E-Dressur: Was du für eine Dressurprüfung Klasse E wirklich können musst
Die E-Dressur ist die Einstiegsklasse im Turniersport, und genau das macht sie so verräterisch. Die Lektionen stehen alle im Anfängerbereich: Arbeitstrab, Mittelschritt, Arbeitsgalopp, ein paar Hufschlagfiguren, zwei Mal halten. Trotzdem gehen Ritte hier regelmäßig mit einer 5,5 nach Hause, während andere mit fast denselben Lektionen eine 7,5 holen. Der Unterschied liegt selten in der Aufgabe. Er liegt darin, ob das Pferd an den Hilfen steht und ob der Reiter Stellung und Biegung beherrscht.
Dieser Beitrag geht die Klasse E komplett durch: die Voraussetzungen für den Start, die Anforderungen an Pferd und Reiter, jede einzelne Lektion, eine vollständige E-Dressuraufgabe Zeile für Zeile erklärt, die Bewertung durch die Richter und die Fehler, die in der Eingangsstufe die meisten Punkte kosten.

Was eine E-Dressur ist
Dressurprüfungen nach der Leistungsprüfungsordnung (LPO) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sind in Klassen eingeteilt: E, A, L, M und S. Die Klasse E bezeichnet die Klasse mit den niedrigsten Leistungsanforderungen, hier kommt es in erster Linie darauf an, dass du die Grundlagen des Dressurreitens und einfache Dressurlektionen beherrschst. Das E steht für Eingangsstufe.
Geritten wird auf dem kleinen Dressurviereck von 20 mal 40 Metern. Eine E-Dressuraufgabe dauert etwa zwei bis vier Minuten, die Aufgaben sind durchnummeriert, und die geforderten Lektionen sowie ihre Reihenfolge unterscheiden sich von Aufgabe zu Aufgabe leicht. Welche Aufgabe geritten wird, steht in der Ausschreibung des Turniers, zum Beispiel „Dressurprüfung Kl. E, Aufgabe E 3“. Der verbindliche Wortlaut jeder Aufgabe steht im Aufgabenheft Reiten der FN, das es gedruckt und als tagesaktuelle Onlineversion gibt.
Drei Prüfungsformen laufen dir in der Eingangsstufe über den Weg, und sie werden oft verwechselt:
Die Dressurprüfung Klasse E bewertet das Paar, also Pferd und Reiter zusammen, mit Schwerpunkt auf dem Gerittensein des Pferdes.
Die Dressurreiterprüfung Klasse E schaut vor allem auf dich: Sitz, Hilfengebung, Einwirkung. Wichtig ist dabei der Einfluss des Reiters auf das Gerittensein des Pferdes.
Der Dressurwettbewerb nach der Wettbewerbsordnung (WBO) liegt noch davor. Diese Wettbewerbe bauen aufeinander auf und führen an die Klasse E heran. Hier darfst du je nach Ausschreibung noch mit Hilfszügeln reiten, in der Klasse E nach LPO ist damit Schluss. Dazu gleich mehr.

Wer in der Klasse E starten darf
Für den Start auf einem LPO-Turnier brauchst du eine Startberechtigung, und für die Klasse E gibt es zwei Wege.
Die Schnupperlizenz mit der Leistungsklasse 7 berechtigt nur zum Start in der Klasse E. Du musst dafür Mitglied in einem Reitverein sein, ein Reitabzeichen wird nicht benötigt, und die FN stellt die Schnupperlizenz im ersten Jahr kostenlos aus. Danach lässt sie sich kostenpflichtig fortschreiben.
Wer das Reitabzeichen 5 besitzt und Mitglied in einem Verein ist, erhält die Jahresturnierlizenz mit der Leistungsklasse 6 und kann damit in den Klassen E und A starten. Das RA 5 kennen viele Eltern noch als „kleines Reitabzeichen“. Zwischen RA 6 und RA 5 liegt der Basispass, der aus Theorie und dem Umgang mit dem Pferd besteht und die Zulassungsvoraussetzung für das RA 5 ist, wenn die Abzeichen 6 und 7 fehlen.
Dazu kommt das Pferd: Für ein LPO-Turnier muss dein Pferd bei der FN als Turnierpferd eingetragen sein. Das Mindestalter liegt in aller Regel bei vier Jahren. Die Jahresturnierlizenz und die Eintragung des Turnierpferdes werden jedes Jahr neu fortgeschrieben.
Praktisch für Reitbeteiligungen und Geschwister: In Dressur- und Springprüfungen der Klasse E sind pro Pferd zwei Teilnehmer zugelassen. Ein Pferd darf also an einem Tag zwei verschiedene Reiter in der E-Dressur tragen.
Der Knackpunkt: Das Pferd muss an den Hilfen stehen
Hier entscheidet sich die Wertnote. Alle Lektionen der Klasse E kann ein durchschnittlich ausgebildetes Pferd. Sie sehen aber nur dann gut aus, wenn das Pferd auf die Hilfen des Reiters reagiert, statt sich durch die Aufgabe schleppen zu lassen.
An den Hilfen bedeutet: Dein Pferd nimmt Schenkel, Gewicht und Zügel an und beantwortet sie. Du denkst „etwas mehr Trab“, dein Bein wird aktiv, und das Pferd geht mehr Trab. Du sitzt schwerer, deine Hand hält durch, und das Pferd wird kürzer, statt sich gegen die Hand zu stemmen. Ein Pferd an den Hilfen lässt sich zwischen Schenkel und Hand einrahmen, und genau das prüfen die Richter in jeder Wendung, in jedem Übergang und an jedem Bahnpunkt.
Am Zügel gehen beschreibt die Verbindung nach vorn. Als Anlehnung bezeichnet man die weiche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul über den Zügel, sie wird vom Pferd gesucht und vom Reiter gestattet. Durch treibendes Einwirken tritt das Pferd vertrauensvoll an den Zügel heran, entwickelt aus der Schubkraft der Hinterhand und dem Aufwölben des Rückens. Die Richtung stimmt also von hinten nach vorn: Das Pferd tritt an den Zügel heran, du ziehst den Kopf nicht heran.
Durchs Genick gehen beschreibt, was vorn dabei passiert. Das Genick liegt direkt hinter den Ohren und ist der höchste Punkt des Pferdes. Wird das Pferd in diese Haltung gezwungen, entsteht meist der sogenannte falsche Knick: Das Pferd gibt dann nicht mehr im Genick nach, sondern im dritten und vierten Halswirbel, der Hals ist nicht mehr gleichmäßig gebogen, und man sieht den Knick hinter dem Genick. Ein Pferd, das so geht, sieht auf den ersten Blick aus wie am Zügel, bekommt von den Richtern aber genau dafür Abzug. Korrekt ist die Nasenlinie eine Handbreit vor der Senkrechten, mit dem Genick als höchstem Punkt.
In der Klasse E wird eine beginnende Anlehnung erwartet, keine Versammlung und keine ausgeprägte Aufrichtung. Ein Pferd, das im Takt läuft, sich losgelassen bewegt, gleichmäßig an den Zügel herantritt und dabei ein wenig vor der Senkrechten bleibt, ist für die Eingangsstufe genau richtig aufgestellt.
Die Anlehnung entsteht dabei in einer festen Reihenfolge, der Skala der Ausbildung: erst Takt, dann Losgelassenheit, dann Anlehnung. In der Klasse E kommt das beginnende Geraderichten dazu. Bewertet wird ausdrücklich, ob diese Punkte für die jeweilige Klasse erfüllt sind: Die Punkte der Skala der Ausbildung des Pferdes müssen je nach Klasse der Aufgabe im Wesentlichen erfüllt sein.
Stellung und Biegung: das zweite große Thema
Stellung und Biegung sind der Grund, warum ein Zirkel rund wird und eine Ecke nach etwas aussieht.
Stellung ist die leichte Drehung im Genick zur inneren Seite. Du siehst dabei gerade eben den inneren Nüsternrand und den Rand des inneren Auges, mehr wird es nicht. Der Hals bleibt gerade vor der Brust.
Biegung betrifft den ganzen Körper. Das Pferd biegt sich um deinen inneren Schenkel und folgt mit dem Körper der gebogenen Linie, auf der es läuft. Auf dem Zirkel heißt das: Hinterhuf tritt in die Spur des Vorderhufs derselben Seite, Hals und Rippenbogen folgen der Rundung.
Die Hilfen dafür sind in jeder Wendung gleich, egal ob Zirkel, Ecke oder Wendung auf die Mittellinie. Den inneren Schenkel nimmst du für die Biegung nach vorn Richtung Gurt, den äußeren Schenkel legst du etwas weiter hinten verwahrend an, und du biegst dein Pferd um dein inneres Bein. Dazu kommt der äußere Zügel, der die Biegung begrenzt und die äußere Schulter führt, und der innere Zügel, der die Stellung anfragt und danach sofort wieder weich wird.
Der häufigste Fehler in der E-Dressur sieht so aus: innerer Zügel zieht, Kopf dreht nach innen, Schulter fällt nach außen, das Pferd läuft mit der Hinterhand nach innen und die Hufschlagfigur wird eierförmig. Die Richter sehen das von C aus sofort, weil der Zirkel dann an einer Seite eckig wird und das Pferd auf der geraden Linie schief zum Bahnpunkt kommt.
Stellung und Biegung sind ein eigenes, großes Thema mit vielen Übungen. Für die E-Dressur reicht die Faustregel: Die Biegung wird vor der Wendung vorbereitet, nicht in der Wendung nachgeholt.
Das Dressurviereck und seine Bahnpunkte
Ohne die Buchstaben läuft in der Dressur nichts, denn jede Lektion ist einem Punkt zugeordnet.
Auf dem Viereck von 20 mal 40 Metern liegen A und C in der Mitte der kurzen Seiten. Auf den langen Seiten liegen B und E genau in der Mitte. Die vier übrigen Punkte K, F, H und M sitzen jeweils sechs Meter von den Ecken entfernt. Auf der Mittellinie liegen D (sechs Meter hinter A), X (genau in der Mitte der Bahn) und G (sechs Meter vor C). Der Richter sitzt bei C.
Auf der linken Hand läufst du die Reihenfolge A, F, B, M, C, H, E, K. Auf der rechten Hand ist es umgekehrt: A, K, E, H, C, M, B, F. Diese beiden Reihen solltest du im Schlaf können, sonst suchst du in der Prüfung nach dem Buchstaben, statt zu reiten.
Eine Lektion ist dann am Punkt geritten, wenn deine eigene Schulter den Buchstaben passiert. Das Pferd ist vor dir, also beginnst du die Hilfen entsprechend früher.
Die Hufschlagfiguren der Klasse E
Hufschlagfiguren gehören zur Basis des Reitens und ändern sich mit der Klasse nicht. Eine Dressur wird durch schwerere Lektionen anspruchsvoller, der Zirkel selbst bleibt der Zirkel. In der Klasse E kommen diese Figuren vor:
Ganze Bahn heißt: einmal am Hufschlag außen herum, alle vier Ecken werden durchritten.
Der Zirkel an der kurzen Seite hat 20 Meter Durchmesser. Er berührt A oder C, dazu je einen Punkt auf beiden langen Seiten und den Punkt X in der Mitte der Bahn. In der 20-mal-40-Bahn ist der Zirkel also genau halb so lang wie die ganze Bahn.
Der Mittelzirkel liegt in der Mitte und berührt B und E sowie zwei Punkte auf der Mittellinie.
Durch die ganze Bahn wechseln ist die lange Diagonale, zum Beispiel von M über X nach K oder von H über X nach F. Behalte dabei die Bahnpunkte im Blick: Orientiere dich schon in der Ecke davor am Zielbuchstaben, wende kurz vor oder genau am Ausgangspunkt ab und reite gerade darauf zu, sodass die Schulter deines Pferdes am Zielpunkt wieder den Hufschlag erreicht. Zwischen Abwenden und Ankommen liegt eine schnurgerade Linie, und das Pferd ist auf dieser Linie gerade, also mit den Hinterbeinen genau in der Spur der Vorderbeine.
Durch die halbe Bahn wechseln ist die halbe Diagonale, zum Beispiel von F nach E oder von B nach K. Sie ist kürzer und deshalb steiler, das Geraderichten fällt hier vielen schwerer.
Durch den Zirkel wechseln ist eine liegende Acht innerhalb des Zirkels: zwei halbe Volten von zehn Metern, die sich im Mittelpunkt treffen. Der Handwechsel passiert genau in der Mitte.
Aus dem Zirkel wechseln bedeutet, den Zirkel an der offenen Seite zu verlassen und auf den Zirkel am anderen Ende der Bahn zu wechseln.
Die Ecke ist auch eine Figur. In der Klasse E wird sie flach durchritten, etwa wie ein Viertelkreis mit sechs Metern Radius. Wichtig ist, dass du die Ecke überhaupt ausreitest, statt sie abzurunden, denn die Ecke ist die beste Gelegenheit, die Stellung für die nächste Lektion vorzubereiten.
Die Lektionen im Einzelnen
Einreiten, Halten und Grüßen
Die Prüfung beginnt mit dem Glockenzeichen des Richters bei C. Danach hast du wenig Zeit: Wenn nicht binnen 45 Sekunden nach dem Glockenzeichen der Start erfolgt ist, gibt es einen Abzug für verspätetes Einreiten.
Du reitest bei A auf die Mittellinie ab und hältst bei X. Das Halten soll gerade und geschlossen sein, das Pferd steht also auf allen vier Beinen gleichmäßig und mit der Nase auf der Mittellinie. Zum Grüßen nimmst du die Zügel in eine Hand, lässt die andere Hand herunterhängen und nickst mit dem Kopf.
Der Weg dorthin entscheidet über die Note: Wende bei A früh genug ab, schau geradeaus auf C und rahme das Pferd mit beiden Schenkeln ein. Wer beim Abwenden nach unten auf den Hals schaut, verliert die Linie fast immer.
Mittelschritt
Der Mittelschritt ist raumgreifend, fleißig und im klaren Viertakt. Das Pferd tritt über die Spur des Vorderhufs hinaus und bleibt dabei am Zügel, du gibst mit der Hand der Nickbewegung des Halses nach.
Der Schritt ist die ehrlichste Gangart. Ein Pferd, das im Trab nur durch Zügeleinwirkung zusammengehalten wird, verliert im Schritt sofort den Takt und fängt an zu passen. Deshalb kostet ein verkrampfter, verhaltener Schritt in der E-Dressur regelmäßig eine halbe Note.
Arbeitstrab, Leichttraben und der richtige Fuß
Der Arbeitstrab ist das Grundtempo der Klasse E: gleichmäßig, taktrein, mit fleißigem Untertreten der Hinterhand.
In einigen Aufgaben musst du leichttraben, und dabei gilt volle Aufmerksamkeit für die Frage, ob du auf dem richtigen Fuß leichttrabst. Richtig ist es, wenn du dich in dem Moment aus dem Sattel hebst, in dem das äußere Vorderbein nach vorn schwingt, und dich setzt, wenn es aufsetzt. Du kontrollierst das mit einem kurzen Blick auf die äußere Schulter, ohne den Kopf zu senken.
Sobald du die Hand wechselst, muss auch der Fuß wechseln, denn der äußere Vorderfuß ist danach ein anderer. Der Wechsel geschieht durch einmaliges Sitzenbleiben in der Mitte des Handwechsels, also auf der Diagonalen bei X oder auf der halben Diagonalen in der Mitte der Linie. Genau deshalb steht in vielen Aufgaben ein Handwechsel im Leichttraben: Die Richter wollen sehen, dass du den Fußwechsel kennst und ihn ruhig und unauffällig reitest.
Aussitzen
Steht in der Aufgabe nur „Arbeitstrab“, wird ausgesessen. Der Sitz bleibt dabei geschmeidig, das Becken folgt der Bewegung, die Hände bleiben ruhig. Ein Reiter, der beim Aussitzen im Sattel klopft, stört den Rücken des Pferdes, und das sieht man dem Trab sofort an. Wenn dir das Aussitzen noch schwerfällt, ist die Dressurreiterprüfung mit ihrem Blick auf den Sitz genau die Prüfung, in der du daran arbeitest.
Angaloppieren im richtigen Galopp
Der Arbeitsgalopp der Klasse E ist ein klarer Dreitakt mit deutlicher Schwebephase. Angaloppiert wird aus dem Trab, meist an einem festgelegten Punkt, oft im Mittelpunkt des Zirkels.
Richtig ist der Galopp, wenn das innere Vorderbein weiter vorgreift, das Pferd also im Innengalopp läuft. Dafür stellst du das Pferd leicht nach innen, verwahrst mit dem äußeren Schenkel hinter dem Gurt und treibst mit dem inneren Schenkel am Gurt. Die Ecke oder die Zirkellinie vor dem Angaloppieren nutzt du zur Vorbereitung: Damit dein Angaloppieren am Punkt gelingt, kannst du die Ecke davor schon zur Vorbereitung nutzen.
Springt das Pferd falsch herum an oder galoppiert es im Kreuzgalopp, gilt eine klare Regel: Sollte dein Pferd oder Pony falsch angaloppieren, heißt es durchparieren und sorgfältig neu angaloppieren. Weiterreiten und hoffen kostet mehr Punkte als ein sauberer Übergang zum Trab und ein zweiter, korrekter Versuch. Die Richter sehen den falschen Galopp ohnehin, sie bewerten dann, wie schnell du ihn bemerkst und wie ruhig du ihn korrigierst.
Übergänge und halbe Paraden
In der Eingangsstufe sind alle Übergänge nur über eine Gangart zu reiten, also Schritt zu Trab und Trab zu Galopp, und sie sollten schon in der E-Dressur möglichst am Punkt geritten und sorgfältig vorbereitet werden. In einigen Aufgaben wird aus dem Trab eingeritten, deshalb gehört der Übergang vom Trab zum Halten zu Hause gut geübt.
Vorbereitet wird jeder Übergang mit halben Paraden: Du sitzt kurz schwerer, dein Bein bleibt treibend, deine Hand hält einen Moment durch und wird sofort wieder weich. Das Pferd nimmt dabei mehr Last auf die Hinterhand und ist bereit für das, was kommt. Übergänge, die nur mit der Hand geritten werden, drücken die Note im Ganzen, weil das Pferd dabei gegen die Hand geht und den Rücken festhält.
Am langen Zügel die Bahn verlassen
Nach dem Schlussgruß verlässt du die Bahn im Schritt am langen Zügel. Das ist mehr als Formsache, denn hier zeigt sich, ob dein Pferd nach der Anspannung ruhig ausschreitet und den Zügel vertrauensvoll annimmt.
So sieht eine E-Dressuraufgabe aus
Die folgende Aufgabe zeigt den typischen Aufbau einer Dressurprüfung Klasse E auf dem Viereck 20 mal 40 Meter, einzeln geritten. Genau so oder sehr ähnlich sind die Aufgaben im Aufgabenheft aufgebaut. Den verbindlichen Wortlaut deiner Prüfung findest du unter der Nummer, die in der Ausschreibung steht.
A bis X: Einreiten im Arbeitstrab.
X: Halten. Grüßen. Im Arbeitstempo antraben, leichttraben.
C: Rechte Hand.
M bis X bis K: Durch die ganze Bahn wechseln.
A: Aussitzen.
F bis E: Durch die halbe Bahn wechseln.
C: Auf dem Zirkel geritten. Im Mittelpunkt angaloppieren und auf dem Zirkel geritten (1 mal herum).
C: Arbeitstrab und ganze Bahn.
B: Mittelschritt.
B bis K: Im Mittelschritt durch die halbe Bahn wechseln.
A: Im Arbeitstempo antraben, leichttraben.
A: Auf dem Zirkel geritten. Im Mittelpunkt angaloppieren und auf dem Zirkel geritten (1 mal herum).
A: Arbeitstrab und ganze Bahn.
A: Auf die Mittellinie abwenden.
X: Halten. Grüßen.
Im Schritt am langen Zügel die Bahn verlassen.
Die Aufgabe Zeile für Zeile
A bis X, Einreiten im Arbeitstrab: Du kommst vom Vorbereitungsplatz, biegst bei A auf die Mittellinie ab und trabst gerade auf X zu. Der erste Eindruck entsteht in diesen Sekunden. Fixiere C mit dem Blick und halte beide Schenkel am Pferd, damit die Linie steht.
X, Halten, Grüßen, im Arbeitstempo antraben und leichttraben: Nach dem Gruß trabst du an und stehst gleich beim ersten Tritt auf. Beim Antraben auf der Mittellinie fällt das Pferd gern zur Seite, deshalb bleibt der äußere Zügel wach.
C, Rechte Hand: Du erreichst C und wendest nach rechts. Ab hier läufst du die Reihenfolge C, M, B, F, A.
M bis X bis K, durch die ganze Bahn wechseln: Die erste lange Diagonale. Du wendest kurz nach M ab, reitest gerade auf K zu und wechselst genau bei X den Fuß, indem du einmal sitzen bleibst. Bei K kommst du mit der Schulter wieder am Hufschlag an und bist danach auf der linken Hand.
A, Aussitzen: Ab hier wird gesessen, bis in der Aufgabe wieder Leichttraben steht. Setz dich weich hin, statt dich fallen zu lassen, sonst verliert das Pferd den Takt.
F bis E, durch die halbe Bahn wechseln: Die halbe Diagonale von F zur Mitte der gegenüberliegenden langen Seite. Sie ist steiler als die ganze Diagonale, also wendest du entschlossen ab und reitest sofort geradeaus. Bei E bist du wieder auf der rechten Hand.
C, auf dem Zirkel geritten, im Mittelpunkt angaloppieren, ein Mal herum: Der Zirkel an der kurzen Seite bei C berührt in der 20-mal-40-Bahn den Punkt X. Dort galoppierst du an, und zwar im rechten Galopp, weil du auf der rechten Hand bist. Reite den Zirkel danach rund und gleichmäßig, mit Stellung und Biegung nach innen.
C, Arbeitstrab und ganze Bahn: Bei C parierst du zum Trab durch und gehst zurück an den äußeren Hufschlag. Der Übergang soll auf den Punkt fallen, also bereitest du ihn schon in der zweiten Zirkelhälfte mit halben Paraden vor.
B, Mittelschritt: Hier zeigt sich, ob dein Pferd wirklich losgelassen war. Lass den Hals nach vorn heraus, bleib mit der Hand in weicher Verbindung und lass das Pferd fleißig schreiten.
B bis K, im Mittelschritt durch die halbe Bahn wechseln: Auch im Schritt gilt die gerade Linie. Viele Pferde bummeln auf dieser Strecke, deshalb bleibt dein Bein aktiv.
A, im Arbeitstempo antraben und leichttraben: Nach dem Handwechsel bist du auf der linken Hand und stehst jetzt auf dem anderen Fuß auf, also mit dem rechten Vorderbein.
A, auf dem Zirkel geritten, im Mittelpunkt angaloppieren, ein Mal herum: Derselbe Ablauf wie vorhin, jetzt im linken Galopp. Falls dein Pferd falsch anspringt, parierst du sofort zum Trab durch und galoppierst neu an.
A, Arbeitstrab und ganze Bahn: Zurück an den Hufschlag, Tempo halten, Ecken ausreiten.
A, auf die Mittellinie abwenden, X halten und grüßen: Die letzte Wendung entscheidet über den letzten Eindruck. Wende früh genug ab, reite bis kurz vor X aktiv weiter und pariere aus dem Trab durch, statt langsam zu verhungern.
Abteilung oder einzeln
E-Dressuren werden häufig in Abteilungen geritten. Die Prüfung wird dann in Abteilungen von zwei bis vier Reitern geritten, in selteneren Fällen auch einzeln. Ein Kommandogeber sagt die Lektionen an.
Das klingt bequem, hat aber eigene Tücken. Du bist dann nicht nur für dich selbst verantwortlich, sondern für die gesamte Abteilung: Du musst das Tempo deines Pferdes kontrollieren und immer eine Pferdelänge, also etwa 2,50 Meter, Abstand zum Reiter vor dir halten. Jeder Reiter braucht genug Platz, um die Lektionen korrekt auszuführen, ohne dass die Abstände zum Vorder- und Hintermann zu groß oder zu eng werden, und deine Position in der Abteilung bestimmt mit, welche Aufgabe du hast.
Der Abstand ist der Klassiker unter den Punkteverlusten. Ein schnelles Pferd hinter einem gemütlichen kommt in Zugzwang, und wer dann anfängt zu bremsen, zeigt zwei Minuten lang einen verhaltenen Trab. Übe das Abteilungsreiten vorher, indem du zu Hause hinter mehreren Leuten hinterherreitest.
Wird die Prüfung einzeln geritten, musst du die Aufgabe entweder auswendig können oder dir einen eigenen Kommandogeber mitbringen. Was gilt, steht in der Ausschreibung.
Wie eine E-Dressur bewertet wird
In den Klassen E bis L wird meist gemeinsam gerichtet: Zwei Richter bewerten zusammen jeden Ritt mit einer Wertnote zwischen 0 und 10, Dezimalstellen sind erlaubt. Der Richter bei C ist dabei immer der Hauptverantwortliche. Du bekommst also keine Einzelnoten für jede Lektion, sondern eine Gesamtwertnote für den ganzen Ritt.
Bewertet wird nach festen Kriterien, die auf dem Leitfaden für die Klassen E und A stehen: Takt mit Losgelassenheit, Anlehnung und beginnendem Geraderichten, Durchlässigkeit und Gehorsam, Sitz, Hilfengebung, Gefühl und Einwirkung des Reiters sowie der Einfluss des Reiters auf das Gerittensein des Pferdes und auf die Ausführung der Aufgabe. Dazu kommen die korrekte Vorbereitung und Ausführung der Lektionen und Hufschlagfiguren, das Reiten von Wendungen und gebogenen Linien, das korrekte Durchreiten der Ecken und das Reiten der Übergänge.
Zur Einordnung der Zahlen: Prüfungen werden meistens mit einer Wertnote zwischen 7 und 8 gewonnen, platziert wird häufig ab einer Wertnote zwischen 6 und 6,5, und mit einer Wertnote unter 5,0 darf ein Ritt nicht mehr platziert werden. Eine 6,5 in der ersten E-Dressur ist also ein ordentliches Ergebnis.
Verreiten
Verreiten heißt: Du reitest eine Lektion an der falschen Stelle, lässt eine aus oder fügst eine hinzu. Auch ein zusätzliches Halten oder eine spontane Volte, um Abstand zu gewinnen, zählt als Verreiten.
Beim Richten mit einer Gesamtwertnote wird gestaffelt abgezogen: Das erste Mal kostet 0,2 Punkte, das zweite Mal 0,4 Punkte, und das dritte Mal führt zum Ausschluss. Der Richter läutet in der Regel, wenn du dich verreitest, und sagt dir, wo du wieder einsteigst. Wichtig ist dann, ruhig zu bleiben und weiterzureiten, denn abgezogen wird nur der Fehler, nicht der Rest der Aufgabe.
In der Abteilung gilt eine faire Sonderregel: Weil die Reiter der Abteilung dem Anfangsreiter folgen, bekommt bei einem Verreiten des Anfangsreiters nur dieser den Abzug, auch wenn die anderen Reiter ihm folgen.
Ausrüstung und Kleidung
Der wichtigste Punkt zuerst, weil er sich mit dem Aufgabenheft 2024 geändert hat: Alle Dressuraufgaben der Klasse E nach LPO sind ohne Hilfszügel zu reiten. Genau darin unterscheiden sie sich von den Dressurwettbewerben nach der WBO. Ausbinder und Dreieckszügel bleiben also im Sattelschrank, sobald du eine LPO-Prüfung der Klasse E nennst. Wer bisher nur mit Ausbindern trainiert hat, sollte diese Umstellung Wochen vorher üben, weil viele Pferde ohne Hilfszügel zunächst anders an den Zügel herantreten.
Geritten wird auf Trense mit einem zulässigen Gebiss, Kandaren gehören in die höheren Klassen. Eine Gerte ist erlaubt: Zugelassen ist eine Gerte von maximal 120 cm Länge inklusive Schlag, Sporen dürfen ab dem Stiefel höchstens 4,5 cm messen und müssen so verschnallt sein, dass der Dorn horizontal oder nach unten geneigt ausgerichtet ist. Die genauen Angaben zu Gebissen, Nasenriemen, Gamaschen und Bandagen stehen im Ausrüstungskatalog der LPO, und der ändert sich gelegentlich, deshalb lohnt vor der Saison ein Blick hinein.
Zur Kleidung gehören ein Reithelm nach Norm, weiße oder helle Reithose, Reitstiefel oder Stiefeletten mit Chaps, weißes Hemd mit Plastron oder Krawatte und ein dunkles Jackett. Bei Hitze wird das Jackett oft freigegeben, das gibt die Meldestelle bekannt.
Die häufigsten Fehler in der E-Dressur
Die Hufschlagfiguren werden zu ungenau geritten. In einer E-Dressur ist es besonders wichtig, alle Hufschlagfiguren sehr gründlich und sorgfältig auszuführen. Ein runder Zirkel und eine gerade Diagonale bringen mehr Punkte als ein spektakulärer Trab auf krummen Linien.
Die Ecken werden abgerundet. Damit verschenkst du die Vorbereitungszeit für die nächste Lektion.
Die Übergänge kommen zu spät. Wer erst am Buchstaben mit den Hilfen beginnt, ist zwei Pferdelängen zu spät dran.
Der falsche Fuß beim Leichttraben bleibt unbemerkt. Das fällt jedem Richter auf und zieht sich durch die ganze Trabtour.
Das Pferd wird vorn zusammengezogen. Der falsche Knick sieht auf dem Handyvideo nach Dressur aus, in der Bewertung kostet er Anlehnung und Durchlässigkeit.
Das Tempo wird in der Abteilung angepasst statt gehalten. Lieber die Ecke etwas weiter ausreiten und den Abstand so regulieren.
Die Aufgabe sitzt nicht. Wer nachdenken muss, reitet nicht mehr.
So bereitest du dich vor
Sechs Wochen reichen für eine solide Vorbereitung, wenn du zweimal pro Woche gezielt daran arbeitest.
In den ersten beiden Wochen arbeitest du an der Anlehnung ohne Hilfszügel: viel Vorwärts-Abwärts auf großen Linien, Übergänge zwischen Schritt und Trab, Zirkel in beide Richtungen. Ziel ist ein Pferd, das den Zügel sucht und den Rücken hergibt.
In Woche drei und vier kommen die Lektionen einzeln dran: Angaloppieren am Punkt auf beiden Händen, Fußwechsel im Leichttraben an jedem Handwechsel, Diagonalen mit sauberem Abwenden und Ankommen, Halten aus dem Trab auf der Mittellinie.
In Woche fünf reitest du die Aufgabe zum ersten Mal komplett durch, am besten mit jemandem, der ansagt. Danach nimmst du dir die zwei Stellen vor, die schiefgegangen sind, und übst nur diese.
In Woche sechs reitest du die Aufgabe höchstens noch ein- bis zweimal ganz, sonst lernt dein Pferd die Abfolge auswendig und galoppiert von selbst an, bevor du fragst. Stattdessen reitest du die Lektionen in anderer Reihenfolge.
Zum Auswendiglernen helfen Methoden abseits des Sattels: Zeichne die Aufgabe auf ein Blatt Papier, laufe sie zu Hause oder im Viereck ab, schau dir einen Ritt als Video an und gehe das Programm immer wieder im Kopf durch, zum Beispiel beim Zähneputzen. Hilfreich ist außerdem, das Viereck des Turniers zu kennen und deine Orientierungspunkte in den mentalen Ablauf einzubauen, etwa „bei X halten und dann auf die rechte Hand Richtung Festwirtschaft“.
Am Turniertag planst du genug Zeit zum Abreiten ein, mindestens 20 bis 30 Minuten, und du reitest dein Pferd so ab, wie es zu Hause am besten läuft. Der Vorbereitungsplatz ist der falsche Ort für neue Ideen.
Was nach der Klasse E kommt
Die Klasse A ist der nächste Schritt, und die Anforderungen steigen deutlich. Zu den Anforderungen aus der E-Dressur kommen Lektionen wie Volten von zehn Metern, Rückwärtsrichten, Viereck verkleinern und vergrößern, einfache Galoppwechsel, Überstreichen und Zügel aus der Hand kauen lassen, dazu Mitteltrab und Mittelgalopp. Alles davon baut auf dem auf, was du in der E-Dressur gelernt hast: ein Pferd an den Hilfen, saubere Stellung und Biegung, Übergänge auf den Punkt.
Wer die Eingangsstufe ernst nimmt, hat in der Klasse A vor allem neue Lektionen zu lernen. Wer sie überspringt, arbeitet dort an denselben Grundlagen weiter, nur unter mehr Druck.
Häufige Fragen zur E-Dressur
Was muss man für eine E-Dressur können?
Du brauchst einen sicheren Sitz in allen drei Grundgangarten, sauberes Leichttraben mit Fußwechsel, Angaloppieren im richtigen Galopp auf beiden Händen, Übergänge am Punkt und die Fähigkeit, Stellung und Biegung zu reiten. Dein Pferd soll dabei an den Hilfen stehen, im Takt laufen und in beginnender Anlehnung an den Zügel herantreten.
Wie lange dauert eine E-Dressur?
Etwa zwei bis vier Minuten, geritten auf dem Viereck von 20 mal 40 Metern.
Welche Aufgaben gibt es in der Klasse E?
Die Aufgaben sind durchnummeriert und werden mit steigender Nummer anspruchsvoller. Im Aufgabenheft 2024 sind die Aufgaben innerhalb jeder Klasse kleinschrittiger gestaltet, der zunehmende Schwierigkeitsgrad ist an der aufsteigenden Nummerierung erkennbar, und innerhalb der Klasse erfolgt eine Hinführung zur nächsten Klasse. Welche Aufgabe du reitest, steht in der Ausschreibung.
Sind in der E-Dressur Hilfszügel erlaubt?
In der Klasse E nach LPO wird ohne Hilfszügel geritten. In Dressurwettbewerben nach WBO sind sie je nach Ausschreibung noch zugelassen.
Was braucht man, um bei einer E-Dressur zu starten?
Eine Schnupperlizenz der Leistungsklasse 7, die nur zum Start in der Klasse E berechtigt und für die du Vereinsmitglied sein musst, oder eine Jahresturnierlizenz der Leistungsklasse 6, für die du das Reitabzeichen 5 brauchst. Dazu ein bei der FN eingetragenes Turnierpferd.
Was passiert, wenn ich mich verreite?
Der Richter läutet und sagt dir, wo du wieder einsteigst. Beim Richten mit Gesamtwertnote kostet das erste Verreiten 0,2 Punkte, das zweite 0,4 Punkte, das dritte führt zum Ausschluss.
Was mache ich, wenn mein Pferd falsch angaloppiert?
Durchparieren und sorgfältig neu angaloppieren. Ein korrigierter Galopp kostet weniger als eine ganze Runde im falschen Galopp oder im Kreuzgalopp.
Welche Wertnote ist in der E-Dressur gut?
Gewonnen wird meist mit 7 bis 8, platziert häufig ab 6 bis 6,5, und unter 5,0 ist eine Platzierung ausgeschlossen.
Muss das Pferd in der E-Dressur schon am Zügel gehen?
Erwartet wird eine beginnende Anlehnung, also ein Pferd, das den Zügel sucht, im Genick nachgibt und mit der Nasenlinie leicht vor der Senkrechten geht. Eine ausgeprägte Aufrichtung oder Versammlung gehört in die höheren Klassen.
Kann man zu zweit mit einem Pferd starten?
Ja, in Dressur- und Springprüfungen der Klasse E sind pro Pferd zwei Teilnehmer zugelassen.

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