Gebisslose Zäumung
Alle Varianten, ihre Wirkung und was Du vor dem Umstieg wissen musst
Immer mehr Reiterinnen und Reiter fragen sich, ob es auch ohne Metall im Pferdemaul geht. Die Antwort lautet ja, auf sehr unterschiedliche Weise. Unter dem Sammelbegriff gebisslose Zäumung stecken Zäumungen, die fast nichts miteinander gemeinsam haben: ein dünnes Seilhalfter, ein schwerer Reitkappzaum aus der klassischen Reitkunst, ein geflochtenes Bosal aus Kalifornien oder eine mechanische Hackamore mit langen Metallschenkeln. Manche wirken so direkt wie ein Halfter, andere arbeiten mit einem Hebel, der Deine Zügelhand um ein Vielfaches verstärkt.
In diesem Beitrag lernst Du jede gängige Variante kennen: wie sie aufgebaut ist, wo sie am Pferdekopf ansetzt, für wen sie passt und wo ihre Grenzen liegen. Dazu kommen die Anatomie des Pferdekopfes, die richtige Verschnallung, ein Fahrplan für den Umstieg, die aktuelle Lage auf Turnieren und ein ehrlicher Blick auf die Forschung. Die hat nämlich gezeigt, dass gebisslos nicht automatisch sanfter bedeutet.

Gebisslose Trense, gebisslose Zäumung, Zäumung ohne Gebiss: Was die Begriffe bedeuten
Streng genommen ist „gebisslose Trense“ ein Widerspruch. Die Trense bezeichnet in der Reitersprache sowohl das einfache Gebiss (Wassertrense, Olivenkopftrense) als auch den gesamten Kopfzaum, an dem dieses Gebiss hängt. Im Alltag hat sich „Trense“ aber längst als Wort für den Zaum an sich durchgesetzt. Wer „gebisslose Trense“ sucht, meint deshalb einen Kopfzaum, an dem die Zügel nicht an einem Mundstück, sondern an einem Nasenteil, einem Kinnteil oder einer Kombination aus beidem befestigt sind.
Gebisslose Zäumung, Zäumung ohne Gebiss und gebisslose Trense meinen also dasselbe. Im Englischen heißt es „bitless bridle“. Vorsicht bei diesem Begriff: „Bitless Bridle“ ist im deutschsprachigen Raum auch der Name einer bestimmten Kreuzzug-Zäumung nach Dr. Robert Cook. In Foren und Kleinanzeigen verschwimmen beide Bedeutungen ständig.
Ebenso verwirrend ist das Wort Hackamore. Es stammt vom spanischen „jáquima“ (Halfter) und bezeichnet ursprünglich die kalifornische Zäumung aus Bosal, Mecate und Fiador. Im deutschen Reitsport verstehen die meisten unter Hackamore dagegen die mechanische Hebelzäumung mit Metallschenkeln. Beide haben in ihrer Wirkungsweise so gut wie nichts gemeinsam. Deshalb sagen wir in diesem Beitrag klar dazu, welche gemeint ist.
Wie eine gebisslose Zäumung wirkt
Mit Gebiss kommt die Zügelhilfe über das Mundstück an Zunge, Laden (den zahnlosen Kieferabschnitt zwischen Schneide- und Backenzähnen) und Maulwinkel an. Ohne Gebiss verlagerst Du diese Einwirkung nach außen auf den Kopf. Je nach Zäumung landen Druck und Signal an diesen Stellen:
Auf dem Nasenrücken, bei Sidepull, Reitkappzaum, Bosal und allen Hackamores.
In der Kinngrube, also an der Unterseite des Unterkiefers, bei Kinnkette, Kinnriemen oder dem Knoten eines Bosals.
Seitlich an den Backen, wenn der Zügel seitlich zieht oder bei Kreuzzug-Zäumungen die Riemen am Kopf entlanglaufen.
Im Genick, sobald eine Zäumung mit Hebel oder Kreuzung arbeitet und das Genickstück nach unten zieht.
Dazu kommt die Unterscheidung, die für Deine Wahl am wichtigsten ist: Wirkt die Zäumung direkt oder mit Hebel?
Bei direkt wirkenden Zäumungen ist der Zügel ohne Zwischenstück am Nasenteil befestigt. Ziehst Du den rechten Zügel 2 cm an, bewegt sich der Nasenriemen auf der rechten Seite ungefähr um diese 2 cm mit und der Druck entspricht in etwa Deiner Zügelkraft. Dazu gehören Knotenhalfter, Sidepull, Reitkappzaum und Scawbrig.
Bei Zäumungen mit Hebel ist der Zügel an einem Schenkel oder einer Scheibe befestigt, die sich um einen Drehpunkt bewegt. Nasenriemen und Kinnkette ziehen sich dabei wie eine Zange zusammen, zusätzlich zieht das Genickstück nach unten. Die Kraft Deiner Hand wird dadurch vervielfacht. Zu dieser Gruppe gehören mechanische Hackamores und der Glücksradzaum.
Eine eigene Gruppe bilden Kreuzzug-Zäumungen, bei denen der Zügel über Riemen unter dem Kinn auf die andere Kopfseite läuft, sowie das Bosal, das über sein Gewicht, seine Balance und kurze Signale arbeitet statt über dauerhaften Zug.
Die Anatomie am Pferdekopf: Wo der Druck ankommt
Bevor Du Dich für eine Zäumung entscheidest, lohnt ein Blick auf den Pferdekopf. Die meisten Probleme mit gebisslosen Zäumungen entstehen durch einen falsch sitzenden Nasenriemen.
Das Nasenbein ist ein dünner, schmaler Knochen, der von der Stirn Richtung Nüstern läuft. Etwa eine Handbreit oberhalb der Nüstern endet er. Darunter liegt nur noch Knorpel, der die Nasengänge offen hält. Sitzt ein Nasenriemen zu tief auf diesem weichen Bereich, drückt er die Atemwege zusammen. Unter Zug kann das die Atmung spürbar behindern. Das dünne Ende des Nasenbeins ist außerdem bruchgefährdet, gerade bei Hebelzäumungen mit schmalem Nasenteil.
Links und rechts am Kopf verläuft die Jochbeinleiste (Crista facialis), die knöcherne Kante unterhalb der Augen. Als Faustregel für fast alle gebisslosen Zäumungen gilt: Der Nasenriemen liegt etwa zwei Fingerbreit unterhalb der Jochbeinleiste. Damit sitzt er sicher auf dem Knochen, reibt nicht an der Kante und rutscht nicht auf den Knorpel.
Unter dem Kinn liegt die Kinngrube, eine weiche Vertiefung zwischen den beiden Unterkieferästen. Hier kommt der Druck von Kinnketten, Kinnriemen und Bosalknoten an. Die Haut ist dort dünn, direkt darunter liegen Knochen und Nerven. Eine scharfe oder zu enge Kinnkette hinterlässt hier schnell Scheuerstellen.
Seitlich am Nasenrücken verlaufen außerdem Äste des Gesichtsnervs (Nervus facialis) und des Nervus infraorbitalis, der kurz unterhalb der Jochbeinleiste aus einem kleinen Knochenloch austritt. Schmale, harte oder zu tief sitzende Nasenriemen drücken genau auf diese Bereiche. Breite, gepolsterte Nasenteile verteilen den Druck auf eine größere Fläche.
Die gebisslosen Zäumungen im Überblick
Bevor wir jede Variante einzeln durchgehen, hier die Einteilung auf einen Blick:
Direkt wirkend ohne Hebel: Knotenhalfter, Sidepull, Reitkappzaum, Serreta, Scawbrig.
Kreuzzug-Zäumungen: Bitless Bridle nach Dr. Cook und ähnliche Modelle.
Signalzäumungen aus der kalifornischen Tradition: Bosal, dazu das Lindel als Mischform.
Hebelzäumungen: mechanische Hackamore (englisch und Western), Glücksradzaum, S-Hackamore, Flower-Hackamore.
Ganz ohne Kopfzaum: Halsring und Reiten ohne Zäumung.
Knotenhalfter
Das Knotenhalfter besteht aus einem durchgehenden, meist 6 bis 8 mm dicken Seil, das mit Knoten in Form gebracht ist. Zwei oder vier Knoten liegen auf dem Nasenrücken, ein Knoten unter dem Kinn, an dem Strick oder Zügel eingehängt werden. In der Bodenarbeit ist es weit verbreitet, weil das dünne Seil punktueller wirkt als ein breites Stallhalfter und Dein Pferd feine Signale gut spüren kann.
Zum Reiten wird das Knotenhalfter entweder mit einem Zügel am Kinnknoten geritten oder mit zwei Zügeln, die seitlich an den unteren Seilschlaufen befestigt werden. Am Kinnknoten wirkt jeder Zug nach hinten und leicht seitlich, eine klare seitliche Führung für Wendungen ist damit schwierig. Mit seitlich befestigten Zügeln wird das Halfter zum einfachen Sidepull aus Seil.
Das Knotenhalfter passt gut für kurze Ausritte mit einem gut ausgebildeten, ruhigen Pferd, für den ersten Test, ob Dein Pferd ohne Gebiss zurechtkommt und als Übergang aus der Bodenarbeit in den Sattel. Für präzise Arbeit auf dem Platz ist es zu ungenau. Das dünne Seil wirkt außerdem deutlich schärfer als ein breiter Lederriemen, besonders wenn Du ruckartig einwirkst.
Wichtig für den Stallalltag: Pferde niemals im Knotenhalfter anbinden. Das Seil reißt nicht und öffnet sich nicht. Gerät ein Pferd beim Anbinden in Panik, kann es sich schwer verletzen. Zum Anbinden gehört ein Stallhalfter mit Sollbruchstelle oder ein Panikhaken.
Sidepull
Das Sidepull ist die klassische gebisslose Zäumung für Einsteiger. Es besteht aus einem Kopfstück, einem Nasenriemen mit zwei seitlichen Ringen und einem Kinnriemen. Die Zügel werden direkt in die seitlichen Ringe geschnallt. Ziehst Du den rechten Zügel, zieht der Nasenriemen den Kopf nach rechts. Die Einwirkung ist leicht nachvollziehbar, deshalb eignet sich das Sidepull gut für den Umstieg.
Den Nasenriemen gibt es aus Leder, gepolstertem Leder, Biothane oder geflochtenem Seil. Ein breiter, gepolsterter Riemen verteilt den Druck, ein dünnes Seil wirkt punktueller. Einige Modelle haben einen zusätzlichen Kehlriemen und einen Ganaschenriemen, damit die Seitenteile nicht ins Auge rutschen, sobald Du einseitig einwirkst.
Stärken des Sidepulls: klare seitliche Hilfen, einfache Handhabung, kein Hebel. Schwächen: Beim Durchparieren wirkt der Zug nur über den Nasenrücken nach hinten. Pferde, die gern gegen Druck angehen, ziehen am Sidepull teilweise deutlich stärker gegen die Hand als am Gebiss. Genau das zeigte auch eine britische Druckmessung, zu der wir weiter unten kommen: Das Sidepull erzeugte dort den höchsten Druck auf dem Nasenrücken.
Beim Verschnallen gilt die Zwei-Finger-Regel: Der Nasenriemen liegt etwa zwei Fingerbreit unterhalb der Jochbeinleiste, zwischen Riemen und Nasenrücken passen zwei Finger übereinander. Den Kinnriemen schnallst Du so, dass eine flache Hand dazwischen passt. Er soll verhindern, dass der Nasenriemen seitlich verrutscht, aber nicht zuschnüren.
Reitkappzaum
Der Reitkappzaum stammt aus der klassischen Reitkunst. Schon die Reitmeister der Renaissance haben junge Pferde am Kappzaum ausgebildet, lange bevor ein Gebiss ins Spiel kam. Heute ist er in der barocken und klassischen Reitweise, in der Handarbeit, beim Longieren und zunehmend auch im Freizeitbereich verbreitet.
Ein Reitkappzaum hat einen stabilen, gut gepolsterten Nasenteil mit drei Ringen. Am mittleren Ring auf dem Nasenrücken befestigst Du Longe oder Führleine, an den beiden seitlichen Ringen die Zügel. Anders als beim Sidepull ist der Nasenteil fester gebaut, bei vielen Modellen mit einer eingearbeiteten, gelenkigen Metallkette oder einem Metallbügel unter dem Polster. Er liegt dadurch ruhiger und verrutscht weniger. Ein Ganaschenriemen, der unterhalb der Backenknochen verschnallt wird, zieht die Seitenteile vom Auge weg.
Viele Reitkappzäume lassen sich mit einem Gebiss kombinieren. Das Gebiss hängt dann an eigenen Riemen und wird anfangs gar nicht oder nur minimal genutzt. So kannst Du Dein Pferd am Kappzaum ausbilden und später schrittweise auf das Gebiss überleiten, ohne die Zäumung zu wechseln.
Der Reitkappzaum wirkt direkt, aber durch das feste Nasenteil deutlicher und präziser als ein Sidepull. Er eignet sich gut, um Stellung und Biegung zu erarbeiten. Bei der Passform lohnt sich Sorgfalt: Der Nasenteil muss auf dem Nasenbein aufliegen, ohne zu kippeln und die Ringe dürfen nicht an der Jochbeinleiste reiben. Viele Hersteller bieten deshalb verschiedene Nasenteilformen an, gerade für Pferde mit Ramskopf oder sehr schmalem Nasenrücken.
Serreta
Die Serreta ist die spanische Form des Kappzaums, bis heute in Spanien und Portugal verbreitet, etwa in der Doma Vaquera und bei der Ausbildung junger Pferde. Sie besteht aus einem halbrunden Metallbügel, der über den Nasenrücken läuft, mit Ringen für Longe und Zügel.
Hier ist Vorsicht geboten. Viele traditionelle Serretas sind auf der Unterseite gezahnt oder kaum gepolstert. Solche Varianten verletzen den Nasenrücken, hinterlassen Narben und haben mit einer pferdefreundlichen Zäumung nichts zu tun. In Deutschland sind gezahnte Serretas mit dem Tierschutz nicht vereinbar. Wenn Du eine Serreta nutzen möchtest, kommt nur ein Modell mit glattem Bügel und vollständiger, dicker Lederpolsterung in Frage. Für die meisten Freizeitreiter ist ein gepolsterter Reitkappzaum die bessere Wahl.
Kreuzzug-Zäumungen: Bitless Bridle nach Dr. Cook
Die Kreuzzug-Zäumung (englisch crossunder) geht maßgeblich auf den amerikanischen Tierarzt Dr. Robert Cook zurück, der sich jahrzehntelang mit den Folgen von Gebissen beschäftigt und den Verzicht darauf öffentlich vertreten hat. Nach ihm ist die Marke „Dr. Cook Bitless Bridle“ benannt. Inzwischen gibt es viele ähnliche Modelle anderer Hersteller.
Der Aufbau: Zwei Riemen laufen vom Genickstück über die Backen nach unten, kreuzen sich unter dem Kinn und enden in je einem Ring, an dem der Zügel befestigt ist. Ziehst Du den rechten Zügel, zieht dieser Riemen über die linke Backe hinauf zum Genick. Der Druck verteilt sich dadurch auf Nasenrücken, linke Kopfseite und Genick und der Kopf wird nach rechts geschoben. Beim Annehmen beider Zügel zieht sich die Zäumung wie eine Schlaufe um den gesamten Kopf zusammen.
Befürworter beschreiben diese Wirkung als großflächig und gut verständlich. Kritisch ist die Freigabe: Die Riemen laufen durch Ringe und Schlaufen, dadurch lockert sich die Zäumung nach dem Nachgeben der Hand oft langsamer als etwa ein Sidepull. Im ungünstigen Fall bleibt ein Restdruck bestehen, obwohl Deine Hand schon nachgegeben hat. Achte deshalb auf Modelle mit glatten Metallringen und geschmeidigen Riemen und prüfe nach jedem Annehmen, ob die Riemen wieder locker hängen.
In der britischen Druckstudie hielten die Pferde am Kreuzzug ihren Kopf eher höher und den Hals gestreckter. Das muss nicht auf jedes Pferd zutreffen, ist aber ein guter Grund, beim Umstieg genau auf Kopfhaltung und Rückentätigkeit zu achten.
Bosal und kalifornische Hackamore
Das Bosal ist das Herzstück der kalifornischen Hackamore-Tradition, die auf die Vaqueros zurückgeht, die spanischen und mexikanischen Rinderhirten im heutigen Kalifornien. Dort ist die Ausbildung eines Pferdes traditionell in Stufen gegliedert: Das junge Pferd geht zuerst im Bosal (Hackamore-Pferd), dann im „Two Rein“ mit einem dünnen Bosalito und zusätzlich einem Gebiss, bis es schließlich als fertiges „Bridle Horse“ auf der Stangenzäumung mit feinster Einwirkung geritten wird. Dieser Weg dauert oft mehrere Jahre.
Ein Bosal ist ein tropfenförmiger Ring aus geflochtener Rohhaut, oft mit einem Kern aus Rohhaut oder Seil. Unten, unter dem Kinn, sitzt ein schwerer Knoten, der Heel Knot. Das Bosal hängt an einem schmalen Kopfstück (Hanger). Um den Heel Knot wird die Mecate gewickelt, ein langes Seil, klassisch aus Pferdehaar oder Mohair, das gleichzeitig Zügel und Führstrick bildet. Die Anzahl der Wicklungen bestimmt, wie weit das Bosal vom Kinn absteht. Dazu kommt bei der vollständigen Hackamore der Fiador, eine dünne Seilverbindung vom Kopfstück zum Heel Knot, die das Bosal am Verrutschen hindert.
Bosale gibt es in unterschiedlichen Stärken. Dicke Bosale mit etwa 2 cm Durchmesser sind für junge Pferde gedacht, mit zunehmender Ausbildung wird das Bosal dünner und leichter. Das klingt paradox, folgt aber der Logik der Tradition: Je feiner das Pferd reagiert, desto feiner darf das Werkzeug werden.
Das Bosal wirkt anders als alle bisher genannten Zäumungen. Es liegt locker um den Kopf, der Heel Knot hängt frei unter dem Kinn und die Balance des Bosals sorgt dafür, dass es in Ruhe keinen Druck ausübt. Die Hilfe entsteht durch kurzes Annehmen und sofortiges Nachgeben: Du ziehst den Zügel an, das Bosal berührt Nasenrücken und Unterkiefer und in dem Moment, in dem Dein Pferd nachgibt, lässt Du los. Dauerhaftes Ziehen führt dagegen zu wunden Stellen an Nase und Kinn, denn Rohhaut ist hart und reibt.
Beim Verschnallen hängt das Bosal so, dass der Nasenteil auf dem Nasenbein liegt, etwa zwei Fingerbreit unterhalb der Jochbeinleiste. Zwischen Heel Knot und Kinn sollten zwei Finger übereinander Platz haben. Ein neues Bosal muss sich an den Kopf Deines Pferdes anpassen. Viele Reiter formen es vor dem ersten Einsatz, indem sie es anfeuchten und über einer Form trocknen lassen.
Das Bosal ist keine Einsteigerzäumung. Es verlangt eine ruhige, unabhängige Hand, gutes Timing und am besten Anleitung durch jemanden, der die kalifornische Reitweise beherrscht. Wer diesen Weg geht, bekommt dafür eine sehr feine Kommunikation, die über Jahrhunderte gewachsen ist.
Lindel
Das Lindel ist eine Mischform zwischen Bosal und Sidepull. Es besteht aus einem schmalen Nasenriemen, meist aus Leder und einem Kinnriemen, die unter dem Kinn in einen gemeinsamen Ring münden. Dort wird ein einzelner Zügel oder eine Mecate befestigt. Beim Annehmen zieht sich das Lindel leicht zusammen und wirkt auf Nasenrücken und Kinngrube zugleich, ähnlich wie ein Bosal, aber ohne dessen Gewicht und Rohhaut.
Viele Reiter nutzen das Lindel als Übergang zum Bosal oder für junge Pferde, die das Prinzip „Druck an Nase und Kinn, Nachgeben lohnt sich“ kennenlernen sollen. Es wirkt weicher als ein Bosal, aber weniger klar seitlich als ein Sidepull.
Scawbrig
Der Scawbrig kommt aus England und ist eine einfache, sehr klar wirkende Zäumung. Er besteht aus einem Nasenriemen und einem Kinnriemen, die an beiden Seiten durch Ringe laufen. Der Zügel wird am Kinnriemen befestigt. Ziehst Du den Zügel an, zieht sich die Schlaufe aus Nasen- und Kinnriemen zusammen. Gibst Du nach, lockert sie sich wieder.
Richtig gebaut hat der Scawbrig einen Stopper, damit er sich nicht beliebig eng zuzieht. Er gilt als verständliche Zäumung mit spürbarem Signal und schneller Freigabe. Wegen der zusammenziehenden Wirkung passt er vor allem für Reiter mit ruhiger Hand.
Mechanische Hackamore
Die mechanische Hackamore ist die Hebelzäumung unter den gebisslosen Zäumungen. Sie besteht aus einem Nasenriemen, zwei Metallschenkeln an den Seiten und einer Kinnkette oder einem Kinnriemen. Der Zügel wird unten an den Schenkeln befestigt. Ziehst Du am Zügel, drehen sich die Schenkel um ihren Befestigungspunkt am Nasenriemen. Die Folge: Der Nasenriemen drückt auf den Nasenrücken, die Kinnkette in die Kinngrube und das Kopfstück zieht das Genick nach unten.
Wie stark die Hackamore wirkt, hängt vor allem von der Länge der Schenkel ab. Die Faustregel: Je länger der Teil unterhalb des Nasenriemens im Verhältnis zum Teil darüber, desto größer die Hebelwirkung. Gängige Schenkel liegen etwa zwischen 10 und 25 cm. Eine Hackamore mit langen Schenkeln wirkt deutlich stärker als eine Kandare und ist für Einsteiger ungeeignet.
Weitere Einflussgrößen sind der Nasenriemen und die Kinnkette. Ein schmaler Nasenriemen aus Metall, blankem Leder oder Fahrradkette (gibt es leider immer noch im Handel) wirkt scharf, ein breiter, gepolsterter Nasenriemen aus Fell oder Neopren milder. Eine Kinnkette wirkt schärfer als ein breiter Lederriemen.
Die englische Hackamore findest Du häufig im Springsport und im Gelände, oft bei Pferden mit Maulproblemen. Die Western-Hackamore hat meist kürzere, geschwungene Schenkel. Daneben gibt es Varianten wie die S-Hackamore mit S-förmigen Schenkeln und die Flower-Hackamore, bei der ein blütenförmiges Metallstück mit mehreren Löchern die Schenkel ersetzt und der Zügel je nach Loch mehr oder weniger Hebel erzeugt.
Weil die Hackamore nach dem Hebelprinzip arbeitet, gelten die gleichen Grundsätze wie bei einer Kandare: Sie ist für Reiter mit sicherem, unabhängigem Sitz gedacht, die ihre Hand ruhig halten können. Die Kinnkette verschnallst Du so, dass sie erst wirkt, wenn die Schenkel etwa in einem Winkel von 30 bis 45 Grad angezogen sind. Der Nasenriemen gehört höher als bei den meisten anderen gebisslosen Zäumungen, weil das schmale Ende des Nasenbeins unter Hebeldruck besonders gefährdet ist.
Glücksradzaum (LG-Zaum)
Der Glücksradzaum, im Handel meist LG-Zaum oder LG-Zäumung genannt, hat an jeder Seite eine runde Metallscheibe mit mehreren Löchern, ähnlich einem kleinen Rad. Durch die Scheibe laufen Nasenriemen, Backenstück und Kinnriemen. Den Zügel befestigst Du in einem der äußeren Löcher.
Das Besondere: Je nachdem, in welchem Loch der Zügel sitzt, wirkt die Zäumung fast wie ein Sidepull oder wie eine Hebelzäumung. Liegt der Zügelansatz auf Höhe des Nasenriemens, dreht sich die Scheibe kaum und die Einwirkung ist weitgehend direkt. Sitzt der Zügel weiter unten, dreht sich die Scheibe beim Annehmen, Nasenriemen und Kinnriemen ziehen sich zusammen und es entsteht Hebelwirkung.
Genau diese Vielseitigkeit ist Vor- und Nachteil zugleich. Du kannst die Wirkung fein abstufen, musst aber genau wissen, was Du tust. Ein falsch gewähltes Loch macht aus einer milden Zäumung schnell eine scharfe. Viele Reiter beginnen deshalb mit dem Loch, das die direkteste Wirkung hat und wechseln nur mit Anleitung.
Halsring und Reiten ganz ohne Zäumung
Eine eigene Kategorie ist das Reiten ganz ohne Kopfzaum. Der Halsring ist ein steifer Ring aus Seil, Leder oder Kunststoff, der locker um den unteren Hals des Pferdes liegt. Er wirkt nicht am Kopf, sondern gibt Dir einen Anlehnungspunkt am Hals für Wendungen und Paraden, die vor allem über Sitz, Gewicht und Stimme entstehen.
Der Halsring ist keine Zäumung im engeren Sinn, sondern ein Ausbildungsziel. Die meisten Reiter trainieren zuerst mit Halsring und Zaum gleichzeitig und lassen den Zaum erst weg, wenn Anhalten und Wenden auch ohne Kopfzaum sicher funktionieren. In einem eigenen, ausführlichen Beitrag zum Halsring reiten findest Du den Aufbau Schritt für Schritt.
Ist gebisslos reiten wirklich pferdefreundlicher? Was Studien zeigen
Viele steigen auf eine gebisslose Zäumung um, weil sie ihrem Pferd etwas Gutes tun wollen. Das Motiv ist nachvollziehbar, denn Gebisse können Verletzungen im Maul verursachen. Verschiedene Untersuchungen beschreiben Druckstellen und Verletzungen an Laden und Maulwinkeln bei Pferden, die mit Gebiss geritten werden, als häufig. Die Forschung zeigt aber auch: Ohne Gebiss verschwindet der Druck nicht, er landet an einer anderen Stelle.
Eine Untersuchung an der University Centre Bishop Burton in England, 2021 im Journal of Equine Veterinary Science veröffentlicht, hat mit Drucksensoren gemessen, was unter dem Nasenriemen und im Genick passiert. Verglichen wurden eine normale Trense mit einfach gebrochenem Gebiss, ein Sidepull und eine Kreuzzug-Zäumung, verschnallt nach Herstellerangaben. Das Ergebnis: Der durchschnittliche Druck auf dem Nasenrücken lag beim Sidepull um 65 Prozent höher als bei der Trense, bei der Kreuzzug-Zäumung um 11 Prozent. Die Spitzendrücke lagen beim Sidepull um 147 Prozent, beim Kreuzzug um 109 Prozent höher. Diese Spitzen hielten nicht lange an, deshalb bleibt offen, ob sie Schäden verursachen. Die Autorinnen folgerten, dass die gebisslosen Varianten den Druck vor allem verlagern und dass der größte Hebel für das Wohl des Pferdes in der Hand des Reiters liegt. Die Studie arbeitete allerdings nur mit fünf Pferden.
Eine Forschungsgruppe aus Deutschland hat 2022 auf der Konferenz der International Society for Equitation Science Ergebnisse zu 21 Pferden vorgestellt. Die Pferde wurden nacheinander mit LG-Zaum, Sidepull, Dr.-Cook-Zäumung, einer Seilzäumung, einem Knotenhalfter und einer Trense mit einfach gebrochenem Gebiss ausgestattet. Gemessen wurde, wie viel Zügelspannung die Pferde freiwillig hinnahmen, um an Futter zu kommen. Die Pferde akzeptierten bei den meisten Zäumungen ähnlich hohe Zügelspannungen wie bei der Trense. Die Forscher schlossen daraus, dass die gleiche Zügelkraft bei den meisten untersuchten Zäumungen zu vergleichbarem Unbehagen führt, mit dem Sidepull als Ausnahme.
Es gibt auch Ergebnisse, die für gebisslos sprechen. Eine australische Umfrage unter 399 Freizeit- und Sportreitern, 2023 in Applied Animal Behaviour Science erschienen, ergab für die gebisslos gerittenen Pferde bessere Werte beim Wohlbefinden und weniger gemeldetes Buckeln, Scheuen, Steigen und Durchgehen. Die Reiter selbst empfanden Sicherheit und Kontrolle in beiden Gruppen ähnlich und waren mit gebissloser Zäumung zufriedener. Allerdings ritten nur 20 der Befragten gebisslos und Reiter, die bewusst auf gebisslos umsteigen, achten womöglich generell stärker auf ihr Pferd. Ältere Arbeiten von Dr. Cook selbst berichteten über deutliche Verbesserungen im Verhalten nach dem Umstieg, sind aber wegen kleiner Stichproben und möglicher Verzerrungen nur begrenzt aussagekräftig.
Was folgt daraus für Dich? Eine gebisslose Zäumung ist ein Werkzeug, kein Tierschutz-Siegel. Richtig verschnallt und mit leichter Hand geritten, kann sie für viele Pferde eine gute Wahl sein, besonders für Pferde mit Problemen im Maul. Mit harter Hand oder als Hebelzäumung ohne Gefühl kann sie mehr Druck erzeugen als ein gut sitzendes Gebiss. Entscheidend ist, wie viel Kraft Du einsetzt und wie schnell Du nachgibst.
Für welche Pferde und Situationen sich eine gebisslose Zäumung eignet
Eine gebisslose Zäumung ist besonders sinnvoll in diesen Fällen:
Dein Pferd hat Probleme im Maul, etwa nach einer Zahnbehandlung, bei Verletzungen an Zunge oder Laden, bei Zahnwechsel oder bei einem sehr kleinen Maul mit dicker Zunge, in dem kaum ein Gebiss Platz findet. Hier kann eine gebisslose Zäumung eine gute Übergangs- oder Dauerlösung sein. Lass die Ursache aber immer zuerst tierärztlich oder von einem Pferdedentisten abklären.
Du reitest überwiegend im Gelände, im Schritt und Trab, mit einem gut ausgebildeten Pferd. Viele Wanderreiter und Distanzreiter reiten gebisslos. Ein praktischer Vorteil: Beim Grasen und Trinken unterwegs stört kein Gebiss und Du musst nichts umschnallen.
Du bildest ein junges Pferd aus und möchtest es zunächst ohne Gebiss an Zügelhilfen gewöhnen, etwa am Reitkappzaum oder im Bosal.
Du möchtest die Kommunikation mit Deinem Pferd auf Sitz und Gewicht verlagern und die Zügelhilfen verfeinern.
Grenzen der gebisslosen Zäumung
Gebisslos ist nicht für jede Situation die beste Lösung. Ein paar Punkte solltest Du kennen:
Feine Stellung und Anlehnung, wie sie in der Dressur verlangt werden, sind mit den meisten gebisslosen Zäumungen schwieriger zu erreichen. Der Reitkappzaum ist hier die große Ausnahme. Mit ihm hat die klassische Reitkunst über Jahrhunderte gearbeitet.
Bei Pferden, die gern gegen Druck angehen, kann eine gebisslose Zäumung zu mehr Zug führen. Ein Sidepull bietet einem Pferd, das sich auf den Nasenrücken legt, wenig Gegenhalt.
Hebelzäumungen wie die mechanische Hackamore sind für Einsteiger ungeeignet, auch wenn sie im Handel oft als „sanfte Alternative“ beworben werden.
Auf den meisten Turnieren ist eine gebisslose Zäumung nicht zugelassen, dazu gleich mehr.
Wer eine gebisslose Zäumung als Lösung für ein Pferd sucht, das mit Gebiss nicht zu halten ist, verschiebt das Problem meist nur. Hier lohnt sich zuerst die Suche nach der Ursache: Schmerzen, unpassender Sattel, fehlende Ausbildung oder Unsicherheit beim Reiter.
Die richtige Verschnallung: Checkliste für jede gebisslose Zäumung
Egal, welche Zäumung Du wählst, diese Punkte prüfst Du vor jedem Ritt:
Nasenriemen auf dem Knochen: etwa zwei Fingerbreit unterhalb der Jochbeinleiste, nicht auf dem weichen Knorpel über den Nüstern. Bei Hebelzäumungen eher etwas höher.
Nasenriemen nicht zu eng: Zwischen Nasenrücken und Riemen passen zwei Finger übereinander. Bei Hebelzäumungen und Bosal gilt das Gleiche für die Kinnkette beziehungsweise den Heel Knot.
Seitenteile weg vom Auge: Nimm einen Zügel an und schau, ob das Backenstück der gegenüberliegenden Seite Richtung Auge rutscht. Wenn ja, verschnall den Ganaschenriemen enger oder wähle ein Modell mit Ganaschenriemen.
Kehlriemen: eine Handbreit Platz zwischen Riemen und Ganasche, damit Dein Pferd den Kopf frei beugen kann.
Stirnriemen: lang genug, dass er das Genickstück nicht nach vorn gegen die Ohren zieht. Ein zu kurzer Stirnriemen gehört zu den häufigsten Passformfehlern überhaupt.
Scheuerstellen: Nach den ersten Ritten Nasenrücken, Kinngrube und Backen abtasten und anschauen. Kahle Stellen, Schwellungen oder empfindliche Reaktionen beim Abtasten zeigen Dir, dass etwas drückt.
Der Umstieg auf gebisslos: Schritt für Schritt
Ein Pferd, das jahrelang mit Gebiss geritten wurde, kennt die Signale am Kopf anders. Plane deshalb einige Wochen für den Umstieg ein und geh in kleinen Schritten vor.
Schritt 1, am Boden: Zieh Deinem Pferd die neue Zäumung an und führe es damit. Nimm einen Zügel seitlich an, als würdest Du wenden wollen und warte, bis Dein Pferd den Kopf in diese Richtung dreht. Gib sofort nach. Übe das auf beiden Seiten, bis die Reaktion nach leichtem Annehmen kommt. Übe dann das Anhalten: Nimm beide Zügel leicht nach hinten an und sobald Dein Pferd stehen bleibt, gibst Du nach.
Schritt 2, auf dem Platz im Schritt: Reite zuerst auf einem umzäunten Platz oder in der Halle. Übe große Wendungen, Anhalten aus dem Schritt und Rückwärtsrichten. Je mehr Du über Sitz und Gewicht vorbereitest, desto weniger Zügel brauchst Du. Ein guter Test: Kommt Dein Pferd innerhalb von drei, vier Schritten zum Halten, wenn Du Dich tiefer in den Sattel setzt, ausatmest und die Zügel leicht annimmst?
Schritt 3, Trab und Galopp auf dem Platz: Erst wenn Schritt und Halten zuverlässig klappen, nimmst Du Trab und Galopp dazu. Übe Übergänge und Paraden öfter als sonst.
Schritt 4, Gelände: Beginne mit bekannten, ruhigen Wegen, am besten in Begleitung eines ruhigen Pferdes. Plane die ersten Ausritte kurz und steigere Dich langsam. Viele Reiter nehmen in den ersten Wochen zusätzlich ihre gewohnte Trense mit oder reiten mit einem Kappzaum, an dem sich bei Bedarf ein Gebiss einschnallen lässt.
Gib Deinem Pferd für jede Übung Zeit. Manche Pferde reagieren sofort fein, andere brauchen einige Tage, bis sie verstanden haben, dass die Signale jetzt an der Nase statt im Maul ankommen.
Gebisslos auf dem Turnier: Was erlaubt ist
Wer auf Turnieren startet, muss genau hinschauen, denn die Regeln unterscheiden sich stark je nach Verband und Disziplin.
In den Leistungsprüfungen nach der LPO der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ist in der Dressur ein Gebiss vorgeschrieben, je nach Klasse Trense oder Kandare. Gebisslose Zäumungen sind dort nicht zugelassen. Seit dem 1. Januar 2026 gilt ein überarbeiteter LPO-Ausrüstungskatalog, der unter anderem Sporen, Gebisse, Zäumungen und Nasennetze neu regelt. Welche Zäumung in welcher Prüfung erlaubt ist, schlägst Du am besten direkt im aktuellen Ausrüstungskatalog nach, den die FN kostenlos zum Download anbietet.
Im Breitensport sieht es anders aus. Seit 2018 enthält die Wettbewerbsordnung (WBO) eigene Wettbewerbe für gebisslose Zäumung oder Halsring. In bestimmten WBO-Wettbewerben ist eine beliebige Zäumung mit oder ohne Gebiss zulässig. Die Ausrüstung muss dabei den Richtlinien für Reiten und Fahren sowie dem Tierschutz entsprechen und Du musst dem Richter auf Nachfrage erklären können, wie Deine Zäumung funktioniert und warum Du sie nutzt.
Im Westernreiten hat das Bosal eine lange Tradition. Viele Westernverbände lassen junge Pferde in bestimmten Klassen im Bosal zu, die genauen Altersgrenzen und Klassen legt jeder Verband selbst fest.
Im Distanzreiten ist gebisslos weit verbreitet und in vielen Wettbewerben erlaubt. Im internationalen Springsport lässt der Weltreiterverband FEI mechanische Hackamores zu, entsprechend oft siehst Du sie im Parcours.
Die Regeln ändern sich regelmäßig. Prüfe vor jedem Start die aktuelle Ausschreibung und das Regelwerk Deines Verbands.
Typische Fehler bei gebissloser Zäumung
Nasenriemen zu tief: Der häufigste Fehler. Liegt der Riemen auf dem Knorpel, behindert er die Atmung und drückt auf das dünne Ende des Nasenbeins.
Hebelzäumung als Einsteigerlösung: Eine mechanische Hackamore mit langen Schenkeln wirkt kräftiger als viele Gebisse. Wer sie wählt, weil er gebisslos für automatisch sanft hält, erreicht oft das Gegenteil.
Dauerzug: Gebisslose Zäumungen verzeihen Dauerdruck noch weniger als manche Gebisse, weil die Haut an Nase und Kinn direkt auf dem Knochen liegt. Arbeite mit Annehmen und Nachgeben.
Knotenhalfter zum Anbinden: Das Seil reißt nicht. Anbinden nur mit Stallhalfter und Sollbruchstelle.
Zu schneller Umstieg ins Gelände: Die ersten Ritte gehören auf den Platz, nicht auf den Waldweg.
Scheuerstellen übersehen: Kontrolliere Nasenrücken und Kinngrube in den ersten Wochen nach jedem Ritt.
Gezahnte oder ungepolsterte Nasenteile: Serretas mit Zacken, Nasenriemen aus Fahrradkette oder dünnem Draht haben am Pferdekopf nichts zu suchen.
Häufige Fragen zur gebisslosen Zäumung
Welche gebisslose Zäumung ist die mildeste?
Am mildesten wirken direkt wirkende Zäumungen mit breitem, gepolstertem Nasenteil, etwa ein gut verschnallter Reitkappzaum oder ein gepolstertes Sidepull. Wie mild eine Zäumung tatsächlich ist, hängt aber vor allem von Deiner Hand ab. Hebelzäumungen wie die mechanische Hackamore gehören nicht zu den milden Varianten.
Ist eine gebisslose Trense dasselbe wie eine Hackamore?
Nein. Gebisslose Trense ist der Oberbegriff für alle Zäumungen ohne Gebiss. Die Hackamore ist eine bestimmte Form davon, wobei im Deutschen meist die mechanische Hackamore mit Hebel gemeint ist. Ursprünglich bezeichnet Hackamore die kalifornische Zäumung aus Bosal, Mecate und Fiador.
Kann ich gebisslos Dressur reiten?
Im Training ja, auf LPO-Turnieren nein. Dort ist ein Gebiss vorgeschrieben. Für die Dressurarbeit zu Hause eignet sich besonders der Reitkappzaum, mit dem die klassische Reitkunst jahrhundertelang ausgebildet hat.
Kann jedes Pferd gebisslos geritten werden?
Viele Pferde lassen sich gut gebisslos reiten. Bei Pferden, die stark gegen Druck angehen, sich auf die Hand legen oder im Gelände schwer zu halten sind, braucht es mehr Ausbildung am Boden und auf dem Platz, bevor Du draußen sicher gebisslos reitest. Hier lohnt sich professionelle Unterstützung.
Ist gebisslos reiten im Gelände sicher?
Mit einem gut ausgebildeten Pferd und einer sauber erarbeiteten Parade ja. Entscheidend ist, dass Anhalten und Wenden auf dem Platz zuverlässig funktionieren, bevor Du ins Gelände gehst. Beginne mit ruhigen, bekannten Wegen und in Begleitung.
Was ist der Unterschied zwischen Sidepull und Knotenhalfter?
Das Sidepull hat einen Nasenriemen mit seitlichen Ringen für die Zügel und meist breitere Riemen. Das Knotenhalfter besteht aus dünnem Seil mit Knoten, der Zügel sitzt klassisch am Kinnknoten. Das Sidepull erlaubt klarere seitliche Hilfen, das Knotenhalfter wirkt durch das dünne Seil punktueller.
Wie lange dauert die Umstellung auf gebisslos?
Das hängt vom Pferd ab. Rechne mit einigen Wochen, in denen Du vom Boden über den Platz ins Gelände gehst. Manche Pferde sind nach wenigen Einheiten sicher, andere brauchen länger.
Hilft eine gebisslose Zäumung bei Zahnproblemen?
Sie kann Deinem Pferd während einer Behandlung oder dauerhaft den Druck im Maul ersparen. Die Ursache der Zahnprobleme gehört aber immer in die Hände eines Tierarztes oder Pferdedentisten. Die Zäumung ersetzt keine Behandlung.
Welche gebisslose Zäumung eignet sich für Anfänger?
Für den Einstieg eignen sich Sidepull und Reitkappzaum, weil sie direkt wirken und ohne Hebel arbeiten. Bosal, LG-Zaum und mechanische Hackamore gehören in erfahrene Hände.
Darf ich mit gebissloser Zäumung auf ein Turnier?
In LPO-Prüfungen der FN meist nicht, in bestimmten WBO-Wettbewerben ja. Im Westernreiten ist das Bosal für junge Pferde in einigen Klassen erlaubt, im Distanzreiten ist gebisslos verbreitet. Prüfe immer die aktuelle Ausschreibung.







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