Die größten Pferde der Welt

Welches sind die größten Pferde der Welt?

Manche Pferde sind so groß, dass ein erwachsener Mensch ihnen gerade bis zur Schulter reicht. Ein Blick nach oben, ein Huf so breit wie ein Suppenteller, ein Nüsternschnauben, das man im Bauch spürt. Die Riesen unter den Pferden faszinieren seit Jahrhunderten, und sie tragen eine ganze Kulturgeschichte auf dem Rücken: die des Ritters in voller Rüstung, des Pfluges auf schwerem Lehmboden, der Bierwagen und Postkutschen. Dieser Beitrag stellt Dir die größten und schwersten Pferderassen der Welt vor, mit ihrer Herkunft, ihren Besonderheiten, den berühmten Rekordtieren und der Frage, die viele am Ende stellen: Taugt so ein Gigant auch als Freizeitpferd?

Was ein Pferd zum Riesen macht

Gemessen wird die Größe eines Pferdes am Stockmaß. Das ist die Höhe vom Boden bis zum höchsten Punkt des Widerrists, also der Stelle, wo der Hals in den Rücken übergeht. Ab einem Stockmaß von 1,48 Metern spricht man vom Großpferd, darunter vom Pony. Die eigentlichen Giganten liegen weit über dieser Grenze. Ein durchschnittliches Reitpferd misst 1,60 bis 1,70 Meter, ein deutsches Warmblut wie der Hannoveraner erreicht sein Maximum bei etwa 1,85 Metern. Die schwersten Kaltblüter überragen selbst die Zwei-Meter-Marke.

Die Größe hat einen Namen: Kaltblut. Der Begriff bezieht sich auf das ruhige Gemüt dieser Rassen, nicht auf ihre Körpertemperatur. Kaltblüter sind auf Masse und Zugkraft gezüchtet, mit breiter Brust, mächtigem Hals, stark bemuskelter Kruppe und kräftigen Beinen. Ihre Vorfahren zogen den Pflug durch schweren, klebrigen Ackerboden, schleppten Baumstämme aus dem Wald und transportierten Waren zwischen Hafen und Bahnhof. Noch weiter zurück reichen die Wurzeln bis zum mittelalterlichen Streitross, das einen Ritter samt Rüstung tragen musste. Aus diesem robusten Schlag entwickelten sich über Jahrhunderte die schweren Zugpferderassen, die wir heute kennen.

Ihre größte Zeit hatten diese Pferde bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Als Traktoren und Lastwagen die Feld- und Transportarbeit übernahmen, verschwand die Aufgabe der Kaltblüter fast über Nacht. Viele Rassen brachen dramatisch ein, einige standen kurz vor dem Aussterben. Wer sich heute für Größenpferde begeistert, blickt deshalb fast immer auch auf eine Geschichte von Verlust und mühevoller Rettung. Genau das macht das Thema so viel spannender, als reine Größenrekorde es je könnten.

Shire Horse: der Größte von allen

Wenn eine Rasse den Titel „größtes Pferd der Welt“ verdient, dann das Shire Horse aus England. Ausgewachsene Hengste erreichen im Schnitt 17 bis 19 Handbreit, das entspricht rund 1,73 bis 1,93 Metern, und einzelne Tiere wachsen über die Zwei-Meter-Marke hinaus. Der Name leitet sich von den englischen Grafschaften ab, den „Shires“ der Midlands, wo die Rasse ihren Ursprung hat.

Trotz ihrer Wucht tragen Shires den liebevollen Beinamen „gentle giants“, sanfte Riesen. Sie gelten als menschenbezogen, gutmütig und zuverlässig, weshalb sie heute sogar in der tiergestützten Therapie zum Einsatz kommen. Typisch sind ihr üppiger Fesselbehang, der die unteren Beine wie Röcke umhüllt, und Farben in Rappe, Braun, Dunkelbraun oder Schimmelb, meist mit weißen Abzeichen an Kopf und Beinen.

Zum Shire gehört der größte Pferderekord überhaupt. Ein Wallach namens Sampson, später passend in Mammoth umbenannt, kam 1846 im englischen Toddington Mills zur Welt, gezüchtet von einem Mann namens Thomas Cleaver. Bis 1850 maß er 219,7 Zentimeter, also 21,2 Handbreit oder über sieben Fuß, und wog geschätzte 1.524 Kilogramm. Bis heute gilt er im Guinnessbuch als das größte und schwerste Pferd, das je dokumentiert wurde. Kein anderes Pferd hat diese Kombination aus Höhe und Gewicht seither erreicht. Auch die Zugkraft dieser Rasse ist legendär: Bei einer britischen Ausstellung im Jahr 1924 zog ein Shire-Gespann eine Last, die den Messbereich des Geräts sprengte und auf rund 50 Tonnen geschätzt wurde.

So beeindruckend die Zahlen sind, so ernst ist die Lage der Rasse. Der britische Rare Breeds Survival Trust führt das Shire Horse als gefährdet. Züchtervereine machen mit einem drastischen Vergleich auf sich aufmerksam: Es leben heute weniger Shire Horses als sibirische Tiger. Heute findest Du sie auf Zuchtschauen, vor der Kutsche, bei Brauereien mit Traditionsgespannen und auf spezialisierten Höfen wie dem Cotebrook Shire Horse Centre, die aktiv an ihrer Erhaltung arbeiten.

Belgisches Kaltblut und Brabanter: die schwersten Muskelberge

Das Shire ist das größte Pferd, das schwerste kommt aus Belgien. Das Belgische Kaltblut, in seiner ursprünglichen Form Brabanter genannt, stammt aus der Region Brabant und geht auf das mittelalterliche „Große Pferd“ zurück, das schwere Reiter in die Schlacht trug. Im Rumpf wirkt es kompakter als ein Shire, dafür ist es massiger und breiter, ein wandelnder Muskelberg mit meist 1,68 bis 1,73 Metern Stockmaß und oft mehr als 900 Kilogramm Gewicht.

Bis in die 1940er Jahre waren der europäische Brabanter und das amerikanische Belgian Draft Horse praktisch dieselbe Rasse. Nach dem Zweiten Weltkrieg trennten sich die Zuchtwege: In Europa züchtete man den Brabanter dicker und schwerer, in den USA das Belgian Draft etwas höher, leichter und in seiner typischen Farbe, einem hellen Fuchs mit fast weißer, flachsblonder Mähne und Schweif. Heute ist das amerikanische Belgische Kaltblut die zahlenmäßig häufigste Kaltblutrasse der USA, während der ursprüngliche europäische Brabanter selten geworden ist.

Aus dieser Rasse stammen zwei der berühmtesten Riesen der jüngeren Geschichte. Big Jake, ein amerikanischer Belgier-Wallach, geboren um das Jahr 2000 in Nebraska, hielt bis zu seinem Tod im Juni 2021 den Guinness-Rekord für das größte lebende Pferd. Er maß rund 2,10 Meter und wog etwa 1.179 Kilogramm. Auf der Smokey Hollow Farm in Wisconsin galt er als Familienmitglied und wurde zum Publikumsliebling. Noch schwerer, wenn auch nicht so hoch, war Brooklyn Supreme, ein rotschimmelfarbener Belgier-Hengst, der von 1928 bis 1948 lebte, 1,98 Meter maß und rund 1.451 Kilogramm auf die Waage brachte. Seine Hufeisen hatten einen Umfang, für den ein normales Pferd zwei bräuchte.

Wer sich für ein amerikanisches Belgisches Kaltblut interessiert, sollte einen Gesundheitspunkt kennen: Die Rasse trägt vergleichsweise häufig die Erbanlage für eine Hautkrankheit der Fohlen, die Junktionale Epidermolysis bullosa. Ein Gentest der Zuchttiere schafft hier Klarheit.

Clydesdale: der Star aus Schottland

Der Clydesdale ist das bekannteste Kaltblut der Welt, und das verdankt er der Werbung. Seit den 1930er Jahren ziehen prächtige Clydesdale-Gespanne die Bierwagen einer großen amerikanischen Brauerei, ein Bild, das jedes Jahr Millionen Menschen sehen. Dabei reicht die Geschichte der Rasse weit über diese Werbeikone hinaus.

Der Clydesdale stammt aus dem schottischen Tal des Flusses Clyde, dem alten Clydesdale, das heute größtenteils zur Grafschaft Lanarkshire gehört. Im 18. Jahrhundert kreuzten die Bauern der Region flämische Hengste mit ihren einheimischen Stuten, um kräftigere Arbeitspferde zu erhalten. Später floss auch Shire-Blut ein. Heraus kam ein hohes, elegantes Kaltblut von 1,62 bis 1,83 Metern mit ausdrucksvollem Kopf, starkem Hals und reichem Fesselbehang.

Farblich fällt der Clydesdale auf: Meist ist er braun, dunkelbraun oder schimmelfarben, dazu kommen eine breite weiße Blesse und markante weiße Beine, die bis über das Knie reichen können. Diese weiße Zeichnung und der wehende Behang geben dem Gespann seine unverwechselbare Wirkung. Auch der Clydesdale gilt trotz seiner Bekanntheit als gefährdet und steht auf der Vorwarnliste des Rare Breeds Survival Trust. Heute wird er im Fahrsport, für Schaugespanne, in der Landschaftspflege und zunehmend auch als kräftiges Freizeitpferd genutzt.

Percheron: der eleganteste Riese

Unter den Größenpferden ist der Percheron der Athlet mit der feinsten Linie. Er stammt aus der Region Le Perche im Nordwesten Frankreichs, aus dem Tal der Huisne, und trägt deren Namen. Was ihn von den anderen Riesen abhebt, ist ein Tropfen orientalisches Blut. Über Jahrhunderte kreuzten die Züchter arabische Hengste ein, verstärkt ab 1760 über das königliche Gestüt Le Pin. Das Ergebnis ist ein schweres Pferd mit erstaunlich raumgreifendem, flüssigem Trab, einem verhältnismäßig feinen Kopf und beinahe glatten Beinen ohne den üppigen Behang der britischen Rassen.

Eine echte Besonderheit ist die Farbe. Die meisten Percherons sind Schimmel oder Rappen. Die helle Schimmelfarbe hat einen praktischen Hintergrund: Als die Rasse noch schwere Postkutschen zog, die sogenannten „Diligences“, waren helle Pferde bei Nacht besser zu sehen. Im französischen Zuchtbuch sind bis heute vor allem Schimmel eingetragen. Alle modernen französischen Percherons lassen sich auf einen einzigen Stammvater zurückführen, den 1823 geborenen Hengst Jean le Blanc.

Der Percheron misst je nach Zuchtrichtung etwa 1,55 bis 1,85 Meter und wiegt zwischen 820 und über 1.200 Kilogramm. Es haben sich zwei Typen herausgebildet, ein schwerer Arbeitstyp und ein leichterer, der sich gut reiten lässt. Diese Vielseitigkeit macht ihn zum wohl anpassungsfähigsten aller Größenpferde: Er eignet sich für die Fahrarbeit, für das Barockreiten, als Familienpferd und dank seines ruhigen, gleichzeitig arbeitsfreudigen Wesens sogar für ungeübte oder zurückhaltende Reiter. Die meisten Percherons leben heute in den USA, wo sie im 19. Jahrhundert alle anderen Zugpferderassen zahlenmäßig übertrafen. Gesundheitlich lohnt bei dieser Rasse der Blick auf muskuläre Stoffwechselstörungen wie PSSM, für die ein Gentest verfügbar ist.

Suffolk Punch: der seltene Fuchs

Der Suffolk Punch ist der heimliche Held unter den großen Pferde, obwohl er von allen der kleinste ist. Aber er hat halt ein Riesen Herz ❤️ Mit meist 1,57 bis 1,68 Metern reicht er kaum an die anderen heran, doch seine kompakte, extrem bemuskelte Statur bringt ihn auf ein Gewicht, das viele höhere Rassen übertrifft. Genau dieser gedrungene Bau gab ihm den Namen: „Punch“ ist ein altes englisches Wort für jemanden, der kurz und stämmig ist.

Die Rasse stammt aus Suffolk in Ostengland und gilt als das älteste englische Zugpferd, das seine Form bis heute bewahrt hat. Die erste schriftliche Erwähnung findet sich bereits 1586. Alle heutigen Suffolk Punch führen ihre Abstammung auf einen einzigen Stammvater zurück, einen Hengst des Farmers Thomas Crisp aus dem Jahr 1768. Eine weitere Besonderheit ist die Farbe: Der Suffolk Punch ist immer Fuchs, in Schattierungen von hellem Gold bis zu dunklem Leberbraun. Diese Einfarbigkeit ist so charakteristisch, dass die Züchter für ihre Farbe sogar eine eigene alte Schreibweise pflegen. Anders als Shire und Clydesdale hat er glatte, unbehaarte Beine, weil er auf schwerem ostenglischem Lehmboden arbeiten sollte und der Behang dort nur Schlamm gesammelt hätte.

So bewundernswert seine Reinheit, so bedrohlich ist seine Lage. Der Suffolk Punch ist die am stärksten gefährdete schwere Pferderasse der Welt. Die britischen Erhaltungsorganisationen führen ihn in der höchsten Gefährdungsstufe, mit weniger als 300 Zuchtstuten. Damit ist er in Großbritannien seltener als der Große Panda weltweit. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Motorisierung die Bestände einbrechen ließ, wurden viele Tiere geschlachtet, und in den 1960er Jahren stand die Rasse am Rand des Aussterbens. Einige wenige Züchter und die Suffolk Horse Society hielten die letzten Linien am Leben. Heute kümmern sich Erhaltungshöfe wie der Suffolk Punch Trust in Hollesley Bay um seine Zukunft. Wer einen Suffolk Punch kauft und züchtet, leistet damit einen direkten Beitrag zur Rettung der Rasse.

Jütländer: Dänemarks kupferroter Riese

Der Jütländer trägt den Namen der dänischen Halbinsel Jütland, die direkt an Deutschland grenzt. Schon im Mittelalter diente er als Ritterpferd, später wurde er zum unverzichtbaren Arbeitspferd der dänischen Landwirtschaft. Im Aussehen erinnert er stark an den Suffolk Punch, was kein Zufall ist: Ein englischer Suffolk-Hengst prägte die Rasse im 19. Jahrhundert entscheidend mit. Deshalb ist der klassische Jütländer ein kräftiger Fuchs mit heller, flachsblonder Mähne und einem freundlichen Ausdruck.

Auch der Jütländer hat seine eigene Werbeikone. In Kopenhagen ziehen prächtige Jütländer-Gespanne die Bierwagen der Traditionsbrauerei Carlsberg, ganz ähnlich wie die Clydesdales in den USA. Mit dem Ende der Pferdearbeit wurde die Rasse selten. Ihr ursprüngliches Äußeres, ihre Menschenfreundlichkeit und ihre bemerkenswerte Ruhe sprechen dafür, dass sie bei Liebhabern des Ursprünglichen weiterhin ihren Platz findet. Für die deutsche Pferdezucht ist der Jütländer besonders wichtig, weil er die Grundlage einer eigenen norddeutschen Rasse bildet, des Schleswiger Kaltbluts.

Niederländisches Kaltblut: die Zugmaschine aus Zeeland

Das Niederländische Kaltblut, auf Niederländisch Nederlands Trekpaard oder Zeeuws Trekpaard, ähnelt dem belgischen Brabanter so stark, dass Laien beide leicht verwechseln. Das hat einen guten Grund, denn die Rasse entstand aus genau diesem Umfeld. Nach dem Ersten Weltkrieg kreuzten niederländische Züchter schwere belgische und Ardenner Pferde und formten daraus ein eigenes, massives Zugpferd mit 1,63 bis 1,72 Metern und 800 bis 1.000 Kilogramm. Später flossen auch Belgier, Clydesdale und Percheron ein.

Der Zweite Weltkrieg dezimierte die Bestände schwer, und die Motorisierung tat ihr Übriges, sodass das Niederländische Kaltblut heute zu den selteneren Rassen zählt. Als ausgeglichener, kräftiger Partner wird es inzwischen wieder als Freizeit- und Arbeitspferd geschätzt, gerade von Menschen, die einen ruhigen Riesen mit viel Zugkraft suchen.

Die deutschen Riesen

Deutschland hat eigene schwere Kaltblutrassen, auch wenn sie im Schatten der britischen und belgischen Giganten stehen. Sie sind meist etwas kleiner, dafür oft besonders leichtfuttrig und nervenstark.

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut entstand im 19. Jahrhundert im Rheinland aus belgischen Brabantern und Ardennern, dazu kamen Percheron und Oldenburger. Um 1900 gehörte ein großer Teil aller Pferde in Deutschland dieser Rasse an. Sie misst rund 1,58 bis 1,72 Meter, kommt als Brauner, Fuchs, Rappe oder Schimmel vor und gilt als gutmütig und arbeitswillig. Nach der Motorisierung brachen die Bestände fast überall zusammen. Nur in Westfalen und in Teilen Ostdeutschlands, wo die Technik später Einzug hielt, blieben genug Tiere übrig, um die Rasse zu erhalten. Heute steht sie auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen.

Das Süddeutsche Kaltblut hat mit über 1.800 eingetragenen Stuten die größte Kaltblutpopulation Deutschlands und ist damit die Ausnahme unter den bedrohten Riesen. Der Schwarzwälder Fuchs aus dem Schwarzwald ist etwas leichter und besticht durch seine Kombination aus dunklem Fuchsfell und heller, blonder Mähne. Das Schleswiger Kaltblut aus dem hohen Norden geht, wie erwähnt, auf den dänischen Jütländer zurück und gilt ebenfalls als vom Aussterben bedroht.

Aus Frankreich lohnt sich noch ein Blick auf den Boulonnais, einen besonders edlen schweren Schimmel aus der Region um Boulogne, den man wegen seines fein gezeichneten Fells das „Marmorpferd“ nennt. Auch er zählt heute zu den seltenen Rassen.

Die Rekordhalter im Überblick

Bei den Größenpferden faszinieren immer wieder die Ausnahmetiere, die selbst ihre schon riesigen Artgenossen überragten. Vier Namen tauchen in jeder Rangliste auf.

Sampson, später Mammoth, bleibt der unangefochtene König. Der Shire-Wallach aus dem Jahr 1846 mit 219,7 Zentimetern und rund 1.524 Kilogramm ist bis heute das größte und schwerste Pferd der dokumentierten Geschichte. Brooklyn Supreme, der Belgier-Hengst von 1928 bis 1948, war mit 1.451 Kilogramm das vermutlich schwerste Pferd, ohne den Höhenrekord zu halten. Big Jake, der Belgier-Wallach aus Wisconsin, trug bis 2021 den offiziellen Guinness-Titel für das größte lebende Pferd mit rund 2,10 Metern. Und Remington, ein Clydesdale, galt bis 2009 mit 203,2 Zentimetern und 1.318 Kilogramm als das größte lebende Pferd seiner Zeit. Damit ein solcher Rekord anerkannt wird, muss ein Pferd übrigens zweimal offiziell vermessen werden, einmal mit und einmal ohne Hufeisen, bestätigt durch Zeugen.

Kaltblutpferde kann man gut zum Ausreiten nutzen

Warum fast alle Riesen bedroht sind

Wer die Rassen dieses Beitrags durchgeht, bemerkt ein Muster, das nachdenklich macht. Shire, Clydesdale, Suffolk Punch, Jütländer, Rheinisch-Deutsches und Schleswiger Kaltblut, der europäische Brabanter, das Niederländische Kaltblut und der Boulonnais stehen alle auf Gefährdungslisten. Der Grund ist bei allen derselbe. Diese Pferde wurden über Jahrhunderte für eine einzige große Aufgabe geformt, die schwere Zug- und Feldarbeit. Als Traktor und Lastwagen diese Arbeit übernahmen, verloren die Rassen fast schlagartig ihren Zweck. Große Bestände wurden abgeschafft, und viele Zuchtlinien verschwanden für immer.

Die Rettung liegt heute in den Händen von Erhaltungszuchten, Traditionsgespannen, Museumshöfen und engagierten Privatzüchtern. Brauereien mit Schaugespannen, forstwirtschaftliche Betriebe, die im empfindlichen Waldboden auf Pferdekraft setzen, und der Tourismus geben den Riesen neue, sinnvolle Aufgaben. Der wirksamste Beitrag bleibt aber schlicht: Wer ein registriertes Kaltblut kauft, züchtet oder die Veranstaltungen besucht, auf denen diese Pferde auftreten, hilft ihrem Fortbestand ganz direkt.

Ein tolles Gespann

Ein Riese als Freizeitpferd: passt das?

Viele verlieben sich in die sanften Giganten und fragen sich, ob so ein Pferd auch in den eigenen Stall passt. Die gute Nachricht zuerst: Das Wesen spricht dafür. Über Generationen wurden nervöse oder aggressive Tiere konsequent aus der Zucht genommen, weil ein Pferd dieser Kraft im Umgang absolut verlässlich sein musste. Heraus kam der freundliche, geduldige Charakter, für den die Kaltblüter berühmt sind. Ein ruhiges, gut ausgebildetes Größenpferd kann ein wunderbarer Partner für gemütliche Ausritte und die Fahrarbeit sein, gerade auch für Menschen, die sich auf einem feurigen Warmblut überfordert fühlen.

Ein paar Dinge solltest Du vorher bedenken. Ein Riese braucht Platz. Eine normale Pferdebox stößt bei einem Shire schnell an ihre Grenzen, ein großzügiger Offenstall gilt als tiergerechteste Lösung. Er frisst entsprechend seiner Masse, und jeder Hufschmied rechnet bei Tellern in dieser Größe anders. Rassen mit üppigem Fesselbehang wie Shire und Clydesdale brauchen an den Beinen mehr Pflege, weil sich unter dem Behang leicht Feuchtigkeit und Hautprobleme sammeln. Je größer und schwerer ein Pferd ist, desto anspruchsvoller wird es zudem, es sauber und gesund unter dem Sattel zu bewegen, und die Lebenserwartung schwerer Kaltblüter liegt mit etwa 18 Jahren etwas unter der leichterer Rassen. Beim Kauf lohnt der Blick auf die rassetypischen Gentests, etwa auf die Hauterkrankung beim amerikanischen Belgier oder die Muskelstoffwechselstörung beim Percheron.

Wer diese Punkte im Blick behält und einem so mächtigen Tier den Raum gibt, den es verdient, bekommt dafür etwas Seltenes: einen Freizeitpartner mit der Ruhe eines Berges, der Kraft von zehn Menschen und der Freundlichkeit eines großen Hundes.

Kurz zusammengefasst

Das größte Pferd der Welt ist das englische Shire Horse, das schwerste das Belgische Kaltblut. Den ewigen Rekord hält der Shire-Wallach Sampson mit 2,20 Metern und rund 1.500 Kilogramm. Neben diesen beiden Riesen prägen der schottische Clydesdale, der elegante französische Percheron, der seltene Suffolk Punch, der dänische Jütländer, das Niederländische Kaltblut und die deutschen Kaltblutrassen die Welt der Größenpferde. Fast alle von ihnen wurden durch die Motorisierung an den Rand des Aussterbens gedrängt und verdanken ihr Überleben heute engagierten Erhaltungszuchten. Als Freizeitpferd überzeugt der Kaltblüter durch seinen sanften, verlässlichen Charakter, verlangt aber Platz, Pflege und ein gutes Auge beim Kauf.

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17 Antworten zu „Die größten Pferde der Welt“

  1. Avatar von Krankheiten bei Pferden mit Puschen – Alles über Pferde

    […] zu den auffälligsten Merkmalen vieler Pferderassen. Vor allem Kaltblüter, Friesen, Tinker oder Shire Horses sind für ihren üppigen Fesselbehang bekannt. Die sogenannten „Puschen“ verleihen den Pferden […]

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    […] Lese hier noch weiter: das größte Pferd der Welt […]

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Ich bin Daniela

Reitlehrerin FN und Therapeutische Reitlehrerin und absoluter Fan von Fjordpferden