Das Fjordpferd von A bis Z
Kaum eine Rasse ist auf den ersten Blick so sicher zu erkennen wie das Fjordpferd. Die aufrecht geschnittene Mähne, der dunkle Streifen über dem Rücken, der kräftige Körper auf kurzen Beinen. Hinter jedem dieser Merkmale steckt eine eigene Geschichte, oft mehrere tausend Jahre alt. Hier findest du sie, sortiert von A bis Z.
A wie Aalstrich
Der dunkle Streifen vom Mähnenkamm über den Rücken bis in den Schweif heißt auf Norwegisch ålestripe, also Aalstreifen. Der Name stammt vom Aal, dessen Rücken genauso dunkel abgesetzt wirkt. Beim Fjordpferd gehört der Aalstrich zur Rasse dazu, jedes Tier trägt ihn. Er stammt von den Wildpferden und hatte dort eine Aufgabe: Bei hellem Sonnenlicht wirkt ein dunkler Rücken flach, die Silhouette des Pferdes verschwimmt im Gelände. Für ein Fluchttier war das ein Vorteil, der über Leben und Tod entschied.
B wie Blakk
Blakk ist das norwegische Wort für falb und taucht in fast jedem Farbnamen der Rasse auf: brunblakk, rødblakk, ulsblakk, gulblakk. Wer sich in norwegischen Papieren zurechtfinden will, kommt an diesem Wort vorbei. Bei uns hörst du oft die Übersetzung Braunfalbe oder Fuchsfalbe, in norwegischen Zuchtbüchern und auf Körlisten steht die Originalform. Praktisch für dich, falls du einmal Abstammungen aus Norwegen liest.
C wie Charakter
Das Fjordpferd gilt als ausgesprochen nervenstark und freundlich. Es arbeitet gern mit, bleibt in unbekannten Lagen ruhig und denkt dabei mit. Diese Eigenschaft kommt aus der Arbeit: Wer als Bauernpferd an steilen Hängen Holz zog, Heu einfuhr und die Familie versorgte, musste verlässlich bleiben, auch wenn der Weg schmal wurde. Diese Gelassenheit hat die Rasse behalten, und genau sie macht das Fjordpferd heute zum beliebten Familienpferd. Bedenke dabei: Ein Pferd, das mitdenkt, hat auch eine eigene Meinung und braucht eine klare, faire Führung.
D wie Dølahest
Im 19. Jahrhundert wollte man das Fjordpferd größer und schwerer haben und kreuzte den Dølahest aus dem Gudbrandsdal ein. Das Ergebnis war ernüchternd: Der einheitliche Typ ging verloren, die Tiere wurden uneinheitlich in Farbe und Gebäude. Norwegische Züchter steuerten gegen und arbeiteten sich über wenige, sorgfältig ausgewählte Hengste zurück zum alten Bild. Diese Episode ist der Grund, warum in der Fjordpferdezucht heute so streng auf Farbe und Typ geachtet wird.
E wie Eid
Nordfjordeid an der Westküste Norwegens ist das Herz der Rasse. Dort steht das Norsk Fjordhestsenter, das Zuchtzentrum und Museum zugleich ist. Jedes Frühjahr findet hier die Hengstschau statt, ein Volksfest mit Vorführungen, Fahrwettbewerben und einer Beurteilung, die über die Zukunft ganzer Blutlinien entscheidet. Wer die Rasse liebt, sollte diese Reise einmal machen.
F wie Farben der Fjordpferde
Offiziell anerkannt sind fünf Falbtöne. Brunblakk, der Braunfalbe, stellt rund neun von zehn Fjordpferden. Rødblakk ist der Fuchsfalbe mit rötlichem Aalstrich. Grå ist der Graufalbe, oft mausgrau bis silbrig. Ulsblakk zeigt ein sehr helles, fast weißliches Fell mit deutlich dunklem Strich. Gulblakk schließlich ist der seltenste Ton. Alle fünf gehen auf dasselbe Falbgen zurück, das die Grundfarbe aufhellt und Rückenlinie, Beine und Ohrränder dunkel stehen lässt.
G wie Gelbfalbe
Der Gelbfalbe ist die Rarität unter den fünf Farben. Fell und Mähne wirken hell und warm, der Aalstrich bleibt vergleichsweise blass. Weltweit leben nur wenige Tiere in diesem Ton, und in manchen Jahrgängen fällt kein einziges Fohlen davon. Züchter, die einen Gulblakk im Stall stehen haben, wissen genau, was sie da besitzen. Für dich als Beobachterin auf einer Schau lohnt der zweite Blick, denn ein heller Ulsblakk und ein Gulblakk werden gern verwechselt.
H wie Hufe
Fjordpferde haben von Haus aus harte, gut geformte Hufe mit dichtem Horn. Das kommt aus der Heimat: steiniger Boden, felsige Wege, viel Bewegung am Hang. Viele Fjordpferde laufen ihr Leben lang barhuf und kommen damit bestens zurecht. Ein Vorteil, den du bei der Haltung mitnehmen solltest, denn ein harter, trockener Untergrund und viel Bewegung erhalten diese Hufqualität.
I wie Island
Fjordpferd und Islandpferd teilen eine gemeinsame Wurzel. Als die Wikinger im 9. Jahrhundert Island besiedelten, nahmen sie ihre Pferde aus Westnorwegen mit an Bord. Verwandtschaft besteht also, auch wenn sich beide Rassen über die Jahrhunderte in verschiedene Richtungen entwickelt haben. Das Islandpferd bewahrte den Tölt, das Fjordpferd blieb der kräftige Arbeitstyp mit der auffälligen Mähne.
J wie junge Reiter
Für Kinder und Jugendliche ist das Fjordpferd oft das erste eigene Pferd. Die Größe passt, der Rücken ist breit und bequem, das Gemüt verzeiht Anfängerfehler. Dazu kommt die Vielseitigkeit: dasselbe Pferd geht am Vormittag ins Gelände, zieht am Nachmittag den Wagen und steht abends beim Voltigieren still. Achte trotzdem darauf, dass Kraft und Eigenständigkeit zum Reiter passen, denn ein Fjordpferd kann sich sehr wohl durchsetzen, wenn es die Regeln unklar findet.
K wie Kleinpferd
Mit einem Stockmaß von etwa 1,35 bis 1,50 Meter fällt das Fjordpferd bei uns in die Kategorie Kleinpferd. In Norwegen heißt es schlicht hest, also Pferd, und zwar mit Selbstverständlichkeit. Bei 400 bis 500 Kilo Gewicht und dem kräftigen Gebäude trägt ein Fjordpferd auch einen erwachsenen Reiter mühelos. Die Bezeichnung Pony trifft hier eher die Rechenformel als das Wesen des Tieres.
L wie leichtfuttrig
Das größte Gesundheitsthema der Rasse. Fjordpferde stammen aus einer kargen Landschaft und kommen mit wenig Futter aus. Auf einer fetten deutschen Weide legt so ein Pferd rasch zu, und Übergewicht führt geradewegs zu Stoffwechselproblemen und Hufrehe. Halte das Gras knapp, arbeite mit Fressbremse oder abgeteilten Flächen, wiege regelmäßig das Heu und sorge für viel Bewegung. Ein schlankes Fjordpferd ist ein gesundes Fjordpferd, auch wenn das gemütliche Rundliche vielen besser gefällt.
M wie Mähne
Das Erkennungszeichen der Rasse. Die Mähne wird kurz geschnitten, sodass sie aufrecht steht, und in einen sanften Halbmond geformt. Der Trick liegt in den Farben: Innen sitzen dunkle Haare, außen helle. Wer die äußeren, hellen Haare etwas kürzer schneidet, lässt den dunklen Kern hervortreten. Diese Linie setzt den Hals in Szene und zeigt zugleich, wie sorgfältig ein Pferd gepflegt wird. Alle paar Wochen ist Nacharbeit fällig, sonst kippt die Mähne zur Seite. Auf Schauen ist der Mähnenschnitt eine kleine Kunst für sich, und mancher Züchter hat dafür seine eigene Schere und seine eigene Meinung.
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N wie Njål
Der Hengst Njål 166, geboren 1891, gilt als Stammvater der modernen Fjordpferdezucht. Er brachte den Typ zurück, den die Einkreuzungen des 19. Jahrhunderts verwässert hatten: kompakt, korrekt im Gebäude, klar in der Farbe. Über seine Söhne wirkte er in die gesamte Population hinein, sodass praktisch jedes heutige Fjordpferd auf ihn zurückgeht. Wenn du eine norwegische Abstammung weit genug zurückliest, landest du bei ihm.
O wie Oldtimer
Fjordpferde werden alt und bleiben lange arbeitsfähig. Viele gehen mit zwanzig noch entspannt ins Gelände, und dreißigjährige Tiere im Beritt sind eine bekannte Erscheinung. Die Gründe liegen im robusten Bau, in der Genügsamkeit und in der ruhigen Art, die Körper und Gelenke schont. Für eine Familie bedeutet das eine sehr lange gemeinsame Zeit, oft über zwei Kindergenerationen hinweg.
P wie Przewalskipferd
Die Ähnlichkeit springt ins Auge: aufrechte Mähne, Falbfarbe, Aalstrich, kompakter Körper. Lange hielt sich deshalb die Vorstellung, das Fjordpferd stamme direkt vom Przewalskipferd ab. Untersuchungen des Erbguts zeichnen ein anderes Bild. Das Fjordpferd gehört zu den europäischen Hauspferden und hat lediglich sehr viele urtümliche Merkmale bewahrt. Die Ähnlichkeit erklärt sich aus alten Anlagen, die bei den meisten anderen Rassen verloren gingen.
Q wie quadratisch
Stell dir beim Fjordpferd ein Quadrat vor: Widerristhöhe und Körperlänge liegen dicht beieinander. Dazu kommen kurze, kräftige Beine, ein tiefer Brustkorb, ein starker Rücken und ein muskulöser Hals. Dieser Bau ist reine Zweckform. Wer schwere Lasten über steile Wege ziehen muss, braucht Hebelwirkung in kurzen Knochen und Masse im Rumpf. Genau diese Bauweise trägt heute Reiter jeder Größe und zieht im Fahrsport erstaunliche Gewichte.
R wie Reinzucht
In der Fjordpferdezucht ist die Farbe Teil des Standards. Zugelassen sind allein die fünf Falbtöne, dazu die Wildzeichnung mit Aalstrich, Zebrastreifen und dunklen Ohrrändern. Ein kleiner Stern auf der Stirn wird geduldet, größere weiße Abzeichen gelten als Fehler. Diese Strenge erklärt sich aus der Geschichte der Einkreuzungen: Man wollte den alten Typ sichern und hat dafür ein Regelwerk geschaffen, das bis heute gilt.
S wie Steinritzungen
Auf skandinavischen Felsbildern und Wikingersteinen tauchen Pferde mit kurzer, aufrechter Mähne auf. Sie zeigen, wie lange dieser Typ schon in Norwegen zu Hause ist. Die Wikinger nutzten ihre Pferde als Last- und Reittiere und veranstalteten Hengstkämpfe, die in den alten Sagas beschrieben werden. Es gilt als sicher, dass sie ihre Tiere gezielt auswählten, womit das Fjordpferd zu den Rassen mit der längsten dokumentierten Geschichte in Europa gehört.
T wie Therapiepferd
Kaum eine Rasse ist im therapeutischen Reiten so verbreitet. Der breite Rücken überträgt eine ruhige, gleichmäßige Bewegung, das Stockmaß erlaubt Helfern, neben dem Pferd zu gehen und zu sichern, und das Gemüt hält Rollstühle, Rampen und ungewohnte Geräusche aus. Dazu kommt das freundliche Gesicht mit den großen Augen, das Menschen sofort Vertrauen fassen lässt.
U wie Ulsblakk
Der Weißfalbe wirkt fast cremefarben, manchmal beinahe silbern im Sonnenlicht. Der Aalstrich hebt sich dabei besonders deutlich ab, was diese Pferde auf Fotos so eindrucksvoll macht. Ulsblakk ist selten, aber deutlich häufiger als Gulblakk. Fohlen kommen oft in einem anderen Ton zur Welt und klären erst mit dem ersten Fellwechsel auf, was ihre endgültige Farbe wird.
V wie Vererbung
Verantwortlich für das gesamte Farbbild ist das Falbgen. Es hellt die Grundfarbe auf und lässt zugleich Rückenlinie, Beine und Ohrränder dunkel stehen. Da die Anlage sich gegenüber der ungefalbten Form durchsetzt, genügt bereits eine Kopie, damit ein Fohlen falb wird. Welcher der fünf Töne entsteht, hängt von der Grundfarbe darunter ab: Braun ergibt brunblakk, Fuchs ergibt rødblakk, Schwarz ergibt grå. Wer plant, kann die Farbe eines Fohlens damit ziemlich genau vorhersagen.
W wie Winterfell
Fjordpferde schieben ein dichtes, doppellagiges Winterfell mit langen Deckhaaren, unter denen die Nässe abläuft. In Norwegen stehen sie den Winter über draußen, mit Unterstand und Heu. Für dich heißt das: Offenstall und Außenhaltung passen zu dieser Rasse hervorragend, Decken und warme Ställe sind bei einem gesunden Fjordpferd selten nötig. Zum Fellwechsel im Frühjahr solltest du dagegen Zeit einplanen und eine gute Bürste bereithalten.
X wie das Kreuz auf der Schulter
Viele Fjordpferde tragen einen dunklen Querstreifen über dem Widerrist, der zusammen mit dem Aalstrich ein Kreuz bildet. Auch dieses Zeichen stammt von den Wildpferden. Beim Esel gehört es fest zum Bild, und dazu gibt es die alte Legende, er trage das Kreuz seit dem Einzug in Jerusalem auf dem Rücken. Beim Fjordpferd gilt das Schulterkreuz als schöner Beleg für die Urtümlichkeit der Rasse.
Y wie Ytre
Ytre heißt im Norwegischen äußere und steckt in vielen Ortsnamen der Westküste. Genau dort, im äußeren Fjordland zwischen Meer, steilen Hängen und schmalen Talböden, ist die Rasse entstanden. Die Landschaft erklärt fast alles am Fjordpferd: die kurzen kräftigen Beine für steile Wege, die harten Hufe für Fels, die Genügsamkeit für karge Weiden und die Ruhe für Wege, auf denen ein Schreckmoment teuer wäre.
KZ wie Zebrastreifen
An den Vorderbeinen, manchmal auch an den Hinterbeinen, zeigen viele Fjordpferde waagerechte dunkle Querstreifen. Sie gehören zur Wildzeichnung und stammen aus derselben Anlage wie der Aalstrich. Bei jungen Pferden und im Sommerfell treten sie meist am deutlichsten hervor, im dichten Winterfell verschwimmen sie. Wenn du ein Fohlen begutachtest, lohnt der Blick auf die Beine, denn kräftige Zebrastreifen gelten als Zeichen für eine ausgeprägte, typvolle Wildzeichnung.

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