Welche Pferderassen eignen sich am besten als Schulpferde? Meine Erfahrungen aus vielen Jahren Reitunterricht
Wer einmal längere Zeit in einer Reitschule verbracht hat, merkt schnell, dass nicht jede Pferderasse automatisch ein gutes Schulpferd ist. Natürlich entscheidet immer das einzelne Pferd über seinen Charakter. Trotzdem gibt es Rassen, die sich über viele Jahrzehnte in Reitschulen bewährt haben. Sie gelten als nervenstark, unkompliziert und verzeihen auch einmal einen Reiterfehler. Genau solche Pferde braucht eine gute Reitschule.
Ich hatte das Glück, über viele Jahre mit ganz unterschiedlichen Pferden zu arbeiten. Manche wurden von den Kindern geliebt, andere waren kleine Persönlichkeiten mit ganz eigenen Vorstellungen vom Unterricht. Gerade diese Eigenarten machen Schulpferde oft unvergesslich. Sie waren niemals Maschinen, sondern echte Charaktere.
Wenn mich heute jemand fragt, welche Pferderassen ich für eine Reitschule empfehlen würde, fallen mir vier Rassen sofort ein: Haflinger, Fjordpferde – die viele noch als Norweger kennen –, Tinker und Welsh Ponys. Mit allen habe ich über Jahre Erfahrungen gesammelt. Jede dieser Rassen hat ihre Stärken, aber eben auch ihre kleinen Macken. Und genau das macht sie sympathisch.
Haflinger – die Allrounder unter den Schulpferden
Haflinger gehören für mich bis heute zu den besten Schulpferden überhaupt. Sie haben eine angenehme Größe, sind kräftig gebaut und tragen sowohl Kinder als auch viele Erwachsene problemlos. Gleichzeitig bringen sie meist ein ruhiges Gemüt mit und lassen sich von der Hektik einer Reitstunde nicht so schnell aus der Ruhe bringen.
Natürlich gibt es auch bei Haflingern temperamentvolle Vertreter. Das Bild vom gemütlichen Blondschopf stimmt also nicht immer. Insgesamt habe ich Haflinger aber als ausgesprochen zuverlässige Partner erlebt. Sie waren geduldig mit Anfängern, konnten aber auch fortgeschrittenen Reitern noch viel beibringen.
Gerade im Schulbetrieb ist das ein großer Vorteil. Ein Pferd muss morgens eine Anfängerstunde laufen, mittags vielleicht Voltigieren und am Abend einen fortgeschrittenen Dressurreiter tragen. Nicht viele Rassen bringen diese Vielseitigkeit so selbstverständlich mit.
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Der Haflinger, ein tolles Freizeitpferd
Fjordpferde – klug, zuverlässig und manchmal erstaunlich eigenständig
Unserer Ffjordwallachb Peuka war ein Pferd, das jeder kannte. Eigentlich war er unglaublich brav. Kinder konnten auf ihn das Reiten lernen, er erschrak nie und war ausgesprochen ehrlich.
Allerdings hatte Peuka eine Angewohnheit, die regelmäßig für Gelächter sorgte.
Mitten in der Reitstunde beschloss er gelegentlich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt zum Pinkeln gekommen war. Und zwar nicht irgendwo am Rand, sondern möglichst genau in der Zirkelmitte. Die anderen Reiter mussten dann erst einmal großzügig ausweichen. Irgendwann gehörte das einfach zu jeder Reitstunde dazu. Kaum blieb Peuka kurz stehen, wussten alle schon Bescheid.
Noch typischer für Fjordpferde war allerdings ihre eigene Vorstellung davon, wie eine Reitstunde ablaufen sollte.
Wenn die erfahrenen Reiter auf der ganzen Bahn ritten und ein Anfänger gleichzeitig auf dem Zirkel bleiben sollte, konnte Peuka durchaus anderer Meinung sein. Er schaute kurz zu den anderen Pferden und dachte sich offenbar: “Die gehen alle außen herum. Warum sollte ich jetzt alleine hier Kreise laufen?”
Dann marschierte er einfach Richtung Hufschlag.
Das hatte nichts mit Bosheit zu tun. Fjordpferde denken mit. Sie beobachten ihre Umgebung sehr genau und treffen manchmal eigene Entscheidungen. Genau deshalb müssen Anfänger lernen, klare Hilfen zu geben. Gleichzeitig verzeihen Fjordpferde viele Fehler und geraten dabei kaum in Stress.
Ich habe sie immer als ausgesprochen belastbare Schulpferde erlebt. Sie besitzen starke Nerven, sind trittsicher und lassen sich auch von lautem Kinderlachen oder unruhigen Reitstunden selten beeindrucken.
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Das norwegische Fjordpferd, ein Partner fürs Leben
Tinker – Ruhe auf vier Beinen
Wenn ich an Jeremy denke, muss ich heute noch schmunzeln.
Jeremy war ein typischer Tinker. Gutmütig, freundlich und kaum aus der Ruhe zu bringen. Gleichzeitig war er aber kein Pferd, das sich zu irgendetwas hetzen ließ.
Besonders deutlich wurde das beim Angaloppieren.
Während andere Pferde auf eine saubere Galopphilfe recht zügig ansprangen, hatte Jeremy seinen ganz eigenen Ablauf entwickelt. Zuerst wurde der Trab schneller. Dann noch ein bisschen schneller. Und noch ein kleines Stück schneller.
Erst nach ungefähr einer halben Bahnlänge hatte er offensichtlich beschlossen, dass jetzt genug Schwung vorhanden war. Dann sprang er ganz gemütlich in den Galopp.
Als Reitlehrer wusste man das natürlich irgendwann. Die Reitschüler dagegen wunderten sich anfangs regelmäßig, warum bei ihrem Pferd scheinbar nichts passierte. Tatsächlich arbeitete Jeremy längst daran – nur eben in seinem eigenen Tempo.
Gerade diese Gelassenheit machte ihn aber zu einem hervorragenden Schulpferd.
Selbst wenn Anfänger einmal unruhig wurden oder versehentlich falsche Hilfen gaben, blieb Jeremy freundlich. Er reagierte niemals hektisch oder panisch. Für ängstliche Reitschüler war das Gold wert.
Tinker bringen häufig genau diese innere Ruhe mit, die im Schulbetrieb so wichtig ist. Sie sind kräftig gebaut, nervenstark und lassen sich von der täglichen Routine kaum beeindrucken.
Natürlich sind sie nicht die sportlichsten Pferde der Welt. Wer höchste Dressurlektionen oder anspruchsvolle Springparcours reiten möchte, wird eher zu anderen Rassen greifen. Für den Reitunterricht und entspannte Ausritte habe ich Tinker dagegen immer sehr geschätzt.
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Der Tinker – ein echter Kumpel

Welsh Ponys – kleine Pferde mit großem Herz
Die Welsh-Ponys gehörten in meiner Reitschule immer zu den beliebtesten Pferden. Gerade Kinder fühlten sich auf ihnen sofort wohl. Sie waren nicht zu groß, wirkten freundlich und hatten oft genau die richtige Mischung aus Temperament und Gelassenheit.
Unsere Welsh-Stute Silber war allerdings so ein Pferd, das einem vom ersten Tag an klarmachte, dass man sie mit Respekt behandeln sollte.
Beim Gurten musste man aufmerksam sein. Wenn man den Gurt zu hastig anzog oder einfach ohne Vorwarnung loslegte, drehte sie den Kopf herum und schnappte in die Luft. Gebissen hat sie dabei niemals. Eigentlich war es eher eine sehr deutliche Ansage nach dem Motto: „Mach langsam, ich bin auch noch da.“
Wer sich einen Moment Zeit nahm, den Gurt Stück für Stück anzog und ihr kurz Gelegenheit gab auszuatmen, hatte überhaupt kein Problem mit ihr. Interessanterweise lernten gerade Kinder dadurch oft besonders schnell, dass Pferde keine Sportgeräte sind, sondern Lebewesen mit eigenen Empfindungen.
Im Unterricht war Silber dagegen zuverlässig. Sie lief fleißig, reagierte schön auf feine Hilfen und konnte auch kleineren Kindern viel Gefühl für das Reiten vermitteln. Gerade weil sie nicht völlig abgestumpft war, lernten die Reitschüler bei ihr sehr sauber zu reiten.
Das ist ohnehin etwas, das ich im Laufe der Jahre gelernt habe: Ein gutes Schulpferd muss nicht völlig emotionslos funktionieren. Im Gegenteil. Pferde mit einem ehrlichen Charakter bringen den Reitschülern häufig mehr bei als diejenigen, die alles einfach über sich ergehen lassen.
Was Anfänger wirklich brauchen
Viele Eltern fragen sich vor der ersten Reitstunde, welche Pferderassen für Anfänger geeignet sind. Ehrlich gesagt ist die Antwort gar nicht so einfach.
Ein Anfänger braucht kein faules Pferd. Er braucht auch kein besonders langsames Pferd.
Er braucht ein Pferd, das berechenbar ist.
Ein gutes Anfängerpferd erschrickt nicht wegen jeder Kleinigkeit. Es rennt nicht kopflos los, wenn der Reiter einmal das Gleichgewicht verliert. Es bleibt ruhig, wenn Kinder lachen, irgendwo ein Helm herunterfällt oder mehrere Pferde gleichzeitig angallopieren.
Genau deshalb sieht man in Reitschulen immer wieder dieselben Rassen. Haflinger, Fjordpferde, Welsh Ponys oder Tinker bringen häufig genau diese Eigenschaften mit.
Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Ich habe fantastische Warmblüter erlebt und schwierige Haflinger. Trotzdem fällt auf, dass sich bestimmte Rassen im Schulbetrieb über Jahrzehnte bewährt haben.
Belastbare Pferde für den täglichen Unterricht
Ein Schulpferd hat keinen einfachen Beruf.
Es trägt morgens vielleicht ein vorsichtiges Kind im Schritt durch die Halle. Danach folgt eine Dressurstunde mit fortgeschrittenen Jugendlichen, am Nachmittag ein Ausritt und am Abend noch eine Longenstunde.
Dabei sitzt fast nie zweimal derselbe Reiter im Sattel.
Jeder reitet etwas anders. Jeder gibt die Hilfen unterschiedlich. Manche sitzen ruhig, andere verlieren ständig das Gleichgewicht. Für das Pferd bedeutet das eine enorme geistige Leistung.
Deshalb reicht Talent allein nicht aus.
Ein gutes Schulpferd braucht starke Nerven, Geduld und die Bereitschaft, immer wieder neu mit unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten.
Gerade Haflinger und Fjordpferde habe ich in dieser Hinsicht als erstaunlich belastbar erlebt. Sie schienen vieles einfach gelassen hinzunehmen. Auch Jeremy, unser Tinker, brachte kaum etwas aus der Ruhe. Und Silber war trotz ihrer kleinen Eigenheiten im täglichen Unterricht zuverlässig und fleißig.
Warum Charakter wichtiger ist als die Abstammung
Heute wird häufig darüber diskutiert, welche Pferderasse die beste für Anfänger ist.
Ich würde die Frage inzwischen etwas anders stellen.
Welche Pferde wurden gut ausgebildet?
Denn genau darin liegt der eigentliche Unterschied.
Ein schlecht ausgebildetes Pferd wird auch dann kein gutes Schulpferd, wenn seine Rasse grundsätzlich dafür bekannt ist.
Umgekehrt kann ein Pferd mit einem etwas sensibleren Charakter durch eine ruhige Ausbildung und viel Erfahrung zu einem hervorragenden Lehrmeister werden.
Die Rasse ist also immer nur ein Teil der Geschichte.
Mindestens genauso wichtig sind Haltung, Ausbildung, Gesundheit und die Menschen, die täglich mit dem Pferd arbeiten.
Mein persönliches Fazit
Wenn ich heute noch einmal eine Reitschule aufbauen würde, würden wahrscheinlich wieder genau diese vier Rassen in meinen Stall einziehen.
Ein paar Haflinger als zuverlässige Allrounder.
Ein oder zwei Fjordpferde, die mit ihrer Gelassenheit fast jede Situation meistern – auch wenn Polka vermutlich weiterhin mitten im Zirkel ihre ganz eigenen Pausen eingelegt hätte.
Ein Tinker wie Jeremy, der sich von nichts aus der Ruhe bringen ließ und den Galopp grundsätzlich erst begann, wenn er selbst fand, dass jetzt genug Trab gesammelt worden war.
Und natürlich mindestens ein Welsh Pony wie Silber. Ein Pony mit Charakter, das seinen Reitern viel Gefühl vermittelte und gleichzeitig zeigte, dass gegenseitiger Respekt im Umgang mit Pferden selbstverständlich sein sollte.
Diese Pferde haben Generationen von Kindern das Reiten beigebracht. Manche konnten den ersten Trab aussitzen, andere den ersten Galopp wagen oder das erste kleine Springen erleben. Viele Erwachsene erinnern sich Jahrzehnte später noch an genau dieses eine Schulpferd, das ihnen Sicherheit gegeben hat.
Vielleicht ist genau das das größte Kompliment, das man einem Schulpferd machen kann. Nicht die Turniererfolge bleiben in Erinnerung, sondern die Geduld, mit der es einem Menschen die ersten Schritte im Sattel ermöglicht hat.
Deshalb würde ich auch heute noch sagen: Wer wissen möchte, welche Pferderassen sich am besten für eine Reitschule eignen, sollte sich Haflinger, Fjordpferde, Tinker und Welsh Ponys ganz genau ansehen. Sie haben sich über viele Jahrzehnte bewährt. Nicht, weil sie perfekt sind. Sondern weil sie Charakter besitzen – und genau dieser Charakter macht aus einem guten Pferd oft einen unvergesslichen Lehrmeister.

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