Sommerekzem beim Fjordpferd – warum es sogar in der norwegischen Zucht eine Rolle spielt

Das Sommerekzem beim Fjordpferd ist eines dieser Themen, bei denen man ein bisschen genauer hinschauen muss. Denn natürlich können auch andere Pferderassen ein Sommerekzem bekommen, und es wäre falsch, daraus einfach eine typische Fjordpferd-Krankheit zu machen. Beim Norweger gibt es allerdings einen ausgesprochen interessanten Unterschied: In seiner Heimat wird das Sommerekzem so ernst genommen, dass es sogar in der norwegischen Zuchtordnung für Fjordpferde berücksichtigt wird.

Und spätestens an dieser Stelle wird aus „Mein Fjord scheuert sich im Sommer immer ein bisschen“ ein Thema, das einen genaueren Blick verdient.

Denn hinter einem echten Sommerekzem steckt nicht einfach empfindliche Haut und schon gar nicht mangelnde Pflege. Es handelt sich um eine allergische Reaktion, die für betroffene Pferde ausgesprochen unangenehm werden kann und bei entsprechender Veranlagung jedes Jahr aufs Neue Probleme bereitet.

Was ist ein Sommerekzem überhaupt?

Das Sommerekzem wird auch als Sweet Itch bezeichnet und ist eine allergische Hauterkrankung. Eine wesentliche Rolle spielen dabei winzige stechende Insekten, insbesondere Gnitzen der Gattung Culicoides.

Das Problem ist nicht der kleine Stich an sich. Das Immunsystem des betroffenen Pferdes reagiert übermäßig auf Bestandteile im Speichel der Insekten. Daraus entsteht eine allergische Reaktion mit teilweise massivem Juckreiz.

Und Juckreiz beim Pferd ist leider nicht besonders praktisch.

Ein Pferd kann schließlich nicht beschließen, die betreffende Stelle jetzt einfach in Ruhe zu lassen, weil ständiges Kratzen die Haut nur noch schlimmer macht. Es findet stattdessen einen Zaunpfosten, einen Baum, eine Wand, einen Futterständer oder notfalls etwas, von dem der Besitzer bis zu diesem Moment überhaupt nicht wusste, dass man sich daran scheuern kann.

Ein Fjordpferd ist bei der Suche nach geeigneten Lösungen erfahrungsgemäß auch nicht vollkommen einfallslos.

Wie sieht Sommerekzem beim Fjordpferd aus?

Besonders häufig betroffen sind Mähnenkamm und Schweifrübe. Je nach Pferd können aber auch andere Körperregionen betroffen sein, beispielsweise Bauchnaht, Kopf oder Brust.

Zu Beginn fällt vielleicht lediglich auf, dass das Pferd sich häufiger scheuert. Später können Haare abbrechen oder vollständig verschwinden, die Haut wird gereizt, verdickt sich, bildet Krusten oder kleine Wunden und kann sich durch das ständige Scheuern zusätzlich entzünden.

Bei einem Fjordpferd fällt eine beschädigte Mähne natürlich besonders auf, weil die typische zweifarbige Stehmähne einen erheblichen Teil seines Erscheinungsbildes ausmacht.

Aber das kosmetische Problem ist nebensächlich.

Entscheidend ist der anhaltende Juckreiz. Ein stark betroffenes Pferd kann über Wochen oder Monate erheblich darunter leiden. Manche Tiere werden unruhig, verbringen viel Zeit mit Scheuern und können ihre Weidezeit kaum entspannt genießen.

Das ist dann keine kleine sommerliche Hautmacke mehr.

Warum ist Sommerekzem gerade beim Fjordpferd interessant?

Jetzt kommen wir zum wirklich spannenden Teil.

In der aktuellen norwegischen Zuchtordnung für das Fjordpferd wird Sweet Itch ausdrücklich als zuchtrelevanter Gesundheitsbefund aufgeführt. Betroffene Tiere können von der Zuchtzulassung ausgeschlossen werden.

Das ist bemerkenswert, denn damit behandelt die norwegische Fjordpferdezucht das Sommerekzem eben nicht ausschließlich als lästiges Haltungsproblem.

Dahinter steht die Erkenntnis, dass bei der Anfälligkeit für Sommerekzem genetische Faktoren eine Rolle spielen können. Ob ein einzelnes Pferd tatsächlich erkrankt und wie stark die Symptome ausfallen, wird jedoch zusätzlich von Umwelt und Insektenexposition beeinflusst.

Wir haben es also nicht mit einem simplen Schema zu tun: Ein bestimmtes Gen ist vorhanden und deshalb bekommt das Pferd zwangsläufig Sommerekzem.

So einfach macht es uns die Biologie leider selten.

Haben Fjordpferde besonders häufig Sommerekzem?

Hier würde ich vorsichtig mit pauschalen Aussagen sein.

Dass Sommerekzem in der norwegischen Fjordpferdezucht ausdrücklich berücksichtigt wird, ist kein Beweis dafür, dass Fjordpferde grundsätzlich häufiger betroffen sind als alle anderen Pferderassen.

Wir kennen das Problem beispielsweise auch bei Islandpferden ausgesprochen gut. Gerade bei Pferden, die in Regionen aufwachsen, in denen bestimmte Culicoides-Arten kaum oder gar nicht vorkommen, kann die Erkrankung nach einem Export in ein Gebiet mit stärkerer Insektenbelastung erstmals deutlich sichtbar werden.

Das ist ein wichtiger Punkt.

Ein Pferd kann eine entsprechende Veranlagung besitzen, ohne unter seinen bisherigen Umweltbedingungen besonders auffällig gewesen zu sein.

Deshalb darf aus einem bislang symptomfreien Fjordpferd nicht automatisch geschlossen werden, dass keinerlei Veranlagung vorhanden sein kann.

Umgekehrt ist natürlich auch nicht jeder Fjord mit einer abgescheuerten Mähne ein Sommerekzemer.

Nicht jedes Scheuern ist Sommerekzem

Wenn ein Fjordpferd im Sommer seine Mähne scheuert, ist die Diagnose deshalb nicht automatisch klar.

Juckreiz kann verschiedene Ursachen haben. Parasiten, andere Hauterkrankungen, Pilzinfektionen, Läuse oder Haarlinge, Kontaktreaktionen und weitere allergische Erkrankungen kommen ebenfalls infrage.

Auch mechanische Ursachen sind möglich.

Wer also zum ersten Mal deutliche Hautveränderungen oder starken Juckreiz bemerkt, sollte nicht einfach eine Ekzemerdecke bestellen und die Diagnose damit als abgeschlossen betrachten.

Gerade bei ausgeprägten oder unklaren Hautproblemen ist eine tierärztliche Untersuchung sinnvoll.

Wann beginnt Sommerekzem?

Der Name verrät es schon ein wenig: Die Beschwerden treten typischerweise saisonal auf.

Sie hängen mit der Aktivität der auslösenden Insekten zusammen und können deshalb bereits im Frühjahr beginnen, sich über den Sommer ziehen und erst im Herbst wieder abklingen.

Der genaue Zeitraum hängt von Region, Wetter und Umweltbedingungen ab.

Das kann bei der Diagnose ein wichtiger Hinweis sein. Wenn ein Fjordpferd Jahr für Jahr ungefähr zur gleichen Jahreszeit beginnt, Mähne und Schweif zu scheuern, und die Beschwerden während der insektenarmen Monate wieder verschwinden, passt dieses Muster durchaus zu einem Sommerekzem.

Bei vielen Pferden wiederholt sich das Problem jedes Jahr.

Und genau deshalb ist Vorbeugung so wichtig.

Die beste Behandlung beginnt, bevor der Fjord sich scheuert

Wer ein bekanntes Sommerekzem-Pferd besitzt, sollte möglichst nicht warten, bis die halbe Mähne bereits am Zaun hängt.

Ein wesentlicher Bestandteil des Managements besteht darin, den Kontakt mit den auslösenden Insekten so weit wie praktisch möglich zu reduzieren.

Dafür können spezielle Ekzemerdecken eingesetzt werden, die einen deutlich größeren Teil des Körpers bedecken als gewöhnliche Fliegendecken. Auch geeignete Masken können je nach betroffenem Bereich sinnvoll sein.

Entscheidend ist allerdings der Zeitpunkt.

Die Schutzmaßnahmen sollten möglichst vor beziehungsweise spätestens mit Beginn der Insektensaison eingesetzt werden.

Denn wenn die allergische Reaktion und der Juckreiz erst einmal richtig in Gang gekommen sind, wird das Management erheblich schwieriger.

Der richtige Standort kann einen großen Unterschied machen

Gnitzen mögen bestimmte Bedingungen besonders gern.

Feuchte, windgeschützte Bereiche können eine höhere Insektenbelastung aufweisen als offene, windige Flächen. Gewässer, sumpfige Stellen oder andere geeignete Brutgebiete in unmittelbarer Umgebung können deshalb ungünstig sein.

Ein luftiger Standort kann für ein Sommerekzem-Pferd deutlich angenehmer sein.

Auch die Tageszeit spielt eine Rolle, denn viele Gnitzen sind besonders in der Dämmerung aktiv.

Bei stark betroffenen Pferden kann es deshalb sinnvoll sein, die Weidezeiten entsprechend anzupassen und sie während besonders insektenreicher Zeiten geschützt unterzubringen.

Ein Ventilator im Stall kann ebenfalls helfen, denn die winzigen Gnitzen sind keine besonders leistungsfähigen Flieger.

Manchmal ist Wind tatsächlich die preiswerteste Fliegenabwehr der Welt.

Helfen Fliegensprays und Pflegemittel?

Repellentien können Bestandteil des Managements sein, ihre Wirkung ist allerdings zeitlich begrenzt und je nach Wirkstoff und Anwendung unterschiedlich.

Pflegeprodukte können gereizte Haut unterstützen oder helfen, bestimmte Körperbereiche zu schützen. Sie beseitigen aber nicht die eigentliche allergische Veranlagung.

Das ist bei den zahllosen „Wundermitteln gegen Sommerekzem“ wichtig.

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Wer ein betroffenes Fjordpferd besitzt, wird vermutlich irgendwann auf ein Produkt stoßen, bei dem irgendein anderer Pferdebesitzer schwört, dass nach drei Anwendungen das komplette Sommerekzem verschwunden sei.

Das Internet ist in dieser Hinsicht ausgesprochen optimistisch.

Ein echtes Sommerekzem ist jedoch eine allergische Erkrankung. Eine Hautlotion kann Symptome lindern oder die Hautpflege unterstützen, aber sie programmiert das Immunsystem des Pferdes nicht einfach neu.

Was kann der Tierarzt gegen Sommerekzem tun?

Bei stärkeren Beschwerden kann eine tierärztliche Behandlung notwendig werden.

Dabei geht es einerseits darum, die allergische Entzündung und den Juckreiz zu kontrollieren und andererseits mögliche Folgeprobleme zu behandeln. Durch intensives Scheuern kann die Haut verletzt werden, wodurch sekundäre Infektionen entstehen können.

Welche Medikamente sinnvoll sind, hängt vom einzelnen Pferd und vom Schweregrad ab.

Gerade bei starkem Juckreiz sollte man nicht wochenlang verschiedene Hausmittel ausprobieren, während das Pferd sich immer weiter wund scheuert.

Ein Pferd mit schwerem Sommerekzem leidet tatsächlich.

Kann man Sommerekzem heilen?

Ein vollständiges und dauerhaftes „Wegheilen“ der allergischen Veranlagung ist schwierig.

Bei vielen Pferden besteht das Ziel deshalb vor allem darin, die Symptome möglichst vollständig zu kontrollieren und neue allergische Reaktionen zu verhindern beziehungsweise zu reduzieren.

Mit gutem Management können betroffene Pferde trotzdem eine sehr gute Lebensqualität haben.

Das setzt allerdings Konsequenz voraus.

Die Ekzemerdecke hilft wenig, wenn sie erst aufgezogen wird, nachdem der Fjord bereits drei Wochen intensiv den Zaun bearbeitet hat. Ebenso wenig bringt das beste Repellent etwas, wenn es nur gelegentlich benutzt wird.

Sommerekzem ist deshalb eine Erkrankung, bei der ein durchdachtes Management häufig wichtiger ist als die Suche nach dem einen magischen Mittel.

Sommerekzem beim Fjordpferd und Zucht

Gerade beim Fjordpferd gehört dieser Punkt unbedingt dazu.

Wenn eine Erkrankung eine erbliche beziehungsweise genetische Komponente besitzt, betrifft die Entscheidung zur Zucht nicht nur das einzelne Pferd.

Genau deshalb berücksichtigt die norwegische Zuchtordnung Sweet Itch ausdrücklich.

Das bedeutet nicht, dass jedes betroffene Fjordpferd automatisch kränker, schlechter oder weniger liebenswert wäre. Ein Ekzemer kann ein wunderbares Reit- und Freizeitpferd sein.

Bei der Zucht gelten jedoch andere Maßstäbe.

Dort geht es nicht nur darum, ob ein einzelnes Pferd mit einer Erkrankung gut leben kann, sondern auch darum, welche gesundheitlichen Anlagen innerhalb einer vergleichsweise kleinen Population weitergegeben werden sollen.

Und bei einer alten Rasse wie dem Fjordpferd ist genau diese langfristige Betrachtung besonders wichtig.

Worauf sollte ich beim Kauf eines Fjordpferdes achten?

Wer ein Fjordpferd kaufen möchte, kann besonders im Sommer einen Blick auf Mähne, Schweifrübe und Haut werfen.

Eine dünne, abgebrochene oder stark abgescheuerte Mähne sollte zumindest Anlass für eine Nachfrage sein. Dasselbe gilt für eine kahle oder zerzauste Schweifrübe, verdickte Haut oder deutliche Scheuerspuren.

Natürlich kann es dafür andere Erklärungen geben.

Man darf ruhig fragen:

Hat dieses Pferd Sommerekzem? Seit wann? Wie stark? Was wird dagegen gemacht?

Und bei einem Zuchtpferd würde ich mich zusätzlich für die gesundheitliche Vorgeschichte der Familie interessieren.

Ein Fjordpferd mit Sommerekzem kann durchaus das richtige Pferd sein. Man sollte nur vorher wissen, worauf man sich einlässt.

Denn Ekzemerdecken, angepasstes Weidemanagement und konsequente Pflege gehören anschließend möglicherweise viele Jahre lang zum Sommer dazu.

Muss ein Fjordpferd mit Sommerekzem sein Leben lang eingepackt werden?

Nicht jedes Pferd ist gleich stark betroffen.

Bei einem milden Verlauf reichen möglicherweise vergleichsweise überschaubare Maßnahmen, während ein schwerer Ekzemer während der gesamten Insektensaison sehr konsequent geschützt werden muss.

Auch der Standort kann enorm viel verändern.

Ein Pferd kann in einer feuchten, windstillen Gegend erheblich stärkere Probleme haben als an einem offenen, windigen Standort mit geringerer Gnitzenbelastung.

Deshalb gibt es beim Sommerekzem leider kein Managementschema, das bei jedem Fjordpferd identisch funktioniert.

Man muss beobachten, ausprobieren und anschließend das tun, was beim eigenen Pferd tatsächlich funktioniert.

Fazit: Sommerekzem beim Fjordpferd sollte man ernst nehmen

Das Sommerekzem beim Fjordpferd ist keine harmlose sommerliche Marotte und auch nicht einfach ein bisschen empfindliche Haut.

Es handelt sich um eine allergische Erkrankung, bei der insbesondere die Reaktion auf den Speichel von Gnitzen eine wesentliche Rolle spielt. Betroffene Pferde können unter erheblichem Juckreiz leiden und sich Mähne, Schweif und andere Körperbereiche massiv wund scheuern.

Beim Fjordpferd ist das Thema besonders interessant, weil Sweet Itch in der norwegischen Fjordpferdezucht ausdrücklich als zuchtrelevanter Gesundheitsbefund berücksichtigt wird.

Das macht Sommerekzem nicht automatisch zu einer Krankheit, die jedes Fjordpferd bekommen wird. Es zeigt aber sehr deutlich, dass man das Problem in der Heimat der Rasse ernst nimmt.

Für den Besitzer ist die wichtigste Erkenntnis wesentlich praktischer: Wer weiß, dass sein Fjordpferd Sommerekzem hat, sollte nicht jedes Frühjahr aufs Neue darauf warten, ob es vielleicht diesmal von allein verschwindet.

Frühzeitig schützen, Insektenkontakt reduzieren, Haut beobachten und bei stärkeren Beschwerden tierärztlich behandeln lassen.

Denn der Sommer ist für einen Fjord eigentlich viel zu schön, um ihn damit zu verbringen, die komplette Mähne an einem Zaunpfosten zurückzulassen.

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