Westernpferde

Welche Pferderassen eignen sich zum Westernreiten? Vom Quarter Horse bis zum Mustang

Westernreiten und Pferderassen gehören für viele Menschen untrennbar zusammen. Man sieht einen breiten Westernsattel, ein Pferd mit tief getragenem Hals und einen Reiter mit Cowboyhut – und vor dem inneren Auge erscheint beinahe automatisch ein kräftiges Quarter Horse.

Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht. Westernreiten ist zunächst einmal eine Reitweise und keine Rassefrage. Grundsätzlich kann man sehr viele Pferderassen western reiten. Trotzdem gibt es einige Rassen, die besonders eng mit der Entwicklung dieser Reitweise verbunden sind.

Und dann gibt es noch eine zweite Gruppe: die Pferde, die wir aus Westernfilmen kennen. Mustangs, Appaloosas, Schecken und kompakte Ranchpferde prägen unser Bild vom Wilden Westen bis heute.

Das Quarter Horse – die klassische Westernpferderasse

Wenn man nur eine einzige Pferderasse nennen dürfte, die das moderne Westernreiten verkörpert, wäre es eindeutig das American Quarter Horse.

Sein Körperbau verrät bereits, wofür viele Quarter Horses gezüchtet wurden. Ein typisches Stock Horse ist kompakt, kräftig bemuskelt und besitzt vor allem eine leistungsfähige Hinterhand.

Das ist bei vielen Westerndisziplinen entscheidend.

Ein gutes Westernpferd soll nicht einfach nur schnell geradeaus laufen. Es muss beispielsweise blitzschnell anhalten, wenden, einem Rind folgen oder aus einer ruhigen Bewegung heraus explosiv beschleunigen können.

Genau diese Eigenschaften findet man beim Quarter Horse ausgesprochen häufig.

Allerdings gibt es inzwischen sehr unterschiedliche Zuchtrichtungen. Ein Quarter Horse für Cutting oder Working Cow Horse kann völlig anders gebaut sein als ein Pferd aus modernen Western-Pleasure-Linien.

„Das Quarter Horse“ gibt es also genauso wenig wie „das Warmblut“.

Anfängerstunde Westernreiten

Warum heißt es eigentlich Quarter Horse?

Der Name hat nichts mit einem Viertel Pferd zu tun, sondern mit den ursprünglich beliebten Rennen über eine Viertelmeile.

Auf kurzen Strecken waren diese Pferde außergewöhnlich schnell.

Gleichzeitig wurden sie auf den Ranches gebraucht. Dort musste ein Pferd zuverlässig arbeiten, lange Tage aushalten und vor allem ein gutes Gefühl für Rinder besitzen.

Daraus entwickelte sich das, was Westernreiter bis heute als Cow Sense bezeichnen.

Ein Pferd mit ausgeprägtem Cow Sense beobachtet ein Rind ausgesprochen aufmerksam und reagiert teilweise beinahe selbstständig auf dessen Bewegungen.

Besonders beeindruckend sieht man das beim Cutting.

Paint Horse – der auffällige Verwandte des Quarter Horses

Kaum eine Pferderasse sieht mehr nach Westernfilm aus als ein American Paint Horse.

Die großen weißen und farbigen Scheckflächen passen einfach perfekt zu Cowboyhut, Westernsattel und weiter Prärie.

Dabei ist das Paint Horse keineswegs nur ein buntes Freizeitpferd.

Züchterisch besteht eine enge Verbindung zum Quarter Horse. Entsprechend findet man auch beim Paint Horse viele typische Eigenschaften eines amerikanischen Stock Horses.

Paint Horses werden unter anderem in Reining, Cutting, Western Pleasure, Ranch Riding und verschiedenen Rinderdisziplinen eingesetzt.

Ein gutes Paint Horse ist deshalb vereinfacht gesagt kein Quarter Horse mit hübschen Flecken – es ist eine eigenständige Rasse, die allerdings stark von derselben amerikanischen Stock-Horse-Tradition geprägt wurde.

Appaloosa – eines der berühmtesten Pferde Amerikas

Dann kommen wir zu einer Rasse, die vermutlich jeder erkennt:

dem Appaloosa.

Tigerschecken, Leopardzeichnungen, Schabracktiger und andere auffällige Fellzeichnungen haben diese Pferde zu echten Filmstars gemacht.

Die Geschichte des Appaloosa ist eng mit den Nez Percé verbunden. Sie entwickelten über Generationen leistungsfähige Pferde und betrieben eine gezielte Zucht. Heute ist der Appaloosa ausgesprochen vielseitig und wird sowohl englisch als auch western geritten. Typische Westerndisziplinen reichen von Reining und Cutting bis zu verschiedenen Geschicklichkeits- und Ranchklassen. (Wikipedia)

Gerade im Westernfilm ist der Appaloosa natürlich ein Geschenk.

Ein geschecktes Pferd erkennt der Zuschauer sofort wieder.

Das ist beim Film nicht unwichtig. Wenn ein Held zwanzig Minuten später erneut auftaucht, funktioniert ein spektakulär gezeichneter Appaloosa visuell besser als das siebzehnte braune Pferd.

Es gibt sogar den Western „The Appaloosa“ von 1966 mit Marlon Brando, bei dem ein gestohlener Appaloosa eine zentrale Rolle in der Handlung spielt. (Wikipedia)

Mustang – das Pferd des Wilden Westens

Wenn wir dagegen nicht über Turniersport, sondern über den Mythos Wilder Westen sprechen, steht vermutlich eine andere Pferdegruppe ganz oben:

der Mustang.

Mustangs leben bis heute frei beziehungsweise verwildert im Westen der USA. Ihre Vorfahren gehen unter anderem auf Pferde zurück, die von Europäern nach Amerika gebracht wurden. Im Laufe der Zeit vermischten sich unterschiedliche Populationen und Pferdetypen miteinander. Deshalb ist „der Mustang“ äußerlich wesentlich weniger einheitlich als eine streng durchgezüchtete moderne Pferderasse. (Wikipedia)

Es gibt kleine, kompakte Mustangs ebenso wie deutlich größere oder elegantere Typen.

Was viele Populationen verbindet, ist ihre Anpassung an schwierige Umweltbedingungen.

Trittsicherheit, Ausdauer und Genügsamkeit sind schließlich ausgesprochen hilfreich, wenn ein Pferd nicht jeden Abend in einer Box mit Kraftfutterservice landet.

Für Westernfilme ist der Mustang geradezu perfekt.

Er verkörpert Freiheit, Wildnis und den amerikanischen Westen wie kaum ein anderes Pferd.

Der Film „Hidalgo“ spielt beispielsweise ganz bewusst mit diesem Bild: Im Mittelpunkt steht ein Mustang, der mit seinem Reiter an einem extremen Distanzrennen teilnimmt. (Wikipedia)

Waren Cowboys im Wilden Westen wirklich alle auf Quarter Horses unterwegs?

Nein.

Das wäre eine viel zu moderne Vorstellung.

Der historische Westen bestand nicht aus sauber sortierten Pferderassen mit Abstammungsnachweis und Zuchtverbandslogo auf dem Anhänger.

Auf Ranches wurden vor allem brauchbare Arbeitspferde benötigt.

Entscheidend war, ob ein Pferd zuverlässig war, Rinder arbeiten konnte, genügend Ausdauer besaß und unter den jeweiligen Bedingungen zurechtkam.

Viele dieser Pferde waren Mischtypen.

Der Begriff Cow Pony bezeichnete deshalb weniger eine bestimmte Rasse als ein geeignetes Arbeitspferd für den Cowboy.

Aus solchen Gebrauchspferden entstanden später wiederum einige der modernen amerikanischen Stock-Horse-Rassen.

Auch der Morgan gehört zur amerikanischen Pferdegeschichte

Ein wenig vergessen wird bei diesem Thema häufig das Morgan Horse.

Morgan Horses gehören zu den ältesten amerikanischen Pferderassen und spielten in der Entwicklung der amerikanischen Pferdezucht eine bedeutende Rolle.

Sie wurden ausgesprochen vielseitig eingesetzt: als Reitpferde, Fahrpferde und Arbeitspferde.

Auch heute können Morgan Horses durchaus western geritten werden.

Optisch entsprechen sie allerdings weniger stark unserem europäischen Klischee vom typischen Westernpferd als Quarter Horse oder Paint Horse.

Historisch gehören sie trotzdem unbedingt zur Geschichte amerikanischer Pferderassen. Dokumentationen über die Entwicklung amerikanischer Pferde stellen deshalb häufig Mustang, Appaloosa, Quarter Horse und Morgan gemeinsam als prägende Pferdetypen der USA vor. (Terra Mater Studios)

Welche Rassen sieht man heute am häufigsten im Westernsport?

Das hängt stark von der jeweiligen Disziplin ab.

Bei klassischen Stock-Horse-Wettbewerben dominieren vor allem:

American Quarter Horse, American Paint Horse und Appaloosa.

Diese drei Rassen begegnen einem im modernen Westernsport besonders häufig. Auch in offenen Western-Pleasure-Prüfungen werden typische Stock-Horse-Rassen wie Quarter Horse, Paint und Appaloosa bevorzugt eingesetzt. (Wikipedia)

Daneben findet man unter anderem Araber, Morgan Horses, Mustangs und zahlreiche Kreuzungen.

Denn letztlich entscheidet nicht nur die Rasse darüber, ob ein Pferd für Westernreiten geeignet ist.

Welche Pferde eignen sich für Reining?

Bei der Reining braucht man ein ausgesprochen athletisches Pferd.

Sliding Stops, Spins, schnelle Galoppwechsel, Zirkel mit Tempounterschieden und Rollbacks verlangen Kraft, Balance und enorme Kontrolle über die Hinterhand.

Hier ist das Quarter Horse besonders stark vertreten.

Dasselbe gilt für Paint Horses mit entsprechenden Leistungsblutlinien.

Ein guter Reiner braucht einen Körperbau, der ihm ermöglicht, Last mit der Hinterhand aufzunehmen und dennoch schnell und beweglich zu bleiben.

Das berühmte Bild eines Pferdes, das scheinbar meterweit auf der Hinterhand durch den Sand „rutscht“, stammt aus dieser Disziplin.

Welche Pferde eignen sich für Cutting und Cow Horse?

Hier wird es noch spezieller.

Beim Cutting trennt das Pferd ein einzelnes Rind aus einer Herde und verhindert anschließend selbstständig, dass dieses zurückläuft.

Gute Cutting Horses wirken dabei fast wie Border Collies unter den Pferden.

Sie beobachten jede Bewegung des Rindes, wechseln blitzschnell die Richtung und arbeiten teilweise so selbstständig, dass der Reiter kaum sichtbar eingreift.

Auch hier dominieren spezialisierte Quarter-Horse-Linien.

Beim Working Cow Horse beziehungsweise Reined Cow Horse werden sowohl Rittigkeit als auch Arbeit am Rind verlangt.

Das sind keine gemütlichen Cowboy-Spielchen. Auf hohem Niveau handelt es sich um hochspezialisierten Pferdesport.

Western Pleasure braucht wiederum einen anderen Typ

Ein modernes Western-Pleasure-Pferd soll ruhig, gleichmäßig und mit möglichst wenig sichtbarer Einwirkung des Reiters gehen.

Jog und Lope unterscheiden sich deutlich von dem, was wir beispielsweise aus einer klassischen Dressurprüfung kennen.

Auch innerhalb des Quarter Horses haben sich dafür eigene Zuchtrichtungen entwickelt.

Ein Pleasure-Pferd muss also nicht dieselben Eigenschaften besitzen wie ein Cutting Horse.

Das ist ungefähr so, als würde man sagen: Ein Warmblut eignet sich für Pferdesport.

Stimmt zwar – aber zwischen Grand-Prix-Dressur und Vielseitigkeit liegen trotzdem Welten.

Ranch Riding kommt dem ursprünglichen Arbeitspferd wieder näher

Sehr interessant finde ich die Entwicklung der Ranch-Klassen.

Hier soll wieder stärker das vielseitige, arbeitsfähige Ranchpferd im Mittelpunkt stehen.

Das Pferd soll vorwärts gehen, unterschiedliche Aufgaben bewältigen und den Eindruck vermitteln, tatsächlich für die Arbeit auf einer Ranch brauchbar zu sein.

Für viele Freizeitreiter wirkt diese Art des Westernreitens deshalb wesentlich natürlicher als extrem spezialisierte Showdisziplinen.

Auch hier sind Quarter Horses, Paint Horses und Appaloosas stark vertreten.

Und welche Rassen sieht man besonders häufig in Westernfilmen?

Da muss man zwischen historischer Wirklichkeit und Filmästhetik unterscheiden.

Im Film werden Pferde nicht nur nach historischer Korrektheit ausgewählt.

Sie müssen zuverlässig am Set arbeiten, mit anderen Pferden zurechtkommen, bestimmte Aktionen ausführen können und natürlich gut aussehen.

Deshalb tauchen in Westernfilmen besonders gerne Pferde auf, die der Zuschauer sofort mit Amerika verbindet.

Dazu gehören vor allem:

Quarter Horses, Paint Horses, Appaloosas und Mustangs beziehungsweise Mustang-Typen.

Gerade auffällige Schecken und Appaloosas eignen sich hervorragend für Hauptfiguren, weil der Zuschauer sie wiedererkennt.

Der berühmte Westernheld auf seinem unverwechselbaren Pferd ist schließlich ein Teil des Genres.

Palomino – eigentlich gar keine Pferderasse

Auch das goldene Pferd mit weißer Mähne gehört fest zum Westernfilm.

Dabei ist Palomino keine Pferderasse, sondern eine Farbe.

Quarter Horses können beispielsweise Palominos sein. Auch bei anderen Rassen kommt die Farbe vor.

Gerade im amerikanischen Film und Fernsehen wurden goldene Pferde jedoch derart populär, dass Palominos von vielen Menschen beinahe als eigene Westernpferderasse wahrgenommen werden.

Das berühmteste Beispiel dürfte Roy Rogers’ Pferd Trigger sein.

Der goldene Palomino wurde selbst zu einem Star und prägte das Bild des Westernpferdes über Jahrzehnte.

Buckskin und Dun – ebenfalls typische Westernfarben

Ähnlich geht es vielen bei Buckskin und Dun.

Ein falbfarbenes oder goldenes Pferd mit dunklen Beinen, schwarzer Mähne und dunklem Schweif wirkt für unsere Augen sofort ein bisschen nach Prärie.

Auch hier handelt es sich zunächst um Farben beziehungsweise Farbgruppen und nicht automatisch um eigenständige Pferderassen.

Gerade bei Quarter Horses kommen entsprechende Farben durchaus vor. Die AQHA erkennt eine große Zahl unterschiedlicher Fellfarben innerhalb der Rasse an. (AQHA)

Deshalb kann ein und dieselbe Pferderasse im Westernfilm vollkommen unterschiedlich aussehen: Fuchs, Brauner, Rappe, Palomino, Buckskin oder andere Farbvarianten.

Kann man auch mit einem Haflinger Westernreiten?

Natürlich.

Und mit einem Fjordpferd, Araber, Warmblut oder vielen Ponyrassen ebenfalls.

Für den normalen Freizeitreiter ist die Frage „Welche Rasse kann Westernreiten?“ sowieso etwas falsch gestellt.

Ein Pferd muss nicht wie ein Quarter Horse aussehen, um auf feine Hilfen zu reagieren, einhändig geritten zu werden, Trailhindernisse zu absolvieren oder entspannt ins Gelände zu gehen.

Bei hochspezialisierten Turnierdisziplinen sieht die Sache anders aus.

Wer ernsthaft Cutting oder Reining auf hohem Niveau betreiben möchte, hat mit speziell dafür gezüchteten Quarter- oder Paint-Horse-Linien natürlich ganz andere Voraussetzungen.

Wer dagegen einfach gern western reitet, braucht in erster Linie ein körperlich geeignetes, gesundes und vernünftig ausgebildetes Pferd.

Das typische Westernpferd gibt es also eigentlich zweimal

Das ist vielleicht die einfachste Art, das Ganze auseinanderzuhalten.

Da ist zunächst das moderne Westernsportpferd.

Hier steht eindeutig das American Quarter Horse an erster Stelle, gefolgt von Paint Horse und Appaloosa.

Und dann gibt es das Pferd des Wilden Westens in unseren Köpfen.

Dort galoppieren Mustangs durch die Prärie, Cowboys sitzen auf Schecken, Indianer reiten Appaloosas und irgendwo steht garantiert noch ein goldener Palomino vor dem Saloon.

Historisch war die Pferdewelt des amerikanischen Westens sehr viel bunter und weniger sauber nach Rassen sortiert.

Aber genau aus dieser Mischung aus tatsächlicher Ranchgeschichte und Hollywood ist das Bild entstanden, das wir heute mit Westernpferden verbinden.

Und wahrscheinlich ist genau deshalb ein kräftiges Pferd mit Westernsattel, dunkler Mähne und Staub unter den Hufen noch immer ausreichend, damit im Kopf sofort die passende Filmmusik anfängt.

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