Fjordpferd mit langer Mähne – geht das überhaupt?
Wer an ein Fjordpferd denkt, hat meistens sofort ein ganz bestimmtes Bild im Kopf: falbfarbenes Fell, dunkler Aalstrich und natürlich die typische kurze Stehmähne. Sie gehört so sehr zum Erscheinungsbild des Norwegers, dass man fast glauben könnte, die Mähne würde von Natur aus so wachsen.
Tut sie natürlich nicht.
Auch beim Fjordpferd wächst die Mähne weiter, wenn man sie nicht regelmäßig schneidet. Und tatsächlich sieht man gerade bei Freizeitpferden immer wieder Fjordpferde mit langer Mähne.
Wobei „lang“ vielleicht ein wenig missverständlich ist. Wer jetzt von einer seidigen, wallenden Friesenmähne träumt, könnte eine Überraschung erleben.

Wie sieht ein Fjordpferd mit langer Mähne aus?
Die Mähne des Fjordpferdes besteht traditionell aus dem dunklen Mittelstol und den helleren Haaren an den Seiten. Diese Haare sind häufig ziemlich kräftig und fest.
Lässt man eine bisher als Stehmähne geschnittene Mähne wachsen, fällt sie deshalb nicht unbedingt irgendwann brav auf eine Halsseite. Besonders während der Übergangszeit entwickelt sie vielmehr ein erstaunliches Eigenleben.
Sie steht nach rechts. Sie steht nach links. Einige Haare zeigen nach oben, andere nach vorne und ein paar haben offenbar beschlossen, überhaupt nicht mehr mit den anderen zusammenzuarbeiten.
Kurz gesagt: Das Fjordpferd sieht eine Zeit lang ein bisschen aus, als hätte man ihm einen Handfeger auf den Hals gesetzt.
Ich persönlich finde das durchaus charmant.
Mit zunehmender Länge kann sich die Mähne etwas mehr legen. Wie schön und gleichmäßig sie fällt, hängt aber stark vom einzelnen Pferd und seiner Haarstruktur ab. Manche Fjordpferde bekommen tatsächlich eine recht lange, üppige Mähne, bei anderen bleibt sie ausgesprochen buschig.
Muss man die Mähne beim Fjordpferd schneiden?
Nein. Es gibt keinen gesundheitlichen Grund, weshalb ein Fjordpferd grundsätzlich eine Stehmähne tragen müsste.
Die kurze, charakteristische Mähne ist vor allem Tradition und gehört zum klassischen Erscheinungsbild der Rasse. Bei einem Freizeitpferd kann man deshalb problemlos entscheiden, die Mähne wachsen zu lassen.
Und es gibt durchaus praktische Gründe dafür.
Eine lange, dichte Mähne bietet dem Pferd im Sommer einen gewissen Schutz vor Insekten. Das Pferd kann die Mähne durch Bewegungen von Hals und Haut einsetzen, und die Haare erschweren Fliegen und anderen Plagegeistern zumindest teilweise den direkten Zugang zur Haut.
Die Natur hat Pferden ihre Mähne schließlich nicht ausschließlich deshalb gegeben, damit wir Menschen etwas Hübsches zum Einflechten haben.
Eine lange Fjordmähne braucht Pflege
Ganz ohne Arbeit funktioniert die wilde Haarpracht allerdings nicht.
Gerade die kräftige Mähne eines Fjordpferdes kann sich verfilzen und verkletten. Kleine Äste, Kletten, Stroh und allerlei andere Dinge sammeln sich darin erstaunlich zuverlässig.
Wer die Mähne lang wachsen lassen möchte, sollte sie deshalb regelmäßig vorsichtig durchbürsten.
Ich würde dafür tatsächlich eine vernünftige Haarbürste anschaffen und nicht ständig mit einem groben Mähnenkamm durch die Haare reißen. Verknotete Stellen löst man am besten zunächst mit den Fingern und arbeitet sich anschließend vorsichtig von den Haarspitzen nach oben.
Sonst hat man zwar irgendwann keine Knoten mehr – allerdings möglicherweise auch keine lange Mähne.
Im Sommer kann die lange Mähne zum Problem werden
Einen Nachteil sollte man bei der ganzen Haarromantik nicht unterschätzen: Unter einer richtig dichten Fjordmähne kann es im Sommer enorm warm werden.
Ich kenne es durchaus, dass man ein Fjordpferd an einem heißen Tag von der Weide holt, die Mähne anhebt und darunter ein komplett nasses Pferd findet. Der Hals kann unter dem dichten Haar regelrecht klatschnass geschwitzt sein.
Dann würde ich nicht stur an der langen Mähne festhalten.
Wie sinnvoll sie ist, hängt immer vom einzelnen Pferd, von der Dichte der Mähne, der Haltung und natürlich vom Wetter ab. Schwitzt das Pferd ständig stark darunter oder bekommt Hautprobleme, kann eine kürzere Mähne schlicht die vernünftigere Lösung sein.
Praktikabilität schlägt Frisur.
Kann man ein Fjordpferd mit langer Mähne einflechten?
Grundsätzlich ja.
Wer allerdings irgendwann mit seinem Fjordpferd auf einem Turnier starten möchte und plötzlich vor dieser enormen Menge kräftiger Mähnenhaare steht, könnte seine Entscheidung kurz hinterfragen.
Eine lange Fjordmähne lässt sich einflechten, aber sie ist häufig wesentlich voluminöser als die dünn verzogene Turniermähne eines Warmblüters. Entsprechend dick können die Zöpfe werden.
Mit etwas Übung bekommt man aber auch eine lange Fjordmähne ordentlich frisiert. Je nach Disziplin und gewünschtem Erscheinungsbild kann man beispielsweise mehrere kleinere Zöpfe flechten und daraus Turnierzöpfe beziehungsweise kleine Mähnenknöpfe formen.
Man sollte den ersten Versuch vielleicht nur nicht unbedingt auf den Morgen der ersten Dressurprüfung legen.
Stehmähne oder lange Mähne – was ist besser?
Das ist für mich vor allem eine Frage des Pferdes und der persönlichen Vorliebe.
Die Stehmähne beim Fjordpferd hat einen großen Vorteil: Sie betont den kräftigen, schön geschwungenen Hals und vor allem den charakteristischen dunklen Mittelstol. Ein ordentlich geschnittener Fjordi sieht damit unverwechselbar aus.
Eine lange Mähne wirkt dagegen natürlicher und bei manchen Pferden herrlich wild. Besonders zu einem robust gehaltenen Freizeitpferd kann das ausgesprochen gut passen. Zusätzlich bietet das längere Haar einen besseren natürlichen Schutz vor Insekten.
Dafür braucht es mehr Pflege und kann im Hochsommer zu warm werden.

Lange Fjordmähne auf einen Blick
Vorteile: natürlicher Insektenschutz, ursprüngliches Aussehen und kein regelmäßiges Nachschneiden der Stehmähne.
Nachteile: mehr Pflege, Neigung zu Knoten und Verfilzungen, starkes Schwitzen unter sehr dichter Mähne und deutlich mehr Arbeit beim Einflechten fürs Turnier.
Wie lange dauert es, bis die Stehmähne lang ist?
Hier braucht man Geduld.
Nach dem letzten Schneiden kommt zunächst nämlich genau die Phase, in der die Mähne weder eine vernünftige Stehmähne noch eine richtige lange Mähne ist. Sie wird immer länger, kippt teilweise um und steht gleichzeitig in sämtliche Himmelsrichtungen.
Das ist normal.
Wer sich für die lange Mähne entscheidet, muss diese Übergangsphase einfach überstehen. Irgendwann werden die Haare schwer genug, um sich stärker zur Seite zu legen – zumindest bei vielen Pferden.
Und bis dahin hilft Humor.
Mein Fazit: Ein Fjordpferd darf auch aussehen wie ein kleiner Wikinger
Natürlich gehört die Stehmähne zum traditionellen Fjordpferd. Ich mag sie selbst sehr, denn kaum eine andere Frisur unterstreicht den typischen Fjordpferdekopf und den kräftigen Hals so schön.
Trotzdem spricht bei einem Freizeitpferd überhaupt nichts dagegen, die Mähne des Fjordpferdes lang wachsen zu lassen.
Man muss nur wissen, worauf man sich einlässt.
Aus der kurzen Stehmähne wird nicht über Nacht eine seidige Traummähne. Dazwischen liegt mit ziemlicher Sicherheit eine längere Handfeger-Phase, in der das Pferd morgens aussehen kann, als hätte es nachts mit der Steckdose gekämpft.
Aber gerade das kann seinen Reiz haben.
Und solange das Pferd unter der dichten Mähne nicht übermäßig schwitzt und man bereit ist, ein bisschen Zeit in die Pflege zu investieren, darf ein Fjordpferd meiner Meinung nach ruhig einmal zeigen, wie viel Haar tatsächlich in ihm steckt.
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