
Die echten Pferde hinter den Filmhelden
Fury, Black Beauty und Tornado haben etwas gemeinsam: Ihre Namen sind oft bekannter als die Namen der Pferde, die sie gespielt haben. Auf der Leinwand sehen wir einen treuen Freund, einen unbezähmbaren Hengst oder den zuverlässigen Begleiter eines maskierten Helden. Dahinter stehen echte Pferde mit einer eigenen Geschichte – und manchmal mit einer erstaunlich langen Filmkarriere.
Einige wechselten mühelos von einer Rolle in die nächste. Andere teilten sich ihren Auftritt mit mehreren Kollegen, ohne dass das Publikum etwas davon bemerkte. Wer die echten Pferde hinter den Filmhelden kennenlernt, sieht vertraute Szenen plötzlich mit anderen Augen.

Highland Dale: derselbe Pferdestar hinter Fury und Black Beauty
Für viele Zuschauer war Fury das Pferd schlechthin. Der
schwarze Hengst gehörte zu Joey wie die Ranch zur Serie. Was weniger bekannt ist: Sein tierischer Hauptdarsteller hatte bereits eine erfolgreiche Filmkarriere hinter sich, bevor er zum Fernsehhelden wurde.
Das Pferd hieß Highland Dale und wurde auch Beauty genannt. Bereits in der Verfilmung von Black Beauty aus dem Jahr 1946 übernahm es die Titelrolle. Sein Besitzer und Trainer Ralph McCutcheon betreute damit einen Pferdestar, der später unter einem ganz anderen Rollennamen berühmt werden sollte. (catalog.afi.com, tcm.com)
Highland Dale spielte außerdem in „Giganten“ mit Elizabeth Taylor. Ein zeitgenössischer Bericht von 1958 beschreibt Fury beziehungsweise Beauty als eines der besonders gut ausgebildeten und gut bezahlten Pferde Hollywoods. Hinter dem vermeintlich wilden Serienhengst stand also ein erfahrener Profi. (time.com)
Highland Dale war ein American Saddlebred. Diese Verbindung ist interessant, weil viele Menschen bei einem amerikanischen Filmpferd zuerst an ein Westernpferd denken. Tatsächlich kamen ganz unterschiedliche Rassen vor die Kamera. Highland Dale brachte die Präsenz und Ausbildung mit, die seine Rollen verlangten – und offenbar auch die Fähigkeit, mehrere Generationen von Zuschauern für sich einzunehmen.

Cass Ole: der berühmte Araber hinter dem schwarzen Hengst
Bei „Der schwarze Hengst“ von 1979 blieb vor allem ein Bild im Gedächtnis: ein schwarzer Araber am Meer, zunächst unerreichbar und später eng mit dem Jungen Alec verbunden. Für die zentrale Pferderolle wurde Cass Ole ausgewählt, ein bereits erfolgreiches Showpferd aus Texas.
Seine Besitzerin war die junge Francesca Cuello. Cass Ole wurde damit nicht eigens für den Film entdeckt und aus einem vermeintlich wilden Leben geholt. Er brachte bereits Erfahrung mit, bevor er zum Gesicht eines der bekanntesten Pferdefilme wurde.
Trotzdem spielte er den schwarzen Hengst nicht allein. Nach den Produktionsinformationen wurden neben Cass Ole drei weitere Pferde vorbereitet. Dazu gehörte der Araberhengst Fae-Jur. Unterschiedliche Tiere übernahmen verschiedene Aufgaben und Ausdrucksformen der Filmfigur.
Vor den Dreharbeiten trainierten die Pferde gemeinsam auf der Randall Ranch. Auch Kelly Reno, der Alec spielte, bereitete sich dort auf die Zusammenarbeit mit seinem tierischen Filmpartner vor. Die vertraut wirkenden Begegnungen entstanden somit aus gemeinsamer Vorbereitung und sorgfältig aufgebauten Abläufen.
Tornado: Zorros Pferd hatte mehr als einen Darsteller
Ein maskierter Reiter, ein wehender Umhang und ein schwarzes Pferd mit eindrucksvoller Mähne: Bei Zorro ist das Pferd ein wesentlicher Teil des gesamten Auftritts. Das Pferd von Zorro heißt in der Geschichte Tornado. Welche echten Pferde dahinterstehen, hängt allerdings von der jeweiligen Produktion ab.
In „Die Maske des Zorro“ von 1998 war der Friesenhengst Casey einer der zentralen Darsteller. Pferdetrainer Bobby Lovgren, der an beiden Zorro-Filmen mitarbeitete, berichtete, dass Antonio Banderas Casey während eines großen Teils des Films ritt. Für die Fortsetzung „Die Legende des Zorro“ von 2005 wurde wiederum ein Friese namens Ariaan zum wichtigsten Pferdedarsteller.
Auch hier war Tornado eine Rolle, die sich mehrere Pferde teilten. Für den Film von 1998 bereitete das Trainerteam unterschiedliche Tiere auf die Anforderungen vor. Der Name Tornado bezeichnet deshalb keinen einzelnen Pferdestar, der durch sämtliche Zorro-Verfilmungen galoppiert.

Für den Zuschauer bleibt trotzdem ein einziges Pferd im Gedächtnis. Der Friese prägt mit seiner Erscheinung diese Filmfigur besonders stark: viel Mähne, ein markanter Hals und ein Auftritt, der neben einem Mantel-und-Degen-Helden durchaus bestehen kann.
Bamboo Harvester: das echte Pferd hinter Mister Ed
Nicht jeder Pferdestar musste wild aussehen oder einen Helden durch eine Verfolgungsjagd tragen. Manche bekamen die besten Dialoge.
Das sprechende Pferd Mister Ed wurde hauptsächlich von dem Wallach Bamboo Harvester gespielt. Er war ein Palomino mit American-Saddlebred– und Araber-Abstammung. Damit führt auch diese berühmte Fernsehrolle zurück zu einer Rasse, die bereits bei Highland Dale eine Rolle spielte.
Die Stimme des Pferdes kam selbstverständlich von einem Menschen: Allan „Rocky“ Lane sprach Mister Ed. Für die Ausbildung des Pferdes war Les Hilton zuständig. Außerdem gab es einen tierischen Kollegen namens Pumpkin, der als Double eingesetzt wurde.
Besonders hübsch ist ein Detail aus dem Abspann: Mister Ed wurde dort als Darsteller seiner selbst geführt. Bamboo Harvester musste sich also mit einem Künstlernamen begnügen, während sein menschlicher Kollege Alan Young unter seinem eigenen Namen auftreten durfte. Hollywood konnte offenbar schon damals ungerecht sein.
Warum eine Pferderolle mehrere Pferde braucht
Bei menschlichen Schauspielern wundert sich niemand über ein Stuntdouble. Bei Pferden fällt die Aufteilung weniger auf, weil das Publikum meist davon ausgeht, immer dasselbe Tier zu sehen.
Doch ein Pferd, das ruhig eine Nahaufnahme mitmacht, muss nicht automatisch das passende Pferd für eine schnelle Reitszene sein. Unterschiedliche Aufgaben verlangen unterschiedliche Fähigkeiten. Bei „Der schwarze Hengst“ wurde diese Arbeitsteilung ausdrücklich schon während der Vorbereitung berücksichtigt.
Erst durch Kameraführung und Schnitt werden diese einzelnen Auftritte zu einer durchgehenden Figur. Für uns steht dann ein Pferd am Strand, läuft durch die Landschaft und begegnet dem Hauptdarsteller. Tatsächlich kann zwischen diesen Szenen der tierische Darsteller gewechselt haben.
Das schmälert die Leistung der Pferde nicht. Es macht vielmehr sichtbar, wie viel Vorbereitung hinter einer Szene steckt, die später ganz selbstverständlich wirkt.
Filmnamen erzählen nur die halbe Geschichte
Gerade bei häufig verfilmten Geschichten lohnt sich die genaue Zuordnung. Die Aussage „Highland Dale spielte Black Beauty“ ist richtig – sie bezieht sich aber auf die Verfilmung von 1946. Daraus lässt sich nichts über die Pferde in späteren Fassungen ableiten.
Ähnlich ist es bei Tornado. Casey und Ariaan gehören zu bestimmten Zorro-Filmen. Der Rollenname bleibt bestehen, während die echten Pferde wechseln.
Wer die schönsten Pferdefilme noch einmal anschaut, kann deshalb auf eine zweite Geschichte achten: auf die Pferde hinter den Figuren. Cass Ole, Highland Dale, Casey, Ariaan und Bamboo Harvester waren mehr als eine schöne Kulisse. Sie gaben ihren Rollen Bewegung, Ausdruck und ein Gesicht – auch wenn ihre eigenen Namen vielen Zuschauern bis heute unbekannt geblieben sind.







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