
Wechseln der Reitweise
Die Reitweise wechseln: Der ehrliche Ratgeber für Umsteiger
Du willst von Western auf Englisch, von Englisch aufs Gangpferd oder in Richtung klassische Reitkunst und findest im Netz nur Forenfetzen und widersprüchliche Meinungen? Damit bist Du nicht allein. Die Suche nach dem Reitweisenwechsel führt fast immer in dieselbe Sackgasse: viele Fragen, kaum geordnete Antworten. Dieser Beitrag räumt damit auf. Du erfährst, was sich beim Wechsel wirklich ändert, welche Richtung wie schwer ist, was Du neu lernen und was Du neu kaufen musst – und wo der Wechsel Dir gar nicht bringt, was Du Dir davon erhoffst.

Wechselst Du wirklich die Reitweise – oder nur die Ausrüstung?
Bevor wir in die einzelnen Wechsel gehen, die wichtigste Unterscheidung überhaupt. Sie entscheidet darüber, ob Dein Vorhaben ein echtes Umlernen wird oder nur ein Sattelkauf.
Ganz viele Reiter sagen „ich steige auf Western um” und meinen damit: Ich kaufe einen bequemeren Sattel und gehe entspannt ins Gelände. Das ist völlig legitim – aber es ist kein Reitweisenwechsel. Du hast dann einen Westernsattel auf dem Pferd und reitest weiter mit Deinen gewohnten Hilfen. Eine Reitweise ist kein Sattel. Sie ist ein zusammenhängendes System aus Hilfengebung, Sitz, Ausbildungsziel und Umgang mit dem Pferd.
Warum das so wichtig ist: Wenn Du unzufrieden bist – das Pferd ist unruhig, die Anlehnung fühlt sich nach Kampf an, der Unterricht macht keinen Spaß mehr – dann löst ein Sattelwechsel dieses Problem nicht. Ein unruhiges Pferd wird unter dem Westernsattel nicht ruhiger. Ein Reiter, der zieht, zieht auch am Bosal. Die Reitweise trägt selten die Schuld an dem, was gerade schiefläuft. Meistens sind es Ausbildungsstand, Charakter des Pferdes und die eigene Einwirkung.

Frag Dich also zuerst ehrlich: Reizt mich die andere Reitweise wirklich – ihre Hilfen, ihr Ausbildungsweg, ihr Gangbild? Oder suche ich in Wahrheit nur nach einer Lösung für ein Problem, das mit der Reitweise gar nichts zu tun hat? Diese Antwort spart Dir viel Zeit und Geld.
Wer stellt sich eigentlich um – Reiter, Pferd oder beide?
Ein Reitweisenwechsel hat drei Varianten, die völlig unterschiedlich schwer sind. Du solltest wissen, welche davon Deine ist.
Der Reiter lernt um, das Pferd kann die neue Reitweise schon. Das ist der leichteste Fall. Ein fein ausgebildetes Westernpferd nimmt Dich als Umsteiger an die Hand: Du kannst am fertigen Pferd lernen, wie sich Neck Reining anfühlt, ohne dass ihr euch gegenseitig verwirrt. Genauso lernst Du Tölt am sichersten auf einem Isländer, der ihn längst beherrscht.
Das Pferd wird umgestellt, der Reiter kann die neue Reitweise schon. Auch machbar, wenn Du weißt, was Du tust. Ein erfahrener Reiter kann ein Pferd Schritt für Schritt an neue Hilfen und ein neues Gangbild gewöhnen.
Reiter und Pferd lernen gleichzeitig um. Das ist die schwierigste Konstellation und die häufigste Quelle von Frust. Zwei Lernende, die sich gegenseitig keine Sicherheit geben können, verheddern sich. Wenn Du in dieser Lage bist, ist ein guter Trainer keine Empfehlung, sondern Pflicht.
Die Faustregel: Immer nur eine Unbekannte auf einmal. Lernst Du selbst um, tu es auf einem Pferd, das die neue Reitweise kann. Stellst Du ein Pferd um, tu es als Reiter, der die neue Reitweise beherrscht.
Was sich beim Wechsel wirklich ändert
Egal in welche Richtung Du wechselst – es sind immer dieselben fünf Bereiche, an denen Du merkst, dass es eine andere Reitweise ist. Wer sie kennt, versteht jeden Wechsel schneller.
Die Hilfengebung. Wie steuerst Du? Beidhändig mit Anlehnung ans Gebiss oder einhändig am durchhängenden Zügel? Wie viel läuft über Zügel, wie viel über Schenkel und Gewicht? Das ist der Kern jeder Reitweise und der Teil, der am meisten Umgewöhnung kostet.
Der Sitz. Tiefer Sitz mit langem Bügel oder leichter, beweglicher Sitz mit kürzerem Bügel? Aufrecht oder mit dem Pferd mitschwingend? Der Sitz folgt aus der Hilfengebung – wer anders einwirkt, sitzt anders.
Die Ausrüstung. Sattel, Zäumung, Gebiss. Sie sind Werkzeug, nicht Selbstzweck. Der Sattel muss zur Hilfengebung und zum Pferderücken passen, das Gebiss zum Ausbildungsstand.
Tempo und Gangbild. Wie schnell wird geritten, welche Gangarten gibt es? Jog und Lope beim Western sind bewusst langsam. Beim Gangpferd kommen Tölt und Pass als eigene Gangarten dazu.
Das Ausbildungsziel und die Grundhaltung. Wohin soll das Pferd sich entwickeln – zur schwungvollen Versammlung der Dressur, zur ruhigen Rittigkeit des Westernpferds, zum klaren Tölt? Jede Reitweise hat ihr eigenes Ideal, und danach richtet sich alles andere.
Wenn Du im Folgenden liest „das ändert sich”, ordne es innerlich einem dieser fünf Punkte zu. Dann bleibt der Überblick klar.
Von Englisch auf Western
Der klassische Umstieg und der mit Abstand häufigste. Für viele Freizeit- und Geländereiter ist Western die passendere Reitweise, weil sie ruhiger und bequemer ist. Genau hier wird aber am häufigsten nur der Sattel gewechselt.
Was Dir als Englischreiter am schwersten fällt: die Anlehnung loszulassen. Du hast jahrelang gelernt, dass das Pferd ans Gebiss herantritt und Du eine weiche, stete Verbindung zum Maul hältst. Beim Western reitest Du am durchhängenden Zügel. Diese Leere in der Hand fühlt sich zunächst falsch an, fast wie Kontrollverlust. Genau das musst Du aushalten und neu deuten lernen: Die Kontrolle läuft jetzt über Sitz, Gewicht und Schenkel, nicht über den Zügel.
Die Zügelführung wird einhändig. Statt beidhändiger Anlehnung legst Du den Zügel an den Hals – das ist Neck Reining. Willst Du nach rechts, legt sich der linke Zügel an den linken Hals, und das Pferd weicht davon ab. Bis das flüssig sitzt, dauert es, weil Deine Hände jahrelang das Gegenteil gemacht haben.
Das Tempo geht runter. Der Jog ist ein bewusst langsamer, sitzweicher Trab, den Du aussitzt statt leichtzutraben. Der Lope ist ein flacher, gemächlicher Galopp. Dein englisch geschultes Auge findet das anfangs fast zu langsam.
Der Sitz wird tiefer und passiver. Längere Bügel, das Gewicht ruhig im Sattel, weniger treibendes Mitschwingen. Der Westernsattel nimmt Dich tief auf und stützt Dich – dafür sitzt Du weniger beweglich.
Ein praktischer Tipp für den Einstieg: Nimm die ersten Stunden auf einem sicher ausgebildeten Westernpferd, das Neck Reining kann. Dann lernst Du das Gefühl am fertigen Pferd, statt Deinem eigenen Pferd etwas beizubringen, das Du selbst noch nicht kannst.
Von Western auf Englisch
Der umgekehrte Weg wird seltener gesucht, ist aber genauso ein echter Wechsel – und in einem Punkt sogar anspruchsvoller.
Die große Baustelle: Anlehnung aufbauen. Ein Westernpferd ist es gewohnt, am durchhängenden Zügel zu laufen. Jetzt soll es ans Gebiss herantreten, den Kontakt suchen und sich vertrauensvoll anlehnen. Das muss das Pferd erst lernen, und Du musst lernen, diese Anlehnung anzubieten, ohne zu ziehen. Viele umgestellte Pferde gehen anfangs hinter der Senkrechten oder verkriechen sich hinter dem Gebiss, weil sie den Kontakt nicht als Einladung, sondern als Druck missverstehen.
Die Zügelführung wird beidhändig. Du steuerst wieder mit beiden Händen und einer direkten Verbindung ins Maul. Neck Reining musst Du Dir bewusst abgewöhnen.
Mehr Schwung, mehr Aktivität. Die englische Reitweise will ein Pferd, das über den Rücken schwingt, die Hinterhand aktiv untersetzt und Takt und Losgelassenheit zeigt. Das ruhige, flache Gehen des Westernpferds musst Du in mehr Aufrichtung und Schub verwandeln – behutsam, damit das Pferd nicht in Eile gerät.
Der Sitz wird beweglicher. Kürzere Bügel, mehr Mitschwingen, das Leichttraben kommt zurück. Der englische Sattel gibt Dir weniger Halt und mehr Bewegungsfreiheit.
Diese Umstellung gelingt erfahrungsgemäß gut, wenn Du zweimal pro Woche Unterricht nimmst und das Pferd nicht überforderst. Ein Pferd, das die Grundlagen sauber gelernt hat, versteht schnell, was Du neu von ihm willst.
Von Englisch oder Western aufs Gangpferd
Der Wechsel aufs Gangpferd – meist ein Islandpferd – ist der spannendste, weil hier etwas völlig Neues dazukommt: eine zusätzliche Gangart. Und genau das wird im Netz kaum erklärt.
Tölt und Pass gibt es beim Warmblut oder Quarter Horse nicht. Der Tölt ist ein gleichmäßiger, erschütterungsfreier Viertakt, bei dem das Pferd immer mindestens einen Fuß am Boden hat. Es gibt keine schwebende Phase wie im Trab, deshalb sitzt Du fast regungslos, während das Pferd Tempo macht. Der Pass ist ein Zweitakt mit gleichseitigen Beinpaaren und wird als Rennpass sehr schnell geritten. Ein Fünfgänger beherrscht Schritt, Trab, Galopp, Tölt und Pass; ein Viergänger töltet, passt aber nicht.
Wichtig zu wissen: Nicht jedes Pferd kann tölten. Die Veranlagung sitzt in einem bestimmten Gen. Fehlt es, hilft kein Training. Und selbst veranlagte Pferde müssen den sauberen Tölt erst erlernen – manche bieten ihn sofort an, andere brauchen lange und viel korrektes Training.
Ein verbreiteter Irrtum, den Du Dir gleich abgewöhnen kannst: Tölt entsteht nicht dadurch, dass man das Pferd vorne hochzieht und hinten antreibt. Ein korrekter Tölt kommt aus einem tragfähigen, gut bemuskelten Rücken und einer sauberen Grundausbildung – dieselben Prinzipien wie bei jedem gut gerittenen Pferd. Der beste Einstieg in den Tölt ist übrigens nicht der Trab, sondern ein flüssiger, gut sitzender Tölt am erfahrenen Pferd, aus dem heraus sich die Übergänge sauber entwickeln lassen.
Was sich für Dich als Reiter ändert: Der Sitz wird tiefer, mit langem Bügel und weichem, mitgehendem Becken. Im Tölt verlagerst Du das Gewicht leicht nach hinten, damit das Pferd den Rücken aufwölben und die Hinterhand untersetzen kann. Die Zügelhilfen werden feiner und stiller als beim klassischen Englischreiten, weil das Islandpferd auf kleinste Gewichtsverlagerungen reagiert. Geübte Reiter steuern lange Strecken fast ohne sichtbare Hilfe.
Der Sattel ist ein eigenes Thema. Islandsättel haben einen kleineren Sitz, kürzere Schweißblätter und setzen den Reiter weiter hinten ab als ein Dressursattel. Das hat einen anatomischen Grund: Die kurze Lendenwirbelsäule des Isländers verträgt kein Gewicht direkt hinter dem Widerrist. Ein unpassender Englischsattel auf einem Isländer führt schnell zu Rückenproblemen. Wer aufs Gangpferd wechselt, braucht in aller Regel einen passenden Gangpferdesattel.
In Richtung klassische und barocke Reitkunst
Manche Reiter zieht es nicht zu Western oder Island, sondern in die Tiefe der klassischen Reitkunst – oft mit iberischen Pferden wie dem PRE oder dem Lusitano. Das ist weniger ein harter Bruch als eine Verfeinerung dessen, was gute englische Dressur ohnehin anstrebt.
Was sich verschiebt: Der Schwerpunkt liegt auf Versammlung, feinsten Hilfen und einer sehr genauen Einwirkung über Sitz und Gewicht. Die klassisch-barocke Reitweise arbeitet auf eine hohe Aufrichtung und Lektionen wie Piaffe und Passage hin, für die iberische Pferde besonders veranlagt sind. Du lernst, mit weniger sichtbarer Hilfe mehr zu erreichen, und Dein Auge für kleinste Reaktionen des Pferdes wird geschult.
Für Umsteiger aus der englischen Dressur ist der Übergang fließend, weil die Grundlagen – Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Versammlung – dieselbe Sprache sprechen. Wer aus dem Western oder dem Freizeitbereich kommt, hat mehr aufzubauen, vor allem die stete Anlehnung und die systematische Versammlungsarbeit.
Freizeit-, Wander- und Naturalreiten – ist das ein Wechsel
Hier lohnt eine klare Einordnung, weil im Netz alles durcheinandergeht. Wanderreiten und Freizeitreiten sind eher eine Nutzungsform als eine eigene Reitweise – Du kannst englisch, western oder auf dem Gangpferd wandern. Natural Horsemanship ist in erster Linie eine Philosophie des Umgangs und der Bodenarbeit, keine Reitweise mit eigener Hilfengebung im engeren Sinn. Wer „auf Freizeitreiten umsteigen” will, wechselt deshalb selten das ganze System, sondern verlagert den Schwerpunkt weg vom Platz und hin ins Gelände. Das ist gut und richtig – aber es ist wieder ein Fall von „ich ändere die Ausrüstung und das Ziel, nicht die Reitweise”.
Musst Du Dich ganz entscheiden – oder darfst Du beides reiten?
Nein, Du musst Dich nicht entscheiden. Und ja, viele erfahrene Reiter reiten bewusst mehrere Reitweisen. Wer englisch und western beherrscht, empfindet das als großen Vorteil: Du verstehst Dein Pferd aus zwei Blickwinkeln und hast für jede Situation das passende Werkzeug.
Der Haken liegt beim Pferd, nicht bei Dir. Ein Pferd, das mal am durchhängenden Zügel, mal in feiner Anlehnung geritten wird, braucht klare, konsequente Hilfen, um nicht durcheinanderzukommen. Solange Du selbst sauber zwischen den Systemen trennst und weißt, was Du gerade abfragst, ist das kein Problem. Für Einsteiger, die noch keine Reitweise richtig können, ist das ständige Wechseln allerdings kontraproduktiv – erst eine Sprache sicher lernen, dann die zweite.
Passt jedes Pferd zu jeder Reitweise?
Das ist die Frage, die über Erfolg oder Frust entscheidet, und ehrlich beantwortet lautet sie: nein.
Für viele Reitweisen gibt es geeignetere und weniger geeignete Pferde. Einem 1,70 Meter großen Warmblut einen Westernsattel umzuschnallen und von der Reining zu träumen, ergibt wenig Sinn – Körperbau und Bewegungsart passen nicht zusammen. Umgekehrt bringt ein kompaktes Quarter Horse nicht die Anlagen für die große Dressurtour mit. Und tölten kann nur, wer die genetische Veranlagung dazu hat.
Deshalb sind die typischen Umsteiger-Pferde auch keine großen Sportpferde, sondern Haflinger, Ponys und robuste Mixe, die von Haus aus vielseitig sind. Bevor Du ein Pferd umstellst, schau ehrlich auf Exterieur, Bewegungsart und Charakter. Ein Pferd, das für seine bisherige Reitweise gebaut ist und darin zufrieden läuft, tut sich mit dem Wechsel schwerer als ein unbeschriebenes Blatt.
Auch das Alter spielt mit hinein. Je länger ein Pferd in einer Reitweise gegangen ist und je zufriedener es damit war, desto mehr Geduld braucht der Umbau. Unmöglich ist es nicht – auch ältere Pferde lassen sich behutsam umstellen –, aber rechne mit mehr Zeit.
Wie lange dauert ein Reitweisenwechsel?
Eine ehrliche Pauschalantwort gibt es nicht, aber eine belastbare Orientierung. Wenn Du als Reiter auf einem fertigen Pferd umlernst, bekommst Du das Grundgefühl der neuen Reitweise in einigen Wochen bis wenigen Monaten regelmäßigen Unterrichts. Bis es sich wirklich natürlich anfühlt und Deine alten Automatismen nicht mehr durchschlagen, vergeht länger.
Stellst Du ein Pferd um, plane in Monaten, nicht in Wochen. Das Pferd muss neue Hilfen verstehen, teils neue Muskulatur aufbauen und beim Gangpferd womöglich eine ganze Gangart erlernen. Beides gleichzeitig – Reiter und Pferd lernen um – dauert am längsten und braucht die meiste fachliche Begleitung.
Brauchst Du einen Trainer?
Kurz und klar: ja. Das ist der eine Punkt, bei dem sich alle einig sind, quer durch alle Reitweisen und alle Foren. Eine neue Reitweise über Videos und Bücher allein zu lernen, führt fast immer dazu, dass sich Fehler einschleifen, die Du selbst nicht bemerkst – weil Dir genau das Auge fehlt, das die neue Reitweise beurteilen kann.
Ein guter Trainer der Zielreitweise gibt Dir vom Boden aus die Rückmeldung, die Du im Sattel nicht haben kannst: Sitzt Du zu weit vorne, ziehst Du unbewusst, läuft das Pferd wirklich sauber im neuen Gangbild? Such Dir jemanden, der die neue Reitweise fundiert unterrichtet, und nimm lieber regelmäßigen Unterricht über einen längeren Zeitraum als ein paar geballte Stunden. Wenn es an Deinem Stall niemanden gibt, der die Zielreitweise beherrscht, ist ein Ortswechsel für den Unterricht oder ein Kurs die bessere Investition als jede neue Ausrüstung.
Typische Fehler beim Reitweisenwechsel
Die immer gleichen Stolpersteine, die Umsteigern das Leben schwer machen – und die Du umgehen kannst, wenn Du sie kennst.
Zuerst die Ausrüstung kaufen, dann erst nachdenken. Der neue Sattel macht Dich nicht zum Westernreiter. Lern die Reitweise an, bevor Du Dich mit teurer Ausrüstung eindeckst, die Du vielleicht gar nicht behältst.
Reiter und Pferd gleichzeitig überfordern. Zwei Anfänger in einer neuen Sprache – das verwirrt beide. Halte immer eine Konstante fest: entweder das Pferd oder Du kann die neue Reitweise schon.
Erwarten, dass der Wechsel ein Problem löst. Unruhe, Widersetzlichkeit oder fehlende Losgelassenheit reisen mit. Sie stecken im Ausbildungsstand und in der Einwirkung, nicht im Sattel.
Ohne fachliche Anleitung umstellen. Ausgerechnet beim Wechsel schleifen sich Fehler am schnellsten ein, weil Dir die vertrauten Kontrollpunkte fehlen.
Die alte Reitweise abwerten. Zwischen den Lagern wird gern gestichelt – die einen belächeln Western, die anderen unterstellen der Dressur Zwang. Beides führt nirgendwohin. Es gibt nur gutes und schlechtes Reiten, und das gibt es in jeder Reitweise.
Ausrüstung: Was Du wirklich neu brauchst
Damit Du grob kalkulieren kannst, hier die realistische Einordnung – ohne Dir etwas aufzuschwatzen, was Du nicht brauchst.
Beim Wechsel auf Western brauchst Du in der Regel einen passenden Westernsattel, einen Westernzaum und passende Zügel. Die Westernausrüstung ist meist teurer als die englische, dafür langlebig. Ein guter, dem Pferd passender Sattel ist die einzige Anschaffung, an der Du nicht sparen solltest.
Beim Wechsel auf Englisch reicht oft ein gut passender englischer Sattel und eine schlichte Wassertrense. Hier ist die Einstiegshürde bei der Ausrüstung am niedrigsten.
Beim Wechsel aufs Gangpferd führt kaum ein Weg am speziellen Gangpferdesattel vorbei, weil der Isländer weiter hinten und mit angepasster Sattelform getragen werden muss. Das ist der Punkt, an dem Umsteiger am ehesten unterschätzen, dass es mit dem vorhandenen Englischsattel nicht getan ist.
In allen Fällen gilt: Passform vor Optik. Ein Sattel, der zum Pferderücken passt, ist wichtiger als jede Verzierung. Lass im Zweifel einen Sattler draufschauen, bevor Du kaufst.
Häufige Fragen zum Reitweisenwechsel
Ist Westernreiten einfacher als Englischreiten?
Nein, keine der beiden Reitweisen ist grundsätzlich einfacher. Beide gut zu reiten ist anspruchsvoll. Western wirkt auf viele Umsteiger entspannter, weil es meist ruhiger und langsamer zugeht – gut reiten musst Du trotzdem lernen.
Kann ich als Englischreiter einfach so ein Westernpferd reiten?
Grundsätzlich sitzt Du drauf und kommst voran, aber Du wirst das Pferd nicht sauber über Neck Reining und Gewicht steuern, solange Du das nicht gelernt hast. Für die Feinheiten brauchst Du Anleitung. Am besten lernst Du auf einem gut ausgebildeten Westernpferd unter fachkundigem Auge.
Kann jedes Pferd tölten lernen?
Nein. Die Veranlagung zum Tölt liegt in einem bestimmten Gen. Fehlt es, kann auch das beste Training keinen Tölt herbeiführen. Veranlagte Pferde müssen den sauberen Tölt aber trotzdem erst erlernen.
Muss ich beim Umstieg einen neuen Sattel kaufen?
Beim Wechsel auf Western und aufs Gangpferd in aller Regel ja, weil Sitz und Pferderücken einen anderen Sattel verlangen. Beim Wechsel auf Englisch kommst Du oft mit weniger Neuanschaffungen aus. Wichtig ist immer die Passform für das jeweilige Pferd.
Wie alt darf ein Pferd für einen Reitweisenwechsel sein?
Ein festes Höchstalter gibt es nicht. Je länger und zufriedener ein Pferd in seiner bisherigen Reitweise gegangen ist, desto mehr Geduld braucht der Umbau. Auch ältere Pferde lassen sich behutsam umstellen, es dauert nur länger.
Löst ein Reitweisenwechsel Probleme mit meinem Pferd?
In den seltensten Fällen. Unruhe, Widersetzlichkeit oder fehlende Losgelassenheit hängen am Ausbildungsstand, am Charakter und an Deiner Einwirkung – nicht an der Reitweise. Diese Probleme wandern mit. Meist hilft es mehr, mit gutem Unterricht in der bisherigen Reitweise an der Ursache zu arbeiten.

Hinterlasse einen Kommentar