
Pferde mit langen Haaren an den Beinen – Krankheiten, Pflege und typische Probleme bei starkem Fesselbehang
Lange Haare an den Beinen gehören zu den auffälligsten Merkmalen vieler Pferderassen. Vor allem Kaltblüter, Friesen, Tinker oder Shire Horses sind für ihren üppigen Fesselbehang bekannt. Die sogenannten „Puschen“ verleihen den Pferden ein imposantes Aussehen und gehören bei vielen Rassen ausdrücklich zum Zuchtziel.
So beeindruckend der dichte Fesselbehang wirkt, bringt er jedoch auch besondere Anforderungen an Haltung und Pflege mit sich. Unter den langen Haaren entsteht leicht ein feuchtwarmes Klima, das Krankheitserregern ideale Bedingungen bietet. Deshalb leiden Pferde mit starkem Fesselbehang deutlich häufiger unter Hautproblemen als Pferde mit kurzen Beinhaaren.
Warum bereitet Fesselbehang überhaupt Probleme?
Der dichte Haarbewuchs schützt die Beine zwar vor Kälte, kleinen Verletzungen und Insektenstichen, gleichzeitig erschwert er jedoch das Abtrocknen der Haut.
Bleiben Schlamm, Feuchtigkeit oder Schweiß über längere Zeit zwischen Haut und Haaren eingeschlossen, können sich Bakterien, Pilze oder Milben leichter vermehren. Kleine Hautverletzungen bleiben zudem oft lange unbemerkt, weil sie unter den Haaren verborgen liegen.
Gerade im Herbst und Winter steigt deshalb das Risiko für Hauterkrankungen deutlich an.
Mauke – die häufigste Erkrankung bei Pferden mit Fesselbehang
Mauke ist die mit Abstand häufigste Erkrankung bei Pferden mit langen Haaren an den Beinen. Dabei entzündet sich die Haut in der Fesselbeuge.
Anfangs entstehen häufig kleine Rötungen oder Schuppen. Später bilden sich nässende Stellen, Krusten und schmerzhafte Hautrisse. Manche Pferde reagieren so empfindlich, dass sie sich das Berühren der Beine kaum noch gefallen lassen.
Unbehandelt kann sich Mauke immer weiter ausbreiten und chronisch werden.
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Raspe – wenn die Entzündung das gesamte Bein betrifft
Eine schwere Form der Mauke wird als Raspe bezeichnet.
Dabei beschränkt sich die Entzündung nicht mehr nur auf die Fesselbeuge, sondern breitet sich über größere Bereiche des Unterschenkels aus. Die Haut verdickt sich, es entstehen großflächige Krusten und teilweise schmerzhafte Schwellungen.
Vor allem Pferde mit sehr dichtem Fesselbehang sind gefährdet, weil die Erkrankung unter den Haaren oft erst spät erkannt wird.
Chorioptes-Milben – ein häufig unterschätztes Problem
Vor allem Kaltblüter und Tinker leiden häufig unter einem Befall mit Chorioptes-Milben.
Die Parasiten leben bevorzugt zwischen den langen Haaren des Fesselbehangs und verursachen starken Juckreiz. Betroffene Pferde stampfen häufig mit den Hinterbeinen auf, scheuern sich an Zäunen oder beißen ständig an den Fesseln.
Bleibt der Milbenbefall unbehandelt, entstehen schnell offene Hautstellen, über die zusätzlich Bakterien eindringen können.
Pilzinfektionen und bakterielle Hautentzündungen
Nicht jede Hautveränderung unter dem Fesselbehang ist automatisch Mauke.
Auch Pilze oder andere Bakterien können sich in der dauerhaft feuchten Haut ausbreiten. Die Symptome ähneln sich häufig: Schuppen, Krusten, Haarausfall und nässende Hautstellen.
Gerade deshalb sollte eine länger bestehende Hautentzündung immer tierärztlich untersucht werden.
Lymphstau und chronisch fortschreitende Lymphödeme
Vor allem schwere Kaltblüter können unter einer chronischen Erkrankung des Lymphsystems leiden.
Die Beine schwellen dabei dauerhaft an, der Fesselbehang wird immer dichter und die Haut verändert sich zunehmend. Im weiteren Verlauf entstehen tiefe Hautfalten, chronische Entzündungen und immer wiederkehrende Infektionen.
Diese Erkrankung zählt zu den schwerwiegendsten Gesundheitsproblemen bei manchen Kaltblutrassen und erfordert eine lebenslange Betreuung.
So beugst du Erkrankungen vor
Die wichtigste Vorbeugung besteht darin, den Fesselbehang regelmäßig zu kontrollieren. Die langen Haare sollten immer wieder auseinandergezogen werden, damit auch die Haut sichtbar wird.
Nach Ausritten durch tiefen Schlamm oder nasse Wiesen sollten die Beine sorgfältig abgespült und anschließend vollständig trocknen können. Dauerhaft feuchte Haut ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Mauke und andere Hauterkrankungen.
Ebenso wichtig ist eine saubere Einstreu. Feuchte oder stark verschmutzte Boxen erhöhen das Risiko für Hautprobleme erheblich.
Sollte man den Fesselbehang abschneiden?
Diese Frage wird unter Pferdehaltern kontrovers diskutiert.
Aus medizinischer Sicht kann ein vorsichtiges Kürzen sinnvoll sein, wenn ein Pferd immer wieder unter Mauke oder Milben leidet. Die Haut lässt sich dadurch besser kontrollieren und trocknet schneller.
Bei gesunden Pferden erfüllt der Fesselbehang jedoch durchaus eine Schutzfunktion. Er hält Schmutz, kleine Steinchen und Insekten teilweise von der Haut fern. Ein vollständiges Abscheren ist deshalb nicht grundsätzlich notwendig.
Entscheidend ist immer der Gesundheitszustand des einzelnen Pferdes.
Welche Pferderassen sind besonders betroffen?
Ein dichter Fesselbehang kommt vor allem bei folgenden Rassen vor:
- Tinker
- Shire Horse
- Clydesdale
- Friese
- Schwarzwälder Kaltblut
- Schleswiger Kaltblut
- Belgisches Kaltblut
- einige Cob-Rassen
Je dichter und länger die Haare sind, desto wichtiger werden regelmäßige Hautkontrollen.
Fazit
Pferde mit langen Haaren an den Beinen beeindrucken durch ihren üppigen Fesselbehang und gehören zu den auffälligsten Erscheinungen unter den Pferderassen. Gleichzeitig benötigen sie deutlich mehr Aufmerksamkeit als Pferde mit kurzen Beinhaaren. Mauke, Raspe, Milbenbefall, Pilzinfektionen und chronische Lymphödeme treten bei ihnen häufiger auf und sollten frühzeitig erkannt werden.
Wer den Fesselbehang regelmäßig kontrolliert, auf trockene Haltungsbedingungen achtet und Veränderungen nicht unterschätzt, kann viele Probleme bereits im Anfangsstadium erkennen und behandeln. So bleiben auch Pferde mit prachtvollen „Puschen“ an den Beinen langfristig gesund.

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