Fjordpferde und Dressur

Fjordpferde in der Dressur: Wie weit kann ein Norweger kommen?

Fjordpferde werden häufig als zuverlässige Freizeitpferde, Gewichtsträger, Fahrpferde oder robuste Partner für Ausritte beschrieben. Auf einem Dressurturnier fallen sie dagegen noch immer auf. Zwischen hochbeinigen Warmblütern wirkt ein kompakter Norweger mit Stehmähne zunächst wie ein Besucher aus einer anderen Abteilung. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Fjordpferde keine Dressur können.

Dressur ist zunächst keine Sportklasse, sondern die gymnastizierende Ausbildung eines Pferdes. Sie soll das Pferd geschmeidiger, kräftiger, ausbalancierter und langfristig gesünder machen. In diesem Sinne kann und sollte jedes gesunde Fjordpferd dressurmäßig gearbeitet werden. Ob es darüber hinaus das Talent für anspruchsvolle Dressurprüfungen besitzt, hängt dagegen stark vom einzelnen Pferd ab.

Das Fjordpferd ist keine einheitliche Sportpferderasse. Innerhalb der Population gibt es erhebliche Unterschiede im Körperbau, in der Bewegungsqualität, im Temperament und in der natürlichen Balance. Manche Fjordpferde bewegen sich leichtfüßig, schwungvoll und erstaunlich bergauf. Andere sind lang im Rücken, tief angesetzt, schwer in der Vorhand oder ausgesprochen kurz in ihren Bewegungen. Entsprechend unterschiedlich sind auch ihre Möglichkeiten in der Dressur.

Der internationale Rassestandard beschreibt das Fjordpferd bewusst als vielseitiges und nicht als spezialisiertes Pferd. Es soll kräftig, athletisch, beweglich und für das Reiten, Fahren sowie die Arbeit geeignet sein. Auch das deutsche Zuchtziel verlangt einen harmonischen Körperbau und korrekte, taktreine Bewegungen. Die Vielseitigkeit gehört damit ausdrücklich zur Rasseidee. Das bedeutet aber ebenfalls, dass nicht jedes Fjordpferd für dieselbe Aufgabe gezüchtet wurde.

Kann man mit einem Fjordpferd Dressur reiten?

Ja. Mit vielen Fjordpferden kann man sehr ordentlich Dressur reiten. Einzelne Pferde erreichen sogar die höheren Klassen und können sich auch gegen Warmblüter behaupten. In Deutschland werden Fjordpferde regulär als Turnierpferde in der Dressur geführt. Eine Veröffentlichung der Interessengemeinschaft Fjordpferd nannte für das Jahr 2023 insgesamt 25 Fjordpferde in der FN-Liste der Dressurturnierpferde. Das ist gemessen an der kleinen Population durchaus beachtlich. (Pub Mediabox Storage)

Man muss allerdings unterscheiden, was mit „Dressur reiten“ gemeint ist. Ein Fjordpferd kann lernen, taktrein auf gebogenen Linien zu gehen, sich stellen und biegen zu lassen, Seitengänge auszuführen, Übergänge kontrolliert zu bewältigen und zunehmend mehr Gewicht mit der Hinterhand aufzunehmen. Das ist bereits gute Dressurarbeit.

Eine andere Frage ist, ob das Pferd über genug Bewegungspotenzial, Schulterfreiheit, Tragkraft und natürliche Bergauftendenz verfügt, um in höheren Dressurklassen konkurrenzfähig zu sein. Dort reicht korrektes Reiten allein nicht mehr aus. Die Qualität der Grundgangarten, die Ausdrucksfähigkeit und die natürliche Leichtigkeit der Bewegungen spielen bei der Bewertung eine große Rolle.

Ein Fjordpferd kann eine Aufgabe technisch korrekt absolvieren und trotzdem hinter einem bewegungsstarken Warmblut bleiben. Das macht seine Leistung nicht weniger wertvoll. Es bedeutet lediglich, dass im Turniersport nicht nur die korrekte Ausbildung, sondern auch die angeborene Bewegungsqualität beurteilt wird.

Nicht jedes Fjordpferd ist ein Dressurtalent

Bei Fjordpferden begegnet man sehr unterschiedlichen Typen. Manche sind heute deutlich sportlicher, leichter und moderner gebaut als frühere Arbeitspferdetypen. Sie besitzen einen ausgeprägteren Widerrist, eine günstig angesetzte Halsung, eine schräge Schulter und aktive Hinterbeine. Solche Pferde können eine erstaunliche Entwicklung in der Dressur nehmen.

Andere Fjordpferde tragen noch deutlich den ursprünglichen Arbeitspferdetyp. Sie sind breit, kompakt und außerordentlich kräftig, besitzen aber teilweise einen tief angesetzten Hals, wenig Widerrist und einen eher geraden Bewegungsablauf. Diese Pferde können hervorragende Freizeit-, Gelände- oder Fahrpferde sein. Für eine anspruchsvolle dressurmäßige Versammlung bringen sie jedoch nicht immer die günstigsten Voraussetzungen mit.

Ein kurzer, kräftiger Hals erschwert eine feine Einstellung im Genick nicht zwangsläufig, bietet dem Reiter aber weniger Spielraum. Ein sehr tiefer Halsansatz begünstigt, dass das Pferd sein Gewicht auf die Vorhand verlagert. Eine steile Schulter kann die Reichweite der Vorderbeine begrenzen. Eine schwache oder gerade Hinterhand macht es schwerer, die Hinterbeine weit unter den Körper treten zu lassen und vermehrt Last aufzunehmen.

Diese körperlichen Voraussetzungen lassen sich durch gutes Training verbessern, aber nicht vollständig verändern. Man kann Muskulatur aufbauen, Bewegungsabläufe verfeinern und die Balance deutlich fördern. Aus einem von Natur aus stark vorhandlastigen, kurz tretenden Pferd wird jedoch kein schwebendes Grand-Prix-Pferd. Gute Ausbildung respektiert diese Grenzen, statt ständig gegen sie anzureiten.

Kann man einem Fjordpferd Dressur beibringen?

Fjordpferde gelten grundsätzlich als lernfähig, arbeitswillig und vielseitig. Der Rassestandard betont ausdrücklich ihre Kooperationsbereitschaft und Trainierbarkeit. Viele Fjordpferde lernen schnell und behalten einmal verstandene Aufgaben sehr zuverlässig.

Allerdings sind sie häufig weniger bereit als manche sensiblen Reitpferde, über längere Zeit einfach nur auf Druck zu reagieren. Ein Fjordpferd möchte meist einen Sinn in der Aufgabe erkennen. Wird das Training eintönig, körperlich zu anstrengend oder widersprüchlich, entwickelt es mitunter sehr wirksame Strategien, um sich der Arbeit zu entziehen.

Das kann sich als Festhalten im Hals, Herausheben, Einrollen, Davonlaufen über die Schulter oder schlichtes Langsamwerden zeigen. Viele Fjordpferde sind körperlich stark genug, um einen Reiter eine ganze Weile mitzunehmen, ohne sich dabei wirklich selbst zu tragen. Von außen sieht das manchmal ruhig und kontrolliert aus. Tatsächlich läuft das Pferd jedoch auf der Vorhand, hält den Rücken fest und zieht sich mit den Vorderbeinen durch die Bahn.

Dressurarbeit mit einem Fjordpferd verlangt deshalb nicht unbedingt mehr Kraft, sondern mehr Genauigkeit. Die Hilfen müssen verständlich sein, die Übungen zum Ausbildungsstand passen und Pausen rechtzeitig kommen. Kurze, konzentrierte Arbeitsphasen bringen häufig mehr als eine Stunde ständiges Treiben und Korrigieren.

Besonders wichtig sind viele gute Übergänge, häufige Handwechsel, korrekt gerittene gebogene Linien und ein Wechsel zwischen lösender Arbeit und kurzen gymnastizierenden Aufgaben. Auch Stangenarbeit, Geländereiten und leichtes Bergaufreiten können wertvolle Bausteine sein. Sie kräftigen die Hinterhand und sorgen dafür, dass die Arbeit für das Pferd abwechslungsreich bleibt.

Mein Fjordpferd will nicht durchs Genick gehen – was tun?

Der Satz „Mein Pferd geht nicht durchs Genick“ beschreibt sehr unterschiedliche Probleme. Häufig ist damit gemeint, dass das Pferd den Kopf hochträgt, den Unterhals anspannt und sich nicht an die Hand herandehnt. Manchmal läuft es dagegen mit tiefem Kopf, bleibt aber im Genick steif. Andere Pferde rollen sich hinter dem Zügel ein und wirken auf den ersten Blick rund, obwohl sie sich der Verbindung entziehen.

Durchs Genick gehen bedeutet nicht, dass der Kopf in einer bestimmten Position festgehalten wird. Es bedeutet, dass das Pferd die Reiterhilfen durch den Körper hindurchlässt, sich an eine elastische Verbindung herandehnt und im Genick loslässt. Die gewünschte Haltung entsteht aus Takt, Losgelassenheit, aktivem Hinterbein und zunehmender Balance. Sie darf nicht mit der Hand hergestellt werden.

Gerade bei einem Fjordpferd mit kräftigem Hals ist die Versuchung groß, die Form vorne erzwingen zu wollen. Das führt jedoch häufig dazu, dass das Pferd den Hals festmacht, sich auf den Zügel legt oder hinter die Hand ausweicht. Ein Pferd kann den Kopf scheinbar korrekt tragen und trotzdem den Rücken wegdrücken und mit den Hinterbeinen nach hinten heraus treten.

Der erste Schritt besteht deshalb darin, die Ursache des Problems zu erkennen. Fehlt dem Pferd die Kraft? Versteht es die Hilfen nicht? Ist das Tempo ungeeignet? Ist die Reiterhand unruhig? Passt der Sattel? Gibt es Zahnprobleme, Rückenbeschwerden oder Einschränkungen im Hals- und Genickbereich?

Ein Pferd, das sich dauerhaft nur auf einer Seite verwirft, plötzlich die Anlehnung verweigert oder sich trotz vernünftiger Ausbildung nicht stellen lässt, sollte körperlich untersucht werden. Auch ein drückender Sattel kann verhindern, dass das Pferd den Rücken aufwölbt und sich an die Hand herandehnt. Dasselbe gilt für scharfe Zahnkanten, Schmerzen im Kiefergelenk oder Beschwerden im Bewegungsapparat.

Bei einem gesunden, aber noch unausbalancierten Fjordpferd beginnt die Lösung häufig mit einem gleichmäßigen Takt. Das Pferd muss zunächst in einem Tempo laufen, in dem es weder eilt noch hinter dem Schenkel zurückbleibt. Viele Fjordpferde werden zu langsam geritten, weil sie dann ruhig und kontrollierbar wirken. Ein schleppendes Pferd kann sich jedoch kaum selbst tragen. Es braucht ein fleißiges Hinterbein, ohne davonzulaufen.

Hilfreich sind häufige Übergänge zwischen Schritt und Trab, Trab und Schritt sowie innerhalb einer Gangart. Entscheidend ist, dass das Pferd dabei nicht vorne gebremst und hinten gleichzeitig getrieben wird. Es soll auf eine kurze Hilfe reagieren und anschließend wieder selbstständig weiterlaufen.

Große gebogene Linien helfen dem Pferd, sich allmählich im Körper auszurichten. Zu kleine Volten überfordern ein steifes oder kräftiges Pferd schnell. Besser sind zunächst große Zirkel, Schlangenlinien und sanfte Bögen. Sobald das Pferd dabei im Takt bleibt, können kurze Phasen von Schultervor oder leichtem Schulterherein hinzukommen.

Das Schultervor ist für viele Fjordpferde besonders wertvoll. Es bringt die innere Hinterhand besser unter den Körper, richtet die Schultern aus und verhindert, dass das Pferd einfach über die äußere Schulter davonläuft. Dabei geht es zunächst nicht um einen spektakulären Winkel, sondern um wenige korrekte Tritte.

Auch das Vorwärts-abwärts hat seinen Platz. Das Pferd soll den Hals aus dem Widerrist heraus nach vorne strecken und die Verbindung zur Hand beibehalten. Ein bloßes Fallenlassen des Kopfes genügt nicht. Das Pferd muss im Rücken schwingen und weiter aktiv abfußen. Gerade kräftige Fjordpferde nutzen eine tiefe Haltung sonst gern dazu, sich noch stärker auf die Vorhand zu schieben.

Manche Fjordpferde kommen nur schwer in eine klassische Dressurhaltung

Es wäre unehrlich zu behaupten, jedes Fjordpferd könne bei richtiger Ausbildung dieselbe Haltung entwickeln. Körperbau und Beweglichkeit setzen individuelle Grenzen. Manche Pferde besitzen ein sehr breites Genick, einen kurzen Hals oder eine starke Unterhalsmuskulatur. Andere haben von Natur aus wenig Raum zwischen Unterkiefer und Hals.

Bei solchen Pferden kann eine sehr enge Kopf-Hals-Haltung unangenehm oder sogar körperlich kaum möglich sein. Der Reiter muss dann eine Haltung zulassen, in der das Pferd frei atmen, schlucken und den Unterkiefer bewegen kann. Die Nase darf etwas weiter vor der Senkrechten bleiben, solange der Rücken arbeitet und das Pferd eine ehrliche Verbindung zur Hand sucht.

Die richtige Haltung sieht bei einem kompakten Fjordpferd oft anders aus als bei einem langen, hoch angesetzten Warmblut. Das ist kein Ausbildungsfehler. Problematisch wird es erst, wenn man versucht, die optische Form des einen Pferdetyps auf einen völlig anderen Körperbau zu übertragen.

Trotzdem sollte man nicht vorschnell jede Steifheit mit der Rasse erklären. Auch ein kräftiges Fjordpferd kann lernen, den Halsansatz anzuheben, das Genick beweglich zu machen und den Rücken zu benutzen. Es dauert unter Umständen länger und erfordert mehr geduldigen Muskelaufbau. „Das ist eben ein Norweger“ darf keine Ausrede für schlechtes Reiten, einen unpassenden Sattel oder mangelnde Gymnastizierung sein.

Warum Fjordpferde häufig auf der Vorhand laufen

Das Fjordpferd wurde über lange Zeit nicht als spezialisiertes Dressurpferd gezüchtet. Seine ursprünglichen Aufgaben verlangten Kraft, Trittsicherheit, Ausdauer und einen zuverlässigen Charakter. In bergigem Gelände musste es Lasten tragen, ziehen und auch unter schwierigen Bedingungen arbeitsfähig bleiben. Diese Vielseitigkeit und Robustheit prägen die Rasse bis heute. (Interessengemeinschaft Fjordpferd)

Viele Fjordpferde besitzen einen relativ schweren Vorderkörper und kräftige Schultern. Sie können daher problemlos viel Gewicht vorne tragen. Unter dem Reiter wählen sie gern genau diese kräfteschonende Lösung: Die Hinterbeine schieben, während die Vorderbeine den größten Teil des Gewichts auffangen.

Für die dressurmäßige Ausbildung muss sich dieses Verhältnis langsam verändern. Das Pferd soll lernen, seine Gelenke in der Hinterhand stärker zu beugen und den Brustkorb zwischen den Schulterblättern anzuheben. Das lässt sich nicht durch Hochziehen des Kopfes erreichen. Die Tragkraft entsteht aus der Hinterhand und der Rumpfmuskulatur.

Rückwärtsrichten, korrekt gerittene Übergänge, Schultervor, Tempowechsel und das Reiten über leicht ansteigende Wege können dabei helfen. Wichtig ist die Qualität. Drei gerade, ruhige Tritte rückwärts sind wertvoller als zehn eilige Tritte mit hochgerissenem Kopf. Ein sauberer Übergang aus einem aktiven Trab in einen balancierten Schritt bringt mehr als zwanzig Übergänge, bei denen das Pferd jedes Mal auf die Vorhand fällt.

Ist ein Fjordpferd für Dressurturniere geeignet?

Für die unteren Klassen sind viele gut ausgebildete Fjordpferde grundsätzlich geeignet. Ob ein bestimmtes Pferd Freude am Turniersport hat, hängt jedoch nicht nur von seiner Rasse ab. Es braucht ausreichende Grundgangarten, Rittigkeit, Nervenstärke und eine korrekte Ausbildung.

In einfachen Prüfungen kann ein taktsicheres, gehorsames und sauber gerittenes Fjordpferd durchaus erfolgreich sein. Gerade seine Gelassenheit kann ein Vorteil sein. Während andere Pferde auf dem Abreiteplatz nervös werden, marschiert mancher Norweger hinein, betrachtet kurz die Richterhäuschen und erledigt anschließend seinen Beruf.

Mit steigender Klasse werden die Anforderungen anspruchsvoller. Die Versammlung muss deutlicher werden, Seitengänge gewinnen an Bedeutung und die Übergänge müssen präziser gelingen. Gleichzeitig steigt der Einfluss der Bewegungsqualität auf die Bewertung. Dann trennt sich deutlicher, welches Fjordpferd lediglich korrekt ausgebildet ist und welches zusätzlich echtes sportliches Talent besitzt.

In Deutschland gab und gibt es einzelne Fjordpferde, die bis in die Klasse M erfolgreich vorgestellt wurden. Bekannte Beispiele sind Fjordane von Vico und Sverre von Samson. Daneben haben Pferde wie Skagen, Kjarson und Irino Erfolge oder Starts auf A- und L-Niveau erreicht. Diese Pferde sind Ausnahmen, aber keine Zufälle. Sie zeigen, welches Potenzial in einem passend gebauten, leistungsbereiten Fjordpferd stecken kann.

Welcher Fjordpferdetyp eignet sich besonders für Dressur?

Ein dressurbetontes Fjordpferd sollte nicht möglichst schmal oder möglichst groß sein. Entscheidend ist ein funktioneller Körperbau. Ein gut angesetzter Hals, ausreichend Ganaschenfreiheit, ein erkennbarer Widerrist und eine schräge Schulter erleichtern die Ausbildung. Der Rücken sollte tragfähig sein, die Hinterhand gut gewinkelt und aktiv.

Auch die Bewegungen sind wichtig. Der Schritt sollte klar im Viertakt und raumgreifend sein. Der Trab braucht einen sicheren Takt, elastische Gelenke und einen erkennbaren Schub aus der Hinterhand. Im Galopp sollte das Pferd möglichst nicht flach davonlaufen, sondern von Natur aus etwas bergauf springen.

Sehr wichtig ist außerdem der Arbeitswille. Ein talentiertes Pferd nützt wenig, wenn es jede neue Aufgabe mit dauerhaftem Widerstand beantwortet. Umgekehrt kann ein durchschnittlich bewegtes, aber hoch motiviertes Fjordpferd durch gute Ausbildung erstaunlich weit kommen.

Wer ein Fjordpferd gezielt für die Dressur sucht, sollte deshalb nicht nur auf Abstammung, Größe oder eine hübsche Stehmähne achten. Das Pferd muss sich frei bewegen dürfen. Besonders der Galopp verrät viel über seine natürliche Balance. Auch die Leichtigkeit, mit der es Übergänge bewältigt und seine Schulter kontrollieren lässt, ist aussagekräftiger als eine kurzfristig antrainierte Kopfhaltung.

Dressurarbeit soll das Fjordpferd verbessern, nicht verbiegen

Nicht jedes Fjordpferd muss M-Dressur gehen. Ein Pferd kann hervorragend gearbeitet sein, auch wenn seine Grenzen bereits in der Klasse A oder L liegen. Entscheidend ist, ob es sich durch das Training körperlich verbessert.

Ein gut gearbeitetes Fjordpferd trägt den Reiter leichter, reagiert feiner auf die Hilfen und bewegt sich geschmeidiger. Es kann Kurven ausbalancieren, Übergänge ohne Hast bewältigen und den Rücken unter dem Reiter aufwölben. Es wird nicht einfach in eine runde Form gezogen, sondern entwickelt allmählich Kraft und Selbsthaltung.

Gerade bei dieser kräftigen Rasse ist das ein wichtiger Unterschied. Fjordpferde können sich lange mit ihrer natürlichen Stärke durch eine Aufgabe helfen. Wirkliche Dressur beginnt dort, wo das Pferd nicht mehr nur Kraft einsetzt, sondern Balance entwickelt.

Ein Fjordpferd, das ehrlich über den Rücken geht, sich im Genick loslässt und seine Hinterhand zunehmend belastet, leistet echte dressurmäßige Arbeit – unabhängig davon, ob daneben ein Warmblut spektakulärer trabt. Und manchmal erscheint tatsächlich eines dieser besonderen Fjordpferde, das nicht nur korrekt, sondern außergewöhnlich talentiert ist. Dann reicht der Weg weit über die übliche Vorstellung vom gemütlichen Norweger hinaus.

Erfolgreiche Fjordpferde im Dressursport – diese Norweger zeigen, was möglich ist

Wer glaubt, ein Fjordpferd könne höchstens gemütliche Wanderritte gehen oder eine Kutsche ziehen, kennt die Geschichte der Rasse nur zur Hälfte. Zwar ist das Fjordpferd bis heute ein vielseitiges Freizeit- und Familienpferd, doch immer wieder tauchen einzelne Pferde auf, die auch im Dressurviereck beeindrucken. Sie starten auf regulären Turnieren gegen Warmblüter, erreichen die Klassen L oder sogar M und zeigen, dass Talent, Ausbildung und Motivation manchmal wichtiger sind als die Rasse.

Dabei sollte man allerdings ehrlich bleiben. Diese Pferde sind Ausnahmen. Sie beweisen nicht, dass jedes Fjordpferd M-Dressur gehen kann. Sie zeigen vielmehr, welches Potenzial in einem besonders gut gebauten und sorgfältig ausgebildeten Fjordpferd steckt.

Fjordane – M-Dressur mit einem klassischen Fjordpferd

Eines der bekanntesten deutschen Beispiele ist Fjordane.

Der Wallach – stammt von Vico G-F aus einer Mutter von Imperator. Geritten wurde Fjordane von Daniela Dührkop/ Sabrina Dührkop, Züchter: Zuchtgemeinschaft von Ranzau, Trittau.

Besonders bemerkenswert ist, dass Fjordane kein extrem moderner Sporttyp war. Das Pferd entsprach vielmehr dem klassischen Fjordpferd mit kräftigem Fundament und typischer Erscheinung. Trotzdem gelang der Sprung bis in die Klasse M, wo das Paar mehrfach erfolgreich vorgestellt wurde.

Gerade deshalb wird Fjordane bis heute häufig genannt, wenn über Dressur mit Fjordpferden gesprochen wird. Das Pferd zeigt, dass nicht nur besonders elegante oder ponyähnliche Fjordpferde erfolgreich sein können.

Sverre – ein Sohn des Elitehengstes Samson

Ein weiteres bekanntes deutsches Dressurpferd ist Sverre, geboren 1997. Sein Vater war der Elitehengst Samson, der in der deutschen Fjordpferdezucht eine bedeutende Rolle spielte.

Sverre wurde unter Daniela Dührkop ( also von mir ) erfolgreich in Dressurprüfungen A und L vorgestellt

Interessant ist dabei vor allem die Abstammung. Samson taucht bei mehreren sportlich erfolgreichen Fjordpferden als Vater auf. Ob das Zufall ist oder tatsächlich auf eine besonders bewegungsstarke Linie hinweist, wäre einmal eine eigene Untersuchung wert.

Skagen – der Dressurhengst vom Fjordpferdehof Starbach

Auch Skagen, geboren 1989, gehört zu den bekannten deutschen Sportfjordpferden.

Der Hengst stammt ebenfalls von Samson und gewann bereits als junger Hengst die Körung in Kiel. Laut dem Fjordpferdehof Starbach erzielte Skagen anschließend Turniererfolge bis Klasse L gegen Großpferde. Außerdem gewann er den Fjord-Cup und wurde viele Jahre erfolgreich in der Zucht eingesetzt.

Skagen zeigt sehr schön, dass sich Sportleistung und Zuchteinsatz durchaus verbinden lassen.

Kjarson – erfolgreich im Jugend-Dressursport

Der Hengst Kjarson stammt von Kvest Halsnæs und absolvierte eine sehr erfolgreiche Hengstleistungsprüfung.

Anschließend wurde er vor allem von Jugendlichen auf Dressurturnieren vorgestellt. Gemeinsam mit Tina Preißer erreichte er unter anderem den Titel des Kreismeisters in der Dressur.

Auch wenn keine M-Erfolge bekannt sind, gehört Kjarson zu den Pferden, die über viele Jahre bewiesen haben, dass Fjordpferde im regulären Dressursport durchaus konkurrenzfähig sein können.

Irino – Bundesprämienhengst und Dressurpferd

Irino, geboren 2003, stammt von Ironimus aus einer Mutter von Olger.

Neben seiner erfolgreichen Körkarriere wurde Irino regelmäßig im Dressursport eingesetzt. Nachweisbar sind Starts in Dressurprüfungen der Klasse L. Zusätzlich erhielt er den Titel Bundesprämienhengst, was seine hohe züchterische Qualität unterstreicht.

Irino gehört damit zu den modernen deutschen Fjordhengsten, die sowohl züchterisch als auch sportlich überzeugen konnten.

Somnus – ein moderner Sportfjord

Zu den jüngeren Namen zählt Somnus, der unter Lilith Stratmann vorgestellt wurde.

Somnus war mehrfach bei Fjordchampionaten und internationalen Veranstaltungen erfolgreich. Besonders auffällig sind seine harmonischen Bewegungen und seine gute Selbsthaltung. Das genaue höchste FN-Niveau lässt sich derzeit nicht eindeutig belegen, sportlich gehört Somnus aber ohne Zweifel zu den bekanntesten deutschen Fjordpferden der jüngeren Zeit.

Samson – der Hengst hinter mehreren Dressurpferden

Je intensiver man sich mit erfolgreichen deutschen Fjordpferden beschäftigt, desto häufiger taucht ein Name auf: Samson.

Der Elitehengst wurde 1983 geboren und war viele Jahre einer der prägenden Vererber in Deutschland. Mehrere seiner Nachkommen wurden erfolgreich im Dressursport vorgestellt. Dazu gehören unter anderem Sverre und Skagen.

Ob Samson gezielt besonders bewegungsstarke Nachkommen vererbte oder ob seine Nachkommen einfach häufiger sportlich gefördert wurden, lässt sich heute kaum noch sicher beantworten. Auffällig ist die Häufung jedoch allemal.

Gibt es Fjordpferde in der S-Dressur?

Diese Frage wird häufig gestellt. Tatsächlich findet man im Internet viele Aussagen wie „bis S ausgebildet“ oder „beherrscht Grand-Prix-Lektionen“.

Davon sollte man reguläre S-Dressur-Erfolge unterscheiden.

Bis heute sind nur sehr wenige Fjordpferde bekannt geworden, die tatsächlich Lektionen auf diesem Niveau zeigen konnten. Noch seltener sind belegbare Starts in regulären S-Dressuren gegen Warmblüter.

Das bedeutet aber keineswegs, dass ein Fjordpferd keine anspruchsvollen Lektionen lernen kann. Einzelne besonders talentierte Pferde beherrschen Piaffe, Passage, fliegende Galoppwechsel oder Pirouetten durchaus. Diese Ausbildung erfolgt jedoch häufig für Vorführungen oder Demonstrationen und nicht unbedingt im regulären Turniersport.

Warum sind erfolgreiche Dressur-Fjordpferde so selten?

Die Antwort liegt weniger im Charakter als in der Zuchtgeschichte.

Das Fjordpferd wurde über Jahrhunderte als vielseitiges Gebrauchspferd gezüchtet. Es sollte Lasten tragen, Wagen ziehen, im Gelände sicher sein und gleichzeitig als Familienpferd dienen. Eine Spezialisierung auf spektakuläre Bewegungen spielte kaum eine Rolle.

Deshalb findet man innerhalb der Rasse enorme Unterschiede. Manche Pferde besitzen außergewöhnlich viel Schulterfreiheit, eine aktive Hinterhand und eine natürliche Bergauftendenz. Andere sind deutlich kompakter gebaut und eignen sich eher als Freizeit-, Fahr- oder Wanderpferde.

Die wenigen erfolgreichen Dressurpferde stammen fast immer aus Linien, in denen genau diese günstigen Eigenschaften besonders ausgeprägt sind. Hinzu kommen engagierte Reiter, die ihre Pferde über viele Jahre konsequent gymnastiziert haben.

Gerade deshalb sind Pferde wie Fjordane oder Sverre keine Zufallsprodukte. Sie sind das Ergebnis aus Talent, passender Abstammung, guter Ausbildung und viel Geduld.

Vielleicht kommen in Zukunft noch mehr dazu

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Fjordpferdetyp langsam verändert. Viele Züchter achten heute stärker auf elastische Bewegungen, einen funktionellen Körperbau und eine bessere Rittigkeit, ohne dabei den ursprünglichen Charakter der Rasse zu verlieren.

Dadurch könnte der Anteil der Fjordpferde steigen, die auch im Dressursport erfolgreich sind. Vermutlich werden sie trotzdem immer eine kleine Minderheit bleiben – und genau das macht diese Pferde so besonders.

Wenn zwischen den vielen Warmblütern plötzlich ein Fjordpferd mit sauberer Anlehnung, aktiver Hinterhand und einer korrekt gerittenen M-Dressur auftaucht, zeigt das eindrucksvoll, wie vielseitig diese norwegische Rasse tatsächlich ist.

Super Guus – das Fjordpferd, das zum internationalen Publikumsliebling wurde

Eines der weltweit bekanntesten Fjordpferde im anspruchsvollen Dressursport war Super Guus aus den Niederlanden. Sein eigentlicher Name lautete Guusje, doch durch seine ungewöhnliche Karriere wurde aus ihm bald „Super Guus“.

Geritten und ausgebildet wurde der Wallach von Jolanda Adelaar. Innerhalb von nur zwei Jahren erreichte das Paar in den Niederlanden die Klasse Z2 und wurde im Jahr 2000 Regionalmeister. Später wurde Guus nach Angaben seiner Reiterin das erste Fjordpferd der Niederlande, das in der sogenannten Subtop-Dressur startete. Damit bewegte er sich oberhalb der normalen nationalen Klassen und trat gegen deutlich sportlicher gezüchtete Pferde an.

Bekannt wurde Super Guus jedoch nicht nur durch Turnierergebnisse. Jolanda Adelaar zeigte mit ihm auch anspruchsvolle Dressurlektionen und Showelemente. Guus beherrschte unter anderem Piaffe, Passage, Galoppwechsel und den Spanischen Schritt. Videos des Paares verbreiteten sich bereits in den frühen Jahren von YouTube weltweit und machten das Fjordpferd weit über die Niederlande hinaus bekannt.

Beim FEI-Dressur-Weltcup 2006 trat Super Guus in einem besonderen Schaubild auf. Dort wurde er sinngemäß als das Fjordpferd vorgestellt, das alles könne. Guus bekam sogar einen eigenen Fanclub, und im Jahr 2006 erschien ein Buch über ihn.

Super Guus war etwa 1,49 Meter groß und wirkte deutlich massiger als viele moderne, sportlich gezogene Fjordpferde. Gerade das machte seine Leistungen so bemerkenswert. Er sah nicht wie ein kleines Warmblut in Falbfarbe aus, sondern blieb erkennbar ein kräftiges Fjordpferd. Trotzdem entwickelte er unter seiner Reiterin eine Beweglichkeit und Ausdruckskraft, die viele Zuschauer der Rasse nicht zugetraut hätten.

Seine Geschichte muss dennoch korrekt eingeordnet werden. Super Guus zeigte Lektionen bis in den Bereich der schweren Dressur und war in der niederländischen Subtop aktiv. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass er regulär Grand Prix gestartet oder darin platziert war. Ein Teil seiner Berühmtheit entstand durch Showauftritte und Videos, in denen er anspruchsvolle Lektionen präsentierte.

Super Guus starb im Jahr 2023 im Alter von 30 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt war er längst mehr als ein erfolgreiches Dressurpferd. Er war zu einem Symbol dafür geworden, dass auch ein kräftiges, ungewöhnliches Pferd durch passende Ausbildung weit über die Erwartungen hinauswachsen kann. (Jolanda Adelaar | Official Website)

Noch mehr Infos über Fjordpferde

Hier die komplette Übersicht über unsere Infos über Fjordpferde 

Das Fjordpferd – Rassekunde und Geschichte

Fjordpferde von A – Z, der komplette Fjordpferde Guide 

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