Tinker und Mauke

Tinker und Mauke – warum gerade diese Pferde so oft betroffen sind

Wer einmal einen Tinker besessen hat, kennt das Problem oft aus eigener Erfahrung. Kaum wird der Herbst etwas nasser oder der Winter länger, beginnt das Drama an den Fesseln. Erst bilden sich kleine Krusten, dann wird die Haut rot und empfindlich, später können nässende Stellen entstehen und im schlimmsten Fall lahmt das Pferd sogar. Mauke gehört leider zu den häufigsten Gesundheitsproblemen dieser Rasse – und das hat mehrere Gründe.

Viele Menschen glauben, Tinker hätten einfach “empfindliche Beine”. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Tatsächlich kommen bei ihnen mehrere Faktoren zusammen, die das Risiko deutlich erhöhen.

Warum Tinker besonders häufig Mauke bekommen

Der wichtigste Grund ist der üppige Fesselbehang. Genau das macht den typischen Tinker-Look aus. Die langen Haare sehen beeindruckend aus und schützen ursprünglich sogar vor Kälte und kleineren Verletzungen. Gleichzeitig sorgen sie aber dafür, dass Feuchtigkeit viel länger auf der Haut bleibt.

Nach einem Regentag oder einem matschigen Paddock trocknet die Haut unter dem Behang oft stundenlang überhaupt nicht ab. Es entsteht ein dauerhaft feuchtwarmes Klima – ideale Bedingungen für Bakterien und Pilze.

Hinzu kommt, dass kleine Verletzungen häufig unbemerkt bleiben. Schon winzige Risse in der Haut reichen aus, damit Keime eindringen können.

Mauke ist keine einzelne Krankheit

Genau genommen ist Mauke keine klar definierte Erkrankung, sondern eher ein Sammelbegriff.

Je nach Pferd können unterschiedliche Ursachen dahinterstecken. Häufig sind Bakterien beteiligt, manchmal spielen Pilze eine Rolle, bei manchen Pferden beginnen die Probleme durch Milben, bei anderen durch eine Allergie oder eine dauerhaft gereizte Haut.

Deshalb gibt es auch kein Wundermittel, das bei jedem Pferd funktioniert.

Ein Mittel kann beim Stallnachbarn innerhalb weniger Tage helfen, während es beim eigenen Tinker überhaupt keinen Effekt zeigt.

Der Fesselbehang ist Fluch und Segen zugleich

Viele Besitzer stehen irgendwann vor der Frage, ob der Behang abgeschnitten werden sollte.

Pauschal lässt sich das nicht beantworten.

Bei einem gesunden Pferd erfüllt der Behang durchaus eine Schutzfunktion. Ist jedoch bereits eine starke Mauke vorhanden, kann ein vorsichtiges Kürzen sinnvoll sein, damit Luft an die Haut gelangt und Medikamente überhaupt dort ankommen, wo sie wirken sollen.

Komplett abrasieren sollte man den Behang allerdings nicht ohne guten Grund. Die Haut ist darunter oft sehr empfindlich und plötzlich ungeschützt gegenüber Sonne, Schmutz und Insekten.

Nasse Wiesen sind oft weniger problematisch als Matsch

Viele Besitzer wundern sich darüber, dass ihr Pferd auf einer regennassen Weide völlig gesunde Beine hat, während nach wenigen Tagen auf einem matschigen Paddock die ersten Krusten entstehen.

Der Unterschied liegt im Boden.

Sauberes Wasser allein verursacht meist keine Mauke. Problematisch wird es, wenn sich Feuchtigkeit mit Schlamm, Kot, Urin und Bakterien verbindet. Diese Mischung weicht die Haut dauerhaft auf und erleichtert Krankheitserregern das Eindringen.

Deshalb spielt das Weidemanagement eine viel größere Rolle als viele vermuten.

Zu viel Pflege kann alles verschlimmern

Aus Sorge beginnen manche Besitzer, die Fesseln täglich mit Seife oder Desinfektionsmitteln zu waschen.

Genau das kann jedoch zum Problem werden.

Die natürliche Hautbarriere wird dadurch geschädigt. Die Haut trocknet aus, bekommt feine Risse und wird noch anfälliger für Keime.

Oft ist es sinnvoller, Schmutz vorsichtig zu entfernen und die Haut möglichst wenig zusätzlich zu reizen.

Milben werden häufig übersehen

Gerade Tinker neigen auch zu einem Befall mit Räudemilben.

Diese verursachen starken Juckreiz. Die Pferde stampfen, scheuern sich oder beißen an den Fesseln. Durch das Kratzen entstehen kleine Verletzungen, aus denen sich anschließend eine Mauke entwickeln kann.

Wenn die Entzündung trotz guter Pflege immer wiederkehrt, sollte deshalb auch an einen Milbenbefall gedacht werden.

Nicht jede Kruste sollte sofort entfernt werden

Viele Besitzer möchten sämtliche Krusten möglichst schnell ablösen.

Dabei können genau diese Krusten die darunterliegende Haut zunächst schützen.

Wer sie gewaltsam entfernt, reißt häufig frisches Gewebe mit ab. Dadurch entstehen neue Eintrittspforten für Keime und die Heilung verzögert sich.

Ob Krusten entfernt werden sollten oder besser in Ruhe gelassen werden, hängt vom jeweiligen Stadium der Mauke und der gewählten Behandlung ab.

Vorbeugen ist deutlich einfacher als behandeln

Hat sich eine chronische Mauke erst einmal entwickelt, kann sie sehr hartnäckig werden.

Deshalb lohnt es sich, bereits früh auf gute Haltungsbedingungen zu achten. Befestigte Ausläufe, trockene Liegeflächen, regelmäßige Kontrolle der Fesseln und eine ausgewogene Fütterung tragen wesentlich dazu bei, dass die Haut gesund bleibt.

Gerade beim Tinker gehört der Blick auf die Fesselbeuge deshalb zur täglichen Routine – ähnlich selbstverständlich wie das Auskratzen der Hufe.

Fazit

Mauke ist beim Tinker kein Zeichen schlechter Haltung und auch kein unvermeidliches Schicksal. Vielmehr treffen bei dieser Rasse mehrere Risikofaktoren aufeinander: dichter Fesselbehang, häufig feuchte Haltungsbedingungen und eine Haut, die unter ungünstigen Umständen empfindlich reagieren kann.

Wer die ersten Anzeichen früh erkennt und nicht nur die Entzündung, sondern auch die eigentliche Ursache behandelt, hat gute Chancen, dass aus einer kleinen Hautreizung keine langwierige Baustelle wird. Gerade beim Tinker zahlt sich eine regelmäßige Kontrolle der Fesselbeugen aus – denn je früher eingegriffen wird, desto unkomplizierter verläuft die Behandlung meist.

Eine Antwort zu „Tinker und Mauke“

  1. […] Tinker ist ein wunderbares Familienpferd, braucht aber viel Pflege, damit er keine Mauke […]

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