Pferdeführerschein: Prüfung, Kosten, Ablauf und alles, was du wissen musst
Wer zum ersten Mal vom Pferdeführerschein hört, könnte meinen, künftig müsse man mit Haflinger Hannes bei der Führerscheinstelle vorreiten, Schulterherein beim TÜV zeigen und anschließend beweisen, dass man rückwärts in eine viel zu kleine Pferdebox einparken kann.
Ganz so schlimm ist es nicht.

Der Pferdeführerschein Umgang ist vielmehr ein Kompetenznachweis dafür, dass du ein Pferd sicher, verantwortungsvoll und pferdegerecht versorgen, führen und im Alltag mit ihm umgehen kannst. Reiten können musst du dafür nicht einmal.
Und genau das macht ihn interessant: Beim Pferdeführerschein geht es nicht darum, wie hübsch du auf einem Pferd sitzt. Es geht um das Wissen und die praktischen Fähigkeiten, die eigentlich jeder Mensch besitzen sollte, der regelmäßig mit Pferden zu tun hat.
Seit 2020 hat der Pferdeführerschein Umgang außerdem den früheren Basispass Pferdekunde ersetzt. Wer bestimmte weiterführende Abzeichen im Pferdesport erwerben möchte, kommt deshalb am Pferdeführerschein nicht vorbei.
Aber der Reihe nach.
Was ist der Pferdeführerschein?
Wenn heute vom Pferdeführerschein gesprochen wird, muss man zunächst unterscheiden, denn es gibt unter anderem den Pferdeführerschein Umgang und den Pferdeführerschein Reiten.
Der Pferdeführerschein Umgang bildet gewissermaßen das Fundament. Hier geht es um den sicheren und artgerechten Umgang mit dem Pferd am Boden.
Du beschäftigst dich unter anderem mit:
- Verhalten und Bedürfnissen des Pferdes
- sicherem Führen und Anbinden
- Pferdepflege
- Haltung und Fütterung
- Gesundheit und grundlegender Anatomie
- Unfallverhütung
- Bodenarbeit
- Pferden im öffentlichen Raum
- Verladen und Transport
- Verhalten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern
- Tierschutz und Verantwortung
Der Pferdeführerschein soll also nicht feststellen, ob du besonders viel theoretisches Pferdewissen auswendig gelernt hast. Entscheidend ist, ob du dieses Wissen in einer konkreten Situation richtig anwenden kannst.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Ein Pferd interessiert sich schließlich herzlich wenig dafür, ob du sämtliche Knochen des Pferdeskeletts herunterbeten kannst, wenn du anschließend den Führstrick um deine Hand wickelst und dich von 600 Kilogramm Warmblut über den Hof ziehen lässt.
Muss man einen Pferdeführerschein haben?
Nein. Der Pferdeführerschein ist nicht generell gesetzlich vorgeschrieben.
Du brauchst also keinen Pferdeführerschein, um ein eigenes Pferd zu besitzen, eine Reitbeteiligung zu haben oder grundsätzlich mit einem Pferd umzugehen.
Die FN bezeichnet sowohl den Pferdeführerschein Umgang als auch den Pferdeführerschein Reiten als Ausbildungs- beziehungsweise Qualifikationsangebote.
Eine wichtige Ausnahme gibt es allerdings im organisierten Pferdesport.
Seit dem 1. Januar 2020 ersetzt der Pferdeführerschein Umgang den früheren Basispass Pferdekunde. Für bestimmte weiterführende Abzeichen ist er Voraussetzung. Bei den klassischen Abzeichen betrifft dies Abzeichen ab Klasse 5; beim Westernreiten gelten teilweise andere Stufen.
Wer also beispielsweise mit den Reitabzeichen weitermachen möchte, sollte sich frühzeitig damit beschäftigen.
Für den normalen Freizeitreiter besteht dagegen keine allgemeine Führerscheinpflicht.
Für wen lohnt sich der Pferdeführerschein?
Interessant ist der Pferdeführerschein keineswegs nur für Turnierreiter.
Gerade Anfänger können von einem guten Lehrgang enorm profitieren. Denn vieles, was in Reitställen über Jahre irgendwie nebenbei gelernt wird, bekommt plötzlich einen nachvollziehbaren Zusammenhang.
Warum sollte ein Pferd beim Führen einen bestimmten Abstand einhalten?
Warum ist eine bestimmte Art des Anbindens gefährlich?
Wie erkenne ich frühzeitig, dass ein Pferd nervös wird?
Wie verhalte ich mich, wenn mir beim Führen ein Fahrrad, Auto oder anderes Pferd entgegenkommt?
Was gehört in die tägliche Gesundheitskontrolle?
Und woran erkenne ich eigentlich, dass etwas nicht stimmt?
Interessant kann die Ausbildung deshalb auch für Eltern reitender Kinder, Reitbeteiligungen, Pferdebesitzer, Wiedereinsteiger und Menschen sein, die zwar nicht selbst reiten, aber regelmäßig Pferde versorgen.
Denn Pferdekompetenz beginnt nicht im Sattel.
Sie beginnt spätestens in dem Moment, in dem du ein Halfter in die Hand nimmst.
Pferdeführerschein Umgang: Was muss man können?
Die Prüfung zum Pferdeführerschein Umgang besteht aus vier Stationen, die praktische Fähigkeiten und theoretisches Wissen miteinander verbinden.
Das Konzept ist durchaus sinnvoll: Du sollst nicht nur sagen können, wie etwas funktioniert. Du sollst zeigen, dass du es tatsächlich kannst.
Station 1: Erster Kontakt und Pferdepflege
Die erste Station findet typischerweise an der Stallgasse oder am Putzplatz statt.
Hier geht es um alltägliche Situationen, beispielsweise:
Wie nähere ich mich einem Pferd?
Wie hole ich es sicher aus der Box?
Wie lege ich ein Halfter richtig an?
Wie wird ein Pferd korrekt angebunden?
Wie putze ich ein Pferd?
Welche Putzutensilien benutze ich wofür?
Auch der sichere Umgang spielt eine wichtige Rolle. Ein Prüfer möchte nicht nur sehen, dass am Ende das Pferd sauber ist. Er achtet darauf, wie selbstverständlich und sicher du dich am Pferd bewegst.
Gerade Anfänger unterschätzen diesen Bereich manchmal, weil Putzen zunächst banal erscheint.
Ist es aber nicht.
Wer beispielsweise direkt hinter einem Pferd herumläuft, einen Strick ungünstig hält oder ein nervöses Pferd beim Anbinden in eine gefährliche Situation bringt, zeigt damit wesentlich mehr über seine Pferdekenntnisse als mit zehn auswendig gelernten Fachbegriffen.
Station 2: Pferdeverhalten, Haltung, Fütterung und Gesundheit
Jetzt bekommt das Pferdewissen seinen großen Auftritt.
In diesem Teil können unter anderem folgende Themen vorkommen:
Pferdeverhalten und Bedürfnisse
Du solltest verstehen, dass Pferde Flucht-, Herden- und Bewegungstiere sind und daraus typische Verhaltensweisen ableiten können.
Pferdehaltung
Welche Bedürfnisse hat ein Pferd? Welche Haltungsformen gibt es? Was brauchen Pferde hinsichtlich Bewegung, Sozialkontakt, Futter, Wasser und Ruhe?
Pferdefütterung
Hier geht es um die Grundlagen einer pferdegerechten Fütterung. Du solltest beispielsweise verstehen, warum Raufutter eine zentrale Rolle spielt und warum abrupte Futterwechsel problematisch sein können.
Gesundheit
Wie sieht ein gesundes Pferd aus? Welche Veränderungen sollten dich aufmerksam machen? Was gehört zur Gesundheitsvorsorge? Was kannst du im Notfall tun und wann muss ein Tierarzt gerufen werden?
Grundlagen der Anatomie
Niemand erwartet ein abgeschlossenes Veterinärmedizinstudium. Die wichtigsten Körperregionen und grundlegenden anatomischen Zusammenhänge solltest du allerdings kennen.
Hinzu kommen Themen wie Pferderassen, Fellfarben und Abzeichen sowie der Equidenpass.
Auch Unfallverhütung, Tierschutz und Sicherheitsregeln spielen eine Rolle.
Damit wird dieser Prüfungsteil ziemlich umfangreich, aber auch ausgesprochen alltagsnah.
Station 3: Praktischer Umgang und Bodenarbeit
Jetzt muss das theoretische Wissen Beine bekommen.
Ein fester Bestandteil dieser Prüfungsstation ist die Dreiecksvorführung.
Dabei wird das Pferd an der Hand vorgestellt. Entscheidend sind ein kontrolliertes Führen, korrektes Anhalten und Wenden und insgesamt ein sicherer Umgang mit dem Pferd.
Daneben kann je nach Prüfungsaufgabe beispielsweise ein Bodenarbeitsparcours oder Vormustern verlangt werden.
Dabei achten die Prüfer besonders darauf, wie du mit dem Pferd kommunizierst.
Und genau hier zeigt sich ein Grundgedanke des Pferdeführerscheins besonders schön: Ein Pferd sollte nicht einfach irgendwie hinter seinem Menschen herlaufen.
Es soll sich kontrolliert führen lassen, auf Signale reagieren und dabei weder den Menschen überrennen noch zehn Meter hinter ihm eine private Sightseeing-Tour beginnen.
Gute Bodenarbeit bedeutet Kommunikation.
Das Pferd soll verstehen, was du möchtest, und du wiederum musst erkennen können, was dein Pferd dir gerade mitteilt.
Station 4: Alltagssituationen und öffentlicher Raum
Diese Station ist besonders praxisnah.
Denn ein Pferd lebt nicht ausschließlich zwischen Box, Reitplatz und Putzplatz.
Du kannst beispielsweise zeigen müssen, wie ein Pferd sicher auf eine Weide gebracht wird oder wie man mit Situationen umgeht, die außerhalb der geschützten Reitanlage entstehen.
Auch das Verladen und der Transport eines Pferdes können Thema sein.
Hinzu kommen Begegnungen mit anderen Verkehrsteilnehmern, beispielsweise:
Autos, Fahrrädern, Fußgängern oder anderen Pferden.
Dabei geht es nicht darum, ein völlig schreckfreies Pferd vorzuführen. Pferde bleiben Pferde.
Entscheidend ist vielmehr, dass du mögliche Gefahren erkennst, vorausschauend handelst und dein Pferd kontrollieren kannst.
Ist die Pferdeführerschein-Prüfung schwer?
Das hängt erheblich davon ab, wie viel Erfahrung du bereits mit Pferden hast.
Wer seit vielen Jahren Pferde besitzt und täglich mit ihnen umgeht, wird einen großen Teil der praktischen Aufgaben vermutlich ziemlich unspektakulär finden.
Für einen Anfänger sieht das anders aus.
Allerdings ist der Pferdeführerschein keine Prüfung, die darauf ausgelegt ist, möglichst viele Teilnehmer durchfallen zu lassen.
Der eigentliche Sinn besteht in der Ausbildung.
Die FN empfiehlt für den Vorbereitungslehrgang 30 Lehreinheiten. In dieser Zeit sollen die Teilnehmer genau auf die Situationen vorbereitet werden, die später relevant sind.
Deshalb solltest du nicht versuchen, ausschließlich Prüfungsfragen auswendig zu lernen.
Viel wichtiger ist, die Zusammenhänge zu verstehen.
Wenn du beispielsweise verstanden hast, warum Pferde als Fluchttiere auf bestimmte Situationen reagieren, kannst du dir viele Sicherheitsregeln logisch herleiten.
Das ist wesentlich zuverlässiger als stumpfes Auswendiglernen.
Gibt es beim Pferdeführerschein einen klassischen Fragebogen?
Der Pferdeführerschein ist keine typische Führerscheinprüfung nach dem Muster: Kreuzchen setzen, 30 Fragen beantworten, hoffen, dass Frage 17 über die Vorfahrt eines Haflingers nicht drankommt.
Die Prüfung ist stationsorientiert und handlungsorientiert.
Theoretisches Wissen wird dabei mit praktischen Situationen verbunden.
Das bedeutet für deine Vorbereitung: Lerne nicht ausschließlich Antworten auf vermeintliche Prüfungsfragen.
Übe den tatsächlichen Umgang mit Pferden.
Du solltest erklären können, warum du etwas tust, und es gleichzeitig korrekt ausführen können.
Wie bereite ich mich auf den Pferdeführerschein vor?
Die beste Vorbereitung besteht aus einer Mischung aus Theorie und Praxis.
Wenn du noch wenig Erfahrung hast, würde ich vor allem folgende Dinge intensiv üben:
Sicheres Aufhalftern, Führen, Anhalten, Anbinden und Putzen sollten irgendwann so selbstverständlich funktionieren, dass du nicht mehr über jeden einzelnen Handgriff nachdenken musst.
Übe außerdem das Führen durch unterschiedliche Situationen und beobachte dabei bewusst die Körpersprache des Pferdes.
Wann wird es aufmerksam?
Wann spannt es sich an?
Wann weicht es dir aus?
Wann drängelt es?
Wann verliert es seine Aufmerksamkeit?
Gerade diese Beobachtung macht aus jemandem, der einen Führstrick halten kann, langsam einen Menschen, der ein Pferd tatsächlich führen kann.
Parallel dazu solltest du dich mit Haltung, Fütterung, Gesundheit, Anatomie, Verhalten, Sicherheit und Tierschutz beschäftigen.
Wie lange dauert der Pferdeführerschein?
Die FN empfiehlt einen Lehrgang mit 30 Lehreinheiten.
Wie diese verteilt werden, hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Entsprechend können Lehrgänge unterschiedlich organisiert sein.
Die eigentliche Prüfung findet anschließend an einem Tag statt und umfasst die vier Prüfungsstationen.
Wer einen Kurs sucht, sollte deshalb nicht ausschließlich danach gehen, welcher Anbieter die Ausbildung besonders schnell durchzieht.
Gerade für Anfänger ist genügend praktische Übungszeit wertvoller als ein möglichst flotter Durchmarsch zum Zertifikat.
Was kostet der Pferdeführerschein?
Einen deutschlandweit einheitlichen Gesamtpreis gibt es nicht.
Die Kosten werden vom jeweiligen Veranstalter festgelegt und können deshalb deutlich variieren.
In den Lehrgangspreis können beispielsweise Kosten für Lehrgangsleitung, Reitanlage, Unterrichtsmaterial und Lehrpferde einfließen.
Zusätzlich entstehen Prüfungskosten. Dazu gehören unter anderem Gebühren des zuständigen Landesverbandes und die Vergütung der Prüfer.
Deshalb solltest du beim Vergleich verschiedener Lehrgänge immer nach dem Gesamtpreis einschließlich Prüfung fragen.
Ein vermeintlich günstiger Kurs kann sonst durch zusätzliche Prüfungs- und Anlagengebühren plötzlich weniger günstig aussehen.
Wo kann ich den Pferdeführerschein machen?
Lehrgang und Prüfung können nicht einfach von jedem beliebigen Reitstall angeboten werden.
Dafür kommen entsprechend qualifizierte Vereine und Betriebe infrage, die über die notwendige Genehmigung des zuständigen Landespferdesportverbandes beziehungsweise der Landeskommission verfügen.
Informationen zu Lehrgängen in deiner Region bekommst du deshalb unter anderem beim jeweiligen Landespferdesportverband.
Pferdeführerschein oder Basispass Pferdekunde: Was ist der Unterschied?
Diese Frage taucht noch immer häufig auf, weil viele Reiter den Basispass Pferdekunde kennen.
Der entscheidende Punkt ist einfach:
Der Pferdeführerschein Umgang hat den Basispass Pferdekunde zum 1. Januar 2020 abgelöst.
Wenn du den früheren Basispass bereits erworben hast, ist er dadurch nicht plötzlich wertlos geworden. Für Menschen, die heute neu in dieses Ausbildungssystem einsteigen, ist jedoch der Pferdeführerschein Umgang die aktuelle Qualifikation.
Der neue Name soll gleichzeitig deutlicher machen, worum es eigentlich geht: nicht nur um theoretische Pferdekunde, sondern um praktische Handlungskompetenz im Umgang mit dem Pferd.
Pferdeführerschein Umgang und Pferdeführerschein Reiten sind nicht dasselbe
Das wird gerne durcheinandergebracht.
Beim Pferdeführerschein Umgang steht das Pferd am Boden im Mittelpunkt.
Der Pferdeführerschein Reiten geht weiter und richtet sich an Reiter, die mit ihrem Pferd auch außerhalb einer Reitanlage beziehungsweise im öffentlichen Raum unterwegs sind.
Wer also nach „Pferdeführerschein“ sucht, sollte zunächst klären, welchen der beiden Führerscheine er eigentlich benötigt.
Für den Einstieg in das FN-Ausbildungssystem und als grundlegender Kompetenznachweis ist in aller Regel der Pferdeführerschein Umgang gemeint.
Kann man beim Pferdeführerschein durchfallen?
Natürlich handelt es sich um eine Prüfung und damit kann sie grundsätzlich auch nicht bestanden werden.
Das sollte dich allerdings nicht nervös machen.
Bei der Vorbereitung geht es gerade darum, Unsicherheiten aufzudecken und zu trainieren.
Problematischer als eine nicht perfekt beantwortete Wissensfrage sind Situationen, in denen grundlegende Sicherheitsregeln missachtet werden oder der Umgang mit dem Pferd nicht ausreichend sicher ist.
Deshalb gilt wieder: Praxis schlägt stumpfes Pauken.
Wer sicher mit dem Pferd umgehen kann, grundlegende Zusammenhänge verstanden hat und sich ordentlich auf die Prüfung vorbereitet, muss aus dem Pferdeführerschein keine Staatsprüfung mit Hufschlag machen.
Brauche ich als Pferdebesitzer einen Pferdeführerschein?
Rechtlich grundsätzlich nicht.
Trotzdem steckt hinter dem Konzept ein sinnvoller Gedanke.
Pferde zu halten bedeutet Verantwortung für ein großes, sensibles und ausgesprochen reaktionsschnelles Tier zu übernehmen. Fehler bei Haltung und Fütterung können die Gesundheit beeinträchtigen. Fehler beim Umgang können für Mensch und Pferd gefährlich werden.
Ein Pferd kaufen darf man trotzdem ohne vorherige Prüfung.
Ob das immer die brillanteste Idee der Menschheitsgeschichte ist, steht auf einem anderen Blatt.
Gerade wer sein erstes eigenes Pferd plant, kann deshalb von den Ausbildungsinhalten des Pferdeführerscheins profitieren, selbst wenn er das Zertifikat für seinen weiteren reiterlichen Weg überhaupt nicht benötigt.
Pferdeführerschein für Kinder und Jugendliche
Auch für junge Pferdefreunde kann die Ausbildung sinnvoll sein, wobei Unterricht und Prüfung dem Alter und Entwicklungsstand angemessen gestaltet werden sollen.
Gerade bei Kindern ist jedoch wichtig, den Pferdeführerschein nicht als bloße Sammlung von Prüfungsfragen zu betrachten.
Ein Kind kann eine Fütterungsregel perfekt aufsagen und trotzdem noch nicht die Erfahrung besitzen, eine schwierige Situation mit einem aufgeregten Pferd richtig einzuschätzen.
Wissen und praktische Erfahrung müssen deshalb gemeinsam wachsen.
Die wichtigsten Themen für deine Pferdeführerschein-Prüfung
Wenn du dich vorbereiten möchtest, solltest du insbesondere folgende Bereiche sicher beherrschen:
Pferdeverhalten: Fluchtverhalten, Herdentrieb, Körpersprache und natürliche Bedürfnisse.
Sicherer Umgang: Annähern, Aufhalftern, Anbinden, Führen, Putzen und grundlegende Bodenarbeit.
Pferdehaltung: Bewegung, Sozialkontakte, Ruhe, Stallklima, Weide und verschiedene Haltungsformen.
Fütterung: Raufutter, Wasser, Futterwechsel und grundlegende Prinzipien einer pferdegerechten Ernährung.
Gesundheit: Gesundheitskontrolle, Krankheitsanzeichen, Vorsorge und grundlegende Erste Hilfe.
Pferdekunde: Körperbau, Rassen, Fellfarben und Abzeichen.
Sicherheit: Unfallverhütung auf der Reitanlage und im öffentlichen Raum.
Transport: Vorbereitung, Verladen und grundlegende Sicherheitsaspekte beim Pferdetransport.
Recht und Verantwortung: Tierschutz, ethische Grundsätze und wichtige Regeln beim Umgang mit Pferden.
Damit hast du bereits eine ziemlich brauchbare Lernstruktur.
Häufige Fragen zum Pferdeführerschein
Ist der Pferdeführerschein Pflicht?
Nein. Für Pferdebesitzer und Freizeitreiter besteht keine allgemeine gesetzliche Pflicht. Innerhalb des FN-Ausbildungssystems wird der Pferdeführerschein Umgang jedoch für bestimmte weiterführende Abzeichen benötigt.
Muss ich für den Pferdeführerschein reiten können?
Für den Pferdeführerschein Umgang nicht. Hier steht der sichere Umgang mit dem Pferd am Boden im Mittelpunkt.
Wie viele Stationen hat die Prüfung?
Die Prüfung zum Pferdeführerschein Umgang besteht aus vier Stationen: Pferdepflege und erster Kontakt, Pferdeverhalten und Pferdekunde, praktischer Umgang beziehungsweise Bodenarbeit sowie Alltagssituationen im öffentlichen Raum.
Wie lange dauert der Lehrgang?
Die FN empfiehlt zur Vorbereitung 30 Lehreinheiten. Wie diese zeitlich verteilt werden, hängt vom jeweiligen Lehrgangsanbieter ab.
Wie viel kostet der Pferdeführerschein?
Es gibt keinen bundesweit einheitlichen Gesamtpreis. Lehrgangs- und Prüfungskosten hängen vom Anbieter, Landesverband, der Anlage, den eingesetzten Lehrpferden und weiteren organisatorischen Kosten ab.
Hat der Pferdeführerschein den Basispass ersetzt?
Ja. Der Pferdeführerschein Umgang ersetzt seit dem 1. Januar 2020 den früheren Basispass Pferdekunde.
Kann ich den Pferdeführerschein ohne eigenes Pferd machen?
Ja. Ein eigenes Pferd ist keine grundsätzliche Voraussetzung. Bei vielen Lehrgängen stehen geeignete Pferde für Ausbildung und Prüfung zur Verfügung.
Fazit: Der Pferdeführerschein ist mehr als ein Stück Papier
Man kann natürlich darüber diskutieren, ob jemand, der seit 30 Jahren Pferde hält, unbedingt noch einen Lehrgang braucht, um zu erfahren, an welchem Ende des Pferdes das Halfter befestigt wird.
Für Einsteiger sieht die Sache anders aus.
Der Pferdeführerschein Umgang bündelt erstaunlich viele Grundlagen, die im normalen Reitunterricht häufig zu kurz kommen. Denn dort dreht sich verständlicherweise vieles ums Reiten. Pferdehaltung, Fütterung, Gesundheitskontrolle, Bodenarbeit, Transport, Verhalten und Sicherheit werden dagegen häufig irgendwann nebenbei aufgeschnappt.
Und „irgendwann nebenbei aufgeschnappt“ ist bei einem Tier mit mehreren hundert Kilogramm Lebendgewicht nicht unbedingt das überzeugendste Ausbildungskonzept.
Deshalb ist der Pferdeführerschein vor allem eines: eine strukturierte Grundausbildung für Menschen, die nicht nur reiten, sondern Pferde wirklich verstehen und sicher mit ihnen umgehen möchten.
Und genau dieses Wissen braucht man weit häufiger als irgendein Abzeichen an der Jacke.

Hinterlasse einen Kommentar