Sportschecken vorgestellt Teil 5

Ulyss Morinda – der Scheckhengst im 1,60-Meter-Springsport

Wenn ein Schecke im internationalen Springsport auftaucht, fällt er auf. Wenn dieser Schecke dann auch noch Hengst ist, bis 1,60 Meter springt und selbst aus einer Familie internationaler Springpferde stammt, wird die Sache züchterisch richtig interessant.

Ulyss Morinda ist genau so ein Pferd.

Der 2008 in Frankreich geborene Selle-Français-Hengst gehörte unter dem belgischen Springreiter Rik Hemeryck über Jahre zum internationalen Springsport. Die FEI verzeichnet für Ulyss Morinda 281 internationale Starts und elf Siege.

Und anders als bei einigen anderen modernen Warmblutschecken führt die Spur seiner Farbe weder zu Samber noch zu Ico.

Ulyss gehört zu einer anderen Scheckenfamilie.

Ein französischer Scheckhengst mit belgisch-holländischen Wurzeln

Ulyss Morinda wurde am 23. Mai 2008 geboren. Seine Züchterin ist Hérica Ravel aus Frankreich.

Der 1,66 bis 1,68 Meter große Scheckhengst ist beim Selle Français eingetragen und wurde später auch für verschiedene weitere Zuchtbücher anerkannt.

Sein Vater ist der ebenfalls gescheckte Utah van Erpekom, seine Mutter die Selle-Français-Stute Circée de l’Erdre von Jalisco B.

Schon damit treffen zwei ausgesprochen unterschiedliche Zuchtwelten aufeinander.

Auf der Vaterseite finden wir eine Scheckenfamilie mit belgischen, niederländischen und Holsteiner Einflüssen.

Auf der Mutterseite steht dagegen französische Springpferdezucht vom Feinsten.

Zunächst gar nicht im klassischen Springsport

Interessanterweise begann Ulyss Morindas Karriere nicht sofort mit dem Weg in große Springprüfungen.

Als Sechsjähriger wurde er 2014 französischer Hunter-Champion.

Erst anschließend wurde er wieder verstärkt im klassischen Springreiten eingesetzt. Als Siebenjähriger sammelte er unter Rik Hemeryck zahlreiche Platzierungen in internationalen Prüfungen für junge Springpferde.

Von dort ging es Stück für Stück weiter nach oben.

Und schließlich sprang der auffällige Hengst auf einem Niveau, das endgültig nichts mehr mit einem exotischen Farbpferd zu tun hatte.

Angekommen bei 1,60 Metern

Unter Rik Hemeryck entwickelte sich Ulyss Morinda bis zum 1,60-Meter-Pferd.

Er startete in Großen Preisen und Nationenpreisen und erreichte einen internationalen Sportindex von ISO 160.

Die FEI führt seine internationale Karriere mit insgesamt 281 Starts und elf Siegen.

Damit gehört Ulyss zu jener kleinen Gruppe gescheckter Warmblüter, die ihre Leistungsfähigkeit tatsächlich auf internationalem Spitzenniveau bewiesen haben.

Seine Karriere dauerte dabei ungewöhnlich lange.

Noch 2022 war der inzwischen 14-jährige Hengst international unterwegs. Im Oktober desselben Jahres wurde er beispielsweise in einer CSI2*-Prüfung über 1,45 Meter in St. Tropez Fünfter.

Seine letzten von der FEI verzeichneten internationalen Starts stammen aus Valence im Dezember 2022.

Der große Erfolg in Bolesworth

Zu den Höhepunkten seiner Karriere gehörte die Saison 2019.

Beim internationalen Turnier in Bolesworth gelang Rik Hemeryck und Ulyss Morinda ein großer Erfolg im internationalen Spitzensport.

Der Hengst bewies dort einmal mehr, dass seine auffällige Zeichnung zwar für die Zuschauer interessant sein mochte, für die sportliche Beurteilung aber vollkommen nebensächlich war.

Ulyss hatte sich innerhalb weniger Jahre vom Hunter-Champion über internationale Jungpferdeprüfungen bis in schwere Große Preise entwickelt.

Genau diese Entwicklung macht seine Geschichte so bemerkenswert.

Woher kommt die Scheckfarbe von Ulyss Morinda?

Für unsere Geschichte der Sportpferdeschecken ist Ulyss besonders interessant.

Denn bei ihm können wir Samber und Ico zunächst einmal beiseitelegen.

Sein Vater Utah van Erpekom war selbst ein Schecke und ebenfalls ein ausgesprochen erfolgreiches internationales Springpferd.

Utah wurde 1997 geboren, war beim belgischen BWP eingetragen und sprang selbst bis 1,60 Meter.

Damit hatte Ulyss seine Farbe nicht nur von einem gescheckten Vater geerbt.

Er hatte sie von einem gescheckten 1,60-Meter-Springpferd geerbt.

Utah van Erpekom – selbst ein Pferd für den großen Sport

Utah van Erpekom stammte von Landetto.

Landetto wiederum war ein Holsteiner Sohn des berühmten Landgraf I.

Damit steckt unmittelbar hinter dem gescheckten Utah eine der bedeutendsten Holsteiner Springpferdelinien überhaupt.

Doch für die Scheckfarbe müssen wir auf die andere Seite von Utahs Pedigree schauen.

Seine Mutter hieß Lakotah.

Und Lakotah war ebenfalls gescheckt.

Damit lautet der für die Farbe entscheidende Teil der Linie:

Ulyss Morinda→ Utah van Erpekom→ Lakotah.

Lakotah wurde 1993 geboren und war beim niederländischen KWPN registriert. Ihr Vater war Calimero, ihre Mutter Amira.

Damit haben wir bei Ulyss eine eigenständige Scheckenlinie, die sich deutlich von unseren bisherigen Pferden unterscheidet.

Und plötzlich begegnet uns Marco Polo wieder

Beim weiteren Blick in Lakotahs Abstammung gibt es allerdings eine interessante Überraschung.

Ihr Vater Calimero stammt von Legaat.

Und Legaats Vater war:

Marco Polo.

Diesen Namen kennen wir bereits aus der Geschichte von Nekoma.

Marco Polo war nämlich auch der Vater von Ico.

Damit treffen sich die Stammbäume gewissermaßen wieder, allerdings bedeutet das ausdrücklich nicht, dass Ulyss seine Scheckfarbe über Ico bekommen hätte.

Die unmittelbare Farbspur führt über Utah zu der gescheckten Lakotah.

Trotzdem zeigt die wiederholte Präsenz von Marco Polo, wie eng manche der frühen europäischen Warmblutlinien miteinander verflochten waren.

Auf der Mutterseite wird es richtig französisch

Während die Vaterseite wegen der Scheckfarbe besonders interessant ist, liefert die Mutterseite einen großen Teil der sportlichen Substanz.

Ulyss’ Mutter Circée de l’Erdre stammt von Jalisco B.

Und Jalisco B gehört zu den ganz großen Namen der französischen Springpferdezucht.

Er selbst sprang bis 1,60 Meter und war ein Sohn des legendären Almé.

Damit führt Ulyss mütterlicherseits unmittelbar in eine der bedeutendsten internationalen Springpferdefamilien.

Doch auch die nächste Generation kann sich sehen lassen.

Circées Mutter Piperazine Laleu stammt von Laudanum xx.

Der englische Vollblüter Laudanum xx war selbst international im Springsport bis 1,60 Meter erfolgreich und entwickelte sich anschließend zu einem ausgesprochen einflussreichen Vererber für die französische Springpferdezucht.

Utricule – eine Grand-Prix-Stute in der Mutterfamilie

Noch weiter hinten erscheint Utricule von Monceaux xx.

Und auch sie war kein unbeschriebenes Blatt.

Die Familie wird in französischen Zuchtunterlagen ausdrücklich als eine der bedeutenden französischen Mutterlinien beschrieben. Utricule selbst war Grand-Prix-Pferd unter Marc Roguet.

Damit verbindet Ulyss auf bemerkenswerte Weise zwei Dinge:

eine ungewöhnliche Scheckenfamilie auf der Vaterseite und eine tief abgesicherte französische Leistungsfamilie auf der Mutterseite.

Die Abstammung in Kurzform

Väterlicherseits:

Ulyss Morinda→ Utah van Erpekom→ Landetto × Lakotah→ Landgraf I beziehungsweise Calimero

Mütterlicherseits:

Ulyss Morinda→ Circée de l’Erdre→ Jalisco B × Piperazine Laleu→ Almé beziehungsweise Laudanum xx→ Utricule

Das ist schon ein ziemlich beeindruckender Stammbaum für ein Pferd, das auf den ersten Blick vermutlich von vielen Menschen zunächst einfach als „der Schecke“ wahrgenommen wurde.

Ulyss Morinda als Vererber

Noch interessanter wird Ulyss dadurch, dass er nicht kastriert wurde.

Er ist gekörter Hengst und wurde parallel beziehungsweise nach seiner Sportkarriere züchterisch eingesetzt.

Damit besteht bei ihm die Möglichkeit, nicht nur seine sportliche Qualität, sondern auch die Scheckzeichnung weiterzugeben.

Und Nachkommen gibt es inzwischen reichlich.

Zu seinen registrierten Kindern gehören beispielsweise Instagram Morinda, Izorr des Brumières, Gwashgirl Messipierre und Unikat.

Unikat ist dabei besonders interessant: Der 2019 geborene Hengst stammt aus einer Baloubet-du-Rouet-Mutter. Hier wurde Ulyss also erneut mit internationalem Spitzenspringblut kombiniert.

Außerdem gibt es gescheckte Nachkommen wie die 2018 geborene Selle-Français-Stute Iris U Morinda.

Damit ist die Geschichte dieser Scheckenlinie noch längst nicht abgeschlossen.

Ein Schecke aus einer anderen Linie

Genau deshalb gehört Ulyss Morinda unbedingt in unsere Reihe.

Bei Irish Coffee und Ping Pong konnten wir die Scheckzeichnung letztlich mit Samber verbinden.

Bei Nekoma führte die Geschichte über Ico.

Und Ulyss Morinda bringt nun einen weiteren Zweig hinzu:

Utah van Erpekom und Lakotah.

Gleichzeitig besitzt er über Landetto und Landgraf I auf der einen sowie Jalisco B, Almé und Laudanum xx auf der anderen Seite eine Abstammung, bei der man über mangelndes Springpferdeblut nun wirklich nicht diskutieren muss.

Ulyss Morinda war nicht erfolgreich, obwohl er ein Schecke war.

Er war schlicht ein sehr gutes Springpferd.

PUnd zufällig eines, das man im Parcours garantiert nicht übersehen konnte.