Wie hieß das Pferd von Zorro? Tornado und die echten Pferde hinter der Filmlegende
Schwarzer Umhang, schwarze Maske, ein blitzendes „Z“ und natürlich ein schwarzes Pferd: Wer die klassischen Zorro-Filme und Fernsehserien kennt, erinnert sich vermutlich mindestens genauso gut an das Pferd wie an seinen Reiter. Das Pferd von Zorro hieß Tornado.
Doch spätestens bei der Frage, welche Pferderasse Tornado eigentlich war, wird es überraschend kompliziert. Denn Tornado war nicht immer dasselbe Pferd. In der berühmten Disney-Fernsehserie mit Guy Williams wurde die Rolle sogar von mehreren Pferden übernommen. Und in den späteren Zorro-Kinofilmen mit Antonio Banderas kamen wiederum ganz andere Pferderassen zum Einsatz.
Wer also wissen möchte, ob Zorros Pferd ein Andalusier, ein Friese oder ein Quarter Horse war, bekommt eine etwas ungewöhnliche Antwort:
Es kommt darauf an, welchen Zorro du meinst.
Wie heißt das Pferd von Zorro?
Das berühmte schwarze Pferd von Zorro heißt Tornado.
Tornado gehört ebenso zur Figur des Zorro wie Maske, Degen und schwarzer Umhang. Besonders bekannt wurde das Pferd durch die Disney-Fernsehserie „Zorro“, die in den USA von 1957 bis 1959 ausgestrahlt wurde. Die Rolle des Don Diego de la Vega beziehungsweise Zorro spielte Guy Williams.
Tornado war dabei keineswegs einfach nur ein hübsches schwarzes Pferd, auf dem der Held von A nach B ritt. Das Pferd wurde zu einem eigenen Charakter. Es reagierte auf Zorros Signale, galoppierte scheinbar auf Zuruf herbei und war bei Fluchten und Verfolgungsjagden ein wichtiger Bestandteil der Handlung.
Und genau für diese unterschiedlichen Aufgaben brauchte die Filmproduktion mehr als ein Pferd.
Das echte Pferd von Zorro hieß Diamond Decorator
Das wichtigste Pferd hinter dem Film-Tornado der klassischen Disney-Serie hieß Diamond Decorator.
Disney kaufte Diamond Decorator eigens für die Zorro-Serie. Das Pferd war 1950 geboren worden und tatsächlich ein registriertes American Quarter Horse. Seine Abstammung lässt sich entsprechend nachvollziehen. Unter seinen Vorfahren finden sich mit Joe Hancock und Old Sorrel sogar zwei bedeutende Namen der frühen Quarter-Horse-Zucht.
Bevor Diamond Decorator Filmstar wurde, hatte er bereits eine durchaus respektable Karriere hinter sich.
Er wurde zunächst als Rennpferd eingesetzt und erhielt 1952 ein „Register of Merit“ im Rennsport. In insgesamt 15 Rennen erreichte er unter anderem zwei Siege. Später wurde er als Stock Horse beziehungsweise Reiningpferd ausgebildet und schließlich bei einer Veranstaltung im Cow Palace in San Francisco entdeckt.
Damit brachte Diamond Decorator ziemlich genau das mit, was man für Zorro brauchte: Er war schnell, wendig, gut geritten und offenbar sehr fein auf die Hilfen eingestellt. Guy Williams’ Stuntdouble Buddy Van Horn erinnerte sich später daran, dass bereits eine kleine Berührung mit dem Knie genügte und das Pferd sofort bereit war loszugehen. (Western Horseman)
Welche Pferderasse war das Pferd von Zorro?
Wenn du nach der Pferderasse von Zorro beziehungsweise Tornado in der alten Disney-Serie suchst, lautet die kürzeste Antwort:
Das wichtigste Tornado-Pferd Diamond Decorator war ein American Quarter Horse.
Ganz vollständig ist diese Antwort allerdings noch nicht.
Denn Tornado wurde von mehreren Pferden dargestellt.
Neben Diamond Decorator gehörte beispielsweise Midnight zum Team. Auch Midnight war ein registriertes Quarter Horse. Ein weiteres Pferd namens Rex war dagegen ein American Saddlebred, während Ribbon als sogenanntes „Grade Horse“ geführt wurde, also als Pferd ohne registrierte beziehungsweise eindeutig dokumentierte Rasseabstammung. (Western Horseman)
Tornado hatte also gewissermaßen seine eigenen Stuntdoubles.
Tornado war in Wirklichkeit mehrere Pferde
Das ist wahrscheinlich die schönste Geschichte hinter Zorros berühmtem Pferd: Auf dem Bildschirm sahen die Zuschauer Tornado. Hinter der Kamera stand dagegen ein kleines Team schwarzer Pferdedarsteller bereit.
Jedes Pferd hatte besondere Stärken.
Diamond Decorator war das wichtigste und wohl auch bevorzugte Reitpferd von Guy Williams.
Midnight beherrschte bestimmte Tricks und wurde beispielsweise für spezielle Szenen eingesetzt.
Rex, ein American Saddlebred, brachte wiederum andere Fähigkeiten mit.
Und Ribbon galt als besonders schnell. Buddy Van Horn, das Stuntdouble von Guy Williams, soll Ribbon sogar als seinen bevorzugten Tornado bezeichnet haben.
Die einzelnen Pferde sahen einander offenbar so ähnlich, dass selbst Menschen, die an der Produktion beteiligt waren, sie auf manchen Fotos später kaum auseinanderhalten konnten. Besonders Diamond Decorator und Midnight waren optisch schwer zu unterscheiden. (Western Horseman)
Damit die Illusion vollkommen blieb, half die Filmproduktion gelegentlich sogar bei der Fellfarbe nach. Pferde, deren Schwarz nicht exakt zum gewünschten Tornado-Look passte, wurden entsprechend nachgefärbt.
Hollywood war offenbar schon damals bereit, bei der Haarfarbe etwas nachzuhelfen.
War Tornado ein Hengst?
Auch diese Frage ist interessant, denn Tornado wird in der Geschichte häufig als Hengst dargestellt.
Das wichtigste Filmpferd Diamond Decorator war allerdings ein Wallach.
Damit zeigt sich wieder der Unterschied zwischen Filmfigur und tatsächlichem Pferd: Auf der Leinwand beziehungsweise im Fernsehen sah der Zuschauer den temperamentvollen schwarzen Hengst Tornado. Hinter den Kulissen wurde die Rolle von unterschiedlichen Pferden mit unterschiedlichen Abstammungen und Geschlechtern gespielt.
Warum eignete sich gerade ein Quarter Horse für Zorro?
Dass ausgerechnet Quarter Horses eine große Rolle bei den Dreharbeiten spielten, ist aus reiterlicher Sicht durchaus nachvollziehbar.
Ein Film wie Zorro verlangt von einem Pferd weit mehr als einen eindrucksvollen Galopp vor schöner Kulisse. Ein Filmpferd muss auf kleinste Signale reagieren, auf engem Raum wendig sein und auch in einer Umgebung mit Kameras, Menschen, Requisiten und ungewöhnlichen Bewegungen kontrollierbar bleiben.
Diamond Decorator brachte zudem eine Ausbildung als Stock Horse beziehungsweise Reiningpferd mit.
Quarter Horses sind traditionell für schnelle Antritte, Wendigkeit und die Arbeit auf feine Hilfen gezüchtet worden. Gerade für rasante Wendungen, schnelle Galoppszenen und präzise Bewegungsabläufe war ein gut ausgebildetes Quarter Horse daher eine ausgesprochen passende Besetzung.
Der schwarze Filmheld sah also nicht nur gut aus. Hinter Tornado steckte ein richtig gut ausgebildetes Reitpferd.
Was geschah mit Diamond Decorator nach Zorro?
Diamond Decorator hatte im Gegensatz zu vielen anderen Hollywood-Pferden eine erstaunlich klar umrissene Filmkarriere.
Disney hatte ihn speziell für die Rolle des Tornado gekauft. Nach dem Ende der Serie wurde er nicht weiter durch verschiedene Filmproduktionen gereicht, sondern kam auf die Golden Oak Ranch von Disney in Kalifornien.
Dort durfte er seinen Ruhestand verbringen.
Auch die Verbindung zwischen Guy Williams und dem Pferd scheint über die Dreharbeiten hinaus bestanden zu haben. Nach Angaben von Beteiligten besuchte Williams Diamond Decorator später noch auf der Ranch. (Western Horseman)
Das ist vielleicht ein Grund, weshalb die Szenen zwischen Zorro und Tornado so überzeugend wirkten. Guy Williams war offenbar nicht einfach nur ein Schauspieler, den man für die Aufnahme auf irgendein schwarzes Pferd setzte.
Das weiße Pferd von Zorro hieß Phantom
Neben Tornado tauchte in der Disney-Serie übrigens noch ein weiteres bemerkenswertes Pferd auf.
Das weiße Pferd hieß Phantom und wurde hauptsächlich von einem Pferd namens King dargestellt.
King gehörte der bekannten Hollywood-Pferdetrainerfamilie Randall und war ein außergewöhnlich helles, nahezu silberweißes Pferd. Laut dem Trainer Corky Randall wurde King sehr häufig innerhalb der Serie eingesetzt. Nicht jedes weiße Pferd, das der Zuschauer sah, stellte dabei unbedingt Phantom dar, denn King wurde auch als Pferd anderer Figuren verwendet. (Western Horseman)
War Zorros Pferd ein Andalusier?
Hier beginnt das große Durcheinander rund um Tornados Pferderasse.
Wer heute nach „Zorro Pferderasse“ oder „Welche Rasse war Tornado?“ sucht, stößt häufig auf die Antwort:
Andalusier.
Diese Aussage ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, bezieht sich aber nicht auf den Tornado der klassischen Disney-Serie.
In den modernen Zorro-Filmen mit Antonio Banderas wird Tornado innerhalb der Handlung als Andalusier dargestellt.
Besonders bekannt ist der Kinofilm „Die Maske des Zorro“ aus dem Jahr 1998 mit Antonio Banderas, Anthony Hopkins und Catherine Zeta-Jones.
Doch selbst dort gibt es wieder einen kleinen Pferde-Filmtrick.
Denn die Pferde, die Tornado tatsächlich spielten, waren überwiegend keine Andalusier.
In „Die Maske des Zorro“ wurde Tornado von Friesen gespielt
Für „Die Maske des Zorro“ von 1998 und den Nachfolger „Die Legende des Zorro“ von 2005 wurden hauptsächlich Friesen als Tornado eingesetzt.
Das bestätigt unter anderem die United States Equestrian Federation. Tornado sollte in der Geschichte zwar einen Andalusier darstellen, für die Dreharbeiten wurden jedoch mehrere Friesen verwendet. (USEF)
Das kann man durchaus verstehen.
Ein schwarzer Friese bringt für einen Film fast alles mit, was eine Kamera liebt: tiefschwarzes Fell, viel Mähne, einen kräftigen Hals und eine auffallend repräsentative Erscheinung.
Wenn Zorro auf einem solchen Pferd durchs Bild galoppiert, muss niemand mehr erklären, wer gerade der Held ist.
Für verschiedene Szenen kamen auch bei diesen Produktionen mehrere Pferde zum Einsatz. Im ersten Film wird unter anderem ein Friese namens Casey als eines der wichtigsten Tornado-Pferde genannt. Bei einzelnen Stunts wurden andere Pferde verwendet. Im zweiten Film wurden wiederum mehrere Friesen eingesetzt. (USEF)
Quarter Horse, Andalusier oder Friese: Welche Rasse hatte Tornado nun wirklich?
Die Verwirrung lässt sich ganz einfach auflösen, wenn man Filmfigur und Filmpferd auseinanderhält.
In der klassischen Disney-Serie mit Guy Williams war das wichtigste Tornado-Pferd Diamond Decorator, ein American Quarter Horse. Außerdem kamen weitere Quarter Horses, ein American Saddlebred und ein Pferd ohne dokumentierte Rassezugehörigkeit zum Einsatz. (Western Horseman)
In den späteren Zorro-Kinofilmen mit Antonio Banderas sollte Tornado einen Andalusier darstellen.
Gespielt wurde dieses Pferd jedoch hauptsächlich von Friesen. (USEF)
Deshalb sind tatsächlich alle drei Rassen irgendwie mit Zorros Pferd verbunden.
Die Pferde von Zorro kurz zusammengefasst
Name des Pferdes von Zorro: Tornado
Klassische Disney-Serie von 1957 bis 1959:
Hauptpferd Diamond Decorator, American Quarter Horse
Weitere Tornado-Pferde:
unter anderem Midnight, ebenfalls Quarter Horse, Rex, American Saddlebred, und Ribbon, ein Pferd ohne registrierte Rasseabstammung
Die Maske des Zorro von 1998:
Tornado wird als Andalusier dargestellt, gespielt wurde er überwiegend von Friesen
Die Legende des Zorro von 2005:
ebenfalls mehrere Friesen als Tornado
Warum Tornado fast genauso berühmt wurde wie Zorro
Zorro wäre ohne Tornado vermutlich immer noch Zorro. Aber ihm würde etwas Entscheidendes fehlen.
Das schwarze Pferd macht aus dem maskierten Fechter erst den kompletten Filmhelden. Tornado steht für Geschwindigkeit, Freiheit und die Möglichkeit, im richtigen Moment aufzuspringen und wieder zu verschwinden, bevor die Soldaten überhaupt verstanden haben, was gerade passiert ist.
Interessant ist gerade aus Pferdesicht, wie viel Arbeit hinter dieser scheinbaren Selbstverständlichkeit steckt.
Was im fertigen Film wie ein einziges außergewöhnlich kluges Pferd aussieht, war in Wirklichkeit das Ergebnis sorgfältiger Pferdeauswahl, guter Ausbildung und mehrerer hoch spezialisierter Filmpferde.
Und damit bekommt die Frage „Wie hieß das Pferd von Zorro?“ eine deutlich interessantere Antwort als nur ein Wort:
Es hieß Tornado.
Aber Tornado war eigentlich ein ganzes Team.

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