Pferde mit Bart: Warum manche Pferde sogar einen Schnurrbart haben
Pferde mit Bart sehen auf den ersten Blick ein bisschen so aus, als hätte sich die Natur einen Scherz erlaubt. Besonders spektakulär sind Pferde, denen tatsächlich ein richtiger Schnurrbart auf der Oberlippe wächst. Bei manchen Exemplaren ist er nur als dichter Haarbüschel zu erkennen, bei anderen stehen die langen Haare seitlich ab und erinnern verblüffend an einen menschlichen Schnurrbart.
Besonders bekannt für diese ungewöhnliche Haarpracht sind Tinker beziehungsweise Irish Cobs und Gypsy Cobs. Wer einen solchen Pferdeschnurrbart zum ersten Mal sieht, könnte ihn beinahe für eine kreative Idee des Besitzers halten. Tatsächlich wächst er ganz natürlich.
Doch nicht jedes Pferd, das im Gesicht lange Haare trägt, hat einen echten „Bart“. Pferde besitzen außerdem wichtige Tasthaare rund um Maul und Augen. Und bei einigen Pferden wächst im Winter zusätzlich eine ausgesprochen üppige Behaarung an Kinn, Unterkiefer und Lippen.
Können Pferde wirklich einen Schnurrbart bekommen?
Ja. Bei manchen Pferden wachsen auf der Oberlippe auffallend lange und teilweise leicht gewellte Haare. Besonders eindrucksvoll sieht das aus, wenn die Haare seitlich über die Maulwinkel hinausreichen.
Der Begriff Schnurrbart ist natürlich keine anatomische Bezeichnung. Er beschreibt lediglich sehr treffend das Aussehen.
Besonders häufig wird dieses Phänomen bei Tinkern und verwandten Cob-Typen beobachtet. Diese Pferde bringen ohnehin häufig eine außergewöhnlich starke Behaarung mit. Lange Mähnen, üppige Schweife und der charakteristische Behang an den Beinen gehören bei vielen Vertretern dieses Typs zum Erscheinungsbild. Dass manche Exemplare auch am Kopf ausgesprochen haarig werden, passt also durchaus ins Gesamtbild.
Dabei bekommt längst nicht jeder Tinker einen imposanten Schnurrbart. Wie stark die Behaarung ausgeprägt ist, unterscheidet sich von Pferd zu Pferd.
Welche Pferderassen können einen Bart haben?
Der Tinker beziehungsweise Irish Cob/Gypsy Cob ist sicherlich das bekannteste Beispiel. Fotos von Pferden mit richtig ausgeprägtem Schnurrbart zeigen auffallend häufig diese Pferde.
Grundsätzlich ist stärkere Behaarung im Bereich von Lippen, Kinn und Unterkiefer aber nicht exklusiv einer einzigen Rasse vorbehalten. Gerade robuste Pferde- und Ponytypen mit ausgeprägtem Lang- und Winterhaar können dort deutlich mehr Haare entwickeln als ein fein behaartes Sportpferd.
Deshalb sollte man vorsichtig mit Aussagen wie „Diese Pferderasse hat einen Bart“ sein. Es handelt sich nicht um ein festes Rassemerkmal, das jedes Pferd einer bestimmten Rasse besitzen muss. Vielmehr spielen Genetik, individueller Haartyp und teilweise auch die Jahreszeit eine Rolle.
Ein fein behaarter Araber oder Englisches Vollblut wird allerdings wesentlich seltener wie ein kleiner viktorianischer Gentleman mit Schnurrbart auf der Weide stehen als ein ausgesprochen haariger Cob.
Schnurrbart, Kinnbart oder einfach Winterfell?
Bei „Pferde mit Bart“ können tatsächlich unterschiedliche Dinge gemeint sein.
Am auffälligsten ist der Schnurrbart an der Oberlippe. Dabei wächst eine dichte Haarpartie unmittelbar oberhalb beziehungsweise entlang der Lippen und kann seitlich überstehen.
Daneben gibt es Pferde mit deutlich längerer Behaarung unterhalb der Unterlippe und am Kinn. Besonders im Winter kann daraus ein regelrechter Kinnbart entstehen.
Hinzu kommt das längere Winterfell im Bereich des Unterkiefers. Manche robuste Pferde sehen während der kalten Jahreszeit unter dem Kopf ausgesprochen zottelig aus. Beim Fellwechsel verschwindet ein großer Teil dieser Haarpracht wieder.
Und schließlich gibt es noch Haare, die zwar ebenfalls rund um das Pferdemaul wachsen, mit einem dekorativen Bart aber überhaupt nichts zu tun haben.
Die Vibrissen des Pferdes sind kein Bart
Rund um Maul, Nüstern und Augen befinden sich die Vibrissen, umgangssprachlich meist Tasthaare genannt.
Sie sind deutlich länger und kräftiger als das normale Fell und erfüllen eine wichtige sensorische Funktion. An ihren Haarwurzeln befinden sich zahlreiche Nervenendigungen. Das Pferd kann damit Gegenstände und Oberflächen wahrnehmen, die es insbesondere unmittelbar vor seinem Maul mit den Augen nur eingeschränkt erfassen kann.
Das ist beim Pferd besonders sinnvoll, denn aufgrund der Lage seiner Augen kann es den Bereich unmittelbar vor beziehungsweise unter seinem Maul nicht so betrachten wie wir Menschen unsere Hände.
Die Tasthaare helfen dem Pferd beispielsweise dabei, seine unmittelbare Umgebung am Maul zu erkunden.
Deshalb sollte man Vibrissen nicht mit einem Pferdeschnurrbart verwechseln. Beim spektakulären Schnurrbart eines stark behaarten Tinkers können normale längere Haare und die deutlich kräftigeren einzelnen Tasthaare nebeneinander vorkommen.
Darf man den Bart eines Pferdes abschneiden?
Hier muss ebenfalls zwischen normalem Fell und Vibrissen unterschieden werden.
Normale längere Fellhaare an Kinn oder Oberlippe könnte man grundsätzlich kürzen. Bei den Tasthaaren sieht die Sache anders aus. Sie sind ein Sinnesorgan des Pferdes und sollten nicht aus kosmetischen Gründen entfernt werden.
In Deutschland ist das routinemäßige Entfernen der Vibrissen bei Pferden inzwischen auch tierschutzrechtlich relevant. Der frühere Brauch, Pferde für Turniere oder Schauen rund um das Maul komplett „glatt“ zu rasieren, ist deshalb keine harmlose Schönheitsmaßnahme.
Wer einen ausgesprochen haarigen Tinker besitzt, sollte beim Kürzen eines Schnurrbartes entsprechend genau wissen, welche Haare er vor sich hat.
Haben Stuten auch einen Schnurrbart?
Ein Pferdeschnurrbart ist keine reine Hengstsache. Auch Stuten und Wallache können eine auffällige Oberlippenbehaarung entwickeln.
Der menschliche Vergleich mit einem Männerbart führt hier also in die Irre. Ein Pferd braucht weder Hengst zu sein noch besonders viel „Männlichkeit“ mitzubringen, um mit einem stattlichen Schnauzer herumzulaufen.
Wie ausgeprägt die Behaarung wird, hängt vielmehr vom einzelnen Pferd und seiner genetischen Veranlagung ab.
Warum sind gerade Tinker so häufig Pferde mit Bart?
Beim Tinker fällt der Schnurrbart nicht völlig aus dem Rahmen. Diese Pferde wurden traditionell nicht auf das möglichst glatte, feine Erscheinungsbild moderner Sportpferde selektiert.
Im Gegenteil: reichlich Langhaar und Behang gehören bis heute zu ihrem typischen Erscheinungsbild. Manche Tinker besitzen enorme Mähnen, sehr volle Schweife und so viel Behang an den Beinen, dass die Hufe beinahe darin verschwinden.
Bei entsprechend stark behaarten Linien kann sich diese Veranlagung auch im Gesicht bemerkbar machen.
Gerade deshalb findet man unter Tinkern einige der spektakulärsten Pferdeschnurrbärte überhaupt.
Verändert sich der Pferdebart im Winter?
Das kann durchaus passieren. Pferde bilden abhängig von Haltung, Lichtverhältnissen, Temperatur und individueller Veranlagung ein unterschiedlich starkes Winterfell.
Bei ohnehin stark behaarten Pferden können dadurch auch Kinn und Unterkiefer im Winter erheblich zotteliger erscheinen. Im Frühjahr verschwindet ein Teil dieser Behaarung während des Fellwechsels wieder.
Ein echter ausgeprägter Oberlippen-Schnurrbart kann dagegen wesentlich auffälliger und dauerhafter sein, wobei auch dessen Länge und Dichte schwanken können.
Pferde mit Bart sind ungewöhnlich – aber völlig natürlich
Ein Pferd mit einem prächtigen Schnurrbart sieht zweifellos kurios aus. Krankhaft oder künstlich ist diese ungewöhnliche Haarpracht jedoch nicht. Gerade bei Tinkern und anderen stark behaarten Pferdetypen kann sie schlicht Teil ihrer individuellen Behaarung sein.
Dabei reicht das Spektrum vom kleinen Haarbüschel unter dem Kinn über einen zotteligen Winterbart bis zum erstaunlich echten Pferdeschnurrbart auf der Oberlippe.
Nur eines sollte man nicht in denselben Topf werfen: die langen einzelnen Tasthaare rund um das Maul. Die sehen vielleicht ebenfalls ein wenig nach Bart aus, sind für das Pferd aber weit mehr als dekorative Haare. Sie gehören zu seinem Tastsinn.
Und wenn ein Tinker von Natur aus einen prächtigen Schnauzer trägt? Dann gibt es eigentlich wenig Grund, ihm dieses ziemlich einzigartige Markenzeichen zu nehmen.
Schau Dir hier auch noch Pferde mit Haaren an den Beinen an, das passt zum Thema ☺️

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