Die seltensten Pferde der Welt: 10 Pferderassen, die kaum noch jemand zu Gesicht bekommt
Es gibt Pferderassen, die kennt praktisch jeder. Haflinger, Friesen, Araber, Shetlandponys oder Hannoveraner muss man einem Pferdemenschen nicht lange erklären. Und dann gibt es Pferderassen, bei denen selbst jemand, der seit Jahrzehnten mit Pferden zu tun hat, erst einmal überlegen muss, ob er überhaupt jemals eines gesehen hat.
Aber welches ist eigentlich das seltenste Pferd der Welt?
Das lässt sich erstaunlich schwer beantworten, denn bei seltenen Pferderassen kommt es sehr darauf an, was überhaupt gezählt wird. Die Gesamtzahl aller lebenden Pferde sagt etwas anderes aus als die Anzahl eingetragener Zuchtstuten, und gerade bei sehr kleinen Populationen ist die Zahl der tatsächlich zur Zucht eingesetzten Tiere entscheidend. Eine Pferderasse kann durchaus noch einige Hundert Vertreter besitzen und trotzdem genetisch in einer ziemlich unangenehmen Sackgasse stecken, wenn nur wenige Stuten und Hengste Nachwuchs bekommen.
Schaut man sich aktuelle Bestandszahlen an, wird schnell klar, wie winzig einige dieser Populationen tatsächlich geworden sind. Wir reden teilweise nicht mehr über Tausende Pferde, sondern über wenige Dutzend Zuchtstuten.
Ist das Kinsky-Pferd das seltenste Pferd der Welt?
Wenn nach seltenen Pferderassen gesucht wird, begegnet einem ziemlich schnell das Kinsky-Pferd. Das ist auch verständlich, denn diese tschechische Pferderasse ist außerhalb ihrer Heimat wenig verbreitet und besitzt zusätzlich ein Merkmal, das sie ausgesprochen interessant macht: Einige Kinsky-Pferde besitzen ein wunderschönes goldfarbenes Fell und werden deshalb auch als Goldpferde bezeichnet.
Die Geschichte der Rasse ist eng mit der böhmischen Adelsfamilie Kinsky verbunden. Ab dem 19. Jahrhundert wurden dort elegante und leistungsfähige Reitpferde gezüchtet. Später ging ein großer Teil dieser Zucht im Tschechischen Warmblut auf, bevor das Kinsky-Pferd wieder als eigenständige Rasse anerkannt wurde.
Heute gibt es ungefähr 1.000 eingetragene Kinsky-Pferde. Darunter befinden sich rund 300 Stuten und nur etwa ein Dutzend gekörte Hengste. Pro Jahr werden lediglich ungefähr 30 bis 50 Fohlen geboren.
Das ist wenig.
Das seltenste Pferd der Welt ist das Kinsky trotzdem nicht.
Andere Pferderassen besitzen noch erheblich kleinere Zuchtpopulationen.
1. Eriskay Pony: nur noch wenige Dutzend Zuchtstuten
Wenn wir wirklich nach einem Kandidaten für die seltenste Pferderasse der Welt suchen, wird es beim Eriskay Pony ernst.
Dieses kleine, robuste Pony stammt von den Äußeren Hebriden vor der schottischen Küste. Über Generationen lebten die Tiere unter ziemlich ungemütlichen Bedingungen und wurden von den Inselbewohnern für alltägliche Arbeiten eingesetzt. Sie transportierten Lasten, halfen in der Landwirtschaft und kamen mit dem rauen Klima ihrer Heimat zurecht.
Dann kamen Motorisierung und moderne Landwirtschaft und die Ponys wurden kaum noch gebraucht.
Anfang der 1970er-Jahre war die Population auf ungefähr 20 Tiere zusammengeschrumpft.
Zwar gelang es engagierten Züchtern, die Rasse vor dem vollständigen Verschwinden zu bewahren, doch die Zahlen sind bis heute erschreckend klein. Der britische Bestand umfasste 2025 nur 35 registrierte Zuchtstuten, für 2026 werden 36 angegeben.
Die Eriskay Pony Society nennt insgesamt rund 400 lebende Tiere, von denen jedoch nur ein kleiner Teil tatsächlich für die Zucht zur Verfügung steht. Nach Angaben der Gesellschaft gab es zeitweise lediglich 95 jüngere Zuchtstuten und 18 Hengste im potenziellen Zuchtbestand.
Damit gehört das Eriskay Pony zweifellos zu den seltensten Pferderassen der Welt.
2. Cleveland Bay: rund 110 Zuchtstuten in Großbritannien
Beim Cleveland Bay sieht man einem Pferd seine Seltenheit überhaupt nicht an.
Keine spektakulären Locken, keine merkwürdigen Ohren und auch keine goldene Metallic-Lackierung. Cleveland Bays sind große, kräftige braune Pferde mit schwarzen Abzeichen.
Und trotzdem sind sie extrem selten.
2025 wurden in Großbritannien lediglich 112 Zuchtstuten erfasst, 2026 waren es 110. Weltweit werden ungefähr 1.000 Cleveland Bays vermutet.
Wie knapp es um die Rasse bereits einmal stand, zeigt ein Blick zurück: Um 1960 soll es gerade einmal sechs lebende reinrassige Cleveland-Bay-Hengste gegeben haben.
Dass es diese Pferderasse heute überhaupt noch gibt, ist gezielten Erhaltungsbemühungen zu verdanken.
3. Suffolk Punch: der Traktor machte ihn beinahe arbeitslos
Der Suffolk Punch ist ein mächtiges englisches Kaltblut und damit eigentlich genau das Gegenteil dessen, was man sich unter einem Tier vorstellt, das still und heimlich verschwinden könnte.
Jahrhundertelang waren diese Pferde wertvolle Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Suffolk Punches sind kompakt, enorm kräftig und traditionell fuchsfarben.
Dann kam der Traktor.
Innerhalb weniger Jahrzehnte brauchte kaum noch jemand schwere Arbeitspferde für die Landwirtschaft und die Population brach ein.
Noch heute gilt die Rasse als stark gefährdet. Für 2025 wurden in Großbritannien nur 123 Zuchtstuten erfasst, 2026 waren es 127.
Der Suffolk Punch Trust spricht sogar von nur ungefähr 90 Stuten im zuchtfähigen Alter in Großbritannien.
Bei einer ganzen Pferderasse ist das erschreckend wenig.
4. Newfoundland Pony: nur etwa 200 bis 250 Zuchttiere
Auch das Newfoundland Pony verdankt seine Existenz einer ziemlich speziellen Geschichte.
Europäische Siedler brachten verschiedene britische Ponyrassen nach Neufundland, darunter unter anderem Exmoor-, Dartmoor-, New-Forest- und Highland-Ponys. Aus diesen Pferden entwickelte sich unter den besonderen Bedingungen der Insel im Laufe der Generationen ein eigener Typ.
Die Ponys arbeiteten für Bauern und Fischer, zogen Lasten, transportierten Holz und halfen bei zahlreichen Arbeiten.
Zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren brach der Bestand durch Mechanisierung dramatisch ein.
Heute liegt die Zuchtpopulation nur bei ungefähr 200 bis 250 Tieren.
Das Newfoundland Pony gilt deshalb als kritisch gefährdet.
5. Caspian Horse: ein uraltes kleines Pferd, das schon als verschwunden galt
Das Caspian Horse gehört für mich zu den spannendsten Pferden dieser ganzen Liste.
Auf alten persischen Darstellungen finden sich bereits vor Tausenden Jahren auffallend kleine, elegante Pferde. Später ging man davon aus, dass solche Pferde längst ausgestorben seien.
Dann wurden 1965 im Norden Irans tatsächlich kleine Pferde entdeckt, die diesen historischen Pferden erstaunlich ähnelten.
Das Caspian Horse sieht dabei nicht unbedingt wie ein klassisches Pony aus. Obwohl es durchschnittlich nur ungefähr 1,12 Meter groß ist, besitzt es eher die Proportionen eines kleinen Pferdes.
Zwischen 1971 und 1976 wurden lediglich 26 Caspian Horses nach Europa gebracht. Diese kleine Gruppe wurde zu einer entscheidenden Grundlage für die Erhaltung der Rasse außerhalb des Iran.
Heute wächst der Bestand zwar wieder, international sind die Zahlen aber weiterhin sehr klein. Die Livestock Conservancy führt das Caspian Horse deshalb weiterhin in der höchsten Gefährdungskategorie „Critical“.
6. Dales Pony: vom beinahe ausgestorbenen Arbeitspferd zurückgekehrt
Das Dales Pony stammt aus Nordengland und wurde früher unter anderem als Pack- und Arbeitspferd eingesetzt.
Auch diese Rasse geriet durch die Veränderungen von Landwirtschaft, Bergbau und Transportwesen massiv unter Druck.
Heute erholt sich der Bestand langsam wieder. Die aktuellen britischen Zahlen zeigen für 2025 358 Zuchtstuten, für 2026 werden 366 angegeben.
Das klingt neben den 35 Eriskay-Stuten beinahe schon komfortabel, ist für eine komplette Pferderasse aber immer noch eine winzige genetische Basis.
Die Dales Pony Society weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass sich die Rasse noch immer von ihrem Beinahe-Aussterben erholt.
7. Achal-Tekkiner: weniger als 7.000 Pferde weltweit
Unser Achal-Tekkiner schafft es schon wieder in eine unserer Listen.
Er kann nichts dafür. Dieses Pferd sammelt außergewöhnliche Eigenschaften offenbar wie andere Pferde Möhren.
Der Achal-Tekkiner stammt aus Turkmenistan und gehört zu den ältesten und ungewöhnlichsten Pferderassen der Welt. Besonders berühmt ist sein Fell, das aufgrund seiner Haarstruktur einen metallischen Glanz entwickeln kann. Gerade goldfarbene Tiere können in der Sonne beinahe unwirklich aussehen.
Auch der weltweite Bestand ist klein.
Die Livestock Conservancy geht aktuell von weniger als 7.000 Achal-Tekkinern weltweit aus und stuft die Rasse als „Threatened“, also bedroht, ein.
Damit ist der Achal-Tekkiner keineswegs das seltenste Pferd dieser Liste, aber im weltweiten Vergleich trotzdem eine seltene Pferderasse.
Und weil er zusätzlich noch aussieht, als hätte jemand beim Erstellen eines Pferdes versehentlich den Metallic-Regler aufgedreht, findet ihr ihn bei uns auch als Kandidaten für das außergewöhnlichste Pferd der Welt.
8. Kinsky-Pferd: ungefähr 1.000 eingetragene Pferde
Und jetzt bekommt unser ursprünglicher Kandidat natürlich trotzdem seinen verdienten Platz.
Das Kinsky-Pferd aus Tschechien gehört tatsächlich zu den seltenen europäischen Pferderassen. Rund 1.000 Pferde sind eingetragen, darunter ungefähr 300 Stuten und nur etwa zwölf gekörte Hengste.
Besonders bekannt sind die goldfarbenen Vertreter der Rasse. Allerdings ist längst nicht jedes Kinsky-Pferd golden. Auch andere Grundfarben kommen vor.
Gerade diese Verbindung aus kleiner Population, langer Zuchtgeschichte und außergewöhnlichen Farben macht das Kinsky interessant.
Wenn du also irgendwo einem echten Kinsky begegnest, darfst du durchaus zweimal hinschauen.
Nur behaupten, du hättest gerade das seltenste Pferd der Welt gefunden, solltest du besser nicht.
Ein Eriskay Pony könnte sich beschweren.
9. Shire Horse: selbst das riesige Kaltblut ist gefährdet
Ausgerechnet eines der größten Pferde der Welt gehört ebenfalls zu den gefährdeten Pferderassen.
Das Shire Horse war früher als Zug- und Arbeitspferd von enormer Bedeutung. Heute gibt es für diese riesigen Pferde naturgemäß wesentlich weniger Einsatzgebiete.
Die aktuellen britischen Zahlen zeigen außerdem einen negativen Trend. 2022 wurden noch 1.060 Zuchtstuten erfasst, 2025 waren es nur noch 1.007 und für 2026 werden 973 angegeben.
Damit sank die Zuchtpopulation innerhalb weniger Jahre merklich.
Das Shire Horse ist zwar längst nicht so selten wie das Eriskay Pony oder der Suffolk Punch, wird aber dennoch als gefährdete einheimische Pferderasse geführt.
Damit taucht auch das Shire bei uns gleich mehrfach auf: unter den seltenen Pferderassen, aber natürlich vor allem bei den größten und stärksten Pferden der Welt.
10. Przewalski-Pferd: beinahe vollständig ausgestorben
Zum Schluss verlassen wir die Hauspferderassen, denn das Przewalski-Pferd ist ein Sonderfall.
Diese Wildpferde verschwanden in den 1960er-Jahren vollständig aus der freien Wildbahn. Das letzte wild lebende Tier wurde Ende der 1960er-Jahre beobachtet.
Gerettet wurde das Przewalski-Pferd nur durch Tiere, die zuvor in menschlicher Obhut gehalten worden waren.
Und jetzt kommt der erschreckende Teil: Die heutige Population geht auf lediglich 13 wild gefangene Vorfahren zurück.
Durch internationale Zuchtprogramme gelang es trotzdem, den Bestand wieder aufzubauen und Przewalski-Pferde sogar zurück in die Mongolei zu bringen.
Heute existieren wieder ungefähr 2.000 Tiere weltweit, wobei ein Teil davon wieder frei beziehungsweise in großen Schutzgebieten lebt.
Das ist eine beeindruckende Rettungsgeschichte, aber gleichzeitig ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was passiert, wenn eine Pferdepopulation genetisch auf eine winzige Zahl von Tieren zusammenschrumpft.
Welche Pferderasse ist nun die seltenste der Welt?
Nach unserer Recherche würde ich nicht das Kinsky-Pferd auf Platz eins setzen.
Unter den hier vorgestellten Pferderassen ist das Eriskay Pony der deutlich bessere Kandidat. Für Großbritannien wurden 2025 gerade einmal 35 Zuchtstuten erfasst. Selbst wenn man sämtliche lebenden Eriskay Ponys weltweit zusammenzählt, kommt man nur auf ungefähr 400 Tiere.
Auch das Suffolk Horse mit rund 123 britischen Zuchtstuten und das Cleveland Bay mit etwa 112 liegen in einer Größenordnung, bei der jedes einzelne Zuchttier für die Zukunft der Rasse wichtig wird.
Das Kinsky-Pferd ist mit ungefähr 1.000 eingetragenen Pferden ebenfalls selten, steht aber keineswegs unmittelbar vor dem Verschwinden.
Warum werden Pferderassen überhaupt so selten?
Wenn man diese Geschichten hintereinander liest, fällt etwas auf: Die meisten dieser Pferderassen wurden nicht selten, weil sie schlechte Pferde waren.
Ganz im Gegenteil.
Sie waren häufig hervorragend an ihre Aufgabe angepasst.
Suffolk Punches zogen schwere landwirtschaftliche Geräte. Dales Ponys transportierten Lasten. Newfoundland Ponys arbeiteten für Bauern und Fischer. Cleveland Bays wurden als kräftige Fahr- und Gebrauchspferde geschätzt.
Dann änderte sich innerhalb weniger Jahrzehnte unsere Welt.
Autos ersetzten Kutschen, Traktoren ersetzten Arbeitspferde und Lastwagen übernahmen Transporte. Plötzlich wurden Pferdetypen, die Menschen über Jahrhunderte gezielt gezüchtet hatten, schlicht nicht mehr benötigt.
Und wenn niemand mehr eine bestimmte Pferderasse braucht, werden weniger Fohlen geboren.
Aus Zehntausenden Pferden werden Tausende, aus Tausenden werden Hunderte und irgendwann sitzt ein Zuchtverband da und zählt nicht mehr Pferde, sondern einzelne Zuchtstuten.
Genau deshalb ist die Erhaltung seltener Pferderassen mehr als nostalgische Liebhaberei. Mit jeder verschwundenen Rasse gehen genetische Besonderheiten und Eigenschaften verloren, die über viele Generationen entstanden sind.
Und vielleicht verändert das auch ein wenig den Blick auf die Frage nach dem seltensten Pferd der Welt.
Denn hinter diesen Zahlen stehen keine Sammelkarten und keine Rekorde.
Wenn von einer Pferderasse nur noch 35 Zuchtstuten übrig sind, entscheidet eine ziemlich kleine Gruppe von Pferden darüber, ob es diese Rasse auch in einigen Jahrzehnten noch geben wird.

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