
Welche Pferderasse zum Wanderreiten?
Wenn du mit dem Gedanken spielst, dir ein Pferd fürs Wanderreiten zu kaufen, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die verschiedenen Rassen. Manche bringen von Haus aus fast alles mit, was ein guter Wanderreitpartner braucht, andere haben ihre Stärken woanders. Diese Seite stellt dir die wichtigsten Rassen einzeln vor, mit ihren Vorzügen und ihren Grenzen, damit du vor dem Kauf gut informiert entscheidest. Die Grundlagen zu Ausrüstung, Training und Recht findest du im Hauptbeitrag zum Wanderreiten.
Worauf es bei der Wahl wirklich ankommt
Bevor wir zu den einzelnen Rassen kommen, ein wichtiger Gedanke vorweg: Der Charakter und die Ausbildung des einzelnen Pferdes wiegen schwerer als die Rasse. Ein ruhiges, nervenstarkes und gut ausgebildetes Pferd einer eher untypischen Rasse eignet sich besser als ein aufgeregtes Exemplar aus bester Wanderreitlinie.
Trotzdem gibt es körperliche und charakterliche Merkmale, die die Arbeit erleichtern. Das ideale Wanderreitpferd ist eher kompakt gebaut, quadratisch im Rahmen, gut bemuskelt und steht auf kräftigen Beinen mit gesunden, harten Hufen. Eine Widerristhöhe von etwa 148 bis 160 Zentimetern passt für die meisten erwachsenen Reiter. Ein energiesparender, raumgreifender Schritt bringt euch angenehm voran. Dazu kommen ein ausgeglichenes Temperament, Nervenstärke im Straßenverkehr und in Ortschaften sowie friedliches Verhalten in der Gruppe. Robuste, genügsame Pferde, die gut mit magerem Futter zurechtkommen und viel im Freien stehen, sind unterwegs pflegeleichter.
Beim Alter gilt: Den Belastungen mehrtägiger Ritte solltest du dein Pferd je nach Reife und Ausbildung erst mit etwa sechs bis acht Jahren in vollem Umfang aussetzen. Mit diesem Raster im Kopf lassen sich die folgenden Rassen gut einordnen.

Islandpferd
Das Islandpferd stammt aus Island, misst rund 130 bis 145 Zentimeter und ist für jedes Wetter gemacht. Es gilt als robust, sozial und ausgesprochen nervenstark. Viele Isländer beherrschen neben Schritt, Trab und Galopp den Tölt, eine weiche Viertakt-Gangart ohne Schwebephase, bei der immer ein Huf am Boden bleibt. Das macht lange Strecken für den Reiter erstaunlich bequem.
Seine Stärken fürs Wanderreiten liegen auf der Hand: Der Tölt schont deinen Rücken über viele Kilometer, das Pferd ist extrem trittsicher, wetterhart, genügsam und langlebig. Sein ruhiges Nervenkostüm hilft in unbekanntem Gelände, und die handliche Größe macht ihn auch für kleinere Reiter angenehm.
Das solltest du bedenken: Isländer reifen langsam und werden erst mit etwa sieben Jahren voll geritten. Sie sind sehr leichtfuttrig und legen bei reichem Futter schnell zu, weshalb du die Fütterung streng managen solltest, um Hufrehe und Stoffwechselproblemen vorzubeugen. Manche neigen im Sommer zum Sommerekzem. Für sehr große oder schwere Reiter stößt die Größe an ihre Grenze, auch wenn Isländer erstaunlich tragfähig sind.

Haflinger
Der Haflinger kommt ursprünglich aus Südtirol und Österreich, wird etwa 138 bis 150 Zentimeter groß und fällt durch sein goldfarbenes Fell mit heller Mähne auf. Er gilt als freundlich, robust und zuverlässig, ein klassisches Familien- und Freizeitpferd.
Seine Stärken fürs Wanderreiten sind Nervenstärke, Trittsicherheit und eine gute Tragkraft. Ein kräftiger Haflinger trägt auch etwas schwerere Reiter, kommt mit wenig Futter aus und begegnet Neuem gelassen. Dazu ist die Rasse gut verfügbar und im Preis oft moderat.
Das solltest du bedenken: Haflinger sind klug und haben gern einen eigenen Kopf. Sie brauchen eine klare, freundliche und konsequente Führung, sonst treffen sie ihre Entscheidungen selbst. Wie die meisten Robustpferde sind sie leichtfuttrig und neigen zu Übergewicht. Manche Linien sind eher gemütlich und bringen wenig Vorwärtsdrang mit, was auf langen Etappen im flotten Schritt bremsen kann.

Fjordpferd
Das Fjordpferd, auch Norweger genannt, stammt aus Norwegen, misst rund 135 bis 150 Zentimeter und trägt fast immer ein Falbfell mit dunklem Aalstrich. Sein kompakter, kräftiger Körper und sein ruhiges Gemüt machen es zu einem beliebten Freizeitpferd.
Seine Stärken fürs Wanderreiten liegen in der großen Gelassenheit, der Robustheit und der Trittsicherheit. Der kräftige Rücken trägt gut, das Pferd ist wetterhart und genügsam und lässt sich von wenig aus der Ruhe bringen. Damit ist der Fjord ein zuverlässiger Partner gerade für ruhige, sicherheitsorientierte Reiter.
Das solltest du bedenken: Auch das Fjordpferd ist leichtfuttrig und setzt bei reichem Futter rasch an. Manche Vertreter gehen es sehr gemütlich an und brauchen etwas Motivation für ein zügiges Marschtempo. Für große Reiter ist die Größe die natürliche Grenze.

Connemara-Pony
Das Connemara stammt aus dem Westen Irlands und wird bis etwa 148 Zentimeter groß. Es hat sich in kargem, felsigem Gelände entwickelt und gilt als klug, trittsicher, ausdauernd und gutmütig.
Seine Stärken fürs Wanderreiten sind eine hohe Trittsicherheit, gute Ausdauer und ein waches, kooperatives Wesen. Für seine Ponygröße trägt es erstaunlich gut und bewältigt anspruchsvolles Gelände souverän. Ein nervenstarkes Connemara ist ein wunderbares Geländepony.
Das solltest du bedenken: Die Größe begrenzt das Reitergewicht. Weil Connemaras klug und lernbegierig sind, brauchen sie Beschäftigung und eine gute Ausbildung, damit sie unterwegs zufrieden mitarbeiten.

Huzule
Die Huzule ist ein altes, sehr ursprüngliches Gebirgspferd aus den Karpaten und misst etwa 130 bis 145 Zentimeter. Sie wurde über Jahrhunderte in unwegsamem Bergland genutzt und ist entsprechend hart im Nehmen.
Ihre Stärken fürs Wanderreiten sind herausragende Trittsicherheit im schwierigen Gelände, große Genügsamkeit, eine robuste Gesundheit und ein ruhiges Wesen. Wer viel in den Bergen unterwegs ist, findet in der Huzule eine zähe, verlässliche Partnerin.
Das solltest du bedenken: Wegen ihrer geringen Größe passt die Huzule eher zu leichteren Reitern. In Deutschland ist sie seltener anzutreffen, sodass die Suche nach einem passenden Pferd länger dauern kann. Ihr Grundtempo ist ruhig.
Criollo
Der Criollo stammt aus Südamerika und geht auf iberische Pferde wie Berber und Andalusier zurück, die dort über Jahrhunderte einer harten natürlichen Auslese unterlagen. Er wird rund 138 bis 152 Zentimeter groß und ist das Pferd der Gauchos, der Cowboys der Pampa. Günter Wamser bewältigte seine Weitritte durch Amerika mit Criollos.
Seine Stärken fürs Wanderreiten sind kaum zu überbieten: Der Criollo gilt als eines der zähesten und ausdauerndsten Pferde der Welt, ist extrem trittsicher, hat kleine, harte Hufe und ein stabiles Fundament, kommt mit wenig und magerem Futter aus und bleibt dabei nervenstark und ausgeglichen. Dazu wird er oft sehr alt und bleibt lange leistungsfähig.
Das solltest du bedenken: Als guter Futterverwerter neigt er bei zu reichem Futter zu Übergewicht und den damit verbundenen Stoffwechselproblemen. In Deutschland ist die Rasse seltener und entsprechend teurer. Er ist klug und arbeitswillig und möchte gefordert werden.
Araber und Shagya-Araber
Der Vollblutaraber von der Arabischen Halbinsel gilt als eine der ältesten Rassen der Welt und ist der König im Distanzsport. Er misst etwa 145 bis 155 Zentimeter, besitzt ein trockenes, hartes Fundament und eine enorme Ausdauer. Der Shagya-Araber, in Ungarn aus arabischen Linien gezüchtet, ist etwas größer und kräftiger und oft eine Spur ruhiger.
Ihre Stärken fürs Wanderreiten sind die überragende Ausdauer, harte Hufe, ein effizienter, kilometerfressender Gang, eine gute Hitzeverträglichkeit und eine tiefe Bindung zum Menschen. Über weite Strecken zeigt kaum eine Rasse mehr Reserven.
Das solltest du bedenken: Vollblutaraber sind sensibel und temperamentvoll. Sie brauchen eine erfahrene, ruhige Reiterhand und ein gutes Gelassenheitstraining, damit ihr Feuer unterwegs zur Freude statt zur Herausforderung wird. Ihr Fundament ist feiner als das der Robustpferde. Wer die Ausdauer schätzt, sich aber mehr Ruhe wünscht, findet im Shagya-Araber oft die passendere Wahl.
Berber und Araber-Berber
Der Berber stammt aus Nordafrika und teilt mit dem Araber die lange Geschichte als Wüstenpferd. Er wird etwa 145 bis 155 Zentimeter groß, gilt als zäh, ausdauernd und genügsam und bringt ein stabiles Fundament mit. Der Araber-Berber verbindet die Ausdauer beider Linien mit oft etwas mehr Ruhe.
Ihre Stärken fürs Wanderreiten sind Härte, Ausdauer, Trittsicherheit, Genügsamkeit und ein gutes Nervenkostüm bei Hitze. Diese Pferde wurden über Jahrhunderte für lange Strecken unter kargen Bedingungen genutzt.
Das solltest du bedenken: In Deutschland sind Berber selten, die Suche braucht Geduld. Sie sind temperamentvoll und wollen beschäftigt sein, weshalb sich eine erfahrene Reiterhand auszahlt.
Andalusier und Lusitano
Der Andalusier, in Reinzucht als Pura Raza Española geführt, und der eng verwandte portugiesische Lusitano stammen von der Iberischen Halbinsel. Diese Barockpferde messen etwa 155 bis 165 Zentimeter, haben einen kräftigen, kurzen Rücken und gelten als mutig, gelehrig und ausgeglichen.
Ihre Stärken fürs Wanderreiten sind ein starkes Nervenkostüm und eine natürliche Mutigkeit, die im Straßenverkehr und vor ungewohnten Hindernissen hilft. Der kurze, tragfähige Rücken kommt der Gepäcklast entgegen, und die Gelehrigkeit macht die Ausbildung angenehm. Trittsicher und arbeitswillig meistern sie auch anspruchsvolles Gelände.
Das solltest du bedenken: Iberer brauchen mehr Pflege, gerade das üppige Langhaar, und in der Anschaffung sind sie teurer. Sie sind temperamentvoller als ein Robustpferd, dabei aber gut zu händeln. Je nach Linie können die Hufe empfindlicher sein, weshalb sich ein prüfender Blick auf das Fundament lohnt.

Quarter Horse, Paint Horse und Appaloosa
Diese amerikanischen Westernpferde messen rund 145 bis 160 Zentimeter und sind kompakt bemuskelt. Sie gelten als ausgesprochene Kumpeltypen, ruhig, nervenstark und arbeitswillig, und sind an den Westernsattel und lange Arbeitstage im Gelände gewöhnt. Paint Horses sind im Grunde gescheckte Quarter Horses, Appaloosas tragen die typische Tupfenzeichnung.
Ihre Stärken fürs Wanderreiten sind große Gelassenheit, Nervenstärke, Trittsicherheit und ein kompakter, tragfähiger Körper. Der angeborene Arbeitswille und die gute Verfügbarkeit machen sie zu unkomplizierten Partnern, gerade für Reiter, die den Westernstil mögen.
Das solltest du bedenken: Manche modernen Show- und Reininglinien sind sehr sensibel oder haben eher kleine, steile Hufe, weshalb du die Hufqualität genau prüfen solltest. In einigen Linien treten erbliche Muskelerkrankungen auf, sodass sich ein Blick auf die Abstammung und die Gesundheitstests lohnt. Viele sind zudem leichtfuttrig.
Tennessee Walking Horse
Das Tennessee Walking Horse aus den USA ist mit etwa 150 bis 165 Zentimetern größer und verdankt seinen Namen dem Running Walk. Bei dieser bequemen Gangart bleiben immer drei Hufe am Boden, was für viel Gangsicherheit sorgt. Die Rasse gilt als besonders sanftmütig.
Seine Stärken fürs Wanderreiten sind der ruhige, kilometerbequeme Running Walk, das freundliche Wesen und die Größe, die auch großen und schwereren Reitern entgegenkommt. Über lange Strecken sitzt man sehr angenehm.
Das solltest du bedenken: In manchen US-Showlinien gibt es die tierschutzwidrige Praxis des sogenannten Big Lick, bei der die Beinaktion mit fragwürdigen Methoden verstärkt wird. Achte deshalb auf eine natürlich gezogene, flach beschlagene Zucht. In Deutschland ist die Rasse seltener und teurer, und die Gänge wollen sauber getrennt sein.
Missouri Fox Trotter
Der Missouri Fox Trotter aus den USA misst etwa 145 bis 160 Zentimeter und beherrscht den Foxtrott, eine bequeme Gangart ohne Schwebephase, die sich für den Reiter fast wie ein weicher Trab anfühlt. Die Rasse wurde für langes, angenehmes Reiten im unwegsamen Gelände gezüchtet.
Seine Stärken fürs Wanderreiten sind eine ausgezeichnete Trittsicherheit und Ausdauer selbst in schwerem Gelände, der bequeme Foxtrott und ein gutmütiges Wesen. Viele Fox Trotter laufen ihre Gänge stabil auch barhuf, was unterwegs praktisch ist. Erfahrene Weitreiter loben ihn als einen der besten Geländepartner überhaupt.
Das solltest du bedenken: In Deutschland ist die Rasse exotisch, seltener und teurer. Wie bei allen Gangpferden solltest du lernen, die Gänge sauber abzurufen und zu trennen.
Paso Peruano und Paso Fino
Diese südamerikanischen Gangpferde messen rund 140 bis 154 Zentimeter und laufen weiche, seitengeprägte Gänge. Viele sind Dreigänger, die statt zu traben in einem gleichmäßigen Paso gehen. Das Ergebnis ist ein außergewöhnlich bequemes, erschütterungsarmes Reitgefühl.
Ihre Stärken fürs Wanderreiten sind die überaus rückenschonenden Gänge, gute Ausdauer und Trittsicherheit. Wer selbst Rückenprobleme hat, findet in diesen Pasos oft eine echte Erleichterung.
Das solltest du bedenken: Pasos bringen viel Ausstrahlung und inneres Feuer mit, das sogenannte Brio, das Verständnis und Erfahrung im Umgang verlangt. Die Rassen sind in Deutschland selten und teuer, und das gangpferdespezifische Reiten will gelernt sein.
Mangalarga Marchador
Der Mangalarga Marchador ist das Nationalpferd Brasiliens, wird etwa 140 bis 160 Zentimeter groß und läuft die Marcha, einen bequemen Viertakt, bei dem stets mehrere Beine am Boden bleiben. Er gilt als ausgeglichen, ausdauernd und genügsam.
Seine Stärken fürs Wanderreiten sind die bequeme Marcha, gute Ausdauer und Trittsicherheit sowie ein ruhiges Gemüt. Für seine Größe trägt er zuverlässig und kommt mit einfachen Bedingungen zurecht.
Das solltest du bedenken: Auch diese Rasse ist hierzulande selten und im Preis gehoben, und wie bei allen Gangpferden gehört das saubere Trennen der Gänge zur Ausbildung.
Aegidienberger
Der Aegidienberger ist eine junge deutsche Gangpferderasse, entstanden aus der Kreuzung von Islandpferd und Peruano Paso. Mit etwa 140 bis 152 Zentimetern fällt er etwas größer und tragfähiger aus als der Isländer und beherrscht ebenfalls bequeme Gänge.
Seine Stärken fürs Wanderreiten sind die Kombination aus komfortablen Gängen und robuster Gesundheit, dazu ein wenig mehr Größe und Tragkraft als beim reinen Isländer und ein ruhiges Nervenkostüm.
Das solltest du bedenken: Als noch junge und seltene Rasse ist die Auswahl begrenzt. Wie die verwandten Rassen ist auch der Aegidienberger leichtfuttrig und braucht eine kontrollierte Fütterung.
Freiberger
Der Freiberger stammt aus dem Schweizer Jura, misst rund 150 bis 160 Zentimeter und gehört zu den leichten Kaltblütern. Er wuchs in den Bergen auf, gilt als gutmütig, gelassen und trittsicher und wird sogar über einen Feldtest auf seinen Charakter geprüft.
Seine Stärken fürs Wanderreiten sind ein sehr ruhiges Nervenkostüm, gute Trittsicherheit, eine ordentliche Tragkraft auch für schwerere Reiter sowie Robustheit und Leichtfuttrigkeit. Weil er gern arbeitet und sich auch vor die Kutsche spannen lässt, eignet er sich zusätzlich gut, wenn ein Begleitfahrzeug im Spiel ist.
Das solltest du bedenken: Sein schwereres Kaliber macht ihn weniger raumgreifend und schnell als leichte Rassen. Wie viele robuste Pferde neigt er bei reichem Futter zum Ansetzen. Außerhalb der Schweiz ist die Auswahl etwas kleiner.
Kaltblüter und Tinker
Schwere Rassen wie die verschiedenen Kaltblüter oder der Tinker, auch Irish Cob genannt, punkten mit enormer Ruhe und Tragkraft. Sie sind gutmütig, nervenstark und trittsicher und tragen problemlos schwere Reiter samt viel Gepäck.
Ihre Stärken fürs Wanderreiten sind die große Gelassenheit, die hohe Tragfähigkeit, die Robustheit und das freundliche Wesen. Für einen schweren Reiter, der gemütliche Touren plant, sind sie eine ernsthafte Überlegung wert.
Das solltest du bedenken: Ihr hohes Eigengewicht belastet die eigenen Gelenke auf langen, harten Etappen stärker, und sie sind weniger ausdauernd und langsamer als leichte Rassen. Der üppige Behang am Bein neigt bei nassem Wetter zu Mauke und braucht Pflege, gerade unterwegs. Die großen Hufe stellen beim Beschlag oder bei Hufschuhen eigene Ansprüche. Für sehr lange oder schnelle Ritte sind sie damit eher die zweite Wahl, für gemütliche Wochenendtouren aber angenehm.
Maultier und Mulis
Das Maultier, die Kreuzung aus Eselhengst und Pferdestute, war über Jahrtausende ein klassisches Reise- und Packtier. Es vereint die Trittsicherheit und Härte des Esels mit der Größe des Pferdes und wird seit jeher für lange Wege in schwierigem Gelände geschätzt.
Seine Stärken fürs Wanderreiten sind eine kaum zu übertreffende Trittsicherheit, große Zähigkeit und Ausdauer, Genügsamkeit, harte gesunde Hufe und eine hohe Lebenserwartung. Mulis sind klug und vorsichtig und gehen selten unnötige Risiken ein, was im Gebirge Sicherheit gibt.
Das solltest du bedenken: Ein Muli denkt eigenständig und braucht Menschen, die seine besondere Mentalität verstehen und es entsprechend ausbilden. Sattel und Ausrüstung müssen zum eigenen Rückenbau passen, und fundiertes Wissen zur Haltung und Führung von Mulis ist in Deutschland weniger verbreitet. Wer sich darauf einlässt, gewinnt einen außergewöhnlich sicheren Reisepartner.
Warmblüter und Sportpferde: geht das auch?
Große moderne Sportpferde wie Hannoveraner oder andere Warmblüter sind nicht die typische Wahl fürs Wanderreiten, und das hat Gründe. Ihr langes, feineres Fundament und der oft längere Rücken sind auf Sport und nicht auf lange Strecken in unwegsamem Gelände ausgelegt. Viele sind sensibler, brauchen mehr Futter und Pflege und zeigen unterwegs weniger Genügsamkeit.
Trotzdem gilt: Ein ruhiges, gesundes und gut ausgebildetes Warmblut mit stabilem Fundament kann durchaus wandern. Manche Trakehner oder gutmütige Allrounder machen ihre Sache verlässlich, und für große Reiter bieten sie Platz und raumgreifende Gänge.
Das solltest du bedenken: Prüfe im Einzelfall besonders genau die Nervenstärke, die Gesundheit von Rücken und Beinen und die Trittsicherheit. Bei einem Sportpferd entscheidet noch stärker als sonst das einzelne Tier, nicht die Rasse.
Nicht die Rasse entscheidet, sondern das einzelne Pferd
So hilfreich diese Rasseporträts sind, am Ende kaufst du kein Zuchtbuch, sondern ein bestimmtes Pferd. Ein gelassener, gesunder Haflinger schlägt einen aufgeregten Criollo, und ein ruhiges Warmblut schlägt einen nervösen Araber. Charakter, Ausbildung und Gesundheit stehen vor der Rasse und vor der Farbe.
Nimm dir für den Kauf deshalb Zeit. Reite das Pferd mehrfach im Gelände, mit Begegnungen im Straßenverkehr, an Wasser, über Brücken und an allem, was dir auch auf einem Wanderritt begegnet. Achte auf ein passendes Reitergewicht im Verhältnis zur Größe und Substanz des Pferdes. Lass vor dem Kauf eine tierärztliche Ankaufsuntersuchung machen, die Rücken, Beine und Hufe einschließt, und sei ehrlich zu deinem eigenen Können. Ein Pferd, das zu dir und deinen Plänen passt, trägt dich viele Jahre und Tausende glückliche Kilometer weit.
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