Die schönsten Pferde der Welt

Die schönsten Pferde der Welt: fünf Rassen, die jeden Blick halten

Schönheit beim Pferd hat immer eine Geschichte

Ein Pferd wirkt selten deshalb schön, weil jemand am Reißbrett ein Ideal entworfen hat. Die Formen, die uns heute den Atem nehmen, stammen aus der Arbeit: aus der Wüste, aus der Kriegsführung, aus dem Ackerland, aus höfischen Reitbahnen. Das goldene Fell des Achal-Tekkiners entstand in einer Oase zwischen Gebirge und Sandwüste. Der geschwungene Hals des spanischen Pferdes stammt aus einer Zeit, in der ein Pferd sich unter dem Reiter blitzschnell auf der Hinterhand drehen musste. Der Fesselbehang des Friesen kommt vom nassen, schweren Boden Frieslands.

Diese fünf Rassen werden weltweit am häufigsten genannt, wenn es um die schönsten Pferde geht. Jede von ihnen hat eine Herkunft, eine Rettungsgeschichte und eine Seite, über die seltener gesprochen wird: den Preis, den einige dieser Tiere für unser Schönheitsempfinden zahlen.

Achal-Tekkiner: das Pferd mit dem goldenen Fell

Warum sein Fell schimmert

Der Achal-Tekkiner sieht aus, als wäre er in flüssiges Metall getaucht. Je nach Licht wirkt sein Fell golden, silbrig oder bronzefarben. Der Grund liegt in der Haarstruktur: Das Deckhaar ist außergewöhnlich fein, dünn und durchscheinend, das Licht wird im Haar gebrochen statt matt zurückgeworfen. Bei Isabellen und Falben fällt der Effekt am stärksten auf, deshalb kennen viele Menschen die Rasse als „goldene Pferde“. Rappen, Braune und Schimmel gehören ebenso zur Rasse und tragen den Schimmer oft ebenfalls.

Der Rest der Erscheinung passt dazu. Ein Achal-Tekkiner ist schmal, hochbeinig und langlinig gebaut, der Hals steht hoch und schlank, Mähne und Schweif bleiben dünn. Viele Beschreibungen nennen ihn den Windhund unter den Pferden. Das Stockmaß liegt meist zwischen 150 und 165 Zentimetern.

Herkunft und Geschichte

Der Name bedeutet so viel wie „Pferd des Teke-Stammes aus der Achal-Oase“. Diese Oase liegt in Turkmenistan zwischen dem Kopet-Dagh-Gebirge und der Wüste Karakum. Dort züchtete der Nomadenstamm der Teke seine Pferde schon vor rund 3.000 Jahren, was den Achal-Tekkiner zu einer der ältesten Pferderassen überhaupt macht.

Die Haltung der Nomaden erklärt einen Teil des Erscheinungsbildes. Die Pferde standen ganzjährig bei den Menschen an den Filzzelten, angebunden und unter mehreren dicken Filzdecken. So blieb das Fell dünn und fein, ein starkes Winterfell bildete sich erst gar nicht aus. Gefüttert wurde eiweißreich und knapp, mit Gerste, Hammelfett und Eiern. Herausgekommen ist ein Pferd, das lange Distanzen bei Hitze und Wassermangel bewältigt.

Berühmte Vertreter

Der bekannteste Achal-Tekkiner der Sportgeschichte ist der Rapphengst Absent. Unter Sergej Filatow gewann er 1960 in Rom olympisches Gold in der Dressur, 1964 folgten in Tokio Bronze im Einzel und mit der Mannschaft, 1968 unter Iwan Kalita Silber mit der Equipe. Internationale Reitsportjournalisten wählten ihn zum „Pferd der Welt“.

Der Hengst Yanardag, geboren 1991 im Jahr der turkmenischen Unabhängigkeit, ziert das Staatswappen Turkmenistans. Für die Sprungveranlagung der Rasse steht der Hengst Poligon mit einem Hochsprung von 2,25 Metern. In den Schönheitswettbewerben Zentralasiens wurde vor allem der Hengst Kambarbay bekannt, der mehrfach zum schönsten Pferd erklärt wurde.

Bestand und Erhalt

Weltweit leben nur noch etwa 6.600 Achal-Tekkiner, rund 260 davon in Deutschland. Turkmenistan betreibt die Zucht als Staatsangelegenheit, mit eigenem Feiertag, Rennbahnen und Schönheitsschauen. Für Erhaltungszuchten außerhalb Zentralasiens bleibt der schmale Genpool die größte Aufgabe.

Zwei Themen gehören dabei offen auf den Tisch. Das Naked Foal Syndrome, bei dem Fohlen ohne Haare und mit schweren Hautstörungen zur Welt kommen, wurde bei der Rasse bereits 1938 beschrieben. Inzwischen ist die Mutation entschlüsselt, ein Gentest verhindert die Verpaarung zweier Anlageträger. Verbreitet ist außerdem erblicher Kryptorchismus, also Hengste mit einem nicht abgestiegenen Hoden. Der einflussreiche Stammhengst 2a Boinou war nach russischen Rasseexperten selbst betroffen. Russland und Turkmenistan lassen die Zucht mit solchen Hengsten weiterhin zu, die meisten europäischen Verbände schließen sie aus.

Verwendung heute und Eignung als Freizeitpferd

In Turkmenistan läuft der Achal-Tekkiner vor allem auf der Rennbahn. International hat er sich im Distanzsport einen Namen gemacht, dazu kommen Springen, Dressur und Wanderritte. Er gilt als trittsicher, ausdauernd, langlebig und leistungsbereit bis ins hohe Alter.

Als Freizeitpferd passt er zu Menschen, die feine Führung mitbringen und viel Bewegung anbieten können. Ein Achal-Tekkiner bindet sich stark an eine Bezugsperson, denkt selbstständig mit und reagiert empfindlich auf Druck. Wer Ruhe, Geduld und klare, freundliche Kommunikation mitbringt, bekommt ein sehr verlässliches Partnerpferd. Einsteiger sind mit einer gelasseneren Rasse meist glücklicher.

Vollblutaraber: der Klassiker unter den schönen Pferden

Was das Bild vom edlen Pferd geprägt hat

Kaum eine Rasse hat unser Bild vom schönen Pferd so stark geformt wie der Araber. Der Kopf ist kurz und trocken, das Nasenbein leicht nach innen geschwungen, daher der Ausdruck Hechtkopf. Dazu kommen große dunkle Augen, weite Nüstern, ein feines Ohr, ein hoch angesetzter Hals und ein Schweif, den das Pferd im Trab wie eine Fahne trägt. Das Stockmaß liegt meist zwischen 145 und 158 Zentimetern.

Herkunft und Zuchtrichtungen

Gezüchtet haben ihn die Beduinen der arabischen Halbinsel, über Stutenfamilien und mündlich überlieferte Abstammungen. Wüstenklima, knappes Futter und lange Ritte formten ein Pferd mit hoher Ausdauer und dichtem, hartem Knochenbau.

Heute unterscheiden Züchter mehrere Richtungen, die deutlich verschieden aussehen:

  • Ägyptische Araber gelten als besonders typvoll und stammen auf das Staatsgestüt El Zahraa zurück.
  • Polnische Araber aus Gestüten wie Janów Podlaski, gegründet 1817, stehen für Leistung und Rittigkeit.
  • Russische Linien zeigen mehr Rahmen und Sportlichkeit.
  • Die Weil-Marbacher Zucht in Deutschland führt eine eigene, alte Tradition fort.
  • Der Shagya-Araber ist eine eigenständige Rasse mit Araberblut, größer und stärker im Fundament.

Berühmte Hengste und Gestüte

Die deutsche Araberzucht begann 1817 mit dem königlichen Privatgestüt Weil, gegründet von König Wilhelm I. von Württemberg. Seit 1932 führt das Haupt- und Landgestüt Marbach die älteste ununterbrochen bestehende Vollblutaraberzucht der Welt, getragen von der Stutenfamilie der Murana I und der Hengstlinie des Bairactar.

Mitte der 1950er Jahre kamen Pferde aus dem ägyptischen Staatsgestüt El Zahraa nach Marbach, darunter Hadban Enzahi, seine Halbschwester Nadja, Ghazal und Moheba. Hadban Enzahi, geboren 1952, gestorben 1975, prägte die deutsche und internationale Araberzucht wie kein zweiter Hengst und machte die „silberne Herde“ von Marbach berühmt. Auf dem Gestütsgelände steht heute eine Statue von ihm.

Sein Vater Nazeer taucht in fast jedem Pedigree rein ägyptischer Araber auf. Weitere Söhne wie Aswan und Morafic beeinflussten die Zucht in Russland und den USA. In Polen wurde Skowronek zum Stempelhengst, den Lady Wentworth für das englische Crabbet-Gestüt kaufte. Bei den Stuten gilt Moniet el Nefous bis heute als eine der schönsten Araberstuten Ägyptens.

Wo Schönheitszucht kippt

Der Araber ist auch das bekannteste Beispiel dafür, wie ein Rassemerkmal überzogen werden kann. 2017 stellte ein amerikanischer Züchter das Fohlen El Rey Magnum vor, dessen Kopfprofil so stark eingebuchtet war, dass Tierärzte öffentlich vor Atemproblemen warnten. Pferde atmen ausschließlich durch die Nüstern, jede Verengung im Nasenbereich wirkt sich auf die Leistungsfähigkeit aus. Interessant ist der Blick zurück: Die Araberkennerin Erika Schiele beschrieb, dass die Beduinen selbst stark eingedrückte Köpfe eher ablehnten. Der Ursprungsaraber trug ein deutlich geraderes Profil als manches heutige Showpferd.

Seriöse Zuchtstellen achten deshalb darauf, dass Adel und Funktion zusammenpassen: weite Nüstern, freie Atemwege, ein Körperbau, der ein langes Reitpferdeleben trägt.

Verwendung heute und Eignung als Freizeitpferd

Im Distanzsport dominiert der Araber weltweit, kaum eine andere Rasse hält vergleichbare Strecken durch. Dazu kommen Freizeitreiten, Wanderritte, Westernklassen, Fahren und die Schauklassen der Araberszene.

Als Freizeitpferd ist er deutlich besser als sein Ruf. Er ist menschenbezogen, lernt schnell, merkt sich Erlerntes lange und bleibt oft bis über zwanzig Jahre im Training. Er verlangt allerdings Fairness. Auf Härte reagiert er mit Anspannung, auf ruhige, klare Arbeit mit großer Bereitschaft. Für Menschen, die Zeit im Gelände verbringen wollen, ist er ein Glücksgriff.

Pura Raza Española: der Spanier mit dem barocken Auftritt

Erscheinung

Der PRE, umgangssprachlich Andalusier, wirkt wie ein Pferd aus einem barocken Gemälde. Er steht im Rechteck bis Quadrat, trägt einen kräftigen, geschwungenen Hals, einen leicht geramsten oder geraden Kopf, üppiges, oft gewelltes Langhaar und einen tief angesetzten Schweif. Seine Bewegungen sind rund, aufwärts gerichtet und wirken federnd.

Am häufigsten sieht man Schimmel, weshalb die Rasse in Andalusien den Beinamen „weiße Perlen“ trägt. Ebenso zugelassen sind Braune, Dunkelbraune, Rappen, Falben und selten Füchse. Schecken bleiben außerhalb des Zuchtbuchs.

Geschichte und die Legende der Kartäuser

Die Wurzeln des spanischen Pferdes reichen weit zurück, Darstellungen aus der Antike zeigen bereits eine ähnliche Körperform. Als Beginn der organisierten Zucht gilt das ausgehende 15. Jahrhundert. Damals begannen Kartäusermönche in Andalusien, eine besonders sorgfältig ausgewählte Linie zu züchten, den Cartujano. Der Legende nach hielten die Mönche ihre Zucht selbst dann rein, als unter napoleonischer Herrschaft die Einkreuzung größerer, schwerer Pferde angeordnet wurde. Diese Linie gilt bis heute als die wertvollste innerhalb der Rasse, und in fast jedem spanischen Pedigree finden sich Cartujano-Ahnen.

Im 19. Jahrhundert verstaatlichte Spanien den kirchlichen Besitz, die Mönche mussten ihre Pferde abgeben. Die Linien gingen an private Häuser und staatliche Gestüte über. Das Stutbuch führte von 1912 bis 2006 die Militärverwaltung, seit 2006 liegt es bei der Züchtervereinigung ANCCE, die 1972 gegründet wurde. In die Zucht darf ein Pferd erst nach bestandener Körung mit dem Apto-Vermerk, das gilt für Hengste und Stuten gleichermaßen.

Bekannte Zuchthäuser sind neben den Cartujano-Linien unter anderem Boloix, Bohórquez, Cárdenas, Escalera und die Yeguada Militar.

Einfluss auf andere Rassen

Der Spanier war jahrhundertelang das Pferd der Höfe Europas und wurde zum Veredler zahlreicher Rassen. Lipizzaner, Friesen, Knabstrupper, Alter Real, Frederiksborger und mehrere deutsche Warmblutrassen tragen sein Blut. Wer heute ein Barockpferd bewundert, sieht fast immer einen Nachfahren dieser Zuchtarbeit.

Verwendung heute und Eignung als Freizeitpferd

In Spanien gehört der PRE zur Doma Vaquera, zur Rinderarbeit, zu den Ferias und zur klassischen Reitkunst der Real Escuela Andaluza in Jerez. International steht er inzwischen erfolgreich in Dressurvierecken, in Showprogrammen und in der Zirzensik.

Für Freizeitreiter gehört er zu den angenehmsten Rassen überhaupt. Er sucht die Nähe zum Menschen, arbeitet gerne mit, konzentriert sich lange und bleibt dabei ruhig im Kopf. Zwei Punkte verdienen Aufmerksamkeit: Seine Bereitschaft zur Versammlung verleitet dazu, junge Pferde zu früh eng zu arbeiten, was den Rücken belastet. Und wer den barocken Typ mag, achtet beim Kauf auf klare Beine sowie auf eine Rückenlinie, die tragfähig bleibt statt nur eindrucksvoll auszusehen.

Friese: die schwarze Perle mit einer knappen Rettung

Erscheinung

Ein Friese fällt sofort auf: tiefschwarzes Fell, dichte, gewellte Mähne bis weit über die Schulter, langer Schweif, seidiger Behang an den Fesseln und eine hohe, raumgreifende Knieaktion. Das Stockmaß liegt je nach Alter und Geschlecht zwischen 155 und 170 Zentimetern. Die Rasse trägt zu Recht den Beinamen schwarze Perle.

Die Farbe ist Zuchtziel und Zuchtgeschichte zugleich. Vor 500 Jahren gab es Friesen in allen möglichen Farben, auch Schimmel. Seit 1879 arbeitet das Stammbuch auf reine Rappen hin, zum Gründungszeitpunkt waren noch rund zehn Prozent andersfarbig. Die letzte braune Stute wurde 1928 eingetragen. Heute werden Hengste auf den Fuchsfaktor getestet, damit ein fuchsfarbenes Fohlen aus zwei Anlageträgern ausgeschlossen bleibt.

Die Rettung der Rasse

Im 19. Jahrhundert geriet der Friese aus der Mode. Beliebter war der Bovenlander, eine Kreuzung aus Friese und Oldenburger. 1854 kam man in den Niederlanden zu dem Schluss, die Rasse sei verloren. 1879 genehmigte der Landwirtschaftsminister dann doch die Statuten des Friesch Paardenstammboek.

1908 standen nur noch zehn Hengste im Deckeinsatz. 1913 lebten exakt drei: Prins 109, Alva 113 und Friso 117. Im selben Jahr gründeten Züchter den Verein Het Friesche Paard, kauften gezielt Hengstfohlen auf und gaben sie in erfahrene Hände. 1916 wurden zwei davon eingetragen, Paulus 121 und Rudolf 122. Der zweite Einbruch folgte zwischen 1962 und 1967, als der Bestand von rund 4.000 Pferden auf 974 fiel. Aus dieser schmalen Basis stammen die heutigen Hengstlinien Age 168, Ritske 202 und Tetmann 205, letztere inzwischen geteilt in Jarich 226 und Mark 232.

Der Preis der schmalen Basis

Weil alle Friesen miteinander verwandt sind, steht der Inzuchtfaktor bei dieser Rasse ausdrücklich im Pedigree. Das KFPS und die deutschen Verbände empfehlen Anpaarungen unter fünf Prozent und schauen dafür mindestens fünf Generationen zurück.

Die Liste rassetypischer Erkrankungen ist lang: Zwergwuchs durch eine Mutation im B4GALT7-Gen, Hydrocephalus, Megaösophagus mit Neigung zu Schlundverstopfung, Aortenruptur im jungen Alter sowie Magenprobleme. Forschung deutet auf eine übergreifende Schwäche im Kollagenstoffwechsel hin, die viele dieser Erscheinungen erklärt. Für Zwergwuchs und Hydrocephalus stehen Gentests zur Verfügung, beide Erbgänge sind autosomal-rezessiv. Dazu kommt der Pflegeaufwand: Der dichte Behang begünstigt Mauke und Hautprobleme, besonders bei nassem Boden.

Wer einen Friesen kauft, achtet auf vollständige KFPS-Papiere, DNA-Nachweis, Gentestergebnisse der Eltern und einen sichtbar niedrigen Inzuchtfaktor.

Verwendung heute und Eignung als Freizeitpferd

Der Friese ist ein hervorragendes Fahrpferd, das die Rasse ursprünglich auch prägte, dazu ein beliebtes Show- und Filmpferd. In der Dressur läuft er bis zur mittleren Klasse ordentlich, in der klassischen Arbeit an der Hand glänzt er.

Für Freizeitreiter spricht sein Charakter: freundlich, umgänglich, sehr menschenbezogen und arbeitswillig. Zu bedenken ist die Kondition. Ein Friese schwitzt bei Hitze schnell, sein Trab kostet Kraft, und der Aufbau der Tragkraft dauert länger als bei leichteren Rassen. Wer ihm langsame, systematische Gymnastizierung und viel Zeit an der frischen Luft gibt, bekommt ein umgängliches Familienpferd.

Marwari: das heilige Pferd Indiens mit den gedrehten Ohren

Die Ohren als Erkennungszeichen

Beim Marwari genügt ein Blick auf den Kopf. Seine Ohren sind so weit nach innen gebogen, dass sich die Spitzen berühren können. Dieses Merkmal ist bei keiner anderen Rasse so ausgeprägt. Dazu kommt ein schlanker, hochbeiniger Körper, ein trockener Kopf und ein Fell, das in der Sonne seidig glänzt.

Farblich ist die Rasse vielfältig. Schecken gelten in Indien als Glücksbringer, graue Pferde erzielen die höchsten Preise. Ganz weiße Tiere gelten dagegen als weniger typvoll und werden traditionell für religiöse Zwecke genutzt.

Viele Marwaris sind Gangpferde. Neben den drei Grundgangarten zeigen sie den Revaal, einen lateral verschobenen Tölt, der auf langen Wüstenritten sehr bequem sitzt.

Geschichte und Mythos

Die Heimat der Rasse ist die trockene Region Marwar im heutigen Rajasthan. Ab dem 12. Jahrhundert züchtete der Rathore-Clan die Pferde gezielt als Kavalleriepferde. Sie galten als tapfer, zäh und außergewöhnlich orientierungsstark. Überliefert ist, dass sie verwundete Reiter eigenständig vom Schlachtfeld zurückbrachten. Geritten werden durften sie ausschließlich von der Kriegerkaste.

Der Legende nach schuf Brahma aus dem Opferfeuer ein geflügeltes Pferd. Als die Pferde den Bund mit den Menschen eingingen, verloren sie ihre Flügel, deren Ansätze bis heute als Kastanien an den Beinen sichtbar sind. Eine zweite Erzählung lässt Hengst und Stute aus den Tränen eines weinenden Gottes entstehen.

Beinahe verschwunden

Mit der britischen Herrschaft kippte das Ansehen der Rasse. Die Kolonialmacht bevorzugte Vollblüter und Polo-Ponys, die gebogenen Ohren galten als Zeichen eines einheimischen Pferdes und wurden verspottet. In den 1930er Jahren litt die Zucht bereits unter schlechter Selektion, gleichzeitig erließ Indien ein Exportverbot, um den Bestand im Land zu halten.

Nach der Unabhängigkeit endete das Jagir-System, der Adel verlor Land und Einkommen und damit die Möglichkeit, große Pferdebestände zu halten. Tausende Hengste wurden kastriert, viele Tiere als Packpferde verkauft oder getötet. In den 1950er Jahren existierte die Rasse praktisch nur noch in Resten.

Wer sie gerettet hat

Erhalten blieben einige Blutlinien durch Maharadscha Umaid Singhji und später seinen Enkel Maharadscha Gaj Singh II. von Jodhpur. 1995 gründete die britische Reiterin Francesca Kelly die Marwari Bloodlines Group, gemeinsam mit Raghuvendra Singh Dundlod und weiteren Liebhabern entstand die Indigenous Horse Society of India und der erste Rassestandard.

Im Jahr 2000 gelangte der erste Marwari in die USA, 21 weitere folgten. 2006 stellte Indien die Erteilung von Exportlizenzen wieder ein. Für Europa kommt hinzu, dass Indien als Gebiet mit Afrikanischer Pferdepest gilt, was die Einfuhr zusätzlich erschwert. Außerhalb Indiens bleibt die Rasse dadurch eine Rarität, in Deutschland gibt es nur eine Handvoll Tiere und wenige Züchter.

Verwendung heute und Eignung als Freizeitpferd

In Indien erlebt der Marwari eine Renaissance. Er trägt Bräutigame bei Hochzeiten, tritt bei Zeremonien und Festen auf, arbeitet im Tourismus und läuft im Distanz- und Trailsport sowie beim Tent Pegging, einem traditionellen Geschicklichkeitsreiten mit der Lanze.

Als Freizeitpferd wäre er hierzulande ein Traum für Geländereiter: ausdauernd, trittsicher, bequem in den Gängen und stark auf seinen Menschen bezogen. Praktisch scheitert es an der Verfügbarkeit. Wer diese Pferde erleben möchte, findet sie am ehesten auf Reiterreisen in Rajasthan.

Die knapp Gescheiterten: fünf weitere Schönheiten

Bei einer Auswahl von fünf Rassen bleiben einige berühmte Pferde außen vor, die in vielen Ranglisten auftauchen:

  • Lipizzaner: Die Pferde der Spanischen Hofreitschule kommen dunkel zur Welt und werden erst mit bis zu zehn Jahren zu Schimmeln.
  • Knabstrupper: Seine Tupfen entstehen durch denselben genetischen Hintergrund wie beim Appaloosa, den Leopard-Komplex.
  • Haflinger: Fuchsfarben mit weißem Langhaar, ein umgängliches Allroundpferd aus Südtirol.
  • Tinker: Bunt, mit gewaltigem Behang, ursprünglich das Wagenpferd fahrender Familien in Irland und Großbritannien.
  • Friesen-Kreuzungen wie der Barockpinto: schwarz-weiß gescheckt, mit dem Ausdruck des Friesen und breiterem Genpool.

Wenn Schönheit auf Kosten des Pferdes geht

Vier der fünf vorgestellten Rassen zeigen dasselbe Grundproblem in unterschiedlicher Ausprägung. Ein Merkmal gefällt, es wird verstärkt, irgendwann trägt das Pferd die Folgen. Beim Araber ist es das eingebuchtete Nasenprofil, beim Friesen die enge genetische Basis samt Erbkrankheiten, beim Achal-Tekkiner die fortgesetzte Zucht mit Kryptorchiden in Teilen der Ursprungsländer, beim PRE der Wunsch nach möglichst viel Ausdruck und Langhaar.

Ein einfacher Blick hilft beim Pferdekauf weiter als jede Rassenromantik:

  • Atmung: Die Nüstern bleiben weit, das Nasenbein zeigt eine sanfte Linie, das Pferd atmet in Ruhe geräuschlos.
  • Fundament: Klare Gelenke, korrekte Stellung, harte Hufe, ein Rücken, der Gewicht tragen kann.
  • Papiere: Gentestergebnisse der Eltern, bei Friesen zusätzlich der Inzuchtfaktor, bei Achal-Tekkinern der NFS-Status.
  • Bewegung: Raumgriff aus der Schulter statt hektischer Kniehub, gleichmäßiger Takt auf hartem und weichem Boden.
  • Alltag: Ein schönes Pferd, das im Gelände gelassen bleibt, macht auf Dauer mehr Freude als ein spektakuläres Foto.

Schön ist ein Pferd dann, wenn seine Form seiner Gesundheit dient. Diese Reihenfolge lohnt sich für jede Rasse.

Welche dieser Rassen passt zu wem

  • Achal-Tekkiner: für erfahrene Freizeitreiter mit viel Zeit, Interesse an Distanzritten und einer feinen Hand.
  • Vollblutaraber: für Geländereiter, Wanderreiter und alle, die ein langlebiges, ausdauerndes Pferd suchen.
  • Pura Raza Española: für Menschen mit Freude an Dressur, Handarbeit und ruhiger Zusammenarbeit im Alltag.
  • Friese: für Fahrer, Showbegeisterte und Freizeitreiter, die Pflege und langsamen Muskelaufbau einplanen.
  • Marwari: für Reisende, die diese Pferde in Rajasthan erleben möchten.

Häufige Fragen

Welches ist das schönste Pferd der Welt?

Eine offizielle Rangliste existiert nicht, Schönheit bleibt Geschmackssache. In internationalen Umfragen und Redaktionslisten tauchen Achal-Tekkiner, Vollblutaraber, Friese, Pura Raza Española und Marwari am häufigsten auf. Einzelne Pferde wurden dennoch berühmt, etwa der Achal-Tekkiner-Hengst Kambarbay oder der Friesenhengst Frederik the Great, der über soziale Medien weltweit bekannt wurde.

Welches Pferd hat ein goldenes Fell?

Der Achal-Tekkiner. Sein sehr feines, dünnes Deckhaar bricht das Licht, dadurch wirkt das Fell metallisch golden, silbern oder bronzefarben. Besonders auffällig ist der Effekt bei Isabellen und Falben.

Gibt es Friesen in anderen Farben als Schwarz?

Historisch ja, seit über hundert Jahren wird auf Rappen gezüchtet. Die letzte braune Stute wurde 1928 ins Stammbuch eingetragen. Fuchsfarbene Fohlen können auftreten, wenn beide Elterntiere die Anlage tragen, deshalb werden Hengste darauf getestet.

Warum hat der Marwari gebogene Ohren?

Die nach innen gedrehten Ohrmuscheln sind ein vererbtes Rassemerkmal aus jahrhundertelanger Selektion in der Region Marwar. Sie gelten dort als Beweis reiner Abstammung. Auf das Gehör wirken sie sich vorteilhaft aus, dem Marwari wird ein ausgezeichnetes Ohr nachgesagt.

Welche dieser Rassen eignet sich für Anfänger?

Am ehesten der Pura Raza Española und der Friese, beide sind umgänglich und arbeitswillig. Araber und Achal-Tekkiner passen besser zu Reitern mit Erfahrung, weil sie sehr fein reagieren. Wichtiger als die Rasse bleibt das einzelne Pferd samt Ausbildungsstand.

Warum sind Achal-Tekkiner so selten?

Der weltweite Bestand liegt bei etwa 6.600 Tieren. Politische Isolation Turkmenistans, ein kleiner Genpool und der begrenzte Export halten die Zahlen niedrig. In Deutschland leben rund 260 Pferde dieser Rasse.

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