Fjordpferd richtig füttern – Ernährung, Heu, Weide und Übergewicht
Ein Fjordpferd zu füttern klingt zunächst ausgesprochen unkompliziert. Heu, Gras, Wasser, ein bisschen Mineralfutter – fertig. Und tatsächlich gehören Fjordpferde zu den Pferden, die mit vergleichsweise wenig sehr gut zurechtkommen. Genau darin liegt allerdings häufig das Problem. Denn unsere heutigen Pferdeweiden und Futtermittel sind nicht unbedingt für ein Pferd gemacht, dessen Vorfahren sich über Jahrhunderte in einer eher kargen Landschaft behauptet haben.
Der Norweger ist ausgesprochen leichtfuttrig. Wo andere Pferde anfangen, etwas dünn um die Hüften zu werden, sieht das Fjordpferd häufig noch aus, als hätte es heimlich einen eigenen Kühlschrank im Offenstall. Das ist keine schlechte Eigenschaft. Im Gegenteil: Eine effiziente Futterverwertung war über Jahrhunderte ein echter Überlebensvorteil. Unter unseren heutigen Haltungsbedingungen kann daraus aber schnell Übergewicht werden.

Deshalb bedeutet eine gute Fjordpferdefütterung nicht, möglichst wenig zu füttern. Sie bedeutet vielmehr, genügend Raufutter, Rohfaser und Nährstoffe bereitzustellen, ohne das Pferd dauerhaft mit mehr Energie zu versorgen, als es tatsächlich verbraucht.
Warum werden Fjordpferde so schnell dick?
Das Fjordpferd stammt aus Norwegen und gehört zu den robusten, genügsamen Pferderassen. Es kommt traditionell mit einem vergleichsweise knappen Futterangebot zurecht und gilt als ausgesprochen leichtfuttrig. Auch Rasseporträts weisen ausdrücklich darauf hin, dass Fjordpferde unter mitteleuropäischen Bedingungen schnell überfüttert werden können.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Fjordpferd automatisch dick wird. Haltung, Bewegung, Alter, Größe, Trainingszustand und selbstverständlich die individuelle Futterverwertung spielen eine erhebliche Rolle.
Ein Fjordpferd, das regelmäßig mehrere Stunden gearbeitet wird, benötigt eine andere Ration als ein Norweger, der dreimal pro Woche gemütlich eine Runde durchs Gelände schlendert. Eine tragende oder säugende Stute hat wiederum andere Bedürfnisse, ebenso ein wachsendes Jungpferd oder ein alter Norweger, der sein Futter nicht mehr richtig kauen kann.
Die Rasse liefert deshalb einen wichtigen Hinweis – die konkrete Ration muss aber immer zum einzelnen Pferd passen.
Was sollte ein Fjordpferd fressen?
Die Grundlage der Ernährung ist Raufutter. In der Praxis bedeutet das in erster Linie gutes, hygienisch einwandfreies Heu. Je nach Haltung und individueller Ration können weitere geeignete Raufutterkomponenten hinzukommen.
Bei leichtfuttrigen Pferden lohnt sich ein genauer Blick auf die Qualität des Heus. „Bestes Heu“ bedeutet nämlich nicht automatisch „bestes Heu für mein Fjordpferd“. Ein sehr energiereiches Futter kann für ein Sportpferd mit hohem Energiebedarf wunderbar sein und für einen leichtfuttrigen Norweger schlicht zu viel des Guten.
Reifer geerntetes Heu weist tendenziell mehr Faser auf und kann für leichtfuttrige Pferde interessant sein. Noch besser als Raten ist eine Heuanalyse, denn damit lassen sich unter anderem Energie-, Zucker-, Protein- und Mineralstoffgehalte beurteilen. (Universität Minnesota Extension)
Und dann kommt ein Punkt, der bei Fjordpferden gerne vergessen wird: Ein Pferd kann zu viele Kalorien und gleichzeitig eine nicht optimal ausgewogene Mineralstoffversorgung bekommen.
Dick bedeutet nicht automatisch gut versorgt.
Wie viel Heu braucht ein Fjordpferd?
Hier wird es interessanter als bei der pauschalen Antwort „so und so viele Kilo“.
Denn zunächst müssen wir wissen, wie viel das Pferd tatsächlich wiegt. Ein kleines, feines Fjordpferd und ein großer, kräftiger Norweger können einen erheblichen Gewichtsunterschied haben.
Als allgemeine Orientierung werden für Pferde häufig etwa 1,5 bis 2,5 Prozent des Körpergewichts als tägliche Gesamtfutteraufnahme genannt, wobei Raufutter den ganz überwiegenden Teil ausmachen sollte. Für leichtfuttrige beziehungsweise übergewichtige Pferde nennt die University of Minnesota als Orientierung eher den unteren Bereich um 1,5 Prozent. (Universität Minnesota Extension)
Das ist allerdings keine Aufforderung, bei jedem etwas rundlichen Fjordpferd sofort das Heu drastisch herunterzufahren.
Gerade bei einer Gewichtsreduktion muss die gesamte Situation betrachtet werden: tatsächliches Gewicht, Body Condition Score, Weideaufnahme, Heuqualität, Arbeitsleistung und gegebenenfalls Stoffwechselprobleme.
Wer wissen möchte, was sein Fjordpferd wirklich frisst, kommt außerdem an einer Waage kaum vorbei. Ein „Armvoll Heu“ ist keine Maßeinheit. Auch wenn Pferdebesitzer erstaunlich überzeugt darin werden können, dass ihr Armvoll ziemlich genau vier Kilogramm wiegt.
Weidegang – beim Fjordpferd oft der Knackpunkt
Das größte Futterproblem steht bei vielen Norwegern gar nicht im Trog.
Es wächst auf der Wiese.
Ein Fjordpferd kann auf einer guten Weide erhebliche Mengen Gras aufnehmen. Gerade leichtfuttrige und übergewichtige Pferde gehören zu den Tieren, bei denen der Weidegang genauer gesteuert werden sollte. Übergewicht und Insulindysregulation erhöhen außerdem das Risiko für Hufrehe. (Universität Minnesota Extension)
Besondere Aufmerksamkeit verdient junges beziehungsweise nachwachsendes Gras. Auch Wetter, Jahreszeit und Wachstumsbedingungen beeinflussen den Zuckergehalt der Pflanzen. Deshalb ist die einfache Regel „morgens ist Gras ungefährlich“ zu grob. Bei besonders empfindlichen Pferden gibt es nicht den einen garantiert sicheren Zeitpunkt für Weidegang. (Universität Minnesota Extension)
Das bedeutet nun nicht, dass jedes Fjordpferd sein Leben traurig auf einem Sandpaddock verbringen muss.
Aber ein Pferd, das schon deutlich zu dick ist, sollte nicht zwölf Stunden auf einer üppigen Weide stehen, während wir gleichzeitig überlegen, ob wir die 100 Gramm Mineralfutter vielleicht halbieren sollten.
Da sitzt das Problem an einer anderen Stelle.
Je nach Pferd können begrenzter Weidegang, eine entsprechend magere Fläche, ein gut angelegter Paddock beziehungsweise Track oder eine passend sitzende Fressbremse Möglichkeiten sein. Untersuchungen zeigen, dass Grazing Muzzles die Grasaufnahme deutlich reduzieren können. (Universität Minnesota Extension)
Braucht ein Fjordpferd Kraftfutter?
Viele Freizeit-Fjordpferde brauchen vor allem eines nicht: einen großen Eimer energiereiches Kraftfutter nur deshalb, weil die anderen Pferde im Stall ebenfalls einen bekommen.
Der beleidigte Blick des Norwegers ist dabei ernährungsphysiologisch leider kein anerkannter Bedarfsnachweis.
Wie viel zusätzliche Energie ein Pferd benötigt, richtet sich nach seiner tatsächlichen Leistung. Ein Fjordpferd in leichter Freizeitnutzung kann seinen Energiebedarf häufig über eine passende Raufutterration decken. Bei hoher sportlicher Belastung, Zucht, Wachstum, Krankheit oder Problemen mit der Gewichtserhaltung sieht die Sache anders aus.
Auch die FN weist im Zusammenhang mit Fütterungsfehlern darauf hin, dass übermäßig große Kraftfuttermengen problematisch sein können und empfiehlt insbesondere bei geringer Arbeit viel Raufutter und wenig Kraftfutter.
Die Frage sollte deshalb nicht lauten:
„Welches Kraftfutter braucht ein Fjordpferd?“
Sondern:
„Braucht dieses Fjordpferd überhaupt zusätzliche Energie?“
Das ist ein erheblicher Unterschied.
Mineralfutter – wenig Kalorien bedeutet nicht wenig Nährstoffe
Hier wird die Fjordpferdefütterung etwas kniffliger.
Ein leichtfuttriges Pferd benötigt möglicherweise nur wenig zusätzliche Energie. Sein Bedarf an Mineralstoffen und Spurenelementen verschwindet deshalb aber nicht.
Ob und welches Mineralfutter sinnvoll ist, hängt unter anderem von Raufutter, Weide, Region und Gesamtration ab. Einfach irgendeinen Messbecher Mineralfutter zu geben, weil „das macht man so“, ist ebenso wenig individuell wie jeden Tag eine große Portion Müsli zu füttern.
Wer es wirklich genau wissen möchte, lässt das Raufutter analysieren und stellt die Ergänzung anschließend passend zusammen.
Mehrere Pülverchen gleichzeitig nach dem Motto „viel hilft viel“ sind übrigens ebenfalls keine besonders gute Strategie. Auch Mineralstoffe können falsch dosiert werden.
Ist mein Fjordpferd wirklich zu dick?
Das ist bei Norwegern manchmal erstaunlich schwierig zu beurteilen.
Fjordpferde sind keine filigranen Vollblüter. Sie dürfen kräftig und kompakt aussehen. Daraus darf aber nicht die Vorstellung entstehen, jedes Fettpolster gehöre eben zum Rassetyp.
Hilfreicher als der reine Blick auf den Bauch ist der Body Condition Score (BCS). Dabei werden verschiedene Körperregionen beurteilt und Fettdepots ertastet.
Besonders interessant sind unter anderem Rippen, Hals beziehungsweise Mähnenkamm, Schulter, Rücken und Schweifansatz.
Ein großer Bauch allein bedeutet übrigens nicht zwangsläufig, dass ein Pferd fett ist. Auch Raufutterfüllung, wenig Muskulatur oder die gesamte Körperform spielen dabei eine Rolle. Umgekehrt kann ein Pferd Fettdepots besitzen, obwohl der Bauch auf den ersten Blick gar nicht dramatisch erscheint.
Deshalb: Fjordpferde nicht dünn gucken – sondern anfassen.
Warum Übergewicht beim Fjordpferd nicht nur ein Schönheitsproblem ist
Ein bisschen rund sieht bei einem Fjordpferd schnell gemütlich aus. Gesundheitlich ist dauerhaftes Übergewicht allerdings alles andere als gemütlich.
Übergewichtige und leichtfuttrige Pferde haben ein erhöhtes Risiko für Insulinprobleme, Equines Metabolisches Syndrom und Hufrehe. (Universität Minnesota Extension)
Gerade deshalb lohnt es sich, Gewichtsentwicklungen früh zu bemerken. Ein Gewichtsmaßband ist zwar keine Präzisionswaage, kann aber sehr nützlich sein, wenn immer nach derselben Methode gemessen wird. So erkennt man zumindest, ob der Umfang über Wochen kontinuierlich steigt oder fällt.
Noch besser ist es, regelmäßig zusätzlich den Body Condition Score zu dokumentieren und Fotos aus derselben Position aufzunehmen.
Denn fünfzig zusätzliche Kilogramm kommen selten über Nacht.
Sie kommen eher in kleinen Portionen. Hier ein bisschen Weide, dort ein bisschen Müsli, am Wochenende weniger Bewegung – und irgendwann trägt der Norweger nicht mehr nur seinen Reiter, sondern zusätzlich sein eigenes kleines Winterlager mit sich herum.
Wie kann ein zu dickes Fjordpferd abnehmen?
Bitte nicht nach der Methode:
„Dann bekommt er ab morgen eben fast nichts mehr.“
Eine radikale Futterreduktion ist keine vernünftige Pferdediät. Auch die FN warnt davor, dicke Pferde zu radikal auf Diät zu setzen.
Zunächst sollte geklärt werden, wo die überschüssige Energie tatsächlich herkommt. Häufig ist das eine Kombination aus Weide, energiereichem Raufutter, unnötigem Zusatzfutter und zu wenig Bewegung.
Danach lässt sich an den richtigen Stellschrauben drehen.
Sehr hilfreich können Slowfeeder beziehungsweise engmaschige Heunetze sein. Sie machen aus einer begrenzten Heumenge zwar nicht plötzlich mehr Futter, können aber die Fressdauer verlängern. Untersuchungen an übergewichtigen Pferden zeigen, dass Slow-Feed-Heunetze im Rahmen einer kontrollierten Diät die Gewichtsabnahme unterstützen können. (Universität Minnesota Extension)
Und sofern das Pferd gesundheitlich dazu in der Lage ist, gehört Bewegung dazu.
Das muss nicht jeden Tag eine Dressurstunde sein. Reiten, Bodenarbeit, Spaziergänge, Stangenarbeit, Gelände und eine Haltung, die möglichst viel freie Bewegung ermöglicht, können dazu beitragen, den Energieverbrauch zu erhöhen und Muskulatur aufzubauen.
Ein Pferd nur immer weniger fressen zu lassen, während es sich kaum bewegt, ist selten die eleganteste Lösung.
Was frisst ein Fjordpferd im Winter?
Im Winter verschwindet bei vielen Fjordpferden zumindest das Problem der üppigen Sommerweide. Dafür wird Heu zur entscheidenden Energiequelle.
Auch jetzt gilt: Die Ration richtet sich nach Gewicht, Futterqualität, Haltung und Leistung.
Ein Fjordpferd im Offenstall hat bei kaltem Wetter andere Anforderungen als ein geschorenes Pferd in einer geschützten Stallanlage. Gleichzeitig darf man sich vom beeindruckenden Winterfell eines Norwegers nicht täuschen lassen. Unter der Plüschschicht kann sich sowohl ein zu dünnes als auch ein deutlich zu dickes Pferd verstecken.
Deshalb sollte man auch im Winter regelmäßig unter das Fell greifen und den Ernährungszustand kontrollieren.
Das ist beim Fjordpferd manchmal ein bisschen wie die Suche nach einem Gegenstand unter einer dicken Bettdecke – aber es lohnt sich.
Drei Fjordpferde – drei verschiedene Fütterungen
Wie wenig sinnvoll eine einzige „Fjordpferdration“ wäre, zeigen drei einfache Beispiele.
Ein gesundes Fjordpferd in leichter Freizeitarbeit, das sein Gewicht problemlos hält, benötigt in erster Linie eine passende Raufutterversorgung, Wasser und eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung. Zusätzliches energiereiches Kraftfutter ist nicht automatisch erforderlich.
Ein regelmäßig trainiertes Fjordpferd im Sport kann dagegen einen höheren Energie- und Nährstoffbedarf haben. Hier wird die Ration der tatsächlichen Arbeitsleistung angepasst – und nicht künstlich knapp gehalten, nur weil auf dem Pferd „Fjord“ steht.
Bei einem deutlich übergewichtigen Fjordpferd wiederum stehen Gewichtskontrolle, die tatsächliche Energieaufnahme aus Heu und Weide, ausreichend lange Fresszeiten und mehr Bewegung im Mittelpunkt. Bei auffälligen Fettdepots, früherer Hufrehe oder Verdacht auf eine Stoffwechselstörung gehört außerdem der Tierarzt mit ins Boot.
Das zeigt ziemlich schön:
Wir füttern kein Rasseporträt. Wir füttern ein einzelnes Pferd.
Die häufigsten Fehler bei der Fjordpferdfütterung
Der wahrscheinlich häufigste Fehler besteht darin, die Genügsamkeit des Fjordpferdes zu unterschätzen.
Danach kommen zwei Extreme.
Auf der einen Seite steht der Norweger, der auf fetter Weide lebt, zusätzlich Heu bekommt und abends sein Müsli erhält, weil alle anderen Pferde schließlich auch gefüttert werden.
Auf der anderen Seite steht das zu dicke Fjordpferd, bei dem plötzlich radikal das Raufutter gekürzt wird.
Beides ist keine besonders gute Idee.
Dazwischen liegt die vernünftige Fjordpferdfütterung: gutes und passendes Raufutter, kontrollierte Energiezufuhr, bedarfsgerechte Mineralstoffe, ausreichend Bewegung und ein regelmäßiger Blick auf den tatsächlichen Ernährungszustand.
Und vor allem sollte man sich von diesem Pferd nicht täuschen lassen.
Ein Fjordpferd kann nämlich gleichzeitig sehr überzeugend so aussehen, als hätte es seit drei Wochen nichts zu essen bekommen, und einen Body Condition Score besitzen, der eine völlig andere Geschichte erzählt.
Diese Fähigkeit gehört vermutlich nicht offiziell zum Rassestandard.
Sie ist trotzdem erstaunlich weit verbreitet.
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Das Fjordpferd – Rassekunde und Geschichte
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