du weichst einem entgegenkommenden Radfahrer auf dem Feldweg ohne Drama aus.
Dazu kommt der Trainingswert. Ein Freizeitpferd, das viel geradeaus im Gelände läuft, baut Muskulatur einseitig auf. Ein paar Tritte Schulterherein im Schritt auf dem Rückweg, an einer geraden Wegstrecke geritten, wirken auf die Rumpfmuskulatur wie ein kurzes Krafttraining. Zehn Tritte pro Seite an drei Tagen der Woche verändern über Monate den Rücken sichtbar.
Beim älteren Pferd, das aus dem Sport heraus ist, hält die Seitwärtsarbeit im Schritt die Beweglichkeit in Hüfte und Schulter. Der Winkel bleibt dabei flach, das Tempo ruhig, die Dauer kurz.
Seitengang des Pferdes im Kreuzworträtsel
Wer nach dieser Frage sucht, sitzt meist über einem Rätsel und braucht die Antwort schnell.
Die gebräuchlichste Lösung mit sieben Buchstaben lautet RENVERS. Mit derselben Buchstabenzahl passt in vielen Rätseln auch TRAVERS, beide bezeichnen Seitengänge des Dressurpferdes.
Einzelne Rätsellexika führen zusätzlich ROESSELSPRUNG mit dreizehn Buchstaben, wobei dieser Begriff im Reitsport keinen Seitengang bezeichnet.
Weitere Antworten, die je nach Fragestellung und Kästchenzahl auftauchen: TRAVERSALE mit zehn Buchstaben, SCHULTERHEREIN mit vierzehn Buchstaben, SCHENKELWEICHEN mit fünfzehn Buchstaben. Bei der Frage nach einer Reitübung oder einer seitwärts gerichteten Bewegung des Pferdes steht gelegentlich SEITENGANG selbst als Lösung mit zehn Buchstaben.
Häufige Fragen zu Seitengängen
Wie viele Seitengänge gibt es?
Als eigenständige Lektionen zählen Schulterherein, Travers, Renvers und Traversale. Das Schenkelweichen kommt als Vorübung dazu, gilt in der klassischen Lehre wegen der fehlenden Biegung allerdings als Gehorsamsübung. Rechnet man Schulterhinaus, Vorhandwendung und Hinterhandwendung mit, kommt man auf acht Übungen der Seitwärtsarbeit.
Was ist der Unterschied zwischen Schulterherein und Travers?
Beim Schulterherein kommt die Vorhand von der Bande herein, das Pferd ist entgegen der Bewegungsrichtung gebogen und geht auf drei Hufschlägen. Beim Travers kommt die Kruppe herein, das Pferd ist in Bewegungsrichtung gebogen und geht auf vier Hufschlägen. Das Schulterherein belastet vor allem das innere Hinterbein, der Travers fordert das äußere Hinterbein durch das weite Kreuzen.
Ist Schenkelweichen ein Seitengang?
Das Pferd bewegt sich vorwärts-seitwärts auf vier Hufschlägen, insofern zählt es äußerlich dazu. Der Körper bleibt dabei gerade, es gibt nur eine Stellung im Genick. Weil die Biegung fehlt, ordnet die klassische Reitlehre es als Vorübung ein und hält es für ein Mittel der Verständigung, nicht der Versammlung.
Ab welchem Alter kann man Seitengänge reiten?
Erste Ansätze im Schritt passen etwa ab dem fünften Lebensjahr, sobald das Pferd in Takt, Losgelassenheit und Anlehnung sicher geht und Volten und Ecken korrekt gebogen bewältigt. Entscheidend ist die körperliche Reife des einzelnen Pferdes. Die Arbeit im Trab und im Galopp folgt später, nach Monaten sauberer Grundarbeit.
Warum reitet man Schulterherein?
Es stellt die Schulter vor die Hinterhand und richtet das Pferd damit gerade. Das innere Hinterbein tritt unter den Schwerpunkt und nimmt mehr Last auf, die Hinterhandgelenke beugen sich stärker, die Vorhand wird leichter. Zusätzlich verbessert es die Anlehnung an den äußeren Zügel und bereitet Traversalen, Wechsel und Pirouetten vor.
Auf wie vielen Hufschlägen geht das Pferd im Schulterherein?
Auf drei. Der äußere Hinterhuf bildet die erste Spur, der innere Hinterhuf und der äußere Vorderhuf laufen gemeinsam auf der zweiten, der innere Vorderhuf bildet die dritte. Vier Spuren bedeuten, dass der Winkel zu groß geworden ist.
Was bedeutet Travers auf Deutsch?
Travers stammt aus dem Französischen und bedeutet quer. Im Deutschen heißt die Lektion Kruppeherein. Renvers bedeutet umgekehrt und heißt auf Deutsch Kruppeheraus.
Kann ich Seitengänge auch ohne Halle üben?
Ja. Ein gerader Reitplatzrand, eine Feldwegkante, eine Hecke oder eine gerade Zaunlinie dienen als Orientierung. Auf offenem Gelände hilft eine gedachte Linie zwischen zwei Punkten, etwa zwei Bäumen. Der Boden sollte eben und trittsicher sein, weil das Kreuzen der Beine auf rutschigem Untergrund die Gelenke belastet.
Wie merke ich, dass mein Pferd den Seitengang richtig ausführt?
Der Takt bleibt gleich, das Tempo bleibt frisch, der äußere Zügel bleibt gefüllt, die Ohren stehen waagerecht, das Genick bleibt der höchste Punkt. Im Sattel spürst du, wie der Rücken weiter schwingt und das entscheidende Hinterbein unter dir durchtritt. Nach der Lektion geht das Pferd am hingegebenen Zügel gern vorwärts-abwärts, das ist das ehrlichste Zeichen.
Wie lange dauert es, bis Seitengänge sitzen?
Für die ersten brauchbaren Tritte im Schulterherein im Schritt reichen bei einem gut vorbereiteten Pferd wenige Wochen. Bis ein Schulterherein im Trab über eine ganze lange Seite in gleichbleibender Qualität steht, vergehen je nach Pferd und Reiter mehrere Monate bis zu einem Jahr. Traversalen im Trab liegen noch einmal ein bis zwei Jahre weiter.
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