Gebogene Linien reiten

Reiten auf gebogenen Linien: Stellung, Biegung und Hilfengebung richtig verstehen

Das Reiten auf gebogenen Linien gehört zu den wichtigsten Grundlagen der Dressur und beginnt viel früher, als viele Reiter denken. Du brauchst dafür weder eine kleine Volte noch eine anspruchsvolle Dressurlektion. Schon jede ordentlich durchrittene Ecke verlangt von deinem Pferd Stellung, Biegung und Balance, und spätestens auf einem Zirkel zeigt sich ziemlich deutlich, ob dein Pferd tatsächlich deinen Hilfen folgt oder bisher vor allem die Bande dafür gesorgt hat, dass ihr beide ungefähr dort herauskommt, wo ihr hinwolltet.

Ein paar wichtige Infos erhältst Du zunächst auf der Seite Hufschlagfiguren

Gebogene Linien sind deshalb keine hübschen Muster im Sand und auch kein Beschäftigungsprogramm für eine Reitstunde, in der einem gerade nichts Besseres einfällt. Sie gehören zu den wichtigsten gymnastizierenden Elementen der Pferdeausbildung. Richtig geritten verbessern sie die Geschmeidigkeit, fördern das Gleichgewicht, helfen beim Geraderichten und zeigen gleichzeitig sehr deutlich, wo Pferd und Reiter noch Schwierigkeiten haben.

Das klingt zunächst einfach: Das Pferd soll eben um die Kurve laufen. Tatsächlich steckt dahinter jedoch einiges mehr. Ein Pferd soll eine gebogene Linie nicht irgendwie bewältigen, sondern seinen Körper so organisieren, dass es im Takt, in Balance und mit einer zur Linie passenden Stellung und Biegung bleibt.

Und genau daran erkennt man gutes Reiten.

Lese hier noch über Ganze Bahn und Hufschlag

Was sind gebogene Linien beim Reiten?

Als gebogene Linien beim Reiten bezeichnet man zunächst alle Linien, die nicht gerade verlaufen. Dazu gehören unter anderem Zirkel und Mittelzirkel, Volten, Schlangenlinien, Kehrtvolten, „Aus der Ecke kehrt“, Wechsel durch oder aus dem Zirkel und natürlich das Durchreiten der Bahnecken.

All diese Hufschlagfiguren unterscheiden sich in ihrer Größe und Linienführung, beruhen reiterlich aber auf demselben Grundgedanken: Das Pferd soll entsprechend der Bewegungsrichtung gestellt und gebogen werden und dabei möglichst mit seinem gesamten Körper der vorgegebenen Linie folgen.

Je enger die gebogene Linie wird, desto anspruchsvoller wird die Aufgabe. Deshalb sind ein 20-Meter-Zirkel und eine kleine Volte keineswegs einfach dieselbe Übung in unterschiedlichen Größen.

Ein großer Zirkel lässt dem Pferd erheblich mehr Raum, sein Gleichgewicht zu finden. Auf einer kleineren Volte muss es deutlich mehr Balance, Geschmeidigkeit und Körperkontrolle aufbringen.

Genau deshalb beginnt man bei jungen oder noch wenig gymnastizierten Pferden mit großzügigen gebogenen Linien und verkleinert diese erst, wenn das Pferd die größere Linie sicher bewältigen kann.

Warum sind gebogene Linien für ein Pferd schwieriger?

Stell dir zwei nebeneinanderliegende Spuren auf einem Kreis vor. Die äußere Spur ist länger als die innere. Genau mit diesem Unterschied muss sich auch das Pferd auseinandersetzen.

Auf einer gebogenen Linie bewegen sich die äußeren Beine auf einem größeren Bogen als die inneren. Gleichzeitig soll das Pferd seinen Körper der Bewegungsrichtung anpassen, im Rhythmus bleiben und verhindern, dass Schulter oder Hinterhand seitlich ausweichen.

Dazu kommt die natürliche Schiefe des Pferdes. Pferde sind nicht auf beiden Seiten vollkommen gleich beweglich und kräftig. Fast jeder Reiter kennt deshalb das Phänomen, dass sich sein Pferd auf einer Hand wunderbar geschmeidig anfühlt, während es auf der anderen plötzlich den Charme eines Kleiderschranks entwickelt, den man um eine Verkehrsinsel dirigieren möchte.

Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches.

Gerade gebogene Linien machen solche Unterschiede aber sehr deutlich sichtbar und sind deshalb hervorragend geeignet, langfristig an mehr Gleichmäßigkeit und Balance zu arbeiten.

Eine schöne gebogene Linie

Stellung und Biegung beim Pferd sind nicht dasselbe

Wer gebogene Linien richtig reiten möchte, sollte zunächst den Unterschied zwischen Stellung und Biegung verstehen.

Bei der Stellung wird das Pferd im Genick leicht zur Seite gestellt. Bei einer korrekten Stellung kannst du als Reiter gerade eben das innere Auge beziehungsweise den inneren Rand des Pferdekopfes erkennen. Die Stellung soll fein bleiben. Wenn du plötzlich die halbe Innenseite des Pferdegesichts vor dir hast, ist das in aller Regel bereits deutlich zu viel.

Die Biegung betrifft dagegen den Pferdekörper entlang seiner Längsachse.

Und daraus ergibt sich ein ausgesprochen wichtiger Unterschied:

Ein Pferd kann gestellt sein, ohne korrekt gebogen zu sein.

Du kannst den Pferdekopf mit dem inneren Zügel problemlos nach innen ziehen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass Schulter, Rumpf und Hinterhand der gewünschten Linie folgen.

Genau diese Verwechslung gehört zu den häufigsten Fehlern beim Reiten auf gebogenen Linien.

Wie stark kann sich ein Pferd überhaupt biegen?

Die klassische Reitlehre spricht von einer möglichst gleichmäßigen Längsbiegung des Pferdes. Anatomisch sollte man sich darunter allerdings nicht vorstellen, dass sich die gesamte Wirbelsäule wie ein Gartenschlauch gleichmäßig zu einem perfekten Kreisbogen formen lässt.

Die einzelnen Bereiche der Pferdewirbelsäule besitzen unterschiedliche Bewegungsmöglichkeiten. Besonders im Hals ist deutlich mehr seitliche Beweglichkeit vorhanden als in anderen Bereichen.

Das erklärt ein Phänomen, das man auf Reitplätzen ständig beobachten kann: Ein Pferd kann seinen Hals beeindruckend weit nach innen nehmen und mit dem restlichen Körper trotzdem ganz anders laufen.

Deshalb gilt:

Mehr Halsbiegung bedeutet nicht automatisch mehr Körperbiegung.

Ein stark nach innen gebogener Hals kann sogar ein Hinweis darauf sein, dass der Reiter versucht, eine fehlende Biegung über den inneren Zügel herzustellen.

Je kleiner die gebogene Linie, desto schwieriger wird sie

Einer der wichtigsten Grundsätze beim Reiten auf gebogenen Linien lautet deshalb:

Der Ausbildungsstand des Pferdes bestimmt die Größe der Linie und nicht der Ehrgeiz des Reiters.

Ein Zirkel hat einen Durchmesser von 20 Metern. Eine Volte ist deutlich kleiner und verlangt entsprechend mehr Balance und Biegsamkeit.

Wenn dein Pferd einen großen Zirkel noch nicht taktrein, entspannt und ausbalanciert bewältigt, bringt es wenig, daraus einen immer kleineren Kreis zu machen.

Kleiner ist nicht automatisch besser.

Sobald dein Pferd auf einer engeren Linie den Takt verliert, nach innen fällt, über die äußere Schulter ausweicht, sich im Genick verwirft oder hektisch wird, ist die Übung wahrscheinlich momentan zu anspruchsvoll.

Dann machst du die Linie wieder größer.

Das ist kein Rückschritt, sondern vernünftige Ausbildung.

Welche Hilfen braucht man beim Reiten auf gebogenen Linien?

Die Hilfengebung auf gebogenen Linien besteht aus einem fein abgestimmten Zusammenspiel von Sitz, Schenkeln und Zügeln.

Ein Pferd wird nicht einfach mit dem inneren Zügel um die Kurve gelenkt. Trotzdem ist genau das einer der häufigsten Fehler, weil es zunächst logisch erscheint: Ich möchte nach links, also ziehe ich links.

Reiterlich führt dieser Gedanke allerdings ziemlich schnell in eine Sackgasse.

Der innere Schenkel unterstützt die Biegung

Der innere Schenkel liegt am Gurt. Er erhält die Vorwärtsbewegung und unterstützt das Pferd dabei, sich auf der gebogenen Linie entsprechend auszurichten.

Die bekannte Vorstellung, das Pferd werde „um den inneren Schenkel gebogen“, kann durchaus hilfreich sein, solange man sie nicht wörtlich nimmt. Ein Pferderumpf lässt sich schließlich nicht einfach um das Reiterbein wickeln.

Der innere Schenkel hilft außerdem dabei, zu verhindern, dass das Pferd nach innen fällt.

Er schickt das Pferd gewissermaßen an die äußere Begrenzung heran.

Der äußere Schenkel begrenzt die Hinterhand

Der äußere Schenkel liegt leicht verwahrend hinter dem Gurt. Seine wichtige Aufgabe besteht darin, die Hinterhand zu begrenzen.

Ohne diese Begrenzung kann das Pferd auf der gebogenen Linie mit der Hinterhand nach außen ausweichen.

Wie deutlich der äußere Schenkel eingesetzt werden muss, hängt vom Pferd, seinem Ausbildungsstand und der jeweiligen Wendung ab. Bei einem gut ausgebildeten Pferd sollte daraus natürlich kein permanentes kräftiges Drücken werden.

Die Hilfe wird gegeben, wenn sie benötigt wird, und wieder reduziert, wenn das Pferd entsprechend reagiert.

Der innere Zügel stellt, aber er zieht nicht um die Kurve

Der innere Zügel kann die Stellung einleiten und bei Bedarf erhalten.

Das entscheidende Wort dabei lautet jedoch: fein.

Sobald das Pferd die Stellung annimmt, muss die innere Hand auch wieder nachgeben können.

Ein typisches Problem entsteht, wenn der Reiter nach links möchte und deshalb am linken Zügel zieht. Das Pferd nimmt daraufhin seinen Hals nach links, weicht aber gleichzeitig mit der Schulter nach rechts aus.

Der Reiter denkt nun, das Pferd müsse noch stärker nach links, und zieht noch mehr am linken Zügel.

Das Pferd weicht noch stärker über die äußere Schulter aus.

Und plötzlich kämpfen beide ausgesprochen engagiert miteinander, obwohl ursprünglich lediglich ein harmloser Zirkel geplant war.

Der äußere Zügel ist auf gebogenen Linien besonders wichtig

Der äußere Zügel wird von vielen Reitern unterschätzt. Dabei ist er für eine gute gebogene Linie ausgesprochen wichtig.

Er begrenzt die Stellung, unterstützt die Führung der äußeren Schulter und hilft dabei, die vom inneren Schenkel erzeugte Energie aufzunehmen.

Der äußere Zügel soll dabei nicht starr werden und die Bewegung blockieren. Er bildet vielmehr gemeinsam mit dem inneren Schenkel einen Rahmen, innerhalb dessen sich das Pferd auf der gewünschten Linie bewegen kann.

Das oft gehörte „innerer Schenkel an den äußeren Zügel“ bekommt gerade auf gebogenen Linien deshalb eine sehr konkrete Bedeutung.

Wie sitzt der Reiter auf einer gebogenen Linie?

Auch der Reitersitz spielt beim Reiten von Zirkel, Volte und Schlangenlinien eine wichtige Rolle.

Du solltest die Wendung mit deinem Körper begleiten, dich aber keinesfalls nach innen werfen.

Gerade auf dem Zirkel sieht man häufig Reiter, die ihren gesamten Oberkörper zur Kreismitte neigen. Andere knicken in der Hüfte ein und glauben dabei, besonders schön nach innen zu sitzen.

Beides bringt den Reiter aus seiner eigenen Balance.

Und wenn du selbst schief auf deinem Pferd sitzt, machst du es ihm ausgesprochen schwer, unter dir geradegerichtet und ausbalanciert zu laufen.

Deine Schultern folgen leicht den Schultern des Pferdes, dein Becken bleibt beweglich und du sitzt weiterhin mittig über deinem Pferd.

Eine Wendung wird nicht dadurch besser, dass der Reiter sie mit seinem gesamten Körper dramatisch ankündigt.

Einen Zirkel richtig reiten

Der Zirkel gehört zu den wichtigsten gebogenen Hufschlagfiguren und besitzt einen Durchmesser von 20 Metern.

Das klingt zunächst ausgesprochen simpel.

Man reitet eben einen Kreis.

Wer allerdings einmal von oben auf zwanzig verschiedene gerittene Zirkel schauen könnte, würde vermutlich eine erstaunliche Sammlung geometrischer Formen entdecken. Eier, Kartoffeln, abgerundete Vierecke und gelegentlich etwas, das tatsächlich verdächtig nach einem Kreis aussieht.

Ein häufiger Fehler besteht darin, lediglich von Zirkelpunkt zu Zirkelpunkt zu reiten. Dadurch entstehen zwischen den Punkten beinahe gerade Linien und an den Zirkelpunkten relativ deutliche Wendungen.

Ein guter Zirkel besteht dagegen aus einem gleichmäßigen Kreisbogen.

Du solltest deshalb nicht nur den nächsten Zirkelpunkt anschauen, sondern die gesamte Linie im Kopf haben und vorausschauend reiten.

Warum der Mittelzirkel so aufschlussreich ist

Besonders interessant ist der Mittelzirkel, weil dir dort die Bande über weite Strecken nicht mehr hilft.

Solange ein Pferd auf dem Hufschlag läuft, kann die Bande einiges kaschieren. Sie begrenzt das Pferd auf einer Seite und gibt dem Reiter eine deutliche Orientierung.

Auf dem Mittelzirkel fällt diese Hilfe weitgehend weg.

Plötzlich zeigt sich, ob du die äußere Schulter tatsächlich begrenzen kannst, ob dein Pferd die Linie selbstständig hält und ob dein Zirkel wirklich rund ist.

Manchmal stirbt dabei eine liebgewonnene Illusion.

Dafür weißt du anschließend ziemlich genau, woran du arbeiten solltest.

Eine Volte richtig reiten

Eine Volte ist ebenfalls eine kreisförmige Hufschlagfigur, allerdings deutlich kleiner als ein Zirkel.

Dadurch steigen die Anforderungen an Biegung, Balance und Geschmeidigkeit erheblich.

Bevor du eine Volte einleitest, bereitest du dein Pferd auf die Wendung vor. Du stellst es in Bewegungsrichtung, der innere Schenkel unterstützt die Biegung und erhält die Aktivität, während die äußeren Hilfen Schulter und Hinterhand begrenzen.

Besonders wichtig ist, die Größe der Volte nicht mit dem inneren Zügel bestimmen zu wollen.

Wird die Volte immer kleiner und fällt dein Pferd dabei nach innen, solltest du zunächst deinen inneren Schenkel und deinen eigenen Sitz überprüfen.

Driftet das Pferd dagegen über die äußere Schulter davon und wird die Volte immer größer, fehlt möglicherweise die äußere Begrenzung oder du hast zu viel Stellung im Hals.

Und wenn die Qualität auf der kleineren Linie verloren geht, machst du die Volte wieder größer.

Eine größere gute Volte ist wertvoller als eine kleine schlechte.

Schlangenlinien richtig reiten

Schlangenlinien sind für die Gymnastizierung besonders interessant, weil die Biegung regelmäßig wechselt.

Reitest du beispielsweise zunächst einen Linksbogen, ist dein Pferd entsprechend nach links gestellt und gebogen. Beim Wechsel in den nächsten Bogen muss diese Biegung aufgegeben und anschließend eine neue Stellung und Biegung nach rechts entwickelt werden.

Genau dieser Wechsel macht Schlangenlinien so wertvoll.

Das Pferd soll allerdings nicht unmittelbar von einer starken Linksstellung in eine starke Rechtsstellung gezogen werden.

Zwischen den beiden Bögen entsteht ein kurzer Moment, in dem das Pferd neu ausgerichtet wird. Anschließend erfolgt die Stellung und Biegung für den nächsten Bogen.

Je geschmeidiger und besser ausbalanciert das Pferd wird, desto fließender fühlt sich dieser Wechsel an.

Warum Schlangenlinien die natürliche Schiefe sichtbar machen

Auf einem Zirkel kannst du eine Weile auf derselben Hand bleiben. Bei einer Schlangenlinie wechseln die Anforderungen dagegen ständig.

Links biegen, neu ausrichten, rechts biegen, wieder neu ausrichten.

Dadurch merkst du ausgesprochen schnell, ob beide Seiten ähnlich gut klappen.

Vielleicht lässt sich dein Pferd nach links wunderbar stellen und biegen, während es nach rechts den Hals festhält. Vielleicht fällt es auf einer Seite regelmäßig über die Schulter oder die Hinterhand weicht aus.

Schlangenlinien sind deshalb nicht nur gymnastizierend, sondern auch diagnostisch ausgesprochen interessant.

Sie zeigen dir ziemlich unbestechlich, auf welcher Seite dein Pferd noch Schwierigkeiten hat.

Auch die Bahnecke ist eine gebogene Linie

Eine der am häufigsten verschenkten Möglichkeiten für gutes Dressurtraining befindet sich in jeder Reitbahn gleich viermal:

die Ecke.

Viele Reiter fahren auf dem Hufschlag geradeaus, biegen irgendwie ab und fahren anschließend auf der nächsten Seite weiter.

Dabei ist eine korrekt durchrittene Ecke bereits eine kleine Biegeübung.

Wie tief die Ecke ausgeritten wird, hängt vom Ausbildungsstand des Pferdes ab. Ein junges oder noch wenig ausbalanciertes Pferd bekommt einen großzügigeren Radius. Mit zunehmender Ausbildung können die Ecken tiefer ausgeritten werden.

Entscheidend ist aber niemals, möglichst nahe in die Ecke hineinzukommen.

Entscheidend ist, dass dein Pferd vor, während und nach der Ecke in derselben Qualität weitergeht.

Wenn du zwar spektakulär tief in die Ecke kommst, dein Pferd dort aber Takt, Gleichgewicht und Losgelassenheit verliert, hast du wenig gewonnen.

Warum gebogene Linien beim Geraderichten helfen

Zunächst klingt es widersprüchlich: Ausgerechnet gebogene Linien sollen dabei helfen, ein Pferd geradezurichten.

Geraderichten bedeutet in der Pferdeausbildung aber nicht, möglichst viel geradeaus zu reiten.

Es geht darum, die natürliche Schiefe des Pferdes zunehmend auszugleichen und Vor- und Hinterhand so aufeinander auszurichten, dass beide Körperseiten möglichst gleichmäßig arbeiten können.

Gerade auf gebogenen Linien werden Unterschiede zwischen beiden Seiten deutlich.

Das Pferd lässt sich vielleicht auf einer Hand problemlos biegen, auf der anderen dagegen kaum. Eine Schulter weicht stärker aus als die andere oder die Hinterhand driftet bevorzugt in eine bestimmte Richtung.

Durch abwechslungsreiches Arbeiten auf beiden Händen können diese Unterschiede nach und nach verbessert werden.

Gebogene Linien sind damit Gymnastik und Kontrollinstrument zugleich.

Woran erkennst du eine gute Biegung?

Schau nicht nur auf den Hals.

Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Punkte überhaupt.

Ein Pferd kann im Hals ausgesprochen elegant nach innen gestellt aussehen und mit dem restlichen Körper trotzdem völlig anders unterwegs sein.

Achte deshalb auf das Gesamtbild.

Das Pferd sollte seinen Takt und sein Tempo erhalten, auf der gewünschten Linie bleiben und eine zur Größe der Wendung passende Stellung zeigen. Die äußere Schulter sollte nicht davonlaufen und die Hinterhand nicht seitlich ausweichen.

Vor allem sollte die Wendung nicht wie ein permanenter Kampf aussehen oder sich so anfühlen.

Je besser dein Pferd ausbalanciert ist und je feiner es auf deine Hilfen reagiert, desto unspektakulärer wird eine gute gebogene Linie.

Genau darin liegt ihre Qualität.

Was tun, wenn das Pferd über die äußere Schulter ausfällt?

Das Ausfallen über die äußere Schulter gehört zu den häufigsten Problemen beim Reiten auf gebogenen Linien.

Prüfe zunächst deinen inneren Zügel.

Ziehst du den Pferdekopf stark nach innen, erleichterst du dem Pferd unter Umständen gerade das Ausweichen der äußeren Schulter.

Danach überprüfst du das Zusammenspiel von innerem Schenkel und äußerem Zügel. Dein Pferd soll vom inneren Schenkel an die äußere Begrenzung herantreten.

Vergiss dabei deinen eigenen Sitz nicht.

Wenn du selbst verdreht oder seitlich verschoben sitzt, kann das vermeintliche Problem deines Pferdes seinen Ursprung erstaunlich weit oben haben.

Was tun, wenn das Pferd nach innen fällt?

Fällt dein Pferd auf einem Zirkel oder einer Volte nach innen, solltest du es nicht einfach mit dem inneren Zügel nach außen ziehen.

Überprüfe zunächst deinen inneren Schenkel und deinen Sitz.

Kippst du selbst nach innen? Bleibst du mittig sitzen? Ist dein innerer Schenkel aktiv genug?

Und dann solltest du dir eine sehr einfache Frage stellen:

Ist die Linie vielleicht zu klein?

Gerade bei jungen, steifen oder noch wenig ausbalancierten Pferden kann das Nach-innen-Fallen darauf hinweisen, dass der gewählte Radius momentan zu schwierig ist.

Dann wird der Kreis größer.

Was tun, wenn eine Hand deutlich schlechter ist?

Dass sich ein Pferd auf einer Hand leichter stellen und biegen lässt als auf der anderen, ist ausgesprochen häufig.

Die Lösung besteht allerdings nicht darin, die schlechtere Seite nun doppelt so lange zu bearbeiten.

Viel sinnvoller ist ein regelmäßiger Wechsel zwischen beiden Händen sowie zwischen geraden und gebogenen Linien. Auf der schwierigeren Seite verlangst du zunächst nur so viel Biegung, wie dein Pferd in guter Qualität bewältigen kann.

Mit zunehmender Kraft, Geschmeidigkeit und Balance kannst du die Anforderungen langsam steigern.

Ein Pferd wird nicht symmetrischer, indem man seine schlechtere Seite so lange bearbeitet, bis es endgültig keine Lust mehr darauf hat.

Welche gebogenen Linien eignen sich für junge Pferde?

Beim jungen Pferd lautet das wichtigste Wort:

großzügig.

Ein junges Pferd muss unter dem Reiter zunächst lernen, seinen Takt zu finden, sich auszubalancieren und die Hilfen zu verstehen.

Große Zirkel, großzügige Bögen, einfache Handwechsel und weit angelegte Schlangenlinien eignen sich deshalb wesentlich besser als kleine Volten und enge Wendungen.

Der Radius darf erst kleiner werden, wenn das Pferd auf der größeren Linie seine Qualität behalten kann.

Eine winzige Volte beweist keine gute Ausbildung.

Ein junges Pferd, das einen großen Bogen taktrein, entspannt und zunehmend ausbalanciert bewältigt, zeigt dagegen eine sehr solide Entwicklung.

Gebogene Linien im Schritt, Trab und Galopp

Gebogene Linien können in allen drei Grundgangarten geritten werden, allerdings verändern sich dabei die Anforderungen.

Im Schritt hast du viel Zeit, deine eigene Hilfengebung zu kontrollieren und eine neue Linienführung vorzubereiten. Gerade für junge oder noch unerfahrene Pferde lassen sich neue Aufgaben hier gut erklären.

Im Trab werden Unterschiede in Takt, Balance und Biegung sehr deutlich. Zirkel, große Volten und Schlangenlinien gehören deshalb zu den wertvollsten Bestandteilen der täglichen Dressurarbeit.

Im Galopp steigen die Anforderungen an das Gleichgewicht noch einmal erheblich. Besonders kleine Kreise solltest du deshalb erst verlangen, wenn dein Pferd genügend Kraft und Balance besitzt.

Die Größe einer gebogenen Linie richtet sich also nicht allein danach, was geometrisch in deine Reitbahn passt.

Sie muss zu Gangart, Ausbildungsstand, Beweglichkeit und Balance des Pferdes passen.

Gebogene Linien sinnvoll ins Dressurtraining einbauen

Eine gute Trainingseinheit besteht nicht daraus, zwanzig Minuten auf demselben Zirkel herumzufahren.

Gerade der Wechsel zwischen geraden und gebogenen Linien ist wertvoll.

Du kannst beispielsweise zunächst ganze Bahn reiten, anschließend einen Zirkel einbauen, wieder auf eine gerade Linie wechseln, durch die ganze Bahn wechseln und auf der anderen Hand erneut einen Zirkel reiten.

Später kommen Schlangenlinien hinzu. Bei einem weiter ausgebildeten Pferd kannst du die Bögen verkleinern, Volten einbauen oder Übergänge mit gebogenen Linien kombinieren.

Gerade Übergänge auf einem Zirkel sind ausgesprochen aufschlussreich.

Wenn du beispielsweise vom Trab zum Schritt oder vom Galopp zum Trab durchparierst, sollte das Pferd während des Übergangs trotzdem auf der gebogenen Linie bleiben. Stellung und Biegung verschwinden nicht einfach deshalb, weil gerade eine weitere Aufgabe hinzukommt.

So kannst du den Schwierigkeitsgrad erhöhen, ohne sofort kleinere Kreise reiten zu müssen.

Eine einfache Übung für einen besseren Zirkel

Wenn deine Zirkel regelmäßig eher nach Kartoffel als nach Kreis aussehen, können vier Pylonen helfen.

Stelle sie etwas innerhalb der vier Zirkelpunkte auf.

Nun reitest du allerdings nicht von Pylone zu Pylone. Sonst hast du am Ende lediglich ein Viereck mit abgerundeten Ecken geschaffen.

Die Pylonen dienen nur zur Orientierung. Zwischen ihnen stellst du dir einen gleichmäßigen Kreisbogen vor.

Konzentriere dich zunächst auf drei Fragen:

Bleibt der Takt gleich? Bleibt der Radius gleich? Bleibt mein Pferd zwischen meinen Hilfen?

Erst wenn das zuverlässig gelingt, solltest du dir Gedanken darüber machen, die Anforderungen weiter zu erhöhen.

Eine gute Übung für Stellung und Biegung: die einfache Schlangenlinie

Eine einfache Schlangenlinie an der langen Seite eignet sich hervorragend, um Stellung, Biegung und die Kontrolle der Schulter zu verbessern.

Du verlässt den Hufschlag in einem weichen Bogen, reitest zur Mitte der langen Seite hin und anschließend wieder zurück zum Hufschlag.

Dabei verändert sich die Ausrichtung deines Pferdes innerhalb weniger Meter mehrfach.

Genau deshalb ist diese scheinbar einfache Hufschlagfigur ausgesprochen lehrreich. Du musst die ursprüngliche Stellung und Biegung verändern, dein Pferd neu ausrichten und anschließend wieder passend zum nächsten Bogen einstellen.

Das Ganze sollte fließend geschehen.

Ein schönes Beispiel dafür ist eine Bewegungsfolge, bei der man dasselbe Pferd in mehreren Phasen der Schlangenlinie betrachtet. Dann erkennt man besonders gut, dass nicht einfach nur der Kopf einmal nach links und einmal nach rechts gedreht wird, sondern dass sich die gesamte Ausrichtung des Pferdes mit der jeweiligen Linienführung verändert.

Die häufigsten Fehler beim Reiten auf gebogenen Linien

Viele Schwierigkeiten lassen sich auf einige wenige Ursachen zurückführen. Besonders häufig sind ein zu starker innerer Zügel, eine übertriebene Halsstellung, eine mangelnde Begrenzung der äußeren Schulter, eine ausweichende Hinterhand und ein Reiter, der selbst nach innen kippt.

Ein weiterer Fehler wird dagegen erstaunlich selten erwähnt:

Der Reiter hat selbst keine genaue Linie vor Augen.

Er weiß ungefähr, dass jetzt ein Zirkel kommen soll, und hofft anschließend auf eine kreisähnliche Entwicklung der Ereignisse.

Aber dein Pferd kann keine präzise Linie halten, die du selbst nicht präzise reitest.

Deshalb gehört vorausschauendes Reiten unbedingt dazu. Du solltest bereits vor Beginn der Wendung wissen, welchen Radius du reiten möchtest, wohin deine Linie führt und wo sie endet.

Reiten auf gebogenen Linien bedeutet nicht möglichst viel Biegung

Gerade wenn Reiter beginnen, sich intensiver mit Stellung und Biegung beim Pferd zu beschäftigen, entsteht schnell die Vorstellung, besonders viel Biegung müsse besonders gut sein.

Das Gegenteil kann der Fall sein.

Die Biegung muss immer zur Größe der Linie passen.

Auf einem großen Zirkel braucht dein Pferd weniger Biegung als auf einer kleineren Volte. Wird auf einer großen Linie eine übertriebene Innenstellung verlangt, entsteht häufig lediglich eine starke Halsbiegung, während der übrige Pferdekörper nicht mehr zur Linie passt.

Das Ziel ist deshalb niemals maximale Biegung.

Das Ziel ist passende Biegung.

Warum präzise gebogene Linien gutes Reiten verraten

Ein wirklich gut gerittener Zirkel sieht von außen erstaunlich unspektakulär aus.

Das Pferd läuft gleichmäßig, die Linie ist rund, Stellung und Biegung passen zum Radius und der Reiter sitzt ruhig in der Bewegung. Niemand zieht sichtbar am inneren Zügel, niemand muss hektisch eine ausweichende Hinterhand zurücksortieren und das Pferd verändert weder Takt noch Tempo.

Gerade deshalb sind Zirkel, Volten und Schlangenlinien so wertvoll.

Auf geraden Linien kann man manche Schwierigkeiten eine Weile verstecken. Auf einer präzisen gebogenen Linie wird das deutlich schwieriger.

Plötzlich zeigt sich, ob der Reiter beide Schultern kontrollieren kann, ob das Pferd auf beiden Händen ähnlich geschmeidig ist und ob Stellung, Biegung, Anlehnung und Sitz tatsächlich zusammenspielen.

Reiten auf gebogenen Linien ist viel mehr als nur um die Kurve reiten

Wenn du gebogene Linien richtig reiten möchtest, solltest du deshalb nicht zuerst versuchen, möglichst kleine Volten oder besonders komplizierte Schlangenlinien zu schaffen.

Beginne mit der Qualität.

Dein Pferd sollte seinen Takt behalten, losgelassen bleiben und einen Radius bekommen, den es in seinem aktuellen Ausbildungsstand bewältigen kann. Der innere Schenkel unterstützt die Biegung, der äußere Schenkel begrenzt die Hinterhand, der äußere Zügel hilft bei der Kontrolle der Schulter und der innere Zügel sorgt für eine feine Stellung, ohne den Pferdekopf durch die Wendung zu ziehen.

Und über allem steht ein Grundsatz, der beim Dressurreiten erstaunlich viele Probleme löst:

Reite die Linie zunächst so groß, dass dein Pferd sie gut bewältigen kann, und erhöhe die Anforderungen erst, wenn die Qualität erhalten bleibt.

Ein sauber gerittener großer Zirkel ist für die Ausbildung wertvoller als eine kleine Volte, auf der Takt, Balance und Losgelassenheit verloren gehen.

Genau darin liegt der eigentliche Sinn des Reitens auf gebogenen Linien. Zirkel, Volten und Schlangenlinien sind keine Figuren, die man lediglich für eine Dressuraufgabe auswendig lernen muss. Sie gehören zu den besten Werkzeugen, die wir haben, um Balance, Geschmeidigkeit, Geraderichtung und feine Hilfengebung zu entwickeln.

Und wenn der Zirkel irgendwann tatsächlich rund ist, das Pferd auf beiden Händen gleichmäßig durch die Wendung läuft und der Reiter dafür nicht mehr sämtliche Gliedmaßen gleichzeitig neu sortieren muss, sieht das Ganze plötzlich verblüffend einfach aus.

Was meistens ein ziemlich gutes Zeichen ist.

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