Unterschied Pony und Pferd

Unterschied Pony und Pferd: Was ist eigentlich der Unterschied?

Ein Shetlandpony ist ein Pony und ein Hannoveraner ein Pferd. So weit ist die Sache ziemlich eindeutig. Interessanter wird es beim Deutschen Reitpony mit 1,48 Meter Stockmaß, beim Haflinger, beim Fjordpferd oder beim Islandpferd. Denn plötzlich reicht der erste Blick nicht mehr aus, um die Frage zu beantworten: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Pony und Pferd?

Oft liest man, Ponys seien einfach Pferde unter 1,30 Meter. Das stimmt nicht. Ein Pony kann erheblich größer sein und trotzdem ganz offiziell als Pony gelten. Im deutschen Turniersport reicht die Größenklasse der G-Ponys bis zu einem Stockmaß von 148 Zentimetern, bei beschlagenen Ponys sogar bis 149 Zentimeter.

Damit kann zwischen einem wertvollen Turnierpony und einem Pferd, das nicht mehr im Ponysport starten darf, im Extremfall tatsächlich nur ein einziger Zentimeter liegen.

Biologisch betrachtet ist die Sache dagegen viel einfacher: Ein Pony ist ein Pferd. Es handelt sich nicht um eine eigene Tierart. Die Unterscheidung zwischen Pony und Pferd beruht vor allem auf Größe, Rassebezeichnungen, Zuchttraditionen und der Verwendung im Pferdesport.

Wie groß ist ein Pony?

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung unterscheidet Ponys in drei Größenklassen:

K-Ponys: bis 127 cm Stockmaß

M-Ponys: 128 bis 137 cm Stockmaß

G-Ponys: 138 bis 148 cm Stockmaß

Bei beschlagenen G-Ponys liegt die zulässige Grenze bei 149 cm.

Damit ist die verbreitete Behauptung, ein Pony sei lediglich ein kleines Pferd unter etwa 1,30 Meter, eindeutig falsch.

Ein Pony kann fast eineinhalb Meter groß sein.

Gerade Deutsche Reitponys werden häufig gezielt im oberen Bereich des Ponymaßes gezüchtet. Die FN beschreibt für Deutsche Reitponys ausdrücklich eine gewünschte Größe von 138 bis 148 Zentimetern.

Ein 147 Zentimeter großes Deutsches Reitpony ist also kein ungewöhnlich großes Pferdchen, das eigentlich schon ein Pferd wäre, sondern ein ganz normales G-Pony.

Wo wird die Größe von Pony und Pferd gemessen?

Gemessen wird das sogenannte Stockmaß beziehungsweise die Widerristhöhe.

Der Widerrist liegt am Übergang zwischen Hals und Rücken oberhalb der Schulterblätter. Gemessen wird senkrecht vom Boden bis zum höchsten Punkt des Widerrists.

Der Kopf eignet sich als Messpunkt natürlich nicht, schließlich könnte ein Pferd schon durch Hochnehmen oder Senken des Halses seine vermeintliche Größe verändern.

Für eine möglichst genaue Messung muss das Pferd gerade auf ebenem Boden stehen.

Bei einem Freizeitpferd ist es meistens ziemlich unwichtig, ob es nun 147, 149 oder 151 Zentimeter misst. Im Turniersport kann genau dieser Unterschied dagegen erhebliche Folgen haben.

Ab wann ist ein Pony ein Pferd?

Im deutschen Turniersport endet das Ponymaß grundsätzlich oberhalb von 148 Zentimetern Stockmaß beziehungsweise 149 Zentimetern bei Beschlag.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich das Pferd selbst verändert.

Ein Deutsches Reitpony mit 148 Zentimetern und eines mit 150 Zentimetern können hinsichtlich Abstammung, Körperbau, Bewegungsqualität, Ausbildung und Leistungsvermögen nahezu identisch sein.

Sportrechtlich besteht trotzdem ein enormer Unterschied.

Das kleinere Pferd kann als Pony geführt werden. Das größere überschreitet das zulässige Ponymaß.

Und genau an dieser Stelle wird aus einer scheinbar belanglosen Größenangabe plötzlich eine wirtschaftlich ausgesprochen interessante Zahl.

Ein Zentimeter kann bei einem Sportpony sehr viel Geld wert sein

Gerade bei hochwertigen Sportponys kann das Stockmaß einen enormen Einfluss auf den Marktwert haben.

Ein hervorragend ausgebildetes und erfolgreiches Deutsches Reitpony mit 147 oder 148 Zentimetern Stockmaß kann im gehobenen Nachwuchssport einen sehr hohen Preis erzielen. Für gute Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsponys werden teilweise sechsstellige Summen bezahlt.

Überschreitet dasselbe Pony jedoch das zulässige Ponymaß, verändert sich sein Markt schlagartig.

Das Pferd kann noch genauso gut springen, genauso ausdrucksstark traben und genauso hervorragend ausgebildet sein. Es fällt aber als Pony für den Kinder- und Jugendturniersport aus.

Und damit fällt eine besonders kaufkräftige und spezialisierte Käufergruppe weg.

So kann es tatsächlich passieren, dass ein Pony innerhalb des zulässigen Maßes einen Wert von beispielsweise 100.000 oder 150.000 Euro besitzt, während ein vergleichbares Tier einige Zentimeter größer nur noch einen Bruchteil dieses Preises erzielt.

Nicht weil das Pferd schlechter geworden wäre, sondern weil seine sportliche Verwendung eine andere ist.

Das Stockmaß entscheidet bei einem hochwertigen Sportpony deshalb keineswegs nur darüber, ob man es sprachlich Pony oder Pferd nennt. Es kann über seine gesamte sportliche Perspektive und damit über einen erheblichen Teil seines Marktwertes entscheiden.

Warum sind Endmaßponys besonders begehrt?

Besonders interessant sind sogenannte Endmaßponys.

Damit meint man größere Ponys, die sich nahe an der zulässigen Obergrenze bewegen.

Ein großes G-Pony kann für ältere oder größere Kinder und Jugendliche erhebliche Vorteile haben. Es bietet häufig mehr Rahmen, größere Bewegungen, einen längeren Rücken und insgesamt mehr Pferd unter dem Reiter als ein kleines Pony, darf aber weiterhin in Ponyprüfungen eingesetzt werden.

Gerade im hochklassigen Ponysport sind deshalb leistungsfähige Ponys nahe dem Endmaß besonders begehrt.

Hier liegt ein ungewöhnlicher Marktmechanismus vor:

Ein paar Zentimeter mehr Körpergröße wären aus reiterlicher Sicht vielleicht überhaupt kein Nachteil. Im Gegenteil. Sobald diese Zentimeter jedoch die zulässige Ponygrenze überschreiten, können sie wirtschaftlich äußerst unerwünscht sein.

Deshalb wird bei hochwertigen Nachwuchsponys sehr genau auf das Stockmaß geschaut.

Warum müssen Turnierponys gemessen werden?

Wer mit einem Pony an entsprechenden Pony-Leistungsprüfungen teilnehmen möchte, kann nicht einfach selbst erklären: „Der ist ungefähr 1,47 Meter.“

Für die Eintragung als Turnierpony ist eine entsprechende Messbescheinigung erforderlich.

Besonders interessant ist die Regelung bei größeren G-Ponys. Wird ein G-Pony bei der Erstmessung mit mindestens 1,42 Meter gemessen, muss bis zum Alter von sieben Jahren jährlich eine aktuelle Messbescheinigung vorgelegt werden.

Der Grund ist offensichtlich: Junge Pferde wachsen.

Ein fünfjähriges Pony, das bei der Messung gerade noch innerhalb des zulässigen Maßes liegt, kann ein Jahr später durchaus darüber hinausgewachsen sein.

Gerade bei Endmaßponys ist die Messung deshalb keineswegs eine belanglose Formalität.

Ist ein Pony biologisch etwas anderes als ein Pferd?

Nein.

Pony und Großpferd gehören zur gleichen Tierart. Ein Pony ist zoologisch kein anderes Tier als ein Warmblut, Vollblut oder Kaltblut.

Der Begriff Pony beschreibt vielmehr kleinere Pferde beziehungsweise bestimmte Pferderassen.

Es gibt keine biologische Grenze bei 148 Zentimetern, an der sich plötzlich Knochenbau, Stoffwechsel oder genetische Zugehörigkeit ändern.

Die Grenze von 148 Zentimetern ist eine vom Menschen festgelegte Einteilung.

Das erklärt auch, warum ein 147 Zentimeter großes Pferd und ein 150 Zentimeter großes Pferd äußerlich praktisch gleich aussehen können, obwohl eines offiziell als Turnierpony eingetragen werden kann und das andere nicht.

Sehen Ponys anders aus als Pferde?

Viele klassische Ponyrassen besitzen tatsächlich einen typischen Körperbau.

Shetlandponys, Exmoor Ponys oder Highland Ponys wirken häufig kompakt, kräftig und robust. Sie haben oftmals einen verhältnismäßig kräftigen Hals, kurze Beine, einen breiten Rumpf, viel Körpermasse und reichlich Fell.

Ein modernes Deutsches Reitpony kann dagegen völlig anders aussehen.

Es wird ausdrücklich als leistungsfähiges Reitpferd im Ponyformat gezüchtet und besitzt häufig einen eleganten Hals, lange Linien, sportliche Proportionen und raumgreifende Bewegungen.

Manche Deutschen Reitponys sehen auf einem Foto ohne Größenvergleich kaum anders aus als ein modernes Warmblut.

Deshalb kann man die Frage Pony oder Pferd nicht zuverlässig anhand des Körperbaus beantworten.

Ein Pony muss weder dick, kurzbeinig noch plüschig sein.

Warum sind viele Ponyrassen so robust?

Viele ursprüngliche Ponyrassen stammen aus Regionen mit eher schwierigen Lebensbedingungen.

Das Shetlandpony entwickelte sich beispielsweise auf den Shetlandinseln, andere britische Ponyrassen lebten ebenfalls unter rauen klimatischen Bedingungen und mit einem vergleichsweise kargen Nahrungsangebot.

Solche Pferde mussten mit wenig Energie auskommen, waren Wind und Wetter ausgesetzt und entwickelten über Generationen Eigenschaften, die heute noch für viele ursprüngliche Ponyrassen typisch sind.

Dazu gehören häufig:

eine gute Futterverwertung,

ein dichtes Winterfell,

eine robuste Konstitution,

harte Hufe,

eine hohe Anpassungsfähigkeit

und eine vergleichsweise selbstständige Art.

Diese Eigenschaften sind allerdings keine Voraussetzung dafür, als Pony zu gelten.

Ein hoch im Blut stehendes Deutsches Reitpony kann erheblich empfindlicher sein als ein robustes Großpferd.

Sind Ponys sturer als Pferde?

Ponys haben in Reitschulen einen bemerkenswert hartnäckigen Ruf.

Sie gelten als stur, frech und manchmal geradezu professionell darin, Reitanfänger in die nächstgelegene Ecke der Reitbahn zu befördern.

Tatsächlich lässt sich daraus keine allgemeingültige Charaktereigenschaft ableiten.

Viele ursprüngliche Ponyrassen wurden über Generationen auf Selbstständigkeit, Genügsamkeit und Widerstandsfähigkeit selektiert. Ein Pferd, das unter schwierigen Bedingungen selbstständig Entscheidungen treffen konnte, hatte durchaus Vorteile.

Im Umgang mit Menschen kann diese Selbstständigkeit durchaus auffallen.

Ponys merken häufig sehr schnell, ob eine Regel tatsächlich gilt oder lediglich als freundlicher Vorschlag formuliert wurde.

Das bedeutet aber nicht, dass Großpferde grundsätzlich leichter auszubilden wären.

Charakter und Lernverhalten hängen von Rasse, Genetik, Haltung, Ausbildung, Erfahrungen und natürlich vom einzelnen Pferd ab.

Auch ein Warmblut kann innerhalb weniger Tage hervorragend lernen, bei welchem Menschen der Weg zum Grasbüschel verhandelbar ist.

Ist ein Pony leichter zu halten als ein Pferd?

Nicht unbedingt.

Ein kleines Pony benötigt normalerweise weniger Futter als ein 650 Kilogramm schweres Warmblut. Auch manche Medikamente werden nach Körpergewicht dosiert.

Damit endet der finanzielle Vorteil aber teilweise schon.

Hufschmied, Zahnarzt, Impfungen, Sattelkontrollen, Tierarzt oder Stallmiete werden nicht automatisch proportional zur Körpergröße billiger.

Außerdem können gerade robuste und leichtfuttrige Ponyrassen besondere Anforderungen an die Fütterung stellen.

Ein Shetlandpony, Haflinger oder anderes leichtfuttriges Kleinpferd auf einer üppigen Weide kann sehr schnell mehr Energie aufnehmen, als es benötigt.

Übergewicht ist deshalb gerade bei Ponys ein ernst zu nehmendes Thema.

Ein kleineres Pferd ist also keineswegs automatisch einfacher zu halten.

Was ist der Unterschied zwischen Pony und Kleinpferd?

Hier wird es sprachlich etwas unordentlich.

Der Begriff Kleinpferd wird häufig für Pferderassen verwendet, die zwar relativ klein sind, aber nicht unbedingt dem klassischen Bild eines Ponys entsprechen.

Haflinger, Fjordpferde und Islandpferde werden beispielsweise häufig als Kleinpferde bezeichnet.

Eine universelle, im gesamten Pferdebereich gültige Zentimetergrenze für das Wort Kleinpferd gibt es jedoch nicht.

Der Begriff wird je nach Zuchtverband, Rasse und Zusammenhang unterschiedlich verwendet.

Auch die FN spricht ausdrücklich von Pony- und Kleinpferdezucht.

Deshalb sollte man Pony und Kleinpferd nicht einfach als zwei exakt durch eine bestimmte Zentimeterzahl getrennte Kategorien betrachten.

Warum heißt das Islandpferd und das Fjordpferd Pferd und nicht Pony?

Das Islandpferd ist ein schönes Beispiel dafür, dass Rassebezeichnungen und Größenklassen nicht dasselbe sind.

Die meisten Islandpferde besitzen ein Stockmaß, das eindeutig innerhalb des Ponybereichs liegt.

Trotzdem heißt die Rasse Islandpferd und nicht Islandpony.

Dasselbe gilt für das Fjordpferd. Beim Fjord gibt es aber tatsächlich auch einige Exemplare, die über 1,48 werden

Der Grund liegt in der traditionellen Rassebezeichnung. Die Bezeichnung einer Rasse wird nicht automatisch geändert, nur weil ihre Vertreter nach sportlichen Größenkriterien als Ponys gelten können.

Umgekehrt trägt das Connemara Pony das Wort Pony bereits im Namen.

Ein Pferd kann also nach seiner Größe ein Pony sein und trotzdem zu einer Rasse gehören, die ausdrücklich Pferd heißt.

Ist ein Haflinger ein Pony oder ein Pferd?

Auch beim Haflinger lässt sich die Frage nicht allein anhand des Rassenamens beantworten.

Haflinger gehören zu den Kleinpferderassen. Je nach individuellem Stockmaß können sie innerhalb oder außerhalb des offiziellen Ponymaßes liegen.

Ein Haflinger mit 146 Zentimetern besitzt Ponymaß.

Ein deutlich größerer Haflinger kann dagegen oberhalb der zulässigen Ponygröße liegen.

Die Rasse bleibt natürlich trotzdem Haflinger.

Das zeigt sehr schön, warum man zwischen Rasse, Größenklasse und umgangssprachlicher Bezeichnung unterscheiden muss.

Welche bekannten Ponyrassen gibt es?

Zu den bekannten Ponyrassen und Kleinpferderassen gehören unter anderem:

Shetlandpony,

Welsh Pony,

Connemara Pony,

New Forest Pony,

Deutsches Reitpony,

Dartmoor Pony,

Exmoor Pony,

Highland Pony,

Fell Pony,

Dülmener,

Islandpferd,

Fjordpferd

und Haflinger.

Schon diese Liste zeigt, wie unterschiedlich Ponys aussehen können.

Zwischen einem kleinen Shetlandpony und einem sportlichen Deutschen Reitpony am Endmaß liegen Welten.

Beide können trotzdem Ponys sein.

Können Erwachsene Ponys reiten?

Selbstverständlich.

Die Vorstellung, Ponys seien grundsätzlich Kinderpferde, ist viel zu einfach.

Viele größere Ponys und Kleinpferde werden überwiegend oder zumindest regelmäßig von Erwachsenen geritten.

Ob ein Erwachsener ein Pony reiten kann, hängt nicht allein vom Stockmaß ab.

Entscheidend sind unter anderem:

Körpergewicht des Pferdes,

Körperbau,

Rückenlänge,

Fundament,

Bemuskelung,

Trainingszustand,

Alter,

Gesundheit,

Sattelpassform,

Gewicht des Reiters

und dessen Balance und reiterliches Können.

Ein kräftig gebautes 145 Zentimeter großes Fjordpferd kann erheblich mehr Substanz besitzen als ein deutlich größeres, sehr feines Pferd.

Das Stockmaß allein sagt deshalb relativ wenig über die Tragfähigkeit aus.

Sind Ponys nur für Kinder geeignet?

Nein.

Ponys werden in nahezu allen Bereichen des Pferdesports eingesetzt.

Man findet sie in Dressurprüfungen, Springprüfungen, Vielseitigkeit, Fahrsport, Distanzreiten, Working Equitation, Freizeitreiten, Wanderreiten und bei der Bodenarbeit.

Das Deutsche Reitpony wurde sogar gezielt als leistungsfähiges Sportpferd im kleineren Format gezüchtet.

Gute Reitponys können Bewegungsqualität, Rittigkeit und Springvermögen besitzen, die einem Großpferd in nichts nachstehen.

Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass der Ponysport insbesondere Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bietet, auf einem Pferd anzutreten, dessen Größe besser zu ihren eigenen Körpermaßen passt.

Ist ein Pony günstiger als ein Pferd?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

Ein durchschnittliches Freizeitpony kann günstiger in der Anschaffung und teilweise auch im Unterhalt sein als ein großes Reitpferd.

Im Sportbereich kann genau das Gegenteil gelten.

Ein zuverlässiges, gut ausgebildetes Kinderpony ist ausgesprochen gefragt. Noch deutlicher wird der Unterschied bei erfolgreichen Sportponys.

Ein erstklassiges Dressur-, Spring- oder Vielseitigkeitspony innerhalb des zulässigen Endmaßes kann einen sehr hohen Marktwert erreichen.

Hier entscheidet nicht die Körpergröße über „billig oder teuer“, sondern Angebot, Nachfrage, Ausbildungsstand, Erfolge, Gesundheit, Alter, Abstammung und vor allem die sportliche Verwendbarkeit.

Deshalb kann ein 147 Zentimeter großes Pony erheblich teurer sein als viele deutlich größere Pferde.

Werden Ponys älter als Pferde?

Viele Ponys erreichen tatsächlich ein erstaunlich hohes Alter.

Gerade robuste Ponyrassen werden nicht selten deutlich über 20 Jahre alt. Manche Ponys erreichen 25 oder sogar 30 Jahre und mehr.

Trotzdem wäre die Aussage „Ponys werden immer älter als Pferde“ falsch.

Die Lebenserwartung hängt unter anderem von Genetik, Haltung, Fütterung, Nutzung, Krankheiten, Verletzungen und tiermedizinischer Versorgung ab.

Ein Pony kann sehr alt werden, ein Großpferd ebenfalls.

Pony und Pferd: Der Unterschied ist kleiner und gleichzeitig größer, als man denkt

Biologisch ist der Unterschied zwischen Pony und Pferd erstaunlich gering.

Ein Pony ist ein Pferd.

Im Pferdesport bekommt die Unterscheidung dagegen erhebliche Bedeutung.

Die offizielle Ponygrenze bestimmt darüber, ob ein Pferd in Ponyprüfungen eingesetzt werden darf. Gerade bei hochwertigen Endmaßponys können deshalb wenige Zentimeter einen enormen Einfluss auf Nachfrage und Marktwert haben.

Gleichzeitig sagt die Bezeichnung Pony erstaunlich wenig darüber aus, wie ein Pferd aussieht, welchen Charakter es besitzt oder wofür es geeignet ist.

Ein Shetlandpony und ein Deutsches Reitpony können beide Ponys sein und trotzdem kaum unterschiedlicher aussehen.

Ein Islandpferd besitzt häufig Ponymaß und heißt trotzdem Pferd.

Und ein hervorragend ausgebildetes Endmaßpony kann erheblich wertvoller sein als ein deutlich größeres Großpferd.

Die sauberste Antwort auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Pony und Pferd lautet deshalb:

Ein Pony ist ein Pferd, das aufgrund seiner Größe beziehungsweise seiner Rasse zur Gruppe der Ponys oder Kleinpferde gerechnet wird. Für den Turniersport entscheidet das offiziell gemessene Stockmaß.

Auch ein Hannoveraner oder Holsteiner kann im Ponymaß bleiben

Eine weitere Besonderheit wird bei der Unterscheidung zwischen Pony und Pferd häufig völlig vergessen: Auch ein Pferd aus einer klassischen Großpferderasse kann im Ponymaß bleiben.

Ein Hannoveraner, Holsteiner oder anderes Warmblut ist nicht automatisch deshalb 1,65 oder 1,70 Meter groß, weil es zu dieser Rasse gehört. Das Zuchtziel liegt zwar deutlich oberhalb des Ponymaßes, die tatsächliche Größe eines einzelnen Pferdes wird jedoch von verschiedenen genetischen und entwicklungsbedingten Faktoren beeinflusst.

In seltenen Fällen bleibt ein Warmblut deshalb ungewöhnlich klein und erreicht ausgewachsen nicht mehr als etwa 148 Zentimeter Stockmaß.

Das Pferd ist dadurch natürlich nicht plötzlich zu einem Deutschen Reitpony geworden.

Es bleibt beispielsweise ein Hannoveraner oder Holsteiner, besitzt aber Ponymaß.

Damit muss man zwei Dinge sauber voneinander unterscheiden:

Die Rasse eines Pferdes wird durch seine Abstammung bestimmt. Das Ponymaß beschreibt zunächst seine Größe.

Ein Hannoveraner mit 147 Zentimetern ist also weiterhin ein Hannoveraner, auch wenn er größenmäßig problemlos in den Bereich eines G-Ponys fällt.

Warum bleiben manche Großpferde ungewöhnlich klein?

Die Körpergröße eines Pferdes ist genetisch beeinflusst, lässt sich aber nicht wie die Fellfarbe mit einem einzigen Gen erklären. An der endgültigen Größe sind zahlreiche Gene beteiligt.

Deshalb kann es innerhalb einer ansonsten relativ großrahmigen Pferdepopulation immer wieder einzelne Tiere geben, die deutlich kleiner bleiben als ihre Eltern oder Geschwister.

Hinzu kommen Einflüsse während der Entwicklung.

Ein besonderer Fall sind Zwillingsfohlen. Zwillingsträchtigkeiten sind beim Pferd problematisch, weil die Gebärmutter eigentlich auf die Entwicklung eines einzelnen Fohlens ausgelegt ist. Überleben tatsächlich beide Fohlen bis zur Geburt, sind sie häufig deutlich kleiner und leichter als normale Einzelfohlen.

Auch später können solche Pferde kleiner bleiben als für ihre Rasse üblich.

So kann theoretisch selbst aus einer vollkommen normalen Warmblutpaarung ein erwachsenes Pferd hervorgehen, das mit seinem Stockmaß innerhalb der offiziellen Ponygrenze liegt.

Das ist selten, aber keineswegs unmöglich.

Kleine Warmblüter waren für die Ponyzucht durchaus interessant

Ein besonders kleiner Hannoveraner, Holsteiner oder Trakehner kann züchterisch zunächst ausgesprochen interessant wirken.

Schließlich hätte man damit theoretisch genau das, was die moderne Reitponyzucht sucht: möglichst viel Reitpferdetyp, Bewegungsqualität und Leistungsvermögen, aber in einem Körper, der innerhalb des Ponymaßes bleibt.

Tatsächlich wurde dieser Gedanke in der deutschen Reitponyzucht auch verfolgt.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung beschreibt, dass Anfang der 1990er Jahre in verschiedenen Zuchtverbänden versucht wurde, Warmbluthengste wie Trakehner, Hannoveraner und Holsteiner in die Reitponyzucht einzukreuzen, um die Leistungsfähigkeit der Ponys weiter zu verbessern.

Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Man wollte das sportliche Vermögen und den Reitpferdetyp des Warmbluts mit der passenden Größe des Ponys verbinden.

Ganz so einfach lässt sich die Körpergröße züchterisch allerdings nicht festhalten.

Ein kleines Pferd vererbt nicht automatisch kleine Nachkommen

Genau hier liegt das Problem.

Ein Warmblut, das selbst ungewöhnlich klein geblieben ist, muss diese geringe Körpergröße keineswegs zuverlässig an seine Nachkommen weitergeben.

Seine genetische Ausstattung stammt schließlich weiterhin aus einer Population, deren typische Körpergröße deutlich oberhalb des Ponymaßes liegt.

Das bedeutet: Ein Hengst kann selbst beispielsweise nur 147 oder 148 Zentimeter groß sein und trotzdem Nachkommen erzeugen, die später 1,55 Meter, 1,60 Meter oder noch größer werden.

Für die Ponyzucht ist das ein erhebliches Risiko.

Das gewünschte Ergebnis lautet nämlich nicht einfach „möglichst kleines Pferd“, sondern ein Reitpferd, das zuverlässig innerhalb des zulässigen Ponymaßes bleibt.

Gerade bei Endmaßponys können schon wenige Zentimeter darüber entscheiden, ob das fertige Pferd überhaupt noch im Ponysport eingesetzt werden kann.

Ein Hengst, dessen Nachkommen regelmäßig über das Maß hinauswachsen, ist deshalb für die gezielte Ponyzucht nur begrenzt interessant, selbst wenn er selbst zufällig Ponymaß besitzt.

Genau aus diesem Grund ist die erfolgreiche Reitponyzucht weit komplizierter, als einfach einen kleinen Warmblüter mit einem Pony zu verpaaren.

Über Generationen muss nicht nur auf Bewegungsqualität, Rittigkeit, Exterieur und Leistungsfähigkeit selektiert werden, sondern immer auch auf eine möglichst verlässliche Größenvererbung.

Deutsches Reitpony: Warmblut im Kleinformat, aber nicht einfach ein kleiner Warmblüter

Das Deutsche Reitpony zeigt sehr schön, wohin diese züchterische Entwicklung geführt hat.

Das Zuchtziel ist ausdrücklich ein sportliches Reitpferd im Ponyformat. Die FN beschreibt eine gewünschte Größe zwischen 138 und 148 Zentimetern und deutliche Reitpferdemerkmale, gleichzeitig soll der Ponycharakter im Typ erhalten bleiben.

Das Ergebnis soll also nicht einfach ein zufällig klein gebliebener Hannoveraner sein.

Gewünscht wird vielmehr eine eigenständige Population, bei der Leistungsfähigkeit, Reitpferdetyp und Ponygröße möglichst zuverlässig gemeinsam vererbt werden.

Das ist züchterisch ein gewaltiger Unterschied.

Ein zufällig 147 Zentimeter großer Holsteiner hat zwar Ponymaß. Ein gut durchgezüchtetes Deutsches Reitpony stammt dagegen aus Generationen, in denen genau diese Kombination aus sportlicher Qualität und begrenzter Körpergröße gezielt ausgewählt wurde.

Deshalb lautet auch hier die wichtige Unterscheidung:

Nicht jedes Pferd im Ponymaß ist ein Pony im Sinne seiner Rasse. Aber jedes Pferd innerhalb des entsprechenden Stockmaßes kann größenmäßig Ponymaß besitzen.

Häufige Fragen zum Unterschied zwischen Pony und Pferd

Wie groß darf ein Pony maximal sein?

Ein G-Pony darf im deutschen Turniersport maximal 148 Zentimeter Stockmaß haben. Bei beschlagenen Ponys sind bis zu 149 Zentimeter zulässig.

Ist ein Pony unter 1,30 Meter groß?

Nicht zwingend. K-Ponys sind bis 127 Zentimeter groß, M-Ponys zwischen 128 und 137 Zentimetern und G-Ponys zwischen 138 und 148 Zentimetern. Viele Sportponys sind deshalb deutlich größer als 1,30 Meter.

Ist ein Pony ein Pferd?

Ja. Biologisch gehören Ponys und Großpferde zur gleichen Tierart. Pony ist keine eigene Tierart.

Ab welcher Größe ist ein Pony ein Pferd?

Für die offizielle Einstufung als Turnierpony liegt die Obergrenze bei 148 Zentimetern ohne Beschlag beziehungsweise 149 Zentimetern mit Beschlag. Darüber kann das Pferd nicht mehr regulär als Pony geführt werden.

Was ist ein Endmaßpony?

Als Endmaßpony bezeichnet man üblicherweise ein größeres Pony nahe der maximal zulässigen Ponygröße. Besonders im Sport sind solche Ponys häufig begehrt.

Warum kann ein Zentimeter bei einem Pony so wichtig sein?

Überschreitet ein hochwertiges Sportpony die zulässige Ponygröße, kann es nicht mehr in den entsprechenden Ponyprüfungen eingesetzt werden. Dadurch kann sich die Nachfrage erheblich verringern und der Marktwert deutlich sinken.

Ist ein Haflinger ein Pony?

Haflinger gehören zu den Kleinpferden. Ob ein einzelner Haflinger außerdem innerhalb des offiziellen Ponymaßes liegt, hängt von seinem Stockmaß ab.

Ist ein Islandpferd ein Pony?

Viele Islandpferde besitzen Ponymaß. Die traditionelle Rassebezeichnung lautet trotzdem Islandpferd.

Können Erwachsene Ponys reiten?

Ja. Entscheidend sind nicht nur Größe und Gewicht des Reiters, sondern unter anderem Körperbau, Gewicht, Trainingszustand und Gesundheit des Pferdes sowie die Balance des Reiters.

Sind Ponys sturer als Pferde?

Nein. Einige Ponyrassen gelten als selbstständig und ausgesprochen lernfähig. Sturheit ist jedoch kein Merkmal, anhand dessen sich Pony und Pferd unterscheiden lassen.

Hinterlasse einen Kommentar