Reiten lernen mit 30, 40 Jahren

Reiten lernen mit 30 oder 40: Bin ich dafür nicht schon zu alt?

Mit 30 oder 40 Jahren reiten zu lernen ist weder ungewöhnlich noch besonders spät. In diesem Alter bist du körperlich normalerweise noch längst nicht an einem Punkt, an dem das Reiten am Alter scheitern müsste. Viel entscheidender ist, ob du eine Reitschule findest, die erwachsene Anfänger ernst nimmt, ein passendes Pferd auswählt und dir genügend Zeit gibt, dich an die Höhe, die Bewegung und das ungewohnte Gefühl im Sattel zu gewöhnen.

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Wie kann ich mit 30 oder 40 Jahren reiten lernen?

Viele Menschen, die mit 30 oder 40 zum ersten Mal Reitunterricht nehmen, haben allerdings ganz andere Gedanken als ein Kind, das begeistert auf ein Pony klettert. Erwachsene überlegen, was passieren könnte, ob sie sich ungeschickt anstellen, ob sie zu schwer, zu steif oder zu unsportlich sind und ob sie überhaupt auf das Pferd hinaufkommen. Manche haben sich das Reiten seit ihrer Kindheit gewünscht, sich aber nie getraut. Andere hatten früher keinen Reitstall in der Nähe, keine Zeit oder kein Geld und möchten den Traum nun endlich verwirklichen.

Die Antwort auf die eigentliche Frage ist deshalb klar: Ja, du kannst mit 30 oder 40 noch sehr gut reiten lernen. Du wirst vielleicht anders lernen als ein achtjähriges Kind, aber nicht zwangsläufig schlechter. Erwachsene bringen häufig sogar Vorteile mit. Sie können Erklärungen besser einordnen, bewusst an ihrer Körperhaltung arbeiten und verstehen meist schneller, warum das Pferd auf bestimmte Bewegungen oder Hilfen reagiert. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung bezeichnet Reiten ausdrücklich als Sport, mit dem Menschen auch im Erwachsenenalter beginnen können. Individuelle Fitness, Beweglichkeit und gesundheitliche Voraussetzungen spielen eine größere Rolle als die Zahl im Personalausweis. (Pferdesport Deutschland)

Warum sich 30 oder 40 trotzdem manchmal „zu alt“ anfühlen

Wer mit 30 oder 40 über das Reitenlernen nachdenkt, fühlt sich häufig gar nicht körperlich zu alt. Das eigentliche Problem ist der Vergleich mit Menschen, die scheinbar schon immer reiten. Im Stall laufen Jugendliche herum, die selbstverständlich Pferde satteln, im Trab leichttraben und im Galopp über den Reitplatz ziehen. Daneben kann man sich als erwachsener Anfänger schnell unbeholfen fühlen.

Dazu kommt, dass Erwachsene ihre Umgebung anders wahrnehmen. Ein Pferd ist kein niedliches Schaukelpony, sondern ein mehrere Hundert Kilogramm schweres Tier, dessen Rücken ziemlich weit vom Boden entfernt ist. Erwachsene können Risiken realistisch einschätzen – gelegentlich allerdings auch ein wenig zu ausführlich. Während ein Kind noch damit beschäftigt ist, die Mähne zu bewundern, hat der erwachsene Kopf bereits verschiedene Varianten eines möglichen Abstiegs durchgerechnet.

Diese Vorsicht ist aber nichts Schlechtes. Sie sollte nur nicht dazu führen, dass du dich für deine Unsicherheit schämst. Ein guter Reitlehrer erwartet nicht, dass du bei deiner ersten Stunde lässig in den Sattel springst. Er weiß, dass du erst lernen musst, dem Pferd, der Situation und deinem eigenen Körper zu vertrauen.

Die erste Sorge: Komme ich überhaupt auf das Pferd?

Eine der häufigsten Fragen erwachsener Reitanfänger betrifft nicht das Reiten selbst, sondern das Aufsteigen. Viele überlegen bereits vor der ersten Stunde, ob sie das Bein hoch genug bekommen, ob sie kräftig genug sind und wie sie sich auf das Pferd schwingen sollen, ohne auf der anderen Seite gleich wieder herunterzufallen.

In einer vernünftigen Reitschule wird niemand verlangen, dass du vom Boden aus möglichst sportlich in den Sattel kletterst. Eine stabile Aufstieghilfe macht den Höhenunterschied deutlich kleiner. Du stellst dich auf eine Treppe oder einen festen Block, setzt den linken Fuß in den Steigbügel und musst das rechte Bein nur noch ruhig über den Pferderücken führen. Das ist wesentlich leichter, als es von unten aussieht.

Ich habe in meiner Reitschule in Linau bei erwachsenen Anfängern grundsätzlich eine Aufstieghilfe verwendet. Dadurch konnten auch Menschen bequem aufsteigen, die wenig beweglich waren, mehr Gewicht mitbrachten oder sich wegen des Aufsteigens große Sorgen gemacht hatten. In der Praxis war dieser Moment fast nie das Problem, das sie vorher darin gesehen hatten. Sobald die Aufstieghilfe richtig stand, das Pferd ruhig wartete und jemand erklärte, wohin Hände und Füße gehören, kamen die meisten erstaunlich unkompliziert in den Sattel.

Die Aufstieghilfe ist übrigens kein peinliches Hilfsmittel für unsportliche Menschen. Sie schont auch das Pferd, weil beim Aufsteigen weniger einseitiger Zug auf Sattel und Rücken entsteht. Selbst bewegliche und erfahrene Reiter nutzen sie deshalb sinnvollerweise regelmäßig.

Bin ich mit 30 oder 40 zu unsportlich zum Reiten?

Du musst nicht bereits fit sein, um mit dem Reiten anzufangen. Reiten ist schließlich die Tätigkeit, die du erst erlernen möchtest. Niemand würde erwarten, dass du schon vor der ersten Schwimmstunde perfekt kraulen kannst. Trotzdem hilft eine gewisse allgemeine Beweglichkeit, und du wirst wahrscheinlich Muskeln bemerken, von deren Existenz du bisher nur theoretisch wusstest.

Beim Reiten muss dein Körper die dreidimensionale Bewegung des Pferderückens aufnehmen. Das Becken bewegt sich nach vorne und hinten, nach oben und unten sowie leicht seitwärts. Gleichzeitig stabilisieren Rumpf und Beine den Körper, ohne dass du dich steif festhalten solltest. Besonders Bauch, Rücken, Hüfte und die tiefer liegende Muskulatur rund um das Becken werden angesprochen. Bereits die Bewegung des Pferdes im Schritt verlangt dem Körper eine ständige, feine Anpassung ab. (Pferdesport Deutschland)

Mit 30 oder 40 sind diese Fähigkeiten normalerweise sehr gut trainierbar. Am Anfang geht es ohnehin nicht darum, besonders lange oder anstrengend zu reiten. Eine gute erste Stunde besteht aus ruhigem Kennenlernen, Aufsteigen, Sitzen und wenigen einfachen Bewegungsaufgaben. Muskelkater am nächsten Tag ist möglich, aber er ist kein Beweis dafür, dass du ungeeignet bist. Meist zeigt er nur, dass dein Körper ungewohnte Halte- und Ausgleichsarbeit geleistet hat.

Auch Übergewicht bedeutet nicht automatisch, dass du nicht reiten lernen kannst. Allerdings müssen Reitergewicht, Größe, Balance und Beweglichkeit zum jeweiligen Schulpferd passen. Eine verantwortungsvolle Reitschule wird offen besprechen, welches Pferd dich komfortabel tragen kann. Dabei geht es nicht um Beschämung oder eine starre Zahl auf der Waage, sondern um das Wohl des Pferdes und die Sicherheit des Reiters. Ein großer, beweglicher Mensch mit mehr Gewicht kann für ein kräftiges Pferd erheblich angenehmer zu tragen sein als ein leichterer Reiter, der steif sitzt und bei jedem Schritt unkontrolliert in den Rücken fällt.

Wie läuft die erste Reitstunde für Erwachsene sinnvollerweise ab?

Die erste Reitstunde muss keine Mutprobe sein. Bei sehr vorsichtigen oder ängstlichen Erwachsenen habe ich das Pferd zunächst geführt und bin mit ihnen einfach in der Reithalle spazieren gegangen. Der neue Reiter musste noch nicht lenken, treiben oder mehrere Anweisungen gleichzeitig verarbeiten. Er durfte sich zunächst nur an das Sitzen und an die Bewegung gewöhnen.

Wenn jemand besonders unsicher war, arbeitete ich mit einer zweiten Person. Eine Person führte das Pferd, während die andere auf Höhe des Reiterbeins mitging. Diese Begleitung vermittelt körperlich und psychisch sehr viel Sicherheit. Der Reiter spürt, dass unmittelbar jemand da ist, ohne dass er festgehalten oder wie ein hilfloser Patient behandelt wird.

Gleichzeitig habe ich mich mit den Reitern unterhalten. Wir sprachen nicht pausenlos über Absätze, Knie oder Zügel, sondern auch über ganz alltägliche Dinge. Dieser scheinbar nebensächliche Smalltalk hatte einen klaren Zweck: Wer sich unterhält, hält weniger unbewusst die Luft an und kontrolliert nicht jede einzelne Bewegung des Pferdes. Die Aufmerksamkeit löst sich ein wenig von der eigenen Angst, der Körper beginnt mitzugehen und das Pferd fühlt sich plötzlich nicht mehr bei jedem Schritt fremd an.

Bei fast allen erwachsenen Anfängern kam innerhalb der ersten Stunde ein Moment, in dem sie den Sattel oder den Haltegriff kurz loslassen konnten. Zunächst hing vielleicht nur eine Hand locker neben dem Körper, später beide Arme. Manche streckten die Arme seitlich aus, andere ließen sie einfach schwer nach unten sinken. Das klingt nach einer kleinen Übung, verändert aber sehr viel. Wer nicht mehr mit beiden Händen festhält, richtet den Oberkörper meist automatisch besser auf, atmet freier und spürt, dass er nicht bei jeder Bewegung herunterzufallen droht.

Am Ende einer guten ersten Stunde musst du noch nicht traben. Viel wichtiger ist, dass du mit dem Gefühl absteigst: Ich konnte auf diesem Pferd sitzen, ich habe mich an seine Bewegung gewöhnt und ich möchte wiederkommen.

Muss man als Anfänger sofort an die Longe?

Longenunterricht kann sehr sinnvoll sein, weil das Pferd auf einer Kreislinie von der Reitlehrerin kontrolliert wird und der Reiter sich auf Sitz und Gleichgewicht konzentrieren kann. Trotzdem muss die erste Begegnung nicht zwangsläufig sofort an der Longe stattfinden. Für einen stark angespannten Menschen kann der Longenzirkel anfangs sogar ungünstig sein. Das Pferd läuft ständig gebogen auf einer Kreislinie, wodurch sich die Bewegung anders anfühlt als auf einer geraden Strecke. Zusätzlich steht der Reitlehrer in der Mitte und ist weiter vom Reiter entfernt.

Beim geführten Reiten kann die begleitende Person direkt neben dem Pferd bleiben. Das gibt vielen erwachsenen Anfängern zunächst mehr Sicherheit. Sobald der Reiter einigermaßen entspannt sitzt und dem Pferd vertraut, kann die Longe der nächste sinnvolle Schritt sein. Dort lassen sich Gleichgewichtsübungen, das Loslassen der Hände, das Aufnehmen der Bewegung und später das erste Traben systematisch erarbeiten.

Entscheidend ist nicht, ob eine Reitschule grundsätzlich mit Longe oder geführtem Unterricht beginnt. Entscheidend ist, ob sie die Methode an den Menschen anpasst. Ein Reiter, der voller Vorfreude ist und kaum erwarten kann loszulegen, braucht einen anderen Einstieg als jemand, der beim Aufsteigen bereits zittert.

Was hilft gegen Angst und Anspannung im Sattel?

Angst zeigt sich beim Reiten nicht nur im Kopf. Der Körper reagiert unmittelbar. Die Schultern ziehen nach oben, die Hände greifen fester, die Oberschenkel klemmen sich an den Sattel und die Atmung wird flach. Dadurch kann die Bewegung des Pferdes schlechter durch den Körper fließen. Der Reiter fühlt sich instabiler, obwohl er gerade versucht, sich besonders fest zu sichern.

Ein einfacher erster Schritt besteht darin, länger aus- als einzuatmen. Du kannst beispielsweise ruhig durch die Nase einatmen und anschließend etwas länger durch den Mund ausatmen. Dabei sollen keine riesigen, erzwungenen Atemzüge entstehen. Es reicht, den Atem bewusst fließen zu lassen und beim Ausatmen die Schultern, den Kiefer und die Oberschenkel etwas weicher werden zu lassen.

Hilfreich ist auch, die Aufmerksamkeit nacheinander durch den Körper wandern zu lassen. Sind die Zehen verkrampft? Drücken die Knie gegen den Sattel? Ist der Bauch hart? Werden die Schultern hochgezogen? Schon das Wahrnehmen verändert häufig etwas. Der Reiter muss nicht versuchen, auf Kommando völlig locker zu werden. „Entspann dich endlich“ ist ohnehin eine der zuverlässigsten Methoden, um einen angespannten Menschen noch angespannter zu machen. Besser funktioniert eine konkrete Einladung: Atme aus, lass dein rechtes Bein ein wenig schwerer werden und spüre, wie es sich beim nächsten Schritt bewegt.

Auch rhythmisches Sprechen, Zählen oder Summen kann helfen. Wer leise die Schritte mitzählt oder einen Satz spricht, kann den Atem nicht dauerhaft anhalten. Manche Reiter entspannen sich leichter, wenn sie nicht dauernd gefragt werden, ob sie Angst haben. Ein ruhiges Gespräch über ein vertrautes Thema holt sie aus der inneren Alarmbeobachtung zurück in eine normale Situation.

Erfahrung aus dem therapeutischen und heilpädagogischen Reiten

Der behutsame Umgang mit ängstlichen Reitanfängern entstand bei mir nicht nur aus dem gewöhnlichen Reitunterricht. Ich war FN-geprüfte therapeutische Reitlehrerin und arbeitete auch im heilpädagogischen Reiten mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sowie mit Kindern, die besondere Unterstützung im Verhalten, in der Wahrnehmung oder in ihrer emotionalen Regulation benötigten.

Heute werden je nach Arbeitsfeld unter anderem Bezeichnungen wie „Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen“, „Kinder mit Verhaltensbesonderheiten“ oder „Kinder mit besonderem Förderbedarf“ verwendet. Das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten spricht in seinen aktuellen Unterlagen beispielsweise von Verhaltensbesonderheiten, Schwierigkeiten im Sozialverhalten, Ängsten sowie psychischen und geistigen Beeinträchtigungen. (Dkthr)

Bei der pferdgestützten heilpädagogischen Arbeit steht nicht die schnelle reiterliche Leistung im Mittelpunkt. Es geht um Wahrnehmung, Vertrauen, Bewegung, Beziehung und darum, dem Menschen Erfahrungen zu ermöglichen, die ihn stabilisieren. Der Reiter spürt die Wärme des Pferdes, hört den regelmäßigen Takt der Schritte und wird durch die Bewegung fortlaufend zu kleinen körperlichen Anpassungen angeregt. Das DKThR beschreibt die pferdgestützte Heilpädagogik als psycho-soziale und psycho-motorische Förderung, die pädagogische, heilpädagogische oder psychologische Konzepte mit dem Pferd verbindet. (Dkthr)

Natürlich ist ein gewöhnlicher Reitanfänger nicht automatisch ein Therapiekandidat. Trotzdem lassen sich viele pädagogische Grundgedanken auf guten Erwachsenenunterricht übertragen. Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass man einen Menschen möglichst schnell durch eine Aufgabe drängt. Sie entsteht durch nachvollziehbare Schritte, ein verlässliches Pferd, eine ruhige Begleitung und das Gefühl, jederzeit sagen zu dürfen, wenn etwas noch zu viel ist.

Wie schnell lernt man mit 30 oder 40 reiten?

Es gibt keinen festen Zeitpunkt, nach dem ein erwachsener Anfänger traben, galoppieren oder allein ein Pferd lenken können muss. Manche fühlen sich bereits nach wenigen Stunden sehr sicher, andere brauchen mehrere Wochen, bis sie die Hände beim Schritt wirklich locker lassen können. Beides ist normal.

Gerade Erwachsene setzen sich oft unnötig unter Druck. Sie bezahlen für Reitunterricht und möchten deshalb möglichst schnell „Fortschritte“ sehen. Im Reiten besteht Fortschritt aber nicht nur darin, eine neue Gangart auszuprobieren. Wenn du in der dritten Stunde ruhiger atmest, weniger mit den Knien klemmst und die Bewegung des Pferdes besser spürst, hast du möglicherweise mehr gelernt als jemand, der bereits im Trab herumhüpft, aber noch keinen stabilen Sitz entwickeln konnte.

Wie schnell es vorangeht, hängt auch davon ab, wie häufig du reitest. Eine wöchentliche Reitstunde ist für viele Erwachsene ein realistischer Einstieg. Bei größeren Abständen dauert es länger, bis sich Bewegungsabläufe festigen. Zusätzliche Bewegung im Alltag kann helfen. Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen, sanftes Krafttraining oder Übungen für Hüftbeweglichkeit und Rumpfstabilität verbessern die körperlichen Voraussetzungen, ohne dass daraus ein zweites Sportstudium werden muss.

Woran erkennst du eine gute Reitschule für erwachsene Anfänger?

Eine gute Reitschule fragt nicht nur nach deinen reiterlichen Vorkenntnissen, sondern auch danach, wie sicher du dich mit Pferden fühlst, ob du gesundheitliche Einschränkungen hast und was du erreichen möchtest. Sie verfügt über ruhige, gut ausgebildete Schulpferde, die zu Größe, Gewicht und Erfahrung der Reiter passen. Außerdem sollte eine vernünftige Aufstieghilfe vorhanden sein.

Besonders wichtig ist der Umgangston. Du solltest Fragen stellen dürfen, ohne belächelt zu werden. Ein erwachsener Reitanfänger braucht keine militärische Beschallung aus der Hallenmitte und auch keine Reitlehrerin, die Ungeduld für besondere Fachkompetenz hält. Präzise Korrekturen sind notwendig, aber sie müssen verständlich sein und dürfen den Reiter nicht mit fünf Aufgaben gleichzeitig überladen.

Sinnvoll sind zunächst Einzelunterricht, eine sehr kleine Gruppe oder geführte Einheiten. In einer großen Abteilung kann ein Anfänger leicht zum Passagier werden, der irgendwie hinter den anderen Pferden herfährt. Das mag nach Reiten aussehen, vermittelt aber oft weder einen unabhängigen Sitz noch ein echtes Verständnis für das Pferd.

Auch der Zustand der Schulpferde sagt viel über einen Betrieb aus. Die Pferde sollten gepflegt, passend ausgerüstet und nicht stundenlang stumpf im Kreis eingesetzt werden. Ein gutes Anfängerpferd ist ruhig und zuverlässig, aber kein willenloses Sportgerät. Es darf aufmerksam sein, reagieren und seine eigenen Bedürfnisse haben.

Muss ich mir gleich eine komplette Reitausrüstung kaufen?

Für die ersten Stunden brauchst du keine teure Turniergarderobe. Ein gut passender Reithelm ist allerdings unverzichtbar. Viele Reitschulen verleihen Helme für Probestunden. Dazu eignen sich eine bequeme, möglichst eng anliegende Hose ohne dicke Nähte an der Innenseite der Beine sowie feste Schuhe mit kleinem Absatz und möglichst glatter Sohle. Weite Hosen, stark profilierte Wanderschuhe und Schuhe ohne Absatz können sich ungünstig am Sattel oder Steigbügel verhalten.

Sobald du regelmäßig reitest, lohnt sich ein eigener Helm, weil Passform und Hygiene dann besser kontrollierbar sind. Eine Reithose und geeignete Stiefeletten oder Reitstiefel können später dazukommen. Eine Sicherheitsweste ist beim normalen Anfängerunterricht nicht grundsätzlich vorgeschrieben, kann aber je nach Unterrichtsform, persönlichem Sicherheitsbedürfnis und Angebot der Reitschule sinnvoll sein.

Ist Reiten mit 40 schwieriger als mit 30?

Zwischen einem gesunden Dreißigjährigen und einem gesunden Vierzigjährigen besteht beim Reitenlernen normalerweise kein grundsätzlicher Unterschied. Persönliche Voraussetzungen unterscheiden sich deutlich stärker als diese zehn Lebensjahre. Ein beweglicher Vierzigjähriger, der regelmäßig Sport treibt, kann sich im Sattel leichter tun als ein Dreißigjähriger, der den ganzen Tag sitzt und seit Jahren kaum Bewegung hatte.

Selbst kleinere Einschränkungen bedeuten nicht, dass Reiten unmöglich ist. Rückenprobleme, Hüftbeschwerden, Knieprobleme, Schwindel oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten allerdings vor Beginn ärztlich abgeklärt werden. Entscheidend ist, ob die Bewegung des Pferdes für die jeweilige Person geeignet ist und ob Aufsteigen, Sitzen und Absteigen sicher organisiert werden können. Im therapeutischen Reiten werden deshalb Indikationen und Kontraindikationen sorgfältig unterschieden und bei bestimmten körperlichen oder psychischen Erkrankungen wird die Zusammenarbeit mit medizinischen oder therapeutischen Fachkräften empfohlen. (Dkthr)

Was viele erwachsene Anfänger beim Reiten überrascht

Die größte Überraschung besteht oft darin, dass Reiten viel weniger mit Kraft zu tun hat als erwartet. Das Pferd wird nicht mit Muskelkraft gelenkt, und der Reiter muss sich nicht pausenlos mit den Beinen festklammern. Gutes Reiten entsteht aus Balance, Koordination, Timing und einer feinen Kommunikation mit dem Pferd.

Viele Erwachsene sind nach der ersten Stunde auch überrascht, wie intensiv sie die Bewegung im Schritt spüren. Von außen sieht ein gehendes Pferd ruhig aus. Im Sattel bewegt sich jedoch der gesamte Körper. Gleichzeitig berichten viele, dass sie sich nach einer anfänglichen Unsicherheit ungewöhnlich ruhig fühlen. Der gleichmäßige Takt, die Wärme des Pferdes und die Konzentration auf den Augenblick lassen wenig Raum für Alltagsgedanken.

Genau deshalb lohnt es sich, den Wunsch nicht jahrelang aufzuschieben. Du musst mit 30 oder 40 weder besonders mutig noch besonders sportlich sein. Du brauchst ein verlässliches Pferd, eine gute Anleitung und eine Reitschule, die den ersten Schritt nicht kleiner redet, aber auch kein Drama daraus macht.

Fazit: Mit 30 oder 40 kannst du sehr gut reiten lernen

Dreißig oder vierzig ist kein spätes Alter, um mit dem Reiten zu beginnen. Du befindest dich vielmehr in einer Lebensphase, in der du bewusst entscheiden kannst, was du lernen möchtest und welche Art von Unterricht zu dir passt. Du musst nicht mehr beweisen, dass du dich besonders schnell in den Sattel schwingen kannst. Du darfst eine Aufstieghilfe benutzen, zunächst geführt werden, Fragen stellen und dir Zeit nehmen, bis du dich auf dem Pferd sicher fühlst.

Ein guter Einstieg beginnt nicht mit Tempo, sondern mit Vertrauen. Vielleicht gehst du in der ersten Stunde nur einige Runden im Schritt durch die Halle, während jemand das Pferd führt und sich mit dir unterhält. Vielleicht hältst du anfangs noch beide Hände am Sattel fest und lässt später für ein paar Schritte die Arme locker hängen. Von außen sieht das nach wenig aus. Für einen Menschen, der sich vorher gefragt hat, ob er überhaupt auf das Pferd hinaufkommt, kann genau dieser Moment der Anfang eines langen Reiterlebens sein.

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