Pferde mit Haaren an den Beinen: Welche Rassen tragen wirklich Fesselbehang?
Pferde mit langen Haaren an den Beinen fallen auf. Bei manchen hängen nur einige feine Haarsträhnen über die Fesselgelenke, bei anderen verschwinden die Hufe beinahe vollständig unter dichten, wallenden „Puschen“. Besonders kräftig behaarte Tinker, Shire Horses oder Clydesdales wirken, als würden sie auf vier mächtigen Fellmanschetten stehen. Doch längst nicht jedes schwere Pferd besitzt einen ausgeprägten Fesselbehang, und nicht jede Rasse, bei der einzelne Tiere längere Beinhaare tragen, gehört deshalb automatisch zu den typischen Pferderassen mit Behang.
Gerade im Internet werden häufig nahezu alle Kaltblutrassen in einen Topf geworfen. Das ist fachlich zu ungenau. Ein Pferd kann einen schweren Körperbau, kräftige Röhrbeine und große Hufe besitzen und trotzdem verhältnismäßig wenig Haar an den Fesseln tragen. Umgekehrt kommen Pferde mit auffälligem Behang keineswegs ausschließlich unter den ausgesprochen schweren Kaltblütern vor. Auch der Friese, der deutlich leichter gebaute Welsh Cob und einige traditionelle Cobtypen tragen längeres Haar im Bereich der Fesseln.
Hinzu kommt, dass der Behang innerhalb einer Rasse sehr unterschiedlich ausfallen kann. Alter, Geschlecht, Zuchtlinie, Haltungsbedingungen, Jahreszeit und Pflege beeinflussen, wie dicht und lang die Beinhaare erscheinen. Ein Pferd im vollen Winterfell kann erheblich stärker behaart wirken als dasselbe Tier nach dem Fellwechsel. Manche Besitzer schneiden den Behang regelmäßig zurück, während er bei Schau- und Zuchtpferden bewusst lang erhalten und aufwendig gepflegt wird.
Wie heißen die langen Haare an den Pferdebeinen richtig?
Im Alltag werden die langen Haare an den Beinen häufig als Puschen, Fußbehang, Kötenbehang oder einfach als Behang bezeichnet. In Rassebeschreibungen und in der Pferdezucht ist meistens vom Fesselbehang die Rede. Gemeint sind längere Haare, die im unteren Bereich des Pferdebeines wachsen und besonders rund um das Fesselgelenk, die Fesselbeuge und den Kronrand sichtbar werden.
Der Begriff Kötenbehang wird ebenfalls verwendet. Die Köte ist eine ältere Bezeichnung für die Rückseite des Fesselgelenkes beziehungsweise für die dort wachsenden längeren Haare. Je nach Region und Pferdeszene werden Fesselbehang und Kötenbehang weitgehend gleichbedeutend gebraucht.
Bei stark behaarten Rassen beschränkt sich der Behang allerdings nicht auf ein kleines Haarbüschel an der Rückseite des Fesselgelenkes. Die Haare können seitlich und vorn um das gesamte untere Bein wachsen, über den Kronrand fallen und große Teile des Hufes bedecken. Im englischen Sprachraum wird dieser dichte Behang als feather oder feathering bezeichnet. Das Bild passt gut: Die langen, seidigen Haare bewegen sich beim Laufen und wirken dabei beinahe wie Federn.
Ein leichter Fesselbehang ist bei zahlreichen Pferden zu finden. Selbst Warmblüter oder Ponys können im Winter einige längere Haare an den Fesseln entwickeln. Von einem rassetypisch ausgeprägten Behang spricht man jedoch erst, wenn die stärkere Behaarung regelmäßig innerhalb einer Rasse oder eines bestimmten Zuchttyps vorkommt und zu dessen traditionellem Erscheinungsbild gehört.
Fesselbehang ist nicht bei jeder Rasse gleich
Zwischen dem feinen Behang eines Welsh Cobs und den gewaltigen Haarmengen eines traditionellen Shire Horses liegen große Unterschiede. Deshalb ist es wenig sinnvoll, alle Pferde mit längeren Beinhaaren unterschiedslos als „Pferde mit Puschen“ zu beschreiben.
Beim Welsh Cob erlaubt der offizielle britische Rassestandard beispielsweise lediglich eine mäßige Menge feinen, seidigen Behanges. Grobes und drahtiges Haar gilt dort sogar als unerwünscht. Ein Welsh Cob darf also sichtbar behaarte Fesseln besitzen, soll aber keineswegs wie ein extrem stark befederter Tinker oder ein schweres britisches Kaltblut aussehen. Genau diese Unterscheidung geht in vielen oberflächlichen Rasseübersichten verloren.
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Beim Friesen gehört der Behang dagegen zusammen mit der langen Mähne und dem üppigen Schweif ausdrücklich zum charakteristischen Erscheinungsbild. Dennoch ist auch der Friese kein klassisches schweres Kaltblut mehr. Der moderne Friese wird leichter und sportlicher gezüchtet als seine historischen Vorfahren, trägt aber weiterhin den typischen Behang an den Fesseln.
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Bei Tinkern, Gypsy Cobs und einigen großen britischen Kaltblutrassen kann der Behang erheblich dichter werden. Dort wächst das Haar häufig rund um das gesamte untere Bein und fällt weit über den Huf. Besonders bei traditionellen Zuchtlinien wird ein üppiger, seidiger und möglichst gleichmäßiger Behang geschätzt. Er prägt den Gesamteindruck dieser Pferde mindestens ebenso stark wie Mähne, Schweif, Körperbau oder Fellfarbe.

Damit wird bereits deutlich: Die langen Haare an den Beinen sind kein einheitliches Merkmal. Sie reichen vom kleinen seidigen Haarbüschel an der Fessel bis zu einem dichten, bodenlangen Behang, unter dem Kronrand und Huf kaum noch zu erkennen sind. Wer die betreffenden Pferderassen sinnvoll miteinander vergleichen möchte, muss deshalb genauer hinsehen.

Warum haben manche Pferde überhaupt so viel Fesselbehang?
Wer zum ersten Mal neben einem ausgewachsenen Shire Horse oder einem traditionellen Irish Cob steht, fragt sich fast automatisch, warum ein Pferd überhaupt so lange Haare an den Beinen entwickelt hat. Auf den ersten Blick wirken sie wie ein reines Schmuckmerkmal. Tatsächlich steckt dahinter jedoch eine Kombination aus natürlicher Anpassung und jahrhundertelanger Zuchtwahl.
Die Vorfahren vieler stark behaarter Pferderassen lebten und arbeiteten in Regionen mit einem feuchten, oft rauen Klima. Britische Inseln, Irland und Teile Nordeuropas waren über weite Strecken des Jahres von Regen, nassen Weiden und tiefem Boden geprägt. Arbeitspferde mussten dort täglich Wagen ziehen, auf Äckern arbeiten oder lange Strecken mit schweren Lasten zurücklegen. Ein dichter Haarbewuchs an den unteren Gliedmaßen konnte die Haut zumindest teilweise vor Schmutz, Dornen, kleinen Verletzungen und ständigem Spritzwasser abschirmen.
Allerdings wäre es zu einfach, den Fesselbehang ausschließlich als natürlichen Wetterschutz zu erklären. Im Laufe der Zeit begannen Züchter ganz gezielt, Pferde mit besonders üppigem Langhaar auszuwählen. Vor allem bei den britischen Kaltblütern und später bei den Irish Cobs entwickelte sich der Behang zu einem typischen Schönheitsmerkmal. Hengste und Stuten mit seidigem, dichtem und gleichmäßigem Fesselbehang wurden bevorzugt weiterverpaart. Dadurch wurde dieses Merkmal über Generationen immer stärker ausgeprägt.
Heute ist der Behang deshalb nicht nur eine praktische Besonderheit, sondern vor allem Teil des Rassetyps. Ein Shire Horse ohne die charakteristischen langen Haare würde auf einer Körung ebenso ungewöhnlich wirken wie ein Friese mit kurzer Mähne oder ein Fjordpferd ohne seine typische Stehmähne.
Interessant ist außerdem, dass nicht jeder Behang gleich aufgebaut ist. Manche Rassen besitzen feines, seidiges Haar, das locker über die Fesseln fällt und sich bei jeder Bewegung mitbewegt. Andere entwickeln einen deutlich dichteren, fast wolligen Haarwuchs. Gerade dieser Unterschied spielt in der Zucht eine wichtige Rolle. Bei mehreren Rassestandards wird ausdrücklich ein seidiger, gerader Behang gewünscht, während grobes oder krauses Haar als weniger typisch gilt.
Sind die langen Haare ein Vorteil oder eher ein Problem?
Der beeindruckende Behang gehört zweifellos zu den schönsten Merkmalen vieler Pferderassen. Gleichzeitig verlangt er aber deutlich mehr Aufmerksamkeit als glatte Pferdebeine.
Solange ein Pferd auf trockenen, sauberen Flächen lebt und regelmäßig kontrolliert wird, verursacht der Fesselbehang oft überhaupt keine Schwierigkeiten. Die langen Haare können Schmutz abhalten, kleinere Kratzer verdecken und verleihen den Beinen einen gewissen natürlichen Schutz.
Unter ungünstigen Bedingungen kann derselbe Behang jedoch zum Nachteil werden. Feuchtigkeit bleibt länger in den Haaren hängen, Schlamm trocknet nur langsam ab und kleine Hautverletzungen bleiben häufig zunächst unbemerkt. Dadurch können Hautreizungen entstehen, die sich unter dem dichten Haar ungestört ausbreiten. Auch Milben finden zwischen den langen Haaren ideale Bedingungen.
Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick unter die Puschen. Viele Besitzer bürsten zwar den sichtbaren Schmutz aus den Haaren, kontrollieren die Haut darunter aber viel zu selten. Gerade bei stark behaarten Pferden sollte regelmäßig bis auf die Haut geschaut werden. Schon kleine Veränderungen wie Schuppen, Rötungen oder Krusten fallen früh auf und lassen sich meist wesentlich einfacher behandeln als eine bereits fortgeschrittene Hautentzündung.

Wer sich für ein Pferd mit üppigem Fesselbehang entscheidet, kauft deshalb nicht nur ein besonders attraktives Erscheinungsbild, sondern übernimmt auch etwas mehr Pflegeaufwand. Das gehört bei Rassen wie dem Tinker, Shire Horse oder Friesen einfach dazu und ist einer der Gründe, warum diese Pferde trotz ihrer imposanten Optik regelmäßige Aufmerksamkeit benötigen.
Im nächsten Abschnitt geht es um die einzelnen Pferderassen. Dabei zeigt sich schnell, dass manche Rassen für ihren außergewöhnlich dichten Behang berühmt sind, während andere zwar ebenfalls längere Haare an den Fesseln tragen, diese aber deutlich feiner und zurückhaltender ausfallen.

Pferderassen mit besonders ausgeprägtem Fesselbehang
Wer an Pferde mit langen Haaren an den Beinen denkt, hat meist sofort einen Tinker vor Augen. Tatsächlich gehört der Irish Cob beziehungsweise Gypsy Cob zu den Rassen, bei denen der Fesselbehang besonders stark ausgeprägt ist. Die langen, seidigen Haare beginnen bereits oberhalb der Fessel und reichen oft bis über den Kronrand. Bei manchen Pferden verschwindet der Huf beinahe vollständig unter dem dichten Behang. Zusammen mit der üppigen Mähne, dem langen Schweif und den häufigen Scheckzeichnungen entsteht genau das Erscheinungsbild, das diese Rasse weltweit so beliebt gemacht hat.
Der Fesselbehang des Tinkers ist dabei kein Zufall, sondern gehört ausdrücklich zum gewünschten Rassetyp. Auf Zuchtschauen wird nicht einfach möglichst viel Haar bewertet. Entscheidend sind vielmehr eine gleichmäßige Verteilung, eine gute Haarqualität und ein gepflegter Gesamteindruck. Seidiges, fließendes Haar entspricht dem Zuchtziel deutlich besser als grober oder verfilzter Behang.
Noch eindrucksvoller wirken oft die großen britischen Kaltblüter. Das Shire Horse gilt als die größte Pferderasse der Welt und trägt einen ausgesprochen üppigen Fesselbehang. Trotz seiner enormen Körpermasse soll das Haar nach dem Rassestandard möglichst fein, glatt und seidig sein. Ein übermäßig krauser oder wolliger Behang ist dagegen nicht erwünscht. Gerade auf Körungen und großen Pferdeschauen werden die langen Haare sorgfältig gewaschen, gebürstet und in Form gebracht, weil sie zum typischen Erscheinungsbild der Rasse gehören.
Sehr ähnlich präsentiert sich das Clydesdale. Auch hier bilden der lange Behang, die häufig weißen Abzeichen an den Beinen und der elegante, raumgreifende Bewegungsablauf eine unverwechselbare Kombination. Obwohl Clydesdales schwere Arbeitspferde sind, wirken sie durch ihren vergleichsweise trockenen Körperbau oft erstaunlich elegant. Der seidige Fesselbehang unterstreicht diesen Eindruck zusätzlich.
Friesen – elegante Sportpferde mit typischem Behang
Viele Pferdefreunde denken beim Begriff Fesselbehang zunächst gar nicht an den Friesen. Dabei gehört auch bei dieser Rasse das längere Haar an den Fesseln zum traditionellen Erscheinungsbild. Zusammen mit der tiefschwarzen Fellfarbe, der langen Mähne und dem üppigen Schweif entsteht die elegante Silhouette, für die Friesen weltweit bekannt sind.
Allerdings unterscheidet sich der Behang deutlich von dem eines Tinkers oder Shire Horses. Friesen besitzen meist weniger Haarmasse, dafür wirkt der Behang feiner und fließender. Die Beine bleiben insgesamt besser erkennbar, während der Kronrand dennoch von langen Haaren eingerahmt wird. Gerade moderne Sportfriesen werden heute etwas leichter gezüchtet als ihre historischen Vorfahren. Der Fesselbehang blieb jedoch als typisches Rassemerkmal erhalten.
Wer Friesen regelmäßig auf Körungen oder Dressurveranstaltungen beobachtet, stellt fest, dass der Behang dort fast immer sorgfältig gepflegt wird. Lose Haare werden ausgekämmt, Schmutz entfernt und die langen Haare sauber fallen gelassen. Anders als bei manchen Tinkern wird der Behang jedoch nur selten extrem lang gezüchtet.
Welsh Cob, Dales Pony und Fell Pony – Behang muss nicht riesig sein
Ein häufiger Irrtum besteht darin, nur Pferde mit spektakulären Haarmengen als Rassen mit Fesselbehang zu bezeichnen. Tatsächlich gibt es mehrere britische Pony- und Cobrassen, bei denen längere Beinhaare durchaus typisch sind, ohne dass sie gleich den gesamten Huf verdecken.
Der Welsh Cob ist dafür ein gutes Beispiel. Sein Behang fällt deutlich dezenter aus als beim Tinker. Er besteht überwiegend aus feinem, seidigem Haar, das die Fesseln betont, ohne die kräftigen Beine zu verdecken. Genau dieser gemäßigte Behang entspricht dem offiziellen Zuchtziel und passt hervorragend zum sportlichen, aktiven Charakter des Welsh Cobs.
Noch deutlicher wird der britische Ursprung beim Dales Pony und beim Fell Pony. Beide Rassen stammen aus den rauen Landschaften Nordenglands und wurden über Jahrhunderte als vielseitige Arbeits- und Reitponys eingesetzt. Charakteristisch sind kräftige Knochen, harte Hufe, dichtes Langhaar und ein gut entwickelter Fesselbehang. Obwohl sie wesentlich kleiner sind als Shire Horse oder Clydesdale, erkennt man ihre Verwandtschaft mit den traditionellen britischen Pferdetypen auf den ersten Blick.
Gerade diese drei Rassen zeigen sehr schön, dass Fesselbehang nicht automatisch etwas mit der Größe eines Pferdes zu tun hat. Ein Welsh Cob oder Fell Pony erreicht oft nicht einmal die Schulterhöhe eines ausgewachsenen Warmbluts und trägt dennoch deutlich mehr Behang als viele schwere Kaltblüter aus Mitteleuropa.
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