
Palomino oder Isabell – goldene Pferde, ihre Genetik und die schönsten Rassen
Ein Pferd mit warm goldenem Fell, heller Mähne und fast weißem Schweif fällt auf jeder Weide auf. Manche dieser Pferde leuchten beinahe kupfergolden, andere sind so hell, dass ihr Fell an Vanille oder hellen Sand erinnert. Im englischsprachigen Raum würde man sie ziemlich selbstverständlich als Palomino bezeichnen. In Deutschland begegnet einem dagegen ebenso häufig der Begriff Isabell oder Isabellfarbe.
Und genau hier beginnt die Verwirrung. Ist Palomino eine Pferderasse? Ist ein Isabell etwas anderes als ein Palomino? Warum werden manche Welsh Cobs als Isabellen angeboten, während bei Quarter Horses fast immer von Palominos gesprochen wird? Und weshalb können zwei wunderschöne goldene Pferde miteinander ein Fohlen bekommen, das überhaupt nicht wie seine Eltern aussieht?
Die Antwort liegt weniger in der Pferderasse als in der Farbgenetik.
Palomino oder Isabell – was ist der Unterschied?
Genetisch ist der vermeintliche Unterschied zunächst erstaunlich klein: Mit Palomino und Isabell kann dieselbe Grundfarbe gemeint sein.
Gemeint ist ein Pferd mit fuchsfarbener genetischer Grundlage, dessen rote Pigmentierung durch eine einzelne Kopie des Cream-Allels aufgehellt wird. Aus dem roten bis rotbraunen Fell eines Fuchses entsteht dadurch eine gelbliche, cremefarbene oder goldene Körperfarbe. Mähne und Schweif werden wesentlich stärker aufgehellt und erscheinen meist cremefarben bis nahezu weiß.
International hat sich dafür vor allem der Begriff Palomino etabliert. Im deutschen Sprachraum ist daneben die traditionelle Bezeichnung Isabell beziehungsweise Isabellfarbe verbreitet.
Welche Bezeichnung tatsächlich verwendet wird, hängt deshalb häufig vom züchterischen Umfeld und von der jeweiligen Pferderasse ab.
Bei einem Quarter Horse spricht fast jeder von einem Palomino. Bei einem Deutschen Reitpony, Welsh Pony oder Welsh Cob findet man dagegen durchaus die Bezeichnung Isabell. Auch in deutschen Verkaufsanzeigen ist „Isabell“ nach wie vor üblich.
Man sollte daraus jedoch keine zwei genetisch unterschiedlichen Farben machen.
Ein klassischer Palomino und ein klassischer Isabell beruhen auf derselben Kombination aus Fuchsgrundfarbe und einem Cream-Allel.

Ist Palomino eine Pferderasse?
Das ist eine der häufigsten Missverständnisse rund um goldfarbene Pferde.
Palomino bezeichnet in erster Linie eine Farbe und keine einheitliche Pferderasse.
Es existieren allerdings Palomino-Zuchtverbände und Farbzuchten, bei denen die besondere Fellfarbe ein wesentliches Zuchtmerkmal darstellt. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, der Palomino müsse eine Rasse wie Haflinger, Friese oder Holsteiner sein.
Genetisch kann die Palominofarbe jedoch bei sehr unterschiedlichen Pferdetypen auftreten.
Ein kräftiger Welsh Cob kann Palomino sein. Ein elegantes Deutsches Reitpony ebenfalls. Quarter Horses sind ausgesprochen bekannt für diese Farbe. Auch unter sportlich gezüchteten Pferden findet man inzwischen ausgesprochen moderne, langbeinige Palominos.
Deshalb gibt es auch keinen einheitlichen „Palomino-Charakter“.
Ein Palomino wird nicht aufgrund seiner Fellfarbe ruhig, temperamentvoll, nervenstark oder besonders menschenbezogen. Diese Eigenschaften hängen von Rasse, Abstammung, Zuchtselektion, Haltung, Ausbildung und natürlich vom einzelnen Pferd ab.
Wer ein Palomino-Pferd kaufen möchte, sollte deshalb zuerst nach dem Pferd schauen und erst danach nach der Farbe.
Die Genetik des Palominos einfach erklärt
Hinter der spektakulären Farbe steckt eine relativ übersichtliche genetische Kombination.
Die Grundlage eines klassischen Palominos ist zunächst ein Fuchs.
Beim Fuchs wird schwarzes Pigment im Fell weitgehend nicht ausgebildet; sichtbar ist hauptsächlich das rote Pigment Phäomelanin. Füchse können dabei von sehr hellen Rot- und Goldtönen bis zu dunklem Leberfuchs reichen.
Kommt nun eine Kopie des sogenannten Cream-Allels hinzu, wird dieses rote Pigment aufgehellt.
Vereinfacht lässt sich die Kombination so darstellen:
Fuchs + 1 × Cream = Palomino/Isabell
Das Cream-Allel liegt im Gen SLC45A2. Seine Wirkung ist dosisabhängig. Ein Pferd mit einer Kopie des Cream-Allels sieht deshalb anders aus als ein Pferd mit zwei Kopien.
Genetiker sprechen von unvollständiger Dominanz.
Ein Pferd mit der Kombination N/Cr besitzt eine einzelne Cream-Kopie. Auf einer Fuchsgrundfarbe entsteht daraus Palomino.
Besitzt das Pferd dagegen Cr/Cr, also zwei Cream-Kopien, wird die Grundfarbe erheblich stärker aufgehellt.
Beim Fuchs entsteht dann kein besonders heller Palomino mehr, sondern ein Cremello.
Damit lautet die zweite wichtige Formel:
Fuchs + 2 × Cream = Cremello
Cremellos besitzen ein sehr helles cremefarbenes Fell, helle Haut und typischerweise blaue Augen.
Ein Cremello ist deshalb nicht einfach ein besonders heller Palomino, sondern genetisch eine andere Kombination.

Das Cream-Gen macht nicht immer einen Palomino
Besonders interessant wird die Farbgenetik dadurch, dass das Cream-Allel nicht ausschließlich auf Füchse trifft.
Pferde besitzen unterschiedliche Grundfarben. Zu den wichtigsten gehören Fuchs, Braun und Rappe. Das gleiche Cream-Allel erzeugt abhängig von dieser Grundfarbe unterschiedliche sichtbare Farben.
Auf einem Fuchs entsteht mit einer Cream-Kopie:
Palomino beziehungsweise Isabell.
Auf einem Braunen entsteht:
Buckskin.
Auf einem Rappen entsteht:
Smoky Black.
Bei zwei Cream-Kopien entstehen entsprechend stark aufgehellte sogenannte Double-Dilute-Farben.
Aus einem genetischen Fuchs wird Cremello, aus einem Braunen Perlino und aus einem Rappen Smoky Cream.
Das erklärt auch, weshalb die Farbzucht wesentlich komplizierter ist als die einfache Vorstellung „goldenes Pferd plus goldenes Pferd ergibt goldenes Fohlen“.
Können zwei Palominos ein Palomino-Fohlen bekommen?
Ja – aber längst nicht jedes Fohlen aus dieser Verbindung wird Palomino.
Das ist sogar eines der interessantesten Beispiele dafür, wie Farbvererbung funktioniert.
Ein klassischer Palomino besitzt nur eine Cream-Kopie. Vereinfacht lautet sein Genotyp am Cream-Locus:
N/Cr
Werden zwei Palominos miteinander verpaart, gibt jeder Elternteil entweder N oder Cr weiter.
Daraus ergeben sich statistisch:
25 % N/N – Fuchs
50 % N/Cr – Palomino/Isabell
25 % Cr/Cr – Cremello
Bei Palomino × Palomino liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Palomino-Fohlen also bei 50 Prozent.
Etwa jedes vierte Fohlen ist statistisch gesehen ein nicht aufgehellter Fuchs und jedes vierte ein doppelt aufgehellter Cremello.
Natürlich bedeutet eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent nicht, dass bei vier Fohlen zwangsläufig genau eines Cremello wird. Die Wahrscheinlichkeit gilt für jede einzelne Befruchtung neu.
Welche Farbe entsteht aus Palomino und Fuchs?
Ist der Fuchs tatsächlich frei vom Cream-Allel, wird es einfacher.
Der Fuchs gibt kein Cream weiter. Der Palomino besitzt dagegen eine Cream-Kopie und gibt diese statistisch an die Hälfte seiner Nachkommen weiter.
Bei Palomino × Fuchs entstehen deshalb grundsätzlich:
50 % Fuchs
50 % Palomino
Das ist allerdings eine vereinfachte Betrachtung der Cream-Vererbung. Weitere Farballele der Elterntiere können für die tatsächliche Fellfarbe der Nachkommen ebenfalls eine Rolle spielen.
Kann ein Palomino einen Rappen bekommen?
Diese Frage lässt sich nicht allein anhand der sichtbaren goldenen Farbe beantworten.
Ein Palomino ist auf der Extension-Ebene genetisch Fuchs und kann deshalb selbst kein dominantes Schwarz-Allel E weitergeben. Ob ein schwarzes beziehungsweise anders grundfarbiges Fohlen möglich ist, hängt daher wesentlich vom zweiten Elternteil und dessen genetischer Ausstattung ab.
Genau deshalb sind Aussagen wie „Aus dieser Farbe kann niemals jene Farbe entstehen“ ohne Kenntnis der Genotypen schnell falsch.
Bei gezielter Farbzucht ist ein Gentest wesentlich aussagekräftiger als die bloße Betrachtung des Fells.
Warum sind manche Palominos fast weiß und andere dunkelgold?
„Palomino“ bezeichnet keine einzige exakt definierte Goldnuance.
Die Bandbreite ist erstaunlich groß.
Es gibt sehr helle Pferde mit einem cremefarbenen Körper, klassische goldene Palominos und ausgesprochen intensive dunkle Goldtöne. Manche wirken im Sommer fast metallisch glänzend, während das Winterfell deutlich matter und heller erscheinen kann.
Das Cream-Allel ist zwar die entscheidende Voraussetzung für die klassische Palominofarbe, bestimmt den endgültigen Farbton aber nicht allein.
Auch die ursprüngliche Intensität der Fuchsfarbe sowie weitere genetische Faktoren beeinflussen das Erscheinungsbild.
Hinzu kommen ganz banale Dinge wie Jahreszeit, Fellwechsel, Sonnenlicht und Ausbleichen.
Ein und dasselbe Pferd kann deshalb auf Sommer- und Winterbildern überraschend unterschiedlich aussehen.
Welche Farbe haben Mähne und Schweif beim Palomino?
Typisch ist der deutliche Kontrast zwischen goldenem Körper und sehr hellem Langhaar.
Mähne und Schweif können cremefarben, elfenbeinfarben oder nahezu weiß erscheinen.
Gerade dieses helle Langhaar erzeugt den charakteristischen Palomino-Look.
Es sollte allerdings nicht dazu verleiten, jedes Pferd mit gelblichem Körper und heller Mähne automatisch als genetischen Palomino einzustufen. Verschiedene andere Farbgenetiken können Phänotypen hervorbringen, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen.
Wer die Farbe für eine Zuchtentscheidung sicher bestimmen möchte, sollte deshalb nicht ausschließlich nach einem Foto urteilen.
Palomino, Cremello und Buckskin – wo liegt der Unterschied?
Diese drei Farben werden besonders häufig miteinander verwechselt, beruhen aber auf unterschiedlichen Kombinationen.
Der Palomino besitzt eine Fuchsgrundfarbe und eine Cream-Kopie.
Der Cremello besitzt ebenfalls eine Fuchsgrundfarbe, aber zwei Cream-Kopien.
Der Buckskin besitzt dagegen eine braune Grundfarbe und eine Cream-Kopie.
Das sieht man beim klassischen Buckskin besonders gut an den sogenannten Points: Mähne, Schweif und die unteren Bereiche der Beine bleiben schwarz beziehungsweise dunkel.
Genau deshalb ist ein goldfarbenes Pferd mit schwarzer Mähne und schwarzen Beinen normalerweise kein Palomino, sondern – sofern tatsächlich das Cream-Gen verantwortlich ist – ein Buckskin.
Haben Palominos blaue Augen?
Ein klassischer Palomino mit nur einer Cream-Kopie hat normalerweise keine für Double-Dilutes typischen hellblauen Augen.
Blaue Augen sind insbesondere mit den doppelt aufgehellten Cream-Farben wie Cremello und Perlino verbunden.
Ein sehr heller Palomino darf deshalb nicht allein aufgrund seines hellen Fells automatisch als Cremello bezeichnet werden. Hautfarbe, Augenfarbe und letztlich die Genetik helfen bei der Unterscheidung.
Gibt es Palomino-Warmblüter?
Ja – und gerade für Reiter, die ein goldenes Pferd für Dressur oder Springsport suchen, ist das interessant.
Palomino ist keineswegs auf Westernpferde oder Ponys beschränkt.
Inzwischen gibt es moderne Sportpferde und warmblutartige Zuchten, bei denen Cream-Farben gezielt vorkommen. Dadurch kann man heute durchaus ein Pferd finden, das optisch wie ein modernes Warmblut gebaut ist und gleichzeitig die klassische goldene Palominofarbe besitzt.
Das war im traditionellen europäischen Warmblutsport lange wesentlich ungewöhnlicher als heute.
Für Käufer ist allerdings entscheidend, nicht nur nach der spektakulären Farbe zu suchen. Ein goldenes Sportpferd muss hinsichtlich Exterieur, Bewegungsqualität, Gesundheit, Rittigkeit und Leistungsvermögen genauso kritisch beurteilt werden wie jeder Braune oder Fuchs.
Die Farbe gewinnt schließlich keine Dressurprüfung.
Hier zur Seite: Palominos im Sport
Das Kinsky-Pferd – Goldfarbe mit europäischer Tradition
Eine besonders interessante Verbindung zwischen Sportpferdezucht und goldenen Fellfarben findet man beim Kinsky-Pferd.
Kinsky-Pferde stammen aus Böhmen und sind eng mit der europäischen Warmblutzucht verbunden. Berühmt wurden sie insbesondere durch ihre häufig auftretenden goldenen Farbtöne.
Gerade deshalb ist das Kinsky ein schönes Gegenbeispiel zur verbreiteten Vorstellung, ein Palomino müsse zwangsläufig wie ein amerikanisches Westernpferd aussehen.
Ein goldenes Pferd kann durchaus den Typ eines eleganten europäischen Reit- und Sportpferdes besitzen.
Für Liebhaber goldener Pferde, die ausdrücklich einen größeren, sportlichen Pferdetyp suchen, ist die Kinsky-Zucht deshalb besonders interessant.
Deutsches Reitpony in Isabell
Beim Deutschen Reitpony begegnet einem die Bezeichnung Isabell vergleichsweise häufig.
Das passt ausgesprochen gut zum modernen Reitponytyp: Ein eleganter Kopf, ein sportlicher Körperbau, gute Reitpferdepoints und dazu goldenes Fell mit heller Mähne ergeben ein auffälliges Gesamtbild.
Die Farbe ist beim Deutschen Reitpony grundsätzlich möglich, denn das Zuchtziel lässt sämtliche Farben zu.
Damit unterscheidet sich ein isabellfarbenes Deutsches Reitpony hinsichtlich seiner sportlichen Nutzung nicht grundsätzlich von einem Braunen, Fuchs oder Rappen derselben Zucht.
Es kann Dressurpony, Springpony, Vielseitigkeitspony oder Freizeitpartner sein.
Gerade für Erwachsene sind größere Deutsche Reitponys ebenfalls interessant, sofern Größe, Körperbau und Tragfähigkeit zum jeweiligen Reiter passen.
Welsh Cob in Palomino oder Isabell
Auch beim Welsh Cob der Sektion D findet man wunderschöne goldfarbene Vertreter.
Optisch entsteht hier ein vollkommen anderer Eindruck als bei einem feinen Reitpony oder modernen Sportpferd.
Der kräftige Cob-Typ, viel Hals, üppiges Langhaar, ausdrucksstarke Bewegungen und dazu ein goldenes Fell können ausgesprochen spektakulär wirken.
Bei Welsh Ponys und Welsh Cobs sind zahlreiche Fellfarben zugelassen; lediglich Schecken sind im klassischen Zuchtziel ausgeschlossen.
Ein isabellfarbener Welsh Cob bleibt dabei selbstverständlich ein Welsh Cob. Die Fellfarbe verändert weder seine Sektion noch macht sie aus ihm eine eigene Rasse.
Gerade für Erwachsene, die ein auffälliges Freizeit-, Dressur- oder Fahrpferd suchen, kann ein größerer Welsh Cob in dieser Farbe ausgesprochen interessant sein.
Quarter Horse – der klassische Palomino
Kaum eine Pferdewelt wird so stark mit dem Begriff Palomino verbunden wie die amerikanische.
Besonders häufig denkt man an Quarter Horses mit sattem Goldfell, nahezu weißer Mähne und weißem Schweif.
Hier ist auch sprachlich interessant, wie stark die jeweilige Reitkultur unsere Farbbezeichnungen beeinflusst.
Kaum jemand würde ein goldenes Quarter Horse in einer Verkaufsanzeige als „Isabell Quarter Horse“ bezeichnen. „Palomino Quarter Horse“ klingt vollkommen selbstverständlich.
Beim goldenen Deutschen Reitpony wirkt dagegen „Isabell“ für viele deutsche Pferdeleute ebenso selbstverständlich.
Genetisch kann dahinter exakt dieselbe Cream-Aufhellung stehen.
Welche Pferderassen können Palomino oder Isabell sein?
Grundsätzlich ist Palomino keine auf eine einzige Rasse beschränkte Farbe.
Voraussetzung ist vielmehr, dass die entsprechenden Farbanlagen in der Population vorhanden und nach dem jeweiligen Zuchtprogramm zulässig sind.
Bekannte Beispiele findet man unter anderem bei Quarter Horses und anderen amerikanischen Rassen, bei Welsh Ponys und Welsh Cobs sowie bei Deutschen Reitponys. Auch in verschiedenen Spezial- und Farbzuchten sowie bei sportlich gezogenen Pferden kommen Palominos vor.
Dabei sollte man immer zwischen zwei Aussagen unterscheiden:
„Bei dieser Rasse kann die Farbe vorkommen“ und „diese Rasse ist typischerweise Palomino“ sind nicht dasselbe.
Ein Deutsches Reitpony darf beispielsweise grundsätzlich in allen Farben vorkommen. Trotzdem besteht die Population natürlich nicht überwiegend aus Isabellen. Braune, Füchse, Rappen und Schimmel sind erheblich alltäglicher.
Sind Haflinger Palominos?
Nein – jedenfalls nicht im genetischen Sinne des klassischen Cream-Palominos.
Diese Verwechslung liegt nahe, denn Haflinger besitzen einen fuchsfarbenen Körper und typischerweise helles Langhaar. Besonders helle Haflinger können deshalb auf den ersten Blick einem dunklen Palomino ähneln.
Die charakteristische Haflingerfarbe entsteht jedoch nicht einfach nach dem Schema „Fuchs plus eine Cream-Kopie“.
Ein Haflinger ist deshalb nicht automatisch ein Palomino, nur weil sein Fell golden und seine Mähne hell ist.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, weshalb die rein optische Farbbestimmung beim Pferd ihre Grenzen hat.
Ist ein Palomino immer goldfarben?
Im Prinzip ja – allerdings ist „Gold“ ausgesprochen großzügig auszulegen.
Zwischen sehr hellem Creme und sattem Gold liegen zahlreiche Abstufungen.
Die Idealvorstellung vieler Menschen ist ein kräftig goldener Körper mit möglichst weißer Mähne und weißem Schweif. Die Natur hält sich allerdings nicht an unsere Farbkataloge.
Auch deutlich hellere oder dunklere Varianten können genetisch vollkommen korrekte Palominos sein.
Deshalb sollte man Farbe niemals ausschließlich nach Begriffen wie „Goldpalomino“, „dunkler Isabell“ oder „heller Palomino“ genetisch beurteilen.
Diese Begriffe beschreiben zunächst das Erscheinungsbild.
Wird ein Palomino im Winter heller?
Das kann durchaus so wirken.
Wie bei vielen Pferdefarben verändert das Winterfell die optische Wirkung erheblich. Das längere, dichtere Haar reflektiert Licht anders und lässt die Farbe häufig matter erscheinen.
Auch Sonneneinstrahlung beeinflusst das Fell. Besonders Mähne und Schweif können ausbleichen.
Deshalb können Fotos desselben Palominos aus unterschiedlichen Jahreszeiten aussehen, als würden sie zwei verschiedene Pferde zeigen.
Für die genetische Farbe ist das ohne Bedeutung.
Sind Palominos empfindlicher als andere Pferde?
Ein klassischer Palomino besitzt nicht automatisch die gleiche ausgeprägte Pigmentarmut wie ein doppelt aufgehelltes Cream-Pferd.
Deshalb sollte man gesundheitliche Besonderheiten von Cremellos oder anderen sehr hell pigmentierten Pferden nicht pauschal auf jeden Palomino übertragen.
Die Farbe allein macht ein Pferd weder krank noch besonders robust.
Viel wichtiger sind Rasse, Abstammung, Zuchtqualität, Haltung und individuelle Gesundheit.
Das gilt besonders beim Pferdekauf: Ein außergewöhnlicher Farbton sollte niemals darüber hinwegtäuschen, dass Fundament, Rücken, Hufe, Bewegungsapparat und Gesundheitsstatus wesentlich wichtiger sind.
Kann man gezielt einen Palomino züchten?
Ja. Farbgenetik macht die Wahrscheinlichkeit bestimmter Farben relativ gut kalkulierbar.
Wer jedoch ausschließlich auf Farbe selektiert, betreibt keine gute Pferdezucht.
Das Cream-Gen lässt sich testen. Damit kann man feststellen, ob ein Pferd keine, eine oder zwei Kopien der entsprechenden Variante trägt.
Für eine verantwortungsvolle Anpaarung sollte diese Information jedoch nur ein kleiner Teil der Zuchtplanung sein.
Gesundheit, Exterieur, Leistungsfähigkeit, Charakter, genetische Diversität und die jeweiligen Anforderungen des Zuchtverbandes sind wesentlich wichtiger als die Frage, ob das Fohlen später golden auf der Weide steht.
Farbe darf ein Zuchtziel ergänzen. Sie sollte niemals das Pferd dahinter ersetzen.
Palomino kaufen – Schönheit sollte nicht das wichtigste Auswahlkriterium sein
Gerade bei außergewöhnlichen Farben besteht die Gefahr, dass Käufer anders auswählen als bei einem gewöhnlichen Braunen.
Plötzlich werden Dinge akzeptiert, die man bei einem weniger spektakulär gefärbten Pferd kritisch sehen würde.
Das sollte nicht passieren.
Wer einen Palomino kaufen möchte, sollte sich deshalb eine einfache Frage stellen:
Würde ich genau dieses Pferd auch kaufen, wenn es braun wäre?
Wenn die Antwort eindeutig Ja lautet und die Traumfarbe noch dazukommt, ist das wunderbar.
Wer dagegen über gesundheitliche, charakterliche oder reiterliche Probleme hinwegsieht, weil vor ihm das ersehnte goldene Pferd mit weißer Mähne steht, bezahlt für die Farbe möglicherweise einen sehr hohen Preis.
Palomino im Sport – längst mehr als ein außergewöhnlicher Farbtupfer
Goldene Pferde sieht man inzwischen nicht mehr ausschließlich im Westernsport oder in klassischen Farbzuchten.
Auch sportlich gezogene Palominos und Isabellen werden interessanter. Deutsche Reitponys zeigen ohnehin seit Jahrzehnten, dass eine außergewöhnliche Farbe und ernsthafter Turniersport keinerlei Widerspruch darstellen.
Dasselbe gilt zunehmend für größere Reitpferde.
Für die sportliche Eignung spielt das Cream-Gen keine Rolle. Entscheidend sind dieselben Eigenschaften wie bei jedem anderen Sportpferd: Qualität der Grundgangarten, Springvermögen, Rittigkeit, Leistungsbereitschaft, Exterieur, Gesundheit und Ausbildung.
Ein Palomino kann ein Freizeitpferd sein, ein Dressurpferd, ein Springpferd, ein Fahrpferd oder ein Westernpferd.
Seine Fellfarbe sagt darüber zunächst überhaupt nichts aus.
Palomino oder Isabell – am Ende entscheidet weniger die Farbe als die Sprache
Wer nach einem eindeutigen biologischen Unterschied zwischen Palomino und Isabell sucht, wird ihn beim klassischen goldenen Cream-Pferd nicht finden.
Beide Begriffe können ein Pferd beschreiben, dessen Fuchsgrundfarbe durch eine einzelne Kopie des Cream-Allels aufgehellt wurde.
Fuchs + einmal Cream = Palomino beziehungsweise Isabell.
Dass wir bei einem Quarter Horse eher „Palomino“, bei einem Deutschen Reitpony oder Welsh Cob dagegen häufiger „Isabell“ sagen, ist vor allem eine Frage von Sprachgebrauch und züchterischer Tradition.
Viel interessanter ist deshalb die Genetik hinter dem Namen.
Denn dasselbe Cream-Allel kann aus einem Fuchs einen Palomino, aus einem Braunen einen Buckskin und aus einem Rappen einen Smoky Black machen. Liegt es doppelt vor, entstehen wiederum Cremello, Perlino oder Smoky Cream.
Aus einer vermeintlich einfachen Frage nach einem goldenen Pferd wird damit ein ziemlich schönes Beispiel dafür, wie faszinierend Pferdefarben tatsächlich sind.
