Mustangs

Der komplette Mustang Guide

Ein Bild kennst Du vermutlich aus irgendwelchen Filmen: eine Staubwolke über der Hochwüste von Nevada, dahinter eine Herde wilder Pferde im Galopp, angeführt von einem wachsamen Hengst. Genau dieses Tier meinen die meisten, wenn sie vom Mustang sprechen. Sein Name steht für die Weite des amerikanischen Westens, für Freiheit und für eine Härte, die im Zuchtstall selten entsteht.

Hinter dem romantischen Bild steht eine sachliche Geschichte über spanische Kolonialpferde, ein hart erkämpftes Schutzgesetz und einen Streit, der bis heute andauert: Es leben inzwischen so viele Mustangs, dass ihr eigener Lebensraum darunter leidet. Dieser Beitrag führt Dich durch Herkunft, Aussehen, die berühmten Stämme und die vertrackte Frage, wie sich ein geschütztes Wildpferd zugleich schützen und in Grenzen halten lässt.

Ist der Mustang überhaupt eine Pferderasse?

Streng genommen beschreibt der Name eine Herkunft und eine Lebensweise, für ein festes Zuchtbuch sorgt bei ihm die Wildbahn selbst. Ein Mustang ist ein frei lebendes Pferd im Westen der USA, abstammend von entlaufenen und ausgesetzten Hauspferden. Fachleute sprechen deshalb von einer verwilderten Population und nicht von einer planmäßig gezüchteten Rasse mit einheitlichem Standard.

Schon das Wort verrät die Herkunft. Es geht auf das spanische mesteño beziehungsweise mostrenco zurück, was so viel wie herrenloses, frei umherziehendes Vieh bedeutet. Genau das ist der Mustang bis heute: ein Pferd ohne Besitzer, das sich über Generationen an ein Leben in der Herde und in karger Landschaft angepasst hat.

Weil kein Zuchtziel die Auswahl steuert, entscheidet die Natur. Wer im harten Winter der Great Basin genug Futter findet, wer trittsicher über Geröll läuft und mit wenig Wasser auskommt, gibt seine Gene weiter. Aus dieser natürlichen Auslese stammt der zähe, gesunde Ruf des Mustangs.

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Herkunft und Geschichte

Die Wurzeln reichen mehr als fünf Jahrhunderte zurück. Mit den spanischen Eroberern kamen ab dem frühen 16. Jahrhundert wieder Pferde nach Nordamerika, nachdem die dortigen Urpferde lange zuvor ausgestorben waren. Diese Kolonialpferde iberischer Abstammung sind die Stammväter der heutigen Mustangs. Einige entkamen von Missionen und Ranches, andere wurden im Kampf oder auf der Weide freigesetzt.

Indianische Völker der Prärie erkannten den Wert dieser Tiere rasch und wurden zu großartigen Reitern und Pferdezüchtern. Über Handel, Beute und entlaufene Tiere breiteten sich die Herden über den ganzen Westen aus. Später mischten sich Pferde von Siedlern, Kavallerie und Ranchern hinein, darunter kräftigere Arbeitspferde. Der heutige Mustang trägt deshalb je nach Region ein buntes Erbe in sich, von klarem Spaniertyp bis zu deutlichem Kaltbluteinschlag.

Im 19. Jahrhundert zählten die frei lebenden Herden vermutlich in die Millionen. Dann kam der Absturz. Weideland wurde für Rinder eingezäunt, Pferde als Nahrungs- und Rohstofflieferant gejagt und zusammengetrieben. Mitte des 20. Jahrhunderts war der Bestand auf geschätzte 25.000 Tiere gefallen. Aus dieser Notlage heraus entstand der Ruf nach Schutz, den Du weiter unten genauer findest.

Aussehen, Stockmaß und Charakter

Weil der Mustang aus so vielen Quellen stammt, gibt es das eine Mustang-Aussehen kaum. Trotzdem hat die Wildbahn einen erkennbaren Typ geformt. Die meisten Tiere stehen zwischen 140 und 152 Zentimeter, sind also eher kompakt. Sie zeigen einen kräftigen, gut bemuskelten Körper, feste Gelenke, einen tiefen Brustkorb und sehr harte, gesunde Hufe.

Im Wesen gelten sie als klug, aufmerksam und selbstständig. Ein Pferd, das in freier Herde groß wird, liest seine Umwelt genau und trifft eigene Entscheidungen. Für die Ausbildung bedeutet das: Ein Mustang schenkt sein Vertrauen bewusst und belohnt ruhige, faire Arbeit mit großer Loyalität. Diese Eigenständigkeit ist eine Stärke, sobald Du sie als Partnerschaft begreifst statt als Widerstand.

Hier kannst Du über das Mustang Makeover lesen

Farben und die Besonderheit des Wildpferdtyps

Beim Fell zeigt sich das ganze Erbe. Braune, Füchse, Rappen, Schecken, Falben und Isabellen kommen alle vor. Eine Farbe fällt bei den ursprünglichen Herden besonders auf: der Falbe, im Englischen dun genannt. Ein echtes Falbpferd trägt einen deutlichen Aalstrich über den Rücken, oft dazu dunkle Querstreifen an den Beinen und eine Schulterstreifung. Diese sogenannten Wildpferdabzeichen gelten als altes, urtümliches Erbe und tauchen genau dort gehäuft auf, wo viel spanisches Blut erhalten blieb.

Gerade diese Falbfärbung macht die spanischstämmigen Stämme für Liebhaber so reizvoll, weil sie den Bogen zurück zu den iberischen Ahnen und sogar zum urtümlichen Sorraia der iberischen Halbinsel spannt.

Die berühmten Stämme des Mustangs

Innerhalb der großen, gemischten Masse gibt es einige klar abgegrenzte Herden, deren spanische Abstammung durch DNA-Untersuchungen bestätigt wurde. Sie gelten als lebendes Erbe, weil Pferde dieses Typs in Spanien selbst inzwischen selten geworden sind. Für Kaufinteressierte und Züchter sind sie die eigentlichen Schätze unter den Mustangs.

Die bekanntesten Mustang-Stämme im Überblick

Kiger Mustang (Oregon): Der Star unter den Stämmen. Kompakt, muskulös, meist falb mit Aalstrich und Beinstreifung, entdeckt 1977 im Steens-Mountain-Gebiet. Sein Spaniertyp diente als Vorlage für die Titelfigur eines bekannten Zeichentrickfilms über einen Wildhengst. Wildgefangene Tiere heißen Kiger Mustang, ihre in Menschenhand geborenen Nachkommen laufen als Kiger Horse.

Pryor Mountain Mustang (Montana, Wyoming): Eine genetisch sehr saubere Herde mit wenig Inzucht, direkt auf spanische Kolonialpferde zurückgehend. Typisch sind ein linienförmiger Aalstrich, ein schmaler tiefer Brustkorb und ein tief angesetzter Schweif. Die Herde lebt im Bighorn-Canyon-Gebiet und ist eine der ältesten geschützten überhaupt.

Sulphur Mustang (Utah): Aus den abgelegenen Sulphur Springs. Häufig falb mit ausgeprägten Wildpferdabzeichen, ebenfalls mit nachgewiesenem iberischem Erbe.

Cerbat Mustang (Arizona): Eine winzige, fast verlorene Herde. In einer Dürre der frühen 1970er blieben nur rund zwei Dutzend Tiere übrig. Sie zeigen klassischen Andalusiertyp und teils den Tölt, gelten als wertvolle Gründungstiere für die spanische Blutlinie.

Spanish Mustang (als Zuchtregister): Hier setzten Liebhaber ab dem frühen 20. Jahrhundert an und sammelten Pferde mit spanischem Erscheinungsbild aus Wildherden, indianischem Bestand und Ranchpferden. Aus diesem Erhaltungsgedanken entstand ein eigenes, standardisiertes Zuchtbuch, das die alte Blutlinie bewahren soll.

Berühmte Mustangs und ihre Geschichten

Manche einzelnen Hengste wurden weit über den Westen hinaus bekannt und haben dem Mustang ein Gesicht gegeben. Sie zeigen, warum diese Pferde die Menschen so bewegen.

Der bekannteste ist wohl Cloud, ein heller Palomino-Hengst aus den Pryor Mountains, den eine Filmemacherin über sein ganzes Leben mit der Kamera begleitete. Aus den Aufnahmen entstand eine mehrteilige Naturfilmreihe, die Millionen Zuschauer für das Schicksal der Wildpferde gewann und ihn zum Sinnbild der freien Herde machte.

Ähnlich populär wurde Picasso, ein markant gescheckter Hengst aus dem Sand Wash Basin in Colorado, den Fotografen und Fans über Jahre verfolgten. Seine zerfranste Zeichnung und sein hohes Alter in Freiheit machten ihn zur lebenden Legende.

Und die eingangs erwähnte Zeichentrickfigur eines wilden Hengstes, die viele Kinder für Mustangs begeistert hat, entstand nach dem Vorbild eines echten Kiger Mustangs. So wandert der Mustang bis in die Wohnzimmer, ohne seine wilde Herkunft abzulegen.

Wie der Mustang unter Schutz kam

Mitte des 20. Jahrhunderts geriet der Bestand in echte Gefahr. Fänger trieben Herden mit Flugzeugen und Lastwagen zusammen, vergifteten teils Wasserstellen und lieferten die Tiere zur Verwertung. Eine Frau aus Nevada, Velma Bronn Johnston, machte diese Zustände öffentlich. Sie wurde spöttisch Wild Horse Annie genannt und trug den Namen mit Stolz.

Ihre Kampagne erreichte auch Schulkinder, die in Massen Briefe an den Kongress schrieben. Der Druck wirkte. 1959 verbot ein erstes Bundesgesetz, das nach ihr benannte, den Einsatz von Flugzeugen und Kraftfahrzeugen zum Fang frei lebender Pferde und Esel und schützte die Wasserstellen.

Den großen Schritt brachte 1971 der Wild Free-Roaming Horses and Burros Act. Er erklärte die Mustangs zu lebenden Sinnbildern des historischen und wagemutigen Geistes des Westens und stellte sie unter Bundesschutz. Zugleich übertrug er der Behörde Bureau of Land Management, kurz BLM, die Aufgabe, die Herden gesund zu erhalten und dabei die Weideflächen vor Übernutzung zu bewahren. Genau dieser Doppelauftrag ist der Kern des heutigen Streits.

Die eigentliche Problemlage: geschützt und trotzdem zu viele

Hier beginnt der Teil, der die Gemüter erhitzt. Das Schutzgesetz hat gewirkt, sogar sehr gründlich. Ohne natürliche Fressfeinde und mit gesichertem Schutz wächst eine Wildpferdherde jedes Jahr um etwa 15 bis 20 Prozent. Das bedeutet: Der Bestand kann sich in vier bis fünf Jahren verdoppeln.

Das BLM bewirtschaftet die Mustangs in 175 sogenannten Herd Management Areas über zehn westliche Bundesstaaten, rund die Hälfte davon allein in Nevada. Für jedes dieser Gebiete legt die Behörde eine Tragfähigkeit fest, das Appropriate Management Level. Diese Obergrenze richtet sich nach Wasser, Futter, Bodengesundheit und dem Bedarf anderer Wildtiere. Über alle Gebiete zusammen liegt sie für Pferde bei rund 22.000 Tieren.

Die Zahlen in Kürze (Stand 2025)

Frei lebend geschätzt: rund 54.000 Mustangs auf öffentlichem Land, zusammen mit den Wildeseln gut 73.000 Tiere.

Als tragfähig angesehen: rund 22.000 Mustangs, also etwa ein Drittel des heutigen Bestands.

Höchststand 2020: über 95.000 Wildpferde und Esel, seither durch Zusammentreiben und Vermittlung leicht gesunken.

In behördlicher Obhut abseits der Weide: über 60.000 gefangene Tiere in Gehegen und auf Pachtweiden.

Wachstum: etwa 15 bis 20 Prozent pro Jahr in einer ungebremsten Herde.

Die Folge liegt auf der Hand. In manchen Gebieten leben acht Mal so viele Pferde, wie das Land dauerhaft trägt. In der trockenen Hochwüste, wo Wasserstellen ohnehin knapp und oft nur zeitweise gefüllt sind, geraten Mustangs, Gabelböcke, Wildschafe und Präriehühner in direkte Konkurrenz um dasselbe Wasser. Überweidete Böden verdichten sich, Pflanzen erholen sich langsamer, und in harten Wintern droht den Herden selbst der Hunger. Der Schutzgedanke schlägt so ins Gegenteil um, sobald zu viele Tiere auf zu wenig Fläche leben.

Wie das BLM heute steuert, und warum es umstritten ist

Um die Bestände an die Tragfähigkeit anzunähern, treibt das BLM regelmäßig Herden zusammen und nimmt überzählige Tiere von der Weide. Diese Aktionen laufen häufig mit Hubschraubern, die die Pferde über weite Strecken in Fangfallen lenken. Genau daran entzündet sich viel Kritik.

Der Streit um die Fangaktionen

Tierschützer werfen dem BLM vor, dass die Hubschrauber-Treibjagden für die Pferde großen Stress bedeuten und dass dabei Tiere schwer verletzt werden oder sterben. Zugleich verschlingt die dauerhafte Unterbringung der gefangenen Mustangs den Großteil des Geldes. Vom Jahresbudget des Programms, rund 142 Millionen Dollar, fließen etwa zwei Drittel allein in die Versorgung der Tiere in Gehegen und auf Pachtweiden. Über 60.000 Pferde und Esel leben dort inzwischen, fast so viele wie in Freiheit. Fachleute sehen darin eine teure Sackgasse, weil das Zusammentreiben allein die Vermehrung in den verbleibenden Herden nicht bremst.

Als sanftere Alternative setzt das BLM zunehmend auf Fruchtbarkeitskontrolle. Stuten erhalten Impfstoffe wie PZP oder GonaCon, die sie für eine Weile unfruchtbar halten, ohne ihr Herdenverhalten zu stören. Studien und ein Bericht der Nationalen Akademie der Wissenschaften halten diesen Weg für den einzig realistischen, um das Wachstum dauerhaft zu bremsen und die teuren Gehege zu leeren. Über dauerhafte Sterilisationen wird zusätzlich diskutiert, was Tierschützer wiederum kritisch begleiten.

Der dritte Baustein ist die Vermittlung in Privathand. Über das Adoptionsprogramm, das bereits 1973 in den Pryor Mountains begann, gibt das BLM überzählige Tiere für eine geringe Gebühr ab, oft ab etwa 125 Dollar. Jedes vermittelte Pferd spart dem Steuerzahler über sein Leben gerechnet rund 24.000 Dollar an Unterbringungskosten. Deshalb wirbt die Behörde aktiv um neue Halter und arbeitet mit Vereinen zusammen, die frisch adoptierte Mustangs behutsam an den Menschen gewöhnen und ausbilden.

In der Politik reicht die Bandbreite von reiner Fruchtbarkeitskontrolle bis zu Vorstößen, überzählige Tiere zu töten. Der Kongress hat solche tödlichen Wege bislang in den jährlichen Haushaltsgesetzen ausdrücklich untersagt. Der Grundkonflikt bleibt bestehen: ein streng geschütztes Tier, das sich schneller vermehrt, als sein Lebensraum es tragen kann.

Erhaltung der spanischen Blutlinien

Neben der Mengensteuerung gibt es einen zweiten, leiseren Auftrag: die alten spanischen Blutlinien zu retten. Als in den 1970ern eine Dürre und Abschüsse die Cerbat-Herde auf wenige Tiere schrumpfen ließen, sicherten Privatleute die letzten Pferde und bauten daraus wieder eine Zucht auf. Ähnliches gilt für die Kiger- und Sulphur-Herden, deren iberisches Erbe gezielt gepflegt wird.

Heute wachen mehrere Zuchtregister und Schutzgebiete über dieses Erbe. Der Kiger Mesteño Association kümmert sich um den Kiger-Typ, das Spanish-Mustang-Register um die klassische spanische Linie. Private Auffangstationen und Sanctuaries nehmen zudem Herden auf, die von der Weide genommen wurden, und halten sie unter naturnahen Bedingungen zusammen. So bleibt ein genetischer Schatz erhalten, den es in dieser Form in Europa längst kaum mehr gibt.

Der Mustang als Freizeit- und Reitpferd

Vielleicht spielst Du selbst mit dem Gedanken, wie sich ein solches Pferd im Alltag macht. Aus einem Mustang wird mit ruhiger, geduldiger Arbeit ein verlässliches Reitpferd, das durch Trittsicherheit, Ausdauer und gesunde Hufe überzeugt. Im Gelände und beim Distanzreiten spielen diese Pferde ihre in der Wildbahn geformten Stärken voll aus.

Eine ehrliche Einordnung gehört dazu. Ein frisch von der Weide geholter Mustang hat sein bisheriges Leben ohne Menschen verbracht und braucht einen erfahrenen, feinfühligen Ausbilder. Die Gewöhnung an Halfter, Berührung und Reiter verlangt Zeit und Klarheit. Genau hier setzen die Trainingsprogramme und Patenschaften an, die adoptierte Mustangs Schritt für Schritt an das Leben mit dem Menschen heranführen. Wer diese Grundlage schafft, bekommt einen Partner von seltener Loyalität.

  • Passt zu Dir, wenn Du Erfahrung mit jungen oder unerfahrenen Pferden hast, Zeit für den Vertrauensaufbau mitbringst und ein zähes, geländesicheres Freizeitpferd suchst.
  • Braucht mehr Vorbereitung, wenn Du gerade erst ins Reiten einsteigst. Dann macht ein bereits gut angerittener Mustang oder Kiger aus zweiter Hand den Anfang leichter.
  • Punktet durch gesunde Hufe, gute Futterverwerter-Eigenschaften und einen wachen, mitdenkenden Charakter.

Das Wichtigste auf einen Blick

Der Mustang ist ein frei lebendes Pferd im Westen der USA, abstammend von spanischen Kolonialpferden und über Jahrhunderte durch natürliche Auslese geformt. Er trägt seinen Namen als Herkunft, für ein festes Zuchtbuch sorgt bei ihm meist die Wildbahn selbst. Einige Stämme wie Kiger, Pryor Mountain, Sulphur und Cerbat bewahren nachweislich altes iberisches Erbe, oft in der urtümlichen Falbfärbung mit Aalstrich.

Nach Jahrzehnten der Verfolgung brachten das Wild-Horse-Annie-Gesetz von 1959 und der große Schutzakt von 1971 die Wende. Der Erfolg schuf ein neues Problem: Ohne Fressfeinde wächst der Bestand jährlich um bis zu 20 Prozent, sodass heute etwa dreimal so viele Tiere leben, wie das Land dauerhaft trägt. Das BLM steuert mit Zusammentreiben, Unterbringung, Adoption und Fruchtbarkeitskontrolle gegen, während Fachleute die teure Dauerhaltung und die Hubschrauber-Fangaktionen kritisch sehen und mehr Verhütung auf der Weide fordern.

Der Mustang bleibt ein Sinnbild für Freiheit und zugleich ein Lehrstück darüber, wie schwierig echter Artenschutz wird, sobald ein geschütztes Tier keine natürliche Grenze mehr kennt. Wer sich für ein solches Pferd entscheidet, holt sich ein Stück dieser Geschichte in den eigenen Stall, mit allem, was an Geduld und Verantwortung dazugehört.

Was kostet ein Mustang, und wie kommt er nach Deutschland?

Spätestens jetzt kommt bei vielen der Gedanke: So ein Pferd hätte ich auch gern. Genau hier lohnt der nüchterne Blick, denn der Kaufpreis ist beim Mustang oft der kleinste Posten. Die eigentliche Frage lautet, auf welchem Weg das Tier zu Dir kommt und was der Transport über den Atlantik verschlingt.

Zwei Wege zum eigenen Mustang

Weg 1: In den USA adoptieren. Der offizielle Weg zu einem echten Wildfang führt über das Adoptions- und Verkaufsprogramm des BLM. Die Grundgebühr ist niedrig und beginnt oft schon bei rund 125 Dollar für ein ungezähmtes Tier. Das klingt verlockend günstig, meint aber nur die Behördengebühr. Das Eigentum am Pferd geht dabei erst nach etwa einem Jahr guter Haltung endgültig auf den Halter über. Ältere Tiere und solche, die mehrfach angeboten wurden, lassen sich auch direkt kaufen. Die bekannten Trainingsturniere für frisch gezähmte Mustangs sind dabei nur einer von mehreren Kanälen, den ausführlichen Weg dazu findest Du auf der eigenen Unterseite.

Weg 2: In Europa kaufen. Für die meisten Interessierten ist dies der leichtere Weg. Es gibt bereits importierte Mustangs und einige Züchter in Deutschland und Europa, die gezielt Mustang-Linien erhalten. Dazu zählen der Kiger Mustang, der spanisch geprägte Spanish Mustang und der aus Kanada stammende Suffield Mustang. Hier siehst Du das Pferd vor dem Kauf, sparst Dir den ganzen Importaufwand und bekommst oft ein bereits an den Menschen gewöhntes Tier.

Was ein Mustang wirklich kostet

Adoptionsgebühr in den USA: ab rund 125 Dollar für ein wildgefangenes Tier, reine Behördengebühr.

Wildfang über einen Händler nach Europa: Grundpreis ab etwa 1.000 Euro, dazu die vollen Importkosten.

In Europa gezüchtet oder bereits angeritten: meist zwischen 5.000 und 15.000 Euro, seltene oder gut ausgebildete Tiere auch darüber.

Transport per Flug: aktuell schnell über 6.000 Euro pro Pferd, je nach Klasse und Strecke reicht die Spanne von 5.000 bis 20.000 Euro.

Dazu kommen: 30 Tage Quarantäne, Zoll und Einfuhrabgaben, tierärztliche Untersuchung, Versicherung und der Weitertransport vom Flughafen bis in Deinen Stall.

Unterm Strich: Ein selbst importierter Mustang landet mit allen Nebenkosten leicht bei 8.000 bis 15.000 Euro und mehr.

Der Flug über den Atlantik

Für die weite Strecke kommt allein das Flugzeug infrage. Das Pferd reist als Luftfracht in einem Container mit drei Boxen, begleitet von einem Betreuer, der die Tiere während der rund zehn Stunden versorgt. Viele Importpferde landen zuerst in Amsterdam und müssen dort durch Zoll und Amtsveterinär. Weil die USA außerhalb der EU liegen, steht vor der Ausreise eine 30-tägige Quarantäne an, damit keine Krankheiten eingeschleppt werden.

So eine Reise fordert das Tier deutlich. Pferde stehen unter Stress und verlieren dabei spürbar an Gewicht. Deshalb raten erfahrene Halter dazu, eher ein etwas älteres, gefestigtes Pferd auf die Reise zu schicken als ein Fohlen.

Erst überlegen, dann importieren

Ein selbst organisierter Import aus den USA lohnt vor allem für erfahrene Leute mit Zeit, Budget und guten Kontakten vor Ort. Für alle anderen ist der ruhigere Weg meist der bessere: ein bereits importierter oder in Deutschland gezogener Mustang. Du sparst dem Pferd den langen Transport, siehst es vorab in Ruhe an und weißt sofort, worauf Du Dich einlässt. Auch hierzulande warten genug dieser besonderen Pferde auf ein gutes Zuhause.